Predigt zum Sonntag "Lätare" - 18.3.2018

Foto: Gert Holle
Foto: Gert Holle

 

 

 

 

 

Textlesung: Phil. 1, 15 – 21

 

Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht: diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege; jene aber verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir Trübsal bereiten in meiner Gefangenschaft. Was tut's aber? Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber. Aber ich werde mich auch weiterhin freuen; denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi, wie ich sehnlich warte und hoffe, dass ich in keinem Stück zuschanden werde, sondern dass frei und offen, wie allezeit so auch jetzt, Christus verherrlicht werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod. Denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.

 

 

Liebe Gemeinde!

 

Es wird Ihnen auch so gegangen sein, dass Sie den letzten Satz dieser Verse besonders gern gehört und aufgenommen haben. Warum? Weil er so bekannt ist. Und weil er so schön klingt. Obwohl... Der Inhalt gefällt uns gewiss nicht allen! Wer kann das denn ehrlich nachsprechen: "Denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn?" Aber lassen wir es einfach einmal stehen. Wenden wir uns dem zu, was Paulus uns sonst noch schreibt. Das gerät nämlich angesichts solcher bekannten, wohlklingenden Sätze leicht in den Hintergrund. Dort aber gehört es ganz und gar nicht hin!

 

"Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht: diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege; jene aber verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir Trübsal bereiten in meiner Gefangenschaft." Paulus lag also im Gefängnis. In Philippi, an deren Gemeinde er hier schreibt, gab es offenbar Christen, die das ausnutzten, um seine Mission und Verkündigung schlecht zu machen. Wahrscheinlich wollten sie ihren eigenen Einfluss vergrößern, während ihm die Hände gebunden waren. Gewiss war seine Gefangenschaft für sie auch ein Zeichen dafür, dass es mit seiner guten Beziehung zu Jesus Christus nicht mehr so weit her war. Jedenfalls reagiert der Apostel auf eine Weise, die wir nur beispielhaft nennen können: "Was tut's aber? Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber."

 

Kein bisschen aufgeregt, ohne Groll und Ärger und ganz bescheiden kann Paulus damit umgehen. Es geht doch nicht um ihn: Ob ihm das persönlich gefällt, ob es für oder gegen ihn und seine Mission spricht, ob es seinem Ruhm, seinem Ansehen dient... Wichtig ist allein, dass Jesus Christus verkündigt, seine Sache vorangetrieben und die Menschen mit seinem Evangelium bekannt gemacht werden. Ganz unwichtig ist dagegen, warum diese Leute gerade während seiner Gefangenschaft so verstärkt auftreten und was sie damit für sich selbst suchen: Ruhm, Ehre oder gar weltlichen Gewinn oder ob sie vielleicht doch wahrhaftig sind und wirklich die Sache Jesu voranbringen wollen?

 

Eine große Gelassenheit spricht aus den Worten des Paulus. Nichts kann ihn aus der Ruhe bringen, nein, er freut sich gar noch am Treiben der Leute, die vielleicht doch seine Gegner sind!

 

Hier wird es nun Zeit, dass wir die Worte des Apostels auf uns beziehen, dass wir fragen, ob wir hier sein Beispiel nachahmen wollen und was das denn eigentlich heißt, seinem Vorbild zu folgen.

 

Ich denke da an viele Menschen, die ich kenne (und ich denke auch an mich selbst!), die immer wieder dadurch verunsichert werden, dass es innerhalb der christlichen Religion und innerhalb unserer evangelischen Konfession so viele unterschiedliche Auffassungen von dem gibt, was eine Christin, ein Christ glauben muss und was das Wichtigste ist und wo der Kern und die Mitte unseres Glaubens liegt. Die einen sagen, die Bekehrung ist entscheidend. Der Tag, die Stunde, der Moment, in dem ein Mensch Christus als seinen Herrn angenommen und öffentlich bekannt und dann sein Leben geändert hat. Dabei ist deutlich, dass die Taufe eines Menschen, womöglich als unmündiger Säugling, in ihrer Bedeutung weniger wichtig wird. Andere kommen nun genau von der anderen Seite her: Die Taufe ist alles! Wer getauft ist, kann nicht mehr aus der Liebe Gottes fallen und es braucht keine Bekehrung, um in die Nähe Gottes zu kommen!

