Nachrichten aus aller Welt

23.10.2019

Foto: Gert Holle
Foto: Gert Holle

FIDES-NACHRICHTEN - 23.10.2019

VATIKAN - Außerordentlicher Monat der Weltmission: Fortbildungskurs “Kommunikation ist Mission“

 

Roma (Fides) – Pastoralarbeiter in den Kirchsprengeln, für die die Kongregation "Propaganda Fide" zuständig ist, sollen Kommunikation und Medien als Chance für die Verbreitung des Evangeliums wahrnehmen. Dies ist das Ziel eines Fortbildungskurses mit dem Titel "Kommunikation ist Mission", die die Fakultät für Soziale Kommunikation der Päpstlichen Universität des Heiligen Kreuzes in Rom in Zusammenarbeit mit der Päpstlichen Missionsvereinigung anbietet.
Ziel des Kurses, der anlässlich des außerordentlichen Missionsmonats veranstaltet wurde, ist es, Studierenden der von der Kongregation für die Evangelisierung der Völker (CEP) verwalteten internationalen Hochschulen, methodische, theoretische und praktische Instrumente für die multimediale Kommunikation zur Verfügung zu stellen.
"Wir wollen diejenigen unterstützen, die in den Kirchen in den sogenannten ‚Missionsgebieten‘ in Afrika, Asien und Lateinamerika arbeiten, wo oft schwierige Bedingungen herrschen", so Pfarrer Jose Maria La Porte, Dekan der Fakultät für Soziale Kommunikation der Päpstlichen Universität des Heiligen Kreuzes. Der Kurs richtet sich vor allem an Priester, Ordensleute, Seminaristen, Doktoranden aus Afrika, Asien und Ozeanien und den mit der Kongregation für die Evangelisierung verbundenen Apostolischen Vikariaten in Amerika.
Kommunikationstechnologien schaffen ein digitales Umfeld, in dem der Mensch lernt, sich zu informieren, zu lernen, Beziehungen aufzubauen und aufrechtzuerhalten. "Die Evangelisierung darf daher nicht versäumen, diese Realität zu berücksichtigen", so La Porte. "Die große Herausforderung der heutigen Kirche besteht darin, durch diese Technologien die Botschaft des Evangeliums in die digitale Welt zu tragen und dort zu inkulturieren."
Evangelisierung bedeutet nicht, „Werbung“ für das Evangelium zu machen: "Die Kirche im Internet ist nicht zur Verbreitung religiöser Inhalte, sondern zur Weitergabe des Evangeliums aufgerufen", so Pater Fabrizio Meroni, Generalsekretär der Päpstlichen Missionsvereinigung und Direktor des Fidesdienstes. "Das Ziel dieses akademischen Angebots ist es, die Mission ausgehend von einer Betrachtung der Beziehung zwischen dem Glauben und der Welt zu formen", so Pater Meroni. "Wir möchten diese neuen Arten der Wahrnehmung der mit der Digitalisierung verbundenen Realität analysieren und erforschen", fährt er fort. "Der Glaube“, so bemerkt er, „ist der wahre Weg, er ist das Heil der Welt: Kommunikation kann uns durch die Kenntnis der Werkzeuge und Sprachen helfen, die Dimension der Welt in dem kulturellen Kontext, in dem wir leben, besser zu verstehen und bei der christlichen Verkündigung zu nutzen“.
Der Fortbildungskurs umfasst zwei Semester, die von Oktober 2019 bis Mai 2020 das spezifische Studium und Erforschung des Sprachgebrauchs in Video, Radio, Internet in Form von Fotografie und Schrift vorsehen. Die Vorlesungen der verschiedenen Studienmodule werden von Dozenten und Experten der Päpstlichen Universität des Heiligen Kreuzes, Journalisten sowie Rundfunk- und Fernsehfachleuten gehalten.
LINK
Interview mit Pater José Maria La Porte und Pater Fabrizio Meroni -> https://youtu.be/5Ki72Fj3Mzo

 

 

 

AFRIKA/D.R. KONGO - Scheut-Missionare feiern Außeordentlichen Monat der Weltmission in Kinshasa

 

Kinshasa (Fides) - „Die Tradition des christlichen Engagements in der Demokratischen Republik Kongo ist so alt wie die Geschichte des Christentums", so Professor Ndaywel während einer Konferenz, die von den Missionaren der Kongregation des Unbefleckten Herzens Mariens (auch "Scheut-Missionare" genannt) anläßlich der Feier des außerordentlichen Missionsmonats der Weltmission organisiert wurde.
Die Konferenz, die am Freitag, den 18. Oktober 2019 vom Zentrum für missionarische Fortbildung und Öffentlichkeitsarbeit (CIAM) veranstaltet wurde, stand unter dem Motto "Die Kirche mitten im Dorf: Missionsperspektiven". Im Mittelpunkt der Konferenz standen die Analyse des apostolischen Schreibens „Maximum Illud“ und die Kontextualisierung der Botschaft von Papst Franziskus zum Weltmissionssonntag 2019. Hinzu kam ein Rückblick auf das Engagement der Kirche im Vorwahl- und Wahlprozess des 2018 im Rahmen der Aktivitäten des Koordinationskomitees der Laien (CLC).
Pater Patience Mpayembe, Mitglied der Kongregation des heiligen Vincent von Paul und Professor für Missionswissenschaft, sprach von der Notwendigkeit, die Mission als Paradigma für das Leben eines jeden Christen zu verstehen. Anschließend lud er die Teilnehmer zu einem prophetischen pastoralen Dienst und zum Übergang von einer militanten Kirche zu einer evangelisierenden Kirche ein. Professor Ndaywel, Moderator des CLC, betonte, dass das Engagement des CLC, wenn es darum gehe die kongolesischen Politiker zu drängen, sich für das Gemeinwohl einzusetzen, in der Tat ein missionarisches Engagement sei mit dem die Herzen der der Politiker zum Wohle aller in der Gesellschaft bekehrt werden sollen.
Die Kongregation des Unbefleckten Herzens Mariens, auch als Kongregation deren Mitglieder auch als Scheut-Missionare bekannt sind, ist seit 1888 im Kongo präsent. Anlässlich des Sonntags der Weltmission wurden in den Pfarreien der Scheut-Missionare in Kinshasa verschiedene Initiativen organisiert organisiert.

 

 

 

ASIEN/PHILIPPINEN - Bischöfe fordern Achtung der Menschenwürde in Gefängnissen

 

Manila (Fides) - "Die Regierung und die Gefängnisbeamten haben die Pflicht, Gefangene mit Würde zu behandeln", so Bischof Pablo Virgilio David von Kalookan. "Dabei geht es nicht um die Gewährleistung von Rechten sondern um Barmherzigkeit. Die Inhaftierten fordern keine Sonderbehandlung… sie wollen nur als Menschen behandelt werden", so der stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz der Philippinen.
Der Bischof stellt fest, dass viele Gefangene relativ kleine Straftaten begangen haben, oftmals infolge schwerer Armut und Verzweiflung, und „im Gefängnis aufgrund mangelnder Bildung, mangelnder rechtlicher Unterstützung und Armut sowie aufgrund eines unzureichenden Justizsystems im Gefängnis leiden“. Oft, beklagt der Bischof, "bleiben sie im Gefängnis, lange nachdem ihre Haftzeit abgelaufen ist", nur weil „ihre Gefängnis-Codenummer mit der einer anderen Person ausgetauscht wurde, um deren Haftzeit zu verkürzen".
Deshalb sei eine Reform des Justiz- und Strafrechtssystem dringend notwendig, „um sicherzustellen, dass es wie in den meisten Zivilgesellschaften auf Wiederherstellung von Gerechtigkeit basiert", so der Bischof.
Und er fügte hinzu, wenn Politiker in der Öffentlichkeit erklären, dass "Kriminelle nicht korrigiert werden können" und dass "Drogenabhängige keine Menschen sind" oder wenn die Regierung die Polizei zum Töten ermutigt, können man nicht erwarten „dass die Ordnungshüter die Menschenwürde respektieren". "Sie werden sich am Ende selbst wie Kriminelle verhalten. Sie werden straffrei bleiben. Sie werden keine Gewissensbisse haben, wenn es um willkürliche Hinrichtung von Gesetzesbrechern oder Misshandlung geht", so Bischof David. „Wenn Polizeibeamte, nicht für ihre Handlungen zur Verantwortung gezogen werden, werden sie ihre Macht missbrauchen", warnt er. "Sie werden sich gegenseitig schützen und die Untergebenen werden schweigen, auch wenn sie sich der Missbräuche ihrer Vorgesetzten bewusst sind“, fährt er fort.
Ein Problem für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, so der Bischof, entstehe, wenn "die Polizei ihre Rolle des Schutzes der Menschenrechte der Bürger nicht ausübt, die Menschenrechte nicht achtet und Menschenrechtsverteidiger als Feinde behandelt“.
Laut dem Bericht einer Regierungskommission verschlechtern sich die Bedingungen in den Gefängnissen: In ist die Zahl der Insassen durch den vom philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte ins Leben gerufenen "Anti-Drogen-Krieg" gestiegen. Wie die Kommission mitteilt, hat auch die Zahl der Häftlinge, die sich in den letzten drei Jahren aufgrund der schlechten hygienischen Verhältnisse und der Überbelegung Krankheiten zugezogen haben, zugenommen.
 

 

ASIEN/TÜRKEI- Erdogan grüßt Teilnehmer der interreligiösen Initiative der Solidarität mit den Soldaten der Operation in Nordsyrien

 

Mardin (Fides) - Hochrangige Vertreter der christlichen, jüdischen und muslimischen Gemeinden in der Türkei nahmen am Sonntag, dem 20. Oktober, an einer interreligiösen Initiative im syrisch-orthodoxen Kloster Deyrulzafaran in Tur Abdin teil. Das Treffen wurde als gemeinsamer Moment der Spiritualität und Reflexion konzipiert, wobei die Solidarität mit den Soldaten der Militäroperation der türkischen Armee in den Gebieten im Nordosten Syriens im Mittelpunkt stand. Regierungsnahe türkische Zeitungen und Medien widmeten der Initiative große Aufmerksamkeit. Die Anwesenden brachten die Verbundenheit mit den der Operation beteiligten Soldaten und syrischen Flüchtlingen zum Ausdruck, die während des Konflikts in die Türkei geflohen waren. Man hoffe, dass die Flüchtlinge aus Syrien nun „so schnell wie möglich“ in die Heimat zurückkehren könnten. In einer Grußbotschaft wandte sich auch der türkische Präsidenten Recep Tayyip Erdogan an die Anwesenden.
Ziel der Militäroffensive in Syrien ist es unter anderem, eine Pufferzone in Syrien zu schaffen, in der ein Teil der derzeit über drei Millionen in die Türkei ausgewanderten syrischen Flüchtlinge angesiedelt werden
An der Initiative nahmen unter anderem Korc Kasapoglu von Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel, der armenische apostolische Erzbischof Sahak Masalyan, der Sekretär des Oberrabbiners der jüdischen Gemeinde, Francois Yakan und der Mufti von Mardin Ismail Cicek zusammen mit Vertretern der syrischen, assyischen und chaldäischen christlichen Gemeinden teil. Die interreligiöse Zusammenkunft fand unter Leitung des syrisch-orthodoxen Metropoliten von Mardin und Diyarbakir, Philoxenus Saliba Ozmen, statt.
 

 

AMERIKA/BOLIVIEN - Neuauszählung der Stimmen: Bischöfe fordern Achtung des Volkswillens und internationale Beobachter

 

La Paz (Fides) – Mit den Worten aus dem ersten Brief an Timotheus (2,2) - " für alle, die in Hoheit sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit" - ruft die Bischofskonferenz von Bolivien zur Achtung des Willens auf des Volkes, der bei der Wahl am vergangenen Sonntag, dem 20. Oktober, zum Ausdruck gebracht wurde. Nach der Veröffentlichung der ersten inoffiziellen Wahlergebnisse sollte es zunächst am 15. Dezember zu einer Stichwahl zwischen Evo Morales und Carlos Mesa kommen. Doch das Wahlgericht unterbrach die Auszählung mit 83,76% der abgegebenen Stimmen und gab bekannt, dass Morales nach einer noch laufenden Nachzählung in der ersten Runde gewonnen habe. Dagegen protestierte die Bevölkerung auf den Straße, wobei sich vielerorts auch Polizeibeamten den Demonstranten anschließen.
Dazu äußerten sich nun auch die Bischöfe des Landes, die „Hinweise auf Betrug“ bemerken und das „Überschreiten der Grenzen der Legalität" beklagen. Zusammen mit der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) fordern die Bischöfe die Intervention internationale Beobachter aus Europa, da die neue Technik zur Auszählung der Stimmen von der Europäischen Union zur Verfügung gestellt worden war. "Wir fordern“, so die Bischöfe abschließend, „dass das Oberste Wahlgericht seine verfassungsmäßige Funktion im Dienste des Volkes, der Wahrheit und der Gerechtigkeit ausübt um weitere Gewaltausbrüche zu vermeiden".
 

 

OZEANIEN/AUSTRALIEN - Armutsbekämpfung: Aktion sollen das Bewusstsein für Armut schärfen

 

Sydney (Agenzia Fides) –- Die Aktion „Raise the Rate“ in deren Rahmen die Regierung zur Anhebung der Arbeitslosenunterstützung aufgefordert wird, stand im Mittelpunkt der „Woche der Armutsbekämpfung“, der sich verschiedene Organisationen der Zivilgesellschaft angeschlossen hatten, darunter auch die Caritas. Ziel war es das Bewusstsein für Armut in Australien zu schärfen.
"Wir glauben, dass es die richtige Einstellung im Kampf gegen die Armut ist, Bedürftige zu ermutigen und ihnen keine Vorwürfe zu machen. Mitarbeiter der ‚Vinzentiner‘ betreuen jedes Jahr über 1,8 Millionen Menschen, die in Armut leben: jeder achte Australier. Aus diesem Grund betrachten wir die Woche der Armutsbekämpfung als ein wichtiges Instrument bei der Aufklärung über das Phänomen der Marginalisierung und Armut in Australien ", heißt es in einer Mitteilung der Vinzentiner, die aktiv an der Durchführung der "Woche der Armutsbekämpfung" (13.-19. Oktober 2019) beteiligt.
Der gemeinnützige Verein brachte eine Reihe von Initiativen in ganz Australien auf den Weg. "Wir treffen täglich mit Menschen zusammen, die sich obschon sie Hilfe erhalten, in Schwierigkeiten befinden. Wir fordern unsere politischen Vertreter auf, die Arbeitslosenunterstützung zu erhöhen, um ein menschenwürdiges Leben und die Befriedigung der Grundbedürfnisse der Menschen zu gewährleisten, die auf diese Zuschüsse angewiesen sind ", heißt es in der Mitteilung von "Vinnies". "Unser soziales Sicherheitsnetz soll jeden Tag jedem ein Dach über dem Kopf und Essen auf dem Tisch garantieren. Bisher existierenden Formen der Unterstützung sind unzureichend: Bislang liegt der Satz bei rund 40 US-Dollar pro Tag, und viele Menschen müssen sich entscheiden, ob sie sie zum Einkaufen gehen können oder damit die Miete bezahlen", heißt es in der Verlautbarung.
Obschon Australien eines der reichsten Länder der Welt ist, leben dort 13,2% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, darunter 739.000 Kinder. In diesem Zusammenhang leistet die australische Kirche einen wichtigen Beitrag durch gemeinnützige Aktionen, die von der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der australischen Bischöfe, der nationalen Caritas und einem Netzwerk von Verbänden in den verschiedenen Städten des Landes unterstützt werden.
 

