Nachrichten aus aller Welt

6.12.2019

Foto: Gert Holle
Foto: Gert Holle

Sternsinger unterstützen betroffene Kinder und deren Familien mit 90.000 Euro

Verheerende Überschwemmungen im Südsudan

(Aachen/kmw) - Starke Regenfälle haben seit Oktober zu verheerenden Überschwemmungen in weiten Teilen des Südsudans geführt. Ganze Landstriche stehen in dem ostafrikanischen Land unter Wasser. Häuser, Schulen und Krankenhäuser sind zerstört, bestellte Felder und ganze Viehherden wurden vernichtet. Mit einer Nothilfe in Höhe von 90.000 Euro unterstützen die Sternsinger betroffene Kinder und deren Familien in der Diözese Malakal. 1.500 große Schutzplanen zum Bau von Hütten sowie 3.000 Moskitonetze zum Schutz vor Malaria werden den Menschen vor Ort bereitgestellt. 

Stefanie Frels, Länderreferentin im Kindermissionswerk ,Die Sternsinger’, die gerade von ihrer Reise aus dem Südsudan zurückgekehrt ist, zeigt sich besorgt. „Das Leid der Menschen ist kaum zu beschreiben. Lokale Konflikte, Gewalt und Armut bestimmen den Alltag. Die schweren Überflutungen verschärfen die dramatische humanitäre Lage jetzt zusätzlich. Familien fliehen vor dem Hochwasser und haben kein Dach über dem Kopf, die Gefahr von Krankheiten durch verunreinigtes Wasser steigt, und die Menschen haben zu wenig zu essen“, so Frels. Von den Folgen der Überschwemmungen sind mehr als 900.000 Menschen betroffen, 200.000 Kinder mussten mit ihren Familien vor den Wassermassen fliehen.

Die Sternsinger unterstützen mit der Nothilfe die Menschen in den von Hochwasser betroffenen Gebieten Pibor und Mayom in der Diözese Malakal. Stephen Nyodho Ador, Bischof der Diözese, schildert die aktuelle Situation: „Nach dem Bürgerkrieg von 2013 bis 2018 sind noch längst nicht alle Landminen geborgen, Schulen und Gesundheitseinrichtungen sind noch nicht wieder instand gesetzt, da nimmt uns die nächste Katastrophe alle Hoffnung. Wir brauchen jetzt direkte und sofortige Hilfe und sind dringend auf Decken, Planen, Moskitonetze, Nahrungsmittel und Trinkwasser angewiesen. Ich danke den Sternsingern für die sofortige Hilfsbereitschaft.“

Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ – das Hilfswerk der Sternsinger
Mehr als 1.800 Projekte für benachteiligte Kinder weltweit werden jährlich vom Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ unterstützt. Einnahmen in Höhe von insgesamt rund 78,4 Millionen Euro standen dem Hilfswerk der Sternsinger 2018 für seine Arbeit zur Verfügung. Gefördert wurden Projekte in 111 Ländern. Den größten Beitrag leistet jährlich rund um das Fest der Heiligen Drei Könige am 6. Januar die gemeinsam mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) getragene Aktion Dreikönigssingen. Die kommende Sternsingeraktion steht unter dem Motto „Frieden! Im Libanon und weltweit“.

 


Drohende Katastrophe in Simbabwe:

Drohende Katastrophe in Simbabwe: Zum Beginn der Klimakonferenz in Madrid (02.12) warnen SOS-Kinderdörfer vor nie dagewesener Hungersnot

(München/sos) - Zum Beginn der Klimakonferenz in Spanien haben die SOS-Kinderdörfer mit eindringlichen Worten ein entschlosseneres Handeln der internationalen Staatengemeinschaft gefordert. Die "verheerenden Folgen" der Erderwärmung seien vor allem für die Menschen in Afrika schon heute eine "Frage von Leben und Tod."

 

Als aktuelles Beispiel führt die Hilfsorganisation Simbabwe an. Der afrikanische Krisenstaat stehe vor einer nie da gewesenen Hungersnot. Ursache sei eine der schlimmsten Dürren der vergangenen Jahre. "Bereits jetzt leiden 3,5 Millionen Menschen an Lebensmittelknappheit. Etliche sind bereits unterernährt. Zwischen Januar und März dürften sich die Zahlen noch weiter erhöhen: Die Hälfte aller Einwohner Simbabwes, 5,5 Millionen Menschen, werden dann zu wenig zu essen haben, darunter 2,6 Millionen Kinder. Eine so fürchterliche Dürre haben wir hier noch nie erlebt", sagt Addmore Makunura, Leiter der Organisation in Simbabwe. Ohne intensive humanitäre Unterstützung seien zahlreiche Menschen vom Hungertod bedroht. "Kinder sind besonders gefährdet, weil sie kaum Reserven haben, um eine solche Mangelsituation zu überstehen", sagt Makunura.

 

Die Trockenheit habe dazu geführt, dass weniger Lebensmittel produziert werden konnten, der Grundwasserspiegel sei viel zu niedrig, was zu empfindlichen Ernteeinbußen führe. Entsprechend gingen die Lebensmittelpreise Monat zu Monat rapide in die Höhe. "Zehn Kilo Maismehl haben noch im Februar 8,5 Simbabwe Dollar gekostet, im August schon 28. Das kann sich keiner mehr leisten", sagt Makunura. Die Trockenheit bedrohe nicht nur die Menschen, sondern auch das Vieh, unzählige Tiere seien bereits verendet.

 

Dass sich seit einigen Jahren die extremen Wetterphänomene in seinem Land mehren, führt Makunura auf den Klimawandel zurück. Auch Nachbarländer wie Malawi und Mosambik seien von Dürre betroffen und am Horn von Afrika hätten Äthiopien, Somalia und Kenia mit Lebensmittelknappheit aufgrund von Trockenheit zu kämpfen. Nötig sei nun ein "entschiedenes Handeln", kurzfristig um die Menschen vor dem Hungertod zu bewahren, langfristig, um die Folgen des Klimawandels abzumildern.

 

"Oberstes Gebot ist es jetzt, den akut gefährdeten Menschen schnell und unbürokratisch zu helfen." Langfristig sei es wichtig, die Bauern dabei zu unterstützen, alternative Bewässerungssysteme aufzubauen, sich auf die veränderte Lage einzustellen und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber klimatischen Schwankungen zu stärken.

 

Die SOS-Kinderdörfer unterstützen notleidende Kinder in Simbabwe seit Jahrzehnten und helfen Familien dabei, dauerhaft eine eigenständige Existenz aufzubauen. Dazu gehört auch die Entwicklung und der Einsatz von nachhaltigen und klimaresistenten Formen der Landwirtschaft.

 


World Vision stoppt vorrübergehend Hilfsmaßnahmen

Unruhen behindern Kampf gegen Ebola im Kongo

 

(Friedrichsdorf/Beni/wv) – Die internationale Hilfsorganisation World Vision hat ihre Maßnahmen gegen die Ebola-Seuche im Osten der DR Kongo vorübergehend ausgesetzt. Grund dafür sind heftige Unruhen und Gewaltausbrüche in der Region, teilt die Kinderhilfsorganisation mit. Am Wochenende hatten Einwohner der Stadt Beni Gebäude der UN angegriffen und das Rathaus der Stadt niederbegrannt. Zuvor hatten bewaffnete Gruppen Massaker unter Zivilisten verübt.

 

Die Demonstranten werfen den im Osten des Landes stationierten UN-Truppen vor, untätig den Massakern zu zusehen und nichts für den Schutz der Zivilbevölkerung zu unternehmen. Hintergrund ist, dass die UN-Truppen nur an Kämpfen der Regierungstruppen gegen Milizen teilnehmen dürfen, wenn sie dazu von der kongolesischen Regierung aufgefordert werden. Das ist bislang nach Aussagen der UN nicht geschehen.

 

Helen Barclay-Hollands, Leiterin von World Vision für den Ostkongo, sagte, die Maßnahmen ihrer Organisation in Beni seien vollständig eingestellt worden. Dadurch sei die Bekämpfung von Ebola ernsthaft gefährdet. Kinder würden als direkte Folge der Unsicherheit an Krankheiten wie Ebola und Masern sterben, wenn die Arbeit nicht schnell wieder aufgenommen werden könne.

 

Barclay-Hollands: „Dieser Ausbruch von Gewalt kommt zu einem schlimmen Zeitpunkt. Wir waren gerade dabei, die Ebola-Epidemie in den Griff zu bekommen, und die Hilfsorganisationen verstärkten ihre Bemühungen, auch die Masern einzudämmen, bei denen bisher etwas mehr als 4.000 Menschen im Land getötet wurden. Das ist jetzt alles in Gefahr.“

 

Zudem führen Kämpfe an anderen Orten im Osten auch zu plötzlichen Evakuierungen und zur Massenflucht von Menschen, wodurch die Wahrscheinlichkeit einer Ausbreitung von Ebola und Masern sehr viel größer werde.

 

Wann World Vision und auch weitere Hilfsorganisationen ihre Arbeit wieder aufnehmen, hängt von Ausmaß und Dauer der Gewalt ab.

 

World Vision ist seit 1984 in der DR Kongo aktiv. Seitdem konzentriert sich die Arbeit der Hilfsorganisation dort auf Katastrophenhilfe, die Reintegration von Kindersoldaten und Zwangsprostituierten sowie die Hilfe für Kinder, die zum Dienst in Minen gezwungen sind. Außerdem engagiert sich World Vision in der Eindämmung von Ebola. Seit dem Ausbruch von Ebola im August 2018 sind fast 2.200 Menschen ums Leben gekommen. Das Engagement umfasst eine Reihe von Gesundheits- und Kinderschutzprogrammen.


Die Bundesregierung sollte konkrete Fortschritte einfordern

Kolumbiens Regierung torpediert zunehmend die Umsetzung des Friedensvertrags mit der Guerilla-Gruppe FARC

 

(Aachen/Berlin/Essen/adv) - Die Bundesregierung sollte mit mehr Nachdruck auf die Regierung Kolumbiens einwirken, damit diese den Friedensvertrag mit den FARC umsetzt, appellieren deutsche Hilfswerke und Menschenrechtsorganisationen zum dritten Jahrestag der Unterzeichnung des Abkommens am 24. November 2019. „Präsident Iván Duque spricht mit zwei Zungen: Im Ausland versichert er, den Vertrag umzusetzen. In Kolumbien legt seine Regierung der Umsetzung massiv Steine in den Weg“, sagt Margaret Buslay, Sprecherin der Kommission Solidarität Eine Welt von pax christi Deutschland.

 

Viele Kernvereinbarungen des Friedensvertrages sind bis heute kaum umgesetzt. Die Landreform, die die Ungleichverteilung von Land aufbrechen und marginalisierte Gemeinden stärken soll, wurde in weiten Teilen nicht begonnen. Die Sonderjustiz, die Sucheinheit für Verschwundene und die Wahrheitskommission leiden unter starken Budgetkürzungen und werden selbst von Regierungsmitgliedern immer wieder angegriffen. Eine Kommission unter Vorsitz des Präsidenten, die gegen paramilitärische Gruppen vorgehen soll, hat seit dem Amtsantritt von Iván Duque vor 15 Monaten nur zwei Mal getagt.

 

„Die Regierung Duque lässt den Friedensprozess im wahrsten Wortsinn ausbluten. Notwendige Mittel zur Umsetzung des Friedensvertrages werden nicht genehmigt, bereits zugesagte Gelder zurückgehalten. Es wird versucht, Verpflichtungen aus dem Abkommen per Gesetz aufzuweichen. Wichtige Vorhaben wie die Landreform werden endlos aufgeschoben, während die Gewalt weiter zunimmt“, kritisiert Monika Lauer Pérez, Kolumbien-Referentin beim Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat. Lediglich die Wiedereingliederung der rund 13.000 früheren FARC-Kämpfer_innen habe leichte Fortschritte gemacht. „Wenn der Präsident sagt, der Friedensvertrag werde umgesetzt, dann meint er das Reintegrationsprogramm der Regierung. Der Vertrag ist aber viel mehr als das. Er muss vollständig umgesetzt werden, soll er wirklich zu Veränderungen führen“, so Lauer Pérez.

 

Ländliche Gebiete, in denen bewaffnete Konflikte aufflammen – insbesondere Catatumbo, Nord-Cauca und Caquetá – lässt Präsident Duque wieder massiv militarisieren. Das Militär soll hier künftig staatliches Handeln kontrollieren. „Mit ihrer aggressiven Sicherheitspolitik bringt die Regierung die Arbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen weiter in Gefahr, anstatt sie zu schützen“, erklärt Stefan Tuschen, Kolumbien-Referent bei Misereor. „Viel wirksamer als noch mehr kugelsichere Westen, Bodyguards oder gepanzerte Fahrzeuge wäre, die allgegenwärtige Straflosigkeit zu beenden und präventive und kollektive Schutzprogramme zu fördern, wie es unsere Partner und Gemeinden seit Jahren fordern.“

 

2018 wurden – erstmals seit Abschluss der Friedensgespräche – wieder mehr Menschen getötet (rund 12.800) und vertrieben (rund 156.000) als im Vorjahr. Im Nord-Cauca explodiert aktuell die Gewalt: Über 50 Indigene wurden hier 2019 ermordet, allein 15 seit September. Von Januar bis Juni 2019 fielen kolumbienweit 59 Menschenrechtsverteidiger_innen Morden zum Opfer. Im Vorfeld der Regionalwahlen Ende Oktober wurden acht Politiker_innen diverser Parteien ermordet.

 

„Die Ende August verkündete Wiederbewaffnung von Teilen der FARC sollte ein Weckruf sein, den Friedensvertrag viel nachdrücklicher umzusetzen“, mahnt Matthias Schreiber, Koordinator bei kolko e. V. „Die Bundesregierung hat der Regierung Kolumbiens im November 2018 über eine halbe Milliarde Euro an Unterstützung zugesagt. Sie sollte gegenüber Präsident Duque auf konkrete Fortschritte bei der Vertragsumsetzung und eine detaillierte Rechenschaftslegung für die Mittelverwendung drängen, wie es viele zivilgesellschaftliche Gruppen in Kolumbien fordern.“

 

Die Presseerklärung tragen: Action pro Colombia, Adveniat, Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen, kolko – Menschenrechte für Kolumbien, Kolumbiengruppe Nürtingen, Misereor, pax christi – Deutsche Sektion e. V.

 


FIDES-NACHRICHTEN - 6.12.2019

EUROPA/SCHWEIZ - "Tragt den Frieden zu den Menschen!" - Startschuss der Aktion Sternsingen mit den Schweizer Bischöfen in Lugano

 

Lugano - Freiburg (Fides) – Der traditionelle Auftakt für die Aktion Sternsingen, die jedes Jahr von den Päpstlichen Kindermissionswerken (Missio) durchgeführt wird, war der Besuch zweier Sternsingergruppen aus dem Tessin bei der Vollversammlung der Schweizer Bischofskonferenz in Lugano. Die von Missio getragene Aktion Sternsingen steht in diesem Jahr unter dem Thema «Frieden». Unterstützt werden Kinderprojekte im Libanon.
Wie Missio Schweiz mitteilt besuchten die Sternsinger aus den Pfarreien San Nicolao in Lugano Besso und St. Peter und Paul in Gravesano die Casa Birgitta, wo Ortsbischof Valerio Lazzeri sich ganz besonders freute, «seine» SternsingerInnen begrüssen und sie den Mitgliedern der Bischofskonferenz vorstellen zu dürfen. Bischof Valerio Lazzeri segnete die Kinder, die Begleitpersonen und die Sterne: «Tragt den Frieden zu den Menschen!» ermutigte er die Kinder, die stellvertretend für alle Sternsinger-Kinder gekommen waren.
«Die Sternsinger sind auch eine Mission», unterstrich Missio-Direktor Martin Brunner-Artho die Bedeutung dieser Aktion, und bezog sich damit auf den zu Ende gegangenen Außerordentlichen Monat der Weltmission. «Denn die Sternsinger gehen zu den Leuten, sie tragen die Frohbotschaft in die Häuser und bringen Segen und Frieden.» Aber die Aktion Sternsingen ist noch mehr. «Es ist eine wichtige Aktion der Kirche, zu der wir Sorge haben müssen. Deshalb bitten wir um den Segen für die Sendung der Sternsinger».
Unter dem Motto „Frieden im Libanon und weltweit“ gibt es in diesem Jahr eine Zusammenarbeit zwischen der Aktion Sternsingen und dem „Friedenslicht Schweiz“. Sternsinger-Gruppen sind eingeladen, bei ihrer Aktion auch das Friedenslicht in die Häuser zu bringen. Am 15. Dezember wird das Friedenslicht, das zuvor in der Geburtsgrotte in Bethlehem entzündet wurde, in Basel, Zürich, Luzern und Freiburg weitergegeben.
Dieses Jahr unterstützen die Sternsinger mit ihrer Aktion insbesondere Kinder-Projekte im Libanon. Jährlich können dank der Spenden bei der Aktion Sternsingen weltweit an die 200 Projekte für Kinder und Jugendliche mitfinanziert werden.
 