 

Dann gibt es auch Christen, die Fundamentalisten sind: Jedem Wort der Bibel kommt die gleiche Bedeutung zu! Jeder Vers wird buchstäblich verstanden und bei der Schöpfung der Welt zum Beispiel, ist es genauso gewesen, wie es im ersten Buch der Bibel geschrieben steht. Und das ist auch zeitlich so abgelaufen, wie es die Bibel lehrt, an sieben Schöpfungstagen.

 

Dann gibt es wieder andere, die sagen: Es geht nicht um den Buchstaben, sondern um den Geist der Heiligen Schrift, denn "der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig", ein Wort, das wir sogar in der Bibel selbst lesen können (2.Kor.3,6b)!

 

Noch komplizierter wird die Sache, wenn wir auf andere Religionen blicken und dabei unter vielen anderen nur einmal den Islam als Beispiel nehmen: Das bringt uns schon in Schwierigkeiten, wenn wir hören, dass ein einigermaßen strenggläubiger Muslim, wenn er sich im Koran ein wenig auskennt, uns Christen als Heiden bezeichnet, die letztlich religiös auf derselben Stufe stehen, wie Angehörige von Naturvölkern, die einen steinernen oder hölzernen Götzen anbeten oder den Mond.

 

Und das hat ja dann auch im praktischen Zusammenleben der Religionen seine Auswirkungen, die für uns schwer erträglich sind: Ganz selbstverständlich verlangt der Islam von uns Christen Toleranz in Sachen Religionsausübung der Muslime bei uns: Die Erlaubnis zum Bau einer Moschee wird beantragt - und erteilt! Islamunterricht an den Schulen wird gefordert - und zugestanden. Aber was für ein Sturm der Entrüstung (und nicht nur das!) würde losbrechen, wenn wir Christen entsprechende Forderungen in der Türkei stellten oder gar in Saudi Arabien!

 

Sie haben das jetzt schon erwartet: Hier würde Paulus von uns dieselbe Gelassenheit verlangen, die er damals gezeigt hat. Nicht aufregen! Ruhig bleiben! Auch ohne eine christliche Kirche in Istanbul oder Medina sind dort doch christliche Gemeinden entstanden. Und das Christentum findet seinen Weg zu den Herzen der Menschen - auch ohne Religionsunterricht an den Schulen. Und - erstaunlich genug! - dort wo es das Evangelium von Jesus Christus schwer hat, wo es unterdrückt wird, dort wird es oft umso aufmerksamer gehört und die Menschen hängen ihm umso stärker an!

 

Und an dieser Stelle müssen wir endlich den Gedanken ansprechen, der immer im Hintergrund dieser Gelassenheit steht: Nicht Paulus hat es doch gemacht, dass seine Botschaft etwa in Philippi angenommen worden ist. Nicht wir können doch dafür sorgen, dass Christi Sache in der Welt (und vielleicht unter den Muslimen) ankommt. Genauso wenig werden Moscheen und Islamunterricht bei uns das Evangelium von Jesus Christus unterdrücken oder gar zum Schweigen bringen können! Warum? Weil er selbst, Jesus Christus, in seinem Evangelium zu den Menschen spricht und an ihnen wirkt und arbeitet, sie überzeugt und für seine Sache gewinnt. Aber auch wenn das nicht gelingt - und es gelingt durchaus nicht immer, ist das nicht unsere Verantwortung und nichts, worüber wir uns erregen oder woran wir verzweifeln müssten.

 

Eines ist dabei aber klar: Wir dürfen und sollen dabei mithelfen, dass Menschen das Evangelium von Jesus Christus entdecken und für ihr Leben annehmen. Aber das werden wir auch, wenn die frohe Botschaft von diesem Herrn uns erreicht und überwunden hat. Und wenn nicht - dann wird uns seine Sache, genauso wie diese Predigt nicht interessieren. - Aber ich glaube, dann wären wir auch heute nicht hier im Haus dieses Herrn.

