Predigt am 16. Sonntag nach Trinitatis - 1.10.2017

Foto: Thomas Philipp
Foto: Thomas Philipp

 

Textlesung: Klgl. 3,22-26.31.32

 

Die Güte des HERRN ist's, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Der HERR ist mein Teil, spricht meine Seele; darum will ich auf ihn hoffen. Denn der HERR ist freundlich dem, der auf ihn harrt, und dem Menschen, der nach ihm fragt. Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des HERRN hoffen. Denn der HERR verstößt nicht ewig; sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte.

 

Liebe Gemeinde,

 

mindestens an einer Stelle waren Sie - wie ich auch! - mit diesen Worten nicht einverstanden! Das ist doch kein "köstlich Ding", wenn man sich gedulden muss, wenn Gottes Hilfe auf sich warten lässt, ja, wenn man sich ganz und gar verlassen fühlt und niemand mehr sich für einen zu interessieren scheint!

 

Aber warum stehen diese Worte hier? Wie kommt ein Mensch dazu, so etwas zu schreiben? Und wir haben gar keinen Grund zu denken, dass er es nicht wirklich so meint, wie es hier steht: "...ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des HERRN hoffen..."

 

Mich hat das nicht losgelassen! Ich wollte herausfinden, warum man solche Gedanken haben und äußern kann. Dabei habe ich zuerst gefragt, was das wohl für ein Mensch ist, der so etwas sagt? Was wissen wir von ihm?

 

"Die Güte des HERRN ist's, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende..." Dieser Mensch scheint Schuld auf sich geladen zu haben, jedenfalls gäbe es wohl Gründe, dass Gott ihn bestraft oder ihm gar den Tod schickt. Vielleicht hat er Gott erzürnt oder einem Mitmenschen etwas angetan, so dass der Grund gehabt hat, ihn zu hassen? Jedenfalls scheint dieser Mensch erlebt zu haben, dass Gott ihm dennoch barmherzig ist, ihm das Leben schenkt, wo er es eigentlich verspielt hatte.

 

"...sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß." Ich höre da, wie dieser Mensch staunt! Trotz allem, was gegen mich spricht, hält Gott zu mir. Er schenkt mir immer wieder einen neuen Tag und einen neuen Anfang. Auch wenn ich nicht treu war, so bleibt Gott doch treu!

 

"Der HERR ist mein Teil, spricht meine Seele; darum will ich auf ihn hoffen." Dieser Mensch hat erfahren, dass Gott ihn nicht fallen lässt. Er hat in Gott den Grund seiner Hoffnung gefunden. Er zweifelt nicht daran, dass dieser Gott ihn rettet, ihn herausreißt, ihm hindurchhilft... Da mag es bis dahin auch ein wenig dauern! Er weiß es: "...der HERR ist freundlich dem, der auf ihn harrt, und dem Menschen, der nach ihm fragt...der HERR verstößt nicht ewig; sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte."

 

Liebe Gemeinde, ich glaube, darum kann dieser Mensch so sprechen: "Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des HERRN hoffen..." Wenn einer so viel Gutes von Gott erfahren hat, das er doch nicht erwarten konnte, dann ist es vielleicht ja ein Kleines, ein wenig Geduld aufzubringen, Gott ein bisschen Zeit zu geben, bis er meint, der Tag wäre gekommen, mir zu helfen! Und selbst, dass es "köstlich" ist, zu warten, zu hoffen, erklärt sich so vielleicht... Wenn einer doch ganz genau weiß, Gott wird ihm am Ende zu Hilfe kommen! Was sind denn da ein paar Tage, ein paar Monate oder auch Jahre? Die Vorfreude kann mir keiner nehmen! Und von ihr sagt man ja, sie sei "süß"... Warum sollen wir sie nicht "köstlich" nennen?

 

Zugegeben, das bleibt uns alles ein wenig fremd. Das hat nichts mit unserem Leben und unseren Erfahrungen zu tun. - Oder doch?