 

VATIKAN - Papst am Weltmissionssonntag: Die Kirche verkündet Christus nur dann, wenn sie als „Jüngerin“ lebt

Vatikanstadt (Fides) – Jeder Getaufte sei berufen „der Welt den Frieden zu bringen, der uns jedes Mal, wenn wir im Gebet Jesus begegnen, mit Freude erfüllt“ und „mit unserem Leben und auch in Worten zeigen, dass Gott jeden liebt und niemanden je aufgibt“. Eine Dynamik, die nicht als Ergebnis militanter Bemühungen, sondern als Nachhall von Unentgeltlichkeit und Ausdruck von Dankbarkeit in Gang gesetzt werde: "in Liebe die Liebe schenken, die wir empfangen haben", so Papst Franziskus in seiner Predigt bei der Heiligen Messe zum Weltmissionssonntag, am Sonntag, den 20. Oktober, im Petersdom. Am Sonntag der Weltmission findet jedes Jahr bei den Gottesdiensten in aller Welt auch die Kollekte statt, deren Erlös den Päpstlichen Missionswerken für die Unterstützung der Missionen zur Verfügung gestellt wird. Dieses Jahr ist er auch Höhepunkt des von Papst Franziskus ausgerufenen Außerordentlichen Monats der Weltmission “Oktober 2019”, mit dem die missionarische Berufung jedes Getauften der katholischen Kirche zur Sprache gebracht werden soll. Eine Berufung, die wir nicht erfüllen, indem wir erobern, Zwang ausüben, oder Proselyten machen” sondern indem wir „Zeugnis geben“.
Ausgehend von den Lesungen des Tages griff der Papst drei Worte auf: “Berg”, “hinaufsteigen” und “alle”, um das Wesen der missionarischen Berufung der Kirche zu umschreiben, die nichts mit politischen, kulturellen oder religiösen Ideologien zu tun hat. Papst Franziskus sprach über den “Berg” mit verschiedenen Zitaten aus dem Alten und Neuen Testament, “”der der Ort ist, an dem Gott die ganze Menschheit treffen möchte“. Es sei der Ort, so Papst Franziskus “Es ist der Ort der Begegnung mit uns. Das zeigt die Bibel vom Sinai über den Karmel bis hin zu Jesus, der die Seligpreisungen auf einem Berg verkündet, der auf dem Berg Tabor verklärt wird, sein Leben auf dem Kalvarienberg hingegeben hat und vom Ölberg aus zum Himmel aufgefahren ist“. Mit Bezug auf die verschiedenen Bibelstellen, wollte der Bischof von Rom, verdeutlichen, dass der missionarischen Berufung die Begegnung mit dem Herrn vorausgeht, und der Papst betont: „Gott, dem Allerhöchsten, nähern wir uns im Schweigen und im Gebet und entfliehen damit dem Smog von Klatsch und Tratsch“.
Die Mission, so der Papst weiter, „beginnt auf dem Berg“. Dies setze eine ständige Bewegung voraus beim „hinauf- und hinabsteigen“. „Wir sind geboren“, so der Papst, „um die Höhen zu erreichen, um Gott und unseren Brüdern und Schwestern zu begegnen“. Und um „hinaufzusteigen müssen wir gegen die Schwerkraft des Egoismus kämpfen, einen Exodus aus unserem eigenen Selbst vollziehen.“ Das Geheimnis der Mission, so der Petrusnachfolger weiter, bestehe darin abzulegen „was nicht gebraucht wird“, da „das Erklimmen eines Berges nicht möglich ist, wenn man mit Dingen belastet ist“. Das gelte auch für die Mission, „um aufzubrechen muss man loslassen, um zu verkündigen muss man verzichten“, und vor allem müsse man auf Dinge verzichten „die das Herz klein, gleichgültig und in sich verschlossen machen“. Und nur so könne man den Auftrag Jesu erfüllen, der der will, das Evangelium „allen Völkern“ verkündet wird. Dies wiederhole der Herr beharrlich, so der Papst, weil „er weiß, dass wir eigensinnig bei ‚mein‘ und ‚unser‘ bleiben: meine Sachen, unser Volk, unsere Gemeinschaft… und er wird nie müde immer wieder ‚alle‘ zu sagen. Alle, weil niemand von seinem Herzen, von seinem Heil ausgeschlossen ist; alle damit unser Herz die menschlichen Zollschranken übersteigt, die Kleinlichkeiten, die auf Egoismus basieren, der Gott nicht gefällt.“
Aus diesem Grund, so der Bischof von Rom, habe der Zeuge Jesu “keinen Anspruch auf die Anerkennung der anderen, doch er schuldet denen Lieben, die den Herrn nicht kennen … und geht allen entgegen, nicht nur den Seinen, nicht nur innerhalb seines Grüppchens”. Der Herr gebe für das Zugehen auf die anderen nur eine einzige, sehr einfache Anweisung, so Papst Franziskus, „Macht sie zu meinen Jüngern“. Doch die Jünger, die Jesus im Evangelium meine, so der Papst weiter, “sind seine Jünger, nicht unsere“. Und auch “die Kirche verkündet nur dann in guter Weise das Evangelium, wenn sie als Jüngerin lebt“, d. h., „nicht indem man erobert, Zwang ausübt, Proselyten macht, sondern Zeugnis gibt“. Der Herr, so Papst Franziskus abschließend, “sorgt sich um diejenigen, die noch nicht wissen, dass sie vom Vater geliebte Kinder sind, Brüder und Schwestern, für die er sein Leben hingegeben hat und denen er den Heiligen Geist gesandt hat”. Und ein neuer missionarisches Engagement sei erforderlich, um “diese Sorge Jesu zu beruhigen”.
Im Anschluss an den Gottesdienst erinnerte der Papst auch beim Angelusgebet an den Weltmissionssonntag, den er als „günstige Gelegenheit für jeden Getauften“ bezeichnete, „sich der Notwendigkeit bewusst zu werden, bei der Verkündigung des Wortes und der Verkündigung des Reiches Gottes mit neuem Engagement zusammenzuarbeiten“. Der Papst Erinnerte auch an das vor hundert Jahren promulgierte Apostolische Schreiben „Maximum illud“ von Papst Benedikt XV., „um der missionarischen Verantwortung der ganzen Kirche neuen Schwung zu geben“ und die Verkündigung des Evangeliums „von jeglicher Form von kolonialer Verkrustung“ zu reinigen „und frei von den Bedingtheiten der expansionistischen Politik der europäischen Nationen“ zu machen. Die Botschaft Benedikts XV. sei „immer noch aktuell“ und rege dazu an, „die Versuchung aller selbstbezüglichen Abschottung und jeglicher Form von pastoralem Pessimismus zu überwinden“. In dieser unserer Zeit, „die von einer Globalisierung geprägt ist, die sich mit den Besonderheiten der Völker solidarisieren und sie respektieren sollte und stattdessen immer noch unter der Homologisierung und den alten Machtkämpfen leidet, die Kriege schüren und den Planeten ruinieren“, so der Papst abschließend, seien die Gläubigen aufgerufen, „mit neuem Elan überall die frohe Botschaft hinzubringen“, dass in Christus „jede Spaltung überwunden“ ist, denn „in ihm allein liegt das Heil jedes Menschen und jedes Volkes“. Schließlich erinnerte der Papst an das Gebet als unabdingbare Voraussetzung für die Mission und die „erste Unterstützung des Volkes Gottes für die Missionare“.


Dramatischer Appell: Nahost-Chef der SOS-Kinderdörfer warnt vor Katastrophe für syrische Kinder

 

(München/sos) - Nachdem die Kämpfe im Nordosten von Syrien eskaliert sind, hat sich Elhadi Abdalla, Leiter der Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer im Nahen Osten, mit einem dramatischen Appell an die Konfliktparteien gewandt: "200.000 Menschen befinden sich in Folge der Kämpfe auf der Flucht, darunter mindestens 70.000 Kinder. Sie werden beschossen, sind sexueller Gewalt, Hunger, Durst und Krankheiten schutzlos ausgeliefert. Wir fordern alle Konfliktparteien dazu auf, Kinder gemäß ihrer Rechte zu schützen, jegliches militärische Vorgehen gegen Infrastruktureinrichtungen und Zivilisten einzustellen und die  sichere Lieferung von Hilfsgütern in die Region zu garantieren." Alle Protagonisten seien dazu aufgefordert, eine Lösung zu erarbeiten, um die Gewalt umgehend zu beenden und sicherzustellen, dass alle Kinder in Syrien Hilfe erhalten. Andernfalls drohe eine humanitäre Katastrophe beispiellosen Ausmaßes.

 


Diakonie Katastrophenhilfe ruft zu Spenden auf

Nordsyrien: Gewalt verschärft Not der Menschen

 

Syrien * Spenden * Nothilfe * Flüchtlinge

 

(Berlin/dw) -Angesichts der sich ausweitenden Gewalt in Nordsyrien ruft die Diakonie Katastrophenhilfe zu Spenden für die dringend benötigte Nothilfe auf. „Seit fast neun Jahren wird Syriens Bevölkerung vom Krieg gegeißelt. Die Gewalt zieht immer weitere Spiralen. Internationale Akteure nutzen die politisch scheinbar nicht mehr steuerbare Lage, um ihre eigenen politischen und geostrategischen Ziele mit militärischer Gewalt zu verfolgen“, sagt Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe.

 

„Keiner der beteiligten Akteure scheint dabei Rücksicht auf eine erschöpfte, traumatisierte und durch den Krieg bitterarm gemachte Zivilbevölkerung zu nehmen. Ebenso wenig halten sie sich an internationales humanitäres Völkerrecht. Die Kampfhandlungen in Nordsyrien verursachen zusätzliches Leid, Tod, Vertreibung und Flucht“, sagt Füllkrug-Weitzel. „Wir haben erfahrene Partnerorganisationen in der Region und wollen gemeinsam mit ihnen unsere Nothilfemaßnahmen ausweiten und die betroffenen Menschen unterstützen. Dafür sind wir dringend auf Spenden angewiesen.“

 

Laut Vereinten Nationen wurden seit Beginn der aktuellen Kampfhandlungen bereits 200.000 Menschen vertrieben. In den Konfliktgebieten sind etwa 400.000 Menschen auf Hilfe angewiesen. Viele Menschen, die vor der aktuellen Gewalt fliehen, sind in den vergangenen Jahren schon mindestens einmal vertrieben worden. „Wir befürchten, dass sich die Zahl der Menschen, die ins Landesinnere Syriens fliehen, in den kommenden Tagen weiter erhöht“, sagt Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe. Falls die Menschen in den kommenden Wochen Richtung Nordirak fliehen, wird die Diakonie Katastrophenhilfe mit lokalen Partnern auch dort die Menschen unterstützen.

 

Die Diakonie Katastrophenhilfe bittet um Spenden

 

Diakonie Katastrophenhilfe, Berlin,

Evangelische Bank,

IBAN: DE68 5206 0410 0000 5025 02

BIC: GENODEF1EK1

Stichwort: Humanitäre Hilfe Syrien/Irak

Online unter: www.diakonie-katastrophenhilfe.de/spenden/

 

 

Caritas international, Freiburg,

Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe,

IBAN: DE88 6602 0500 0202 0202 02

BIC: BFSWDE33KRL

Stichwort: Nothilfe Syrien

Online unter: www.caritas-international.de


Brot für die Welt und FIAN legen Bericht zum Recht auf Nahrung vor

Diskriminierung von Frauen bremst Überwindung des Hungers

 

Recht auf Nahrung * Jahrbuch * Welternährungstag * Hunger

 

(Berlin/Köln/bfw) - Die Zahl der Menschen, die unter Hunger und „mittlerer oder schwerer Ernährungsunsicherheit“ leiden, ist zwischen 2014 und 2018 um 300 Millionen auf über zwei Milliarden angestiegen. Weltweit lebt nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO beinahe jeder vierte Mensch in der Ungewissheit, ob es am nächsten Tag ausreichend und qualitativ gute Nahrung gibt. Frauen und Mädchen sind stärker betroffen als Männer. Verantwortlich dafür sind vor allem ihre fehlende rechtliche Gleichstellung und Diskriminierung beim Zugang zu Land, heißt es in der neuen Ausgabe des Jahrbuchs zum Recht auf Nahrung. Das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt und die Menschenrechtsorganisation FIAN sind Mitherausgeber des Jahrbuchs, das zum Welternährungstag (16. Oktober) veröffentlicht wird. 

 

Frauen kommt eine Schlüsselrolle bei der Überwindung von Hunger und Ernährungssicherheit zu, denn sie übernehmen beim Anbau, der Ernte und der Zubereitung von Nahrungsmitteln zentrale Aufgaben. Trotzdem sind immer noch die Mehrheit der Menschen, die Hunger leiden, Frauen und Mädchen. Bernhard Walter, Ernährungsexperte von Brot für die Welt, sagt: „Wegen mangelnder politischer Teilhabe, fehlender rechtlicher Gleichstellung und Diskriminierung beim Zugang zu Land und anderen Ressourcen sind Frauen viel stärker von Ernährungsunsicherheit betroffen als Männer. Doch Frauen organisieren sich in vielen Ländern gegen alle Widerstände.“

 

Philipp Mimkes, Geschäftsführer von FIAN Deutschland ergänzt: „Frauen werden in vielen Ländern in Bezug auf Bildung, Landrechte, Einkommen oder politische Teilhabe diskriminiert. Ihre tragende Rolle in den Ernährungssystemen bleibt in der Regel im Hintergrund. Zudem sind Frauen oftmals systemischer Gewalt ausgesetzt – insbesondere wenn sie Unternehmensinteressen oder autoritären Regierungen in die Quere kommen. Die Fallbeispiele im neuen Jahrbuch zeigen jedoch eindrücklich die politische Handlungsfähigkeit von Frauen – selbst gegenüber repressiven oder neoliberalen Regierungen.“

 

Das Recht auf Nahrung ist als Menschenrecht verankert in Artikel 11 des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, dem UN-Sozialpakt. Es ist eines der am häufigsten verletzten Menschenrechte. In den Nachhaltigen Entwicklungszielen haben sich die Vereinten Nationen verpflichtet, bis 2030 das Recht auf Nahrung für alle Menschen zu verwirklichen.

 

Das diesjährige Jahrbuch zum Recht auf Nahrung – der Right to Food and Nutrition Watch –  erscheint in englischer, spanischer, französischer und portugiesischer Sprache und wird am 16. Oktober im UN-Committee on World Food Security (CFS) in Rom vorgestellt. Die Autorinnen und Autoren sind Teil des Global Network for the Right to Food and Nutrition.


Thanda Safari freut sich über Unterstützung für sein Nashorn-Artenschutzprogramm

Die fliegende Zulu Prinzessin

(KwaZulu Natal/München/pm) - Um mehr Aufmerksamkeit auf den Schutz gefährdeter Nashörner in ihrem Heimatland Südafrika zu lenken, greift Thanda Safari Botschafterin Prinzessin Nandi Zulu, Tochter von Seiner Majestät König Zwelithini kaBhekuzulu, zu außergewöhnlichen Mitteln. Ende August sprang sie, zusammen mit Truman Ndlovu, Reservatsmanager von Thanda Safari und Leiter der Anti-Wilderei-Einheit, mit einem Fallschirm aus einem Kleinflugzeug in 10.000 Fuß (3.048 Meter) Höhe. Damit wollte sie ein Zeichen gegen Nashornwilderei setzen und gleichzeitig Spenden für das Artenschutzprogramm Project Rhino KZN sammeln.

 

Prinzessin Nandi ist das erste Mitglied der königlichen Zulu Familie, das zugunsten des Nashornschutzes einen Fallschirmsprung wagte, um das Artenschutzprogramm Project Rhine KZN zu unterstützen. Project Rhino KZN, welches von der Thanda Group mitgegründet wurde, fördert die intensive Zusammenarbeit zwischen führenden Naturschutzbehörden von KwaZulu Natal, lokalen Wildreservaten und Regierungsbehörden, sowie privaten Wildreservaten und Anti-Wilderei-Sicherheitsspezialisten. Ziel des Programms ist es, einen geschützten Lebensraum für das Spitzmaulnashorn in KwaZulu Natal zu schaffen, in dem die Tiere keine Gefahr laufen, Wilderern zum Opfer zu fallen.

 

 

Thanda Safari: Luxus- und Schutzreservat in Einem

 

Thanda Safari ist ein Safari-Reservat im südafrikanischen KwaZulu Nationalpark, das Gästen mit seiner Thanda Safari Lodge, dem Thanda Tented Camp oder der exklusiven Privatunterkunft Villa iZulu unvergessliche Safari-Erlebnisse bietet. Zur Philosophie des preisgekrönten Big-Five-Wildreservats gehört die besonders enge Bindung zum einheimischen Volk der Zulu sowie der Einsatz für den Erhalt ihrer Kultur. Ein Teil des Reservats (das Mduna Royal Reserve) gehört dem Zulu König Zwelithini Goodwill kaBhekuzulu. Thanda Safari bietet Gästen außerdem die einmalige Gelegenheit, das Nashorn-Monitoring-Team bei ihrer täglichen Arbeit zu begleiten. Reisende erhalten einen halben Tag Einblick in die Tätigkeiten der Tierschützer, die sich dem Erhalt dieser großartigen Spezies und ihrem Schutz vor Wilderern verschrieben haben.

 
Schutz weißer und schwarzer Nashörner 

Ein wichtiger Aspekt der Mission von Thanda Safari und dessen Nashorn Monitoring Team ist es, die Bestände des weißen und schwarzen Nashorns zu dokumentieren und die relevanten Daten täglich auszuwerten. Die Mitglieder dieses Teams sind aber nicht nur Artenschützer, sondern tragen maßgeblich zur ökologischen Bilanz von Thanda Safari bei. Auch Gäste können sich aktiv beteiligen, indem sie beispielsweise an abenteuerlichen Rhino Trackings teilnehmen. Individuell abgestimmte Touren ermöglichen es Gästen, unvergessliche Momente in der Wildnis zu erleben und darüber hinaus etwas über den Artenschutz der Nashörner zu lernen. 

 

Einnahmen ausschließlich für Artenerhalt

 

Die Kosten für eine drei- bis vierstündige Nashorn-Spurensuche belaufen sich auf R1500 (ca. €114) pro Person. Diese „not-for-profit“-Gebühr wird zur Kostendeckung aufgeteilt und fließt direkt in den Artenerhalt der Nashörner zurück. Während für die Verpflegung, ein geeignetes Fahrzeug sowie für den Lohn des Guides 500R (ca. €38) aufgewendet werden, teilen sich die verbleibenden R1000 (ca. €76) u.a. auf die Kosten für Tierärzte, Kameras, Anti-Wilderei-Einheit und Gehälter auf.

