Predigt zum 9. Sonntag nach Trinitatis (13.08.2017)

Foto: Gert Holle
Foto: Gert Holle

 

Textlesung: Mt. 7, 24 - 27

 

Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet. Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein, und sein Fall war groß.

 

Liebe Gemeinde!

 

Vor einiger Zeit hatten ein paar Gemeindemitglieder ein sehr interessantes Gespräch: Es ging über den christlichen Glauben. Ob es denn einem Menschen vorzuwerfen wäre, wenn er nun einmal nicht glauben kann? Ob wir uns denn den Glauben irgendwie selbst verschaffen können? Ob er denn nicht ein Geschenk Gottes wäre?

 

Gar nicht so einfach diese Fragen! Da hat auch ein Pfarrer keine rasche Antwort parat! Sie haben sehr lange darüber gesprochen. Alle Seiten des Problems erörtert, in alle Winkel des Themas geleuchtet.

 

Hier sind ein paar der geäußerten Gedanken: Wie oft hat man das schon gehört: "Ich bin nicht gläubig!" Oder: Ich kann mit diesem Kram, den sie in den Kirchen predigen, wenig anfangen! - So, Sie haben das noch nie gehört? Ich schon! Aber vielleicht reden die Leute heute gar nicht mehr so viel davon. Vielleicht müssen wir das einfach ihrem Leben ablesen, dass wir es mit unseren Augen sehen und mit unserem Herzen spüren: So kann doch keiner sein, der an Gott glaubt! So verhält sich kein wirklicher Christ!

 

Die Frage jedenfalls bleibt: Ist einer denn verantwortlich dafür, wenn er keinen Vater im Himmel kennt? Dürfen wir einem Menschen irgendwie vorhalten, wenn er nicht glauben kann? Würden wir damit nicht eigentlich sagen: Du bist schuld, dass dir Gott den Glauben nicht schenkt?! Und: Wäre nicht schon solches Reden widersinnig? Wie kann denn einer verschulden, nicht beschenkt zu werden? Und was ist das für ein Geschenk, wenn ich es mir doch irgendwie verdienen muss? -

 

Wirklich schwierig diese Dinge! Und hier hat sich das Gespräch, von dem ich erzähle, auch festgebissen. Was die Gesprächsteilnehmer dann weitergebracht hat, war die Einsicht: Dass wir beim Glauben immer zuerst an etwas tief Geistiges denken, an einen Vorgang in unserem Kopf, in unserem Herzen oder in unserer Seele. Wenn wir etwa sagen: Ich glaube an Gott, dann meinen wir: Ich gehe davon aus, dass ein höheres Wesen über uns wohnt. Anders ausgedrückt, wir sagen dann: Ich kann das mit meinem Verstand annehmen, in meinem Kopf denken, dass es einen Gott gibt, den ich zwar nicht sehe, der aber doch da ist. Immer geht es um einen inneren Prozess, sozusagen. - Ist der Glaube so etwas? Besser: Ist er nur so etwas?

 

So kam man schließlich der Sache auf die Spur. Die Gesprächsrunde entdeckte die andere Seite des Glaubens, die - seltsam genug - heute meist weniger beachtet wird; ich will sie die praktischen Seite nennen: Den Glauben als Tat.

 

Und, als hätte es so sein sollen, hören wir heute dieses Gleichnis Jesu vom Haus auf dem Felsen! Wie das passt! Jesus sprach: Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf dem Felsen baute. Vor diesem Wort hat unser Reden und Dünken vom Glauben als nur geistiger Vorgang keinen Platz mehr! Nein! hier gibt es für die Christen eine ganz klare Auskunft, worum es geht. Da sind nicht in erster Linie irgendwelche Geheimnisse um Gottes Person zu lüften, da gibt es nicht zuerst Rätsel zu enthüllen oder - wenn wir sie nicht lösen können - einfach zu glauben. Da hat einer, nämlich der Herr Jesus Christus, deutliche Weisung gegeben, wie die Leute in seiner Nachfolge leben sollen - und können: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Tu wohl denen, die dich hassen! Sei gütig selbst deinen Feinden gegenüber! Füge keinem ein Leid zu! Bleibe bei der Wahrheit! Vergreife dich nicht an dem, was deinem Mitmenschen gehört! Ehre deine Eltern! Gib Gott, was ihm gebührt, halte eine Zeit, in der du für ihn frei bleibst. Heilige den siebten Tag!