 

Wir sprechen im Allgemeinen nicht gern darüber, darum will ich zuerst von mir reden: Es gab in meinem Leben Zeiten, da war ich so, dass es Gott sicher nicht gefallen hat. Da habe ich an seinem Wort, seinem Gebot und Willen vorbeigelebt, seine Aufgaben an den Menschen nicht gehört und gesehen und bin an dem vorbeigegangen, was er mir doch so ganz deutlich an den Weg gelegt hatte. Da habe ich Schuld auf mich geladen. Ich habe doch gewusst, was Gott von mir wollte - aber ich habe ihm nicht gehorcht! Ich habe die Hilferufe meiner Mitmenschen gehört, aber ich bin nicht hingegangen, dass ich wirklich etwas für sie getan hätte. Das war Schuld! Da hatte ich Strafe verdient. Wir sind ja nicht nur zum Kreisen um uns selbst und einem Leben in Kurzweil und Zerstreuung bestimmt. Wenn wir Gott unseren Vater nennen, dann kennen wir auch unseren Auftrag an unseren Geschwistern!

 

Und es ist durchaus nicht so, dass mein Leben sich irgendwann so ganz und gar zum Guten gewandelt hätte! An jedem Abend neu muss ich doch bekennen, dass ich wieder viel versäumt, viel Zeit vertan und meine Kraft und meine Wünsche an Dinge gehängt habe, die niemandem - oft nicht einmal mir selbst - gedient haben! Darum kann ich das nachfühlen und nachsprechen: "Die Güte des HERRN ist's, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß."

 

Liebe Schwestern, liebe Brüder, wenn Sie das jetzt so hören, spricht das nicht auch Ihnen aus dem Herzen? Und geht unser aller Erfahrung eben nicht so weiter: "Der HERR ist mein Teil, spricht meine Seele; darum will ich auf ihn hoffen. Der HERR ist freundlich dem, der auf ihn harrt..."?

 

Haben wir das denn verdient? Müssen wir nicht auch staunen, dass Gott uns immer wieder einen neuen Morgen schenkt, einen neuen Tag, an dem wir wieder anfangen und es besser machen können?

 

Jetzt, da ich darüber rede und nachdenke, spüre ich: Uns ist etwas abhandengekommen in dieser Zeit! Wir können uns nicht mehr so wundern, nicht mehr so staunen, wie es die Menschen der Bibel noch konnten: "Herr, wie sind deine Werke so groß und viel!" - "Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?" - "Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund." Uns ist so manches selbstverständlich geworden. Wir meinen, wir hätten Gottes Güte verdient. Wir denken, er müsse sich uns doch zuwenden, uns hören und helfen. Unser Gedächtnis ist kurz! Wem steht vor Augen, wie er früher einmal war, was er getan und wie er gedacht hat, ja, wer erinnert sich auch nur an das, was er vor Tagen versäumt oder erst gestern auf sich geladen hat?

 

Kein Mensch - und Gott schon gar nicht! - will, dass wir immer zerknirscht und mit gesenktem Kopf herumlaufen. Gewiss hat Gott uns in Jesus Christus alle Schuld unseres Lebens vergeben. Aber so ein wenig von dem, was die Alten Ehrfurcht genannt haben, stünde uns doch wohl an! Ein bisschen Staunen, etwas Verwunderung darüber, wie gütig Gott ist, wäre gewiss kein Verlust. Im Gegenteil. Ich meine, das täte uns und anderen gut! Wer sieht, wie groß Gottes Barmherzigkeit über ihm ist, der gewinnt viel Freude und den Mut, nun auch dankbar davon an die Mitmenschen weiterzuschenken! Wenn ich darüber staunen kann, wie freundlich Gott zu mir ist, dann werde ich auch anderen Gründe zum Staunen geben!

