Gesund und lecker kochen und dabei die Umwelt schonen

Gemeinsam für eine gesunde und nachhaltige Ernährung in Kita und Schule – auf der BIOFACH präsentieren Initiativen, wie Einrichtungen die Ernährungswende unterstützen können

16.02.2024

 

(MÜNCHEN/NÜRNBERG/tw) - Wie sollen Kinder in der Schule oder in der Kita essen? Dazu hat der Bürgerrat Anfang Januar seine Empfehlungen abgegeben. Das Gremium empfiehlt kostenloses Kita-Essen, gesunde Lebensmittel ohne Mehrwertsteuer und eine bessere Tierwohl-Kennzeichnung. Wie die Ernährungswende mit langfristigem Erfolg gelingen kann und wie Kitas und Schulen diese vorantreiben können, zeigten am Donnerstag, 15. Februar, vier Initiativen auf der BIOFACH in Nürnberg.

Die wissenschaftliche Grundlage lieferte Dr. Amelie Michalke von der Universität Greifswald, die im Forschungsprojekt „How much ist the dish?“, Maßnahmen zur Erhöhung der Biodiversität durch True Cost Accounting bei Lebensmitteln (kurz: HoMaBiLe), forscht. Das Forschungsvorhaben beziffert die Umweltfolgekosten der Nahrungsproduktion etwa für Fleisch, Käse und Gemüse anhand von Parametern wie Schadstoffausstoß (Nitrate, Stickstoff), Klimagase und Landnutzungsänderung. Es zeigt aber auch, welche Art von Ernährung Schäden an der Umwelt und damit einhergehende Folgekosten in Zukunft einspart.

An dieser Stelle kann die Außer-Haus-Verpflegung in Kitas und Schulen ansetzen. Denn rund 2,6 Millionen Kinder in Deutschland bekommen hier ihre Hauptmahlzeit des Tages und werden in Essverhalten und Geschmack geprägt. Daher sollte die Verpflegung gesund und nachhaltig sein. Das fordert auch die Bundesregierung in ihrem Eckpunktepapier zur Ernährungswende in Deutschland. Um Kitas und Schulen bei den notwendigen Umstellungsprozessen zu helfen, hat die Tollwood GmbH, die HoMaBiLe als Praxispartner unterstützt, das Projekt Bio für Kinder entwickelt. Mit dem digitalen Biospeiseplan (www.biospeiseplan.de) lassen sich Ernährungspläne für Kitas und Schulen unkompliziert zusammenstellen. Bei der Veranstaltung auf der BIOFACH zeigte das Team, wie der Biospeiseplan bei der Speiseplanung, der Mengen- und Kostenkalkulation sowie bei der täglichen Umsetzung der geschmackvollen Rezepte unterstützt. Außerdem stellte Tollwood das breite Schulungsangebot rund um den Biospeiseplan vor. Für Schulen und Kitas ist der Biospeiseplan kostenfrei nutzbar.

 

Selbst machen – Ernährungsbildung ganzheitlich betrachtet

Darüber hinaus stellten sich drei weitere Initiativen vor, die die Ernährungswende vorantreiben und in Einrichtungen begleiten. Wie sich ein Acker oder ein Kita- und Schulgarten aufbauen lässt, erklärte Hendrike Hellmann von Acker e.V. Mit der GemüseAckerdemie bringt das Sozialunternehmen den Gemüseacker in Schulen, Kitas und Kindergärten. So entwickeln schon die Kleinsten Wertschätzung für Natur und Lebensmittel. Das Sozialunternehmen arbeitet wirkungsorientiert und wissenschaftlich fundiert an der Schnittstelle zwischen Bildung, Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt.

Sara Wolff von der Sarah Wiener Stiftung präsentierte deren Projekte „Essen entdecken“ und „Ich kann kochen!“. Ganz praktisch lernen Kinder in der Kita bzw. deren Betreuer*innen, woher ihr Essen kommt, wie frische Lebensmittel aussehen und arbeiten gemeinsam in der Küche. Das sind wichtige Schritte auf dem Weg zu einer selbstbestimmten Ernährung. „Ich kann kochen!“ legt so den Grundstein, damit Kinder gesund aufwachsen können.