 

AFRIKA/COTE D’IVOIRE - Bischöfe laden mit Blick auf die Wahlen im kommenden Jahr zur Versöhnung ein

 

Abidjan (Fides) - Im Vorfeld der Wahlen im Jahr 2020 herrsche in Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste) und im Klima der Angst in der Bevölkerung, denn die Menschen befürchten mögliche Wiederaufflammen von Konflikten. Dies betonen die katholischen Bischöfe der Elfenbeinküste am Ende ihrer 113. Vollversammlung, die vom 17. bis 23. Juni 2019 tagte. Versöhnung und Wahrnehmung des Friedens gehören daher zu den Prioritäten im Pastoralplan 2019-2023 der katholischen Bischöfe der Elfenbeinküste (CECCI).
"Africae Munus" von Papst Benedikt XVI. Hatten die ivorischen Bischöfe seit langem eine „Woche der Versöhnung" eingeführt, die jedes Jahr an den ersten Sonntagen in der Adventszeit stattfindet. In diesem Jahr am zweiten Adventssonntag.
Ziel dieser Woche ist es, auf die Notwendigkeit der Versöhnung unter den Christen aufmerksam zu machen, um das Wohl der menschlichen Gemeinschaft in der Elfenbeinküste zu arbeiten. "Versöhnung geht über Wahlen hinaus.", Bischof Ignace Dogbo Bessi von Katiola.
Dabei möchte ich auch die ivorischen Politiker in der Woche der Versöhnung einbeziehen. "Sie wurden nicht vergessen", so Bischof Bessi "Zwischen den verschiedenen Parteien, um gemeinsam an Gottesdiensten teilzunehmen, die in verschiedenen Städten wie zum Beispiel Abidjan, Katiola, Korhogo stattfinden".
 

 

AFRIKA/D.R. KONGO - Missionsschwestern vom Unbefleckten Herzen Mariens feiern 100jähriges Jubiläum

 

Kinshasa (Fides) – "Erinnern, feiern, mit Christus neu aufbrechen" lautet das Thema der Feierlichkeiten zur 100jährigen Präsenz der Kongregation der Missionarinnen des Unbefleckten Herzens Mariens (ICM) in der Demokratischen Republik Kongo. Zur Eröffnung des Jubiläumsjahres wurde am Samstag, 30. November, in der Kirche Notre Dame de Fatima in Kinshasa ein Danksagungsgottesdienst gefeiert.
Der Apostolische Nuntius in der Demokratischen Republik Kongo, Erzbischof Ettore Balestrero, erinnerte in seiner Predigt an die Notwendigkeit wahrer Leidenschaft bei der Christusnachfolge. Diese Leidenschaft habe die Missionsschwestern während dieser vergangenen 100 Jahre ihres Dienstes in der Demokratischen Republik Kongo inspiriert und die sie müsse auch künftig unter Beweis gestellt werden, um das Werk Christi im Kongo fortzusetzen.
Die Provinzobere erinnerte in ihrer Ansprache an die Ordensgründerin Mutter Marie-Louise de Meester, die sich mit folgenden Worte an die ersten Missionsschwestern gewandt hatte, die in den Kongo entsandt worden waren: "Missionarinnen zu sein, ist mehr als sich den Bedürftigen zu widmen, es geht im Wesentlichen darum sein Leben zu geben, damit andere die lebensspendende Gnade Christi erfahren können".
In Trägerschaft der Missionsschwestern befinden sich heute weiterführende Schulen in Kabambare, Movenda und Toyokana in Kinshasa und arbeiten im Bereich des Gesundheitswesens und der Pastoralarbeit in der Erzdiözese Kinshasa und in den Diözesen Boma und Lisala.
 

 

ASIEN/INDONESIEN - Regierung und Religionen fördern interreligiösen Dialog

 

Jakarta (Fides) - Die indonesische Regierung und die Religionsvertreter Indonesiens, darunter auch Christen, verstärken ihr Engagement für den interreligiösen Dialog im Land. Das Zentrum für religiöse Harmonie im Ministerium für Religion veranstaltete zu diesem Zweck am gestrigen 4. Dezember in Jakarta ein Forum, an dem 50 Delegierte verschiedener Religionen teilnahmen, in dessen Mittelpunkt die Suche nach Möglichkeiten zur Stärkung der religiösen Harmonie in der indonesischen Gesellschaft stand.
"Es ist das ständige Bemühen aller religiösen Führer im Land, für Frieden, Harmonie und Solidarität zu arbeiten", so der Katholik Maxi Paat, der an dem Treffen teilnahm. Pfarrer Frans Dwikoco, ebenfalls einer der Delegierten, sagte, dass "es der Wunsch der katholischen Kirche in Indonesien ist, mit Gläubigen anderer Religionen zusammenzuarbeiten, um den Dialog und die interreligiöse Harmonie gemeinsam zu fördern". Die katholischen Delegierte erinnerten daran, dass die Bischöfe während der jährlichen Sitzung der indonesischen katholischen Bischofskonferenz in Bandung im vergangenen Monat ebenfalls betonten, dass "die katholische Kirche der menschlichen Brüderlichkeit und dem friedlichen Indonesien verpflichtet fühlt“.
Ahmad Astamar, ein muslimischer Religionsvertreter betonte im Rahmen der Debatte: "Die indonesische Gesellschaft muss heute mehr denn je den interreligiösen Dialog auf allen Ebenen fördern, da die Kräfte der religiösen Intoleranz …ständig zunehmen. Es ist unsere gemeinsame Pflicht und Notwendigkeit, der Radikalisierung indonesischer Jugendlicher entgegenzuwirken, die von potenziellen Terroristengruppen angeführt oder manipuliert werden".
In den vergangenen Jahren kam es auf dem indonesischen Archipel immer wieder zu Episoden der Gewalt vor dem Hintergrund des religiösen Sektierertums und des islamistischen Terrorismus. Indonesien ist mit 263 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Welt mit muslimischer Mehrheit. Christen aller Konfessionen machen 12% der Bevölkerung aus.
 

 

ASIEN/IRAK - Chaldäischer Patriarch ruft im Zeichen des Respekts gegenüber den Opfern der Proteste zu Verzicht auf Weihnachtsdekorationen und öffentlichen Feiern auf

 

Bagdad (Fides) –Der chaldäische Patriarch Louis Raphael Sako fordert im Zeichen der Nähe zu den Familien der Toten und Verletzten, die es am Rande der jüngsten Proteste sowohl unter Demonstranten unter den Sicherheitskräften gab zum Verzicht auf Weihnachtsbäume in Kirchen und auf Kirchhöfen auf. Außerdem sollen weder offizielle Konzerte noch Empfänge veranstaltet werden. Anstelle der traditionellen Empfänge im Sitz des Patriarchats, an denen politische und religiöse Autoritäten teilnahmen, sollen nur Momente des Gebets und der Fürbitte für die Seelen der Opfer und um die Rückkehr des Friedens im ganzen Land stattfinden Proteste und Ausschreitungen, bei denen bisher bereits Hunderte von Menschen starben, erschüttern das Land auch nach dem Rücktritt von Premier Adel Abdel Mahdi. Patriarch Sako, so die Quellen des chaldäischen Patriarchats, lädt dazu ein, die Ressourcen, die durch den Verzicht auf Weihnachtsdekorationen gespart werden an Waisenhäuser und Krankenhäuser zu spenden.
In den vergangenen Tagen hatte Patriarch Sako in einem ebenfalls vom chaldäischen Patriarchat veröffentlichten Text versucht eine "theologische Auslegung" der Proteste zu entwerfen, die mehrere Länder des Nahen Ostens erschüttert und begann mit einem historischen Verweis auf die lateinamerikanische Befreiungstheologie: "Befreiungstheologie" so Kardinal Raphael Louis Sako, „entstand aus dem Schmerz und der Angst der Lateinamerikanischen Länder infolge von politischer, administrativer und finanzieller Korruption in den meisten dieser Länder". In ähnlicher Weise - so der Patriarch weiter, „sind die Ursachen der seit fast zwei Monaten stattfindenden Demonstrationen im Irak und im Libanon, an denen vor allem junge Menschen beiderlei Geschlechts beteiligt sind, die Verbundenheit mit dem Heimatland, der Wunsch nach Garantien für die legitimen Menschenrechten und nach Beendigung von Sektierertum, sozialer Ausgrenzung und Korruption, die das Land seit 2003 (dem Jahr, in dem Saddam Husseins Regime von einer von den USA angeführten internationalen Koalition gestürzt wurde) beherrschen“.
 

 

AMERIKA/HAITI - “Die Menschen dürsten nach Entwicklung, Gerechtigkeit und Sicherheit”

Port au Prince (Fides) – Chaos, Angst, Verwirrung, Unsicherheit prägen den Alltag der Menschen in Haiti. Über die Situation in seiner Gemeinde in der Pfarrei San Gerardo in der haitianischen Hauptstadt berichtet Pater Renold Antoine, CSsR, von den Redemptoristen:
"Jean Barthélemy, die in der Gemeinde San Gerardo als ‚Madame Jean‘ bekannt ist, wurde am späten Nachmittag des 2. Dezember von einer Kugel getroffen und schwer verletzt, als sie in unserer Gemeinde an der an der Novene teilnahm“, bestätigt der Priester. Auch am Nachmittag des 2. Dezember kam es in der Hauptstadt am Rande von Demonstrationen zu Ausschreitungen und und Vandalismus. "Wir haben die Novene sofort unterbrochen und Madame Jean ins Krankenhaus gebracht, wo sie kurz darauf operiert wurde, weil die Kugel ihr linkes Auge verletzt hatte", so Pater Renold weiter, "Erst viel später erfuhren wir aus dem Krankenhaus, dass sie nicht in Lebensgefahr ist. Wir beten für sie “.
"Es ist kein Geheimnis, Haiti ist das ärmste Land der nördlichen Hemisphäre“, so Pater Renold Antoine zur Lage im Land, „Dieses Land, das in der Kolonialzeit als ‚Perle der Antillen‘ galt, ist heute eine Art Müllhalde. Dieses Land veränderte 1804 den Lauf der Menschheitsgeschichte, indem es sich vom Joch der Sklaverei löste und gleichzeitig seine Unabhängigkeit erklärte … Heute finden seit mehreren Monaten Demonstrationen und Proteste im ganzen Land statt, die den Rücktritt des Präsidenten der Republik, Jovenel Moïse, fordern. Was die Insel erlebt, ist ein Aufstand gegen Arbeitslosigkeit, Armut, soziale Ungerechtigkeit, Unsicherheit, Ausgrenzung, Straffreiheit und moralische Verbrechen, Manipulation, Korruption, Verschlechterung der Kaufkraft, fehlende Transparenz bei den öffentlichen Ausgaben, schlechte Regierungsführung, außer Kontrolle geratene Inflation und Abwertungen der Landeswährung. Infolgedessen verlassen viele Haitianer das Land auf der Suche nach einem besseren Leben… Angesichts dieser Situation reagiert der Staat mit Unterdrückung.
Pater Renold erinnert auch an die kürzlich veröffentlichte Botschaft der Bischofskonferenz: "Die Bischöfe erkennen an, dass die Forderungen der Menschen legitim sind, und fordern dabei friedliche Demonstrationen… Die Menschen im Land dürsten nach Entwicklung, Gerechtigkeit, Sicherheit und einem besseren Leben", schließt Pater Renold.
Die Gemeinde San Gerardo ist seit dem Erdbeben vom 12. Januar 2010 in einem provisorischen Bauwerk untergebracht. Die Gemeinschaft der Redemptoristen betreut nicht nur die Pfarrgemeinde, sondern auch drei Schulen, die von vielen Kindern besucht werden, die zur Zeit jedoch geschlossen bleiben, um die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten.


SOS-Kinderdörfer fordern Aufbruch für Kinderrechte

30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention: Millionen Jungen und Mädchen weltweit leiden

 

(München/sos) - Vor 30 Jahren hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen die UN-Kinderrechtskonvention verabschiedet. Seither hat sich vieles für Kinder verbessert: Zum Beispiel ist die Kindersterblichkeit deutlich gesunken, und mehr Kinder denn je gehen zur Schule. Doch trotz der Erfolge sind Millionen Kinder weltweit immer noch in Gefahr. 

 

Anlässlich des 30. Jahrestags der UN-Kinderrechte (20.November) fordert die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer deshalb die nationalen Regierungen weltweit dringlich dazu auf, sich dem Schicksal der Kinder mit der notwendigen Entschlossenheit zuzuwenden. "Die Diskrepanz zwischen den Ansprüchen der UN-Kinderrechtskonvention und deren Verwirklichung ist erschreckend und ein Armutszeugnis für unsere Welt. Wir fordern einen neuen, globalen Aufbruch für die Rechte von Kindern", sagt Louay Yassin, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer in München. Auch Deutschland müsse mehr Verantwortung übernehmen. Die Zeit sei reif, die Kinderrechte auch imGrundgesetz zu verankern.

 

30 Jahre Kinderrechte - eine Bestandsaufnahme:

 

Flucht: Über 30 Millionen Kinder befinden sich aufgrund von Kriegen, Katastrophen und Not auf der Flucht. Das sind mehr Betroffene, als jezuvor.

 

Traumata: 24 Millionen Jungen und Mädchen in Kriegsländern brauchen dringend psychosoziale Unterstützung. Gleichzeitig herrscht ein eklatanter Mangel an Psychologen und ausgebildeten Fachleuten.

 

Familie: 220 Millionen Kinder wachsen ohne Eltern auf oder sind aufgrund ihrer prekären Lage gefährdet, diese zu verlieren. Das ist jedes zehnte Kind.

 

Hunger: Weltweit sind immer noch 149 Millionen Kinder unterernährt. Das ist jedes fünfte Kind.

 

Bildung: Inzwischen besuchen 91 Prozent aller Kinder weltweit die Grundschule, 84 Prozent eine weiterführende Schule. Doch die Qualitätder Bildung ist oft unzureichend. Vor allem Kinder auf der Flucht haben schlechte Chancen: Von ihnen besuchen gerade mal 63 Prozent dieGrundschule, nur 24 Prozent eine weiterführende Schule.

 

Kinderehe: 1990 waren noch 31 Prozent aller jungen Frauen zwischen 20 und 24 Jahren bereits mit 18 verheiratet, aktuell gilt das nur noch für 21 Prozent. Mit insgesamt 650 Millionen Betroffenen bleibt die Zahl dennoch hoch.

 

Weibliche Genitalverstümmelung: Viele Länder haben Gesetze gegen weibliche Genitalverstümmelung erlassen, trotzdem sind immer noch bis zu 140 Millionen Mädchen und Frauen von der schändlichen Praxis betroffen.

 

Kinderarbeit: Die Zahl von Jungen und Mädchen, die Kinderarbeit verrichten müssen, ist von weltweit 246 Millionen im Jahr 2000, auf aktuell 152 Millionen gesunken. Besonders kritisch ist die Lage immer noch in Afrika, wo jedes fünfte Kind unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten muss.


Dramatischer Appell: Chefin der SOS-Kinderdörfer in Chile prangert Kinderechtsverletzungen an

 

(München/sos) - Angesichts der eskalierenden sozialen Krise in Chile, hat sich Alejandra Riveros, Leiterin der Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer in dem lateinamerikanischen Land, mit einem dramatischen Appell an die staatlichen Institutionen gewandt: "Wir haben in den letzten Wochen hunderte Fälle von massiven Menschenrechtsverletzungen an Minderjährigen registriert, sie wurden geschlagen, entführt, vergewaltigt und ermordet." Mindestens 274 Kinder und Jugendliche befänden sich in Haft. Dort seien sie höchstwahrscheinlich physischer und psychischer Folter als auch sexueller Gewalt ausgesetzt.

 

"Wir fordern den chilenischen Staat und seine Ordnungs- und Sicherheitskräfte auf, alle Jungen und Mädchen umgehend freizulassen und den Beschuss von Demonstranten mit Tränengas oder Gasbomben sofort zu stoppen. Es ist die Pflicht des chilenischen Staates, für die Sicherheit seiner Kinder zu sorgen", sagte Riveros.

 

Chile erlebt seit Wochen schwere soziale Ausschreitungen. Die Regierung reagiert auf Massendemonstrationen mit mehreren Hunderttausend Teilnehmern mit Gewalt. Die Demonstranten wenden sich gegen die soziale Ungerechtigkeit im Land.