 

Aber Staunen und Wundern führen auch zur Hoffnung und können unsere Zuversicht stärken! Wenn mir unerwartet immer wieder von Gott geholfen wird, wenn ich immer wieder erleichtert sein kann, weil er mir vergibt, wenn ich seine Führung über meinem Leben nicht als verdient und darum selbstverständlich achte, dann werde ich auch mit Hoffnung und Zuversicht erfüllt: Gewiss wird sich Gott auch in Zukunft immer wieder als Helfer und Retter erweisen, wie er das schon so oft in meinem Leben getan hat!

 

Mit solchen Gedanken im Kopf und solchen Gefühlen im Herzen, sind wir nun doch gar nicht mehr so weit von solchen Worten entfernt: "Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des HERRN hoffen." Wo wir so reich beschenkt sind, da wollen wir wenigstens Geduld haben und dabei schon die "süße" Vorfreude empfinden: Gott wird uns nicht fallen lassen, "er hilft, wie er geholfen"! (EG 329,3) Der große Gott will mit uns zu tun haben, trotz aller Schuld, trotz unserer oft auflehnenden Art, trotz aller Selbstverständlichkeit, mit der wir sein Erbarmen hinnehmen. - Womit haben wir das nur verdient!?

 

Ich wünsche uns, dass wir darüber neu ins Staunen geraten, dass wir dankbar werden und dessen immer gewisser: "Der HERR verstößt nicht ewig; sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte." AMEN

 


Autor: Pfarrer Manfred Günther; Foto: Thomas Philipp - 19.09.2017

     


Predigt am 17. Sonntag nach Trinitatis - 8.10.2017

Foto: Gert Holle
Foto: Gert Holle

 

Liebe Gemeinde!

 

Heute ist etwas im wahrsten Sinn "Grund-legendes" dran! Es geht um den Glauben. Und wir wollen uns von der etwas theatralischen Geschichte, die uns leicht ablenken kann, nicht den Blick darauf verstellen lassen.

 

Textlesung: Mk. 9, 17 - 26

 

Einer aber aus der Menge antwortete: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist. Und wo er ihn erwischt, reißt er ihn; und er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich habe mit deinen Jüngern geredet, dass sie ihn austreiben sollen, und sie konnten's nicht.

 

Er aber antwortete ihnen und sprach: O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen? Bringt ihn her zu mir! Und sie brachten ihn zu ihm. Und sogleich, als ihn der Geist sah, riss er ihn. Und er fiel auf die Erde, wälzte sich und hatte Schaum vor dem Mund. Und Jesus fragte seinen Vater: Wie lange ist's, dass ihm das widerfährt? Er sprach: Von Kind auf. Und oft hat er ihn ins Feuer und ins Wasser geworfen, dass er ihn umbrächte. Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns! Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst: Wenn du kannst - alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.

 

Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! Wirklich: Neben der Geschichte selbst erfahren wir hier eine ganze Menge über den "Glauben" der Christen. Wie er sein soll und wie er nicht sein darf. Aber der Reihe nach: "Wenn du etwa kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!" So sagt der Vater des kranken Jungen. "Wenn du etwas kannst..." Ich musste dabei an das Verhältnis so vieler Menschen heute zu ihrer Kirche denken. Da ist das oft genauso: Wenn du etwas kannst, liebe Kirche, dann will ich deine Dienste gern in Anspruch nehmen! Und eine schöne Hochzeit gestalten, das kannst du! Das geht ans Gemüt, wenn das Gotteshaus so hübsch geschmückt ist, wenn die Orgel so herrlich braust, wenn der Pfarrer so ergreifend spricht... Und eine Beerdigung ausrichten, das kannst du auch: Ein feierlicher Rahmen, eine angemessene Würdigung, Fürbitte und christliches Gedenken für unsere Verstorbenen... Und sonst noch ein paar Dinge, die kannst du, liebe Kirche. Die Konfirmation, die Goldene Hochzeit, die Andacht beim Vereinsjubiläum... Aber so übers Jahr...am Ende noch jeden Sonntag...da kannst du wenig oder nichts! Da trauen wir dir nichts zu. Da brauchen wir dich nicht!