 

Das - und noch ein paar Dinge mehr - ist der Glaube! Ja, das gehört nicht nur dazu, wenn einer glaubt. Das ist der Glaube!

 

Was geschieht denn mit uns, wenn wir so tun: Den Nächsten lieben, die Eltern ehren und all das andere? Nun, dann wird unser Leben bestimmt nicht immer leicht sein oder nur glücklich. Das sicher nicht! Aber all diese Taten des Glaubens bleiben doch nicht ohne Wirkung und Folge! Nicht nur, dass mein Nächster sich darüber freut oder auch wundert, wenn ich ihm in Liebe entgegenkomme, wo er vielleicht sonst nur Bosheit erfährt. Nicht nur, dass meine Eltern stolz und froh über mich sind, wenn ich ihnen in Ehrfurcht begegne. Auch ich selbst bleibe nicht derselbe, wenn ich Jesu Rede höre und sie tue!

 

Was für uns persönlich folgt, wenn wir die Taten des Glaubens vollbringen, ist zunächst einmal Freude: Das ist nämlich schön und gut, wenn du andere liebst! Das macht dich zufrieden und glücklich, wenn du deine Eltern in Ehren hältst. Aber das bestätigt dich auch: Du weißt dabei - sicherer als alles - das ist richtig so, das soll so sein, das hat Verheißung! Du spürst, das ist der Weg zu menschlichem erfülltem Leben. Du hast das gewisse Gefühl: Hinter deinem Tun steht ein höherer Wille! Um es so zu sagen: Du weißt dabei, dein Haus in dieser Welt steht auf dem Felsen!

 

Und ich vermute, auch das andere stimmt: Wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Ich meine, es stimmt in der Weise, dass auch einer, der eben keine Glaubens-taten vorzuweisen hat, genau empfindet, dass er falsch liegt mit seinem Leben und Treiben. Sein Handeln entspricht eben nicht dieser Weisung: Liebe deinen Nächsten. Mit seiner Verachtung der Eltern oder seiner Lüge schiebt er eben auch den Willen Gottes beiseite. Dann stellt sich kein Gefühl der Freude ein. Dann gibt es allenfalls einen kurzen Augenblick hämischer Genugtuung. Von Dauer ist das nicht. Und wir werden auch nicht durch unser Tun bestätigt: Keine sichere Empfindung, du bist auf der rechten Straße. Vielmehr spürst du deutlich: Dein Haus steht auf Sand. Irgendwann wird es einstürzen und der Fall wird groß sein!

 

So ist der Glaube! Und nicht nur auch, sondern zuallererst! Wir sind zuerst zu Taten aufgerufen, dann erst zu geistigen Glaubensakten. Zunächst spricht uns Jesus an: Wer diese meine Rede hört und tut sie..., dann erst sind wir gefragt, ob wir an einen Gott im Himmel glauben. Und das ist nicht bloß ein zeitliches Hintereinander, das hat ursächlich diese Reihenfolge: Wenn ich erfahren habe, wieviel Freude und Bestätigung darin liegen, auf die Stimme Jesu zu hören, dann kann ich auch an Gott glauben, nein, noch deutlicher: Dann kann ich nicht mehr abstreiten, dass ein Vater im Himmel wohnen muss! Und noch einmal mit dem Gleichnis Jesu gesprochen: Wenn ich erfahren habe, wie gut und sicher mein Haus auf dem Felsen steht, dann weiß ich auch, wer dieser Fels ist: Mein Gott und Vater! So folgt der Glaube des Denkens dem Glauben der Tat.

 

Und so ging das Gespräch neulich auch aus: Nein, wir können keinem vorwerfen, wenn ihn Gott nicht mit dem Glauben des Verstands beschenkt. Aber wir können jedem Menschen die klare Auskunft geben: Dir steht offen, der Stimme Jesu Christi zu gehorchen, wenn er dir für dein Leben deutliche Weisung gibt: Liebe deinen Nächsten. Tu wohl denen, die dich hassen. Ehre deine Eltern... Tu das, dann wirst du sehen! - Warum sollte Gott einem Menschen, der sich um seinen Willen bemüht, das Geschenk des Herzensglaubens verweigern?

