Journal / PoLitik

16.01.2017


BUCHTIPP

Marum: Das letzte Jahr in Briefen

Foto: von Loeper Literaturverlag
Foto: von Loeper Literaturverlag

 

Ludwig Marum: Das letzte Jahr in Briefen

Der Briefwechsel zwischen Ludwig Marum und Johanna Marum (7. März 1933 – 14. Mai 1933)
Ludwig Marums Briefe aus dem Konzentrationslager Kislau (16. Mai 1933 – 7. März 1934)

für die Neuausgabe ausgewählt und bearbeitet von Andrée Fischer-Marum
hg. von den Stadtarchiven Karlsruhe und Mannheim

 

Am 10. März 1933 wurde Ludwig Marum, Sozialdemokrat jüdischer Herkunft, von Hilfspolizisten der SA in seiner Wohnung in Karlsruhe verhaftet. Der Reichstagsabgeordnete und frühere badische Staatsrat gehörte zu den bedeutendsten SPD-Politikern der Weimarer Republik und war als erklärter Gegner der Nationalsozialisten schon frühzeitig in deren Visier geraten. Marum wurde mehrere Wochen im Karlsruher Gefängnis inhaftiert und am 16. Mai 1933 in einer demütigenden öffentlichen Schaufahrt zusammen mit anderen führenden Sozialdemokraten in das Konzentrationslager Kislau gebracht, wo er am 29. März 1934 ermordet wurde.

 

Ludwig Marum hat während seiner Gefangenschaft in der so genannten „Schutzhaft“ zahlreiche Briefe an seine Frau Johanna geschrieben. Diese wurden unter dem Titel „Briefe aus dem Konzentrationslager Kislau“ 1984 erstmals publiziert und zeugten von der ungebrochenen Haltung des Anwalts und Politikers, aber auch von seiner zärtlichen Liebe zu seiner Frau und seinen drei Kindern Elisabeth, Hans und Brigitte.

 

Nicht bekannt sind jedoch die Briefe, die Johanna Marum von März bis Mai 1933 an ihren Mann geschrieben hat. Die vorliegende erweiterte Neuausgabe will zum einen die Briefe Ludwig Marums wieder verfügbar machen (ergänzt um bisher unveröffentlichte Briefe und Briefpassagen), zum anderen den Fokus erweitern auf die Situation der Familie Marum, die nun auch aus der Perspektive von Johanna Marum sichtbar wird. Durch diese neue Edition, ausgewählt und bearbeitet von Ludwig Marums Enkelin Andrée Fischer-Marum, entsteht ein dichtes Bild: Es wird deutlich, unter welchem existenziellen Druck die ganze Familie stand, wie eng die Beziehung zwischen Johanna Marum und Ludwig Marum war, und wie sich beide immer wieder Mut zusprachen.

 

In dem Moment, in dem ihr bisheriges Leben zusammenbrach, bewährte sich die Liebe und die Partnerschaft von Johanna und Ludwig Marum.


262 Seiten, mit 31 Abbildungen, kartoniert, € 19,90
ISBN 978-3-86059-374-5
Bestell-Nr.: 000-374

262 Seiten, mit 31 Abbildungen, gebunden, € 29,90
ISBN 978-3-86059-375-2
Bestell-Nr.: 000-375

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Berichte / Rezensionen


Badische Neueste Nachrichten 05.11.2016
Martina Erhard: Einblicke ins Familienleben. Neues Buch über letzte Briefe Ludwig Marums (Bericht von der Buchvorstellung im Stadtarchiv Karlsruhe)

"Ernst Otto Bräunche, Leiter des Karlsruher Stadtarchivs, dankt Andrée Fischer-Marum, der Enkelin von Ludwig und Johanna Marum, für deren Unterstützung. 'Sie hat die Schriftstücke gefunden und sie für die Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.' Andrée Fischer-Marum, die in Berlin lebt, freut sich, dass das Buch in dieser Form realisiert werden konnte: 'Es war mir wichtig, dass auch meine Großmutter dargestellt wird', sagt sie. 'Sie war immer an der Seite meines Großvaters.'"

