Predigt am 20. Sonntag nach Trinitatis - 14.10.2018

Foto: Thomas Philipp
Foto: Thomas Philipp


 

Textlesung: 1. Kor. 7, 29 - 31

 

Das sage ich aber, liebe Brüder: Die Zeit ist kurz. Fortan sollen auch die, die Frauen haben, sein, als hätten sie keine; und die weinen, als weinten sie nicht; und die sich freuen, als freuten sie sich nicht; und die kaufen, als behielten sie es nicht; und die diese Welt gebrauchen, als brauchten sie sie nicht. Denn das Wesen dieser Welt vergeht.

 

Liebe Gemeinde!

 

Der eine von Ihnen hat schon vor Wochen seinen Urlaub für 2001 gebucht. Eine andere plant ein Klassentreffen im nächsten Frühjahr. Ein dritter überlegt gerade, ob er einen Wintergarten ans Haus anbauen soll. Eine vierte wünscht sich noch ein Kind oder endlich Enkel. Und ich selbst habe mir für das kommende Jahr vorgenommen, .............................

 

Und dann so ein Predigttext: Die Zeit ist kurz! Das Wesen dieser Welt vergeht! Gewiss, ich hätte heute auch ein paar andere, "schönere" Verse wählen können, aber ich habe es nicht getan. Ich wollte mich nicht drum herumdrücken, diese verordneten Verse auch zu predigen. Trotz der Zukunftspläne, Vorhaben und Gedanken, die uns, die mich in den letzten Tagen und manchmal schon viel länger beschäftigt haben. Und schließlich ist das ja auch einfach wahr: "Die Zeit ist kurz!" Und diese Worte sprechen mich auf der anderen Seite auch an: "Diese Welt vergeht!" - Wie geht es anderen damit?

 

Junge Leute haben einmal Antworten auf die Frage aufschreiben sollen: "Was würde ich tun, wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte?" Einer schrieb: Wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte, dann würde ich einen Banküberfall machen, mir mindestens 10.000,-- DM klauen, meine Freunde einladen und eine Riesenpartie machen. Später wäre ich dann vom Alkohol bestimmt so voll, dass ich nicht merken würde, wenn ich sterbe. Ein anderer: Ich würde alle meine Freunde zu mir rufen, und dann würde ich mich bei allen entschuldigen, wo ich etwas verkehrt gemacht habe, und dann sollten sie alle bei mir bleiben. Ein dritter: Wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte, und wenn ich das wüsste, würde ich sofort Schlaftabletten nehmen. Aber eigentlich kann ich mir das gar nicht vorstellen - ich bin ja noch viel zu jung!

 

Ja, natürlich. Er oder sie - ist ja noch viel zu jung. Und überhaupt, das ist doch auch für erwachsene und selbst für ältere Menschen nur schwer vorstellbar: Nur noch kurze Zeit. Das geht uns, das geht mir persönlich irgendwie gegen den Strich. Wir haben doch noch so viel vor! Und nicht nur im nächsten Jahr - auch noch danach: Endlich ein Urlaub auf Teneriffa! Noch einmal die Heimat unserer Kindheit sehen. Unsere Lebensgeschichte aufschreiben - wenigstens für die Kinder. Ein Besuch bei einem Menschen, den wir seit 30 Jahren aus den Augen verloren haben...

 

Und die Chancen, dass diese Dinge auch Wirklichkeit werden, sind doch gut! Vielleicht steht der Ruhestand bevor. Oder unser Leben wird sonst bald eine Wendung nehmen, dass wir endlich mehr Zeit haben. Vielleicht können wir uns auch finanziell inzwischen mehr leisten als früher? Und dann das: Nur noch kurze Zeit?

 

Andererseits gibt es aber auch diese - erschreckend konkreten! - Gedanken: Einige Menschen aus unserem Jahrgang mussten schon gehen. Sie waren gar nicht so alt, aber sie waren krank und zuletzt ganz auf die Hilfe anderer angewiesen. Was hatten sie sich wohl noch vorgenommen für ihren Lebensabend? Aber auch schon die Jüngeren wissen ja nicht, was schon morgen für sie sein kann. Die mobile Gesellschaft, der Straßenverkehr hat auch viele Gefahren. Manchmal verändert sich ja in Sekunden ein ganzes Leben! Schlimm und schmerzlich, auch nur daran zu denken!