 

Ich denke, wir dürfen die Menschen, die uns sagen: Ich kann nicht glauben, auf Jesus verweisen. Im Hören auf seine Stimme finden alle Menschen eine Aufgabe, die sie erfüllen können. (Dabei wird sich auch herausstellen, wer seinen angeblichen Unglauben eigentlich nur als Alibi benutzt, nur keinen Finger für seinen Gott und seine Mitmenschen rühren zu müssen!)

 

Und selbst denen, die über diese Dinge nicht sprechen - aber ganz und gar für den eigenen Bauch leben - können wir einmal von den Taten des Glaubens sprechen, besser noch: Wir sollten sie ihnen vor-leben! Vom Glauben in unserem Herzen nur zu reden, kann allein nicht überzeugen!

 

Jesus spricht: Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf den Fels baute. AMEN

 

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Autor: Pfarrer Manfred Günther; Foto: Gert Holle - 8.08.2017

 


Predigt zum 10. Sonntag nach Trinitatis (20.08.2017)

Foto: Gert Holle
Foto: Gert Holle

 

Textlesung: Jh. 2, 13 - 22

 

Und das Passafest der Juden war nahe, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem. Und er fand im Tempel die Händler, die Rinder, Schafe und Tauben verkauften, und die Wechsler, die da saßen. Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus samt den Schafen und Rindern und schüttete den Wechslern das Geld aus und stieß die Tische um und sprach zu denen, die die Tauben verkauften: Tragt das weg und macht nicht meines Vaters Haus zum Kaufhaus! Seine Jünger aber dachten daran, dass geschrieben steht (Psalm 69,10):

 

„Der Eifer um dein Haus wird mich fressen.“ Da fingen die Juden an und sprachen zu ihm: Was zeigst du uns für ein Zeichen, dass du dies tun darfst? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn aufrichten. Da sprachen die Juden: Dieser Tempel ist in sechsundvierzig Jahren erbaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten? Er aber redete von dem Tempel seines Leibes. Als er nun auferstanden war von den Toten, dachten seine Jünger daran, dass er dies gesagt hatte, und glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesagt hatte.

 

 

 

Liebe Gemeinde!

 

Und er trieb sie alle zum Tempel hinaus...und sprach: Macht nicht meines Vaters Haus zum Kaufhaus! - Sicher können sie das nachvollziehen, wenn ich jetzt einmal für „Tempel“ - „Kirche“ einsetze und für „meines Vaters Haus“ die „Gemeinde“. Und vielleicht gehen sie sogar da noch mit, wo ich einmal behaupte: Wir stehen heute mindestens auch in der Gefahr, aus Kirche und Gemeinde ein Kaufhaus zu machen, in dem es nicht so zugeht, wie es Jesus gefallen hätte, in dem - ja, nicht Schafe und Tauben verkauft werden - in dem aber an vielen Stellen ein weltlicher Geist eingezogen ist und immer mehr Platz greift, wenn wir nicht sehr aufpassen und - noch besser! - gegensteuern. - Aber ich will klar und deutlich reden:Da sagte neulich die Mutter eines Konfirmanden zu ihrem 13jährigen Sohn: „Du kannst selbst entscheiden, ob du zum Konfirmandenunterricht gehst. Das Geld am Ende kriegst du so oder so!“

 

 

 

Da gibt es noch und immer wieder Ehepaare, die ihre Kinder zur Taufe bringen in der hör- und sichtbaren Meinung, sie sei so etwas wie ein magischer Schutz für ihr Kleines, eine Art erste Lebensversicherung für das Kind. Die Begründung eines Lebens mit Gott, eine Hilfe und ein erster Anfang auf dem Weg mit Jesus aber ist die Taufe für diese Menschen nicht. Denn sie beten dann nicht mit ihren Kindern. Sie erzählen ihnen nicht vom Glauben. Und sie führen sie später auch nicht dem Kindergottesdienst ihrer Gemeinde zu. Die Taufe hat - im Leben der Eltern und dann leider auch der Kinder - keinerlei Folgen. Und da gibt es schließlich Brautleute, die nur zu ihrer Hochzeit in der Kirche auftauchen. Man hat sie vorher nie gesehen und man wird sie hinterher nie mehr sehen - bis zur Taufe des ersten Kindes, versteht sich. Und bei der Trauung selbst hat man leicht den Eindruck, man stünde vor dem Schaufenster eines Kaufhauses und betrachte Brautmoden und die dazu gehörigen aufwendigsten Brautsträuße! Nur, dass es sich um die Stunde einer Lebensentscheidung handelt, dass es hier um das Hören auf Gottes Wort für die Ehe geht und dass man sich von dieser Feier eine Hilfe für das gemeinsame Leben als Christen erhofft - diesen Eindruck hat man nicht!