 


Internationaler Workshop zu Perspektiven der Chinawissenschaften in Siegburg

China liegt im Auge des Betrachters

 

 

(Sankt Augustin/pm) - Vom 21.–22. Oktober 2019 laden das Steyler Institut Monumenta Serica (Sankt Augustin) und das Monumenta Serica Sinological Research Center (Taipei, Taiwan) eine Gruppe internationaler Fachleute zu dem Workshop „Sinology – Chinese/China Studies – Guoxue: Their Interrelation, Methodologies, and Impact“ in das Katholisch-Soziale Institut auf dem Michaelsberg in Siegburg ein.

 

Im Laufe ihrer Geschichte haben die Chinawissenschaften die Herangehensweise an ihr Fachgebiet beständig reflektiert und weiterentwickelt. Ein Gespräch über diese methodischen Herangehensweisen ist jedoch weniger abstrakt, als es zunächst den Anschein hat. Die Frage „Wie schauen wir auf China?“ liefert den Anstoß, jene großen Trends zu diskutieren, die Chinawissenschaftler in den letzten beiden Jahrzehnten zunehmend herausfordern: Zum einen der offensichtliche Bedeutungs- und Machtzuwachs der VR China in der Weltwirtschaft und den internationalen Beziehungen, zum anderen das wachsende Bewusstsein für die kulturelle Vielfalt innerhalb des chinesischsprachigen Raums, auch sinophone Welt genannt.

 

Heute sind die Chinawissenschaften vor allem durch drei Perspektiven geprägt: Die westliche, philologisch ausgerichtete Sinologie, die seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts über Texte, zum Beispiel literarische Werke, ihren wissenschaftlichen Zugang zu China findet, die im Westen nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Chinese/China studies mit ihrem Fokus auf die Interdisziplinarität im Bereich der Kulturwissenschaften, sowie die in China selbst seit dem 19. Jahrhundert entwickelten „Nationalen Studien“ (chinesisch guoxue), das heißt die Neubewertung und Wiederaneignung des kulturellen Erbes im chinesischen Sprachraum. Diese Herangehensweisen waren und sind stets begleitet von intensiven Auseinandersetzungen über das Selbstbild der China-Wissenschaften als akademische Disziplin, ihre Aufgaben, ihre innere und äußere Motivation, ihre Zielsetzungen und ihren gesellschaftlichen Einfluss.

 

Das Institut Monumenta Serica und das Monumenta Serica Sinological Research Institute bieten mit diesem Workshop fünfzehn Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der VR China, Taiwan, Hongkong, Deutschland, Indien und den USA ein Forum, um ihre spezifischen Perspektiven der Sinologie, der China/Chinese studies und der guoxue zu präsentieren. Die Veranstalter haben bewusst einen kleinen Teilnehmerkreis gewählt, um eine offene und intensive Debatte über den Status quo und die künftigen Wege der China-Wissenschaften zu ermöglichen. Der Workshop will so einen frischen Impuls zu der Positionsbestimmung der akademischen Beschäftigung mit China geben.

 

Text: Dirk Kuhlmann, Barbara Hoster (Institut Monumenta Serica)

 


Türkische Militär-Intervention in Syrien:

Kein Geld für Erdogans Krieg – Keine Verherrlichung von Verbrechen in DITIB-Moscheen

 

  • GfbV fordert, Zahlungen der EU an die Türkei einzustellen
  • Man dürfe nicht aus Angst vor Flüchtlingen Verbrechen gegen die Menschlichkeit fördern
  • Zudem wollen DITIB-Moscheen am Freitag für den Erfolg von Erdogans Krieg beten

 

(Göttingen/gfbv) - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) fordert, sämtliche Zahlungen Deutschlands und der Europäischen Union an die Türkei unverzüglich einzustellen, bis die türkische Militärintervention in Nordsyrien gestoppt wird. Insbesondere dürfe Europa die Einrichtung der umstrittenen Schutzzone weder direkt noch indirekt unterstützen. „Europa darf keinesfalls aus Angst vor Flüchtlingen Verbrechen gegen die Menschlichkeit fördern“, erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius am Donnerstag in Göttingen. Ziel der sogenannten Schutzzone sei ein völkerrechtswidriger Bevölkerungsaustausch.

 

Die bisherigen Proteste der EU gegen die türkische Militäroffensive seien halbherzig und wenig überzeugend, kritisierte die GfbV. So sei es anmaßend und realitätsfremd, wenn die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini Kurden und die türkische Regierung gleichermaßen zur Mäßigung auffordere, anstatt den Aggressor zu benennen und in die Pflicht zu nehmen. Einfache Appelle zur Mäßigung könnten den Schutz der Zivilbevölkerung vor neuer Gewalt nicht gewährleisten.

 

Das türkische Religionsministerium hat zudem angekündigt, am morgigen Freitag solle in allen Moscheen der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) in Deutschland für eine schnelle und erfolgreiche Besetzung Nordostsyriens gebetet werden. Dies müsse die Bundesregierung scharf verurteilen: „Schwere Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen an der Zivilbevölkerung dürfen in Deutschland nicht schöngeredet oder verherrlicht werden“, so Delius. „Erst recht nicht schon wieder in DITIB-Moscheen, in denen bereits die völkerrechtswidrige Invasion des syrischen Afrin im Januar 2018 verherrlicht wurde.“ Die DITIB steht wegen ihrer Nähe zum türkischen Religionsministerium und dem Machtapparat Erdogans seit Jahren in Deutschland in der Kritik. 

 


Kolumbien letzte Zuflucht für Venezuela-Flüchtlinge

Flüchtlings-Kinder extrem gefährdet

 

Immer mehr Venezolaner, die wegen der katastrophalen Verhältnissen in ihrem Heimatland flüchten, stranden nach Auskunft der SOS-Kinderdörfer weltweit in Kolumbien. "Wir gehen davon aus, dass die Zahlen weiter in die Höhe gehen werden. Dies ist eine der größten Migrationsbewegungen, die es je in der Region gab", sagt Lara Prölß, Lateinamerikaexpertin der Hilfsorganisation, in München. Foto: "obs/SOS-Kinderdörfer weltweit"

 

(München/sos) - Die politische und wirtschaftliche Krise in Venezuela wird nach Angaben der SOS-Kinderdörfer zunehmend auch zur großen humanitären Herausforderung für Kolumbien. Bereits jetzt haben 1,9 Millionen Venezolaner in Kolumbien Zuflucht gesucht. "Wir gehen davon aus, dass die Zahlen weiter in die Höhe gehen werden. Dies ist eine der größten Migrationsbewegungen, die es je in der Region gab", sagt Lara Prölß, Lateinamerikaexpertin der Hilfsorganisation, in München.

 

In Venezuela verschlechtert sich die Lage nach Angaben der Organisation zunehmend, die Menschen hungern, die Versorgung ist zusammengebrochen. "In ihrer Verzweiflung machen sich die Menschen zuFuß auf den Weg, ganze Familien mit kleinen Kindern laufen Tausende von Kilometern unter extremen klimatischen Bedingungen", sagt Prölß. Es sei damit zu rechnen, dass die Zahl der Flüchtlinge bis zum Jahresende auf 5 Millionen steigen werde. Während aber Kolumbien seine Grenzen weiter offenhalte, hätten die anderen angrenzenden Staaten Peru, Chile und Ecuador die Einreise durch bürokratische Hürden praktisch unmöglich gemacht. "Immer mehr Venezolaner stranden deshalb in Kolumbien", erklärt Prölß.

 

Immer mehr Flüchtlinge würden auch auf riskante Routen ausweichen, etwa durch den Amazonas oder per Boot über das Meer, in der Hoffnung, eine der Karibikinseln zu erreichen. "Etliche Menschen sind bereits ertrunken, auch Kinder", so Prölß. Zusätzliche Bedrohung gehe von kolumbianischen Guerilla-Truppen aus, von denen einige den Friedensvertrag aktuell aufgekündigt hätten. "Die Banden sind bereits dabei, Kinder für den Drogenhandel, zum Kokapflücken oder zur Prostitution zu rekrutieren. Unbegleitete Kinder sind besonders gefährdet."

 

Die SOS-Kinderdörfer unterstützen Venezuela-Flüchtlinge in Kolumbien mit einer Reihe von Maßnahmen.

 


Finanzielle Bildung auf den Philippinen - Mehr Chancen bei Arbeitssuche

 

Mit einem Ausbildungsprogramm und Sparmäusen hilft die Hösbacher Global Micro Initiative e.V. (GMI) Menschen auf den Philippinen, sich einen Weg aus der Armut zu erarbeiten. Teilnehmer des neu entwickelten Förderprogramms haben höhere Chancen schnell einen Arbeitsplatz zu finden.

 

 

(Hösbach/Olongapo/gmi) - Gemeinsam mit der Partnerorganisation Project Life Subic entwickelte GMI-Gründer Tobias Schüßler ein Programm, das den Teilnehmern nicht nur berufliche Grundlagen vermittelt. Es hilft ihnen auch, den finanziellen Aufwand ihrer späteren Bewerbung um einen Arbeitsplatz zu decken. Sie können sich nach ihrer Ausbildung schneller um eine Arbeitsstelle bewerben und haben so eine größere Chance auf ein Leben außerhalb der Armut.

 

40 Cent pro Ausbildungstag für ein besseres Leben 

Zu Anfang der 10-wöchigen Ausbildung zur industriellen Näherin erhalten alle Teilnehmerinnen eine Sparmaus, in die sie an jedem Unterrichtstag umgerechnet etwa jeweils 40 Cent einwerfen können. Die Teilnahme ist freiwillig. Die Teilnehmer können jederzeit ihr Geld zurückerhalten. Jeder Teilnehmende kann so bis zu 12 € ansparen - für deutsche Verhältnisse nicht viel, für die Lebensumstände der Teilnehmer aber ein hoher Betrag. Zusätzlich gibt es Informationen, warum Geld sparen wichtig ist und wie das auch nach dem Kurs erreicht werden kann.  Die Sparmaus wird im Tresor aufbewahrt. Nach Abschluss der Ausbildung erhalten die Teilnehmenden das Geld und können es für die Jobsuche verwenden. 

 

Wie hilft das bei der Jobsuche? 

“Für eine Bewerbung um einen der begehrten Arbeitsplätze in der Subic Bay Freeport Zone, müssen die Kandidaten Kopien von Ausweis und Geburtsurkunde zur Verhinderung von Kinderarbeit einreichen und Gesundheitsbescheinigungen - das kostet Zeit und Geld”, erklärt Leslie Nabong, Projektleiterin von Project Life Subic. “Oft brauchen die Bewerber lange, um für die nötigen Gebühren zu sparen. Mit der Sparmaus erhöhen wir die Jobchancen der Teilnehmer, da sie die benötigten Dokumente schneller bekommen. Je weniger Zeit zwischen Ausbildungsende und Bewerbung liegt, desto höher sind die Chancen auf eine schnelle Anstellung!”

 

Sparen in den Armenvierteln 

Anders als in Deutschland ist Geld sparen für die Bewohner der Armenviertel ein schwer erreichbares Luxusgut. Kaum jemand besitzt ein Bankkonto, nur wenige haben Zuhause einen Notgroschen. Das wenige Einkommen wird in der Regel sofort für Lebensmittel und täglichen Bedarf ausgegeben. Mit dem Sparprogramm lernen sie, regelmäßig einen kleinen Betrag, auf den sie verzichten können, beiseite zu legen, um ihn später sinnvoll einsetzen zu können. Schüßler hat die Teilnehmer auf den Philippinen besucht und ist begeistert von den Ergebnissen: „Die Teilnahme am Programm ist freiwillig. Trotzdem machen inzwischen alle Auszubildenden mit und sparen für eine Zukunft außerhalb der Armut.  Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation setzen wir diese neue Initiative auf jeden Fall fort!“

 


Zum "Weltverhütungstag" am 26. September

Hohe Geburtenrate verschärft die wirtschaftliche Not in Afrika

(München/sos) - In Afrika können Millionen Frauen ihr Recht auf Verhütung nicht wahrnehmen. Zudem werden viele junge Frauen nicht ausreichend aufgeklärt. Darauf weisen die SOS-Kinderdörfer zum Weltverhütungstag (26. September) hin.

 

"Fehlende Verhütung und Aufklärung sind zwei der wichtigsten Faktoren des starken Bevölkerungszuwachses in Afrika", sagt Olive Lumonya, Leiterin der SOS-Kinderdörfer in Uganda. In Afrika werden im Jahr 2050 nach Angaben des UN-Bevölkerungsfonds rund 2,5 Milliarden Menschen leben - doppelt so viele wie heute.

 

"Verhütung ist ein echter Wirtschaftsfaktor", erklärt Lumonya. In vielen Ländern in Afrika gebe es seit Jahren einen ermutigenden Wirtschaftsaufschwung. Dieser werde aber oft durch die hohen Geburtenraten zunichtegemacht. Und so könnten selbst die Länder mit Aufschwung viele Kindern nicht ernähren, ausbilden und ihnen eine Zukunft bieten. "So wachsen Armut und Unzufriedenheit in diesen Ländern."

 

Schon jetzt sei diese Auswirkung klar zu erkennen, sagt Lumonya: "Schulen sind überfüllt, viele Jugendliche arbeitslos und auch in unseren Kinderdörfern werden immer mehr Kinder abgegeben - wenn wir sie nicht aufnehmen können, werden sie zu Straßenkindern." Die geburtenreichsten Länder sind Niger, Somalia, die Demokratische Republik Kongo, Mali, Tschad, Burundi, Angola, Uganda und Nigeria. Eine Frau bekommt hier durchschnittlich fünf bis sieben Kinder.


Katastrophale Menschenrechtslage in Burundi: Streit zwischen Regierung und Katholischer Kirche eskaliert

 

  • GfbV nimmt Burundis Bischöfe vor Kritik ihrer Regierung in Schutz 
  • Diese hätten lediglich ihre Stimme für die Entrechteten erhoben
  • Die Bischöfe hatten willkürliche Verhaftungen und politische Morde angeprangert

 

(Göttingen/gfbv) - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat Burundis katholische Bischöfe vor massiver Kritik ihrer Regierung in Schutz genommen: „Dass Burundis Regierung den katholischen Bischöfen des Landes vorwirft, zum Hass aufzurufen, ist haltlos und anmaßend. Die Bischöfe haben ihre Stimme für die Entrechteten erhoben und die katastrophale Menschenrechtslage angeprangert“, erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius am Montag in Göttingen. 

 

Am Wochenende war der Streit eskaliert, nachdem der Inhalt eines am Sonntag verlesenen Gemeindebriefes bekannt geworden war. Darin prangerten die Bischöfe willkürliche Verhaftungen und politisch motivierte Morde an. Nachdrücklich warnten sie vor Intoleranz und der gewaltsamen Ausschaltung politischer Gegner. Auch kritisierten sie die herrschende Straflosigkeit bei Verbrechen an Regierungskritikern. Willy Nyamitwe, der Sprecher des Staatspräsidenten, hatte den Bischöfen daraufhin vorgeworfen, „Hass“ gegen die Regierungspartei und ihre Anhänger zu verbreiten.  

 

„Mit ihrem mutigen Schritt in die Öffentlichkeit haben die Bischöfe die von den Vereinten Nationen und Menschenrechtsorganisationen im In- und Ausland geäußerte Kritik zu einem landesweiten Thema gemacht“, sagte Delius. Damit hätten sie einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit geleistet. Wer zum Terror der Regierungspartei CNDD-FDD und ihrer Jugendorganisation Imbonerakure schweige, ermögliche weitere Verbrechen und werde so zum Mittäter, warnte die GfbV.

 

Die Vereinten Nationen und Menschenrechtsorganisationen beklagen in Burundi seit Jahren ein Klima der Gewalt und Straflosigkeit. Eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen kam im September 2019 ebenfalls zu diesem Schluss. Sexualisierte Gewalt werde als Waffe gegen Regierungskritikerinnen eingesetzt. Willkürliche Verhaftungen, Folter und Mord würden gezielt genutzt, um Kritik verstummen zu lassen. Man müsse von Verbrechen gegen die Menschlichkeit sprechen, erklärten die UN-Menschenrechtsexperten. 

 

Allein seit Januar 2019 wurden in Burundi mehr als 260 Menschen aus politischen Gründen ermordet. Mehr als 120 Leichname dieser Opfer wurden in Straßengräben gefunden, meist nach nächtlichem Terror der Imbonerakure. Mehr als 570 Menschen wurden in diesem Jahr willkürlich festgenommen. Fast 200 Personen beklagten, dass sie nach ihrer Festnahme gefoltert wurden. Von 34 Verschleppten fehlte jede Spur.  

