Gedanken zum Jahreswechsel 2013/2014: „Gott nahe zu sein ist mein Glück!“

Manchmal das Gefühl gehabt, ich kann nicht mehr – obwohl ich doch eigentlich müsste. Gehe unter, unter all dem Druck. Menschen warten auf mich, Termine wollen erledigt, Versprechen erfüllt werden… Höre die Stimme in mir, um mich herum: „Du solltest aber … du denkst doch nicht etwa … das tut man doch nicht…“ - Blicke zurück: Geweint, getrauert, schwach gefühlt. - Blicke auf Andere: Gesundheit, Erfolg, Geld. – Ungerechtigkeit pur! – So oder ähnlich mag es dem Beter des 73. Psalms vorgekommen sein, der vor weit über 2000 Jahren einen Blick in sein angefochtenes Herz zuließ. Düster waren seine Gedanken, als er auf seine Mitmenschen, sein Volk schaute: „Da reden sie großspurig daher, triumphieren über andere, machen sich nichts aus Gott. Lästern auch noch über ihn. Und werden zu guter Letzt auch noch von Erfolg gekrönt.“ Damals. -

Und wie ist es heute bei uns?
Haben nicht diejenigen die Macht, die rücksichtslos nur ihre eigenen Interessen vorantreiben? In die Privatsphäre anderer eindringen? Ist in unserem persönlichen Umfeld nicht oft der Ehrliche der Dumme? Können wir da nicht die Gefühle und Gedanken des Psalmbeters allzu gut nachempfinden? Gerade am Ende eines Jahres, wenn wir Bilanz ziehen, wenn wir dramatische Ereignisse und Bilder Revue passieren lassen?

Der Psalmbeter bleibt nicht in seinen quälenden Grübeleien haften. Er merkt, dass ihn dieser Blick auf die Anderen zerstört, ihn von Gott entfernt. Er nimmt wahr, wie brüchig der Boden ist, auf dem die Gottfernen stehen. Er weiß doch aus eigener Erfahrung, wie schnell es gehen kann, dass aus Glück Leid wird. Dass die Glückssträhne reißen kann. So erkennt er, auf welchen Grund er im Leben bauen kann: „Gott nahe zu sein ist mein Glück!“ Und damit meint er Zweierlei: „Gott ist mir nahe. Und ich bin Gott nahe.“ Was wirklich zählt für ihn ist Gottes Nähe. Sie ist gut für ihn. Sie ist seine Freude und sein Glück. - Und was ist gut für mich? Gut für meine Freude? Worin besteht mein Glück?

Die Losung für das Jahr 2014 „Gott nahe zu sein ist mein Glück!“ macht auch mir Mut. Sie macht mir Mut, bei all den Forderungen, die an mich herangetragen werden, auch einmal „Nein!“ zu sagen. Eine Ruhepause einzulegen. An die Möglichkeiten und Chancen zu denken, die das Leben mir bietet. Und sie auch wahrzunehmen. Etwas zu tun, was mir wichtig ist, was mir gut tut. Und das ohne schlechtes Gewissen! Nur, weil ich mich in der Nähe Gottes weiß. Es ist nichts Schlechtes, mich selbst im Blick zu haben und mir Gutes zu tun. Wenn die Prioritäten stimmen, dann ist alles gut: An erster Stelle Gott, dann die anderen und dann ich. Dann werde ich Dinge entdecken, an die ich lange nicht mehr gedacht habe: das Lächeln meiner Freundin, der Freunde, die alten Liederhefte, aus denen ich früher so gerne gesungen habe, die alten Elvis-Schallplatten … ich atme auf … ich könnte, wenn ich wollte … ich lebe mein Leben … ich muss nicht müssen.

Auf einmal habe ich Zeit. Für den Menschen neben mir. Wir hören auf einander und einander zu. Weil ich aufhören kann. Abschalten. Damit wird die Welt nicht besser. Die Menschen nicht netter. Aber meine Sicht ändert sich. Ich werde unabhängig, selbstbewusster. Ich nehme alles zur Kenntnis, aber nicht mehr so wichtig. Wichtig bin ich. Und du. Sind wir. Ist Gott. - „Gott nahe zu sein ist mein Glück!“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für das Jahr 2014 Gottes Segen!

Gert Holle