 

Und an die Sache mit dem Gebet musste ich denken. "Wenn du etwas kannst...", mein Gebet, dann werde ich mich auf dich verlassen! Und wenn die Not da ist, dann kannst du etwas! Dann schreie ich und hoffe, dass mir Gott hilft. Dann rufe ich wieder einmal zu ihm und verlange von meinem Schöpfer, dass er mich herausreißt! Dann erinnere ich mich vielleicht sogar an einen Liedvers aus der Konfirmandenzeit... Auch in der Angst kannst du etwas, mein Gebet: Wenn mir ins Gedächtnis kommt: "...und ob schon wanderte im finstern Tal...", oder wenn ich mich dann wie ein Kind an ein Wort klammere: "Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst...", auch mit dem Tod vor Augen: "Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben!" Aber sonst, liebes Gebet, sonst kannst du nichts! Tagelang, manchmal wochen-, monate-, jahrelang...kannst du nichts. Da baue ich auf andere Dinge. Da ist mir das Wort noch des fragwürdigsten Zeitgenossen wichtiger als du und verlässlicher auch! Da habe ich alles Mögliche im Sinn, nur nicht am Morgen die Hände zu falten, um Gottes Segen zu erbitten und nicht am Abend, ihm für die empfangene Güte zu danken.

 

"Wenn du etwas kannst..." Noch in vielen anderen Bereichen wird so gedacht und gesprochen. Auch zwischen Menschen gibt es diese zweifelnde Anfrage, dieses Misstrauen: Wie oft müssen wir beweisen, wer wir sind, was wir können und was wir "bringen", wie man heute sagt. Immer liegt es an uns zu zeigen, was in uns steckt. Immer müssen wir sozusagen unseren Ausweis ziehen und unter Beweis stellen, dass wir etwas können.
Nun, wir haben es schon gespürt: Bei Jesus sind solche Fragen an der falschen Adresse! Seine Antwort reicht die Anfrage zurück: "Wenn du kannst..." - "alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt." Also, lieber Mensch, so fragt Jesus, glaubst du, dass ich etwas vermag? –

 

Liebe Gemeinde, wenn wir es jetzt einmal für einen Augenblick wie Jesus machen, dass wir die Fragen auch zurückgeben wie er? Dann käme das heraus: Ihr sagt, wenn du etwas kannst, liebe Kirche... Fragt euch doch einmal: Was traut ihr eurer Kirche eigentlich zu - eben nicht nur bei Trauung, Taufe und Beerdigung, Konfirmation oder Goldener Hochzeit - sondern das ganze Jahr über? Was gebt ihr auf das Wort, das am Altar und auf der Kanzel verkündigt wird? Wie steht's mit der Sache Christi, wo sie nicht nur unsere Feste verziert, sondern harte Mahnung bedeutet, Forderung und Anklage sogar? Was ist der Trost wert, den sie euch sagen möchte, wieviel der Sinn, von dem sie euch redet? Vielleicht "kann" die Kirche ja wirklich bei vielen Menschen unserer Tage nur so wenig, weil wir ihr keine Chance geben, keine Möglichkeit, unser Leben zu verwandeln, zu verändern...zu heilen...

 