 


Amazonasbischof Erwin Kräutler im Adveniat-Magazin „Blickpunkt Lateinamerika“

„Die Synode für Amazonien muss Frauen zur Diakonatsweihe zulassen“

Erwin Kräutler war von 1981 bis 2015 Bischof der Prälatur Xingu. Foto: Adveniat/Bastian Bernhardt
Erwin Kräutler war von 1981 bis 2015 Bischof der Prälatur Xingu. Foto: Adveniat/Bastian Bernhardt

 

(Essen/adveniat) - „Die Synode für Amazonien muss nicht nur die pastorale Arbeit der Frauen würdigen, sondern Frauen zur Diakonatsweihe zulassen.“ Unmissverständlich fordert Amazonasbischof Erwin Kräutler im Interview mit dem Adveniat-Magazin „Blickpunkt Lateinamerika“ eine grundlegende Veränderung in der Kirche. „Frauen spielen eine untergeordnete Rolle, obwohl die allermeisten Basisgemeinden in Amazonien von Frauen geleitet werden“, ärgert sich der aus Österreich stammende Kräutler, der von 1981 bis 2015 Bischof der Prälatur Xingu war und bis heute dort lebt. Es genüge nicht länger, nur die „Wichtigkeit ihres Dienstes in der Kirche“ zu betonen. Denn Frauen „stehen dem Sonntagskult vor, legen Lesungen und das Evangelium aus, bereiten als Katechetinnen ihre Gemeindemitglieder auf Taufe, Erstkommunion, Firmung und Hochzeit vor. Und kommt ein Priester, sind sie es, die die Eucharistiefeiern vorbereiten.“ So wie Frauen in Politik und im öffentlichen Leben als Ministerinnen oder Präsidentinnen Verantwortung übernehmen, müsse auch die Kirche sich der Emanzipation öffnen. „Wir hinken mindestens hundert Jahre hinter dem Emanzipationswillen der Frauen her“, so Kräutler im Interview mit dem Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat.

 

Von der am 6. Oktober in Rom beginnenden Amazonien-Synode erwartet sich Bischof Kräutler auch, „dass die vielen eucharistielosen Gemeinden nicht länger von der Eucharistie ausgeschlossen bleiben“. Es sei ein „kircheninternes Ärgernis“, dass 90 Prozent der ländlichen Gemeinden im Amazonasgebiet nur ein, zwei, drei oder vier Mal im Jahr Eucharistie feiern könnten. „Und es verstößt gegen den ausdrücklichen Willen des Herrn: ‚Tut dies zu meinem Gedächtnis!‘ Wenn wir weiterhin von der Eucharistiefeier als ‚Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens‘ predigen, dann darf der Zugang zum Weihepriestertum nicht länger auf zölibatäre Männer beschränkt bleiben“, betont Bischof Kräutler.

 

Jahrzehntelang hat sich „Dom Erwin“, wie ihn die Menschen vor Ort nennen, gegen den Bau des Staudamms am Rio Xingú gewehrt. Trotzdem steht das Bauwerk heute und produziert aufgrund anhaltender Trockenheit weniger Energie als geplant. Ist er gescheitert? „Der Tod Jesu am Kreuz ist auf den ersten Blick ein Beleg für den totalen Misserfolg. Und dennoch ging vom Kreuz die größte Revolution aller Zeiten aus. Ich lebe nach wie vor am Xingú an der Seite der Menschen und denke nicht daran, das Handtuch zu werfen“, gibt sich Bischof Kräutler weiterhin kämpferisch.

 

Angesichts der Anfeindungen des rechtsextremen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro gegen die indigenen Völker ruft Kräutler zum Widerstand auf: „Bolsonaro will die Rechte der indigenen Völker beschneiden und Amazonien den multinationalen Konzernen für eine weitere Zerstörungswelle überlassen. Seine anti-indigene Einstellung ist allerdings verfassungswidrig. Wir werden mit allen Mitteln für das Amazonasgebiet und die Rechte der Indigenen eintreten. Dabei zählen wir auf internationale Unterstützung, wie sie etwa der Vatikan mit der Amazonassynode bietet“, so Amazonasbischof Kräutler im Adveniat-Magazin „Blickpunkt Lateinamerika“.

 

Das ausführliche Interview finden Sie online: www.adveniat.de/interview-kraeutler

 

Oder in der Blickpunkt Lateinamerika Sonderausgabe „Zukunft Amazonas“, zu bestellen unter: blickpunkt@adveniat.de

Adveniat, das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, steht für kirchliches Engagement an den Rändern der Gesellschaft und an der Seite der Armen. Dazu arbeitet Adveniat entschieden in Kirche und Gesellschaft in Deutschland. Getragen wird das Werk von Hunderttausenden Spenderinnen und Spendern. Adveniat finanziert sich zu 95 Prozent aus Spenden. Die Hilfe wirkt: Im vergangenen Jahr konnten rund 2.000 Projekte gefördert werden, die mit mehr als 36 Millionen Euro genau dort ansetzen, wo die Hilfe am meisten benötigt wird: an der Basis, direkt bei den Armen. Die Eröffnung der bundesweiten Adveniat-Weihnachtsaktion findet am 1. Advent, dem 1. Dezember 2019, im Erzbistum Freiburg statt. Die Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember in allen katholischen Kirchen Deutschlands ist für Adveniat und die Hilfe für die Menschen in Lateinamerika und der Karibik bestimmt. Spendenkonto bei der Bank im Bistum Essen, IBAN: DE03 3606 0295 0000 0173 45.

 

 

 

 


Gesetz schützt Mädchen in Indonesien erstmals vor Kinderehe / Bisher eines von vier Mädchen minderjährig verheiratet

 

(München/sos) - Durchbruch im Kampf gegen die Kinderehe in Indonesien: Nach Angaben der SOS-Kinderdörfer hat das indonesische Parlament jetzt beschlossen, das Mindestalter für Mädchen bei Eheschließung auf 19 Jahre zu erhöhen. Bislang galt das Ehegesetz von 1974, nach dem Jungen mit 19 heiraten durften, Mädchen aber bereits mit 16. "Dadurch waren viele Mädchen schutzlos der frühzeitigen Verheiratung ausgeliefert. Wir sind sehr froh über diese wichtige Änderung, für die wir uns seit langem politisch wie gesellschaftlich eingesetzt haben", sagt Gregor Nitihardjo, Leiter der SOS-Kinderdörfer in Indonesien. Die Gesetzesänderung soll bereits im Oktober erfolgen.

 

Laut Angaben der Organisation wird in Indonesien im Durchschnitt eines von vier Mädchen minderjährig verheiratet - viele sogar unter 16. Pro Jahr seien das offiziellen Angaben zufolge etwa 340.000 Mädchen. "Zumeist verlassen die Mädchen dann die Schule, verlieren jeglichen Einfluss auf ihr Leben und bleiben im Kreislauf der Armut gefangen", erklärt Nitihardjo.

 

Durch das neue Gesetz sei die Gefahr für Mädchen allerdings nicht gebannt.  "Entscheidend ist, dass die neue Regelung auch wirklich in die Praxis umgesetzt und weiter Aufklärungsarbeit geleistet wird." Denn besonders in armen Familien und Gemeinden werde die Kinderehe häufig als geeignetes Mittel angesehen, um die wirtschaftliche Situation zu verbessern - auch, wenn sie oft ein Martyrium für die Mädchen bedeute. Die SOS-Kinderdörfer setzen sich seit vielen Jahren in Indonesien und anderen Ländern gegen die Kinderehe ein.

 

 

 


Tibetische Mönche müssen staatliche Regelungen für Wiedergeburten im Buddhismus studieren / ICT: „Massiver Eingriff in Religionsfreiheit“

Peking erhöht Druck wegen Dalai Lama-Nachfolge

 

(Berlin/ict) - Die Kommunistische Partei Chinas hat ihre Versuche verstärkt, Kontrolle über die Regelung der Nachfolge des Dalai Lama zu erlangen. Zu diesem Zweck organisierten die chinesischen Behörden Ende August zum ersten Mal ein „Training” zum Thema Reinkarnation, an dem laut chinesischen Staatsmedien rund 100 tibetische Mönche aus 73 Klöstern teilnahmen. Die Teilnehmer der einwöchigen Veranstaltung mussten dabei die staatlichen „Regeln für das System der Reinkarnationen” sowie die von der herrschenden KP abgesegnete Version von Geschichte und Ritualen der Reinkarnation im tibetischen Buddhismus studieren. Mit dem „Training” unterstreicht die chinesische Regierung offensichtlich ihre Entschlossenheit, jeglichen Einfluss des Dalai Lama und der Institutionen des tibetischen Buddhismus auf die Regelung seiner Nachfolge auszuschließen.

 

Nach Einschätzung der International Campaign for Tibet (ICT) handelt es sich bei dem „Training” um einen weiteren massiven Eingriff Pekings in die Religionsfreiheit der Tibeter. Immer ausgefeilter würden die Versuche der chinesischen Behörden, in die religiöse Selbstbestimmung von Mönchen, Nonnen und tibetischen Laien einzugreifen. Dies sei inakzeptabel und müsse von der internationalen Gemeinschaft zurückgewiesen werden, so ICT.

 

Wie ernst es der chinesischen KP mit ihren Versuchen ist, die Kontrolle über den tibetischen Buddhismus zu erlangen, zeigt der Umstand, dass an der Schlusszeremonie des „Trainings” der Mönche am 29. August der KP-Chef der sogenannten „Autonomen Region Tibet” (TAR) Wu Yingjie persönlich teilnahm. In Anspielung auf den Dalai Lama unterstrich Wu bei dieser Gelegenheit, das System der Reinkarnationen sei keinesfalls eine „rein religiöse Angelegenheit oder das persönliche Vorrecht eines lebenden Buddhas”. Vielmehr, so der KP-Chef der TAR, handle es sich dabei um „ein wichtiges Symbol der Strategie und Politik der Kommunistischen Partei Chinas in der Region“. Wus Worte beinhalten eine deutliche Warnung an alle Tibeter, die loyal zum Dalai Lama stehen. Zur selben Zeit unternahm der von der chinesischen Regierung installierte „falsche” Panchen Lama eine „Inspektionsreise” durch Dörfer und Klöster in der TAR, die ihn auch in eine politisch sensible Region an der Grenze zu Indien führte. Der „chinesische” Panchen Lama soll Peking offenbar dabei behilflich sein, Einfluss auf den tibetischen Buddhismus zu gewinnen.

 

Weitere Informationen können Sie unserem Bericht „China steps up discredited attempts to control Dalai Lama’s succession” entnehmen.

 


Lage außer Kontrolle: Viele Flüchtlingskinder in Griechenland selbstmordgefährdet

SOS-Kinderdörfer fordern europäische Lösung

(München/sos) - Angesichts der wieder steigenden Flüchtlingszahlen in Griechenland rechnen die SOS-Kinderdörfer mit einer dramatischen Verschlechterung der Situation für die betroffenen Kinder. "Viele von ihnen leben bereits seit Jahren in den Flüchtlingscamps. Das ist ein untragbarer Zustand. Sie entwickeln alle möglichen Symptome bis hin zur Selbstmordgefährdung", erklärt George Protopapas, Leiter der Hilfsorganisation in Griechenland. "Bei unserer Arbeit im Flüchtlingscamp KaraTepe auf Lesbos erleben wir immer wieder Kinder, die eine traumatische Flucht zu bewältigen haben und sich in einer Situation ohne Hoffnung und Perspektive befinden. Das hat massive Auswirkungen auf ihre physische wie psychische Gesundheit." Außerdem hätten viele Kinder nur unzureichenden Zugang zur Bildung. Allein im August 2019 sind laut UNHCR 8.000 neue Flüchtlinge in Griechenland angekommen.

 

Die steigenden Zahlen träfen das Land in einer Situation, die schon lange außer Kontrolle geraten sei. "Bereits jetzt leben hier 80.000 Menschen unter völlig inhumanen Bedingungen. Sämtliche Camps sind überfüllt. Besonders schlimm und gefährlich ist die Lage für Kinder, die alleine unterwegs sind", sagt Protopapas.

 

Es sei nicht nur Sache Griechenlands, hier eine Lösung zu finden. "Sämtliche EU-Länder müssen Verantwortung übernehmen. Zuallererst müssen die Kinder mit dem Notwendigsten versorgt und psychologisch betreut werden. Dann brauchen wir eine Beschleunigung der rechtlichen Verfahren und einen strategischen Plan, der zu dauerhaften und menschlichen Regelungen führt." Die SOS-Kinderdörfer haben ihre Hilfe für Flüchtlinge in Griechenland aktuell deutlich ausgeweitet.


Musiker Arne Kopfermann spendet an World Vision

25.000 Euro für traumatisierte Kinder aus Syrien

 

(Friedrichsdorf/wv) – Der christliche Künstler Arne Kopfermann hat für das von ihm und seiner Frau unter dem Dach von World Vision ins Leben gerufene „Sara Projekt“ mehr als 25.000 Euro gesammelt. Das Geld hat er jetzt der Kinderhilfsorganisation übergeben. Es kommt benachteiligten und traumatisierten Kindern zugute und stammt aus sämtlichen Einnahmen des Buches und der gleichnamigen CD „Mitten aus dem Leben“ von Arne Kopfermann.

 

„Wir freuen uns sehr über die großzügige Spende“, erklärte Oliver Müller, Referent für christliches Engagement bei World Vision. „Damit werden wir gezielt Kinder im jordanischen Camp Azraq unterstützen, die aus Syrien geflüchtet sind. Diese Kinder haben zum Teil entsetzliche Erfahrungen zu verarbeiten und werden dort in Schutzzentren von uns betreut.“

 

Die wohl schlimmste Erfahrung, die Eltern machen können, war auch für Arne Kopfermann der Anlass, das „Sara-Projekt“ zu starten. Im September 2014 verunglückte seine damals zehnjährige Tochter Sara bei einem Autounfall tödlich. In Musik und Texten begann Kopfermann zwei Jahre später, den Tod seiner Tochter zu verarbeiten. Daraus entstanden das Buch „Mitten aus dem Leben – Wenn ein Sturm deine Welt aus den Angeln hebt“ (Gerth Medien) und eine dazugehörige CD mit Liedern zum Thema (SCM Hänssler).

 

Im November 2017 reiste Kopfermann gemeinsam mit World Vision nach Jordanien. Im Flüchtlingslager Azraq konnte er sich ein Bild davon machen, wie World Vision traumatisierten Kindern auf den Weg zurück ins Leben hilft. Kopfermann: „Hätten wir für Sara in den wenigen Tagen des Hoffens und Bangens, Betens und Zagens nach unserem Unfall irgendetwas tun können, was ihre Überlebenschancen erhöht hätte – wir hätten es getan! Doch uns blieb nur, sie in Gottes Hände zu legen. Bei den Kindern in Azraq ist das anders. Sie haben ihr Leben noch vor sich und sind auf die Hilfe von anderen angewiesen: von Menschen wie Du und ich!“

 

In den von World Vision eingerichteten Kinderschutzzentren können Kinder nach traumatischen Erfahrungen wie Krieg, Flucht oder Naturkatastrophen Sicherheit und Ruhe finden. Sie können spielen, basteln, malen, lernen und werden psychosozial betreut. Im Flüchtlingslager Azraq profitierten bereits über 600 Kinder von diesem Angebot.


Viele kleine Kinder unter den Dengue-Toten

Klimawandel führt zu einer dramatischen Ausbreitung von Dengue-Fieber

 

(München/sos) - In den letzten drei Monaten hat sich Dengue-Fieber weltweit dramatisch ausgebreitet. Besonders gefährdet sind nach Angaben der Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer weltweit kleine Kinder. Allein auf den Philippinen waren dieses Jahr mehr als 300 Kinder zwischen fünf und neun Jahren unter den insgesamt über 800 Toten. Hunderttausende Menschen haben sich zudem auf dem Inselstaat 2019 infiziert, sodass im August sogar der nationale Notstand ausgerufen wurde.

 

"Es ist erschreckend, wie schnell die Krankheit sich in unserem Land ausgebreitet hat. Auch zwei Dutzend Kinder in mehreren unserer SOS-Einrichtungen waren in diesem Jahr betroffen. Zum Glück konnten sie rechtzeitig behandelt werden und mittlerweile das Krankenhaus wieder verlassen," sagt Aldrin Norio, Leiter der SOS-Familienhilfe-Programme der Philippinen.

 

Neben den Philippinen breitete sich Dengue in den letzten Monaten auch in vielen anderen asiatischen Ländern rasant aus. Vor allem in Sri Lanka und in Bangladesch gab es zehntausende Dengue-Infizierungen und hunderte Tote. Mindestens zwölf Kinder (von insgesamt 50 Toten) starben 2019 bereits in Sri Lanka. Über 71.000 Menschen infizierten sich in Bangladesch und mindestens 120 starben in diesem Jahr bereits. Darunter ebenfalls viele Kinder. "In den SOS-Kinderdörfern gab es vier Dengue-Fälle, die zum Glück glimpflich ausgegangen sind,"

 

berichtet der Leiter der SOS-Kinderdörfer in Bangladesch, Enamul Haque.

 

Es gibt noch keine sichere Impfung (sondern eine nur sehr

 

umstrittene) gegen Dengue. Und mit dem fortschreitenden Klimawandel "wird Dengue sich auch in den nächsten Jahren immer weiterverbreiten.

 

Die hohen Temperaturen und starke Regenfälle sowie fehlende Sauberkeit sind die Hauptgründe für die vermehrte Ausbreitung von Dengue", sagt Aldrin Norio. "Jedes Jahrzehnt verdoppelt sich die Zahl der Fälle - und Kinder sind am meisten gefährdet." Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigt: "Die fortgeschrittene Form des Dengue-Fiebers ist eine der Hauptursachen für schwere Erkrankungen und den Tot von Kindern in einigen asiatischen sowie lateinamerikanischen Ländern."

 

In Lateinamerika haben momentan vor allem Honduras (schon über 100 Tote in diesem Jahr), Nicaragua, El Salvador, Guatemala, Kolumbien und Brasilien mit dem Dengue-Fieber zu kämpfen. In der gesamten Gegend von Lateinamerika und Karibikstaaten gab es 2019 bereits über zwei Millionen Dengue-Infizierungen und mindestens 720 Tote. Auch in Afrika und Australien gibt es vermehrt Dengue-Opfer und in Europa wurden ebenfalls Einzelfälle gemeldet.