 

Aber auch, wenn wir den Blick ein wenig heben und unser Land und gar die Welt und ihre Probleme anschauen, müssen wir manches befürchten: Die Sparzinsen werden immer schlechter. Können wir den Politikern noch glauben, die uns einreden wollen, das wäre insgesamt eher günstig? Und dann: Der Klimawandel ist in vollem Gang! Das Ozonloch ist auch noch da und die Bäume, wenn sie nicht gekalkt werden, sterben weiter, auch wenn im Augenblick keiner mehr davon spricht und hören will. Die Meere sind verdreckt und voller Plastikmüll, die Böden krank, das Wasser an vielen Orten kaum noch aufzubereiten, so dass man es trinken kann... Die Zeit ist kurz. Und uns wird angst! Das Wesen dieser Welt vergeht. Wie lange haben wir noch?

 

Liebe Gemeinde, wir wissen es: Paulus - kaum ein paar Jahre nach dem Kreuzestod Jesu - erwartete noch, dass Christus bald leibhaftig wiederkommt und mit ihm das Ende der Welt. Diese Erwartung ist nicht eingetroffen. Also ist nicht Wirklichkeit geworden, was er ankündigt, wenn er schreibt: Die Zeit ist kurz...zumindest war sie nicht so kurz, wie gedacht. Aber tröstet uns das! Die Zeichen der Zeit, unserer Gegenwart, weisen doch - 2000 Jahre später - wieder ganz deutlich in diese Richtung: Die Welt ist alt und wird vergehen! Kriege überall. Gewaltige Flüchtlingsströme. 800 Mio. Menschen hungern. Wir zerstören unsere Umwelt und damit die Grundlage unserer Existenz. Wir selbst tun doch alles, dass es wahr wird, was Paulus schon vor 2000 Jahren erwartet hat: Die Zeit ist kurz. Gab es bei Paulus noch die bloße Erwartung - dann ist es heute Sicherheit: Das Wesen dieser Welt vergeht. - Was rät Paulus angesichts dieser Aussichten? Kann er uns helfen?

 

 

2. Textverlesung: 1. Korinther 7, 29 - 31

 

Liebe Gemeinde, wer eine Frau hat, der sei, als hätte er keine. Wer besitzt, der benehme sich, als hätte er nichts. - Schwer zu verstehen, nicht wahr? Und noch schwerer, daraus Hilfe zu ziehen.

 

Aber sagt das nicht vielleicht: Hängt euch nicht an die Dinge dieser Welt, denn sie werden vergehen?! Will uns das vielleicht wieder einmal in Erinnerung rufen, dass für uns Menschen - und auch und gerade für uns Christen! - noch etwas aussteht? Wie haben wir vorhin im Glaubensbekenntnis gesprochen: "...von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten..." Und wahrhaftig: Vor der Zukunft, die wir erwarten - erwarten dürfen, erwarten müssen! - wird alles unwichtig, was wir haben und besitzen.

 

Aber - keine Angst - jetzt kommt gar nicht der Aufruf, den wir von Paulus (und vom Prediger auf dieser Kanzel) erwarten: Lasst die Dinge fahren, die euch vom Wesentlichen ablenken. Verschenkt, was ihr zu viel habt. Teilt aus von dem, was euch abhält, der Sache Christi zu dienen. Für Paulus ist es selbst dazu zu spät. Der Herr wird bald kommen. Er ist schon unterwegs. Die Zeit ist kurz! Und mehr als Paulus will und darf auch ich nicht verlangen! Aber was er sagt, das will auch ich sagen - für uns: Behaltet, was euer ist, aber prüft euer Verhältnis zu den Sachen! Hängt euer Herz an nichts, was zu dieser Welt gehört, denn es wird mit ihr vergehen! Denkt einmal (wieder!), dass es wahr ist, denn es ist wahr: Die Zeit ist kurz!, und fragt euch selbst, was für euch wirklich wichtig ist. Lasst einmal den Gedanken zu - nur einen Augenblick: Das Wesen dieser Welt vergeht!, denn das stimmt: Schmutz, Ausbeutung der Rohstoffe, Rüstung (nach wie vor!), Kriege und Kriegsgefahr, Umweltzerstörung, Ozonloch, Waldsterben... Muss ich mehr ansprechen? Die Zeit ist kurz! Und es ist höchste Zeit, nachzudenken, sich auf das Wesentliche zu besinnen, sein Herz nicht mehr an das zu hängen, was verfällt, wie die Sachen, wie diese ganze Welt.