Katholischer Bischof zieht Priester aus Unruheregion zurück – Drohungen von Separatisten

missio Aachen: Kameruns zivile Friedenskräfte brauchen internationale Unterstützung

 

(Aachen/missio) - Das katholische Hilfswerk missio Aachen fordert die Bundesregierung auf, sich im Rahmen ihrer Afrikapolitik stärker für die Stabilisierung Kameruns einzusetzen und schon bestehende Kontakte zu intensivieren. „Im Südwesten des Landes schwelt einer der schlimmsten vergessenen Konflikte Afrikas, in dem die katholische Kirche als Vermittler und Friedensstifter zusehends in Bedrängnis gerät“, sagte Pfarrer Dirk Bingener, Präsident von missio Aachen. „Aufgrund der ungelösten politischen Probleme droht sich nach Berichten unserer Partner mittlerweile auch die christliche Gemeinschaft zu spalten. Kameruns zivile Friedenskräfte brauchen internationale Unterstützung“, so Bingener weiter.

 

Seit Jahren kämpfen im englischsprachigen Südwesten des ansonsten französischsprachigen Landes Rebellen für einen unabhängigen Staat. Das Militär Kameruns unterdrückt diesen Konflikt mit Gewalt. Mehrere Dörfer in der Region sind zerstört, 530.000 Menschen sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen innerhalb Kameruns auf der Flucht, rund 36.000 Menschen sind ins Nachbarland Nigeria geflohen. Knapp 2.000 Todesopfer forderten die Kämpfe bereits. Die katholische Kirche vermittelt in diesem Konflikt und kritisiert sowohl die Gewalt der Rebellen als auch die der Polizei und des Militärs.

 

Bischof: Priester mit Wissen der Gemeinde entführt und ermordet

 

Gegenüber missio berichtete nun der Bischof der Diözese Mamfe, Andrew Nkea, dass er seine Priester aus den am meisten gefährdeten Dörfern zurückgezogen habe. Das Bistum liegt im Herzen der Unruheregion. Anlass seien zwei Entführungen und zwei versuchte Entführungen von Priestern Ende Oktober und Anfang November gewesen. Zudem sei dort vor einem Jahr schon ein Priester getötet worden. Auch er selbst, so der Bischof weiter, werde bedroht.

 

Die Angreifer seien junge Männer aus diesen Dörfern, die politisch aufgewiegelt worden seien, und sich als Separatisten bezeichneten. Sie werfen Bischof Nkea dessen Teilnahme an nationalen Einigungs- und Friedensgesprächen in der Hauptstadt Kameruns vor. Für ihn sei es besonders schmerzlich, dass Mitglieder der christlichen Gemeinden von den Entführungsplänen gewusst hätten, und die Priester nicht warnten. Deshalb sehe er sich gezwungen, die Priester solange aus den Gemeinden zurückziehen, bis die jungen Separatisten ihre Waffen niederlegten und die Gemeinden sich wieder gewaltlos und konstruktiv für eine Lösung des Konflikts einsetzten, so Bischof Nkea.

 

„Dass sich Bischof Nkea zu diesem Schritt gezwungen sieht, zeigt die Dringlichkeit, mit der dieser vergessene Konflikt auf die internationale politische Agenda muss“, sagte Pfarrer Bingener. missio Aachen unterstützt in der Diözese Mamfe die Betreuung von Flüchtlingen.

 

 

 

Wer ist missio?

 

Das Internationale Katholische Missionswerk missio in Deutschland mit seinen Zweigen in Aachen und München gehört zu rund 100 Päpstlichen Missionswerken weltweit. missio Aachen ist eines der großen deutschen Hilfswerke und fördert die katholische Kirche in Afrika, Asien und Ozeanien. 2018 stellt missio Aachen rund 46,5 Millionen Euro für die Projektfinanzierung zur Verfügung. Davon wurden 1.192 Projekte seiner Partner in Afrika, Asien, dem Maghreb und Nahen Osten sowie Ozeanien finanziert. Diese Förderung stärkt die pastorale, soziale und interreligiöse Arbeit, die Infrastruktur sowie die Ausbildung von Laien, Priestern und Ordensleuten der katholischen Kirche in diesen Regionen. Mit ihrer Arbeit erreicht die Kirche dort nicht allein Christen, sondern trägt zur Verbesserung der Lebensumstände der gesamten Gesellschaft bei. In vielen Ländern Afrikas, Asiens und Ozeaniens ist die Kirche oft die einzige Institution, die alle Menschen erreicht, da staatliche Strukturen schwach sind.

 


Millionen Kinder in Gefahr, weil Regierungen ihre Rechte nicht konkret umsetzen

30 Jahre Kinderrechte – Slow Motion fehl am Platz

Kinderrechts-Organisationen prangern Untätigkeit an, während die Vereinten Nationen den 30..Geburtstag der Kinderrechtskonvention feiern

 

(London, Berlin/wv) - Das Leben von Millionen Kindern ist in Gefahr, da die meisten Nationen der Welt ihr Engagement für die Kinderrechte nicht ernsthaft verfolgen. Darauf machen sechs große internationale Organisationen aufmerksam, die sich besonders für Kinder und Jugendliche einsetzen.

 

Nur wenige Regierungen nähmen den 30. Geburtstag des UN-Übereinkommens über die Rechte des Kindes am 20. November zum Anlass, konkrete politische Zusagen zur Einlösung der gegebenen Versprechen zu machen, kritisiert das Bündnis “Joining Forces”, in dem ChildFund Alliance, Plan International, Save the Children International, SOS Kinderdörfer International, Terre des Hommes International Federation und World Vision International zusammen arbeiten.

 

Weniger als die Hälfte aller Länder haben bisher auf Einladung von UNICEF und der Vereinten Nationen die internationale Zusicherung „For every child, every right“ (Allen Kindern alle Rechte) gegeben. Diese stellt die Verwirklichung der Kinderrechte in einen Zusammenhang mit nachhaltiger Entwicklung, die auch die Lebenschancen zukünftiger Generationen sichert.

 

Noch schlimmer: Weniger als 50 Länder haben nationale Zusicherungen gegeben. Auffällig ist hierbei eine große Zurückhaltung von Ländern mit der höchsten Kinderarmutsrate und der größten Existenznot.

 

„Millionen Kinder wurden im Stich gelassen“, sagt Meg Gardinier, Generalsekretärin der ChildFund Alliance und Vorsitzende von Joining Forces. „Trotz allem, was wir seit 1989 erreicht haben, werden täglich die Versprechen gebrochen, die Kindern vor 30 Jahren gegeben wurden. Es ist zwingend erforderlich, dass Staaten mit neuem politischen Willen und Dringlichkeit daran arbeiten, die Rechte für alle Kinder konkret zu verwirklichen.“

 

Das UN-Übereinkommen über die Rechte des Kindes ist das am weitesten anerkannte Menschenrechtsabkommen der Geschichte. Es fordert erhebliche Investitionen in die Gesundheit, Bildung und Sicherheit von Kindern sowie die Verabschiedung von Gesetzen und Bestimmungen, in denen die Rechte von Kindern anerkannt werden, vor allem in solchen Bereichen, wo sie selbst wehrlos sind, wie Kinderarbeit, körperliche Bestrafung, alternative Unterbringung oder Zwangsverheiratung.

 

Auf dieser Grundlage verbesserte sich der rechtliche Status aller Kinder in den letzten Jahren bedeutend. Bei den Beteiligungsmöglichkeiten und sozialen Lebensbedingungen wurden unterschiedlich große Fortschritte in reichen wie armen Ländern erzielt.

 

Andrew Morley, Präsident von World Vision International, hat an vielen Orten gesehen, wie sich uneingelöste Versprechen auswirken: „Eine schockierende Anzahl von Kindern stirbt immer noch aus vermeidbaren Gründen, Millionen weitere besuchen keine Schule oder müssen schreckliche Misshandlungen über sich ergehen lassen. Jedes Jahr werden etwa 12 Millionen Mädchen unter 18 Jahren verheiratet. Vor Kurzem habe ich in Ostafrika ein achtjähriges Mädchen kennen gelernt, das beschnitten und zur Ehe gezwungen wurde. Man hat ihr die Kindheit gestohlen und die Zukunft ruiniert. Wir können nicht tatenlos zulassen, dass solche Abscheulichkeiten weiterhin geschehen.“

 

Die im Bündnis vertretenen Organisationen fordern in ihrem Bericht “A Second Revolution. Thirty Years of Child Righs and the Unfinished Agenda” von Regierungen unter anderem größere Investitionen in dringend notwendige Dienste. Die meisten Länder gäben beispielsweise weniger als 5 % bis 6 % ihres Bruttoinlandsprodukts für eine allgemeine Gesundheitsversorgung aus. Auch Hilfen aus dem Ausland, auf die ärmere Länder angewiesen sind, müssten in Bereichen wie Gesundheit und Bildung aufgestockt werden. Um die Bedürfnisse besonders benachteiligter Kinder zu erfassen und ihnen gezielt zu helfen, dürften sich Regierungen auch nicht mit nationalen Durchschnittswerten zufrieden geben. Eine umfassende Erhebung differenzierter Daten gewinnt nach Ansicht der Organisationen immer mehr an Bedeutung, da sich Rechtsverstöße unproportional auf benachteiligte Kinder auswirken.

 

Bestehende Statistiken zeigen, dass Armut bei der Entwicklung eines Kindes noch immer das mit Abstand größte Hindernis darstellt. Bei Kindern aus den ärmsten 20 % der Haushalte ist die Wahrscheinlichkeit, vor dem fünften Geburtstag zu sterben, 40 % höher als der Durchschnitt. Bei kleinen Kindern in den ärmsten Familien sowie in ländlichen und abgelegenen Gebieten treten Wachstumsstörungen mit zwei- bis dreimal höherer Wahrscheinlichkeit auf. Und bei Kindern auf der ganzen Welt ist die Wahrscheinlichkeit extremer Armut doppelt so hoch wie bei Erwachsenen.

 

Joining Forces ist ein Zusammenschluss von sechs führenden internationalen gemeinnützigen Organisationen, die mit und für Kinder unter 18 Jahren arbeiten, um deren Rechte zu sichern und die gegen sie gerichtete Gewalt zu beenden.

 

Das Bündnis besteht aus ChildFund Alliance, Plan International, Save the Children International, SOS Kinderdörfer International, Terre des Hommes International Federation und World Vision International.

 

Eine Zusammenfassung des Berichts „A Second Revolution“ finden Sie hier. Um besser verstehen zu können, welche Auswirkungen die Nichterfüllung von Rechten für Außenseiterkinder hat, lesen Sie das Kurzdossier „Delivering Progress for the Most Excluded Children“ (Fortschritte für die am meisten benachteiligten Kinder erzielen). Es beschreibt, welche Schritte notwendig sind, um die Rechte dieser Kinder zu realisieren. Dieses erste aus einer Reihe von Kurzdossiers finden Sie unter www.child-rights-now.org/most-excluded-children.


Folgen der Überschwemmungen in Somalia: Erst die Flut, jetzt die Not

Foto: obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/SOS-Archiv
Foto: obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/SOS-Archiv

 

(Mogadishu/ München/sos) - Überschwemmungen infolge heftiger Regenfälle haben in Somalia Schulen und Wohnhäuser zerstört, Ernten vernichtet, mehr als 270.000 Menschen haben ihre Häuser verloren und befinden sich auf der Flucht vor den Wassermassen. Die Katastrophe sei noch lange nicht überstanden, warnt die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer - der Region drohe ein humanitärer Notstand.

 

"Die Lage der Flutopfer ist verzweifelt. Sie haben nicht nur ihr Hab und Gut verloren, sondern auch kein Dach mehr über dem Kopf", sagt Abdikadir Dakane, Leiter der SOS-Kinderdörfer in Somalia. "Viele Familien und Kinder sind von jeglicher Versorgung abgeschnitten, denn Brücken und Straßen wurden von den Unwettern zerstört." Sie hätten keinen Zugang zu medizinischer Versorgung, sanitären Einrichtungen und sauberem Wasser. Schon jetzt breiteten sich Krankheiten aus.

 

"Die Uhr tickt für diese Menschen. Noch haben sie sich nicht von der vorangegangenen monatelangen Dürre- und Hungerphase erholt, schon hat sie die nächste Krise ereilt. Wir bitten die internationale Staatengemeinschaft um schnelle und unbürokratische Hilfe, sonst droht den ohnehin schon krisengebeutelten Menschen in Somalia eine weitere Katastrophe", sagt Dakane.


Adveniat zum Rücktritt des bolivianischen Präsidenten Evo Morales

„Bolivien braucht einen friedlichen und aufrichtigen Dialog“

Pater Michael Heinz SVD, Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat. Foto: Achim Pohl/Adveniat
Pater Michael Heinz SVD, Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat. Foto: Achim Pohl/Adveniat

 

(Essen/adv) - „Bolivien braucht jetzt einen friedlichen und aufrichtigen Dialog.“ Der Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Pater Michael Heinz SVD, hat sich nach dem Rücktritt des bolivianischen Präsidenten am Sonntag, 10. Dezember 2019, ausdrücklich dem Aufruf der bolivianischen Bischöfe angeschlossen. „Wir rufen alle Bolivianer zum Frieden auf, und keine Akte der Gewalt zu begehen“, erklärten die bolivianischen Bischöfe. „Wir sind alle verpflichtet, das Leben aller Bolivianer zu verteidigen.“

 

Für den Adveniat-Hauptgeschäftsführer ist Evo Morales ist ein weiteres Beispiel für die mit der Zeit von der Macht korrumpierten Präsidenten Lateinamerikas. „Seit seinem Amtsantritt 2006 hat das Leben sehr vieler Armer in Bolivien entscheidend verbessert. Insbesondere der indigenen Bevölkerungsmehrheit hat der ehemalige Gewerkschaftsführer aus dem Volk der Aymara ein bis dahin nicht gekanntes Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl gegeben.“ Umso tragischer sei es, dass er – anstatt wie von der Verfassung vorgesehen – es versäumt habe nach zwei Amtszeiten auf das Amt zu verzichten und eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger in seiner Partei dem ‚Movimiento al Socialismo‘ (MAS) aufzubauen. „Er hat an der Macht geklebt. Auch er ist am Ende zu einem Caudillo geworden, wie die autoritären Populisten in Lateinamerika genannt werden“, erläuterte Adveniat-Chef Pater Heinz. Diese Entwicklung sei in verschiedenen Ländern Lateinamerikas zu beobachten.

 

Von der deutschen Bundesregierung erwartet der Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat mehr als die üblichen Durchhalteparolen und Aufrufe zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. „Deutschland und Europa müssen sich ernsthaft für die Länder Lateinamerikas interessieren, anstatt sie nur als Rohstofflager auszuplündern. Auch im Falle Boliviens fehlt es an einer strategischen Außenpolitik, die darauf aus ist, das Leben der vielen Armen nachhaltig zu verbessern. Hilfswerke wie Adveniat werden mit ihren Partnern vor Ort damit alleingelassen. Die Bundesregierung unterstützt vor allem Wirtschaftsunternehmen dabei, mit den Reichen der lateinamerikanischen Länder lukrative Verträge über die Ausbeutung von Bodenschätzen abzuschließen“, kritisiert Pater Heinz.

 

Mit großer Sorge erfüllt den Adveniat-Chef, der selbst zehn Jahre als Priester in Bolivien tätig war, der Blick in die Zukunft: „Es ist vollkommen unklar, wie es nun weitergeht. Das polarisierte Land darf nicht im Chaos versinken. Denn die Verlierer werden einmal mehr die Armen und die indigenen Völker sein.“ Dem Rücktritt Morales‘ waren bereits drei Wochen gewalttätiger Proteste vorausgegangen. Es ist aktuell nicht zu erkennen, dass sich die Lage durch den Rücktritt schnell beruhigen wird. „Das ständige Gerede von links und rechts und die Beschimpfung des politischen Gegenübers als ‚Kommunist‘ oder ‚Kapitalist‘ vergiften die politische Debatte und spalten die Gesellschaft. Diese einfachen Kategorien funktionieren längst nicht mehr. Die Politik muss danach bewertet werden, ob sie den sozialen Frieden im Land fördert, Ressourcen und Gewinne gerecht verteilt, Zukunfts- und Arbeitsperspektiven für die Menschen schafft und sich eines nachhaltigen Umgangs mit der Umwelt verpflichtet“, so Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Heinz.

 

Die Menschen in Bolivien sehnen sich wie in ganz Lateinamerika nach Frieden. Deshalb hat das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat die diesjährige bundesweite Weihnachtsaktion der katholischen Kirche unter das Motto gestellt: „Friede! Mit Dir!“ Bildungsprojekte, die junge Menschen von Armut befreien, Friedensprojekte, die Konfliktparteien wieder an einen Tisch bringen, Menschenrechtsarbeit zugunsten indigener Völker und Landwirtschaft im Einklang mit Mensch und Natur – das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat unterstützt zahlreiche Initiativen, die der Bevölkerung ein Leben in Frieden untereinander und mit der Umwelt ermöglichen. Grundvoraussetzung dafür sind weltweite Solidarität und verantwortliches Handeln im Alltag auch hierzulande.

