Nachrichten aus aller Welt

8.08.2020

Foto: Gert Holle
Foto: Gert Holle

FIDES-NACHRICHTEN - 8.08.2020

ASIEN/LIBANON - Caritas Libanon: " Wir leben in einem Albtraum, aber wir geben nicht auf und helfen weiterhin den am am wenigsten geschützten Menschen.

 

Mehr als 300.000 Verschollene, tausende Verletzte und hunderte Tote sind die vorläufige Bilanz der Explosion vom 4. August im Hafen von Beirut. „Eine schreckliche, verheerende Situation , und heute befinden wir uns in einem völligen Durcheinander“ erklärt Caritas International Rita Rhayem, Leiterin von Caritas Libanon; ihr Staff hat sich umgehend damit befasst, die durch die Explosion zu Schaden gekommenen Menschen zu versorgen.
„Die Lage ist kritisch; es ist das erste Mal, dass wir uns mit einer derartigen Notsituation befassen, aber wir bleiben nicht stehen, machen weiter, um den Menschen in Not zu helfen“, betont sie. Es gibt viele Tote und Verletzte, und sehr wahrscheinlich wird sich die Situation schnell weiter verschlechtern wegen der Auswirkungen der Giftgase. Caritas Libanon bereitet sich auf diese Möglichkeit zwar vor, aber unsere Gesundheitszentren haben nicht die Mittel, einem derartigen Ereignis entgegen zu treten; die Rettungsarbeiten werden außerdem dadurch erschwert, dass es keine Elektrizität gibt.“
In dem an Fides überstellten Bericht wird hervorgehoben,dass auch das Hauptquartier der Caritas Libanon durch die Explosion schwer beschädigt wurde. Lokalquellen zufolge war das Hauptbüro glücklicherweise kurz vor der Explosion geschlossen worden, sodass und so wurde niemand verletzt.
„Das Land ist wie gelähmt, und erleben hier ein Alptraum“ – berichtet der Vorsitzende von Caritas Libanon, Vater von Michel Abboud - „Wir haben nichts, womit wir der Bevölkerung helfen könnten. Beirut ist zerstört, und wir sind vollkommen überweltigt vom Ausmaß der Ereignisse“.
„Unsere Freiwilligen haben sich umgehend mobilisiert, um Verwundete zu finden, die in unseren Notversorgungszentren aufgenommen werden, welche alledings schon unglaublich überfüllt sind, ebenso wie die Krankenhäuser. Es fehlt an Allem, einschließlich Lebensmittel, um die Bevölkeru ng zu unterstützen“ fügt Rita Rhayen hinzu.
„Die Explosionen haben dem Libanon einen weiteren Schaden zugefügt, nachdem das Land schon durch die Wirtschafts-und Politikkrise, Gewalttaten, Covid-19 Pandemie sowie durch die von Syrien verghängten Wirtschftssanktionen in die Knie gezwungen waren“ – betont Aloysius John, der Generalsekretär von Caritas Internationalis. „Wir dürfen nicht vergessen, wie sehr die Auswirkungen der Wirtschftssanktionen und der Gewalttaten dieses Land geschwächt haben und noch immer den Libanon bedrücken, der jetzt auch eine schwere Versorgungskrise angehen muss“. John bittet “die internationale Gemeinschaft, dringend und bedingungslos zu intervenieren, damit der Bevölkerung geholfen werden kann, und entschlossen handelt, um die Leiden der Libanesen, zu erleichtern, indem die Wirtschaftssanktionen unmittelbar aufgehoben werden

 

LINK
Per ulteriori info ->
https://www.caritas.org/donation/lebanon-appeal

 

 

 

AMERIKA/BRASILEN - Schreiben von 152 Bischöfen: Kritik an der Regierungsführung

 

Brasilia ( Fides) – Eine Gruppe von 152 brasilianischen Bischöfen -ungefähr ein Drittel der Mitglieder der brasilianischen Bischofskonferenz hat einen „Brief an das Volk Gottes“ veröffentlicht, in dem Staatspräsident Jair Bolsonaro scharf kritisiert wird sowohl für seinen Führungsstil bei der Covid-19 Pandemie als für die politische Orientierung der Regierung.
„Brasilien befindet sich in der schwierigsten Zeit seiner ganzen Geschichte, die sich mit einem „perfekten Sturm“ vergleichen lässt, der bedauerlicherweise nicht aufgehalten werden kann. Grund dafür ist die Kombination von einer beispiellosen Krise im Gesundheitsbereich, einem ungeheueren Zusammenbruch der Wirtschaft sowie der Spannung, die über den Grundlagen der Republik hängt, der wesentlich durch den Staatspräsidenten und anderen Kräften in der Gesellschaft ausgelöst wurde, was zu der tiefgehenden Krise in Politik und Regierungsvermögen geführt hat“, heißt es in dem Dokument.
Entsprechend der Fides überstellten Note sollte das Schreiben bereits Ende Juli veröffentlicht werden, wurde aber zunächst zur Überarbeitung an den Ständigen Rat der Brasilianischen Bischofskonferenz (CNBB) gegeben. Allerdings wurde die Note durch die sozialen Netzwerke bereits vor der Genehmigung der CNBB verbreitet. So verbleit die Versntwortung bei den Unterzeichnern.
„Wir sind Bischöfe der katholischen Kirche aus verschiedenen Regionen Brsiliens, in enger Verbindung mit Papst Franziskus und seinem Magisterium, sowie in völliger Syntonie mit der brasilianischen Bischofskonferenz, die sich bei der Erfüllung ihrer Evangelisierungsmission stets für die Geringsten, für Recht und Frieden einsetzt“, heißt es in dem Brief.
„Vor eben diesem Horizont posizionieren wir uns gegenüber der aktuellen Realität in Brasilien. Wir haben weder politische, noch Partei,- oder Wirtschaftsinteressen, ebenso wenig wie ideologische oder andere. Unser einziges Interesse ist das in unserer Geschichte präsente Reich Gottes mit dem Ziel, bei der Schaffung einer strukturell gerechten, brüderlichen und solidalen Gesellschaft als als einer Kultur der Liebe voranzukommen“.
Dieses Szenarium von gefährlichen Sackgassen, die unserem Land eine harte Probe auferlegen, verlangt von ihren Institutionen, den Leadern und Bürgerorganisationen ideologische Reden“ mehr Dialog als geschlossene ideologische Reden“.
Die Bischöfe sind der Ansicht, dass „ das System der derzeitigen Regierung nicht das menschliche
Wesen und das Wohl aller in den Mittelpunkts stellt, sondern die hartnäckige Erhaltung der Interessen einer „mörderischen Wirtschaft“:
Und in direkter Anspielung auf ein Thema, das Verantwortung der Kirche ist, aber auch direkt an Päsident Bolsonaro, wird in dem Dokument hinzugefügt, dass „auch die Religion zur Manipulation benutzt wird von Gefühlen und Überzeugungen, um Spaltungen herbeizuführen, Hass zu verbreiten, Spannungen zwischen den Kirchen und ihren Verantwortlichen zu schüren. Es schließt mit mit der Ermahnung, dass jegliche Verbindung zwischen Religion und Macht im laizistischen Staat verhängnisvoll ist, und vor allem die Verbindung zwischen fundamentalistischen religiösen Gruppen und der Aufrechterhaltung der totalitären Macht“.

 

AMERIKA/PERU - Die Bischöfe beobachten die Landespolitik; „Das ist der schlechteste Augenblick fürdie Auslösung einer neuen Krise“

 

Lima (Fides) – Die großen Privatunternehmen, ebenso wie Bürgermeister und die katholische Kirche haben die Exekutive und den Kongress Perus aufgefordert, unvermittelt die schwere politische Krise zu beheben, in der sich das Land befindet, nachdem die Legislative am vergangenen Dienstag das Kabinett von Ministerpräsident Pedro Cateriano zu Fall gebracht hatte.
Der gemeinsame Nenner aller Erklärungen am Mittwoch war die Aufforderung, einen Konsens zu erreichen, Folgen der COVID-19 Epidemie zuvor zu kommen, die Peru an 7. Stelle in der Welt und an 3. In Lateinamerika mit der größten Zahl an Fällen sieht.
Am Dienstag, 4.August hat der Kongress dem Kabinett Cateriano das Vertrauen verweigert und wurde so gezwungen das Amt nach erst 19 Tagen abzulegen, nachdem Präsident Martin Vizcarra sich versichert hatte, dass die Abgeordneten Sonderansprüchen den Vorrang gegeben hatten. Er hat aber die Tatsache akzeptiert und angesagtm dass er innerhalb der gesetzlich vorgesehenen Frist ein neues Kabinett zusammensetzen werde.
Fides hat den Wortlaut der Erklärung Peruanischen Bischofskonferenz (CEP) erhalten; diese hat daran erinnert, dass Peru „aufgrund der Pandemie leidvolle Zeiten durchmacht, weshalb sie es für richtig hielt baldmöglichst die „nationale Einheit“ zu fördern. „Dies ist der schlechteste Moment, eine Krise herbeizuführen“, hieß es darin; und es wurde festgestellt, dass die Politik die Differenzen beiseite legen müsse, und stattdessen dem Leben der Peruaner Vorrang geben müsse“.
Abschließend appellierten die Bischöfe an die Politik sich „mit einem vorrangigen Programm um Konsens zu bemühen“, dass das Wohl aller Peruaner an erste Stelle setzt und so „auf der Grundlage eines prioritären Programms das Wohlergehen aller Peruaner in den Vordergrund stellt, „aus der Grundlage von Dialog und gutem Glauben und ehrlicher Absicht , wobei das Allgemeinwohl stets vor allen Gruppeninteressen stehen müsse.
Die politische Krise im Land entstand, als Peru die Zahl von 20.000 Todesfällen aufgrund von COVID-19 überschritten hatte und inzwischen 440.000 Ansteckungen zählt.


 

 

 


Explosion Beirut/Libanon: Als wäre ganz Bonn von heute auf morgen obdachlos

von Aktion Deutschland Hilft

 

Nach der schweren Explosion im Hafen von Beirut am Dienstagabend laufen Bergungsarbeiten, Not- und Soforthilfemaßnahmen auf Hochtouren. Viele Hilfsorganisationen aus dem Bündnis Aktion Deutschland Hilft sind bereits seit Jahren mit lokalen Büros oder Partnerorganisationen im Libanon aktiv. Auch wenn viele Helfer vor Ort selbst von der Explosion betroffen waren, konnten sie schnell erste Hilfsaktivitäten einleiten.

 

Nothilfe für die Menschen im Libanon läuft auf Hochtouren

 

"Die Hilfsorganisationen in unserem Bündnis beschreiben die aktuelle Lage in Beirut, wie wir es sonst von großen Naturkatastrophen kennen", berichtet Manuela Roßbach, geschäftsführende Vorständin von Aktion Deutschland Hilft. Und genauso wie nach einem Erdbeben stehen für Helferinnen und Helfer jetzt die Bergung Betroffener aus den Trümmern, medizinische Hilfe und die Versorgung der vielen Obdachlosen mit Lebensmitteln, Decken und Hygieneartikeln im Vordergrund.

 

Laut der Bündnisorganisation Kinderhilfswerk Stiftung Global-Care sind über 300.000 Menschen obdachlos und haben alles verloren. "Das ist so, als hätte die gesamte Bevölkerung von Bonn von heute auf morgen kein Dach mehr über dem Kopf", so Roßbach.

 

Beirut: Die Krankenhäuser sind völlig überlastet

 

Die Krankenhäuser in der libanesischen Hauptstadt sind – auch wegen der Corona-Pandemie – völlig überlastet und müssen Verwundete zum Teil zurückweisen. Die Helferinnen und Helfer vor Ort bemühen sich nach Kräften, die medizinische Versorgung der Verletzten zu bewältigen. Einige Hilfsorganisationen im Bündnis entsenden auf Anfragen aus dem Libanon weitere Helfer aus Deutschland, um der Lage Herr werden zu können.

 

Die Hilfsorganisationen im Bündnis sorgen sich trotz der aktuellen Herausforderungen in der Nothilfe aber vor allem auch um die langfristigen Folgen des Unglückes: Der Libanon steckt seit Jahren in einer schweren Wirtschaftskrise und ist von Lebensmittelimporten aus dem Ausland abhängig. Angesichts des zerstörten Hafens, der als wichtiger Umschlagpunkt für Importe diente, wird es zu Lebensmittelengpässen und steigenden Preisen kommen.