Und bei unserem "Gebet" - ist es da nicht ganz genauso? Lassen wir uns von Jesus zurückfragen und fragen wir uns jetzt: Wieviel Zutrauen bringen wir zu unserem Gebet auf - in ganz normalen Zeiten? Nicht wenn Not und Angst und Tod uns bedrängen! Nein, mitten im Alltag, bei unserer Arbeit, in unseren Beziehungen, in unserer freien Zeit... Welche Bedeutung hat da unser Beten? Welche Rolle lassen wir es noch spielen? Überhaupt eine? Und was "kann" unser Gebet vielleicht, was könnte es, wenn wir es nur einsetzten - jeden Tag, wenigstens morgens und abends! Der tragende Halt unseres ganzen Lebens könnte es werden! Jeden Tag neu ins Licht der Hoffnung tauchen! Geborgen sein. Eine tiefe, gelassene Freude verbreiten, die ausstrahlt und andere Menschen ansteckt - bei all den bitteren Stunden, denen wir täglich begegnen! Liebe könnte das Gebet wecken - selbst zu ganz schwierigen Menschen! Und vor allem: Jede Menge Taten könnten uns daraus fließen an den Freunden und selbst an denen, die wir nicht leiden mögen! Denn Beter wissen, dass Gott die Dinge in der Hand hat, die wir ihm anvertrauen. Nur: Eben vertrauen müssen wir unserem Gebet und dem, der uns zu beten gelehrt und geboten hat. Einsetzen müssen wir unser Gebet, täglich! Üben müssen wir uns darin. Nur dann wird es zu etwas taugen! - Und so ist es eben auch mit dem Glauben! Unser Glaube "kann" genau so viel oder so wenig, wie wir ihm zutrauen. (Und er trägt auch etwa in Notzeiten nur so viel, wie wir ihn in guten Tagen "gepflegt" haben!)

 

Was ich bei der Geschichte, die wir anfangs gehört haben, noch so bemerkenswert und tröstlich finde: Der Vater bekommt, worum er gebeten hatte. Trotzdem es mit seinem Glauben ja nicht sehr weit her war. Er kann nicht sehr groß gewesen sein, dieser Glaube. "Wenn du etwas kannst", hatte er gesagt, und nachdem ihm Jesus gezeigt hat, worauf es ankommt, bringt er schließlich nur das heraus: "Ich glaube, hilf meinem Unglauben!"

 

Aber hören wir doch: Schon der Versuch ist genug. Wer sich ehrlich bemüht, sein Vertrauen in Jesus zu setzen, erhält Hilfe. Der Herr der Christen ist kein kalter Rechner, der nur dem richtigen, starken, unerschütterlichen Glauben sein Erbarmen zuteilt. Schon ein Fünkchen Vertrauen - und er schenkt Heilung. Schon ein bisschen Hoffnung - und er erfüllt die Bitte. "Wenn du etwas kannst?" - "Alle Dinge sind möglich, dem der glaubt!" - "Ich glaube, hilf meinem Unglauben!" - Und Jesus hilft. Er macht das Kind gesund.

 

Immer geht das genauso! Fragen wir die Kirche ruhig, was sie sonst noch kann, außer Hochzeit, Taufe, Konfirmation und Bestattung. Trauen wir ihr etwas zu, auch am Sonntag, auch übers Jahr, wenn sie die frohe Botschaft der Liebe Gottes weitersagt und bezeugt und so viele meinen, sie müssten in dieser Zeit immer nur schlafen. Wenn wir der Kirche nur die kleinste Chance einräumen, unser Herz zu erreichen, dann kann sie uns den Weg durchs Leben weisen, zur großen Hilfe werden, Sinn schenken, Antworten auf manche Fragen. Schon der kleinste Versuch wird nicht ohne Wirkung bleiben - wenn er ehrlich ist! Denn unsere Kirche kann mehr, wenn wir sie lassen! Und fragen wir auch unser Gebet, was es noch kann, nicht nur wenn es uns dreckig geht und wir ganz unten sind. Geben wir ihm Raum und vor allen jeden Tag eine Zeit, dass es zu Gott dringen kann, wirksam werden und seine Kraft entfalten kann.

 

Denken wir daran: Schon ein bisschen mehr Aufmerksamkeit auf das, was der Glaube der Christen bedeutet, schon ein wenig mehr Zutrauen in seine Macht, und er wird uns verwandeln, jeden Tag reicher machen und uns selbst dankbarer und getroster. Es wird ja gar nicht von uns erwartet, dass wir als die großen Glaubenshelden anfangen! Aber wenigstens so: "Herr, hilf meinem Unglauben!" Schon solcher Glaube kann mehr, als wir dachten! Schon er empfängt größere Gaben, als wir je für möglich gehalten haben! AMEN

 

 


Autor: Pfarrer Manfred Günther; Foto: Gert Holle- 19.09.2017

 

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