 

 

 

Und es kommt uns in diesem Zusammenhang noch so Einiges in den Sinn, was eigentlich nicht bestehen könnte, wenn Jesus - wie damals - heute seinen „Tempel“ reinigte und alles hinaustriebe, was nicht hineingehört! Vielleicht denken wir da an die kirchlichen Feiertage, die für viele nur noch Gelegenheiten zum Ausschlafen, Wäschewaschen und vielleicht der Aufarbeitung der privaten Buchführung sind, aber keine Tage zur Besinnung auf Gott, zum Hören auf das, was er uns zu sagen hat oder auch nur für die Familie und die Gemeinschaft, was ja auch ein gottwohlgefälliger Gebrauch dieser Tage wäre. Oder aber diese Feiertage, wenn sie doch einmal einer gemeinsamen Sache dienen, werden ihres kirchlichen Charakters und ihres eigentlichen Anlass' völlig entkleidet: So wurde im Frühjahr dieses Jahres in zahlreichen Anzeigen, Plakaten und Hinweistafeln im ganzen Land nicht für eine

 

Unternehmung am Tag der Himmelfahrt Christi eingeladen, sondern etwa zur

 

„Vatertagswanderung mit anschließendem Grillen“. Vielleicht kommt uns jetzt auch das Wort eines Nachbarn in den Sinn, der auf die Frage, warum er denn noch in der Kirche wäre, die er doch nie besucht, geantwortet hat: „Ich will schon gern kirchlich beerdigt werden!“ - Die Bestattung durch den Pfarrer wird also durch die Kirchensteuer erkauft.

 

 

 

Ich will einmal nicht dabei stehenbleiben, dass dies alles sehr traurig ist und einen schon auch deprimieren kann. Und natürlich wird man als eine/einer, die/der in der Kirche arbeitet noch einmal mehr davon getroffen und hat deshalb manche trübe Stunde. - Ich will mit Ihnen heute auf dieses Wort hören und fragen, was zu tun ist:

 

Und er trieb sie alle zum Tempel hinaus...und sprach: Macht nicht meines Vaters Haus zum Kaufhaus! Wir - als Christinnen und Christen, denen das Gedanken macht und die dem wehren wollen - können gewiss nicht bloß zuschauen, wenn die Menschen immer weiter das Heiligste in der Kirche verhökern und noch die besten Geschenke Gottes für käuflich halten und so entweihen. Aber was können wir tun?

 

Uns selbst ändern können wir! Auf unsere Gedanken und unsere Sprache achten können wir. Und prüfen, wie und warum wir so handeln und wie wir eigentlich handeln müssten, können wir.

 

 

 

Haben wir uns nicht auch als Eltern, als Verwandte oder Nachbarn schon manches Mal gefragt, wie viel Geld wir diesem oder jenem Konfirmanden zur Einsegnung denn in den Umschlag stecken müssen. Einmal etwas ganz anderes zu schenken, als das Sparbuch oder den Geldschein, ist uns nicht in den Sinn gekommen. - Haben wir damit nicht auch dazu beigetragen, die Konfirmation zum äußerlichen Fest und überwiegend weltlichen Anlass herabzuwürdigen?

 

 

 

Und wie oft haben unsere Lippen schon solche oder ähnliche Sätze gesprochen: „Wir zahlen doch schließlich Kirchensteuer, da kann man aber doch auch von der Kirche, vom Pfarrer, von der Pfarrerin erwarten...?“ - „Die Kinder in den Glaubensdingen zu unterrichten, das ist die Sache des kirchlichen Personals und der Religionslehrer, die werden doch schließlich dafür bezahlt!“ - Kamen da nicht auch aus unserem Mund Worte, die Gemeinde und Kirche herabgezogen haben zu einer Sache von Bezahlung und Leistung? Und verraten uns oft nicht gerade unsere Taten, die wir vermeintlich gedankenlos, wie selbstverständlich vorhaben und - wenn wir keinen Widerstand erfahren - auch ohne Bedenken oder gar Skrupel durchführen? Mir kommt da der Mann in den Sinn, der wirklich jeden Sonntagmorgen, wenn die Glocken zum Gottesdienst rufen, seinen Wagen schamponiert. Und an den Vereinsvorsitzenden musste ich denken, der seinen Mitgliedern doch tatsächlich mitgeteilt hat, die Jahreshauptversammlung würde jetzt immer auf den Karfreitag gelegt, man könne ja „mit diesem Tag sonst sowieso nichts Rechtes anfangen“!