 

"Wie soll ich morgen essen?" ist eine allgegenwärtige Frage

 

"Dies ist eine weitere Tragödie für ein Land, das an mehreren Fronten bereits tief in der Krise steckt. Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze und 35 Prozent der Menschen sind arbeitslos. Ein Großteil der libanesischen Bevölkerung ist bedürftig – darunter auch viele Geflüchtete zum Beispiel aus Syrien – und kämpft schon lange um das tägliche Überleben. Aber jetzt kämpfen sogar Familien der Mittelschicht darum, Essen auf den Tisch zu stellen. Seit fast einem Jahr beschäftigen sich alle Menschen mit der Frage: 'Wie soll ich morgen essen?'", erklärt Nidal Ali, Länderdirektor Libanon von Islamic Relief.

 

 

Spendeninformation:

 

Aktion Deutschland Hilft
Stichwort: Beirut/Libanon
IBAN: DE62 3702 0500 0000 1020 30 (Bank für Sozialwirtschaft)
Online spenden unter: www.Aktion-Deutschland-Hilft.de

 


Existentielle Bedrohung durch Corona - Bündnis mahnt Ratifizierung der ILO-Konvention zum Schutz Indigener an

Zum Tag der indigenen Völker am 9. August

 

Indigene * Corona * Brasilien * ILO-Konvention 169

 

 

 

(Berlin/bfw) -  Ausgegrenzt, diskriminiert, bedroht, jetzt auch noch Corona: Die Lage der Indigenen im Amazonasgebiet in Brasilien ist alarmierend. Sie leben in entlegenen Gebieten ohne ausreichende medizinische Infrastruktur, ihr Immunsystem ist anfälliger für eingeschleppte Krankheiten, die Corona-Sterberate doppelt so hoch wie in der übrigen Bevölkerung. Zum Tag der indigenen Völker (9.8.) ruft Brot für die Welt gemeinsam mit dem ILO 169-Koordinationskreis zum Schutz indigener Völker auf. Danuta Sacher, Leiterin der Abteilung Lateinamerika und Karibik von Brot für die Welt, appelliert an die Bundesregierung: „Weltweit sind indigene Völker akut durch COVID-19 bedroht. Deshalb braucht es jetzt ein deutliches politisches Signal: Deutschland muss endlich die ILO-Konvention 169 zum Schutz der indigenen Völker ratifizieren.“

 

 

 

Brasiliens Regierung betreibt systematisch eine Politik zur wirtschaftlichen Ausbeutung indigener Gebiete, lässt Goldsuchern und dem Agrobusiness im Regenwald weiter freie Hand. Präsident Jair Bolsonaro legte sogar mehrmals sein Veto gegen bereits vom Senat beschlossene Maßnahmen ein, die die Corona-Ausbreitung unter indigenen Völkern bekämpfen sollten. So verhinderte er etwa, dass der Zugang zu Trinkwasser garantiert wird, Hygiene- und Desinfektionsmaterial kostenlos verteilt werden sowie eine Notversorgung Indigener mit Krankenhausbetten eingerichtet wird.

 

 

 

Das zentrale Menschenrechtsinstrument für den Schutz indigener Völker ist die Konvention ILO 169. Hierin werden indigenen Völkern ihre Rechte auf Selbstbestimmung, kulturelle Identität sowie auf Land und Ressourcen garantiert. Im Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung die Ratifizierung der Konvention angekündigt, sie bisher jedoch nicht umgesetzt. Danuta Sacher: „Der Schutz der indigenen Völker ist eine internationale Aufgabe. Jeder Staat, der die ILO-Konvention 169 ratifiziert, stärkt die Rechte der indigenen Völker.“

 

 

 

Weltweit gehören zwischen 350 und 440 Millionen Menschen rund 6000 indigenen Völkern an. Sie verfügen über eigene Sprachen, Religionen, politische und soziale Institutionen sowie über spezifische kulturell definierte Modelle der Lebensführung. Indigene Völker zählen zu den politisch, wirtschaftlich und sozial stark benachteiligten Bevölkerungsgruppen.

 

 

 

Der Koordinationskreis zur Ratifizierung der ILO-Konvention 169 in Deutschland ist ein Zusammenschluss von zivilgesellschaftlichen Organisationen, Netzwerken und Einzelpersonen. Neben Brot für die Welt gehören die Gesellschaft für bedrohte Völker und urgewald zu den Mitgliedern.

 

 

 


SOS-Kinderdörfer eruieren Nothilfemaßnahmen

Explosion von Beirut: "Schlimmer als im Krieg"

(München/Beirut/sos) - Bereits vor der Coronakrise und der Explosion in der Hauptstadt lebten Familien und Kinder im Libanon am Abgrund: Die Wirtschaft vor dem Kollaps, die medizinische Versorgung und die Nahrungsmittelsicherheit schlecht, viele von Armut und Hunger bedroht. "Aber die Explosion lässt eine ohnehin dramatische Lage eskalieren. Der Schock der Menschen in Beirut sitzt tief. Die Lage ist fragil und sie wissen nicht was sie als nächstes erwartet, weil der Grund für die Explosion nicht klar ist: Unruhen, weitere Explosionen oder sogar Krieg? Die Menschen sind doch schon durch den langen Bürgerkrieg vorbelastet", sagt Afifa Arsanios Dirani, Präsidentin der SOS Kinderdörfer im Libanon.

 

"Unsere größte Sorge gilt den Familien und Kindern, die in Hafennähe und im Stadtgebiet leben. Die Explosion hat die Menschen hier in tiefe Unsicherheit gestürzt. Das müssen sie zusätzlich zur schweren ökonomischen Krise, Flüchtlingen und den COVID-Maßnahmen erst einmal verkraften - der Libanon ist für diesen weiteren Schlag nicht gewappnet", so Arsanios Dirani weiter.

 

Die SOS-Kinderdörfer sind seit Jahrzehnten im Libanon aktiv. Dennoch sagt Arsanios Dirani: "Wir haben den Bürgerkrieg in Beirut erlebt. Die Straßenschlachten und Bomben. Aber eine Explosion wie diese noch niemals."

 

 

 

Die Helfer eruieren aktuell die Lage vor Ort, um betroffenen Familien und Kindern schnell und effizient helfen zu können. "Die  Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: Wir werden Notunterkünfte  errichten, die Versorgung von Familien, die bei der Explosion alles  verloren haben, sicherstellen und psychologische Hilfe leisten, wenn  nötig", sagt Arsanios Dirani. Spätestens nächste Woche solle die

 

Nothilfe beginnen. "Der Libanon ist schwer angeschlagen, auch wir  können nicht allen helfen. Deshalb werden wir uns auf das besinnen, was wir am besten Können - Familien und Kinder beschützen."

 

 

 


World Vision Mitarbeiter sorgen sich um besonders verletzliche Kinder

Explosion ist ein Desaster für Entwicklung Libanons

 

(Beirut/Friedrichsdorf/pm) – Die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision ist mit Mitarbeitern in Beirut vor Ort, um den Bedarf an Hilfe nach der gestrigen schweren Explosion in der libanesischen Hauptstadt zu erkunden. Die Organisation ist seit Jahrzehnten im Libanon tätig. Lokale Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bezeichnen die Katastrophe als eines der "schwierigsten Ereignisse, mit denen das Land je zu kämpfen hatte". Der Libanon befindet sich ohnehin in einem äußerst prekären wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zustand, da das Land Millionen Flüchtlinge aus Syrien beherbergt. Die Mitarbeiter von World Vision sorgen sich am meisten um diese besonders verletzlichen Kinder und ihre Familien.

 

Die Explosion zerstörte mehrere Stadtviertel im Stadtzentrum, Häuser und Unterkünfte liegen nun in Trümmern, Fensterscheiben gingen durch die Druckwelle zu Bruch. Viele Menschen sind obdachlos geworden.

 

“Die Explosion hat nicht nur Beirut, sondern das ganze Land erschüttert. World Vision arbeitet seit 1975 im Libanon, sowohl mit der lokalen Bevölkerung als auch mit einer bedeutenden Anzahl syrischer Flüchtlinge", sagt Josephine Haddad, Sprecherin von World Vision Libanon.

 

"Wir sind wirklich besorgt um die Familien und Kinder, die in den betroffenen Gebieten leben. Diese Katastrophe könnte zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen. Der Libanon befindet sich mitten in einer Wirtschaftskrise und die COVID-19-Infektionen sind in den vergangenen Wochen drastisch angestiegen und die Krankenhäuser schon jetzt an ihren Grenzen", so Hans Bederski, der Leiter von World Vision im Libanon.

 

Die Zahl der Toten und Verletzten nimmt weiter zu. Zwei Mitarbeiter von World Vision Libanon wurden bei der Explosion leicht verletzt, befinden sich aber in einem stabilen Zustand.


Kritik an staatlichen Reinkarnationsregeln, Sorge über Nachfolge des Dalai Lama

UN-Menschenrechtsexperten verlangen von China Zugang zu Tibets Panchen Lama

 

(Berlin/ict) - Die International Campaign for Tibet (ICT) begrüßt ein öffentliches Schreiben von fünf Menschenrechtsexperten und Expertengremien der Vereinten Nationen an die Adresse der chinesischen Regierung. Darin äußern diese ihre Besorgnis über Tibets seit 25 Jahren „verschwundenen" Panchen Lama Gedhun Choekyi Nyima und die von der chinesischen Regierung erlassenen „Reinkarnationsregeln“ für den tibetischen Buddhismus. Letztere stellten eine Verletzung der Religionsfreiheit der Tibeter dar, erlauben sie doch unter anderem staatliche Einmischung in die Bestimmung eines Nachfolgers des Dalai Lama. Die Menschenrechtsexperten beziehen sich in ihrem Schreiben auf entsprechende Sorgen was die Nachfolgeregelung des Dalai Lama angeht.

 

Die am 1. August veröffentlichte Erklärung wurde gemeinsam verfasst von der Arbeitsgruppe „Erzwungenes oder unfreiwilliges Verschwindenlassen", der Arbeitsgruppe „Willkürliche Inhaftierung" und den Sonderberichterstattern für den Bereich der kulturellen Rechte, für Minderheitenfragen sowie für Religions- und Glaubensfreiheit.

 

In ihrer Erklärung äußern die Experten „ernste Besorgnis über die anhaltende Weigerung der chinesischen Regierung, den genauen Aufenthaltsort von Gedhun Choekyi Nyima, dem 11. Panchen Lama, bekannt zu geben", und fordern die Möglichkeit des Besuchs eines unabhängigen Beobachters bei Tibets Panchen Lama. Der Panchen Lama, traditionell eine der wichtigsten Führungspersönlichkeiten des tibetischen Buddhismus, wird vermisst, seit die chinesische Regierung ihn und seine Familie im Jahr 1995 entführen ließ, nur wenige Tage nachdem der Dalai Lama Gedhun Choekyi Nyima als die Reinkarnation des früheren Panchen Lama identifiziert hatte. Tibets Panchen Lama war zu diesem Zeitpunkt erst sechs Jahre alt.

 

Zu den Vorschriften der chinesischen Regierung über die Ernennung tibetisch-buddhistischer Führungspersönlichkeiten heißt es in der Erklärung, diese „könnten die religiösen Traditionen und Praktiken der tibetisch-buddhistischen Minderheit in diskriminierender Weise beeinträchtigen und möglicherweise untergraben". Die UN-Menschenrechtsexperten appellieren an die chinesische Regierung, „sicherzustellen, dass tibetische Buddhisten in der Lage sind, ihre Religion, Traditionen und Kulturen frei und ohne Einmischung zu praktizieren", da die Religionsfreiheit das Recht der tibetischen Buddhisten einschließe, „ihre Geistlichen und religiösen Führer in Übereinstimmung mit ihren eigenen religiösen Traditionen und Praktiken zu bestimmen".

 

ICT-Geschäftsführer Kai Müller sagte dazu: „Die Entführung von Gedhun Choekyi Nyima vor 25 Jahren ist eine offene Wunde in den Herzen tibetischer Buddhisten. Nachdem sie die UN-Gremien und die internationale Kritik jahrzehntelang offen ignoriert hat, muss die chinesische Regierung nun endlich freien Zugang zu Tibets Panchen Lama gewähren", so Müller. Er appellierte an die internationale Gemeinschaft, sich den Versuchen Pekings entgegenzustellen, sich in die Nachfolge des Dalai Lama einzumischen. Das Schreiben der Experten unterstreiche in aller Deutlichkeit, dass das internationale Recht jede Einmischung der chinesischen Regierung verbiete.