 

Adveniat, das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, steht für kirchliches Engagement an den Rändern der Gesellschaft und an der Seite der Armen. Dazu arbeitet Adveniat entschieden in Kirche und Gesellschaft in Deutschland. Getragen wird das Werk von Hunderttausenden Spenderinnen und Spendern. Adveniat finanziert sich zu 95 Prozent aus Spenden. Die Hilfe wirkt: Im vergangenen Jahr konnten rund 2.000 Projekte gefördert werden, die mit mehr als 36 Millionen Euro genau dort ansetzen, wo die Hilfe am meisten benötigt wird: an der Basis, direkt bei den Armen. Die Eröffnung der bundesweiten Adveniat-Weihnachtsaktion findet am 1. Advent, dem 1. Dezember 2019, im Erzbistum Freiburg statt. Die Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember in allen katholischen Kirchen Deutschlands ist für Adveniat und die Hilfe für die Menschen in Lateinamerika und der Karibik bestimmt. Spendenkonto bei der Bank im Bistum Essen, IBAN: DE03 3606 0295 0000 0173 45.


Die Vereinten Nationen haben den 31. Oktober zum Weltstädtetag („World Cities Day“) erklärt

 

Weltstädtetag * Hunger * Verstädterung

 

(Berlin/bfw) - Schon heute lebt weltweit mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. Bis 2050 werden es bis zu 70 Prozent sein, das sind etwa sechs Milliarden Menschen. Am schnellsten wachsen die Städte in Asien und Afrika. Wie kann es gelingen, die städtische Bevölkerung mit genügend und gesunden Nahrungsmitteln zu versorgen?

 

Luise Steinwachs, Leiterin des Referats Grunddienste und Ernährung bei Brot für die Welt, sagt:

„Damit die Menschen in den wachsenden Städten sich gesund und ausgewogen ernähren können, braucht es zum einen  Förderung der bäuerlichen Landwirtschaft, denn sie erzeugt die Nahrungsmittel.  Zum anderen müssen  städtische Versorgungssysteme gestärkt werden. Dazu gehören lokale Märkte und eine öffentlich zugängliche Lagerhaltung für kleine Händler. Wer Nahrungsmittel produziert oder verkauft, muss Zugang zu Mikrokrediten, aber auch zu sauberem Wasser, Kühlung und zu angepasster Verpackung sowie sicheren Transportmitteln und Transportwegen bekommen. Wesentlich ist, dass die Erzeugung von Nahrungsmitteln für die Bevölkerung Vorrang hat vor anderen Landnutzungen. Sonst besteht die Gefahr, dass Hunger und Mangelernährung weiter zunehmen und die Armut wächst. Stadtplanung sollte das städtische Umland mit einbeziehen.“


Traumatisierte Kinder im Nord-Irak erfahren Gemeinschaft, Achtung und Ermutigung

Kleines Paradies im Lager: Shelter Now fördert Zentrum für jesidische Waisen

 

(Braunschweig/sn) - Es ist ein kleines buntes Paradies mitten im staubigen Flüchtlingslager bei Baadre im Nord-Irak: Im Kinderzentrum spielen und lernen rund 90 Mädchen und Jungen. Sie alle sind Jesiden und haben durch den Terror der IS-Milizen ihre Eltern verloren. Das internationale christliche Hilfswerk Shelter Now unterstützt den Betrieb des von Mitarbeiterinnen einer Kirchengemeinde getragenen Zentrums ab sofort mit monatlich 2.500 Euro und übernimmt damit die Hälfte der Kosten.

 

Rund 8.000 Flüchtlinge, die sich 2014 vor dem Terror gegen die Jesiden in der Region Sindschar gerettet hatten, leben in dem Camp bei der Kleinstadt Baadre. „Man mag sich nicht vorstellen, was diese Menschen erlebt haben“, sagt der deutsche Shelter Now-Direktor Udo Stolte. Die in dem „Child Center“ betreuten Kinder zwischen fünf und 15 Jahren seien schwer traumatisiert. Ihre Eltern starben bei den Kämpfen oder wurden durch den IS hingerichtet.

 

Seit 18 Monaten betreibt das Zentrum im Flüchtlingslager Baadre. Helen, die Leiterin, sieht bei den Jungen und Mädchen bereits erhebliche Veränderungen: „Sie haben ein Strahlen in ihren Augen, das sie durch die fürchterlichen Erfahrungen mit den IS-Schergen verloren hatten.“ Werte wie gegenseitige Achtung, Hilfe in Schwierigkeiten, Trost und Ermutigung, wollen Helen und ihre Mitarbeiterinnen vermitteln.

 

Acht jesidische Lehrerinnen, die selbst im Flüchtlings-Camp leben, arbeiten mit den Kindern in Anlehnung an die Grundsätze der Montessori-Pädagogik. Das Zentrum verfügt über gutes pädagogisches Material, mit dem sich die Kleinen einzeln, paarweise oder in Gruppen beschäftigen. Bereits vor dem Einstieg in die regelmäßige Förderung des „Child Centers“ hatte Shelter Now den Lehrerinnen eine Fortbildung in Traumabewältigung ermöglicht und Geräte für den Spielplatz gekauft.

 

Shelter Now-Direktor Stolte kündigte an, dass in Baadre demnächst auch das geplante Zentrum zur Traumabewältigung für ehemalige IS-Sklavinnen starten kann. Die offizielle Genehmigung liege jetzt vor. „Damit bauen wir die bisher nur ambulant betriebene Traumaarbeit wesentlich aus“, erläuterte Stolte. In einer geschützten Umgebung könnten die Mädchen und Frauen Gemeinschaft erfahren, handwerkliche Fertigkeiten erlernen und an Musik- und Sportkursen teilnehmen. Shelter Now rechnet damit, dass in den nächsten zwei Jahren etwa 400 Frauen an den Angeboten teilnehmen.Shelter Now ist ein internationales Hilfswerk mit Koordinierungsbüro in Deutschland. Von 1983 bis 2016 war es in Pakistan tätig. 1988 begann die Arbeit in Afghanistan, 2014 in der Autonomen Region Kurdistan (Nord-Irak). Der Name der Organisation in Deutschland lautet „Shelter Now Germany e.V.“. Shelter Now finanziert seine Hilfsaktionen zu einem großen Teil aus privaten Spenden. Die effiziente und projektbezogene Verwendung der Mittel wird Shelter Now durch das Deutsche Zentralinstitut für Soziale Fragen (DZI) mit dem Spendensiegel bescheinigt.

 


Dramatischer Appell: Nahost-Chef der SOS-Kinderdörfer warnt vor Katastrophe für syrische Kinder

 

(München/sos) - Nachdem die Kämpfe im Nordosten von Syrien eskaliert sind, hat sich Elhadi Abdalla, Leiter der Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer im Nahen Osten, mit einem dramatischen Appell an die Konfliktparteien gewandt: "200.000 Menschen befinden sich in Folge der Kämpfe auf der Flucht, darunter mindestens 70.000 Kinder. Sie werden beschossen, sind sexueller Gewalt, Hunger, Durst und Krankheiten schutzlos ausgeliefert. Wir fordern alle Konfliktparteien dazu auf, Kinder gemäß ihrer Rechte zu schützen, jegliches militärische Vorgehen gegen Infrastruktureinrichtungen und Zivilisten einzustellen und die  sichere Lieferung von Hilfsgütern in die Region zu garantieren." Alle Protagonisten seien dazu aufgefordert, eine Lösung zu erarbeiten, um die Gewalt umgehend zu beenden und sicherzustellen, dass alle Kinder in Syrien Hilfe erhalten. Andernfalls drohe eine humanitäre Katastrophe beispiellosen Ausmaßes.

 


Diakonie Katastrophenhilfe ruft zu Spenden auf

Nordsyrien: Gewalt verschärft Not der Menschen

 

Syrien * Spenden * Nothilfe * Flüchtlinge

 

(Berlin/dw) -Angesichts der sich ausweitenden Gewalt in Nordsyrien ruft die Diakonie Katastrophenhilfe zu Spenden für die dringend benötigte Nothilfe auf. „Seit fast neun Jahren wird Syriens Bevölkerung vom Krieg gegeißelt. Die Gewalt zieht immer weitere Spiralen. Internationale Akteure nutzen die politisch scheinbar nicht mehr steuerbare Lage, um ihre eigenen politischen und geostrategischen Ziele mit militärischer Gewalt zu verfolgen“, sagt Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe.

 

„Keiner der beteiligten Akteure scheint dabei Rücksicht auf eine erschöpfte, traumatisierte und durch den Krieg bitterarm gemachte Zivilbevölkerung zu nehmen. Ebenso wenig halten sie sich an internationales humanitäres Völkerrecht. Die Kampfhandlungen in Nordsyrien verursachen zusätzliches Leid, Tod, Vertreibung und Flucht“, sagt Füllkrug-Weitzel. „Wir haben erfahrene Partnerorganisationen in der Region und wollen gemeinsam mit ihnen unsere Nothilfemaßnahmen ausweiten und die betroffenen Menschen unterstützen. Dafür sind wir dringend auf Spenden angewiesen.“

 

Laut Vereinten Nationen wurden seit Beginn der aktuellen Kampfhandlungen bereits 200.000 Menschen vertrieben. In den Konfliktgebieten sind etwa 400.000 Menschen auf Hilfe angewiesen. Viele Menschen, die vor der aktuellen Gewalt fliehen, sind in den vergangenen Jahren schon mindestens einmal vertrieben worden. „Wir befürchten, dass sich die Zahl der Menschen, die ins Landesinnere Syriens fliehen, in den kommenden Tagen weiter erhöht“, sagt Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe. Falls die Menschen in den kommenden Wochen Richtung Nordirak fliehen, wird die Diakonie Katastrophenhilfe mit lokalen Partnern auch dort die Menschen unterstützen.

 

Die Diakonie Katastrophenhilfe bittet um Spenden

 

Diakonie Katastrophenhilfe, Berlin,

Evangelische Bank,

IBAN: DE68 5206 0410 0000 5025 02

BIC: GENODEF1EK1

Stichwort: Humanitäre Hilfe Syrien/Irak

Online unter: www.diakonie-katastrophenhilfe.de/spenden/

 

 

Caritas international, Freiburg,

Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe,

IBAN: DE88 6602 0500 0202 0202 02

BIC: BFSWDE33KRL

Stichwort: Nothilfe Syrien

Online unter: www.caritas-international.de


Brot für die Welt und FIAN legen Bericht zum Recht auf Nahrung vor

Diskriminierung von Frauen bremst Überwindung des Hungers

 

Recht auf Nahrung * Jahrbuch * Welternährungstag * Hunger

 

(Berlin/Köln/bfw) - Die Zahl der Menschen, die unter Hunger und „mittlerer oder schwerer Ernährungsunsicherheit“ leiden, ist zwischen 2014 und 2018 um 300 Millionen auf über zwei Milliarden angestiegen. Weltweit lebt nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO beinahe jeder vierte Mensch in der Ungewissheit, ob es am nächsten Tag ausreichend und qualitativ gute Nahrung gibt. Frauen und Mädchen sind stärker betroffen als Männer. Verantwortlich dafür sind vor allem ihre fehlende rechtliche Gleichstellung und Diskriminierung beim Zugang zu Land, heißt es in der neuen Ausgabe des Jahrbuchs zum Recht auf Nahrung. Das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt und die Menschenrechtsorganisation FIAN sind Mitherausgeber des Jahrbuchs, das zum Welternährungstag (16. Oktober) veröffentlicht wird. 

 

Frauen kommt eine Schlüsselrolle bei der Überwindung von Hunger und Ernährungssicherheit zu, denn sie übernehmen beim Anbau, der Ernte und der Zubereitung von Nahrungsmitteln zentrale Aufgaben. Trotzdem sind immer noch die Mehrheit der Menschen, die Hunger leiden, Frauen und Mädchen. Bernhard Walter, Ernährungsexperte von Brot für die Welt, sagt: „Wegen mangelnder politischer Teilhabe, fehlender rechtlicher Gleichstellung und Diskriminierung beim Zugang zu Land und anderen Ressourcen sind Frauen viel stärker von Ernährungsunsicherheit betroffen als Männer. Doch Frauen organisieren sich in vielen Ländern gegen alle Widerstände.“

 

Philipp Mimkes, Geschäftsführer von FIAN Deutschland ergänzt: „Frauen werden in vielen Ländern in Bezug auf Bildung, Landrechte, Einkommen oder politische Teilhabe diskriminiert. Ihre tragende Rolle in den Ernährungssystemen bleibt in der Regel im Hintergrund. Zudem sind Frauen oftmals systemischer Gewalt ausgesetzt – insbesondere wenn sie Unternehmensinteressen oder autoritären Regierungen in die Quere kommen. Die Fallbeispiele im neuen Jahrbuch zeigen jedoch eindrücklich die politische Handlungsfähigkeit von Frauen – selbst gegenüber repressiven oder neoliberalen Regierungen.“

 

Das Recht auf Nahrung ist als Menschenrecht verankert in Artikel 11 des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, dem UN-Sozialpakt. Es ist eines der am häufigsten verletzten Menschenrechte. In den Nachhaltigen Entwicklungszielen haben sich die Vereinten Nationen verpflichtet, bis 2030 das Recht auf Nahrung für alle Menschen zu verwirklichen.

 

Das diesjährige Jahrbuch zum Recht auf Nahrung – der Right to Food and Nutrition Watch –  erscheint in englischer, spanischer, französischer und portugiesischer Sprache und wird am 16. Oktober im UN-Committee on World Food Security (CFS) in Rom vorgestellt. Die Autorinnen und Autoren sind Teil des Global Network for the Right to Food and Nutrition.


Thanda Safari freut sich über Unterstützung für sein Nashorn-Artenschutzprogramm

Die fliegende Zulu Prinzessin

(KwaZulu Natal/München/pm) - Um mehr Aufmerksamkeit auf den Schutz gefährdeter Nashörner in ihrem Heimatland Südafrika zu lenken, greift Thanda Safari Botschafterin Prinzessin Nandi Zulu, Tochter von Seiner Majestät König Zwelithini kaBhekuzulu, zu außergewöhnlichen Mitteln. Ende August sprang sie, zusammen mit Truman Ndlovu, Reservatsmanager von Thanda Safari und Leiter der Anti-Wilderei-Einheit, mit einem Fallschirm aus einem Kleinflugzeug in 10.000 Fuß (3.048 Meter) Höhe. Damit wollte sie ein Zeichen gegen Nashornwilderei setzen und gleichzeitig Spenden für das Artenschutzprogramm Project Rhino KZN sammeln.

 

Prinzessin Nandi ist das erste Mitglied der königlichen Zulu Familie, das zugunsten des Nashornschutzes einen Fallschirmsprung wagte, um das Artenschutzprogramm Project Rhine KZN zu unterstützen. Project Rhino KZN, welches von der Thanda Group mitgegründet wurde, fördert die intensive Zusammenarbeit zwischen führenden Naturschutzbehörden von KwaZulu Natal, lokalen Wildreservaten und Regierungsbehörden, sowie privaten Wildreservaten und Anti-Wilderei-Sicherheitsspezialisten. Ziel des Programms ist es, einen geschützten Lebensraum für das Spitzmaulnashorn in KwaZulu Natal zu schaffen, in dem die Tiere keine Gefahr laufen, Wilderern zum Opfer zu fallen.

 

 

Thanda Safari: Luxus- und Schutzreservat in Einem

 

Thanda Safari ist ein Safari-Reservat im südafrikanischen KwaZulu Nationalpark, das Gästen mit seiner Thanda Safari Lodge, dem Thanda Tented Camp oder der exklusiven Privatunterkunft Villa iZulu unvergessliche Safari-Erlebnisse bietet. Zur Philosophie des preisgekrönten Big-Five-Wildreservats gehört die besonders enge Bindung zum einheimischen Volk der Zulu sowie der Einsatz für den Erhalt ihrer Kultur. Ein Teil des Reservats (das Mduna Royal Reserve) gehört dem Zulu König Zwelithini Goodwill kaBhekuzulu. Thanda Safari bietet Gästen außerdem die einmalige Gelegenheit, das Nashorn-Monitoring-Team bei ihrer täglichen Arbeit zu begleiten. Reisende erhalten einen halben Tag Einblick in die Tätigkeiten der Tierschützer, die sich dem Erhalt dieser großartigen Spezies und ihrem Schutz vor Wilderern verschrieben haben.

 
Schutz weißer und schwarzer Nashörner 

Ein wichtiger Aspekt der Mission von Thanda Safari und dessen Nashorn Monitoring Team ist es, die Bestände des weißen und schwarzen Nashorns zu dokumentieren und die relevanten Daten täglich auszuwerten. Die Mitglieder dieses Teams sind aber nicht nur Artenschützer, sondern tragen maßgeblich zur ökologischen Bilanz von Thanda Safari bei. Auch Gäste können sich aktiv beteiligen, indem sie beispielsweise an abenteuerlichen Rhino Trackings teilnehmen. Individuell abgestimmte Touren ermöglichen es Gästen, unvergessliche Momente in der Wildnis zu erleben und darüber hinaus etwas über den Artenschutz der Nashörner zu lernen. 