 


Besonders prekäre Lage in Hongkong

Kanzlerin Merkel in China: Deutschland muss sich zur Schutzverantwortung bekennen

   

  • Über 1,5 Millionen Uiguren, Kasachen und Kirgisen in Xinjiang interniert
  • Über 3.500 buddhistische Nonnen und Mönche in Sichuan verschleppt

 

(Göttingen/gfbv) - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat an die Bundeskanzlerin Angela Merkel appelliert, während ihrer bevorstehenden China-Reise die besorgniserregende Menschenrechtslage in dem Land zur Sprache zu bringen. „Derzeit ist die Lage in Hongkong besonders prekär“, erklärt Hanno Schedler, GfbV-Referent für Genozid-Prävention und Schutzverantwortung. „Als Vorreiter des Konzepts der präventiven Schutzverantwortung muss sich Deutschland besonders dafür einsetzen, dass die chinesische Regierung von einer gewaltsamen Eskalation absieht.“ Die Regierung in Peking müsse sich auf Gespräche mit den Menschen in Hongkong einlassen, anstatt mit immer mehr Truppen eine Drohkulisse aufzubauen. Diese stünde einer friedlichen Lösung im Wege. 

 

In der Region Xinjiang sind weiterhin über 1,5 Millionen Uiguren, Kasachen und Kirgisen interniert. Ohne rechtliche Grundlage wurden sie in Umerziehungslager verschleppt, wo sie einer systematischen Gehirnwäsche ausgesetzt sind. „Die internationale Gemeinschaft muss dieses Unrecht immer wieder ansprechen und sich dafür einsetzen, dass die Lager geschlossen werden“, fordert Schedler. „In ihren Gesprächen mit Ministerpräsident Li Keqiang muss Kanzlerin Merkel den Druck aufrechterhalten.“

 

Auch in der Region Tibet besteht weiterhin Grund zur Sorge. „Dort versucht die chinesische Regierung mit aller Macht, die Zahl der buddhistischen Nonnen und Mönche zu verringern“, so Schedler. „In den letzten drei Monaten wurden über 3.500 von ihnen aus den Studienzentrum Yachen Gar in Sichuan verschleppt“. Sie würden unter unmenschlichen Bedingungen interniert, geschlagen und gefoltert. „Die Christdemokratin Merkel sollte sich für ein Ende der religiösen Verfolgung im Land der Mitte stark machen, von der neben Buddhisten und Muslimen auch Christen zunehmend betroffen sind,“ mahnt Schedler.

 


HIndu-Nationalisten diskriminieren und entrechten MInderheiten - Schutz-Maßnahmen gegen Migranten verletzen Menschenrechte

Indien will 1,9 Millionen Menschen vertreiben

 

(Göttingen/gfbv) - Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat vor einer Flüchtlingstragödie in Asien gewarnt. Mehr als 1,9 Millionen Menschen drohe die Vertreibung aus dem Nordosten Indiens, nachdem die indischen Behörden ihnen die Registrierung als Staatsbürger verweigerten. Die Menschenrechtsorganisation warf der Hindu-Nationalistischen Regierung Indiens und der Region Assam im Nordosten des Landes vor, gezielt Angehörige der muslimischen Minderheit auszugrenzen und zu entrechten. "Das hat nichts mit dem Schutz vor illegaler Migration zu tun, sondern ist Rassismus. Indien soll zum Hindu-Staat gemacht werden, in dem kein Platz für Andersgläubige und Minderheiten ist", warnte der GfbV-Direktor Ulrich Delius am Samstag in Göttingen. 

 

Das Nationale Register für Staatsbürger hatte am Samstagmorgen nach Ablauf aller Einspruchsfristen das Ergebnis seiner Prüfung des Einwohnerregisters veröffentlicht und 1,906.657 Millionen Bewohner Assams zu illegalen Migranten erklärt. Ein Großteil der Menschen, denen nun die Staatenlosigkeit droht, sind Muslime. Nach dem Willen der indischen Behörden sollen sie in Internierungslager eingewiesen werden  und in das Nachbarland Bangladesch abgeschoben werden. Doch Bangladesch lehnt ihre Aufnahme ab.

 

Nachdrücklich kritisierte die Menschenrechtsorganisation den Registrierungsprozess, der von Willkür und unzähligen Unregelmäßigkeiten gezeichnet gewesen sei. So hätten verfeindete Nachbarn das Verfahren missbraucht, um Angehörige von Minderheiten als angebliche illegale Migranten anzuzeigen und auszugrenzen. Die Registrierung im Einwohnerregister sei oft willkürlich erfolgt. Regierungskritiker seien anders als ihre Familienangehörigen plötzlich als illegale Zuwanderer behandelt worden, um sie zu entrechten und mundtot zu machen. Hindu-Nationalisten hätten sich bemüht, Glaubensbrüder aus Bangladesch zu indischen Staatsbürgern zu erklären, während sie zugleich die Ausweisung von seit Generationen in Assam lebenden Muslimen forderten. 

 

"Der wegen ihrer Tee-Exporte berühmten Region Assam droht eine humanitäre Katastrophe, denn niemand weiß, wie es nun mit den ausgegrenzten Bewohnern der Region weitergeht,denen die Aufnahme in das Einwohnerregister verweigert wurde", erklärte Delius. Sechs Internierungslager wurden bereits eingerichtet, weitere sollen folgen. Opfer der Repression und Ausgrenzung ist vor allem die ärmste Bevölkerungsgruppe, die sich als Analphabeten und Tagelöhner keinen Rechtsanwalt leisten können, um vor Gericht ihre Registrierung als Staatsbürger einzuklagen. 

 


Krisengebiet Ostukraine "von der Welt vergessen": Immer weniger Helfer vor Ort

 

(München/sos) - Dramatische Entwicklung in der Ostukraine: Während die Lage der Kinder und Familien durch den andauernden Konflikt mit Separatisten immer schlimmer wird, haben zahlreiche Hilfsorganisationen ihre Unterstützung stark eingeschränkt oder komplett beendet. Darauf weisen die SOS-Kinderdörfer weltweit hin.

 

"Nach fünf Jahren Krieg sind die Menschen erschöpft", erklärt Serhii Lukashov, Leiter der Hilfsorganisation in der Ukraine. "Ihre Ressourcen sind aufgebraucht - sowohl materiell als auch psychologisch." Mehr und mehr Familien brächen auseinander, sodass Kinder in Heimen landen, unter Jugendlichen machten sich Süchte breit und Aggressionen nähmen zu. Viele der 200.000 betroffenen Jungen und Mädchen seien durch Gewalt und die anhaltende Bedrohung schwer traumatisiert. "Die Kinder leiden unter Angstattacken, Schlaf- und massiven Sprachproblemen", ergänzt Lukashov. "80 bis 90 Prozent aller Erstklässler hinken aufgrund ihrer psychologischen Belastung in der Sprachentwicklung hinterher und bräuchten dringend Unterstützung."

 

Doch laut Lukashov fehlt genau diese Hilfe: "Aktuell sind die SOS-Kinderdörfer die Einzigen, die entlang der Kontaktlinie zwischen den von Separatisten und der Regierung kontrollierten Gebieten qualifizierte psychologische Unterstützung leisten. Andere Organisationen haben vor allem zu Beginn des Konflikts Nothilfe geleistet. Fünf Jahre später sind viele von ihnen nicht mehr da." Auch zahlreiche lokale Helfer und Sozialarbeiter seien desillusioniert, ausgebrannt oder in andere Regionen des Landes gezogen. Das führe dazu, dass in manchen Regionen zwei bis drei Sozialarbeiter für bis zu 30.000 Menschen zuständig seien. Lukashov: "Die Menschen hier haben das Gefühl, von der Welt vergessen worden zu sein!"

 

Um möglichst viele Kinder und Familien zu erreichen, sind die SOS-Kinderdörfer mit mehreren mobilen psychosozialen Teams entlang der Kontaktlinie im Einsatz, die verschiedene Therapien sowie Kinderaktionen anbieten.


Diakonie Katastrophenhilfe legt Jahresbericht vor

Ebola und Cholera in Kriegsgebieten auf dem Vormarsch

 

Ebola * Jemen * Kongo * Spenden * Bilanz

 

(Berlin/dw) - Die Diakonie Katastrophenhilfe weist auf den dramatischen Zusammenhang von Krankheiten wie Ebola oder Cholera, Krieg und Hunger hin. „Menschen, die schon vorher nicht genügend zu essen haben, sind geschwächt und dadurch sehr viel anfälliger für Krankheiten“, sagt Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe, bei der Vorstellung des aktuellen Jahresberichts in Berlin. „Sie können sich dann rasend schnell und Epidemie-artig in Katastrophengebieten verbreiten.“ Besonders dramatisch ist die Situation in Kriegsgebieten: „Ausbruch und Verbreitung von Infektionskrankheiten fallen dort nicht vom Himmel, sondern stehen im direkten Zusammenhang mit Gewaltausübung“, so Füllkrug-Weitzel. Die Konflikte im Jemen und der Demokratischen Republik Kongo sind hierfür aktuelle Beispiele.

 

Im Jemen leiden mehr als 20 Millionen Menschen Hunger und 18 Millionen haben keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser oder sanitären Einrichtungen. Seit Beginn des Krieges 2015 sind mehr als 3.000 Menschen an Cholera gestorben und allein im ersten Halbjahr 2019 wurden fast eine halbe Million Verdachtsfälle gemeldet. Der Krieg geht währenddessen unvermindert weiter und erschwert die Hilfe. „Solange Bombardierungen an der Tagesordnung sind, haben humanitäre Hilfsorganisationen große Probleme, die Menschen zu erreichen“, sagt Füllkrug-Weitzel. Die Diakonie Katastrophenhilfe arbeitet im Jemen wie weltweit mit lokalen Partnern zusammen und hat zu deren Unterstützung vor wenigen Wochen ein eigenes Büro in Aden eröffnet. Sie wird in den kommenden Jahren einen der Schwerpunkte ihrer Arbeit auf den Jemen legen. „Wir wollen dem immensen Bedarf an Ernährungshilfe und der Prävention von lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten gerecht werden“, so Füllkrug-Weitzel.

 

Mit Blick auf Deutschland ergänzt Füllkrug-Weitzel: „Wir fordern die Bundesregierung auf, sich konsequent für Frieden und humanitäre Hilfe einzusetzen.“ Es sei zwar begrüßenswert, dass Deutschland dieses Jahr 120 Millionen Euro an die Vereinten Nationen für Hilfe im Jemen bereitstellen will. „Aber die Kombination mit Rüstungsexportgenehmigungen an Kriegsakteure erstickt die Freude über die Hilfsbereitschaft der deutschen Regierung, weil sie einen großen Zynismus offenbart: mehr humanitäre Hilfe zur Kompensation für mehr Beihilfe zum Töten“, so Füllkrug-Weitzel. Die Bundesregierung hatte angekündigt, keine Rüstungsgüter an Konfliktparteien des Jemen-Kriegs mehr auszuliefern, jedoch wieder Exportgenehmigungen an die Arabische Liga, Kriegskoalition im Jemen, erteilt.

 

Das Zusammenwirken von Krieg, Hunger und Krankheit ist auch in der Demokratischen Republik Kongo zu beobachten, wo Ebola seit dem Ausbruch vor einem Jahr noch nicht unter Kontrolle ist. Es ist der erste Ausbruch überhaupt in einem Konfliktgebiet. „Angriffe verschiedener Milizen zwingen die Menschen immer wieder zur Flucht und erschweren, dass unter den vertriebenen Menschen neue Infizierte gefunden und behandelt werden können. Dadurch beschleunigt sich die Ausbreitung von Ebola“, sagt Guido Krauss, Leiter des Büros der Diakonie Katastrophenhilfe in der DR Kongo. Aufgrund von Krieg und Vertreibungen gilt die Region im Osten des Landes schon seit Jahrzehnten als instabil. Vielerorts leidet die Bevölkerung an Hunger und Armut. Das evangelische Hilfswerk ist seit vielen Jahren in der Region aktiv und hat die Hilfe nach dem Ebola-Ausbruch sofort ausgeweitet. „Neben besserer Hygiene ist Aufklärung das Wichtigste. Wir gehen mit unseren Partnern daher gezielt an Schulen oder in Busse, damit die Menschen erfahren, wie sie sich vor dem tödlichen Virus schützen können“, so Krauss.

 

Diakonie Katastrophenhilfe Bilanz 2018

 

Die Diakonie Katastrophenhilfe hat im vergangenen Jahr in 41 Ländern Hilfe geleistet und dafür etwa 37 Millionen Euro bereitgestellt. Die meisten Mittel sind nach Syrien und die Nachbarstaaten geflossen. Daneben waren der Südsudan und die DR Kongo die Länder mit den größten Projektausgaben. Die Spendeneinnahmen der Diakonie Katastrophenhilfe waren im Jahr 2018 mit 23,6 Millionen Euro 13 Prozent geringer als 2017 (27 Millionen). 2017 war wegen der anhaltenden Hungerkrise in Ostafrika ein Jahr mit besonders hohem Spendenaufkommen. Die Einnahmen aus öffentlichen Zuwendungen von der Bundesregierung, der Europäischen Union und den Vereinten Nationen sind mit rund 17 Millionen Euro fast auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr. Die Gesamteinnahmen lagen mit 47,8 Millionen Euro 13 Prozent unter dem Vorjahresniveau (54,9 Millionen Euro).


Gemeinsam für Wiederaufforstung und Klimaschutz

Meilenstein: World Vision und Ecosia kooperieren

 

(Friedrichsdorf/Berlin/wv) – Die ökologische Non-Profit-Suchmaschine Ecosia und die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision arbeiten künftig gemeinsam an Projekten zur Wiederaufforstung. Von der Kooperation profitiert zunächst ein Projekt in Äthiopien. „Wir freuen uns sehr über diese Zusammenarbeit“, erklärt Christoph Waffenschmidt, Vorstandsvorsitzender von World Vision. „Das ist ein Meilenstein. So können wir unsere Kräfte bündeln und noch mehr zum Kampf gegen Waldvernichtung und den Klimawandel beitragen.“ Ecosia wird zunächst ein Wiederaufforstungsprojekt in der äthiopischen Region Ambassel für ein Jahr fördern. Die Region ist in besonderem Maße von Abholzung und Erosion betroffen. Seit Jahren sinken die Ernteerträge; die Bevölkerung verarmt.

Um diese Entwicklung zu stoppen und umzukehren werden Bäume gepflanzt oder nach der FMNR-Methode noch vorhandene Wurzeln wieder zum Wachstum von Bäumen gebracht. Allein im ersten Jahr des Projektes entstehen so 1,2 Millionen neue Bäume. Nach der FMNR-Methode (Farmer Managed Natural Regeneration) des World-Vision-Mitarbeiters Tony Rinaudo wurden bereits über 20 Millionen Hektar Land in 24 Ländern wiederbegrünt. Rinaudo wurde für die Entwicklung dieser Wiederaufforstungsmethode mit dem alternativen Nobelpreis 2018 (Right Livelihood Award) ausgezeichnet. Rinaudo zur Kooperation mit Ecosia: “Ich bin begeistert, dass Ecosia und World Vision kooperieren, um die Zukunft von 1,2 Millionen Bäumen in Äthiopien zu sichern. World Vision und Ecosia teilen die gleiche Vision - nun werden wir beginnen, mit lokalen Partnern und Bauern zusammenzuarbeiten, um die Baumdichte dort zu erhöhen, wo sie am meisten gebraucht wird. Unsere Partnerschaft in Äthiopien wird außerdem die Verbreitung der FMNR Methode fördern, die uns zu diesem Zeitpunkt bereits ermöglicht hat, weltweit über 20 Millionen Hektar Land wieder zu begrünen.”

Die neuen Bäume übernehmen dabei die Rolle eines Landschaftspflegers: Durch die Wurzeln wird Feuchtigkeit im Boden gehalten, Äste und Blätter beschatten und kühlen den Boden und zugleich wird der Boden durch Blätter und Früchte gedüngt. Zudem filtern Bäume CO2 aus der Luft. Wiederbegrünte land- und forstwirtschaftliche Flächen versorgen die Bevölkerung dauerhaft mit Brennholz und steigern die Biodiversität. Lokale Kooperativen und Kleinbauern-Familien werden zudem intensiv darin geschult, ihr Land nachhaltig und umweltschonend zu nutzen.

 

Das Projekt in Äthiopien sehen World Vision und Ecosia als Beginn einer dauerhaften Partnerschaft an. Der Chief Tree Planting Officer von Ecosia, Pieter van Midwoud. “Diese Partnerschaft erlaubt uns, unsere Arbeit in Äthiopien um weitere 1,2 Millionen Bäume auszuweiten. Ich bewundere schon seit vielen Jahren die Pionierarbeit, die Tony Rinaudo leistet. Wir freuen uns sehr, nun gemeinsam mit World Vision Tonys Methode bei der Aufforstung in Äthiopien zu implementieren.“

 

World Vision ist in fast 100 Ländern der Welt vertreten und sieht den Schutz der Natur als integralen Bestandteil der Entwicklungszusammenarbeit. Ecosia spendet 80 Prozent der Einnahmen an Baumpflanzprojekte weltweit.