 

Der ICT-Geschäftsführer begrüßte eine Erklärung des Außenbeauftragten der Europäischen Union Josep Borrell vom Mai dieses Jahres, in der dieser betont, dass „die Auswahl der religiösen Führer ohne jegliche Einmischung der Regierung und unter Beachtung der religiösen Normen erfolgen sollte. ( ) China muss den Nachfolgeprozess des Dalai Lama respektieren.“

 

Weitere Informationen können Sie unserem Bericht „UN experts write to China on Panchen Lama, reincarnation rules“ entnehmen.

 


FIDES-NACHRICHTEN - 6.08.2020

AFRIKA/ELFENBEINKÜSTE - Covid 19: Gesundheitsprojekte zur Sensibilisierung der Bevölkerung, und Ausbildung des Sanitätspersonals.

Dank der aus den Fonds der Steuerabgaben für die Katholische Kirche (in Italien die sog.8x1000) eingegangenen Mittel konnten 381 Projekte im Gesundheitsbereiche und 160 Bildungsprojekte finanziert werden.
CEI (Italienische Bischofskonferenz) ud CI (Italienische Kirche) haben ihren Beitrag zu dieser Globaliniziative mit der Finanzierung von 10 Gesundheitsprojekten in der Hauptstadt Abidjan sowie in anderen Städten für die selbe Zahl von Sanitätsstrukturen. Jedervon diesen, vor allem die in der Peripherie und auf dem Land gelegenen, wurden je nach Bedarf und Bettenanzahl der Einrichtung 10-15tausend Euro gegeben.
Sieben dieser Projekte werden von den ONG „Avsi und Soleterre“, von der Missionsgemeinschaft von Villaregia begleitet, der die Gemeinde St. Laurent von Yopougon Kouté anvertraut ist, sowie von dem Institut „Missioni Consolata“, eine Einrichtung, die seit mehreren Jahren in der Elfenbeinküste in Entwicklungsprojekten und Förderprojekten wirken. Gerade in der Elfenbeinküste hatte die landesweite Antwort – neben den Präventivmaßnahmen der Landesregierung und der OMS – den Akzent auf Unterstützung und Verstärkung des Gesundheitswesens gelegt.
Die 4 Einrichtungen haben die Aufforderung der Italienischen Bischofskonferfenz zur Mitarbeit an der Optimierung der Hilfsprojekte zum Zeichen der Einigkeit zwischen Institutionen und Organisationen, die sich in einem gemeinsamen und geteilten Dienst an den ärmeren Brüdern sehen. Neben der Stiftung von Sanitätsartikeln ist das Ziel der 7 Projekte die Unterstützung von Initiativen zur Sensibilisierung der Bevölkerung sowie Ausbildung des Sanitätspersonals.
An der Zeremonie soll der Apostolische Nunzius in der Elfenbeinküste, Mons. Paolo Borgia teilnehmen ebenso wie Vertreter des Gesundheitsministeriums, der Weltgesundheitsbehörde (OMS) und Verwaltungsvertreter der Stadt.

 

AMERIKA/PERU - Peruvianische Solidaritä : 100 Mittagstische für zehntausend Menschen

Lima ( Fides) – Die Kirche hat die Einküfte aus der Campagne „Für ein Peru ohne Huger“ in einen Kreuzzug der landesweiten Solidarität in 100 Mittagstische der Gemeindesolidarität eingebracht, um so den ärmsten Menschen zu helfen, die durch die Wirtschafts-und Gesellschaftskrise infolge der COVID 19 Pandemie in Peru leiden.
Wie Fides schon berichtet hatte lancierten die StiftungTeleton San Juan de Dios und die peruanische Bischofskonferenz mit ihrer Iniziative „Gebt ihnen Essen“ (Math. 14,16) den landesweiten Kreuzzug, der dank der Solidarität aller Peruvianer – Firmen, Künstler und Landesbevölkerung sowie durch internazionale Spenden 698.669 Soles einbrachte.
Diese Spenden wurden unter den Mittagstischen der 46 Kirchenverwaltungen des Landes aufgeteilt, die damit 10.000 bedürftige Menschen in den 100 Gemeindtischen 2 Monate lang (August und September) mit Mahlzeiten versorgen.
Die Kirchenvewaltungen von Lima, Callao, Chosica, Carabayllo, Lurín, Trujillo, Iquitos, Jaén, Huancayo und Huánuco verteilen Essen in jeweils 3 Speisesälen, die übrigen 36 Verwaltungen werden je 2 Mittagstische haben für die am meisten leidenden Menschen.

 

 

 

AMERIKA/BRASILIEN - "Der Amazonas braucht Dich“, eine echte Hilfe für Amazonasbevölkerung

Brasilia ( Fides) - Drei Monate nach ihrem Aufruf hat die Kampagne „Der Amazonas braucht Dich“ mehr als 700.000 Reais gesammelt, und diese Woche wird sie ein Bulletin über die bisherigen Aktionen herausgeben. Der Newsletter enthält Fotos und Berichte Leiter der Diözesen, die Spenden erhalten haben, sowie eine Abrechnung über die eingegangenen Spenden, die für Lebensmittel und Hygieneartikel verwendet wurden.
Von den pan-amazonischen Kirchen - REPAM-Brasilien - und von den Päpstlichen Missionswerken organisiert mit dem Ziel der Amazonasbevölkerung zu helfen, ist diese Aktion das Ergebnis der Solidarität bei Notfällen unter der brasilianischen Kirche. Ihr Aufruf „Es ist Zeit zu handeln“ hat unendlich viele Initiativen in dieser Zeit der Pandemie geweckt. Die nationale Bischofskonferenz Brasiliens, die brasilianische Caritas, die Konferenz der Gläubigen Brasiliens und die Kirchenprovinz der Maristen des südlichen Mittelbrasiliens haben ihre unUnterstützung zugesagt.

 

 

 


FIDES-NACHRICHTEN - 5.08.2020

AFRIKA/KENYA - Interreligöses Treffen zum Thema Zusammenhalt der Gesellschaft während und nach der Covid 19 - Pandemie

 

Kericho ( Fides) – „Zur Überwindung der Auswirkungen der Pandemie in Afrika müssen sich die Verhaltensweisen ändern.“ Dies wurde während des ersten der internationalen, virtuellen Treffen erklärt, deren Ziel das Bewusstwerden über Covid19 ist.
Die Initiative, ín der Führungspersonen verschiedener Religionen vereint sind, wie Vertreter des Christentums, des Islams und des Hiduismus, entstand aus einem Gemeinschaftsprojekt
der Katholischen Universität Tangaza University College (TUC), der Umma University, einer islamischen Institution für höhere Bildung, und des Harmony Institute; gemeinsames Ziel ist die Friedensförderung in der Welt und der Beitrag zur friedlichen Koexistenz der verschiedenen Glaubensrichtungen, Kulturen, Ethnien und Rassen.
Das Thema der Sektion „Überlegungen zur Coronavirus-Pandemie: Was raten uns die Glaubensrichtungen in schwierigen Kriesenzeiten“ , zielt auf die Frage, wie die Gesellschaft
während der Pandemie zusammen zu halten ist, die während dieser Zeit innerhalb der Familien aufgetaucht sind.
Unter den Sprechern bei der Videokonferenz war Mons. Alfred Rotich, Bischof der Diözese von Kericho, der die Anwesenden ermahnte „ihre Haltung zu ändern, sich zu läutern, tugendhaft zu sein, integre Menschen zu werden, ehrlich und gläubig“. Der Bischof verwies nachdrücklich auf die zahlreichen Konflikte, Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten, die während der Zeit der Pandemie innerhalb der Familien ausgebrochen sind.
„Es ist an der Zeit, dass die Menschen ihr spirituelles Leben festigen und die Türen der Tugendhaftigkeit öffnen“. Und dass sie die Augen ihrer Herzen öffnen, damit sie Gott erkennen können in allem was sie tun“, fährt Mons. Rotich fort in seinem Bericht an Fides. „Oft vernachlässigen wir unsere jungen Leute und sind uns dessen nicht bewusst, noch kümmern wir uns um gewisse fehlerhafte Betragensweisen.“
Nach Ansicht des Direktors des interreligiösen Rats von Kenya (IRCK), Dr. Francis Kuria Kagema, der auch an dem Panel teilgenommen hatte, müssten die Religionen die Menschen inspirieren und ihnen die Hoffnung vermitteln, „dass wir es schaffen werden, die Pandemie zu überwinden“.
Kagema, der auch einer der Sekretäre des interkonfessionellen Rates ist, der kürzlich gegründet wurde um mitzuhelfen, „die Protokolle für die graduelle Wiederöffnung der Kultstätten zu entwickeln, erklärte, dass diese Protokolle geändert werden müssen. „Wir müssen diejenigen unterstützen, die in anderer Form „ als mit den derzeit geltenden drastischen Maßnahmen zur Verhinderung der Virusverbreitung geschädigt wurden“; erklärte Dr. Kagema.
Wir müssen akzeptieren, Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, unsere Einstellung verändern und nach vorne schauen“, erklärte Sujata Kotamraju, Generalsekretär des Hindu-Rates von Kenya (HCK), angesichts der hinduistischen Familien, die traditionsgemäß alle unter einem Dach leben, und wo die Erwachsenen eine Schlüsselrolle bei der Einflussnahme auf die Jungen haben. Sie verbringen Zeit mit ihnen, teilen Geschichten über das Alter und wie die Heiraten programmiert werden sollen.

 

AMERICA/NICARAGUA - Die Bischöfe betonten, dass „Terrorakte“ die Kirche Nicaraguas nicht einschüchtern würden.

 

Managua (Fides) – Die Bischofskonferenz Nicaraguas hat ein Papier veröffentlicht und an Fides geschickt, in dem der Terrorakt mit folgenden Worten verurteilt wird: „ Die Kirche wird immer abgelehnt werden von Jenen, die die Wahrheit die sie predigt, nicht akzeptieren. Gewaltanwendung um die prophetische Stimme der Kirche zum Schweigen zu bringen kann uns aber nicht davon abhalten unser Volk zu ermutigen, die Mission der Evangelisierung zu leben, die Christus selbst uns anvertraut hat.
Auch der Heilige Vater Franziskus hat gestern nach dem Angelusgebet an diese schreckliche Tat erinnert:“ Ich denke an das Volk Nicaraguas, das unter dem Attentat an der Kathedrale von Managua leidet; dort wurde das hochverehrte Abbild Christi schwer beschädigt, ja fast zerstört, das Jahrhunderte lang das Volk der Gläubigen begleitet und gestützt hat. Liebe Freunde Nicaraguas, wir sind euch nah und beten für euch“.
Auch der Auxilarbischof von Managua, Mons. Silvio Bàez, betonte, dass „die Terrorakte“ die Kirche Christi nicht einschüchtern werden in Folge des Anschlags eines unbekannten Täters am vergangenen Freitag auf die Kathedrale von Managua. In der gestrigen Homelie erklärte der Bischof, dass Jesus Mitgefühl für die Völker habe, die gepeinigt sind von Unterdrückung und Ungerechtigkeit. „Das Bild vom Blut Christi, das bei einem Terrorakt in der Kathedrale von Managua zerstört wurde, ist für das Land eine lebendige und rührende Erinnerung an einen Gott, der nicht allein unsere Leiden auf dem Kreuz getragen hat, sondern der auch immer mit unserem unterdrückten Volk leiden und es endlich auferstehen lassen wird in Freiheit und Gerechtigkeit“.
Der Erzbischof von Managua, Leopoldo Brenes, nannte den Anschlag auf die Kathedrale der Hauptstadt Nicaraguas sofort einen „Terrorakt“, der die katholische Gemeinde des Landes schwer getroffen habe. Die Erzdiözese nannte den Bombenanschlag eines vermummten Mannes im Kircheninneren, in der Kapelle vom Blut Christi, eine „vorsätzliche Tat“.
In den vergangenen Monaten waren die Kirchen Nicaraguas mehrmals Opfer von Vandalismus. Die Bischöfe der CELAM, des lateinamerikanischen Bischofsrates, haben ihre Solidarität bekundet und diesen Akt verabscheut, ebenso wie auch verschiedene Bischofskonferenzen in Lateinamerika.