 

Und auch das geht mir dazu durch den Kopf: Wie oft sehen wir die Menschen nur dann in ihrem Gotteshaus, wenn irgendein Anlass sie „zwingt“, dorthin zu kommen? Vielleicht ist eine Taufe in der Familie? Vielleicht wird die Fürbitte für die verstorbene Großmutter gehalten oder man will bald getraut werden und wird in der Kirche „aufgerufen“. Aber sonst?

 

 

 

Da wird man dieselben Menschen kaum unter der Kanzel sehen. „Von selbst“ gehen sie da nicht hin! Macht nicht meines Vaters Haus zum Kaufhaus! - Wir könnten hellhöriger und feinfühliger für diese Dinge werden! Und dann könnten wir bei uns anfangen, das Denken, Reden und Handeln abzustellen, das aus Gottes Gemeinde, seiner Kirche einen Kaufladen macht, in dem es nur noch um Äußerlichkeiten und Sachen geht, die wir meinen, erwerben und bezahlen, durch Leistung verdienen und darum nach Gutdünken gebrauchen zu können. Jesus hat all das aus dem Haus seines Vaters hinausgetrieben. Es hat dort damals wie heute nichts zu suchen!

 

Unseres Vaters Haus ist ein Ort, an dem wir beschenkt werden - durch Geld und Leistung ist dort nichts zu kriegen! Und dann könnten wir vielleicht auch auf andere einwirken, die unsere Kirche als Kaufhaus sehen und sie immer wieder und immer mehr dazu machen: Warum nicht den Wagenwäscher auf unserem Weg zur Kirche einmal ansprechen: „Komm doch nächsten Sonntag einmal mit zum Gottesdienst!“ Wenn er's auch nicht tun mag, so löst unsere Einladung vielleicht doch

 

ein Nachdenken aus! Und dem Vereinsvorsitzenden könnten wir vielleicht das sagen: „Ich habe am Todestag Jesu Christi, nach dem ich heiße, durchaus anderes zu tun, als auf die Hauptversammlung unseres Vereins zu gehen! Da gehe ich in meine Kirche und halte ansonsten einen Tag der Ruhe und Besinnung!“ Und bei den Menschen, die doch ganz offenkundig hier in die Kirche nur kommen, weil

 

Fürbitte gehalten wird oder man sich selbst trauen lassen will, da könnten wir's so halten: Gehen wir einmal auf sie zu und sprechen wir sie an: „Das ist aber schön, dass Sie gekommen sind! Ich freue mich immer, wenn ich neue Gesichter in unserer Kirche sehe! Hat es Ihnen gefallen im Gottesdienst?“ Vielleicht hilft das den Menschen, bald einmal wiederzukommen!

 

 

 

Liebe Gemeinde, noch manches können wir tun, bei uns selbst, bei anderen. Immer wieder ergeben sich Gelegenheiten, ein Wort zu sagen, das dem wehren kann, dass unsere Gemeinde, die Kirche Jesu immer mehr zum Kaufhaus verkommt. Wenn wir jetzt meinen, das würde doch wenig bringen, dazu hätten wir eine zu kleine Kraft und zu wenig Einfluss, dann hören wir noch auf die letzten Worte der Geschichte von Jesu Tempelreinigung: Als er nun auferstanden war von den Toten, dachten seine Jünger daran, dass er dies gesagt hatte, und glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesagt hatte.

 

 

 

Wir haben einen lebendigen Herrn! Er wird heute all unser Tun segnen, wenn wir in seinem Auftrag und mit ihm an der Seite und in seiner Kraft alles aus seinem „Tempel treiben“, was da nichts zu suchen hat! Und ist es nicht gerade seine Auferstehung, die uns ermutigen kann: Es muss nichts so bleiben wie es ist! Selbst Tote werden lebendig! Alles kann neu und anders werden - wir können dabei mithelfen in Taten und Worten! AMEN