 

Vielleicht können wir jetzt auch das mitsprechen, was Paulus weiter schreibt: "Ich werde mich auch weiterhin freuen; denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird [...] durch den Beistand des Geistes Jesu Christi, wie ich sehnlich warte und hoffe." Wirklich: Das dürfen wir nicht vergessen und das müssen wir auch nicht in falsch verstandener Demut beiseiteschieben! Es geht in unserem Glauben nicht nur darum, dass wir christlich leben, in der Spur unseres Herrn gehen, sein Evangelium bezeugen und gelassen bleiben, wenn andere anders glauben. Es geht auch um unser "Heil"! Wir haben auch eine Zukunft, auf die wir uns wie Paulus freuen können und nach der wir Sehnsucht haben dürfen! Wir sollten das nicht zu gering schätzen, zumal es dabei hilft, dass wir bei allem, was uns geschieht und wovon unser Glaube bedrängt wird, gelassen bleiben können: Wir haben das ewige Heil vor Augen! Wir werden auferstehen, wie unser Herr auferstanden ist!

 

Ich denke nicht, dass auch wir in unserer Zeit wie Paulus um des Glaubens Willen werden Leiden auf uns nehmen müssen. Aber selbst dann hätte das Leben, das uns in der Ewigkeit versprochen ist, tausendmal mehr Gewicht, als die kurze Trübsal und das Leid dieser Zeit. Und so Gott will, können wir mit Paulus dann sagen: "Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn." AMEN

 

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Autor: Pfarrer Manfred Günther; Foto: Gert Holle - 16.02.2018

     


Predigt am Sonntag "Judika" - 25.3.2018

Foto: Gert Holle
Foto: Gert Holle

 

 

 

Textlesung: 4. Mose 21, 4 - 9

 

Da brachen sie auf von dem Berge Hor in Richtung auf das Schilfmeer, um das Land der Edomiter zu umgehen. Und das Volk wurde verdrossen auf dem Wege und redete wider Gott und wider Mose: Warum hast du uns aus Ägypten geführt, dass wir sterben in der Wüste? Denn es ist kein Brot noch Wasser hier, und uns ekelt vor dieser mageren Speise. Da sandte der HERR feurige Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk, dass viele aus Israel starben.

 

Da kamen sie zu Mose und sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir wider den HERRN und wider dich geredet haben. Bitte den HERRN, dass er die Schlangen von uns nehme. Und Mose bat für das Volk. Da sprach der HERR zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben. Da machte Mose eine eherne Schlange und richtete sie hoch auf. Und wenn jemanden eine Schlange biss, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben.

 

 

Liebe Gemeinde!

 

Die Predigt heute hat zwei Anfänge. Beide sind völlig gegensätzlich. Sie passen überhaupt nicht zusammen. Da ich mich aber lange nicht entscheiden konnte, mit welchem Anfang ich die Predigt beginnen sollte, hören sie jetzt zuerst den einen, dann den anderen. Wir wollen sehen, wo uns das hinführt. Darum noch einmal:

 

 

Liebe Gemeinde!

 

Fremder können uns die Gedanken der Bibel ja gar nicht sein, als sie uns in diesen Versen begegnen! Das Volk Israel - unterwegs in der Wüste. Wir - sesshaft (- im Vogelsberg, in München, in Kärnten...). Sie leiden unter den Beschwerden der ewigen Wanderschaft, unter Hunger, Hitze und Durst. Wir haben an Speise und Getränk mehr als wir brauchen und sehnen uns nach ein bisschen Wärme und Sonne - nach einem langen (nassen) Winter. Die Israeliten müssen äußeren Feinden aus dem Weg gehen und werden von Schlangen geplagt. Wir dürfen friedlich leben und haben wenig äußere Anfeindungen zu befürchten. Wirklich: Eine fremde Geschichte. Sie hat wenig mit uns zu tun.

 

Und jetzt noch einmal: Liebe Gemeinde!