Unterstützung der ‚Rwandan Daughters‘ gut angelaufen - Initiatoren des Projektes ziehen erste Bilanz

 

(Berlin/pm) - Knapp 15 Monate nach der Veröffentlichung des Buch- und Hilfsprojektes ‚Rwandan Daughters‘, ziehen die Initiatoren, Fotograf Olaf Heine, die Hilfswerke ora Kinderhilfe international e.V. und Solace Ministries, die Agentur spring brand ideas und der Verlag Hatje Cantz eine erste Bilanz. So konnte durch die Veröffentlichung des Buches im Hatje Cantz Verlag, durch zahlreiche Presse- und Fernsehberichte (u.a. CNN, BBC, Guardian, Die ZEIT, Süddeutsche Zeitung), die begleitenden Ausstellungen im Museum Frieder Burda Salon Berlin und der Berlin PhotoWeek sehr viel Aufmerksamkeit auf das Thema ‚Sexuelle Gewalt als Kriegswaffe‘ gelenkt werden. 

 

Des Weiteren konnte durch die Publikation den portraitierten Frauen und Töchtern konkret geholfen werden. Es wurden mehrere Patenschaften für die ruandischen Frauen bzw. Töchter vermittelt, Finanzierungen für den Kauf eines Grundstückes und eines Hauses gesichert sowie die Kosten der Studiengebühren der Opfer zusammengetragen. Die Kinder der Frauen, die durch die Vergewaltigungen schwanger geworden sind und die Babys bekommen haben, sind heute 25 Jahre alt. Die meisten von ihnen befinden sich inmitten eines Studiums oder einer Ausbildung. Beides ist in Ruanda kostenpflichtig. 

 

In der aktuellen Situation der Corona-Krise konnten zudem sämtliche Frauen und im Buch dargestellten Personen mit finanziellen Geldspenden unterstützt werden, um die Covid-19-Epidemie besser zu überstehen. Über 200 Personen wurden mit Lebensmitteln für min. einen Monat sowie Barspenden zum Kauf notwendiger Güter bedacht. Auf diesem Wege möchten sich die Initiatoren bei allen Unterstützern und Spendern bedanken. 

 

Das Projekt ‚Rwandan Daughters‘ handelt von den Opfern - Mütter und Töchter - des Völkermords in Ruanda. Im Frühjahr 1994 vergewaltigten dort tausende Soldaten, Milizionäre und Mitläufer bis zu 500.000 Frauen und Mädchen. Von dieser Zahl geht das Kinderhilfswerk Unicef aus. Viele Frauen wurden von ihren Vergewaltigern schwanger und bekamen Kinder. Der Berliner Fotograf Olaf Heine hat von 2016 bis 2018 ruandische Mütter mit ihren aus diesen Vergewaltigungen entstandenen Töchtern porträtiert.

 

Manche haben bis heute ein distanziertes Verhältnis, für andere war das Kind der einzige Grund weiterzuleben. Viele der Frauen sind schwer traumatisiert. Für die Aufnahmen für den Bildband ‚Rwandan Daughters' wählten die Frauen gemeinsam mit dem Fotografen Orte, die auf die Umstände der Vergewaltigung hinweisen: ein Fluss, ein Feld, eine Kirche. Inzwischen ist Ruanda das erste Land der Welt, das die Gleichstellung von Frauen in der Verfassung festgeschrieben hat.

 

Weitere Informationen zu dem Projekt und die Möglichkeit zur Buchbestellung und Spendenmöglichkeiten gibt es hier:

 

 https://www.rwandandaughters.com/

 

https://www.ora-kinderhilfe.de/

 


SOS-Kinderdörfer weltweit

SOS-Kinderdörfer fordern Schutz für Mädchen und Frauen

SOS-Kinderdörfer weltweit Fotograf:  Moshood Raimi, Nigeria 2018
SOS-Kinderdörfer weltweit Fotograf: Moshood Raimi, Nigeria 2018

(Abuja/ots) - In Nigeria eskaliert die Gewalt gegen Mädchen und Frauen. Nach Angaben der SOS-Kinderdörfer weltweit ist es in den letzten Wochen immer wieder zu brutalen Vergewaltigungen gekommen. Zuletzt sei eine Zwölfjährige an den Folgen einer Massenvergewaltigung gestorben. Die Vorfälle hätten landesweite Demonstrationen ausgelöst. Erstmals in der Geschichte des westafrikanischen Landes hätten sämtliche Bundesländer gemeinsam den Notstand wegen sexueller Gewalt ausgerufen. Eghosa Erhumwunse, Leiter der Hilfsorganisation in Nigeria, sagt: "Das ist ein wichtiges Signal, aber es muss deutlich mehr passieren."

 

Die Eskalation stehe im Zusammenhang mit den Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus; nach Angaben des nigerianischen Frauenministeriums sei es in dieser Zeit zu einer Verdreifachung der Vergewaltigungen gekommen. Eghosa Erhumwunse sagt: "Vor allem die häusliche Gewalt hat zugenommen, da Opfer und Täter in einer höchst angespannten Situation gezwungen sind, viel Zeit zusammen auf engem Raum zu verbringen. Gleichzeitig ist es für die Opfer deutlich schwieriger, Hilfe zu holen."

 

Das dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Nigeria ein strukturelles Problem mit sexueller Gewalt habe. Egosha Erhumwunse sagt: "Die Verantwortlichen haben es über Jahrzehnte versäumt, wirkungsvolle Gesetze zu erlassen und aktiv gegen die Täter vorzugehen!" In vielen Fällen kämen sie ungestraft davon, die Aufklärungsrate sei "katastrophal niedrig", es mangele an Opferschutz, zudem seien betroffene Frauen gesellschaftlicher Diskriminierung ausgesetzt. "All das führt dazu, dass es nur in einem Bruchteil der Fälle überhaupt zur Anzeige kommt", so Erhumwunse.

 

Eine Umfrage aus dem letzten Jahr habe ergeben, dass ein Drittel aller nigerianischen Frauen bereits vor ihrem 25. Geburtstag sexuelle Gewalt erlebt haben, 72 Prozent davon sogar vor ihrem 18. Geburtstag. Ein Großteil der Frauen sei von mehrfachen, teilweise jahrelangen Übergriffen betroffen. Egosha Erhumwunse sagt: "Es muss dringend etwas geschehen. Gesetze müssen verabschiedet werden, Opfer Unterstützung bekommen und Täter zur Rechenschaft gezogen werden."

 

Die SOS-Kinderdörfer setzen sich in Nigeria vielfältig gegen sexuelle Gewalt ein. Sie klären Mädchen über ihre Rechte auf, geben ihnen Schutz und engagieren sich für Gleichberechtigung.

 


Sechster Jahrestag des Völkermordes an den Yeziden (3.8.)

Hundertausende Vertriebene warten auf Rückkehr Jahrestag des Völkermordes an den Yeziden (3.8.)

 

  • Hundertausende Vertriebene wollen zurück in ihre Heimat
  • Luftangriffe der Türkei machen die Rückkehr gefährlich
  • Fast 3.000 Yezidinnen und wohl hunderte Kinder noch in der Gewalt ihrer Entführer

 

Am kommenden Montag, den 3. August 2020, jährt sich der Beginn des Völkermords an der yezidischen Glaubensgemeinschaft im Nordirak zum sechsten Mal. Im Sommer 2014 begann der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) seine grausame Vernichtungskampagne. Männer und Jungen, die nicht zum Islam konvertieren wollten, wurden von den Terroristen ermordet. Über 6.000 yezidische Frauen und Mädchen wurden entführt, vergewaltigt und auf Sklavenmärkten verkauft. 

 

Anlässlich des Jahrestags erinnern yezidische Vereine in Deutschland und der Welt an die Opfer des Genozids. „Wir gedenken am 3. August dem unfassbaren Leid, das sich vor sechs Jahren ereignete. Die Erinnerungen an die Massentötungen und Versklavungen erschüttern die Angehörigen immer noch. Auch heute ist die yezidische Gemeinschaft Vertreibungen und großen Unsicherheiten ausgesetzt“, erklärt Lina Stotz, GfbV-Referentin für ethnische, religiöse und sprachliche Minderheiten und Nationalitäten. 

 

Hunderttausende yezidische Vertriebene warteten darauf, in ihre Heimat im nordirakischen Sinjar zurückkehren zu können. Seit sechs Jahren leben sie in Flüchtlingslagern. Doch eine Rückkehr wäre derzeit gefährlich: Erst im Juni flog die Türkei Luftangriffe auf die Region, angeblich gegen Stellungen der PKK. „Doch auch zivile Ziele wurden angegriffen, darunter Flüchtlingslager, in denen yezidische Vertriebene leben. Die Bombardierung von Genozid-Überlebenden gefährdet nicht nur diese: Sie stärkt auch den IS, der in der Region weiterhin aktiv ist“, so Stotz. Die irakische Regierung sowie die internationale Gemeinschaft müssten dringend für Sicherheit und Wiederaufbau in Sinjar sorgen, damit die Geflüchteten zurückkehren könnten. Die deutsche Regierung sei in der Pflicht, das Handeln der Türkei zumindest scharf zu verurteilen. 

 

„Eine weitere Bürde für die Gemeinschaft ist, dass sich tausende Frauen und Kinder noch immer in IS-Gefangenschaft befinden“, erinnert Stotz. „Fast 3.000 Yezidinnen sind noch in der Gewalt ihrer Entführer. Dazu kommen wohl hunderte Kinder, die in Vergewaltigung gezeugt wurden. Diese Frauen und Kinder brauchen dringend Hilfe.“ Sie müssten in Sicherheit gebracht und humanitär sowie psychologisch versorgt werden. Auch hier sei die internationale Gemeinschaft in der Pflicht.

 

Doch es gebe auch Lichtblicke: „Die Strafverfolgung für den Genozid an der yezidischen Gemeinschaft läuft jetzt an. Der weltweit erste Gerichtsprozess zum Völkermord an der yezidischen Glaubensgemeinschaft begann im April 2020 am Oberlandesgericht in Frankfurt“, berichtet Stotz.

 

Menschenrechtsorganisation mit beratendem Status bei den UN und mitwirkendem Status beim Europarat


Adveniat zum Welttag der Indigenen:

Zwei Drittel der weltweiten Morde an Umweltschützern in Lateinamerika, 40 Prozent Indigene

Intakter Regenwald (rechts) wird immer weiter abgeholzt. Indigenen werden von ihren Territorien vertrieben, damit Rohstoffe ausgebeutet oder die Flächen für Plantagen und Rinderzucht genutzt werden können. Foto: Thomas Milz/Adveniat

 

(Essen/adv) - „Der internationale Tag der indigenen Völker muss ein Tag der Trauer und des Aufschreis sein." Davon ist der Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Pater Michael Heinz SVD, überzeugt. 1994 haben die Vereinten Nationen den 9. August erstmals den ursprünglichen Völker gewidmet. „Indigene werden systematisch von ihren angestammten Territorien vertrieben, gesellschaftlich ausgegrenzt und gezielt ermordet." Erschütternde Zahlen der Nichtregierungsorganisation „Global Witness" belegten dies aktuell. Mehr als zwei Drittel der 212 weltweit getöteten Umweltschützer sind demnach 2019 in Lateinamerika umgebracht worden. 40 Prozent gehörten indigenen Völkern an. Der Adveniat-Hauptgeschäftsführer erinnert daran, dass Papst Franziskus sich 2018 in Puerto Maldonado im peruanischen Amazonasgebiet direkt an die indigenen Völker gewandt und gesagt hatte, „dass ihr mit eurem Leben in Wahrheit in die Gewissen schreit. Ihr seid lebendige Erinnerung an die Sendung, die Gott uns allen anvertraut hat: das ,gemeinsame Hausʻ zu bewahren." Für Pater Heinz steht fest: „Die Indigenen sind auch mit ihrem Tod ein verzweifelter Schrei, der die Weltgemeinschaft zum radikalen Umdenken, zur Umkehr ruft."

 

Partnerinnen und Partner des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat berichten übereinstimmend von einer zunehmenden Bedrohung der indigenen Völker, ihrer Kultur und Lebensweise. „Holzfäller, Goldsucher und Rinderbarone fühlen sich durch die Politik des rechtsextremen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro aufgefordert, immer weiter ins Amazonasgebiet vorzudringen", so Pater Heinz. Aber auch in anderen Ländern würden Indigene nur als Hindernis für die Ausbeutung von Rohstoffen und die Nutzung ihrer Territorien für Palmöl-, Zuckerrohr oder Sojaplantagen sowie Rinderweiden betrachtet. „Selbst, wenn sich die Indigenen in den ihnen gesetzlich garantierten Territorien gegen die Eindringlinge wehren, laufen sie Gefahr, ermordet zu werden. Dass auf diese Weise nicht selten auch das Corona-Virus eingeschleppt wird, ist eine weitere tödliche Gefahr. Denn Indigene sterben der brasilianischen Indigenenvereinigung Apib zufolge überdurchschnittlich häufig an Corona-Infektionen", erläutert Pater Heinz.