 

Wirklich: Hochaktuell diese Worte aus dem Brief des Paulus. Ein entscheidender Unterschied aber fällt auf: Wir sind jetzt in Furcht. Uns hat das doch mitgenommen heute; diese Gedanken lösen Ängste aus. Dagegen Paulus: Keine Spur von Angst! Und nicht, weil er alle die Gefahren und Gefährdungen - wie Niedrigzinsen, globale Klimaveränderung oder Umweltverschmutzung - noch nicht gekannt hätte. Nein, er blickt über diese Welt hinaus. Er schaut dem ins Gesicht, der da kommt: Jesus Christus. Er weiß: All unser Leben ist vor-läufig. Nichts von dem, was wir besitzen (oft auch: was uns besitzt!) ist unvergänglich. Und dennoch: Paulus fürchtet sich nicht! Er flüchtet sich nicht in Alkohol oder Schlaftabletten; er muss sein Leben nicht krampfhaft festhalten; er fühlt sich nicht zu jung. Er weiß um eine Zukunft hinter diesem Leben. Er weiß von Jesus Christus. Darum kann er sich lösen von dieser vergehenden Welt und ihren Sachen. Darum kann er - in aller Ruhe - Briefe schreiben und auch solche Sätze gelassen aussprechen: "Die Zeit ist kurz. Das Wesen dieser Welt vergeht." 

 

Liebe Gemeinde, die Zeit ist kurz. Noch ein paar Jahre? Monate nur? Bis heute Abend? Wir wissen es nicht. Und darauf kommt es auch gar nicht an. Wichtig ist, dass wir uns lösen können und den Blick über diese Welt hinausbekommen. Denn dort liegt die Zukunft für uns, wann immer sie anbricht. Und sie heißt Jesus Christus. Von daher kommt es darauf an, dass die Zeit, die wir noch haben, erfüllte Zeit ist oder endlich wird: Erfüllt mit Liebe zu allen Menschen. Erfüllt mit Freude, die wir ausstrahlen und anderen machen. Erfüllt mit Hoffnung, die man uns ansieht und die wir bei anderen wecken. So nämlich wird bedeutungslos, wann die Zeit endet. So weicht die Angst. So geben wir Zeugnis, an wen wir glauben: Jesus Christus.

 

Und noch eins: Das ist nicht Weltflucht! Mit diesem Blick nach drüben verweigern wir nicht, das Unsere hier und heute zu tun. Im Gegenteil! Erst wer hinüberblickt und weiß, dass er allemal nicht tiefer fallen kann als in die Hände Gottes, erst der kann mutig und gelassen an die Probleme dieser Zeit gehen und möglicherweise schlimme Erwartungen abwenden und mit seinen Kräften - wenn Gott will - sogar retten und heilen. Die Zeit ist kurz. Aber die Zukunft unserer Welt und auch unseres kleinen Lebens gehört Gott. Vergessen wir das nicht. Prüfen wir unser Handeln und Denken vor dieser Aussicht. Verstehen wir endlich, was wir sind und haben, vor dem Hintergrund dieser Zukunft. Dann werden Mut und Kraft in uns sein und Furcht und Resignation weichen. AMEN

 


Autor: Pfarrer Manfred Günther; Foto: Thomas Philipp -3.10.2018

     


Predigt am 21. Sonntag nach Trinitatis - 21.10.2018

Foto: Gert Holle
Foto: Gert Holle

Textlesung: Jer. 29,1.4-7.10-14

 

Dies sind die Worte des Briefes, den der Prophet Jeremia von Jerusalem sandte an den Rest der Ältesten, die weggeführt waren, an die Priester und Propheten und an das ganze Volk, das Nebukadnezar von Jerusalem nach Babel weggeführt hatte:

 

So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels, zu den Weggeführten, die ich von Jerusalem nach Babel habe wegführen lassen: Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte; nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter, nehmt für eure Söhne Frauen und gebt eure Töchter Männern, dass sie Söhne und Töchter gebären; mehrt euch dort, dass ihr nicht weniger werdet.

 

Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohl geht, so geht's auch euch wohl.

 

Denn so spricht der HERR: Wenn für Babel siebzig Jahre voll sind, so will ich euch heimsuchen und will mein gnädiges Wort an euch erfüllen, dass ich euch wieder an diesen Ort bringe.

 

Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet.

 

Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten und ich will euch erhören. Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR, und will eure Gefangenschaft wenden und euch sammeln aus allen Völkern und von allen Orten, wohin ich euch verstoßen habe, spricht der HERR, und will euch wieder an diesen Ort bringen, von wo ich euch habe wegführen lassen.

 

 

Liebe Gemeinde!