 

Einnahmen ausschließlich für Artenerhalt

 

Die Kosten für eine drei- bis vierstündige Nashorn-Spurensuche belaufen sich auf R1500 (ca. €114) pro Person. Diese „not-for-profit“-Gebühr wird zur Kostendeckung aufgeteilt und fließt direkt in den Artenerhalt der Nashörner zurück. Während für die Verpflegung, ein geeignetes Fahrzeug sowie für den Lohn des Guides 500R (ca. €38) aufgewendet werden, teilen sich die verbleibenden R1000 (ca. €76) u.a. auf die Kosten für Tierärzte, Kameras, Anti-Wilderei-Einheit und Gehälter auf.

 


Internationaler Workshop zu Perspektiven der Chinawissenschaften in Siegburg

China liegt im Auge des Betrachters

 

 

(Sankt Augustin/pm) - Vom 21.–22. Oktober 2019 laden das Steyler Institut Monumenta Serica (Sankt Augustin) und das Monumenta Serica Sinological Research Center (Taipei, Taiwan) eine Gruppe internationaler Fachleute zu dem Workshop „Sinology – Chinese/China Studies – Guoxue: Their Interrelation, Methodologies, and Impact“ in das Katholisch-Soziale Institut auf dem Michaelsberg in Siegburg ein.

 

Im Laufe ihrer Geschichte haben die Chinawissenschaften die Herangehensweise an ihr Fachgebiet beständig reflektiert und weiterentwickelt. Ein Gespräch über diese methodischen Herangehensweisen ist jedoch weniger abstrakt, als es zunächst den Anschein hat. Die Frage „Wie schauen wir auf China?“ liefert den Anstoß, jene großen Trends zu diskutieren, die Chinawissenschaftler in den letzten beiden Jahrzehnten zunehmend herausfordern: Zum einen der offensichtliche Bedeutungs- und Machtzuwachs der VR China in der Weltwirtschaft und den internationalen Beziehungen, zum anderen das wachsende Bewusstsein für die kulturelle Vielfalt innerhalb des chinesischsprachigen Raums, auch sinophone Welt genannt.

 

Heute sind die Chinawissenschaften vor allem durch drei Perspektiven geprägt: Die westliche, philologisch ausgerichtete Sinologie, die seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts über Texte, zum Beispiel literarische Werke, ihren wissenschaftlichen Zugang zu China findet, die im Westen nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Chinese/China studies mit ihrem Fokus auf die Interdisziplinarität im Bereich der Kulturwissenschaften, sowie die in China selbst seit dem 19. Jahrhundert entwickelten „Nationalen Studien“ (chinesisch guoxue), das heißt die Neubewertung und Wiederaneignung des kulturellen Erbes im chinesischen Sprachraum. Diese Herangehensweisen waren und sind stets begleitet von intensiven Auseinandersetzungen über das Selbstbild der China-Wissenschaften als akademische Disziplin, ihre Aufgaben, ihre innere und äußere Motivation, ihre Zielsetzungen und ihren gesellschaftlichen Einfluss.

 

Das Institut Monumenta Serica und das Monumenta Serica Sinological Research Institute bieten mit diesem Workshop fünfzehn Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der VR China, Taiwan, Hongkong, Deutschland, Indien und den USA ein Forum, um ihre spezifischen Perspektiven der Sinologie, der China/Chinese studies und der guoxue zu präsentieren. Die Veranstalter haben bewusst einen kleinen Teilnehmerkreis gewählt, um eine offene und intensive Debatte über den Status quo und die künftigen Wege der China-Wissenschaften zu ermöglichen. Der Workshop will so einen frischen Impuls zu der Positionsbestimmung der akademischen Beschäftigung mit China geben.

 

Text: Dirk Kuhlmann, Barbara Hoster (Institut Monumenta Serica)

 


Türkische Militär-Intervention in Syrien:

Kein Geld für Erdogans Krieg – Keine Verherrlichung von Verbrechen in DITIB-Moscheen

 

  • GfbV fordert, Zahlungen der EU an die Türkei einzustellen
  • Man dürfe nicht aus Angst vor Flüchtlingen Verbrechen gegen die Menschlichkeit fördern
  • Zudem wollen DITIB-Moscheen am Freitag für den Erfolg von Erdogans Krieg beten

 

(Göttingen/gfbv) - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) fordert, sämtliche Zahlungen Deutschlands und der Europäischen Union an die Türkei unverzüglich einzustellen, bis die türkische Militärintervention in Nordsyrien gestoppt wird. Insbesondere dürfe Europa die Einrichtung der umstrittenen Schutzzone weder direkt noch indirekt unterstützen. „Europa darf keinesfalls aus Angst vor Flüchtlingen Verbrechen gegen die Menschlichkeit fördern“, erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius am Donnerstag in Göttingen. Ziel der sogenannten Schutzzone sei ein völkerrechtswidriger Bevölkerungsaustausch.

 

Die bisherigen Proteste der EU gegen die türkische Militäroffensive seien halbherzig und wenig überzeugend, kritisierte die GfbV. So sei es anmaßend und realitätsfremd, wenn die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini Kurden und die türkische Regierung gleichermaßen zur Mäßigung auffordere, anstatt den Aggressor zu benennen und in die Pflicht zu nehmen. Einfache Appelle zur Mäßigung könnten den Schutz der Zivilbevölkerung vor neuer Gewalt nicht gewährleisten.

 

Das türkische Religionsministerium hat zudem angekündigt, am morgigen Freitag solle in allen Moscheen der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) in Deutschland für eine schnelle und erfolgreiche Besetzung Nordostsyriens gebetet werden. Dies müsse die Bundesregierung scharf verurteilen: „Schwere Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen an der Zivilbevölkerung dürfen in Deutschland nicht schöngeredet oder verherrlicht werden“, so Delius. „Erst recht nicht schon wieder in DITIB-Moscheen, in denen bereits die völkerrechtswidrige Invasion des syrischen Afrin im Januar 2018 verherrlicht wurde.“ Die DITIB steht wegen ihrer Nähe zum türkischen Religionsministerium und dem Machtapparat Erdogans seit Jahren in Deutschland in der Kritik. 

 


Kolumbien letzte Zuflucht für Venezuela-Flüchtlinge

Flüchtlings-Kinder extrem gefährdet

 

Immer mehr Venezolaner, die wegen der katastrophalen Verhältnissen in ihrem Heimatland flüchten, stranden nach Auskunft der SOS-Kinderdörfer weltweit in Kolumbien. "Wir gehen davon aus, dass die Zahlen weiter in die Höhe gehen werden. Dies ist eine der größten Migrationsbewegungen, die es je in der Region gab", sagt Lara Prölß, Lateinamerikaexpertin der Hilfsorganisation, in München. Foto: "obs/SOS-Kinderdörfer weltweit"

 

(München/sos) - Die politische und wirtschaftliche Krise in Venezuela wird nach Angaben der SOS-Kinderdörfer zunehmend auch zur großen humanitären Herausforderung für Kolumbien. Bereits jetzt haben 1,9 Millionen Venezolaner in Kolumbien Zuflucht gesucht. "Wir gehen davon aus, dass die Zahlen weiter in die Höhe gehen werden. Dies ist eine der größten Migrationsbewegungen, die es je in der Region gab", sagt Lara Prölß, Lateinamerikaexpertin der Hilfsorganisation, in München.

 

In Venezuela verschlechtert sich die Lage nach Angaben der Organisation zunehmend, die Menschen hungern, die Versorgung ist zusammengebrochen. "In ihrer Verzweiflung machen sich die Menschen zuFuß auf den Weg, ganze Familien mit kleinen Kindern laufen Tausende von Kilometern unter extremen klimatischen Bedingungen", sagt Prölß. Es sei damit zu rechnen, dass die Zahl der Flüchtlinge bis zum Jahresende auf 5 Millionen steigen werde. Während aber Kolumbien seine Grenzen weiter offenhalte, hätten die anderen angrenzenden Staaten Peru, Chile und Ecuador die Einreise durch bürokratische Hürden praktisch unmöglich gemacht. "Immer mehr Venezolaner stranden deshalb in Kolumbien", erklärt Prölß.

 

Immer mehr Flüchtlinge würden auch auf riskante Routen ausweichen, etwa durch den Amazonas oder per Boot über das Meer, in der Hoffnung, eine der Karibikinseln zu erreichen. "Etliche Menschen sind bereits ertrunken, auch Kinder", so Prölß. Zusätzliche Bedrohung gehe von kolumbianischen Guerilla-Truppen aus, von denen einige den Friedensvertrag aktuell aufgekündigt hätten. "Die Banden sind bereits dabei, Kinder für den Drogenhandel, zum Kokapflücken oder zur Prostitution zu rekrutieren. Unbegleitete Kinder sind besonders gefährdet."

 

Die SOS-Kinderdörfer unterstützen Venezuela-Flüchtlinge in Kolumbien mit einer Reihe von Maßnahmen.

 


Finanzielle Bildung auf den Philippinen - Mehr Chancen bei Arbeitssuche

 

Mit einem Ausbildungsprogramm und Sparmäusen hilft die Hösbacher Global Micro Initiative e.V. (GMI) Menschen auf den Philippinen, sich einen Weg aus der Armut zu erarbeiten. Teilnehmer des neu entwickelten Förderprogramms haben höhere Chancen schnell einen Arbeitsplatz zu finden.

 

 

(Hösbach/Olongapo/gmi) - Gemeinsam mit der Partnerorganisation Project Life Subic entwickelte GMI-Gründer Tobias Schüßler ein Programm, das den Teilnehmern nicht nur berufliche Grundlagen vermittelt. Es hilft ihnen auch, den finanziellen Aufwand ihrer späteren Bewerbung um einen Arbeitsplatz zu decken. Sie können sich nach ihrer Ausbildung schneller um eine Arbeitsstelle bewerben und haben so eine größere Chance auf ein Leben außerhalb der Armut.

 

40 Cent pro Ausbildungstag für ein besseres Leben 

Zu Anfang der 10-wöchigen Ausbildung zur industriellen Näherin erhalten alle Teilnehmerinnen eine Sparmaus, in die sie an jedem Unterrichtstag umgerechnet etwa jeweils 40 Cent einwerfen können. Die Teilnahme ist freiwillig. Die Teilnehmer können jederzeit ihr Geld zurückerhalten. Jeder Teilnehmende kann so bis zu 12 € ansparen - für deutsche Verhältnisse nicht viel, für die Lebensumstände der Teilnehmer aber ein hoher Betrag. Zusätzlich gibt es Informationen, warum Geld sparen wichtig ist und wie das auch nach dem Kurs erreicht werden kann.  Die Sparmaus wird im Tresor aufbewahrt. Nach Abschluss der Ausbildung erhalten die Teilnehmenden das Geld und können es für die Jobsuche verwenden. 

 

Wie hilft das bei der Jobsuche? 

“Für eine Bewerbung um einen der begehrten Arbeitsplätze in der Subic Bay Freeport Zone, müssen die Kandidaten Kopien von Ausweis und Geburtsurkunde zur Verhinderung von Kinderarbeit einreichen und Gesundheitsbescheinigungen - das kostet Zeit und Geld”, erklärt Leslie Nabong, Projektleiterin von Project Life Subic. “Oft brauchen die Bewerber lange, um für die nötigen Gebühren zu sparen. Mit der Sparmaus erhöhen wir die Jobchancen der Teilnehmer, da sie die benötigten Dokumente schneller bekommen. Je weniger Zeit zwischen Ausbildungsende und Bewerbung liegt, desto höher sind die Chancen auf eine schnelle Anstellung!”

 

Sparen in den Armenvierteln 

Anders als in Deutschland ist Geld sparen für die Bewohner der Armenviertel ein schwer erreichbares Luxusgut. Kaum jemand besitzt ein Bankkonto, nur wenige haben Zuhause einen Notgroschen. Das wenige Einkommen wird in der Regel sofort für Lebensmittel und täglichen Bedarf ausgegeben. Mit dem Sparprogramm lernen sie, regelmäßig einen kleinen Betrag, auf den sie verzichten können, beiseite zu legen, um ihn später sinnvoll einsetzen zu können. Schüßler hat die Teilnehmer auf den Philippinen besucht und ist begeistert von den Ergebnissen: „Die Teilnahme am Programm ist freiwillig. Trotzdem machen inzwischen alle Auszubildenden mit und sparen für eine Zukunft außerhalb der Armut.  Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation setzen wir diese neue Initiative auf jeden Fall fort!“

 


Zum "Weltverhütungstag" am 26. September

Hohe Geburtenrate verschärft die wirtschaftliche Not in Afrika

(München/sos) - In Afrika können Millionen Frauen ihr Recht auf Verhütung nicht wahrnehmen. Zudem werden viele junge Frauen nicht ausreichend aufgeklärt. Darauf weisen die SOS-Kinderdörfer zum Weltverhütungstag (26. September) hin.

 

"Fehlende Verhütung und Aufklärung sind zwei der wichtigsten Faktoren des starken Bevölkerungszuwachses in Afrika", sagt Olive Lumonya, Leiterin der SOS-Kinderdörfer in Uganda. In Afrika werden im Jahr 2050 nach Angaben des UN-Bevölkerungsfonds rund 2,5 Milliarden Menschen leben - doppelt so viele wie heute.

 

"Verhütung ist ein echter Wirtschaftsfaktor", erklärt Lumonya. In vielen Ländern in Afrika gebe es seit Jahren einen ermutigenden Wirtschaftsaufschwung. Dieser werde aber oft durch die hohen Geburtenraten zunichtegemacht. Und so könnten selbst die Länder mit Aufschwung viele Kindern nicht ernähren, ausbilden und ihnen eine Zukunft bieten. "So wachsen Armut und Unzufriedenheit in diesen Ländern."

 

Schon jetzt sei diese Auswirkung klar zu erkennen, sagt Lumonya: "Schulen sind überfüllt, viele Jugendliche arbeitslos und auch in unseren Kinderdörfern werden immer mehr Kinder abgegeben - wenn wir sie nicht aufnehmen können, werden sie zu Straßenkindern." Die geburtenreichsten Länder sind Niger, Somalia, die Demokratische Republik Kongo, Mali, Tschad, Burundi, Angola, Uganda und Nigeria. Eine Frau bekommt hier durchschnittlich fünf bis sieben Kinder.


Katastrophale Menschenrechtslage in Burundi: Streit zwischen Regierung und Katholischer Kirche eskaliert

 

  • GfbV nimmt Burundis Bischöfe vor Kritik ihrer Regierung in Schutz 
  • Diese hätten lediglich ihre Stimme für die Entrechteten erhoben
  • Die Bischöfe hatten willkürliche Verhaftungen und politische Morde angeprangert

 

(Göttingen/gfbv) - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat Burundis katholische Bischöfe vor massiver Kritik ihrer Regierung in Schutz genommen: „Dass Burundis Regierung den katholischen Bischöfen des Landes vorwirft, zum Hass aufzurufen, ist haltlos und anmaßend. Die Bischöfe haben ihre Stimme für die Entrechteten erhoben und die katastrophale Menschenrechtslage angeprangert“, erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius am Montag in Göttingen. 

 

Am Wochenende war der Streit eskaliert, nachdem der Inhalt eines am Sonntag verlesenen Gemeindebriefes bekannt geworden war. Darin prangerten die Bischöfe willkürliche Verhaftungen und politisch motivierte Morde an. Nachdrücklich warnten sie vor Intoleranz und der gewaltsamen Ausschaltung politischer Gegner. Auch kritisierten sie die herrschende Straflosigkeit bei Verbrechen an Regierungskritikern. Willy Nyamitwe, der Sprecher des Staatspräsidenten, hatte den Bischöfen daraufhin vorgeworfen, „Hass“ gegen die Regierungspartei und ihre Anhänger zu verbreiten.  

 

„Mit ihrem mutigen Schritt in die Öffentlichkeit haben die Bischöfe die von den Vereinten Nationen und Menschenrechtsorganisationen im In- und Ausland geäußerte Kritik zu einem landesweiten Thema gemacht“, sagte Delius. Damit hätten sie einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit geleistet. Wer zum Terror der Regierungspartei CNDD-FDD und ihrer Jugendorganisation Imbonerakure schweige, ermögliche weitere Verbrechen und werde so zum Mittäter, warnte die GfbV.