 

Für den Adveniat-Hauptgeschäftsführer spielen die indigenen Völker eine entscheidende Rolle bei der Frage, ob ein Klimakollaps infolge der menschengemachten Klimaerwärmung überhaupt noch abgewendet werden kann. „Die letzten intakten Regenwaldgebiete sind Territorien der indigenen Völker", so der Adveniat-Chef. Das zeige der Blick auf die Satellitenbilder im Internet. „Sterben die indigenen Völker, dann stirbt die Lunge der Erde", ist Pater Heinz überzeugt. Optimistisch stimme ihn, dass die jahrelange Forderung des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat und anderer, die einzige internationale Bestimmung zum Schutz der indigenen Völker, die ILO 169, zu unterzeichnen, in der Politik prominent angekommen sei. „Wir freuen uns sehr, dass die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung Bärbel Kofler unmissverständlich gefordert hat, dass die ILO 169 ‚auch von Deutschland endlich ratifiziert wird'." Pater Heinz hofft, dass es noch in diesem Jahr dazu kommt.

 

Der Adveniat-Hauptgeschäftsführer hält aber auch einen gesellschaftlichen Wandel für dringend notwendig. Erst in den vergangenen Wochen habe „Spiegel online" über eine wissenschaftliche Studie berichtet, die im US-Wissenschaftsmagazin „Science" veröffentlicht wurde. Danach stehen ein Fünftel der Soja- und Rindfleischimporte der Europäischen Union aus Brasilien im Zusammenhang mit illegaler Abholzung im Amazonasgebiet und der Cerrado-Savanne. „Wer indigene Völker und die letzten großen zusammenhängenden Waldgebiete unserer Erde schützen will, kann also etwas tun", sagt Pater Heinz. „Die Kirche hat sich mit Papst Franziskus eindeutig als Verteidigerin der bedrohten Völker und der bedrohten Umwelt positioniert." Im Schlussdokument der Amazonas-Synode sei mehrfach von der Option für die indigenen Völker und deren Schutz die Rede. Wörtlich heißt es mit Blick auf die in freiwilliger Isolation lebenden Völker: „Heute wird ihr Leben immer wieder bedroht, weil ihre Territorien von verschiedenen Fronten aus überfallen werden. Weil sie in demografischer Hinsicht nur so wenige sind, werden sie leicht zu Opfern ethnischer Säuberung und sind der Gefahr des Verschwindens ausgesetzt." Damit es dazu nicht kommt, ist eine Umkehr auf allen Ebenen notwendig, ist Pater Michael Heinz überzeugt, der im Oktober 2019 persönlich an der Amazonas-Synode im Vatikan teilgenommen hatte. „Wir müssen in Kirche, Politik und Gesellschaft jetzt handeln. Nichtstun ist für die Indigenen und für unseren Planeten tödlich", so der Adveniat-Hauptgeschäftsführer.

 

Adveniat, das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, steht für kirchliches Engagement an den Rändern der Gesellschaft und an der Seite der Armen. Dazu arbeitet Adveniat entschieden in Kirche und Gesellschaft in Deutschland. Getragen wird das Werk von hunderttausenden Spenderinnen und Spendern – vor allem auch in der alljährlichen Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember. Adveniat finanziert sich zu 95 Prozent aus Spenden. Die Hilfe wirkt: Im vergangenen Jahr konnten rund 1.900 Projekte gefördert werden, die mit mehr als 36 Millionen Euro genau dort ansetzen, wo die Hilfe am meisten benötigt wird: an der Basis, direkt bei den Armen.


Abkommen zwischen Vatikan und China läuft aus

 

  • Viele Ziele des Abkommens sind nicht erreicht worden
  • Vatikan schweigt regelmäßig zu Verletzungen der Glaubensfreiheit 
  • Neue Geheimverhandlungen sollen bereits laufen
  • Selbst das auslaufende Abkommen ist nicht in Gänze bekannt

 

(Göttingen/gfbv) - Zwei Monate vor dem Auslaufen des „vorläufigen Abkommens" zwischen dem Vatikan und der Regierung Chinas zieht die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) eine kritische Bilanz des umstrittenen Vertrages. „Viele Ziele des Abkommens sind nicht erreicht worden", resümiert GfbV-Direktor Ulrich Delius. „Die angestrebte Ernennung von neuen Bischöfen für Dutzende unbesetzte Posten stockt noch immer. Das Abkommen hat nicht dazu beigetragen, dass Behörden die Religionsfreiheit stärker respektieren. Menschenrechtsverletzungen gegenüber Amtsträgern und Gläubigen haben zugenommen." Der Heilige Stuhl spreche Menschenrechtsverletzungen nur sehr diskret gegenüber den Verantwortlichen an. 

 

„Für dieses öffentliche Schweigen zahlt der Vatikan einen hohen Preis. Der Konflikt um Hongkong hat das gerade wieder gezeigt: Der Vatikan muss sich fragen lassen, wann er gegenüber Chinas Machthabern eine rote Linie zieht und die bedrängten Christen dort in Schutz nimmt", so Delius. Noch gelte die Katholische Kirche als moralische Instanz in China, doch Glaubensverfolgte würden mehr Unterstützung erwarten. „Mit einem übermächtigen Partner, der eigentlich auf ihre Zerstörung hinarbeitet, wird die Katholische Kirche kein für Gläubige vorteilhaftes Abkommen erreichen", warnt Delius. „Wenn der Vatikan Gläubige im Stich lässt, die sich für Freiheit und Menschenrechte engagierten, wird die Katholische Kirche in China und weltweit geschwächt."

 

Das „vorläufige Abkommen" sollte vor allem den jahrzehntelangen Konflikt zwischen Chinas kommunistischer Staatsführung und dem Vatikan um die Ernennung neuer Bischöfe beenden. Es läuft am 21. September 2020 aus. Noch ist unklar, ob das Vertragswerk verlängert oder erneuert wird. Beide Seiten sollen sich darüber bereits in neuen Geheimverhandlungen befinden, heißt es aus gut unterrichteten Kreisen. Die GfbV bedauert, dass das Abkommen selbst Monate vor seinem Auslaufen noch immer nicht in Gänze bekannt ist. „Diese mangelnde Transparenz ist weder zeitgemäß, noch stärkt sie das Vertrauen in die Verhandlungspartner", erklärt Delius. „Und wie kann ein neuer Vertrag geschlossen werden, wenn China zugleich systematisch die Religionsfreiheit verletzt und hunderttausende Muslime wegen ihrer Religion eingesperrt?"

 

Christliche Gemeinden stünden trotz Abkommen unter massivem Druck, religiöse Symbole und religiöses Leben aus der Öffentlichkeit fernzuhalten. Kreuze würden von Kirchen entfernt, Kirchengebäude entweiht oder zerstört, obwohl sie mit offizieller Genehmigung errichtet wurden. „Priester der Untergrundkirche werden systematisch eingeschüchtert und sogar festgenommen, um sie in die gleichgeschaltete offizielle Kirche zu drängen. Der Vatikan schweigt aber zu diesen massiven Verletzungen der Religionsfreiheit", so Delius. Auch zeige das das Verbot kirchlicher Jugendarbeit und seine Durchsetzung durch Parteifunktionäre in den Gottesdiensten, dass die Kommunistische Partei Chinas an ihrer grundsätzlichen Ablehnung von Religion festhalte.

 

 

 


Nahrungspakete für Tagelöhner in Südafrika - Rotary Club Stuttgart-Filder sammelt über 5000 Euro

Das Nötigste zum Überleben

 

(Stuttgart/tk) - Die Corona-Pandemie war und ist die größte Herausforderung weltweit – nicht nur für die Menschen hierzulande, sondern erst recht für die Bevölkerung in Südafrika. Gerade viele Tagelöhner verloren ihre Existenzgrundlage. Also wie helfen? Der Rotary Club Stuttgart-Filder hat sich dazu Gedanken gemacht und eine spontane Aktion ins Leben gerufen: Für die Nahrungsmittelunterstützung in Hermanus, Südafrika, wurden binnen nur weniger Tage 5.650 Euro gesammelt und gespendet.

 

Ende März begann in Südafrika der strikte Lockdown. Besonders betroffen: die Beschäftigungsverhältnisse der Tagelöhner. Das sind in den meisten Fällen Hilfskräfte, die auf Tagesbasis Arbeit finden. Dazu gehören Gärtner, Bauarbeiter und die Angestellten in den Geschäften. Durch das strikte Ausgehverbot verloren viele dieser Menschen ihre Einkommensbasis und damit die Lebensgrundlage. „Mich ereilte ein Hilferuf unserer rotarischen Freunde aus Hermanus“, erinnert sich Hermann Brüggemann. Der Rotarier ist selbst beruflich und privat viel auf dem afrikanischen Kontinent unterwegs und kennt die dortigen Verhältnisse. Immer wieder regt er dazu an, nicht nur Freundschaften vor Ort zu pflegen, sondern auch Hilfsaktionen zu starten. Der Rotary Club Stuttgart-Filder ist bereits seit 2016 mit dem Rotary Club Hermanus durch verschiedene gemeinsame Aktivitäten verbunden. Hermanus ist ein südöstlich von Kapstadt gelegener Küstenort in der südafrikanischen Provinz Westkap.

 

Die lokale Gemeindeverwaltung Hermanus setzte ein „Disaster Management Team“ für die Lebensmittelversorgung im Zuge von Covid-19 ein. Zu den Versorgungsgebieten zählen diverse Vororte mit insgesamt 48.000 Einwohnern. Gemeinsam mit namhaften Organisationen wie Rotes Kreuz, Kinderwohlfahrt, Food4life, Round Table und den örtlichen Kirchengemeinden ging es darum, Trockenlebensmittel und Gemüse einzukaufen und zeitnah zu verteilen. Auch der Rotary Club Hermanus unterstützt Logistik und Lagerung. Brüggemann: „Die Situation durch Corona hat uns hellhörig gemacht. Vor Ort sind einige Organisationen aktiv, doch es fehlte an Geld für den Einkauf der Lebensmittel.“

 

Suppen, Soja Minze, Maisgries, Bohnen, Mehl, Dosentomaten, Brot, Toilettenpapier: Aus diesen Waren bestehen die Ess-Pakete, die geschnürt und an die Bevölkerung verteilt werden mussten. Gerade zu Beginn der Corona-Krise war schnelle Hilfe extrem wichtig, um schlimmere Folgen zu verhindern. Ein Paket kostet 3,30 Euro und reicht für zwei Personen eine Woche als Lebensmittelgrundlage. „Die Spende des Rotary Club Stuttgart-Filder reicht aus, um etwa 1000 Menschen vier Wochen lang mit dem Nötigsten zum Überleben zu versorgen“, erklärt Brüggemann.

 

Über Rotary
Die Mitglieder von Rotary verbessern die Lebensbedingungen von Menschen und verändern Gemeinden auf der ganzen Welt positiv und nachhaltig, indem sie Frieden fördern, Krankheiten bekämpfen, sauberes Wasser bereitstellen, Bildung unterstützen, sich für den Schutz von Müttern und Kindern einsetzen und die lokale
Wirtschaft stärken. Rotarys oberste Priorität ist die weltweite Ausrottung der Kinderlähmung.

