Gedanken zum Pfingstsonntag – 8.06.2014: Das Geschenk eines neuen Lebens

Foto: Archiv
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Auf unserer Fahrt durch das Kirchenjahr machen wir an diesem Wochenende Halt an der Station „Pfingsten“. Weihnachten, Ostern, da würde jedem von uns wahrscheinlich etwas einfallen. Aber Pfingsten? – Stellen Sie sich bitte vor, Sie treffen an der Haltestation einen Pfarrer und fragen ihn, was Sie an dieser Station erwartet. Und der Pfarrer wird Ihnen vielleicht vom „Geburtstag der Kirche“ erzählen. Davon, wie alles damals in Palästina begann, wie plötzlich Feuerzungen über die Jünger kamen und wie sie begannen, in verschiedenen Sprachen zu sprechen. Und er würde voller Begeisterung davon reden, dass wir Grund zum Feiern haben, dass wir alle Geburtstagskinder sind … . „ Und was ist mit dem Geschenk?“, unterbricht ihn plötzlich ein anderer Fahrgast, der neugierig seine Ohren gespitzt hatte, während er auf die Weiterfahrt wartete.
 
„Geburtstagskinder bekommen doch ein Geschenk, oder?“ Spätestens dann kommt der „Heilige Geist“ ins Spiel. „Ja, wir bekommen den Heiligen Geist geschenkt. Großartig, nicht wahr?“, wird der Geistliche antworten. Und Sie und die anderen Passagiere würden nicken und ein wenig ratlos weiterfahren. Denn, was der Heilige Geist genau sein soll, bleibt nicht nur in diesem Moment im Verborgenen. Vielleicht verbinden Sie mit dem „Heiligen Geist“ das biblische Bild, wie der Geist auf die Jünger herabfährt. Dass er überraschend, unverhofft, ohne ihr Zutun kommt. Dass die ganze Begebenheit mit Begeisterung verbunden ist und auch mit der Kraft Gottes. Aber hilft das tatsächlich weiter?

Eine Kollegin sagte kürzlich auf meine Frage, was sie denn mit dem Heiligen Geist verbindet: „Als der Geist auf die Menschen kam, fing für sie ein ganz neues Leben an. Sie traten aus dem alten Leben in ein Leben des Glaubens, in die Freiheit der Kinder Gottes“. Mit dieser Antwort konnte ich etwas anfangen. Denn in einer bestimmten Weise bedeutet es ja auch, dass das Geschenk des Heiligen Geistes für uns heutzutage auch meint, dass wir unser Leben neu anfangen dürfen und frei sind. Mit diesem Wunsch nach einem neuen Leben sind wir sicher nicht allein. Ein neues Leben anfangen, wenn Sorgen und Trauer überhand gewinnen. Wenn wir vor einem Berg von aufgehäufter, unvergebener Schuld stehen. Das wäre es doch. Das alte Leben hinter uns lassen. Den ewigen Trott zwischen Aufwachen und Einschlafen, Arbeit und Freizeit, der uns wie ein undurchdringliches Netz fesselt.

Pfingsten erinnert uns daran, dass uns dieses neue, wunderbare Leben geschenkt oder mindestens angeboten wird. Es liegt an uns, ob wir es annehmen. Ob wir es einmal mit der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes versuchen. Ob wir dieses Geschenk der Freiheit einfach ab heute einmal ausprobieren und, ausgestattet mit dieser göttlichen Kraft, mehr lachen, mehr Freude zeigen, anderen mehr Mut machen und weniger dem Trott und den Gewohnheiten nachgeben. Dass wir anderen mit mehr Sympathie begegnen, Zeit für sie haben. Dann lassen wir die Kraft des Heiligen Geistes in unserer Welt spürbar werden. Wir fangen ein ganz neues Leben an und mit unserem gelösteren und erlösteren Erscheinungsbild stecken wir andere an. Gelöst von dem Druck des Immer-so-weiter und erlöst von den ewigen Selbstvorwürfen und Anklagen gegen Gott, gegen uns selbst und die Welt. - Bestimmt sieht der Wunsch nach einem neuen Leben bei jedem von uns anders aus. Was ich aber mit Sicherheit weiß, ist, dass uns an dieser Station „Pfingsten“ der Heilige Geist Gottes verheißen ist. Wer mag, der darf von hier das neue Leben als Kind Gottes mitnehmen. Haben Sie Mut! Probieren Sie aus, was dran ist an Pfingsten.

In diesem Sinne wünsche ich Euch ein gesegnetes Pfingstwochenende. 
 
Euer Gert Holle.