 

Wir spüren es deutlich: Es geht auf das Ende des Kirchenjahres zu. Es sind die ernsteren Texte und Themen der Bibel dran: Verbannung, Gefangenschaft, Leid und Tod. Wir schreiben das Jahr 594 vor Christus. Der Prophet Jeremia verfasst in Jerusalem einen Brief an den Rest des Volkes Israel, seiner Priester und Ältesten, die aus ihrer Heimat weggeführt wurden und jetzt als Verbannte in Babylon leben müssen. Er will sie trösten, ihnen Mut machen und die Verheißung Gottes weitersagen: "Ich will euch gnädig sein, eure Gefangenschaft wenden und euch wieder nach Hause führen - wenn die Zeit da ist." Und er sagt ihnen, wie sie sich in der Fremde verhalten sollen, dass sie die Jahre bis zum Ende ihrer Gefangenschaft gut überstehen und nicht untergehen. - Ein guter Brief! Mit beherzigenswerten Vorschlägen. Aber was soll uns das - über 2600 Jahre später?

 

Wir wollen den Brief des Propheten einmal so lesen, als wäre er an uns geschrieben. Was der Zeit des Jeremia entspricht und nur in ihr verständlich ist, wollen wir so übertragen, dass es in die Welt unserer Tage passt. Wir wollen dem Brief aber nicht seinen Ernst nehmen, vielmehr soll deutlich werden, dass es in ihm auch um Schuld geht, um Gefangenschaft und um Strafe. Aber wir wollen auch die Worte der Hoffnung hören, die uns Mut machen und Zuversicht, dass Leid, Gefangenschaft und Tod einmal vergehen werden.

 

Wir wollen sehen, ob uns ein Brief des Propheten Jeremia, wie er an uns geschrieben sein könnte, das darin enthaltene Wort Gottes näher bringt und ob er auch für uns heute eine Botschaft hat, auf die wir hören können. Wir gehen dazu diesem Brief an uns Abschnitt für Abschnitt entlang. Das hört sich dann so an:

 

Dies sind die Worte des Briefes, den der Prophet Jeremia an uns hier in der Kirchengemeinde von ................ sendet, an die Ältesten (Presbyter, Kirchenvorsteher?), den Pfarrer/die Pfarrerin und an alle Glieder der Gemeinde, die in einer Gesellschaft und einer Welt leben müssen, die ihnen häufig fremd sind und deren Lebensweise und Werte sie oft nicht verstehen und nicht mit ihrem Glauben vereinbaren können. - Liebe Gemeinde, ist es nicht so? Fragen wir uns nicht, warum in unserer Welt die einen hungern müssen, während die anderen im Überfluss leben und nicht wissen, was sie mit ihrem Geld noch an sinnlosem Zeug kaufen sollen? Und können wir das verstehen, warum in unserem Land die Erlaubnis zum Bau von Moscheen erteilt wird, aber in muslimischen Ländern die Errichtung einer christlichen Kirche undenkbar ist, ja, schon ein solches Vorhaben als todeswürdiges Verbrechen gilt? Und meinen wir nicht oft, wir wären eigentlich die Dummen, wenn wir immer wieder versuchen, nach unserem Glauben, eben christlich zu handeln, wenn wir dann erleben müssen, dass andere ganz ohne Skrupel nur ihren eigenen Vorteil wahrnehmen. - Aber hören wir weiter:

 

So spricht der HERR, euer Gott, zu euch, denen ich das Leben in dieser Welt, die nur auf Zeit eure Heimat ist, geschenkt habe: Baut Häuser und wohnt darin; geht eurer Arbeit nach und genießt deren Früchte. Ihr Männer nehmt euch Frauen, ihr Frauen nehmt Männer und bekommt Söhne und Töchter. Auch eure Söhne sollen Frauen nehmen und eure Töchter Männer, dass sie auch wieder Söhne und Töchter haben; mehrt euch in dieser Welt, dass ihr nicht weniger werdet. - Es ist Gottes Wille - auch wo wir ihn nicht verstehen - dass wir in dieser Welt leben sollen. Es ist kein göttliches Versehen, dass es auch viel Böses gibt, dass Menschen ganz anders glauben als wir, dass wir unterschiedliche Sprachen haben, Gesellschaftssysteme und eine eigene Prägung durch unsere Geschichte. Vor allem ist es kein Irrtum gewesen, wenn Gott uns als freie Menschen geschaffen hat mit der Möglichkeit zu entscheiden, mit der Wahl zwischen Gut und Böse. Aber das Leben jedes Einzelnen, auch unser persönliches Leben!, kann mithelfen, dass unser Glaube, unsere christlichen Werte in der Gesellschaft gesehen und wahrgenommen werden. Dass sie Einfluss gewinnen und den Willen unseres Gottes und seiner Sache bekannt machen. Auch das Wunder, dass aus uns Kinder und Enkel kommen, soll dem dienen. Durch die Erziehung, die wir unseren Nachkommen angedeihen lassen, kann auch der Einfluss unseres Glaubens in der Welt größer werden. Darum sollen wir alles, was uns wert und heilig ist, an unsere Kinder und Kindeskinder weitergeben.