 

 

 


Zehn Jahre Menschenrechte auf Wasser und Sanitärversorgung

Wassermangel ist kein Schicksal

Wasser * Sanitärversorgung * Menschenrechte * 10. Jahrestag


(Berlin/bfw) - Trotz großer Fortschritte hat jeder dritte Mensch weltweit noch immer keinen gesicherten Zugang zu sauberem Trinkwasser. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung kann keine hygienischen Toiletten nutzen. Besonders betroffen sind Menschen, die in Armut leben. Vor zehn Jahren – am 28. Juli 2010 – hat die UN-Generalversammlung die Menschenrechte auf Wasser und Sanitärversorgung in den Katalog der Menschenrechte aufgenommen. Aus Anlass des 10. Jahrestags appelliert Brot für die Welt an die Bundesregierung, ihre Verantwortung für die weltweite Realisierung des Menschenrechts auf Wasser verstärkt wahrzunehmen.
Die menschenrechtlichen Prinzipien verpflichten Regierungen, marginalisierten und unterversorgten Bevölkerungsgruppen bei der Wasser- und Sanitärversorgung Vorrang einzuräumen. In der Praxis bleiben sie jedoch oft außen vor. Durch die Ausweitung wasserintensiver Exportlandwirtschaft oder den Rohstoffabbau wird ihnen vielerorts das Wasser sogar regelrecht abgegraben. Sie leiden als erste auch unter den verheerenden Folgen der eskalierenden Klimakatastrophe auf die lokale Wasserversorgung. Klaus Seitz, Leiter der Abteilung Politik von Brot für die Welt, sagt: „Als Mit-Verursacher des Klimawandels und über die Weltmärkte tragen wir direkt zum Wassermangel in anderen Ländern bei. Wassermangel ist kein Schicksal, sondern Folge von Diskriminierung und Politikversagen.“
Ohne massive zusätzliche Anstrengungen wird das internationale Nachhaltigkeitsziel, bis 2030 alle Menschen mit sauberem Trinkwasser und Sanitäranlagen zu versorgen, nicht mehr zu erreichen sein. Seitz: „Wir müssen Handelsabkommen, die eine exportgetriebene Agrar- und Rohstoffpolitik ohne Rücksicht auf massive Umweltschäden sowie Land- und Wasserkonflikte fördern, verhindern. Zudem muss die Bundesregierung mit dem geplanten Lieferkettengesetz sicherstellen, dass deutsche Unternehmen und ihre Zulieferer knappe Wasserressourcen nicht auf Kosten von Mensch und Umwelt in anderen Ländern verschmutzen und verschwenden.“
Wassermangel trifft besonders Frauen, Kinder, Geflüchtete und Kleinbauernfamilien. Klaus Seitz sagt: „Die Corona-Pandemie zeigt gerade, wie schwerwiegend die Folgen sind, wenn es kein sauberes Wasser und keine Toiletten gibt. Vor allem bei Kindern gehören Erkrankungen durch verschmutztes Wasser und mangelnde Hygiene zu den häufigsten Todesursachen weltweit.“
Die Menschenrechte auf Wasser und Sanitärversorgung sind unverzichtbare Voraussetzung für ein Leben in Würde und die Überwindung von Armut. Brot für die Welt hat sich intensiv für die Anerkennung dieser Menschenrechte eingesetzt. Es ist auch dem gemeinsamen politischen Engagement von Brot für die Welt und dem Ökumenischen Wassernetzwerk des Weltkirchenrates zu verdanken, dass der UN-Menschenrechtsrat diese von der Generalversammlung anerkannten Menschenrechte am 30. September 2010 endgültig bestätigt und rechtsverbindlich gemacht hat.


 

 

 


Kinderhilfsorganisation begrüßt Forderung der Vereinten Nationen nach Grundeinkommen für ärmste Menschen

World Vision-Report: Kinder schultern unerträgliche Folgen der Corona Pandemie in Asien

 

(Singapur / Friedrichsdorf/wv) - Die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision unterstützt die Forderung des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (United Nations Development Programme, UNDP) nach einem Grundeinkommen für die ärmsten Menschen der Welt. Insbesondere Kinder müssen in der Folge der Corona Pandemie unerträgliche Lasten schultern. „Wir stehen vor einer riesigen Katastrophe, denn die Pandemie und ihre ‚Nachbeben‘ fordern ihren Tribut von den verletzlichsten Kindern der Welt. Wir müssen rasch Lösungen finden, die jetzt funktionieren, um Kinder davor zu schützen, ausgebeutet zu werden und in extremer Armut zu landen“, fordert Andrew Morley, Präsident von World Vision International.

 

Im Rahmen einer neuen Untersuchung mit dem Titel „Demaskierung der Auswirkungen von COVID-19 auf die schwächsten Kinder Asiens“ (Unmasking the impact of COVID-19 on Asia’s Most Vulnerable Children) wurden mehr als 26.000 Personen in 335 Gemeinden in neun asiatischen Ländern befragt (Bangladesch, Kambodscha, Indien, Indonesien, Mongolei, Myanmar, Nepal, Philippinen, Sri Lanka). Der Report verdeutlicht, dass der Lebensunterhalt von mehr als 60% der Eltern oder Betreuer vollständig oder schwer von der COVID-19-Pandemie betroffen ist. Am schlimmsten trifft es die Familien der Tagelöhner, die die größte Gruppe der Arbeitenden in asiatischen Volkswirtschaften ausmacht. Der Verlust der Lebensgrundlagen, der durch die Sperrmaßnahmen der Regierung entstanden ist, ist für die Armen auf dem Land und in der Stadt zur größten Sorge geworden. Etwa 85% der städtischen Eltern oder Erziehungsberechtigten haben in den vergangenen Wochen über den Verlust von Arbeitsplätzen oder Einkommenseinbußen berichtet.

 

Durch Quarantänemaßnahmen und dadurch bedingte Einkommensverluste, fehlenden Schulunterricht und Verhaltensänderungen bei den Kindern stehen viele Eltern und Erzieher extrem unter Stress. In Bangladesch gaben dies 44% der Befragten an.  In der Folge werden Kinder öfter körperlich bestraft und emotional misshandelt. Dies bestätigten 26% der befragten Kinder und 24% der Eltern und Erziehungsberechtigten.

 

In Bangladesch sind mehr als 33% der Kinder gefährdet, risikoreiche Tätigkeiten oder Jobs auszuüben, um zu überleben. „Ich teile unseren kleinen Wohnraum mit meiner Mama, meinem Papa und meinen beiden Geschwistern. Mein Papa schlägt uns, wenn wir nach Essen fragen. Er ist frustriert und wütend.“, erzählt die 12jährige Kabita (Name geändert) aus Bangladesch. „Um mein Hungergefühl zu vergessen, versuche ich, mich auf mein Studium zu konzentrieren. Es gelingt mir jedoch oft nicht, da ich mich schlecht fühle und nicht konzentrieren kann.“

 

Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie erhöhen die Sicherheitsrisiken besonders für die verwundbarsten Kinder und zwingt Eltern und Betreuer zu verzweifelten Maßnahmen. So schickten 6 % der Betreuer ihre Kinder zur Arbeit, 8 % zum Betteln oder in risikoreiche Jobs, stimmten einer frühen Heirat zu oder befürworteten illegale Aktivitäten. Lara Villar, leitende Direktorin der Asien-Programme bei World Vision, betont: „Die Auswirkungen der COVID-19 Pandemie sind massiv. In der asiatisch-pazifischen Region ist das durchschnittliche Monatseinkommen pro Haushalt von 135 USD pro Monat auf 35 USD gesunken. Dies stürzt viele Familien erneut in extreme Armut. Die Folgen für alle Bereiche des Kindeswohls sind herzzerreißend. Viele Familien haben es gerade erst geschafft, der extremen Armut zu entkommen“.

 

Die wirtschaftlichen, psychosozialen und physischen Belastungen der Familien beeinflussen alle Aspekte des Kindeswohls negativ, darunter den Zugang zu Nahrung, Ernährung, Gesundheitsversorgung, lebenswichtigen Medikamenten, Hygiene- und Sanitäreinrichtungen sowie den Schutz und die Sicherheit der Kinder.

 

World Vision fordert die internationale Gemeinschaft und Regierungen in den untersuchten Ländern auf, dafür zu sorgen, dass die am stärksten gefährdeten Menschen an erster Stelle unterstützt werden.  Der Bericht enthält kurz-, mittel- und langfristige Empfehlungen, um den Bedürfnissen gefährdeter Kinder gerecht zu werden und sie vor Krankheiten, einschließlich aller Formen von Gewalt, zu schützen.

 

 

Unterstützen Sie die Hilfen von World Vision mit Spenden:

 

Stichwort „Coronahilfe“

 

IBAN: DE89 5019 0000 0000 0020 20 (Frankfurter Volksbank)

 

Online spenden unter: www.worldvision.de/corona

 


Nigeria: Gewalttat verschärft humanitäre Krise

Zivilbevölkerung leidet unter Gewalt islamistischer Extremisten

 

(Göttingen/gfbv) - Nach der Ermordung von humanitären Helfern in Nigeria hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) vor einer deutlichen Verschärfung der Hungerkatastrophe im Norden des Landes gewarnt. "Die entsetzliche Gewalttat extremistischer Islamisten macht die Arbeit von Hilfsorganisationen noch schwerer und gefährlicher. Hunderttausende Menschen in Not werden dies zu spüren bekommen, weil Hilfswerke nun noch vorsichtiger vorgehen müssen, um ihr Personal zu schützen", erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius am Donnerstag in Göttingen. Im Norden Nigerias sind 7,9 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. 

 

Vier der fünf ermordeten Nigerianer waren Mitarbeiter der französischen Hilfsorganisation Action against Hunger und des International Rescue Committee. Der fünfte Erschossene war bei einem privaten Sicherheitsdienst beschäftigt und sollte die Helfer schützen. Sie waren am 8. Juni 2020 im Bundesstaat Borno im Nordosten Nigerias entführt worden. Ihre Geiselnehmer veröffentlichten am Mittwoch ein Video, das ihre Exekution zeigt. Mit verbundenen Augen mussten die Männer knieend auf ihre Hinrichtung warten, nachdem ihre Geiselnehmer ihnen vorwarfen, für Organisationen von "Ungläubigen" zu arbeiten.  

 

"Entführungen und Ermordungen von einzelnen Helfern sind in Nigeria nicht selten. Aber fünf Helfer öffentlich hinzurichten, wird die humanitäre Arbeit für bedrängte Christen und Muslime in Nigeria tief erschüttern", erkĺärte Delius. Alleine aufgrund ihrer Fürsorgepflicht für ihr Personal müssten Hilfswerke nun ihr Engagement für Notleidende im Norden Nigerias überprüfen. Schon heute könnten dort zehntausende notleidende Zivìlisten wegen der unzureichenden Sicherheitslage nicht von Hilfsorganisationen erreicht werden. 

 


Nigerias demoralisierte Armee

 

  • Versagen beim Schutz der Bevölkerung Nordnigerias
  • Generalmajor, der Defizite kritisierte, vor Kriegsgericht
  • 356 Soldaten baten im Juli wegen der schlechten Moral gemeinsam um ihre Entlassung

 

(Göttingen/gfbv) - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) wirft Nigerias Armee Versagen beim Schutz von Christen und Muslimen vor. Seit Jahren gelinge es ihr nicht, die extremistische Terrorgruppe Boko Haram und bewaffnete Viehdiebe in den Griff zu bekommen. „Nigerias Armee ist demoralisiert, unterdrückt aber jede Diskussion über die eigenen Unzulänglichkeiten. Die Zivilbevölkerung im Norden Nigerias hat jedoch einen Anspruch auf wirksamen Schutz vor islamistischem Terror", erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius am Montag in Göttingen. Am letzten Wochenende waren erneut 23 Soldaten von bewaffneten Viehdieben getötet worden. Dem Generalmajor Olusegun Adeniyi, der Defizite in der Armee öffentlich in einem Video kritisierte, soll deswegen heute vor einem Kriegsgericht der Prozess gemacht werden. Mindestens 35.000 Menschen seien in dem eskalierenden Boko Haram-Konflikt im Norden Nigerias seit dem Jahr 2010 zum Opfer gefallen. Mehr als zwei Millionen Menschen christlichen und muslimischen Glaubens flohen vor der Gewalt aus ihren Dörfern. Hunderte Kirchen und Siedlungen im Nordosten des Landes wurden zerstört. 

 

Schon im Jahr 2016 erklärten Nigerias Regierung und Armee den Kampf gegen Boko Haram für so gut wie gewonnen. „Doch mit der Wirklichkeit haben diese Jubelberichte nichts gemeinsam. Erst am letzten Wochenende wurden erneut drei Bauern von Boko Haram-Kämpfern ermordet", berichtet Delius. Die Zivilbevölkerung habe ihr Vertrauen in die Armee verloren, da deren Berichte die Lage verklärten und die dramatische Situation der bedrängten christlichen und muslimischen Bevölkerung ignorierten. „Wenn die Armee nun ankündigt, bis zum Mai 2021 würden alle zwei Millionen Binnenflüchtlinge zurückgeführt oder fest angesiedelt, ist das reines Wunschdenken", warnt Delius. Die Gewalt von Boko Haram habe im Jahr 2020 erneut zugenommen, sodass an eine baldige Rückkehr der meisten Binnenvertriebenen nicht zu denken sei.