 

Über Ecosia: - Ecosia, 2009 in Berlin gegründet, ist eine non profit Suchmaschine, deren Gewinne nicht an Shareholder, sondern zu 80 Prozent in die Pflanzung von Bäumen fließen. Mit durchschnittlich 45 Suchen kann ein Baum finanziert werden. So wird alle 0,8 Sekunden ein Ecosia-Baum gepflanzt, bisher 64.490.299 (Stand 15. August), verteilt auf 500 einheimische Baumarten, die zu diesem Zeitpunkt ungefähr 3,5 Millionen Tonnen CO2 aus der Atmosphäre gefiltert haben. Sehr hohe Datenschutzrichtlinien legen zudem fest, dass die Suchdaten der heute ca. 8 Millionen Nutzer anonymisiert sind und innerhalb von vier Tagen gelöscht werden. Der Datenverkauf an Werbetreibende ist ausgeschlossen. Ecosia veröffentlicht monatliche Finanzberichte.


1 Milliarde Hektar Wald sollen bis 2030 wieder aufgeforstet werden

„Jedes Großfeuer ist von globaler Bedeutung“, betont Tony Rinaudo (Gewinner Alternativer Nobelpreis)

World Vision begrüßt, dass Präsident Macron das Thema Wald auf die G7 Tagesordnung gesetzt hat

 

(Biarritz/wv) - Angesichts der Großbrände im Amazonas begrüßt die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision, dass der französische Präsident Macron das Thema „Wald“ auf die G7 Tagesordnung gesetzt hat. Der Amazonas liefert etwa 20% des Sauerstoffs, den die Menschen zum Atmen brauchen. „Die Welt schlittert unbekümmert in eine neue Massenausrottung und vertrödelt die wenige verbliebene Zeit, um die Menschheit zu retten“, sagt Tony Rinaudo, Gewinner des Alternativen Nobelpreises 2018 und Experte für Wiederaufforstung bei World Vision. „Aktuell sehen wir weltweit die Auswirkungen der Klimakrise. Daher ist jedes Großfeuer, egal wo, von globaler und nicht nur lokaler Bedeutung. Wir alle verlieren.“

 

Rinaudo erhielt den Alternativen Nobelpreis für eine regenerative Methode der Wiederaufforstung, genannt FMNR (farmer managed natural regeneration). Sie basiert auf der Existenz von altem Wurzelwerk in der Erde. Inzwischen konnten in 25 Ländern Wälder mit Hilfe dieser Technik auch auf zuvor verwüsteten Böden wieder neu wachsen, allein in Niger 6 Millionen Hektar.

 

In der Region Humbo in Südäthiopien gibt es nach der Wiederaufforstung wieder 13 neue Wasserquellen, das Grundwasser stieg wieder um mehrere Meter und das Mikroklima verbesserte sich. Viele Jahre litten die Menschen in der Gegend immer wieder unter Hungersnöten und Dürren. Heute liefern die Bauern Überschüsse an das World Food Programm, WFP. Die Methode ist zudem preiswert. Für Wiederaufforstung auf konventionelle Art (Bäume pflanzen) muss man ca. 8000 US-Dollar pro Hektar berechnen, nach der FMNR-Methode 20 bis 2 US-Dollar.

Tony’s Ziel ist es, bis 2030 mit Hilfe von FMNR weltweit eine Milliarde Hektar Wald neu aufzuforsten.

 

„Die einen brennen alles ab, wir forsten wieder auf“, sagt Silvia Holten, Pressesprecherin von World Vision. „Aber wir alle müssen angesichts des unverantwortlichen Umgangs mit unseren grünen Lungen sofort handeln. Wir brauchen dazu eine weltweite Wiederbegrünungsbewegung.“

 


Bangladesch kündigt härteres Vorgehen gegen Flüchtlinge an - Rohingya dürfen nicht zu den Palästinensern Südasiens werden

Massenexodus der Minderheit aus Burma eskalierte vor zwei Jahren (25.8.)

 

(Göttingen/gfbv) - Zwei Jahre nach der gewaltsamen Vertreibung von 700.000 Rohingya aus Burma hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) mehr konkrete Hilfen für die Flüchtlinge gefordert. DIe internationale Staatengemeinschaft müsse den geflohenen Rohingya eine Lebensperspektive aufzeigen und mehr für Bildung und Gesundheit der Vertriebenen tun. "In den Lagern in Bangladesch macht sich Hoffnungslosigkeit breit, denn eine Rückkehr in ihre Heimat Burma ist nicht absehbar. Wer der Verelendung der Rohingya-Flüchtlinge weiter tatenlos zuschaut, gefährdet die Stabilität in Südasien. Die internationale Gemeineinschaft hat eine Schutzverantwortung für die geflohene muslimische Minderheit, der sie endlich nachkommen muss", erklärte der GfbV-Direktor Ulrich Delius am Sonntag in Göttingen. Die Menschenrechtsorganisation reagierte auf Drohungen des Außenministers von Bangladesch Abdul Momen, die Politik seines Landes gegenüber den Flüchtlingen zu verschärfen.   

 

Vor allem Frauen, Kinder und Jugendliche leben in den Camps, die hastig nach ihrer Vertreibung in einer verarmten Region Bangladeschs nahe der Grenze zu Burma errichtet wurden. "Ein ganzes Volk und seine Zukunft geht in den Lagern zugrunde, weil es keine Lebensperspektiven für die heranwachsenden Jugendlichen gibt", warnte Delius. Menschenhandel, Prostitution und andere Formen der Kriminalität breiteten sich in den Lagern aus, die großen Städten glichen. Da Burma nicht bereit sei, Rohingya als gleichberechtigte Staatsbürger anzuerkennen und die Menschenrechtsveretzungen an den 200.000 in Burma verbliebenen Angehörigen der muslimischen Minderheit anhielten, gebe es keine Perspektive für eine schnelle Rückkehr. Auch drohe in den Camps eine Radikalisierung der Rohingya. "DIe Rohingya dürfen nicht zu den Palästinensern Südasiens werden", warnte die GfbV. Wenn auch nur eine kleine Minderheit unter den Vertriebenen zu den Waffen greife, drohe eine Destabilisierung der Region.  

 

In Bangladesch leben mehr als eine Million Rohingya-Flüchtlinge. Denn schon vor dem Beginn des Massenexodus im August 2017 hatten mehr als 300.000 Angehörige der Minderheit in Bangladesch Schutz vor schweren Menschenrechtsverletzungen in ihrer Heimat gesucht. Denn sie hatten in Burma unter Apartheid-ähnlichen Bedingungen leben müssen. So durften sie sich nicht frei bewegen, wurden als Zwangsarbeiter genutzt und systematisch entrechtet. Burmas Armee vertrieb die Rohingya gewaltsam aus dem Land, nachdem im August 2017  Anschläge auf Polizei- und Grenzstationen verübt wurden. Die Vertreibung war systematisch geplant und wird von den Vereinten Nationen als Völkermord angesehen. Die Vereinten Nationen bezeichnen die Rohingya als die meisten verfolgte Minderheit weltweit. 

 

 

 


Kunstaktion der Brot für die Welt Jugend in Weimar

 

Termin * Kinderarbeit * Kunstaktion * Lieferkettengesetz

 

(Berlin/bfw) - Jedes zehnte Kind auf der Welt muss arbeiten. Diesen Kindern wird ihr Recht auf Freiheit, Sicherheit und Bildung verwehrt. Auf diesen Skandal will die Jugend des kirchlichen Hilfswerks Brot für die Welt am Samstag, dem 31. August, ab 12 Uhr mit einer Kunstaktion auf dem Theaterplatz in Weimar aufmerksam machen.

 

Bei der Kunstaktion werden Jugendliche Kinderarbeit in Steinbrüchen darstellen. Die Aktion ist ein Beitrag zu der globalen Kampagne gegen Kinderarbeit „100 Million – Free. Safe. Educated“, die der indische Kinderrechtler und Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi ins Leben gerufen hat. Die Jugendlichen machen deutlich, dass Konsumentinnen und Konsumenten eine Mitverantwortung für die weltweite Ausbeutung von Kindern haben, wenn sie bei Kinderarbeit wegsehen. Provokant fragen die Jugendlichen „Was, wenn es dein Kind wäre?“ Sie fordern Politikerinnen und Politiker auf, wirksame politische Maßnahmen zu ergreifen, um Kinderarbeit weltweit zu beenden. Insbesondere sollen Unternehmen gesetzlich verpflichtet werden, die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards in ihren globalen Lieferketten zu gewährleisten. Der Weimarer Superintendent Heinrich Herbst, Landesjugendpfarrer Peter Herrfurth und Landesjugendkonvents-Mitglied Georg Junge haben ihre Unterstützung der Aktion zugesagt.

 

Die Vereinten Nationen haben sich zum Ziel gesetzt, Kinderarbeit bis 2025 vollständig zu überwinden. Dafür braucht es weltweit größere Anstrengungen. Brot für die Welt arbeitet gemeinsam mit Partnerorganisationen im globalen Süden daran, die Ursachen für Kinderarbeit zu bekämpfen. Mit Hilfe der globalen Kampagne „100 Million“ sollen wirksame politische Maßnahmen gegen Kinderarbeit erreicht werden.

 

Die Brot für die Welt Jugend ist ein Zusammenschluss von Menschen im Alter von 14 bis 27 aus ganz Deutschland. Sie setzen sich für eine gerechte Weltgesellschaft ein, in der die Menschenrechte und die ökologischen Lebensgrundlagen geschützt werden. Das jährliche Aktionstreffen dient der bundesweiten Vernetzung. In Weimar werden rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet.


Appell an G7-Gipfel: Tragödie von Idlib stoppen / 90 Kinder binnen vier Wochen getötet

 

(München/sos) - Vier Wochen, 400 Tote, darunter 90 Kinder: Die SOS-Kinderdörfer rufen anlässlich des G7-Gipfels im französischen Biarritz (24. bis 26.  August) die Gipfelteilnehmer dazu auf, das Sterben in der syrischen Rebellenhochburg Idlib zu einem Schwerpunkt auf der Tagesordnung zu machen.

 

 

 

Allein im Juli seien mehr Menschen in dem Bürgerkriegsland getötet worden als im gesamten Jahr 2018. "In der Region gibt es weder sauberes Wasser noch genug Nahrung für Kinder. Selbst Krankenhäuser werden bombardiert", sagt Louay Yassin, Pressesprecher der Hilfsorganisation.

 

 

 

"Die führenden Industrienationen müssen jetzt alles in ihrer Macht Stehende tun, um eine Katastrophe zu stoppen, die sogar die Massaker von Ost-Ghouta und Aleppo in den Schatten stellen könnte", sagt Yassin.

 


Massenflucht nach schwersten Angriffen in syrischer Provinz Idlib

Hilfsorganisationen am Rande ihrer Kräfte - Flüchtlinge müssen für Schatten bezahlen

 

(Friedrichsdorf/Idlib/wv) –  Nach andauernden schweren Angriffen in der syrischen Provinz Idlib sind dort hunderttausende Menschen auf der Flucht. Die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision berichtet von entsetzlichen Zuständen und fordert einen Waffenstillstand für humanitäre Hilfe.

 

Die jüngsten Luftangriffe auf Idlib hätten große Teile der zivilen Infrastruktur zerstört, berichten Partnerorganisationen von World Vision, mit denen die Hilfsorganisation vor Ort zusammenarbeitet. So seien viele Gesundheitsstationen und Schulen vor allem in den Regionen Nord-Hamma und Süd-Idlib stark beschädigt worden. Angesichts der sengenden Sommerhitze ist auch die Zerstörung von Trinkwasserstellen besonders folgenreich. Mehr als 450 Menschen wurden getötet, darunter über 100 Kinder. Mindestens 450.000 Menschen sind geflohen und suchen Schutz in völlig überfüllten Lagern. Die Hälfte davon sind Kinder.

 

Marc-Andre Hensel, Direktor der Syrienhilfe von World Vision für die Region: „Die Situation in der Provinz Idlib ist furchtbar und grausam. Die flüchtenden Menschen sind verzweifelt und es gibt viel zu wenig Hilfe für so viele." Denn die Hilfsorganisationen sind angesichts der schieren Menge von Flüchtlingen am Rande ihrer Kräfte. So suchen viele Menschen auf der Flucht in die nördlicheren Regionen von Idlib einfach nur Schutz auf Feldern. Marc-Andre Hensel: „Nach Berichten unserer Partner mussten einige Flüchtlinge bezahlen, wenn sie den Schatten von Bäumen nutzen wollten. Frauen gebären auf offenen Feldern, ohne jede Privatsphäre und adäquate medizinische Versorgung. Die internationale Gemeinschaft muss unbedingt mehr tun, um diesem Leiden ein Ende zu setzen.“

 

Um das Leben der geflüchteten Zivilisten nicht noch weiter zu gefährden, fordert World Vision einen sofortigen Waffenstillstand. „Nur so kann humanitäre Hilfe gewährleistet werden“, erklärt Ekkehard Forberg, Friedensexperte der Organisation. „Besonderen Schutz muss es für Schulen geben. Denn in zerstörten Schulen kann niemand lernen. Ohne Bildung haben Kinder und Jugendliche aber keine Perspektive auf eine friedliche und erfüllte Zukunft.“

 

 

World Vision bittet um Spenden für die Hilfe in Syrien.

 

Stichwort: „Syrien-Hilfe“

 

Postbank Frankfurt

 

Konto: 66601, BLZ 500 100 60

 

IBAN: DE93 5001 0060 0000 0666 01


Abschiebungen von Hazara nach Afghanistan aussetzen / Mehr Schutz für Hazara gefordert

Deutschland soll Gruppenverfolgung schiitischer Hazara endlich anerkennen

 

(Göttingen/gfbv) - Nach einem schweren Terroranschlag auf eine schiitische Hochzeit in Afghanistan hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) gefordert, Abschiebungen von schiitischen Hazara aus Deutschland auszusetzen. Deutschland müsse endlich anerkennen, dass die Hazara als ethnische und religiöse Minderheit systematisch in Afghanistan verfolgt werden, verlangte die Menschenrechtsorganisation. "Wenn Menschen nur aufgrund ihres Glaubens und ihrer Abstammung gezielt von sunnitischen Extremisten ermordet werden, darf Politik nicht länger wegschauen. Wieviele unschuldige Schüler, Trauernde oder Hochzeitsgesellschaften werden noch abgeschlachtet, bis man die Gruppenverfolgung der Hazara endlich anerkennt", erklärte der GfbV-Direktor Ulrich Delius am Sonntag in Göttingen. 

 

Am Samstagabend waren mindestens 63 Menschen bei einem Bombenanschlag auf eine Hochzeitsgesellschaft der Hazara in der afghanischen Hauptstadt Kabul getötet und 182 Personen verletzt worden. Sunnitische Extremisten des Islamischen Staates verüben regelmäßig Terroranschläge auf Schulen, Trauerfeiern und Hochzeiten der schiitischen Minderheit, um Konflikte zwischen Sunniten und Schiiten zu schüren. Jedes Jahr sterben rund 500 Hazara bei Terroranschlägen in Afghanistan und Pakistan.   

 

Nachdrücklich forderte die GfbV einen besseren Schutz der schiitischen Minderheit vor Gewalt und eine Strafverantwortung der Verantwortlichen des Terrors. "Es darf nicht hingenommen werden, dass Menschen nur aufgrund ihres Glaubens und ihrer ethnischen Abstammung systematisch zur Zielscheibe sunnitischer Extremisten werden. Afghanistans Sicherheitskräfte versagen beim Schutz dieser MInderheit. Für Hazara gibt es keinen sicheren Ort in ihrer Heimat Afghanistan", sagte Delius.

 

Erst am 7. August 2019 waren bei einem Terroranschlag in der Stadt Herat 30 Hazara getötet und 26 Menschen verletzt worden. Bei einem Anschlag auf Feiern zum Persischen Neujahrsfest im März 2019 waren sechs Schiiten im März 2019 zu Tode gekommen und mehr als 20 Personen verletzt worden. Bei einem Selbstmordanschlag gegen eine vor allem von Hazara besuchte Schule waren 48 Menschen getötet und 67 Personen verletzt worden im August 2018.

 


SOS-Kinderdörfer zum Welttag der humanitären Hilfe (19.08)

Helfer im Fadenkreuz: Wenn Hilfsaktionen zu Selbstmordkommandos werden

 

(München/sos) - 2019 zeichnet sich ein Trend ab: Immer häufiger gerät das Leben derer in Gefahr, die in Krisengebieten die Leben anderer retten wollen. Das vermeldet die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer zum Welttag der humanitären Hilfe am 19. August.

 

"In Syrien, aber nicht nur da, stieg in den vergangenen Jahren etwa die Zahl der Fälle rapide, bei denen Krankenhäuser gezielt bombardiert wurden. Kriegsparteien nehmen Helfer mittlerweile ganz bewusst ins Ziel. Und überschreiten damit eine rote Linie, denn das Töten von unabhängigen Helfern ist ein Kriegsverbrechen", sagt Louay Yassin, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer in München.