Stadtzeitung (Karlsruhe) 11.11.2016
(Bericht von der Buchvorstellung im Stadtarchiv Karlsruhe)

"Als bedeutendster Politiker der Weimarer Zeit, überzeugter Demokrat und entschiedener Gegner der Nationalsozialisten nehme der am 16. Mai bei der Schaufahrt gedemütigte und am 29. Mai in Kislau ermordete Rechtsanwalt, SPD-Abgeordnete, Justizminister und Staatsrat einen ganz besonderen Platz in der städtischen Erinnerungskultur ein, sagte Kulturamtschefin Dr. Susanne Asche. Aus den Briefen Johannas, ‚der Mutter, Frau, Geliebten und Freundin, die ihn stets so unterstützt hat‘ (Andrée Fischer-Marum) wird neben der politischen nun ‚die gesamte Perspektive der Familie‘ deutlich, so Mannheims Archivleiter Dr. Ulrich Nieß."

 

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DER UMWELTBEAUFTRAGTE DER LANDESKIRCHE IN BADEN ZU MARRAKESCH

„KLIMASCHUTZ HEISST KOHLEAUSSTIEG“

23.11.2016

 

(Karlsruhe/ekiba). Der Umweltgipfel 2015 in Paris galt als Erfolg, weil sich erstmals 190 Länder - Industriestaaten, Schwellen- und Entwicklungsländer - auf ein Abkommen zum Klimaschutz geeinigt hatten. In Marrakesch ging es nun um einheitliche Messmethoden und erste konkrete Schritte zum Klimaschutz. Im Interview bewertet der Umweltbeauftragte der badischen Landeskirche, André Witthöft-Mühlmann, auch dieses Treffen durchaus als Erfolg. In Deutschland stehe der Ausstieg aus der Kohle an, die badische Landeskirche sieht er vor einem neuen Klimaschutzfahrplan 2050. Das 2009 verabschiedete Klimaschutzkonzept läuft noch bis 2020.

Herr Witthöft-Mühlmann, wird der Klimawandel gestoppt mit dem, was in Marrakesch vereinbart wurde?
Nein, das war aber ein Jahr nach Paris auch nicht zu erwarten. Schließlich beginnen die Nationen erst jetzt, ihre Schritte zum Klimaschutz konkret zu planen. Auch der von der Bundesregierung in letzter Minute beschlossene Plan wird nicht reichen. Aber: Nicht umsonst ist eine Stärke des Paris-Vertrags ein „Nachschärfungsmechanismus“ im Fünf-Jahres-Intervall. In Marrakesch wurden vor allem sehr wichtige technische Details geklärt, damit zukünftig die Messmethoden einheitlich und somit die Treibhauseffekte einzelner nationaler Pläne vergleichbar sind. Und auch hier sind die Verhandlungen sehr schwierig. Die Konferenz hat aber deutlich das echte Bemühen der Staaten gezeigt, den Vertrag zu erfüllen. Das war wichtig, gerade vor dem Hintergrund, dass die USA  zukünftig vermutlich eher bremsen in der Klimapolitik. Damit wird die aktuell sehr konstruktive Haltung Chinas noch essentieller und Europa muss seine frühere Vorreiterrolle wieder finden.

Die EKD-Synode hat mit Blick auf Marrakesch eine Erklärung zum Klimaschutz verabschiedet. Was ist Aufgabe der Kirche?

Der Beschluss der Synode der EKD fasst gut zusammen, worauf es nun ankommen wird. Sie sieht sich als wichtige Stimme, die bei der Bundesregierung ihre Sorge äußert und die konkrete Schritte einfordert. Stichwort rechtzeitiger Kohleausstieg!

Das setzt voraus, das man als Evangelische Kirche selbst glaubwürdige Maßnahmen ergreift, um bis 2050 quasi eine post-fossile Kirche sein zu können. Das ist der letzte Teil des Beschlusses. Jede Gliedkirche sollte spätestens jetzt einen Prozess beginnen analog zum "Paris-Verfahren" und selbst Klimaschutzfahrpläne auflegen, die den Pfad bis 2050 beschreiben. Dieser Fahrplan wird viele Facetten brauchen, von der energetischen Gebäudesanierung über eine nachhaltige Beschaffung bis hin zu anderen Anlagestrategien. Stichwort Divestment!
Die Kirche hat also zwei Aufgaben: hörbar politisch Position zu beziehen und selbst sichtbar glaubwürdig zu handeln.