 

Die Vereinten Nationen und Menschenrechtsorganisationen beklagen in Burundi seit Jahren ein Klima der Gewalt und Straflosigkeit. Eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen kam im September 2019 ebenfalls zu diesem Schluss. Sexualisierte Gewalt werde als Waffe gegen Regierungskritikerinnen eingesetzt. Willkürliche Verhaftungen, Folter und Mord würden gezielt genutzt, um Kritik verstummen zu lassen. Man müsse von Verbrechen gegen die Menschlichkeit sprechen, erklärten die UN-Menschenrechtsexperten. 

 

Allein seit Januar 2019 wurden in Burundi mehr als 260 Menschen aus politischen Gründen ermordet. Mehr als 120 Leichname dieser Opfer wurden in Straßengräben gefunden, meist nach nächtlichem Terror der Imbonerakure. Mehr als 570 Menschen wurden in diesem Jahr willkürlich festgenommen. Fast 200 Personen beklagten, dass sie nach ihrer Festnahme gefoltert wurden. Von 34 Verschleppten fehlte jede Spur.  

 


Amazonasbischof Erwin Kräutler im Adveniat-Magazin „Blickpunkt Lateinamerika“

„Die Synode für Amazonien muss Frauen zur Diakonatsweihe zulassen“

Erwin Kräutler war von 1981 bis 2015 Bischof der Prälatur Xingu. Foto: Adveniat/Bastian Bernhardt
Erwin Kräutler war von 1981 bis 2015 Bischof der Prälatur Xingu. Foto: Adveniat/Bastian Bernhardt

 

(Essen/adveniat) - „Die Synode für Amazonien muss nicht nur die pastorale Arbeit der Frauen würdigen, sondern Frauen zur Diakonatsweihe zulassen.“ Unmissverständlich fordert Amazonasbischof Erwin Kräutler im Interview mit dem Adveniat-Magazin „Blickpunkt Lateinamerika“ eine grundlegende Veränderung in der Kirche. „Frauen spielen eine untergeordnete Rolle, obwohl die allermeisten Basisgemeinden in Amazonien von Frauen geleitet werden“, ärgert sich der aus Österreich stammende Kräutler, der von 1981 bis 2015 Bischof der Prälatur Xingu war und bis heute dort lebt. Es genüge nicht länger, nur die „Wichtigkeit ihres Dienstes in der Kirche“ zu betonen. Denn Frauen „stehen dem Sonntagskult vor, legen Lesungen und das Evangelium aus, bereiten als Katechetinnen ihre Gemeindemitglieder auf Taufe, Erstkommunion, Firmung und Hochzeit vor. Und kommt ein Priester, sind sie es, die die Eucharistiefeiern vorbereiten.“ So wie Frauen in Politik und im öffentlichen Leben als Ministerinnen oder Präsidentinnen Verantwortung übernehmen, müsse auch die Kirche sich der Emanzipation öffnen. „Wir hinken mindestens hundert Jahre hinter dem Emanzipationswillen der Frauen her“, so Kräutler im Interview mit dem Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat.

 

Von der am 6. Oktober in Rom beginnenden Amazonien-Synode erwartet sich Bischof Kräutler auch, „dass die vielen eucharistielosen Gemeinden nicht länger von der Eucharistie ausgeschlossen bleiben“. Es sei ein „kircheninternes Ärgernis“, dass 90 Prozent der ländlichen Gemeinden im Amazonasgebiet nur ein, zwei, drei oder vier Mal im Jahr Eucharistie feiern könnten. „Und es verstößt gegen den ausdrücklichen Willen des Herrn: ‚Tut dies zu meinem Gedächtnis!‘ Wenn wir weiterhin von der Eucharistiefeier als ‚Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens‘ predigen, dann darf der Zugang zum Weihepriestertum nicht länger auf zölibatäre Männer beschränkt bleiben“, betont Bischof Kräutler.

 

Jahrzehntelang hat sich „Dom Erwin“, wie ihn die Menschen vor Ort nennen, gegen den Bau des Staudamms am Rio Xingú gewehrt. Trotzdem steht das Bauwerk heute und produziert aufgrund anhaltender Trockenheit weniger Energie als geplant. Ist er gescheitert? „Der Tod Jesu am Kreuz ist auf den ersten Blick ein Beleg für den totalen Misserfolg. Und dennoch ging vom Kreuz die größte Revolution aller Zeiten aus. Ich lebe nach wie vor am Xingú an der Seite der Menschen und denke nicht daran, das Handtuch zu werfen“, gibt sich Bischof Kräutler weiterhin kämpferisch.

 

Angesichts der Anfeindungen des rechtsextremen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro gegen die indigenen Völker ruft Kräutler zum Widerstand auf: „Bolsonaro will die Rechte der indigenen Völker beschneiden und Amazonien den multinationalen Konzernen für eine weitere Zerstörungswelle überlassen. Seine anti-indigene Einstellung ist allerdings verfassungswidrig. Wir werden mit allen Mitteln für das Amazonasgebiet und die Rechte der Indigenen eintreten. Dabei zählen wir auf internationale Unterstützung, wie sie etwa der Vatikan mit der Amazonassynode bietet“, so Amazonasbischof Kräutler im Adveniat-Magazin „Blickpunkt Lateinamerika“.

 

Das ausführliche Interview finden Sie online: www.adveniat.de/interview-kraeutler

 

Oder in der Blickpunkt Lateinamerika Sonderausgabe „Zukunft Amazonas“, zu bestellen unter: blickpunkt@adveniat.de

Adveniat, das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, steht für kirchliches Engagement an den Rändern der Gesellschaft und an der Seite der Armen. Dazu arbeitet Adveniat entschieden in Kirche und Gesellschaft in Deutschland. Getragen wird das Werk von Hunderttausenden Spenderinnen und Spendern. Adveniat finanziert sich zu 95 Prozent aus Spenden. Die Hilfe wirkt: Im vergangenen Jahr konnten rund 2.000 Projekte gefördert werden, die mit mehr als 36 Millionen Euro genau dort ansetzen, wo die Hilfe am meisten benötigt wird: an der Basis, direkt bei den Armen. Die Eröffnung der bundesweiten Adveniat-Weihnachtsaktion findet am 1. Advent, dem 1. Dezember 2019, im Erzbistum Freiburg statt. Die Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember in allen katholischen Kirchen Deutschlands ist für Adveniat und die Hilfe für die Menschen in Lateinamerika und der Karibik bestimmt. Spendenkonto bei der Bank im Bistum Essen, IBAN: DE03 3606 0295 0000 0173 45.

 

 

 

 


Gesetz schützt Mädchen in Indonesien erstmals vor Kinderehe / Bisher eines von vier Mädchen minderjährig verheiratet

 

(München/sos) - Durchbruch im Kampf gegen die Kinderehe in Indonesien: Nach Angaben der SOS-Kinderdörfer hat das indonesische Parlament jetzt beschlossen, das Mindestalter für Mädchen bei Eheschließung auf 19 Jahre zu erhöhen. Bislang galt das Ehegesetz von 1974, nach dem Jungen mit 19 heiraten durften, Mädchen aber bereits mit 16. "Dadurch waren viele Mädchen schutzlos der frühzeitigen Verheiratung ausgeliefert. Wir sind sehr froh über diese wichtige Änderung, für die wir uns seit langem politisch wie gesellschaftlich eingesetzt haben", sagt Gregor Nitihardjo, Leiter der SOS-Kinderdörfer in Indonesien. Die Gesetzesänderung soll bereits im Oktober erfolgen.

 

Laut Angaben der Organisation wird in Indonesien im Durchschnitt eines von vier Mädchen minderjährig verheiratet - viele sogar unter 16. Pro Jahr seien das offiziellen Angaben zufolge etwa 340.000 Mädchen. "Zumeist verlassen die Mädchen dann die Schule, verlieren jeglichen Einfluss auf ihr Leben und bleiben im Kreislauf der Armut gefangen", erklärt Nitihardjo.

 

Durch das neue Gesetz sei die Gefahr für Mädchen allerdings nicht gebannt.  "Entscheidend ist, dass die neue Regelung auch wirklich in die Praxis umgesetzt und weiter Aufklärungsarbeit geleistet wird." Denn besonders in armen Familien und Gemeinden werde die Kinderehe häufig als geeignetes Mittel angesehen, um die wirtschaftliche Situation zu verbessern - auch, wenn sie oft ein Martyrium für die Mädchen bedeute. Die SOS-Kinderdörfer setzen sich seit vielen Jahren in Indonesien und anderen Ländern gegen die Kinderehe ein.

 

 

 


Tibetische Mönche müssen staatliche Regelungen für Wiedergeburten im Buddhismus studieren / ICT: „Massiver Eingriff in Religionsfreiheit“

Peking erhöht Druck wegen Dalai Lama-Nachfolge

 

(Berlin/ict) - Die Kommunistische Partei Chinas hat ihre Versuche verstärkt, Kontrolle über die Regelung der Nachfolge des Dalai Lama zu erlangen. Zu diesem Zweck organisierten die chinesischen Behörden Ende August zum ersten Mal ein „Training” zum Thema Reinkarnation, an dem laut chinesischen Staatsmedien rund 100 tibetische Mönche aus 73 Klöstern teilnahmen. Die Teilnehmer der einwöchigen Veranstaltung mussten dabei die staatlichen „Regeln für das System der Reinkarnationen” sowie die von der herrschenden KP abgesegnete Version von Geschichte und Ritualen der Reinkarnation im tibetischen Buddhismus studieren. Mit dem „Training” unterstreicht die chinesische Regierung offensichtlich ihre Entschlossenheit, jeglichen Einfluss des Dalai Lama und der Institutionen des tibetischen Buddhismus auf die Regelung seiner Nachfolge auszuschließen.

 

Nach Einschätzung der International Campaign for Tibet (ICT) handelt es sich bei dem „Training” um einen weiteren massiven Eingriff Pekings in die Religionsfreiheit der Tibeter. Immer ausgefeilter würden die Versuche der chinesischen Behörden, in die religiöse Selbstbestimmung von Mönchen, Nonnen und tibetischen Laien einzugreifen. Dies sei inakzeptabel und müsse von der internationalen Gemeinschaft zurückgewiesen werden, so ICT.

 

Wie ernst es der chinesischen KP mit ihren Versuchen ist, die Kontrolle über den tibetischen Buddhismus zu erlangen, zeigt der Umstand, dass an der Schlusszeremonie des „Trainings” der Mönche am 29. August der KP-Chef der sogenannten „Autonomen Region Tibet” (TAR) Wu Yingjie persönlich teilnahm. In Anspielung auf den Dalai Lama unterstrich Wu bei dieser Gelegenheit, das System der Reinkarnationen sei keinesfalls eine „rein religiöse Angelegenheit oder das persönliche Vorrecht eines lebenden Buddhas”. Vielmehr, so der KP-Chef der TAR, handle es sich dabei um „ein wichtiges Symbol der Strategie und Politik der Kommunistischen Partei Chinas in der Region“. Wus Worte beinhalten eine deutliche Warnung an alle Tibeter, die loyal zum Dalai Lama stehen. Zur selben Zeit unternahm der von der chinesischen Regierung installierte „falsche” Panchen Lama eine „Inspektionsreise” durch Dörfer und Klöster in der TAR, die ihn auch in eine politisch sensible Region an der Grenze zu Indien führte. Der „chinesische” Panchen Lama soll Peking offenbar dabei behilflich sein, Einfluss auf den tibetischen Buddhismus zu gewinnen.

 

Weitere Informationen können Sie unserem Bericht „China steps up discredited attempts to control Dalai Lama’s succession” entnehmen.

 


Lage außer Kontrolle: Viele Flüchtlingskinder in Griechenland selbstmordgefährdet

SOS-Kinderdörfer fordern europäische Lösung

(München/sos) - Angesichts der wieder steigenden Flüchtlingszahlen in Griechenland rechnen die SOS-Kinderdörfer mit einer dramatischen Verschlechterung der Situation für die betroffenen Kinder. "Viele von ihnen leben bereits seit Jahren in den Flüchtlingscamps. Das ist ein untragbarer Zustand. Sie entwickeln alle möglichen Symptome bis hin zur Selbstmordgefährdung", erklärt George Protopapas, Leiter der Hilfsorganisation in Griechenland. "Bei unserer Arbeit im Flüchtlingscamp KaraTepe auf Lesbos erleben wir immer wieder Kinder, die eine traumatische Flucht zu bewältigen haben und sich in einer Situation ohne Hoffnung und Perspektive befinden. Das hat massive Auswirkungen auf ihre physische wie psychische Gesundheit." Außerdem hätten viele Kinder nur unzureichenden Zugang zur Bildung. Allein im August 2019 sind laut UNHCR 8.000 neue Flüchtlinge in Griechenland angekommen.

 

Die steigenden Zahlen träfen das Land in einer Situation, die schon lange außer Kontrolle geraten sei. "Bereits jetzt leben hier 80.000 Menschen unter völlig inhumanen Bedingungen. Sämtliche Camps sind überfüllt. Besonders schlimm und gefährlich ist die Lage für Kinder, die alleine unterwegs sind", sagt Protopapas.

 

Es sei nicht nur Sache Griechenlands, hier eine Lösung zu finden. "Sämtliche EU-Länder müssen Verantwortung übernehmen. Zuallererst müssen die Kinder mit dem Notwendigsten versorgt und psychologisch betreut werden. Dann brauchen wir eine Beschleunigung der rechtlichen Verfahren und einen strategischen Plan, der zu dauerhaften und menschlichen Regelungen führt." Die SOS-Kinderdörfer haben ihre Hilfe für Flüchtlinge in Griechenland aktuell deutlich ausgeweitet.


Musiker Arne Kopfermann spendet an World Vision

25.000 Euro für traumatisierte Kinder aus Syrien

 

(Friedrichsdorf/wv) – Der christliche Künstler Arne Kopfermann hat für das von ihm und seiner Frau unter dem Dach von World Vision ins Leben gerufene „Sara Projekt“ mehr als 25.000 Euro gesammelt. Das Geld hat er jetzt der Kinderhilfsorganisation übergeben. Es kommt benachteiligten und traumatisierten Kindern zugute und stammt aus sämtlichen Einnahmen des Buches und der gleichnamigen CD „Mitten aus dem Leben“ von Arne Kopfermann.

 

„Wir freuen uns sehr über die großzügige Spende“, erklärte Oliver Müller, Referent für christliches Engagement bei World Vision. „Damit werden wir gezielt Kinder im jordanischen Camp Azraq unterstützen, die aus Syrien geflüchtet sind. Diese Kinder haben zum Teil entsetzliche Erfahrungen zu verarbeiten und werden dort in Schutzzentren von uns betreut.“

 

Die wohl schlimmste Erfahrung, die Eltern machen können, war auch für Arne Kopfermann der Anlass, das „Sara-Projekt“ zu starten. Im September 2014 verunglückte seine damals zehnjährige Tochter Sara bei einem Autounfall tödlich. In Musik und Texten begann Kopfermann zwei Jahre später, den Tod seiner Tochter zu verarbeiten. Daraus entstanden das Buch „Mitten aus dem Leben – Wenn ein Sturm deine Welt aus den Angeln hebt“ (Gerth Medien) und eine dazugehörige CD mit Liedern zum Thema (SCM Hänssler).

 

Im November 2017 reiste Kopfermann gemeinsam mit World Vision nach Jordanien. Im Flüchtlingslager Azraq konnte er sich ein Bild davon machen, wie World Vision traumatisierten Kindern auf den Weg zurück ins Leben hilft. Kopfermann: „Hätten wir für Sara in den wenigen Tagen des Hoffens und Bangens, Betens und Zagens nach unserem Unfall irgendetwas tun können, was ihre Überlebenschancen erhöht hätte – wir hätten es getan! Doch uns blieb nur, sie in Gottes Hände zu legen. Bei den Kindern in Azraq ist das anders. Sie haben ihr Leben noch vor sich und sind auf die Hilfe von anderen angewiesen: von Menschen wie Du und ich!“

 

In den von World Vision eingerichteten Kinderschutzzentren können Kinder nach traumatischen Erfahrungen wie Krieg, Flucht oder Naturkatastrophen Sicherheit und Ruhe finden. Sie können spielen, basteln, malen, lernen und werden psychosozial betreut. Im Flüchtlingslager Azraq profitierten bereits über 600 Kinder von diesem Angebot.


Viele kleine Kinder unter den Dengue-Toten

Klimawandel führt zu einer dramatischen Ausbreitung von Dengue-Fieber

 

(München/sos) - In den letzten drei Monaten hat sich Dengue-Fieber weltweit dramatisch ausgebreitet. Besonders gefährdet sind nach Angaben der Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer weltweit kleine Kinder. Allein auf den Philippinen waren dieses Jahr mehr als 300 Kinder zwischen fünf und neun Jahren unter den insgesamt über 800 Toten. Hunderttausende Menschen haben sich zudem auf dem Inselstaat 2019 infiziert, sodass im August sogar der nationale Notstand ausgerufen wurde.

