Wenn sich Türen öffnen …

Foto: Michael Guist
Foto: Michael Guist
 
 
Eine Wand – eine Mauer. Dahinter ich. Geschützt. Gesichert. Geborgen. Das tut gut, sich Niemandem preisgeben zu müssen. Aber ich muss aufpassen. Denn allzu schnell kann es passieren, dass sie mich nicht mehr hindurch lässt. Mein Weg ist verstellt. Die Mauer verhindert meinen Weitblick, die Einsicht. Wie gut, wenn es eine Tür gibt. Eine Hoffnung in meiner Mauer. Sie ermöglicht den Blick in die Weite, den Ausweg. Den Weg ins Leben. Aber nur dann, wenn sie sich bewegen lässt. Wo sich ein Mensch bewegen lässt, dort ist die Tür zu ihm. Aber nicht mit Gewalt, sondern mit Liebe. Das ist der Schlüssel.

Es tut gut, Menschen zu begegnen, die Türöffner sind. In ihrer Nähe blühe ich auf. Ihr Dasein lässt mich durch- und aufatmen. Ich fühle mich ein Stück freier, den einen Schritt weiter. Ich kann, ich darf leben. Ich muss mich nur öffnen und öffnen lassen. Dann habe ich auch den Durchblick und mein Leben wird reicher, wenn ich aufgeschlossen bin. Solche Türöffner bleiben in Erinnerung.

Kürzlich las ich von einer solchen besonderen Türöffnerin: Irgendwo in Südamerika. Eine Indianerin besucht regelmäßig eine dort gastweise lebende Familie. Mit Worten können sie sich nicht verständigen. Doch Eltern und Kinder sind von der Herzlichkeit dieser Frau sofort eingenommen. Immer hat sie ein paar Überraschungen dabei: Ein paar Rebhuhneier, eine Handvoll Waldbeeren. Im Gegenzug genießt sie den ihr angeboten Tee und den Kuchen. Zum Abschied sagt sie immer einen Satz in ihrer Sprache, den die Kinder bald auswendig können. Und irgendwann übersetzt ein Freund den Kindern diesen Satz: „Ich werde wieder kommen; denn ich liebe mich, wenn ich bei euch bin.“ – Bemerkenswert, oder? „Ich werde wieder kommen, denn ich liebe mich, wenn ich bei euch bin.“ Wie reich beschenkt muss sich die herzensgute Frau in ihren Begegnungen mit dieser Familie fühlen, der sie ihrerseits mit ihren Besuchen zeigt: „Ihr seid hier willkommen!“

Ähnlich mag auch eine Begegnung verlaufen sein, die der Apostel Paulus zu Beginn seiner Missionstätigkeit in Europa hatte. Von ihr wird in vielen Gottesdiensten an diesem Wochenende erzählt. Worum geht es? Nach einer Erscheinung in der Nacht bricht der Apostel Paulus am nächsten Tag sofort von Troas über Samothrake und Neapolis nach Philippi in Mazedonien auf, um dort das Evangelium zu verkündigen. Doch seine Bemühungen, die dort lebenden Menschen für den Glauben an Jesus Christus zu begeistern, scheinen von wenig Erfolg gekrönt. Unverständnis und Gleichgültigkeit bilden eine schier unüberwindbare Mauer. Doch er lässt sich nicht entmutigen. Eine Synagoge scheint es in der Stadt nicht zu geben. So geht er mit seinen drei Begleitern am Sabbat an den Fluss vor der Stadt, wo er zumindest gottesfürchtige Männer und Frauen vermutet, die dort beten. Er trifft einige Frauen an, von denen eine nun im Blickpunkt steht, weil sie zuhört. Von der Purpurhändlerin Lydia aus der Stadt Thytira wird erzählt: „Ihr öffnete der Herr das Herz, sodass sie in sich aufnahm, was Paulus sagte.“ Lydia und ihr ganzes Haus werden daraufhin getauft und laden Paulus und seine drei Freunde in ihr Haus ein.- So entsteht die erste christliche Hausgemeinschaft auf europäischem Boden. Und vielleicht hat sich Paulus später von Lydia mit den Worten verabschiedet: „Ich werde wiederkommen; denn ich liebe mich, wenn ich bei euch bin.“ Und Lydia könnte geantwortet haben: „Ihr seid hier willkommen!“ In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Wochenende und viele berührende Türöffner-Begegnungen.