 

Generalmajor Adeniyi hatte in einem im März 2020 veröffentlichten Video die unzureichende Ausstattung der Armee im Kampf gegen Boko Haram beklagt. Viele gepanzerte Fahrzeuge seien nicht einsatzbereit, die Terrorgruppe sei oft besser bewaffnet als die reguläre Armee. Da das Video in der Öffentlichkeit viel Aufmerksamkeit erregte, gingen die Militärbehörden zunächst nicht gegen den Generalmajor vor. Nachdem sich die öffentliche Aufregung gelegt hat, wird ihm nun vor einem Militärgericht der Prozess gemacht. 

 

Nicht nur um die Ausstattung der Armee im Kampf gegen Boko Haram steht es schlecht, sondern auch um ihre Moral: Im Juli 2020 baten 356 Soldaten in einem gemeinsamen Brief an den Oberkommandierenden der Truppen um ihre Entlassung. Angesichts der schlechten Stimmung sähen sie in der kämpfenden Armee für sich keine Zukunft mehr.

 

 

 


SOS-Kinderdörfer befürchten Zementierung der Armut

Corona-Pandemie nimmt Kindern dauerhaft die Chance auf Bildung

Foto: obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/Alea Horst
Foto: obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/Alea Horst

 

(Athen/ots) - Die Corona-Pandemie und die weltweiten Schulschließungen werden nach Prognosen der SOS-Kinderdörfer weltweit dazu führen, dass zahlreiche Jungen und Mädchen dauerhaft den Zugang zu Bildung verlieren. Bereits vor Ausbreitung des Virus habe die Zahl der Kinder, die nicht zur Schule gingen, bei hohen 258 Millionen gelegen. "Jetzt ist zu befürchten, dass sie noch deutlich steigen wird!", sagt George Protopapas, Leiter der Hilfsorganisation in Griechenland. Das Ziel der Vereinten Nationen, bis 2030 allen Kinder eine qualitativ hochwertige Bildung zu garantieren, rücke so in weite Ferne.

 

Besonders Kinder aus armen Familien drohten zu Bildungsverlierern zu werden. Protopapas sagt: "Das beginnt damit, dass die allermeisten keine Chance haben, am Online-Unterricht teilzunehmen, weil ihnen die technische Ausrüstung fehlt. Die Schüler verlieren den Anschluss. Ohne Unterstützung wird es für sie extrem schwer, wieder aufzuholen!" Zum Schutz vor dem Corona-Virus sind aktuell immer noch über 60 Prozent aller Schulen geschlossen, 500 Millionen Schüler haben aufgrund fehlender Voraussetzungen laut UN keine Chance, online zu lernen.

 

Auch die wirtschaftlichen Einschnitte durch die Pandemie-Bekämpfung hätten gravierende Auswirkungen auf den Bildungsweg der Kinder. "Viele Familien, die vorher schon arm waren, sind jetzt in Existenznot. Für sie hat Schule aktuell keine Priorität. Es geht ums Überleben!", sagt Protopapas. Der Mangel an Bildung sei aber einer der entscheidenden Faktoren, der das soziale Ungleichgewicht weiter verstärke und die Armut langfristig zementiere - mit all ihren Nebeneffekten. "Dazu gehören psychologische Probleme, aber auch Kinderarbeit und ein Mangel an medizinischer Versorgung", sagt Protopapas. Besonders dramatisch sei die Situation für die Kinder in den Flüchtlingscamps, deren Unterstützung im Zuge des Lockdowns noch weiter eingeschränkt worden sei.

 

Protopapas sagt: "Schüler weltweit müssen jetzt alle erdenkliche Unterstützung bekommen, damit sie ihren Bildungsweg so schnell wie möglich wiederaufnehmen können. Nur so können wir verhindern, dass die Schneise zwischen Arm und Reich noch weiter auseinanderklafft!"

 

Die SOS-Kinderdörfer fördern die Bildung von Kindern weltweit. In Griechenland helfen sie elternlosen Kindern sowie Jungen und Mädchen aus armen Familien und in den Flüchtlingscamps mit zahlreichen Bildungsangeboten.

 

Spendenkonto:

 

SOS-Kinderdörfer weltweit

 

IBAN DE22 4306 0967 2222 2000 00

 

Stichwort: "Coronahilfe weltweit"

 


Ein Ratgeber der SOS-Kinderdörfer weltweit

"Stopp!" - Wie Eltern ihre Kinder gegen Rassismus stärken können

Foto: obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/Foto: Giti Carli Moen
Foto: obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/Foto: Giti Carli Moen

 

(Triest/ots) - Rassismus ist auch in Deutschland ein Thema, das machen nicht nur die anhaltenden Proteste deutlich: Laut einer EU-Studie haben 48 Prozent aller in Deutschland lebenden Schwarzen innerhalb von fünf Jahren Rassismus erfahren. "Schon Kinder erleben Ausgrenzung und Diskriminierung. Aber ihre Eltern können sie stärken", sagt Teresa Ngigi, Psychologin der SOS-Kinderdörfer weltweit. Doch wie können Eltern ihre Kinder vorbereiten? Wie sprechen sie mit ihnen über das Thema? Und wie können sie ihre Kinder am besten unterstützen? Ngigi hat die wichtigsten Tipps zusammengestellt. Die SOS-Psychologin weiß, wovon sie spricht: Als Kenianerin, die mit ihrer Familie in Italien lebt, hat sie selbst Erfahrungen mit Rassismus gemacht.

 

- Gut informiert sein und die Dynamik von Rassismus verstehen

 

Bevor Eltern mit ihren Kindern sprechen, sollten sie überprüfen: Verstehe ich selbst die Dynamiken, die rassistische Äußerungen auslösen? "Wenn ein Kind wiederholt Mobbing erfährt, reagiert es typischerweise entweder mit Flucht oder Angriff. So etwas muss ich als Mutter oder Vater erkennen, damit ich meinem Kind helfen kann!", sagt Ngigi. Wichtig sei auch zu wissen, dass Rassismus nicht angeboren, sondern ein erlerntes Verhalten sei.

 

- Die eigenen Erfahrungen reflektieren

 

Viele Eltern mit dunkler Hautfarbe in Europa haben selbst Rassismus erlebt. "Als ich vor 15 Jahren aus Kenia nach Italien kam, musste ich feststellen, dass viele Arbeitgeber meine Qualifikationen nicht anerkannten. Das tat weh, aber deshalb gehe ich nicht davon aus, dass alle Europäer so denken!", sagt Ngigi. Es sei wichtig, dass Eltern ihre eigenen Erfahrungen reflektieren anstatt Vorurteile aufzubauen und an die Kinder weiterzugeben.

 

- Den Reichtum der eigenen Kultur bewusstmachen

 

"Meine Kinder haben sowohl italienische als auch kenianische Wurzeln und sie sind auf beides stolz", sagt Ngigi. Es stärke die Kinder, wenn die Eltern ihnen ein Bewusstsein für ihre Kultur vermitteln. "Dabei geht es nicht um besser oder schlechter, sondern darum, den Reichtum und die Einzigartigkeit einer jeden Kultur zu feiern!", sagt Ngigi.

 

- Dem Kind zuhören

 

Wenn das eigene Kind aufgrund seiner Hautfarbe gemobbt werde, sei zuallererst wichtig, zuzuhören."Manche Eltern halten es nicht aus, dass ihr Kind solche Dinge erlebt, und verschließen sich, aber dann bleibt das Kind alleine mit seinen Erlebnissen!", sagt Ngigi. Entscheidend sei, offen über den Vorfall zu sprechen, dem Kind immer wieder zu vermitteln, dass es nichts falsch gemacht habe und dass die Anfeindungen nichts über ihn oder sie aussagen.

 

- Eine gute Antwort finden

 

"Eltern können ihrem Sohn oder ihrer Tochter dabei helfen, selbstbewusst zu antworten, anstatt reflexhaft mit Wut oder Angst zu reagieren", sagt Ngigi. Ihr eigener Sohn habe im Alter von acht Jahren rassistische Äußerungen durch einen Klassenkameraden erfahren. "Wir haben zusammen überlegt, was er tun kann. Beim nächsten Mal hat er dem Jungen in die Augen geschaut, ihm laut und deutlich gesagt, dass er das nicht möchte und dass der Junge aufhören soll. Das hat funktioniert."

 

- Das Umfeld mit einbeziehen

 

Nicht immer lässt sich ein Vorfall so einfach klären. "Eltern sollten keine Hemmungen haben, zum Beispiel auch die Lehrer mit einzubeziehen und im Umfeld um Unterstützung zu bitten. Jeder rassistische Vorfall muss ernstgenommen und dem betroffenen Kind vermittelt werden: Du hast ein Recht auf einen respektvollen Umgang", sagt Teresa Ngigi.

 

In SOS-Kinderdörfern sind alle Kinder gleich

 

Die SOS-Kinderdörfer sind vielerorts ein lebendiges Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung: Es gehört zu ihren Grundsätzen, Kinder in Not zu unterstützen, unabhängig von ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Religion. Im SOS-Kinderdorf Ksarnaba im Libanon wachsen Sunniten, Schiiten und Christen zusammen auf, in den SOS-Kinderdörfern in Ecuador finden sowohl Nachkommen der Ureinwohner als auch der europäischen Einwanderer ein Zuhause und in Indien freuen sich christliche Kinder, die Feste ihrer Hindu-Freunde mit zu feiern - und umgekehrt.

 

Dieses ist der II. Teil des Rassismus-Ratgebers der SOS-Kinderdörfer. Teil I ist unter https://www.sos-kinderdoerfer.de zu finden. Er gibt Hilfestellung für weiße Eltern, die mit ihren Kindern über Rassismus sprechen wollen.

 


Menschen in der Region werden medizinisch versorgt und über Ansteckung mit Corona Virus aufgeklärt

Krankenhausschiff von World Vision ist unterwegs in entlegene Gebiete Amazoniens

(Manaus/Friedrichsdorf/wv) - Ein Krankenhausschiff von World Vision und der Presbyterianischen Kirche ist aktuell unterwegs in entlegene Gebiete des brasilianischen Amazonasgebiets. Die Gemeinden in der Region sind schwer zu erreichen. Daher wollen die Hilfsorganisationen über diesen Weg die Menschen medizinisch versorgen und aufklären, wie sie sich vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus schützen können.

 

Die Reise startete am 6. Juli in Manaus. Das "Solidaritätsschiff" fährt jetzt über den Sacambu-See, 12 Stunden entfernt von Manaus. Im Bundesstaat Amazonas gibt es viele Corona-Infizierte auch unter der indigenen Bevölkerung, die oft weit entfernt von einer Gesundheitsstation oder einem Krankenhaus leben. Gegenwärtig gibt es in Brasilien etwa 1,6 Millionen bestätigte COVID-19-Fälle. Das südamerikanische Land ist weltweit am zweitstärksten von dem Virus betroffen und hat mehr als 66.000 Todesopfer zu beklagen.

 

"Wir erreichen die Ärmsten der Armen und gefährdete Bevölkerungsgruppen, da ihr Zugang zu Gesundheitsdiensten, Medikamenten und Kommunikationsinfrastruktur extrem eingeschränkt ist“, erklärt Martha Yaneth Rodríguez, die Landesdirektorin von World Vision Brasilien. „Die meisten Bewohner des Amazonasgebietes sind Flussuferbewohner, darunter auch Indigene, die sehr anfällig für COVID-19 sind und aufgrund der Entfernung und der Schwierigkeiten, sich fortzubewegen, kaum Zugang zu Behandlung haben.“

 

Die Mitarbeiter der Organisationen fahren mit dem Krankenhausschiff sechs Gemeinden an. Die Menschen dort benötigen dringend medizinische und zahnmedizinische Behandlungen. Außerdem verteilt die Schiffsbesatzung Hygiene-Kits, Pakete mit Grundnahrungsmitteln und die Bewohner werden darüber aufgeklärt, was sie gegen eine Ansteckung mit dem Virus tun und wie sie sich gegen Gewalt schützen können.

 

"Alle medizinischen Behandlungen und pädagogischen Aktivitäten werden in Übereinstimmung mit den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation durchgeführt, in offenen Räumen, mit kleinen Gruppen und unter Beachtung der sozialen Distanzierung", erklärt Einsatzleiter Andrea Freire. "Um das aggressive Fortschreiten des Ausbruchs im Amazonasgebiet zu verlangsamen, braucht Brasilien innovative Lösungen", so Rodriguez. World Vision arbeitet seit Anfang der 90er Jahre in der Amazonas-Region. Vor der Pandemie nutzte World Vision Brasilien das Schiff bereits zur Förderung von Bildungsangeboten für Kinder von 4-11 Jahren.