 

Suchet das Beste für die Menschen in eurer Umgebung, in allen Bezügen und Beziehungen in denen ihr lebt, denn ich habe euch euren Platz genau dort gegeben. Betet für eure Mitmenschen; denn wenn es ihnen wohl geht, so geht's auch euch wohl. - Wir sollen uns nicht anpassen, nicht so werden wie die anderen, die oft ohne Maßstab, Richtung und Ziel ihre Tage verbringen. Halten wir fest, woran wir glauben! Geben wir nicht leichtfertig auf, was an unserer christlichen Überzeugung in unserer Welt und Gesellschaft Anstoß erregt und Ärgernis. Sagen wir die Wahrheit, auch wo die Menschen sie nicht hören wollen. Meiden wir die Lüge, auch wenn sie uns Unannehmlichkeiten erspart. Wir stehen dort, wohin Gott uns gestellt hat. Es ist genau unser Platz, an dem wir leben sollen. Lassen wir uns nicht von dem abbringen, was unser Halt ist. Lassen wir uns die Mitte nicht nehmen, wir verlieren uns sonst selber. Wenn wir unsere Mitmenschen auch nicht von dem überzeugen können, was uns im Innersten trägt, so können wir doch für sie beten! Und das sollen wir tun. Und wir wollen es auch tun. So wird unser Leben (noch) nicht von stetem Glück erfüllt sein, aber erträglich. - So geht der Brief an uns weiter:

 

Wenn eure Zeit in dieser oft fremden Welt um ist, dann will ich mein gnädiges Wort an euch erfüllen und euch in eine Heimat führen, in der ihr wirklich zu Hause sein könnt. - Vergessen wir es nie: Uns ist mehr verheißen als dieses Leben, in dem wir heute sind. Um Jesu Christi Willen wartet eine Herrlichkeit auf uns, von der wir heute nur träumen können: Das Land ohne Tränen, ohne Leid, ohne Sorgen, ohne Krankheit, ohne Not und Tod. Einer des anderen Bruder und Schwester, einer unser aller Vater ... ewig ... ohne Ende.

 

Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides. Dort wo ihr meint, alles wäre zu Ende, geht es weiter in der Ewigkeit meiner neuen Welt. - Alle Schuld wird vergeben sein. Einer, Jesus Christus, hat sie für uns ans Kreuz getragen und abgetan. Gottes Verheißung für uns ist das Leben, nicht der Tod. Wo wir vom Ende sprechen, beginnt unser Leben in Gottes Reich.

 

Wenn ihr nicht ablasst, alle eure Bitten im Gebet vor mich zu bringen, dann will ich euch erhören. Wenn ihr mich von Herzen sucht, dann werdet ihr mich finden, spricht der HERR. Ich werde, wenn die Zeit da ist, eure Gefangenschaft in dieser Welt beenden und meine Menschenkinder sammeln aus allen Völkern und von allen Orten, wohin sie das Schicksal zerstreut hat, spricht der HERR, und will euch nach Hause bringen, dorthin, von wo ich euch einmal ausgesandt habe. - Wir wollen unser Leben, das uns Gott bestimmt hat, aushalten, auch dort wo es schwer ist. Wir wollen immer wieder die Hände falten und Gott sagen, was uns bedrückt uns quält. Wir wollen ihm aber auch danken, wenn er uns mit guten Gaben beschenkt und wir Freude erfahren. So werden wir auch schon in diesem Leben Gottes Nähe spüren und unter seinem Segen sein. Und einmal wird für uns der Morgen des Tages anbrechen, der keinen Abend mehr hat. Wir werden frei sein von allem, was uns hier noch beschwert. Und wir werden daheim sein dort, wo wir das wirkliche, das wahre Leben haben. Und alle Geschwister, alle Kinder des einen Vaters werden bei uns sein und keiner von uns wird mehr an die Zeit in dieser Welt denken, denn sie ist - für uns - für immer vergangen. AMEN

 

 

 

 

 


Autor: Pfarrer Manfred Günther; Foto: Gert Holle- 3.10.2018