 

Nach Angaben der Organisation Humanitarian Outcomes hat die Zahl der Menschen, die während ihres Einsatzes mit massiver Gewalt konfrontiert wurden, 2019 mit 405 den zweithöchsten Wert der Geschichte erreicht. 131 Helfer wurden beim Versuch anderen Menschen zu helfen getötet, 144 verwundet und 130 entführt.

 

 

 

Yassin sieht mehrere Gründe für vermehrte Aggressionen gegen die Helfer. Darunter:

 

   - Milizen und Armeen sähen Helfer häufig nicht als Unterstützer, sondern als Feinde oder als Möglichkeit, Geld zu machen

 

   - Die Zahl der kämpfenden Parteien habe in den meisten Konflikten stetig zugenommen. Viele Milizen richteten sich irgendwann auch gegen Helfer, auch um Hilfsgüter an die eigenen Leute umzuleiten.

 

   - Konflikte dauerten immer länger an. Das habe zur Folge, dass die Kriegsparteien sich über lange Zeit finanzieren müssten. Immer häufiger käme es daher zu Entführungen und Überfällen.

 

   - Auch Misstrauen spiele eine Rolle. Vor allem seit Beginn des sogenannten Kriegs gegen den Terror hätten Staaten Geheimdienstler in Hilfsorganisationen eingeschleust.

 

     Gleichzeitig tummelten sich in Konfliktgebieten mehr und mehr Söldner von privaten Sicherheitsfirmen, mal uniformiert, mal in Zivil wie Helfer - für die Menschen vor Ort sei das teils kaum mehr zu unterscheiden.

 


Demokratische Republik Kongo: Zahl der Ebola-Toten im Kongo 2019 vervierfacht, zwei Drittel der Erkrankten sind Kinder

Ebola: Die SOS-Kinderdörfer unterstützen Menschen in von Ebola betroffenen Gebieten. Wie hier in Liberia. 2014 forderte das Virus mehr als 6300 Tote in Westafrika. Foto: obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/Daniel van Moll
Ebola: Die SOS-Kinderdörfer unterstützen Menschen in von Ebola betroffenen Gebieten. Wie hier in Liberia. 2014 forderte das Virus mehr als 6300 Tote in Westafrika. Foto: obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/Daniel van Moll

(Kinshasa/München/ots/sos) - 2019 sind im Kongo bereits jetzt fast viermal so viele Menschen an Ebola gestorben wie im gesamten Jahr 2018. Das vermeldet die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer weltweit. "Der andauernde Bürgerkrieg im Land mit immer wieder neuen Gefechten und fast vier Millionen Binnenflüchtlingen macht es fast unmöglich, die Epidemie wirkungsvoll zu bekämpfen. Wir befürchten, dass sie sich weiter ausdehnen wird", sagt Pressesprecher Boris Breyer. Besonders alarmierend sei, dass es sich bei einem Drittel der Erkrankten um Kinder handele.

 

Die aktuelle Ebola-Epidemie war im August 2018 im Osten Kongos in den Provinzen Nord Kivu und Ituri ausgebrochen. Zuvor hatte es im Mai  2018 einen kleineren Ausbruch im Nordwesten des Landes gegeben, der im Juli für beendet erklärt wurde. Insgesamt sind bei den beiden Ausbrüchen bis Ende 2018 356 Menschen gestorben. 2019 waren es bis zum 31.Juli bereits 1467. "Unsere größte Sorge gilt den Kindern, denn im Vergleich zu früheren Epidemien ist die Zahl der infizierten Kinder extrem hoch. Jedes vierte Kind unter fünf Jahren im Kongo ist unterernährt. Sowieso schon geschwächt, werden viele von ihnen nicht überleben", sagt Breyer.

 

Der aktuelle Ebola-Ausbruch gilt als der zweitgrößte in der Geschichte nach dem Ausbruch 2014 in Westafrika. Die Weltgesundheitsorganisation hatte Mitte Juli den internationalen Notstand ausgerufen, nachdem die Zahlen weiter gestiegen und erste Ebola-Fälle in der Millionenstadt Goma an der Grenze zu Ruanda verzeichnet worden waren. Ruanda hatte daraufhin kurzzeitig die Grenzen geschlossen. Bereits im Juni waren drei Fälle von Ebola im benachbarten Uganda bekannt geworden.

 

Die SOS-Kinderdörfer haben laut Boris Breyer eine Reihe von Präventivmaßnahmen ergriffen und sowohl im Kongo als auch im benachbarten Uganda Aufklärungskampagnen gestartet. Die Hilfsorganisation unterstützt notleidende Kinder in der Region ununterbrochen seit 30 Jahren.


„Keine Kompromisse auf Kosten der Menschen in Tibet und Xinjiang!“ / „Peking darf kritische Abgeordnete nicht ausschließen!“

Einreiseverweigerung für Bundestagsabgeordnete

 

(Berlin/ict) - Die International Campaign for Tibet (ICT) kritisiert die Versuche der chinesischen Regierung, Abgeordneten des Deutschen Bundestages die Einreise zu verweigern. Medienberichten zufolge lehnt Peking eine seit Längerem geplante Reise des Menschenrechtsausschusses komplett ab, eine Reise des Bundestagsausschusses Digitale Agenda ist offenbar gefährdet, da die chinesische Regierung der Grünen-Abgeordneten Margarete Bause kein Visum erteilen will. Diese hatte sich in der Vergangenheit mehrfach kritisch zu chinesischen Menschenrechtsverletzungen in der Uigurenregion Xinjiang (Ost-Turkestan) geäußert. Die Reise des Menschenrechtsausschusses sollte besonderes Augenmerk auf die Lage der religiösen Minderheiten in China richten, für September geplante Stationen waren Peking, Lhasa in der sogenannten Autonomen Region Tibet (TAR) und Urumqi in Xinjiang.

 

ICT-Geschäftsführer Kai Müller forderte den Bundestag auf, sich dem Druck aus Peking nicht zu beugen. Das Parlament dürfe „keine Kompromisse auf Kosten der Menschen in Tibet und Xinjiang“ eingehen. Müller weiter: „Der Bundestag muss hart bleiben, Peking darf kritische Abgeordnete nicht ausschließen!“ Der ICT-Geschäftsführer erinnerte daran, dass die Menschen in Tibet und Xinjiang große Hoffnungen in die Besuche ausländischer Besucher setzten, zumindest solange diese mit einem echten Erkenntnisinteresse kämen und nicht, um sich Potemkinsche Dörfer à la Peking vorsetzen zu lassen. „Vor diesem Hintergrund wird einmal mehr deutlich, dass wir gegenüber China auf dem Prinzip der Gleichbehandlung bestehen müssen. Diese darf nicht nur auf den Feldern Handel und Marktzugang eingefordert werden, sie muss gleichermaßen auch für grundlegende Menschenrechte gelten“, so Müller.

 

Ausländischen Diplomaten, Parlamentariern und Journalisten, sogar UN-Vertretern bleibe ein Besuch Tibets zumeist grundsätzlich verwehrt. Den Tibetern selbst würden Auslandsreisen regelmäßig untersagt, die Weitergabe von Informationen über die Lage in Tibet stehe unter strenger Strafandrohung. Zugleich hätten chinesische Diplomaten oder chinesische Staatsmedien weitgehenden Zugang zur EU und könnten diesen Zugang entsprechend nutzen, um insbesondere in Bezug auf Tibet ihre Propaganda zu verbreiten, so Müller. Auf freiem Zugang nach Tibet und Xinjiang zu bestehen, könnte hier ein erster Schritt sein. Deutschland solle überlegen, dem Beispiel der USA zu folgen, wo im Dezember 2018 der „Reciprocal Access to Tibet Act“  in Kraft getreten ist.

 


Bündnis fordert Ratifizierung der ILO-Konvention zum Schutz Indigener

Indigene Völker brauchen Rechtssicherheit

 

Tag der indigenen Völker * ILO-Konvention 169 * Menschenrechte * Amazonas-Regenwald

 

(Berlin/bfw) - Aus Anlass des Tags der indigenen Völker (9. August) weist Brot für die Welt darauf hin, dass der Lebensraum der indigenen Bevölkerung weltweit durch Wirtschaftsinteressen bedroht ist. Gemeinsam mit dem ILO 169-Koordinierungskreis fordert das evangelische Hilfswerk die Bundesregierung auf, die Konvention Nr. 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zu ratifizieren. Die Konvention schützt indigene Völker vor Unterdrückung, Diskriminierung und Vertreibung. Cornelia Füllkrug-Weitzel, die Präsidentin von Brot für die Welt, sagt: „Die Konvention stellt für indigene Völker ein zentrales Instrument zur Stärkung ihrer international anerkannten Menschenrechte dar. Für uns alle kann sie einen entscheidenden Beitrag zum Schutz des globalen Klimas und der biologischen Vielfalt leisten.“

 

Die ILO-Konvention Nr. 169 räumt indigenen Völkern bei Großprojekten auf ihrem Land ein Konsultationsrecht ein und hebt ihre Rechte an den natürlichen Ressourcen ihres Landes ausdrücklich hervor. Dies schließt die Beteiligung an Nutzung, Bewirtschaftung und Erhaltung dieser Ressourcen ein. Das neue Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten, darunter Brasilien, verschärft jedoch den Druck auf die indigene Bevölkerung im Amazonas-Regenwald. Brasilien möchte seine Agrarexporte erhöhen und den Sojaanbau im Amazonas-Regenwald ausweiten. Dafür wird die dort lebende indigene Bevölkerung von ihrem Territorium vertrieben und der Regenwald abgeholzt.

 

Präsident Bolsonaro hatte in seinem Wahlkampf 2018 angekündigt, die Rechte der indigenen Völker zu beschränken. Bereits kurz nach Amtsantritt ließ der brasilianische Präsident der Behörde zum Schutz der Indigenen die finanziellen Mittel kürzen. Seitdem kann die Behörde deutlich weniger Kontrollen durchführen. Der Amazonas-Regenwald ist die grüne Lunge der Erde und hat besondere Bedeutung für das Weltklima.

 

Die ILO-Konvention Nr. 169 ist das einzige internationale Abkommen, das die Rechte indigener Völker verbindlich regelt. Im Koalitionsvertrag hat sich die Bundesregierung verpflichtet, die Ratifizierung der ILO-Konvention 169 zum Schutz der indigenen Völker anzustreben.

 

Die Vereinten Nationen (UN) schätzen, dass weltweit 370 Millionen Indigene mit 5.000 verschiedenen Kulturen in etwa 90 Staaten leben. Sie machen fünf Prozent der Weltbevölkerung aus. Den Tag der indigenen Völker am 9. August gibt es seit 1994. Die UN weisen darauf hin, dass die Lebensgrundlage indigener Völker bedroht ist: durch den zunehmenden Abbau natürlicher Ressourcen, die Folgen des Klimawandels und die fehlende Anerkennung ihrer Rechte.


Ware Kind: Alle acht Minuten wird in Indien ein Kind vermisst

 

(München/sos) - Geringe Kosten, hohe Profite - alle acht Minuten wird in Indien ein Kind vermisst und in den allermeisten Fällen von Menschenhändlern verschleppt. Das vermeldet die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer.

 

Die Zahl basiert auf Erkenntnissen des staatlichen "National Crime Records Büro" und deckt sich mit dem, was SOS-Mitarbeiter täglich erleben. "Manchmal verschwinden Kinder buchstäblich über Nacht", sagt Shubha Murthi, Leiterin der SOS-Kinderdörfer in Asien. "Kinderhandel in Indien ist ein riesiges Problem. Die Jungen und Mädchen werden zur sexuellen Ausbeutung und als Kindersklaven für Betriebe, die Landwirtschaft oder Haushalte vermittelt", so Murthi weiter.

 

"Die Kinder werden gekidnappt und vermarktet, in anderen Fällen mit falschen Versprechungen geködert: Es heißt, sie bekämen einen guten Job, Bildung und Wohlstand. Viele bezahlen die jahrelangen Gräuel im kommerziellen Sexgeschäft oder in der modernen Slaverei mit ihrem Leben." So schildert Murthi die Geschäftspraktiken der Menschenhändler. Ein Großteil des Kinderhandels würde innerhalb des Landes abgewickelt, aber auch Kinder aus angrenzenden Ländern wie Nepal und Bangladesch an zahlungskräftige Inder verkauft. Indische Kinder wiederum würden in Nachbarstaaten verschleppt.

 

Nur selten gelinge es den Behörden, das Verbrechen aufzudecken und die Kinder zu befreien. Manche dieser Kinder, deren Familien nicht mehr ausfindig gemacht werden können, bekämen in den SOS-Kinderdörfern ein neues Zuhause.

 

Die Ursachen für den Kinderhandel sieht Murthi unter anderem in der großen Armut, der die Menschen zu entkommen versuchen, in Gesetzeslücken, mangelnder Rechtssicherheit und der Diskriminierung und Benachteiligung ganzer Bevölkerungsgruppen. "Diese Menschen sind aufgrund von Not und Unwissenheit besonders gefährdet und zudem unzureichend geschützt", sagt Murthi. Man könne das Problem nur mit umfassenden Lösungen in den Griff bekommen: "Bildung, soziales Bewusstsein und ein Ende der Diskriminierung sind hier die Schlüsselpunkte. Außerdem brauchen wir schärfere Gesetze!"

 

Die SOS-Kinderdörfer setzen sich seit Jahren mit einer Reihe von Maßnahmen gegen Kinderhandel in Indien ein, unter anderem durch Aufklärung und die SOS-Familienstärkung, die die Familien dabei unterstützt, Wege aus der Armut zu finden, ohne dass sie ihre Kinder weggeben müssen.


Prozess gegen kasachischen China-Kritiker Serikzhan Bilash

  • Gestern begann der Prozess gegen den Gründer der Menschenrechtsorganisation Atajurt
  • Für seine Kritik an den Umerziehungslagern in Xinjiang drohen ihm bis zu sieben Jahre Haft
  • Die GfbV fordert seine sofortige Freilassung

 

(Göttingen/gfbv) - Gestern begann der Prozess gegen Serikzhan Bilash, den Gründer der Menschenrechtsorganisation Atajurt, in der kasachischen Hauptstadt Nur-Sultan. Weil er die schweren Menschenrechtsverletzungen in den Lagern in Xinjiang dokumentierte und öffentlich machte, wirft die Staatsanwaltschaft ihm vor, Hass gegen China geschürt zu haben. Dafür drohen dem prominenten Menschenrechtler bis zu sieben Jahre Haft. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) fordert seine sofortige Freilassung: „Bilash und seine Mitstreiter dürfen nicht mundtot gemacht werden, nur, weil sie Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit anprangern“, erklärte der GfbV-Direktor Ulrich Delius am Dienstag in Göttingen. 

 

Die Menschenrechtsorganisation wirft den kasachischen Behörden vor, diejenigen systematisch einzuschüchtern, die sich für die Rechte ethnischer Kasachen in China einsetzen. Bilash, der seit dem 11. März 2019 unter Hausarrest steht, sei seitdem mehr als 20 Mal von kasachischen Behördenvertretern aufgesucht worden. Sie hätten ihn gedrängt, seine Vorwürfe gegen Chinas Lagersystem in Videos und schriftlichen Erklärungen zu relativieren. „Chinas langer Arm in Kasachstan macht der Zivilgesellschaft das Leben zur Hölle. Mit massiven Einschüchterungen werden kasachische Menschenrechtler ins Exil getrieben. Denn unter solchen Bedingungen kann niemand frei arbeiten“, so Delius. 

 

Mehr als hundert Unterstützer der Menschenrechtsorganisation Atajurt erschienen zum Prozessbeginn in Nur-Sultan und forderten die Freilassung Bilashs. Einen ersten Erfolg konnten sie am ersten Prozesstag erzielen: Das Gericht gab dem Antrag von Bilashs Rechtsanwältin Aiman Umarova statt und verlegte den weiteren Prozess in die Stadt Almaty.  

 

In den Umerziehungslagern in Xinjiang werden neben Uiguren auch ethnische Kasachen und Kirgisen gegen ihren Willen festgehalten. Atajurt recherchiert unter ehemaligen Lagerinsassen die katastrophalen Lebensbedingungen sowie die schweren Menschenrechtsverletzungen in den Camps. „Atajurts Verdienst ist es, den Mantel des Schweigens über einem der schlimmsten Verbrechen des 21. Jahrhunderts zu lüften“, erklärte Delius.  

 


Internationaler Tag gegen Menschenhandel (30. Juli)

Geschäft mit Kindern in Westafrika boomt / "Kinder sind keine Ware!"

 

(München/sos) - In Westafrika sind mehr als sieben von zehn Opfern von Menschenhandel Kinder. Darauf weist die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer anlässlich des Internationalen Tages gegen Menschenhandel am 30. Juli hin. "Das ist die weltweit höchste Quote und liegt noch deutlich über dem internationalen Durchschnitt, der mit 30 Prozent Kindern ohnehin schon katastrophal ist", sagt Boris Breyer, Sprecher der SOS-Kinderdörfer.

 

 

 

Vor allem Mädchen seien in der Region gefährdet, sie machten allein 40 Prozent der Betroffenen aus. "Oft werden Eltern in wirtschaftlichen Notlagen mit falschen Versprechungen dazu bewegt, die Kinder wegzugeben. Mädchen müssen in Westafrika häufig als Dienstmädchen in Haushalten arbeiten, Jungen in der Landwirtschaft. Vielfach leben sie unter sklavenähnlichen Bedingungen", sagt Breyer.