 

"Es ist erschreckend, wie schnell die Krankheit sich in unserem Land ausgebreitet hat. Auch zwei Dutzend Kinder in mehreren unserer SOS-Einrichtungen waren in diesem Jahr betroffen. Zum Glück konnten sie rechtzeitig behandelt werden und mittlerweile das Krankenhaus wieder verlassen," sagt Aldrin Norio, Leiter der SOS-Familienhilfe-Programme der Philippinen.

 

Neben den Philippinen breitete sich Dengue in den letzten Monaten auch in vielen anderen asiatischen Ländern rasant aus. Vor allem in Sri Lanka und in Bangladesch gab es zehntausende Dengue-Infizierungen und hunderte Tote. Mindestens zwölf Kinder (von insgesamt 50 Toten) starben 2019 bereits in Sri Lanka. Über 71.000 Menschen infizierten sich in Bangladesch und mindestens 120 starben in diesem Jahr bereits. Darunter ebenfalls viele Kinder. "In den SOS-Kinderdörfern gab es vier Dengue-Fälle, die zum Glück glimpflich ausgegangen sind,"

 

berichtet der Leiter der SOS-Kinderdörfer in Bangladesch, Enamul Haque.

 

Es gibt noch keine sichere Impfung (sondern eine nur sehr

 

umstrittene) gegen Dengue. Und mit dem fortschreitenden Klimawandel "wird Dengue sich auch in den nächsten Jahren immer weiterverbreiten.

 

Die hohen Temperaturen und starke Regenfälle sowie fehlende Sauberkeit sind die Hauptgründe für die vermehrte Ausbreitung von Dengue", sagt Aldrin Norio. "Jedes Jahrzehnt verdoppelt sich die Zahl der Fälle - und Kinder sind am meisten gefährdet." Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigt: "Die fortgeschrittene Form des Dengue-Fiebers ist eine der Hauptursachen für schwere Erkrankungen und den Tot von Kindern in einigen asiatischen sowie lateinamerikanischen Ländern."

 

In Lateinamerika haben momentan vor allem Honduras (schon über 100 Tote in diesem Jahr), Nicaragua, El Salvador, Guatemala, Kolumbien und Brasilien mit dem Dengue-Fieber zu kämpfen. In der gesamten Gegend von Lateinamerika und Karibikstaaten gab es 2019 bereits über zwei Millionen Dengue-Infizierungen und mindestens 720 Tote. Auch in Afrika und Australien gibt es vermehrt Dengue-Opfer und in Europa wurden ebenfalls Einzelfälle gemeldet.

 


Besonders prekäre Lage in Hongkong

Kanzlerin Merkel in China: Deutschland muss sich zur Schutzverantwortung bekennen

   

  • Über 1,5 Millionen Uiguren, Kasachen und Kirgisen in Xinjiang interniert
  • Über 3.500 buddhistische Nonnen und Mönche in Sichuan verschleppt

 

(Göttingen/gfbv) - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat an die Bundeskanzlerin Angela Merkel appelliert, während ihrer bevorstehenden China-Reise die besorgniserregende Menschenrechtslage in dem Land zur Sprache zu bringen. „Derzeit ist die Lage in Hongkong besonders prekär“, erklärt Hanno Schedler, GfbV-Referent für Genozid-Prävention und Schutzverantwortung. „Als Vorreiter des Konzepts der präventiven Schutzverantwortung muss sich Deutschland besonders dafür einsetzen, dass die chinesische Regierung von einer gewaltsamen Eskalation absieht.“ Die Regierung in Peking müsse sich auf Gespräche mit den Menschen in Hongkong einlassen, anstatt mit immer mehr Truppen eine Drohkulisse aufzubauen. Diese stünde einer friedlichen Lösung im Wege. 

 

In der Region Xinjiang sind weiterhin über 1,5 Millionen Uiguren, Kasachen und Kirgisen interniert. Ohne rechtliche Grundlage wurden sie in Umerziehungslager verschleppt, wo sie einer systematischen Gehirnwäsche ausgesetzt sind. „Die internationale Gemeinschaft muss dieses Unrecht immer wieder ansprechen und sich dafür einsetzen, dass die Lager geschlossen werden“, fordert Schedler. „In ihren Gesprächen mit Ministerpräsident Li Keqiang muss Kanzlerin Merkel den Druck aufrechterhalten.“

 

Auch in der Region Tibet besteht weiterhin Grund zur Sorge. „Dort versucht die chinesische Regierung mit aller Macht, die Zahl der buddhistischen Nonnen und Mönche zu verringern“, so Schedler. „In den letzten drei Monaten wurden über 3.500 von ihnen aus den Studienzentrum Yachen Gar in Sichuan verschleppt“. Sie würden unter unmenschlichen Bedingungen interniert, geschlagen und gefoltert. „Die Christdemokratin Merkel sollte sich für ein Ende der religiösen Verfolgung im Land der Mitte stark machen, von der neben Buddhisten und Muslimen auch Christen zunehmend betroffen sind,“ mahnt Schedler.

 


HIndu-Nationalisten diskriminieren und entrechten MInderheiten - Schutz-Maßnahmen gegen Migranten verletzen Menschenrechte

Indien will 1,9 Millionen Menschen vertreiben

 

(Göttingen/gfbv) - Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat vor einer Flüchtlingstragödie in Asien gewarnt. Mehr als 1,9 Millionen Menschen drohe die Vertreibung aus dem Nordosten Indiens, nachdem die indischen Behörden ihnen die Registrierung als Staatsbürger verweigerten. Die Menschenrechtsorganisation warf der Hindu-Nationalistischen Regierung Indiens und der Region Assam im Nordosten des Landes vor, gezielt Angehörige der muslimischen Minderheit auszugrenzen und zu entrechten. "Das hat nichts mit dem Schutz vor illegaler Migration zu tun, sondern ist Rassismus. Indien soll zum Hindu-Staat gemacht werden, in dem kein Platz für Andersgläubige und Minderheiten ist", warnte der GfbV-Direktor Ulrich Delius am Samstag in Göttingen. 

 

Das Nationale Register für Staatsbürger hatte am Samstagmorgen nach Ablauf aller Einspruchsfristen das Ergebnis seiner Prüfung des Einwohnerregisters veröffentlicht und 1,906.657 Millionen Bewohner Assams zu illegalen Migranten erklärt. Ein Großteil der Menschen, denen nun die Staatenlosigkeit droht, sind Muslime. Nach dem Willen der indischen Behörden sollen sie in Internierungslager eingewiesen werden  und in das Nachbarland Bangladesch abgeschoben werden. Doch Bangladesch lehnt ihre Aufnahme ab.

 

Nachdrücklich kritisierte die Menschenrechtsorganisation den Registrierungsprozess, der von Willkür und unzähligen Unregelmäßigkeiten gezeichnet gewesen sei. So hätten verfeindete Nachbarn das Verfahren missbraucht, um Angehörige von Minderheiten als angebliche illegale Migranten anzuzeigen und auszugrenzen. Die Registrierung im Einwohnerregister sei oft willkürlich erfolgt. Regierungskritiker seien anders als ihre Familienangehörigen plötzlich als illegale Zuwanderer behandelt worden, um sie zu entrechten und mundtot zu machen. Hindu-Nationalisten hätten sich bemüht, Glaubensbrüder aus Bangladesch zu indischen Staatsbürgern zu erklären, während sie zugleich die Ausweisung von seit Generationen in Assam lebenden Muslimen forderten. 

 

"Der wegen ihrer Tee-Exporte berühmten Region Assam droht eine humanitäre Katastrophe, denn niemand weiß, wie es nun mit den ausgegrenzten Bewohnern der Region weitergeht,denen die Aufnahme in das Einwohnerregister verweigert wurde", erklärte Delius. Sechs Internierungslager wurden bereits eingerichtet, weitere sollen folgen. Opfer der Repression und Ausgrenzung ist vor allem die ärmste Bevölkerungsgruppe, die sich als Analphabeten und Tagelöhner keinen Rechtsanwalt leisten können, um vor Gericht ihre Registrierung als Staatsbürger einzuklagen. 

 


Krisengebiet Ostukraine "von der Welt vergessen": Immer weniger Helfer vor Ort

 

(München/sos) - Dramatische Entwicklung in der Ostukraine: Während die Lage der Kinder und Familien durch den andauernden Konflikt mit Separatisten immer schlimmer wird, haben zahlreiche Hilfsorganisationen ihre Unterstützung stark eingeschränkt oder komplett beendet. Darauf weisen die SOS-Kinderdörfer weltweit hin.

 

"Nach fünf Jahren Krieg sind die Menschen erschöpft", erklärt Serhii Lukashov, Leiter der Hilfsorganisation in der Ukraine. "Ihre Ressourcen sind aufgebraucht - sowohl materiell als auch psychologisch." Mehr und mehr Familien brächen auseinander, sodass Kinder in Heimen landen, unter Jugendlichen machten sich Süchte breit und Aggressionen nähmen zu. Viele der 200.000 betroffenen Jungen und Mädchen seien durch Gewalt und die anhaltende Bedrohung schwer traumatisiert. "Die Kinder leiden unter Angstattacken, Schlaf- und massiven Sprachproblemen", ergänzt Lukashov. "80 bis 90 Prozent aller Erstklässler hinken aufgrund ihrer psychologischen Belastung in der Sprachentwicklung hinterher und bräuchten dringend Unterstützung."

 

Doch laut Lukashov fehlt genau diese Hilfe: "Aktuell sind die SOS-Kinderdörfer die Einzigen, die entlang der Kontaktlinie zwischen den von Separatisten und der Regierung kontrollierten Gebieten qualifizierte psychologische Unterstützung leisten. Andere Organisationen haben vor allem zu Beginn des Konflikts Nothilfe geleistet. Fünf Jahre später sind viele von ihnen nicht mehr da." Auch zahlreiche lokale Helfer und Sozialarbeiter seien desillusioniert, ausgebrannt oder in andere Regionen des Landes gezogen. Das führe dazu, dass in manchen Regionen zwei bis drei Sozialarbeiter für bis zu 30.000 Menschen zuständig seien. Lukashov: "Die Menschen hier haben das Gefühl, von der Welt vergessen worden zu sein!"

 

Um möglichst viele Kinder und Familien zu erreichen, sind die SOS-Kinderdörfer mit mehreren mobilen psychosozialen Teams entlang der Kontaktlinie im Einsatz, die verschiedene Therapien sowie Kinderaktionen anbieten.


Diakonie Katastrophenhilfe legt Jahresbericht vor

Ebola und Cholera in Kriegsgebieten auf dem Vormarsch

 

Ebola * Jemen * Kongo * Spenden * Bilanz

 

(Berlin/dw) - Die Diakonie Katastrophenhilfe weist auf den dramatischen Zusammenhang von Krankheiten wie Ebola oder Cholera, Krieg und Hunger hin. „Menschen, die schon vorher nicht genügend zu essen haben, sind geschwächt und dadurch sehr viel anfälliger für Krankheiten“, sagt Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe, bei der Vorstellung des aktuellen Jahresberichts in Berlin. „Sie können sich dann rasend schnell und Epidemie-artig in Katastrophengebieten verbreiten.“ Besonders dramatisch ist die Situation in Kriegsgebieten: „Ausbruch und Verbreitung von Infektionskrankheiten fallen dort nicht vom Himmel, sondern stehen im direkten Zusammenhang mit Gewaltausübung“, so Füllkrug-Weitzel. Die Konflikte im Jemen und der Demokratischen Republik Kongo sind hierfür aktuelle Beispiele.

 

Im Jemen leiden mehr als 20 Millionen Menschen Hunger und 18 Millionen haben keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser oder sanitären Einrichtungen. Seit Beginn des Krieges 2015 sind mehr als 3.000 Menschen an Cholera gestorben und allein im ersten Halbjahr 2019 wurden fast eine halbe Million Verdachtsfälle gemeldet. Der Krieg geht währenddessen unvermindert weiter und erschwert die Hilfe. „Solange Bombardierungen an der Tagesordnung sind, haben humanitäre Hilfsorganisationen große Probleme, die Menschen zu erreichen“, sagt Füllkrug-Weitzel. Die Diakonie Katastrophenhilfe arbeitet im Jemen wie weltweit mit lokalen Partnern zusammen und hat zu deren Unterstützung vor wenigen Wochen ein eigenes Büro in Aden eröffnet. Sie wird in den kommenden Jahren einen der Schwerpunkte ihrer Arbeit auf den Jemen legen. „Wir wollen dem immensen Bedarf an Ernährungshilfe und der Prävention von lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten gerecht werden“, so Füllkrug-Weitzel.

 

Mit Blick auf Deutschland ergänzt Füllkrug-Weitzel: „Wir fordern die Bundesregierung auf, sich konsequent für Frieden und humanitäre Hilfe einzusetzen.“ Es sei zwar begrüßenswert, dass Deutschland dieses Jahr 120 Millionen Euro an die Vereinten Nationen für Hilfe im Jemen bereitstellen will. „Aber die Kombination mit Rüstungsexportgenehmigungen an Kriegsakteure erstickt die Freude über die Hilfsbereitschaft der deutschen Regierung, weil sie einen großen Zynismus offenbart: mehr humanitäre Hilfe zur Kompensation für mehr Beihilfe zum Töten“, so Füllkrug-Weitzel. Die Bundesregierung hatte angekündigt, keine Rüstungsgüter an Konfliktparteien des Jemen-Kriegs mehr auszuliefern, jedoch wieder Exportgenehmigungen an die Arabische Liga, Kriegskoalition im Jemen, erteilt.

 

Das Zusammenwirken von Krieg, Hunger und Krankheit ist auch in der Demokratischen Republik Kongo zu beobachten, wo Ebola seit dem Ausbruch vor einem Jahr noch nicht unter Kontrolle ist. Es ist der erste Ausbruch überhaupt in einem Konfliktgebiet. „Angriffe verschiedener Milizen zwingen die Menschen immer wieder zur Flucht und erschweren, dass unter den vertriebenen Menschen neue Infizierte gefunden und behandelt werden können. Dadurch beschleunigt sich die Ausbreitung von Ebola“, sagt Guido Krauss, Leiter des Büros der Diakonie Katastrophenhilfe in der DR Kongo. Aufgrund von Krieg und Vertreibungen gilt die Region im Osten des Landes schon seit Jahrzehnten als instabil. Vielerorts leidet die Bevölkerung an Hunger und Armut. Das evangelische Hilfswerk ist seit vielen Jahren in der Region aktiv und hat die Hilfe nach dem Ebola-Ausbruch sofort ausgeweitet. „Neben besserer Hygiene ist Aufklärung das Wichtigste. Wir gehen mit unseren Partnern daher gezielt an Schulen oder in Busse, damit die Menschen erfahren, wie sie sich vor dem tödlichen Virus schützen können“, so Krauss.

 

Diakonie Katastrophenhilfe Bilanz 2018

 

Die Diakonie Katastrophenhilfe hat im vergangenen Jahr in 41 Ländern Hilfe geleistet und dafür etwa 37 Millionen Euro bereitgestellt. Die meisten Mittel sind nach Syrien und die Nachbarstaaten geflossen. Daneben waren der Südsudan und die DR Kongo die Länder mit den größten Projektausgaben. Die Spendeneinnahmen der Diakonie Katastrophenhilfe waren im Jahr 2018 mit 23,6 Millionen Euro 13 Prozent geringer als 2017 (27 Millionen). 2017 war wegen der anhaltenden Hungerkrise in Ostafrika ein Jahr mit besonders hohem Spendenaufkommen. Die Einnahmen aus öffentlichen Zuwendungen von der Bundesregierung, der Europäischen Union und den Vereinten Nationen sind mit rund 17 Millionen Euro fast auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr. Die Gesamteinnahmen lagen mit 47,8 Millionen Euro 13 Prozent unter dem Vorjahresniveau (54,9 Millionen Euro).


Gemeinsam für Wiederaufforstung und Klimaschutz

Meilenstein: World Vision und Ecosia kooperieren

 

(Friedrichsdorf/Berlin/wv) – Die ökologische Non-Profit-Suchmaschine Ecosia und die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision arbeiten künftig gemeinsam an Projekten zur Wiederaufforstung. Von der Kooperation profitiert zunächst ein Projekt in Äthiopien. „Wir freuen uns sehr über diese Zusammenarbeit“, erklärt Christoph Waffenschmidt, Vorstandsvorsitzender von World Vision. „Das ist ein Meilenstein. So können wir unsere Kräfte bündeln und noch mehr zum Kampf gegen Waldvernichtung und den Klimawandel beitragen.“ Ecosia wird zunächst ein Wiederaufforstungsprojekt in der äthiopischen Region Ambassel für ein Jahr fördern. Die Region ist in besonderem Maße von Abholzung und Erosion betroffen. Seit Jahren sinken die Ernteerträge; die Bevölkerung verarmt.