 

Näher als diese Geschichte war uns die Bibel selten! Gut, so ein paar Details der Erzählung müssen wir verändern. Aus der Wanderschaft durch die Wüste wird bei uns vielleicht die Wanderung durch unser Leben. Aus Hunger und Durst nach Fleisch und Wasser, der Leibesnahrung, wie sie die Israeliten entbehren, mag bei uns der Mangel an Lebenssinn, Freude und Erfüllung werden. Und die "eherne Schlange" einer vor-christlichen Zeit wird bei uns wohl das Kreuz Jesu Christi werden, zu dem wir hinschauen sollen, wenn uns die eigenen Kreuze drücken und plagen. Aber sonst? Sind wir nicht auch immer wieder "verdrossen" auf dem Weg durch unsere Zeit? "Reden" wir nicht auch gegen Gott und gegen die Mitmenschen, die uns begleiten und hin und wieder aufmerksam machen wollen, wie gut es uns doch eigentlich geht, wie zufrieden wir sein könnten - und wir sind es doch nicht. Kommt uns dieses "Murren", dieses ewige Nörgeln und Klagen nicht sehr bekannt vor?

 

Welcher Anfang der Predigt war jetzt richtig? Der erste, der zweite...vielleicht beide? Oder für den einen dieser, für eine andere jener? - Und noch das ist denkbar: Mal der eine, mal der andere - je nach dem, in welcher Lebenslage, auf welcher Lebensstrecke wir gerade sind, ob sonnige Höhe oder dunkles Tal? - Aber es ist ja gleich, denn es stimmt sicher beides: Eine fremde Geschichte - und doch sehr vertraut. - Und wie geht es jetzt weiter?

 

Ob uns die Geschichte nun nah oder fern ist - sie ist prallvoll mit Leben, mit Bildern, mit menschlichen Zügen und Gefühlen. Und das letzte gilt hier selbst für Gott, soweit er in dieser Erzählung handelt. Und sie ist sehr einfach, diese Geschichte. Ohne Umschweife, ohne kompliziertes Denken, fast ein wenig naiv! Aber wollen wir sie nicht auch einmal so einfach nehmen? Ohne tiefsinnige Klügelei und ohne den Versuch zu erklären und damit vielleicht zu entschärfen? Machen wir die Probe. Was sagt die Geschichte - ganz einfach und naiv verstanden:

 

Wer ewig nörgelt und murrt, vergeht sich gegenüber Gott! Und nicht nur das, auch gegen die Menschen. (Gegen Mose hier zum Beispiel.) Im Blick auf Gott ist das ja ganz klar: Er hatte sein Volk immerhin aus der Knechtschaft Ägyptens geführt. Sie hatten die Sklaverei mit seiner Hilfe eintauschen dürfen gegen die Freiheit und die Nähe eines Gottes, der in allem mit ihnen ging! Gut, sie hatten nicht mehr so viel und so üppig zu essen gehabt wie an den "Fleischtöpfen Ägyptens", aber was hatten sie dagegen doch gewonnen! Befreit, geliebt, begnadet von einem mächtigen Gott, der ihnen eine wunderbare Zukunft in einem schönen Land verhieß. Und man durfte es ihm auch glauben, nach allem, was er schon für sein Volk getan hatte! Aber sie murren, beschweren sich, nörgeln und scheinen das alles gar nicht zu sehen.
Aber auch gegenüber Mose ist das nicht recht! Schließlich hatte er schon einiges für seine Leute eingesetzt und geopfert! Vor Pharao hatte er sogar sein Leben aufs Spiel gesetzt! Immer wieder hatte er die Hilfe, die Bewahrung und Rettung Gottes an sein Volk vermittelt. Wenn einer, dann wusste er, was Gott schon alles für dieses unzufriedene Volk getan hatte. Und jetzt muss er sich anhören, wie sie klagen und jammern. Nein, das hat er nicht verdient. Und das hat Gott nicht verdient.

