Klingender Adventskalender - 9

In der Kälte der Nacht - von Gert Holle

Foto: Gert Holle
Foto: Gert Holle

Er steht am Straßenrand - die Zeitung in der Hand -
und fragt Dich: "Kaufen Sie?"
Der Mantel eingesaut, die Haare fettverschmiert -
würdest lieber weiter gehen.
Doch Du bleibst stehen und hörst es Dir an,
was er Dir zu erzählen hat,
IN DER KÄLTE DER NACHT,
IN DER KÄLTE DER NACHT.

Er war einst Ingenieur, der Stress, der fiel ihm schwer,
war oft alleine - Tag und Nacht.
Er spricht von Alkohol, wie ihn das runterzog,
hat ihn fast um den Verstand gebracht.
Du, er hat Dich getroffen und Du hörst es Dir an,
was er Dir zu erzählen hat,
IN DER KÄLTE DER NACHT,
IN DER KÄLTE DER NACHT.
Schicksal tut so weh,
IN DER KÄLTE DER NACHT
sieht die schöne Welt meist anders aus,
IN DER KÄLTE DER NACHT,
wenn man keine Wohnung, keinen Euro mehr hat,
IN DER KÄLTE DER NACHT.

Sagt, dass er 'ne Chance hat mit diesem schönen Blatt
und er bittet: "Kaufen Sie!"
Die Augen sind so leer, ein Lächeln fällt ihm schwer
und er sagt: "Na kommen Sie!?"
Und Du fackelst nicht lange und Du gibst ihm zwei Euro
aus dem dicken Portemonnaie,
IN DER KÄLTE DER NACHT,
IN DER KÄLTE DER NACHT.

Er steht am Straßenrand - zwei Euro in der Hand -
und sagt Dir: "Dankeschön!"
Der Mantel eingesaut, die Haare fettverschmiert,
Du wirst jetzt weiter gehen.
Und Du denkst Dir: "Es ist ja so schlimm, was dieser Mensch erleiden muss,
IN DER KÄLTE DER NACHT,
IN DER KÄLTE DER NACHT."

UND DU DREHST DICH SCHNELL UM UND DU NIMMST IHN MIT NACH HAUS' ZU DIR - FÜR EINE WARME NACHT.

Schicksal tut so weh,
IN DER KÄLTE DER NACHT
sieht die schöne Welt meist anders aus,
IN DER KÄLTE DER NACHT,
wenn man keine Wohnung, keinen Euro mehr hat,
IN DER KÄLTE DER NACHT,
IN DER KÄLTE DER NACHT.



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Die verrückten Weihnachtsmänner
- eine Bärchen-und-Rübe-Geschichte

9

Am nächsten Morgen saßen die vier in der Schneehütte zusammen und überlegten, wie es weitergehen sollte. Die beiden Geschwister, Rübe und Bärchen, der Schneemann und der Pinguin, die sich beide für den Weihnachtsmann hielten.
Rübe sagte schließlich: „Ich glaube, daß wir fast am richtigen Ort sind. Überlegt doch mal: der Pinguin ist hier aufgetaucht.“
Und Bärchen fiel ein: „Ja, und der Schneemann kam auch aus die-sem Wald.“
Und der Pinguin rief: „Ja, und die roten Teile. Dasch ischt kein Tschufall, dasch die hier aufgetauscht schind.“
„Also“, sagte Rübe, „irgendwie hat das alles auch was mit diesem Wald zu tun.“
„Weißt du“, überlegte Bärchen, ich glaube der Wald ist... ja, ich weiß nicht, was. Aber, schau doch mal. Obwohl es eigentlich saukalt ist, halten wir beide das aus. Und Hunger und Durst habe ich auch nicht.“
„Stimmt“, sagte Rübe, „ich habe auch überhaupt nicht mehr an Es-sen oder Trinken gedacht. Ob der Wald verzaubert ist?“
Bärchen wurde ein bißchen bange: „Du meinst, von einer Hexe oder einem Zauberer?“
„Nein, nein“, beruhigte Rübe ihn, „eher so, als...“
„Haaatschi!“ dröhnte es da von draußen.
„Gesundheit!“ rief Bärchen. Und dann: „Oh-oh, da ist jemand!“
„Hatschi!“ erklang es wieder - und dann kicherte jemand.
„Nein!“ Rübe sprang auf. „Das kann doch gar nicht sein. So kichert nur einer.“
Und schon verschwand sie nach draußen. Bärchen, der Pinguin und der Schneemann folgten ihr.
„Könnt ihr mich mal aus dem Schnee buddeln?“ hörten sie die Stimme. „Ich glaube, ich war bei meiner Landung etwas zu schnell!“
„Hatschi!“ rief Bärchen. Doch Rübe hatte ihn schon gefunden und vom Schnee befreit. Dann tanzte sie mit dem kleinen Stern in ihrer Hand durch den Schnee.
Und Bärchen sprang um sie herum.
„Hatschi! Hatschi!“ schrie er immer wieder.
„Nun aber gut“, kicherte der Stern, „auf, gehen wir in eure Hütte. Wir müssen miteinander reden.“
Als sie wieder in ihrer Schneehütte saßen, sagte Hatschi, diesmal ganz ernst: „Bärchen, Rübe, und ihr beiden da. Es ist schlimm, Weihnachten steht auf dem Spiel.“


Fortsetzung folgt


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