Und Hannah Nieswand von der Initiative „überkochen e. V.“ stellte auf der BIOFACH die mobile Küche vor und zeigte, dass die Kombination aus praktischen Unterrichtswerkzeugen der mobilen Küche und theoretischen Lerninhalten vielfältige, kreative Einsatzmöglichkeiten in der Schule eröffnet. Denn das gemeinsame Kochen und Genießen spricht alle Sinne an.

 

Hintergrund:

Das Projekt hinter dem „Biospeiseplan“: Bio für Kinder

Bio für Kinder ist ein Projekt der Tollwood GmbH mit dem Ziel, die Qualität der Gemeinschaftsverpflegung von Kinder- und Jugendeinrichtungen zu steigern. Bereits seit 2006 begleitet Tollwood Einrichtungen bei den Umstellungsprozessen, um die tägliche Essensversorgung von Kindern und Jugendlichen gesundheitsförderlich und nachhaltig zu gestalten. Mit dem Online Tool www.biospeiseplan.de wurde das Unterstützungsangebot auf Einrichtungen in ganz Deutschland ausgeweitet. Gestartet hat Tollwood das Projekt in München gemeinsam mit dem damaligen Referat für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt.

 

Über Tollwood

Die Tollwood GmbH in München veranstaltet zweimal im Jahr ein Festival: eines im Sommer, eines im Winter. Das erste Tollwood Festival fand im Sommer 1988 statt. 1992 kam das Winterfestival hinzu. Der Eintritt zu mehr als 90 Prozent aller Veranstaltungen des Festivals ist frei. Die privatwirtschaftliche Gesellschaft für Kulturveranstaltungen und Umweltaktivitäten engagiert sich über die Festivals hinaus, u. a. mit der Gemeinschaftsinitiative Bio für Kinder. Als Praxispartner unterstützt Tollwood ein Forschungsprojekt der Universität Greifswald, das fragt: „How much is the dish? – Maßnahmen zur Erhöhung der Biodiversität durch True Cost Accounting bei Lebensmitteln“ (HoMaBiLe).

Weitere Informationen: www.tollwood.de

 

Über HoMaBiLe

Das Forschungsprojekt „How much is the dish? – Maßnahmen zur Erhöhung der Biodiversität durch True Cost Accounting bei Lebensmitteln“ (HoMaBiLe) läuft seit September 2020 u. a. in Zusammenarbeit mit der Tollwood GmbH an der Universität Greifswald. Wissenschaftler*innen beschäftigen sich hierbei sowohl mit der Berechnung wahrer Kosten von Lebensmitteln als auch mit einer sozial gerechten Umsetzung ebendieser. Praktisch setzte der Lebensmitteldiscounter Penny das True Cost Accounting im August 2023 um. Das Projekt läuft bis Herbst 2024 und zielt darauf ab, den gesellschaftlichen sowie politischen Diskurs in Deutschland bezüglich der Wertschätzung von Lebensmitteln voranzutreiben.

Weitere Informationen: www.homabile.de

 

Über FOODCoST

 

Ein weiteres Projekt der beteiligten Forscher*innen wird seit Juni 2022 auf EU-Ebene bearbeitet (FOODCoST): Zusammen mit renommierten Partner*innen aus der Wissenschaft (wie den Universitäten Wageningen (NL) und Oxford (UK) sowie der unternehmerischen Praxis (wie Danone oder REWE)) wird ein EU-weit einsetzbares Modell zur wahren Bepreisung von Lebensmitteln erarbeitet und die Umsetzbarkeit dieses Modells in mehreren internationalen Pilotprojekten evaluiert. FOODCoST zielt darauf ab, die ökologischen und sozialen Folgekosten (Externalitäten) der Lebensmittelproduktion auf europäischer Ebene zu ermitteln und hierauf aufbauend sinnvolle politische Maßnahmen zu einer verursachergerechten Internalisierung von Lebensmitteln abzuleiten.


Autorin: Tollwood GmbH; zusammengestellt von Gert Holle - 16.02.2024