Um diese Entwicklung zu stoppen und umzukehren werden Bäume gepflanzt oder nach der FMNR-Methode noch vorhandene Wurzeln wieder zum Wachstum von Bäumen gebracht. Allein im ersten Jahr des Projektes entstehen so 1,2 Millionen neue Bäume. Nach der FMNR-Methode (Farmer Managed Natural Regeneration) des World-Vision-Mitarbeiters Tony Rinaudo wurden bereits über 20 Millionen Hektar Land in 24 Ländern wiederbegrünt. Rinaudo wurde für die Entwicklung dieser Wiederaufforstungsmethode mit dem alternativen Nobelpreis 2018 (Right Livelihood Award) ausgezeichnet. Rinaudo zur Kooperation mit Ecosia: “Ich bin begeistert, dass Ecosia und World Vision kooperieren, um die Zukunft von 1,2 Millionen Bäumen in Äthiopien zu sichern. World Vision und Ecosia teilen die gleiche Vision - nun werden wir beginnen, mit lokalen Partnern und Bauern zusammenzuarbeiten, um die Baumdichte dort zu erhöhen, wo sie am meisten gebraucht wird. Unsere Partnerschaft in Äthiopien wird außerdem die Verbreitung der FMNR Methode fördern, die uns zu diesem Zeitpunkt bereits ermöglicht hat, weltweit über 20 Millionen Hektar Land wieder zu begrünen.”

Die neuen Bäume übernehmen dabei die Rolle eines Landschaftspflegers: Durch die Wurzeln wird Feuchtigkeit im Boden gehalten, Äste und Blätter beschatten und kühlen den Boden und zugleich wird der Boden durch Blätter und Früchte gedüngt. Zudem filtern Bäume CO2 aus der Luft. Wiederbegrünte land- und forstwirtschaftliche Flächen versorgen die Bevölkerung dauerhaft mit Brennholz und steigern die Biodiversität. Lokale Kooperativen und Kleinbauern-Familien werden zudem intensiv darin geschult, ihr Land nachhaltig und umweltschonend zu nutzen.

 

Das Projekt in Äthiopien sehen World Vision und Ecosia als Beginn einer dauerhaften Partnerschaft an. Der Chief Tree Planting Officer von Ecosia, Pieter van Midwoud. “Diese Partnerschaft erlaubt uns, unsere Arbeit in Äthiopien um weitere 1,2 Millionen Bäume auszuweiten. Ich bewundere schon seit vielen Jahren die Pionierarbeit, die Tony Rinaudo leistet. Wir freuen uns sehr, nun gemeinsam mit World Vision Tonys Methode bei der Aufforstung in Äthiopien zu implementieren.“

 

World Vision ist in fast 100 Ländern der Welt vertreten und sieht den Schutz der Natur als integralen Bestandteil der Entwicklungszusammenarbeit. Ecosia spendet 80 Prozent der Einnahmen an Baumpflanzprojekte weltweit.

 

Über Ecosia: - Ecosia, 2009 in Berlin gegründet, ist eine non profit Suchmaschine, deren Gewinne nicht an Shareholder, sondern zu 80 Prozent in die Pflanzung von Bäumen fließen. Mit durchschnittlich 45 Suchen kann ein Baum finanziert werden. So wird alle 0,8 Sekunden ein Ecosia-Baum gepflanzt, bisher 64.490.299 (Stand 15. August), verteilt auf 500 einheimische Baumarten, die zu diesem Zeitpunkt ungefähr 3,5 Millionen Tonnen CO2 aus der Atmosphäre gefiltert haben. Sehr hohe Datenschutzrichtlinien legen zudem fest, dass die Suchdaten der heute ca. 8 Millionen Nutzer anonymisiert sind und innerhalb von vier Tagen gelöscht werden. Der Datenverkauf an Werbetreibende ist ausgeschlossen. Ecosia veröffentlicht monatliche Finanzberichte.


1 Milliarde Hektar Wald sollen bis 2030 wieder aufgeforstet werden

„Jedes Großfeuer ist von globaler Bedeutung“, betont Tony Rinaudo (Gewinner Alternativer Nobelpreis)

World Vision begrüßt, dass Präsident Macron das Thema Wald auf die G7 Tagesordnung gesetzt hat

 

(Biarritz/wv) - Angesichts der Großbrände im Amazonas begrüßt die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision, dass der französische Präsident Macron das Thema „Wald“ auf die G7 Tagesordnung gesetzt hat. Der Amazonas liefert etwa 20% des Sauerstoffs, den die Menschen zum Atmen brauchen. „Die Welt schlittert unbekümmert in eine neue Massenausrottung und vertrödelt die wenige verbliebene Zeit, um die Menschheit zu retten“, sagt Tony Rinaudo, Gewinner des Alternativen Nobelpreises 2018 und Experte für Wiederaufforstung bei World Vision. „Aktuell sehen wir weltweit die Auswirkungen der Klimakrise. Daher ist jedes Großfeuer, egal wo, von globaler und nicht nur lokaler Bedeutung. Wir alle verlieren.“

 

Rinaudo erhielt den Alternativen Nobelpreis für eine regenerative Methode der Wiederaufforstung, genannt FMNR (farmer managed natural regeneration). Sie basiert auf der Existenz von altem Wurzelwerk in der Erde. Inzwischen konnten in 25 Ländern Wälder mit Hilfe dieser Technik auch auf zuvor verwüsteten Böden wieder neu wachsen, allein in Niger 6 Millionen Hektar.

 

In der Region Humbo in Südäthiopien gibt es nach der Wiederaufforstung wieder 13 neue Wasserquellen, das Grundwasser stieg wieder um mehrere Meter und das Mikroklima verbesserte sich. Viele Jahre litten die Menschen in der Gegend immer wieder unter Hungersnöten und Dürren. Heute liefern die Bauern Überschüsse an das World Food Programm, WFP. Die Methode ist zudem preiswert. Für Wiederaufforstung auf konventionelle Art (Bäume pflanzen) muss man ca. 8000 US-Dollar pro Hektar berechnen, nach der FMNR-Methode 20 bis 2 US-Dollar.

Tony’s Ziel ist es, bis 2030 mit Hilfe von FMNR weltweit eine Milliarde Hektar Wald neu aufzuforsten.

 

„Die einen brennen alles ab, wir forsten wieder auf“, sagt Silvia Holten, Pressesprecherin von World Vision. „Aber wir alle müssen angesichts des unverantwortlichen Umgangs mit unseren grünen Lungen sofort handeln. Wir brauchen dazu eine weltweite Wiederbegrünungsbewegung.“

 


Bangladesch kündigt härteres Vorgehen gegen Flüchtlinge an - Rohingya dürfen nicht zu den Palästinensern Südasiens werden

Massenexodus der Minderheit aus Burma eskalierte vor zwei Jahren (25.8.)

 

(Göttingen/gfbv) - Zwei Jahre nach der gewaltsamen Vertreibung von 700.000 Rohingya aus Burma hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) mehr konkrete Hilfen für die Flüchtlinge gefordert. DIe internationale Staatengemeinschaft müsse den geflohenen Rohingya eine Lebensperspektive aufzeigen und mehr für Bildung und Gesundheit der Vertriebenen tun. "In den Lagern in Bangladesch macht sich Hoffnungslosigkeit breit, denn eine Rückkehr in ihre Heimat Burma ist nicht absehbar. Wer der Verelendung der Rohingya-Flüchtlinge weiter tatenlos zuschaut, gefährdet die Stabilität in Südasien. Die internationale Gemeineinschaft hat eine Schutzverantwortung für die geflohene muslimische Minderheit, der sie endlich nachkommen muss", erklärte der GfbV-Direktor Ulrich Delius am Sonntag in Göttingen. Die Menschenrechtsorganisation reagierte auf Drohungen des Außenministers von Bangladesch Abdul Momen, die Politik seines Landes gegenüber den Flüchtlingen zu verschärfen.   

 

Vor allem Frauen, Kinder und Jugendliche leben in den Camps, die hastig nach ihrer Vertreibung in einer verarmten Region Bangladeschs nahe der Grenze zu Burma errichtet wurden. "Ein ganzes Volk und seine Zukunft geht in den Lagern zugrunde, weil es keine Lebensperspektiven für die heranwachsenden Jugendlichen gibt", warnte Delius. Menschenhandel, Prostitution und andere Formen der Kriminalität breiteten sich in den Lagern aus, die großen Städten glichen. Da Burma nicht bereit sei, Rohingya als gleichberechtigte Staatsbürger anzuerkennen und die Menschenrechtsveretzungen an den 200.000 in Burma verbliebenen Angehörigen der muslimischen Minderheit anhielten, gebe es keine Perspektive für eine schnelle Rückkehr. Auch drohe in den Camps eine Radikalisierung der Rohingya. "DIe Rohingya dürfen nicht zu den Palästinensern Südasiens werden", warnte die GfbV. Wenn auch nur eine kleine Minderheit unter den Vertriebenen zu den Waffen greife, drohe eine Destabilisierung der Region.  

 

In Bangladesch leben mehr als eine Million Rohingya-Flüchtlinge. Denn schon vor dem Beginn des Massenexodus im August 2017 hatten mehr als 300.000 Angehörige der Minderheit in Bangladesch Schutz vor schweren Menschenrechtsverletzungen in ihrer Heimat gesucht. Denn sie hatten in Burma unter Apartheid-ähnlichen Bedingungen leben müssen. So durften sie sich nicht frei bewegen, wurden als Zwangsarbeiter genutzt und systematisch entrechtet. Burmas Armee vertrieb die Rohingya gewaltsam aus dem Land, nachdem im August 2017  Anschläge auf Polizei- und Grenzstationen verübt wurden. Die Vertreibung war systematisch geplant und wird von den Vereinten Nationen als Völkermord angesehen. Die Vereinten Nationen bezeichnen die Rohingya als die meisten verfolgte Minderheit weltweit. 

 

 

 


Kunstaktion der Brot für die Welt Jugend in Weimar

 

Termin * Kinderarbeit * Kunstaktion * Lieferkettengesetz

 

(Berlin/bfw) - Jedes zehnte Kind auf der Welt muss arbeiten. Diesen Kindern wird ihr Recht auf Freiheit, Sicherheit und Bildung verwehrt. Auf diesen Skandal will die Jugend des kirchlichen Hilfswerks Brot für die Welt am Samstag, dem 31. August, ab 12 Uhr mit einer Kunstaktion auf dem Theaterplatz in Weimar aufmerksam machen.

 

Bei der Kunstaktion werden Jugendliche Kinderarbeit in Steinbrüchen darstellen. Die Aktion ist ein Beitrag zu der globalen Kampagne gegen Kinderarbeit „100 Million – Free. Safe. Educated“, die der indische Kinderrechtler und Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi ins Leben gerufen hat. Die Jugendlichen machen deutlich, dass Konsumentinnen und Konsumenten eine Mitverantwortung für die weltweite Ausbeutung von Kindern haben, wenn sie bei Kinderarbeit wegsehen. Provokant fragen die Jugendlichen „Was, wenn es dein Kind wäre?“ Sie fordern Politikerinnen und Politiker auf, wirksame politische Maßnahmen zu ergreifen, um Kinderarbeit weltweit zu beenden. Insbesondere sollen Unternehmen gesetzlich verpflichtet werden, die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards in ihren globalen Lieferketten zu gewährleisten. Der Weimarer Superintendent Heinrich Herbst, Landesjugendpfarrer Peter Herrfurth und Landesjugendkonvents-Mitglied Georg Junge haben ihre Unterstützung der Aktion zugesagt.

 

Die Vereinten Nationen haben sich zum Ziel gesetzt, Kinderarbeit bis 2025 vollständig zu überwinden. Dafür braucht es weltweit größere Anstrengungen. Brot für die Welt arbeitet gemeinsam mit Partnerorganisationen im globalen Süden daran, die Ursachen für Kinderarbeit zu bekämpfen. Mit Hilfe der globalen Kampagne „100 Million“ sollen wirksame politische Maßnahmen gegen Kinderarbeit erreicht werden.

 

Die Brot für die Welt Jugend ist ein Zusammenschluss von Menschen im Alter von 14 bis 27 aus ganz Deutschland. Sie setzen sich für eine gerechte Weltgesellschaft ein, in der die Menschenrechte und die ökologischen Lebensgrundlagen geschützt werden. Das jährliche Aktionstreffen dient der bundesweiten Vernetzung. In Weimar werden rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet.


Appell an G7-Gipfel: Tragödie von Idlib stoppen / 90 Kinder binnen vier Wochen getötet

 

(München/sos) - Vier Wochen, 400 Tote, darunter 90 Kinder: Die SOS-Kinderdörfer rufen anlässlich des G7-Gipfels im französischen Biarritz (24. bis 26.  August) die Gipfelteilnehmer dazu auf, das Sterben in der syrischen Rebellenhochburg Idlib zu einem Schwerpunkt auf der Tagesordnung zu machen.

 

 

 

Allein im Juli seien mehr Menschen in dem Bürgerkriegsland getötet worden als im gesamten Jahr 2018. "In der Region gibt es weder sauberes Wasser noch genug Nahrung für Kinder. Selbst Krankenhäuser werden bombardiert", sagt Louay Yassin, Pressesprecher der Hilfsorganisation.

 

 

 

"Die führenden Industrienationen müssen jetzt alles in ihrer Macht Stehende tun, um eine Katastrophe zu stoppen, die sogar die Massaker von Ost-Ghouta und Aleppo in den Schatten stellen könnte", sagt Yassin.

 



Der Schachbrettfalter ist Schmetterling des Jahres 2019

Foto: E. Dallmeyer
Foto: E. Dallmeyer

 

(Düsseldorf/pm) - Die BUND NRW Naturschutzstiftung hat gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen den Schachbrettfalter (Melanargia galathea) zum Schmetterling des Jahres 2019 gekürt. „Mit der Auszeichnung möchten wir auf die Bedrohung der Schmetterlingsart durch die intensive Landwirtschaft aufmerksam machen“, sagt Jochen Behrmann von der BUND NRW Naturschutzstiftung. Entscheidend für das Vorkommen der Schmetterlinge sind nährstoffarme blütenreiche Wiesenbereiche, die bis Ende Juli noch nicht gemäht wurden. Denn nur dort lassen die Weibchen ihre Eier einzeln zu Boden fallen, teilweise während des Fluges. Aufgrund von Düngung und einer frühen Mahd sind solche Wiesen heute in vielen Teilen Deutschlands zu selten geworden.

 

Der Schachbrettfalter besitzt ein einzigartiges Muster auf seinen Flügeln, das ihm seinen Namen gegeben hat. Die Flügel des Schmetterlings sind auf der Oberseite schwarz oder dunkelbraun und weiß gefärbt und wirken wie ein Schachbrett. Die Unterseite der Flügel ist weniger kontrastreich und zeigt mehrere schwarzbraune und weiße Augenflecken. Die Schmetterlinge haben eine Spannweite von 40-50 Millimetern und gehören damit zu den mittelgroßen Faltern.

 

Die rosa gefärbten Raupen des Schachbrettfalters, die im Sommer aus den Eiern schlüpfen, überwintern in der Streu am Erdboden, ohne vorher Nahrung aufzunehmen. Erst im März des Folgejahres beginnen sie, an verschiedenen Gräsern zu fressen. Die älteren Raupen sind dicht behaart und entweder graubraun oder grün gefärbt. Zunächst sind die kleinen Raupen tagaktiv, später fressen sie nur noch nachts. Ab Mai verpuppen sich die Tiere in einem Gespinst am Erdboden. Die nach wenigen Wochen ausgewachsenen Schmetterlinge schlüpfen ab Mitte Juni und ernähren sich dann hauptsächlich vom Nektar violetter Blüten wie Flockenblume, Kratzdistel oder Skabiose.

 

Der Schachbrettfalter kommt in Mittel- und Osteuropa sowie Nordafrika vor. Während das Schachbrett in Nordrhein-Westfalen im Weserbergland, der Eifel und im Siebengebirge noch ungefährdet ist, findet man den Schmetterling im Münsterland nur noch sehr selten. In Deutschland ist die Art derzeit noch nicht gefährdet, aber rückläufig.

 

Um dem schönen Schmetterling zu helfen, ruft die BUND NRW Naturschutzstiftung dazu auf, Wiesen mosaikartig zu mähen und Randstreifen von Bahndämmen, Feldwegen oder Gräben auch mal stehen zu lassen. „Im Siedlungsbereich können Gartenbesitzer nährstoffarme und trockenwarme Wiesen für den Falter anlegen“, erklärt der BUND-Naturschutzexperte. „Da Schachbrettfalter schon auf kleinen Flächen in größerer Anzahl leben können, helfen bereits solche kleinen Inseln, die Art zu schützen.“

 

Die BUND NRW Naturschutzstiftung und die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen küren seit 2003 den Schmetterling des Jahres, um auf die Bedeutung und Bedrohung der Arten aufmerksam zu machen. Nur ein Drittel der Tag- und die Hälfte der Nachtfalterarten in Deutschland sind noch ungefährdet.