 

Wollen wir das einmal auf uns übertragen? - Haben wir das nicht eben schon getan? Denn wir spüren ja, dass dies auch unsere Geschichte ist. Und wir fragen uns jetzt und wir sollen uns so fragen: Aus welchen Gefängnissen hat Gott uns schon befreit? Wo hat er uns geholfen, uns gerettet, auf einen guten Weg gebracht, bewahrt, beschützt, was schlimm aussah, gut ausgehen lassen? Aber wie haben wir es ihm gedankt? Wieviel Zeit ist vergangen, bis wir wieder mit dem Nörgeln angefangen haben und den ewigen Beschwerden, oder besser: wie wenig Zeit. Soll Gott sich darüber freuen, wenn wir ihm nur immer das Schlechte und Beschwerliche unseres Lebens hinhalten und all die Güte, all die Freude und die Anlässe zu danken gar nicht wahrnehmen, geschweige denn in unser Gebet bringen?

 

Aber auch Menschen kränken wir mit diesem Verhalten: Unsere Freunde etwa, aber auch die Nachbarn und die anderen, die in unserer Nähe sind und doch genau wissen und miterleben, was uns so begegnet und an Gutem oder Schwerem widerfährt. Wie soll unsere Freundin unsere nörglerische Art verarbeiten, wenn wir immer nur auf den einen Schicksalsschlag verweisen und nie die Freude, das Lob auf den Lippen führen, immer nur den Klageton? Wie soll mein Mitmensch, der wirklich gebeutelt ist vom Leben, der vielleicht behindert oder leidend ist, schrecklich einsam und finanziell bei weitem nicht so ausgestattet wie ich, wie soll der denn begreifen, warum ausgerechnet ich immer jammere und mit meinem Schicksal hadere? Und sage ich ihm nicht eigentlich durch mein Klagen, dass seine Beschwerden, sein Leid, sein böses Geschick doch gar nicht so schlimm ist? Er hätte Grund zum Jammern, aber ich jammere? Seltsam, nicht wahr? Und nicht richtig, nicht wahr?

 

Aber noch etwas müssen wir mit dieser alten Geschichte einfach sagen. Eine sehr heikle Sache, und ich zögere, darauf zu kommen. Aber unser unberechtigtes Klagen beleidigt Gott nicht nur - er straft es auch! Er schickt denen, die immer nur Jammern können, feurige Schlangen, die sie beißen und peinigen. - Da müssen wir jetzt vielleicht ein wenig übertragen: Schlangen...das sind vielleicht bei uns die wirklichen Lasten, die Gott uns auflegt, die echten Schläge, die er austeilt, das spürbare Leiden, das uns zu Boden drückt. Ich weiß ja, das hören manche Ohren nicht so gern, dass Gott auch straft, auch schlägt und Böses zuteilt. Aber nicht nur in der alten Geschichte tut er das. Auch im Leben heute, in unserem Leben. Und steht es ihm denn nicht zu? Und bringt es denn nicht auch am Ende etwas Gutes hervor - nicht nur in der alten Erzählung?

 

Die Schlange aus Eisen, die Mose damals aufgerichtet hat, konnte denen, die gebissen wurden, das Leben schenken, wenn sie nur hinsahen. Ob das für uns nicht das Kreuz ist, das Kreuz Jesu Christi? Wenn wir gebissen sind von der Sünde - und auch die ewige Nörgelei ist ja wohl eine Sünde - dann sollen wir hinschauen zu Christus - da vergeht alles Jammern und alle Schuld: Einmal kann es uns wahrhaftig das Klagen austreiben, wenn wir den Gekreuzigten anschauen: Mehr als dieser muss und müsste wohl keiner von uns je leiden. Und er ist unschuldig gewesen. Und dann: Hinsehen zu ihm, auf sein Kreuz und Opfer vertrauen, das nimmt alle Schuld von uns. - Wer die eherne Schlange ansah...wer aufs Kreuz schaut, bleibt am Leben.

 

Liebe Gemeinde, ob uns diese alte Geschichte fern ist oder nah - wir selbst müssen es entscheiden. Aber es könnte sich lohnen, wenn wir uns ihren Inhalt einmal nahekommen lassen und zu Herzen nehmen. Wem die Schuld seines Lebens vergeben ist, ja, wer das Leben in Ewigkeit gewonnen hat, worüber soll denn der noch klagen und jammern? AMEN

 

 

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Autor: Pfarrer Manfred Günther; Foto: Gert Holle -16.02.2018