 

 

 

Immer wieder käme es in der Region auch zu Konflikten oder terroristischen Übergriffen, in denen Kinder rekrutiert und als Soldaten oder Sexsklaven missbraucht würden. Auch Kinder, die alleine oder mit ihren Eltern auf der Flucht sind, wie etwa in Nigeria, wo nach wie vor die Terrororganisation Boko Haram wüte, seien extrem gefährdet.

 

 

 

"Kinder sind eine besonders leichte Beute - der Schaden, der ihnen zugefügt wird, wiegt besonders schwer und führt oft zu lebenslanger Beeinträchtigung", sagt Breyer. Weltweit seien Millionen Kinder bedroht. Um Abhilfe zu schaffen, bräuchte es klare Gesetze, länderübergreifende Zusammenarbeit, Aufklärung und gezielte Armutsbekämpfung.

 

 

 

Die SOS-Kinderdörfer weltweit setzen sich seit Jahrzehnten in zahlreichen Ländern vielfältig gegen Kinderhandel ein, unter anderem durch politische Arbeit und Aufklärungskampagnen. Die SOS-Familienstärkung beugt Kinderhandel vor, indem sie Armut bekämpft.

 

 

 


Tibet: UN-Experten verlangen von Peking Auskunft über zu langen Haftstrafen verurteilte Tibeter / Haftgrund: Geburtstagsfeiern für den Dalai Lama

 

(Berlin/ict) - Fünf Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen verlangen von der chinesischen Regierung Auskunft über eine Gruppe von neun Tibetern, die zu langen Haftstrafen verurteilt wurden, weil sie vor vier Jahren den 80. Geburtstag des Dalai Lama feierten. In einem gemeinsam verfassten Schreiben äußern die Menschenrechtsexperten ihre Besorgnis über Chinas Missachtung der Regeln für faire Gerichtsverfahren, die Kriminalisierung der tibetischen Kultur und die Verletzung der Grundrechte der Tibeter durch die Verwendung des „Separatismus“-Vorwurfs.

 

In dem Schreiben der UN-Sonderberichterstatter heißt es: „Wir bedauern zutiefst, wie die chinesische Regierung auf eine kulturelle und religiöse Äußerung von neun Angehörigen der tibetischen Minderheit reagiert hat, ( ) und wir sind besorgt über die Berichten zufolge häufige Anwendung von Artikel 103 Absatz 2 des chinesischen Strafgesetzbuchs über die ‚Anstiftung zum Separatismus‘.“ Damit werde zum einen „die Meinungs-, Religions-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit sowie die kulturellen Rechte der tibetischen Minderheit“ unterdrückt, und zum anderen „jeder menschenrechtliche Einsatz für den Schutz und die Förderung dieser Rechte“ unterbunden.

 

Das Schreiben ist unterzeichnet von Karima Bennoune, Sonderberichterstatterin über kulturelle Rechte, David Kaye, Sonderberichterstatter zur Meinungsfreiheit, Michel Forst, Sonderberichterstatter zur Lage von Menschenrechtsverteidigern; Fernand de Varennes, Sonderberichterstatter zu Minderheitenangelegenheiten, und Ahmed Shaheed, Sonderberichterstatter über Religions- und Glaubensfreiheit.

 

Die neun Tibeter Drugdra, Lobsang Khedrub, Lobsang Gephel, Lodro, Ta’re Kyi, Bonkho Kyi, Trotsik Tsultrim, Tsulte und Akyakya wurden am 6. Dezember 2016 von einem Gericht im osttibetischen Ngaba verurteilt. Die Urteile reichten von fünf Jahren bis zu 14 Jahren Gefängnishaft. Allesamt wurden sie Ende 2015 festgenommen und seither durchschnittlich ein Jahr an unbekanntem Ort in Incommunicado-Haft festgehalten. Angehörige oder Freunde wussten weder, in welcher Haftanstalt sie sich befanden, noch ob sie überhaupt am Leben waren. Keinem von ihnen wurde vor Gericht die Unterstützung durch einen Rechtsbeistand gestattet. Bei den Verurteilten handelt es sich sowohl um – teils hochrangige – Mönche, als auch um buddhistische Laien.

 

Aus Sicht der International Campaign for Tibet (ICT) haben sich die Neun nichts zuschulden kommen lassen, das auch nur ansatzweise strafwürdig wäre. Sie hatten lediglich ihre Rechte auf freie Meinungsäußerung und freie Ausübung der Religion in Anspruch genommen, als sie 2015 den 80. Geburtstag ihres religiösen Oberhaupts angemessen begehen wollten. Die Urteile sind eindeutig politisch motiviert und dienen allein dem Zweck, eine Warnung für alle Tibeterinnen und Tibeter darzustellen, die loyal zum Dalai Lama stehen. Sie sind eindeutig menschenrechtswidrig und Ausdruck der systematischen Repression in Tibet, so ICT.

 

www.savetibet.de

Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit 30 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.

 


SOS: Berüchtigte Waisenheime in Osteuropa bald weitgehend geschlossen

 

(München/sos) -- Osteuropa schließt nach Angaben der SOS-Kinderdörfer seine berüchtigten Waisenhäuser. Lange Zeit waren die Heime Inbegriff von Vernachlässigung und menschenverachtender Zustände. "Inzwischen sind alle Länder dabei, staatliche Heime zu schließen", berichtet Maria Dantcheva, Leiterin der Programmentwicklung der SOS-Kinderdörfer für Osteuropa. Lebten zum Beispiel in Rumänien im Jahr 2000 fast 100.000 Jungen und Mädchen in Kinderheimen, sind es heute nur noch rund 6600. Auch in Bulgarien ist die Zahl der Kinder in staatlichen Heimen gesunken: von 7587 im Jahr 2009 auf 979 im Jahr 2017. Bis 2025 sollen sämtliche Heime geschlossen werden.

 

Die SOS-Kinderdörfer seien in 19 Ländern Ost- und Zentraleuropas maßgeblich an den Prozessen beteiligt, sagt Maria Dantcheva. "Über lange Zeit waren wir vielerorts die einzigen, die familiennahe Betreuung für Kinder in Not angeboten haben. Jetzt unterstützen wir die Regierungen mit unserem Know-how: Wir sind an der Entwicklung von Gesetzen und Kinderschutzsystemen beteiligt und helfen intensiv beim Aufbau von Pflegeeltern-Netzwerken." Auch in Kasachstan sei die Organisation aktiv. Das dortige SOS-Kinderdorf Almaty werde in Kürze

 

30 bis 40 Jungen und Mädchen aus einem schließenden Kinderheim aufnehmen. Unter dem Namen "Open Doors" habe SOS sich mit vier anderen Hilfsorganisationen zusammengeschlossen, um die Schließung von Waisenheimen durch die Bereitstellung von Daten, Aufklärungskampagnen und politische Arbeit voranzutreiben.

 

Statt in staatlichen Heimen sollen die Kinder in Zukunft bei Pflegefamilien, in Kleingruppen oder bei Verwandten aufwachsen. Auch sollen Familien in Krisen stabilisiert werden, damit möglichst viele Kinder bei ihren Eltern bleiben können.


Kinder in Entscheidungen einbeziehen und Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen

Neuer World Vision Report: Regierungen lassen immer noch Gewalt gegen Kinder zu

 

(New York/wv) - In dieser Woche berichten viele Länder in New York auf dem Hochrangigen Politischen Forum über ihre Fortschritte, die sie bezüglich der Bekämpfung der Armut gemacht haben. „Das Thema ‚Gewalt gegen Kinder beenden‘, scheint jedoch nicht auf der aktuellen Agenda vieler Länder zu stehen“, betont Ekkehard Forberg, Friedensexperte bei World Vision Deutschland. In einer aktuellen Untersuchung mit dem Titel „Small Cracks, Big Gaps“ hat die internationale Kinderhilfsorganisation festgestellt, dass viele Regierungen sich des Problems bewusst sind, aber dennoch keine oder unzureichende Gesetze erlassen wurden, um Kinder ausreichend zu schützen. Auch wird die Anzahl der Fälle von Kindesmissbrauch bzw. Gewalt gegen Kinder in vielen Ländern nicht erfasst. Maßnahmen, die zum Ziel haben, Kinder zu schützen, sind meist unterfinanziert.

 

Der Bericht basiert auf einer umfassenden Analyse der Politik und der Gesetze in 20 Ländern*. Untersucht wurde die Frage, warum es 30 Jahre nach der Ratifizierung der Konvention über die Rechte des Kindes immer noch möglich ist, dass Kinder gezwungen werden, viel zu früh zu heiraten, unter erniedrigenden und gefährlichen Bedingungen zu arbeiten und Gewalt und Missbrauch – auch sexuellem – ausgesetzt sind. In vielen Ländern sehen Eltern Schläge gegen Kinder immer noch als rechtmäßiges Mittel der Erziehung an.

 

„Das Nachhaltigkeitsziel, das vorsieht, eine friedliche und nachhaltige Entwicklung zu fördern, ist bezüglich der Bekämpfung von Gewalt gegen Kinder nur unzureichend umgesetzt worden“, betont Forberg. „Wir sind trotz Fortschritten weit davon entfernt, eine friedliche Welt für Kinder zu schaffen. Gewalt gegen Kinder zu beenden müsste für alle Gesellschaften in allen Ländern oberstes Ziel sein.“ Die im Bericht beschriebenen Lücken im Kinderschutz hätten massive Auswirkungen auf die Zukunft von Gesellschaften und Volkswirtschaften.

 

„Wenn wir die Ziele zur nachhaltigen Entwicklung erreichen wollen, müssen die Rechte von Kindern bei allen Maßnahmen und politischen Entscheidungen stärker berücksichtigt werden“, so Forberg. „Kinder werden zu wenig gehört. Ihr Leiden bleibt oft unsichtbar, aber eine Welt ohne Gewalt gegen Kinder ist möglich.“

 

Der World Vision-Bericht empfiehlt unter anderem, dass Kinder in Entscheidungen, die sie betreffen, systematisch einbezogen werden und sie die Möglichkeit haben, Führungskräfte oder Politiker, die ihren Verpflichtungen zum Schutz der Kinder nicht nachkommen, zur Rechenschaft ziehen können. „Dies ist jedoch nur möglich, wenn es gut funktionierende staatliche Strukturen und Institutionen gibt, wenn gute Bildung ermöglicht wird, so dass Kinder eine Zukunft in ihren Heimatländern haben und sie so zu Stützen ihrer Gesellschaft werden“, erläutert Forberg.

 

*Der Bericht ist Teil einer Studienreihe, die die weltweiten Anstrengungen von World Vision zur Beendigung von Gewalt gegen Kinder unterstützt. Die 20 untersuchten Länder sind Äthiopien, Angola, Armenien, Bangladesch, Bosnien-Herzegovina, Kambodscha, Demokratische Republik Kongo, El Salvador, Eswatini, Guatemala, Indonesien, Mexico, Mosambik, Peru, Philippinen, Rumänien, Sambia, Sierra Leone, Sri Lanka und Südafrika. Es handelt sich um Länder, in denen World Vision Hilfsprogramme und Kinderschutz-Arbeit umsetzt.

 

Hier finden Sie den Report „Small Cracks, Big Gaps“ (pdf-Datei):

https://www.wvi.org/publications/report/it-takes-world/small-cracks-big-gaps

 

Weitere Informationen zu SDG 16:

https://www.bmu.de/themen/nachhaltigkeit-internationales/nachhaltige-entwicklung/2030-agenda/

https://sustainabledevelopment.un.org/sdg16

 

 

 


World Vision versorgt Hunderttausende im größten Flüchtlingslager der Welt

Überschwemmungen bedrohen Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch

 

(Friedrichsdorf/Cox's Basar/wv)  – Heftige Monsun-Regenfälle haben das größte Flüchtlingslager der Welt in Bangladesch überschwemmt. Große Teile des Lagers stehen unter Wasser, Erdrutsche haben Hütten zerstört. In den Lagern in Cox`s Basar leben etwa 1 Million Rohingya aus Myanmar, die vor knapp zwei Jahren der Verfolgung in ihrer Heimat Myanmar entkommen sind. Die internationale Hilfsorganisation World Vision versorgt hunderttausende Menschen.

 

"Zum Glück haben wir intensiv den Einsatz planen können", sagt Rachel Wolff, Leiterin der humanitären Arbeit von World Vision in Cox's Basar. "Wir bereiten uns seit sechs Monaten auf die Monsunzeit vor. Jetzt zahlt sich die Vorsorge aus."

 

Wolff erklärt, dass ihre Organisation im vergangenen November 15.000 Männer und Frauen unter den Flüchtlingen eingestellt hat, um durch den Ausbau der Infrastruktur das Katastrophenrisiko zu reduzieren. Sie bauten ein Dutzend Brücken, befestigten Straßen von Hand und stützten erdrutschgefährdete Hänge über die weitläufigen Lager.

 

Der Einsatz hat sich nach ihren Angaben gelohnt. Trotz der Überschwemmungen konnten World Vision und andere NGOs den Zugang zu den Lagern erhalten, um den Flüchtlingen Nahrungsmittelhilfe und andere dringend benötigte Dienste zu leisten.

 

"Viele Straßen in den Lagern sind wasserdurchflutet und voller Schlamm, aber wir kommen durch", sagt Wolff. World Vision liefert weiterhin täglich 800 Kindern zusätzliche Lebensmittel, um die Unterernährung zu verhindern und zu behandeln. Die World-Vision-Lager für Nahrungsmittelhilfe bleiben geöffnet, wo täglich 2.000 Flüchtlinge kommen, um Gutscheine gegen frisches Obst und Gemüse einzutauschen. Trotz einiger Schäden sind die 42 Gemeinschaftsküchen der Organisation in Betrieb. Bis zu 1.000 Mütter kochen hier jeden Tag Essen für ihre Familien.

 

Kinder sind besonders während des Monsuns gefährdet. "Die Sicherheit von Kindern hat bei uns oberste Priorität", sagt Wolff. Die Mitarbeiter von World Vision schulten Tausende von Eltern, wie sie ihre Familien bei extremen Wetterverhältnissen schützen können und was zu tun ist, wenn Kinder bei einem Sturm verloren gehen oder getrennt werden. Elf Kinderbetreuungszentren von World Vision werden als Treffpunkte für die Gemeinschaft dienen.

 

Meteorologen prognostizieren für die nächsten fünf Tage sintflutartige Regenfälle, die wahrscheinlich weitere Erdrutsche und Überschwemmungen in den Lagern auslösen werden. Flüchtlinge, die in provisorischen Unterkünften auf bröckelnden Hängen leben, sind zunehmend mit der Gefahr konfrontiert, dass ihre Häuser einstürzen.




Geburtstag des Dalai Lama mahnt

Zu langen Haftstrafen verurteilte Tibeter müssen freigelassen werden

 

(Berlin/ict) - Anlässlich des bevorstehenden 84. Geburtstags des Dalai Lama am 6. Juli erinnert die International Campaign for Tibet (ICT) an das Schicksal von neun Tibetern, die von der chinesischen Justiz zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden, weil sie im Jahr 2015 zum 80. Geburtstag des Dalai Lama Feiern organisieren wollten. ICT ruft die deutsche Bundesregierung und die internationale Gemeinschaft auf, sich gegenüber den chinesischen Behörden für die unverzügliche und bedingungslose Freilassung der neun Männer und Frauen einzusetzen, die aus Sicht der International Campaign for Tibet lediglich friedlich ihr Recht auf freie Religionsausübung in Anspruch genommen haben.

 

Die Urteile, die von fünf Jahren bis zu 14 Jahren Gefängnishaft lauteten, sind eindeutig politisch motiviert und sollen offenbar Tibeter einschüchtern, die den Dalai Lama als ihr religiöses Oberhaupt verehren, so die International Campaign for Tibet.

 

Die neun Tibeter Drugdra, Lobsang Khedrub, Lobsang Gephel, Lodro. Ta’re Kyi, Bonkho Kyi, Trotsik Tsultrim, Tsulte und Akyakya wurden am 6. Dezember 2016 von einem Gericht im osttibetischen Ngaba verurteilt. Allesamt waren sie Ende 2015 festgenommen und seither durchschnittlich ein Jahr an unbekanntem Ort in Incommunicado-Haft festgehalten worden. Angehörige oder Freunde wussten weder, in welcher Haftanstalt sie sich befanden, noch ob sie überhaupt am Leben waren. Keinem von ihnen wurde vor Gericht die Unterstützung durch einen Rechtsbeistand gestattet. Bei den Verurteilten handelt es sich sowohl um – teils hochrangige – Mönche, als auch um buddhistische Laien. Tibeterinnen und Tibeter begehen den Geburtstag des Dalai Lama üblicherweise mit Picknicks im Freien oder tauschen sich in Chaträumen dazu aus. Dies wurde den verurteilten Tibetern offenbar zur Last gelegt.

 

Einzelheiten zu den Fällen finden Sie auf der Homepage von International Campaign for Tibet Deutschland e.V. und im englischsprachigen Originalbericht „Tibetans sentenced to long prison terms for involvement in Dalai Lama’s 80th Birthday celebration".

 



Der Schachbrettfalter ist Schmetterling des Jahres 2019

Foto: E. Dallmeyer
Foto: E. Dallmeyer