Was macht die badische Landeskirche für den Klimaschutz?

Unsere Landeskirche hat bereits 2009 ein erstes Klimaschutzkonzept für den Zeitraum 2011 bis 2020 beschlossen mit dem Ziel bis 2020 40 Prozent an CO² einzusparen im Vergleich zum Jahr 2005. Die Maßnahmen hierfür betreffen Gebäude, Mobilität und Beschaffung. Das setzen wir aktuell um und sind auch im Plan. Im Jahr 2014 wurden bereits 23 Prozent CO2-Reduktion erreicht. Natürlich dürfen und werden wir als EKIBA 2020 nicht aufhören. In 2017 wollen wir als Büro für Umwelt und Energie die Diskussion anstoßen, wie ein Klimaschutzfahrplan 2050 der Landeskirche aussehen kann.


Und wie wird der badische Klimaschutzfahrplan aussehen?
So viel kann man schon jetzt sagen: das nächste Etappenziel wird das Jahr 2030 sein und uns als BUE wird es hoffentlich gelingen, die Gremien zu überzeugen, bis dahin rund 60 Prozent Reduktion festzusetzen. Die Herausforderung für uns alle wird der notwendige gesellschaftliche Wandel hin zu einer Erneuerbaren-Energien-Welt sein und die Einsicht, dass Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung sich gegenseitig bedingen und nur als Ganzes erreicht werden können. Also Stichwort "Große Transformation"! Unsere Synodalen haben schon früh die existentielle Bedrohung durch den Klimawandel erkannt und die notwendigen Maßnahmen für uns als Kirche mitgetragen. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir als EKIBA unseren gesellschaftlichen Beitrag für den Wandel auch nach 2020 leisten werden.

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Der Buchtipp

Rechts um! - Wie Europa abgewählt wird

Ob die AfD in Deutschland, die „Front National“ in Frankreich oder „Recht und Gerechtigkeit“ in Polen, von der „Fidesz“ Viktor Orbáns bis zur „Dänischen Volkspartei“ und der britischen UKIP: Begünstigt durch Flüchtlingskrise und Terroranschläge erringen rechtspopulistische und nationalkonservative Parteien bei Wahlen Sieg um Sieg.

Geschickt instrumentalisieren die Rechten Wut und Angst. Fremdenfeindliche und nationalistische Töne werden immer lauter. Die etablierten Parteien wirken wie gelähmt und geraten zusehends in die Defensive. Europa, so zeigen die Analysen der ORF-Korrespondenten, steht am Scheideweg: Gelingt es nicht, den Aufstieg der Rechtspopulisten zu stoppen, drohen die Zerstörung der europäischen Demokratie und die Rückkehr zum Nationalstaat – mit unabsehbaren Folgen für Frieden und Wohlstand.


„Rechts um! Wie Europa abgewählt wird“ ist ein Buch von ORF-Auslandskorrespondenten. Es ist ein politisches Buch, geschrieben von professionellen Beobachtern und Analytikern des Weltgeschehens, die ständig
oder zumindest immer wieder für längere Zeit in jenen Ländern leben, über die sie hier schreiben. Sie tun dies so, wie sie Tag für Tag ihre Beiträge für Radio, Fernsehen und Internet in den Programmen des ORF verfassen:

kritisch, analytisch, einordnend, aber ohne Häme, Belehrung oder
Missionierung.

Mit Beiträgen von
Roland Adrowitzer · Skandinavien
Tim Cupal · Niederlande
Ernst Gelegs · Ungarn
Andreas Jölli · Deutschland
Karin Koller · Polen
Christian Lininger · Russland
Bettina Prendergast · Großbritannien
Raphaela Stefandl · Schweiz
Hans Woller · Frankreich

 

 

Autor: styria; zusammengestellt von Gert Holle - 25.11.2016

 

 

Foto: styria
Foto: styria
Dr. Roland Adrowitzer

Rechts um! Wie Europa abgewählt wird

 

Erscheinungsdatum: September 2016

ISBN: 978-3-222-13533-0

Seiten: 224

Einband: Hardcover mit SU

Format: 14,5 x 21,5 cm

 




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