 

"Unsere Fähigkeit, lebensrettende humanitäre Hilfe und hilfreiche Bildung für diese isolierten Bevölkerungsgruppen auf längere Sicht bereitzustellen, hängt von verfügbaren Ressourcen ab“, erläutert Martha Yaneth Rodríguez. „Wir brauchen die Unterstützung von Spendern, Unternehmen, Regierungen oder Kooperationspartnern, um die Einsätze des Solidaritätsschiffes am Laufen zu halten.“

 

Unterstützen Sie die Hilfen von World Vision mit Spenden:

 

Stichwort „Coronahilfe“

 

IBAN: DE89 5019 0000 0000 0020 20 (Frankfurter Volksbank)

 

Online spenden unter: www.worldvision.de/corona

 


Um Spenden bittet auch das Bündnis „Aktion Deutschland Hilft“, in dem World Vision Mitglied ist:

 

Stichwort „Corona-Nothilfe weltweit“

 

IBAN: DE62 3702 0500 0000 1020 30 (Bank für Sozialwirtschaft)

 

Online spenden unter: www.Aktion-Deutschland-Hilft.de

 

 

 


Coronakrise: SOS-Kinderdörfer legen 30 Millionen-Euro-Hilfspaket auf

Foto: obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/Alea Horst
Foto: obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/Alea Horst

 

 

(München/ots) - Mit einem Hilfspaket von 30 Millionen Euro unterstützen die SOS-Kinderdörfer weltweit Kinder und Familien, die durch die Corona-Pandemie in tiefe Not geraten sind. Davon stammen 20 Millionen aus Nothilfe-Rückstellungen, Stiftungserträgen, bisherigen Spenden-Aufrufen und dem digitalen "Giving Tuesday". Sie werden streng zweckgewidmet für Corona und die Pandemie-Folgen eingesetzt. Weitere 10 Millionen sollen bis zum Jahresende eingeworben werden. Diese Sondermittel verstehen sich ergänzend zu den jährlichen Programmkosten an über 500 Standorten weltweit.

 

Mit den ersten freigegebenen Mitteln hat die Entwicklungsorganisation in Ländern wie Griechenland, Ecuador, Somalia, Sudan, Bangladesch und Belarus bereits begonnen, Familien zu stärken, die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen und ihr Engagement für den Kinderschutz deutlich auszubauen.

 

"Wir befinden uns in einer der größten Krisen der jüngeren Geschichte. Wer bereits zuvor in Armut lebte, dem droht jetzt das Elend, manchmal von einem Tag auf den nächsten. Es ist Zeit für nachhaltige und langfristige Veränderungen. Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie bedeuten einen katastrophalen Schlag für die Ärmsten dieser Welt", sagt Wilfried Vyslozil, Vorstandsvorsitzender der SOS-Kinderdörfer weltweit.

 

Boris Breyer, Sprecher der Entwicklungsorganisation, ergänzt: "Wir müssen solidarisch und langfristig denken. Lassen wir Kontinente wie Afrika alleine, werden auch wir in den reichen Industriestaaten die langfristigen Folgen und Kosten mittragen. Wir haben es wiederholt geschafft, aus scheinbar ausweglosen Lagen Hoffnung zu schöpfen. Zuletzt nach dem Zusammenbruch des Finanzsystems und während der Flüchtlingsaufnahme. Weil sehr viele Menschen in diesem Land Mitgefühl und Menschlichkeit beweisen, können wir in den Ländern vor Ort ganz gezielt hochwirksame Programme aufsetzen, vor allem in der Stärkung von Familien und der Bekämpfung der Armut!"

 

Spendenkonto:

 

SOS-Kinderdörfer weltweit

 

IBAN DE22 4306 0967 2222 2000 00

 

Stichwort: "Coronahilfe weltweit"

 


Hagia Sophia in Istanbul: Ehemalige Kirche darf keine Moschee werden

Erdogan will Hagia Sophia in Moschee umwandeln

 

  • Oberstes Verwaltungsgericht der Türkei entscheidet bis zum kommenden Donnerstag
  • GfbV appelliert an Moscheegemeinden in Deutschland, Solidarität mit christlichen Gläubigen zu bekunden
  • „Solidarität stärkt gegenseitigen Respekt, Toleranz und friedliches Miteinander"

 

(Göttingen/ Istanbul/gfbv) - Die islamisch-konservative Regierung der Türkei plant, die Sophienkirche oder Hagia Sophia in Istanbul wieder in eine Moschee umzuwandeln. Seit 1935 wird sie als Museum genutzt. Am vergangenen Donnerstag, den 2. Juli 2020, erklärte das oberste Verwaltungsgericht der Türkei, dass es bis zum kommenden Donnerstag, den 16. Juli, in dieser Sache entscheiden werde. 

 

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) appelliert an die Moscheegemeinden in Deutschland, christlichen Gläubigen in der Türkei ihre Solidarität zu bekunden. Die große DITIB-Moschee in Köln-Ehrenfeld und andere Gemeinden der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e. V. (türkisch: Diyanet İşleri Türk İslam Birliği, DİTİB) sowie andere Moscheen mögen für 482 Stunden Kreuze als christliches Symbol in ihre Moscheen hängen. „Die 482 Stunden sollen die 482 Jahre symbolisieren, in denen die Sophienkirche im ehemaligen Konstantinopel, als Moschee genutzt wurde“, erklärt Dr. Kamal Sido, Nahostexperte der GfbV. „So können muslimische Verbände gegen die mögliche Umwandlung des Hagia-Sophia-Museums in eine Moschee protestieren.“ Die deutsch-muslimischen Verbände, insbesondere die DITIB, könnten so die bedrängten und verfolgten christlichen und anderen religiösen Gemeinschaften in der „Islamischen Welt“ unterstützen. 

 

„Diese Solidarität ist dringend notwendig, um den gegenseitigen Respekt, Toleranz und ein friedliches Miteinander in der Türkei, in Deutschland und in der ganzen Welt zu fördern und zu stärken“, ergänzt Sido. „Denn auch 567 Jahren nach der Eroberung Konstantinopels hat die Hagia Sophia für die heute bedrängten christlichen Gemeinden im Nahen Osten eine hohe Strahlkraft.“ Für die Christen sei sie ein Symbol ihrer langen Geschichte in der Region und wichtig für ihre Identität. „Die Hagia Sophia als Museum und als ein Wahrzeichen Istanbuls zu belassen, wäre ein Signal des türkischen Staates an alle Christen im Nahen Osten und weltweit“, so Sido. „Das Land kann zeigen, dass es das Erbe der Völker, die einst auf seinem Gebiet lebten, respektiert. Es kann zur Versöhnung mit den Nachfahren der Opfer von Verfolgungen und Genoziden im Osmanischen Reich und in der heutigen Republik Türkei beitragen – oder eben das Gegenteil bewirken.“ Zuletzt haben Radikalislamisten, die von der Türkei geduldet oder unterstützt werden, im Irak, in Syrien und anderen Ländern viele christliche Kirchen zerstört. Auch yezidische Gotteshäuser, Denkmäler, Friedhöfe und andere Heiligtümer wurden zerstört und geplündert. 

 

Die Hagia Sophia oder Sophienkirche wurde im 6. Jahrhundert im Byzantinischen Reich erbaut. Nach der Eroberung Konstantinopels durch Truppen des Osmanischen Reiches wurde sie 1453 in eine Moschee umwandelt. Seit 1934 wird sie als Museum genutzt. Seitdem wird immer wieder die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee diskutiert. Vor den Kommunalwahlen 2014 und 2019 forderte die islamisch-konservative Regierung Erdogans die Rückwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee, um die Stimmen strenggläubiger Muslime zu gewinnen. Im Juni 2016 wurde sie im Fastenmonat Ramadan für kurze Zeit wieder als Moschee genutzt. 

 


Corona-Pandemie und ihre Folgen: SOS-Kinderdörfer befürchten weltweiten Versorgungsnotstand

Foto: obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/Sylvain Cherkaoui
Foto: obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/Sylvain Cherkaoui

 

(Wien/ots)- Die Zahl der Menschen auf der Welt, die hungern, ist in Folge der Corona-Pandemie drastisch angestiegen. Wenn nicht schnell umfangreiche Maßnahmen ergriffen werden, droht ein weltweiter Versorgungsnotstand, warnt die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer weltweit. "Millionen Kinder sind in Gefahr. Je länger die Krise dauert, desto größer ist das Risiko, dass sie dauerhaft Schaden nehmen", sagt Luciana Dabramo, Nothilfe-Koordinatorin der Hilfsorganisation.

 

Bereits vor der Krise hätten 820 Millionen Menschen an Hunger gelitten, mehr als jedes fünfte Kind war unterernährt. Konflikte sowie die Folgen des Klimawandels wie Dürren und eine nach wie vor anhaltende Heuschreckenplage in Afrika hätten die Ernährungssicherheit massiv bedroht. Jetzt könne es sein, dass sich die Zahl der Hungernden noch in diesem Jahr verdopple. Nach aktuellen Daten der FAO würden in der Zentralafrikanischen Republik bereits 11 Prozent mehr Menschen an Hunger leiden als vor Ausbruch von COVID-19 und in Afghanistan sei die Zahl der Hungernden auf alarmierende 10 Millionen nach oben gegangen.

 

Die weltweiten Maßnahmen gegen das Corona-Virus hätten dazu geführt, dass Lebensmittelketten unterbrochen und verderbliche Lebensmittel zum Teil vernichtet wurden, vielerorts seien die Preise erhöht worden, gleichzeitig hätten vor allem unter den Ärmsten Millionen Menschen ihre Arbeit verloren. "In zahlreichen Ländern leisten unsere Mitarbeiter akut Nothilfe, um die Menschen vor dem Verhungern zu bewahren", sagt Luciana Dabramo. Auch die Schließung von zeitweise über 90 Prozent aller weltweiten Schulen habe dramatische Auswirkungen auf die Ernährungslage. "Für viele Jungen und Mädchen ist die Schulspeisung die einzige Mahlzeit des Tages", sagt die Nothilfekoordinatorin.

 

In erster Linie müsse es jetzt darum gehen, Kinder und Erwachsene in Not mit Lebensmitteln zu versorgen. Langfristig müssten die weltweiten Ernährungssysteme nachhaltiger werden. Luciana Dabramo sagt: "In den UN-Milleniumszielen heißt es: 'Niemand darf zurückgelassen werden!' Wir sind trotz der Krise in der Verantwortung, dies umzusetzen. Es sind genug Lebensmittel vorhanden, um alle Menschen weltweit zu ernähren!"

 

Spendenkonto:

 

SOS-Kinderdörfer weltweit

 

IBAN DE22 4306 0967 2222 2000 00

 

Stichwort: "Coronahilfe weltweit"

 

 

 


Dalai Lama begeht 85. Geburtstag – ICT erinnert an verfolgte Tibeter

 

(Berlin/ict) - Die International Campaign for Tibet (ICT) erinnert aus Anlass des 85. Geburtstages des Dalai Lama am 6. Juli an Tibeter, die allein aufgrund ihrer Verehrung des Friedensnobelpreisträgers verfolgt werden und Repressionen erleiden müssen.

 

So verstarb im Mai 2020 der tibetische Mönch Choekyi nach dreieinhalbjähriger Haftzeit, offenbar an den Folgen von in Haft erlittener Folter. Choekyi war von der chinesischen Polizei festgenommen worden, weil er mit einem selbst hergestellten T-Shirt den 80. Geburtstag des Dalai Lama begehen wollte. Ein chinesisches Gericht verurteilte den Mönch deswegen zu einer vierjährigen Haftstrafe. Gezeichnet von schwerer Folter und Misshandlung in Haft wurde Choekyi im Frühjahr 2019 noch vor Ablauf der Haftzeit schwerkrank aus dem Gefängnis entlassen. Die chinesischen Behörden verweigerten ihm bis zuletzt eine angemessene medizinische Behandlung in einem Krankenhaus.

 

Im Dezember 2016 wurde eine Gruppe von neun Tibetern zu Haftstrafen von bis zu 14 Jahren verurteilt, unter anderem weil sie 2015 den 80. Geburtstag ihres geistlichen Oberhauptes begehen wollten. Vorgeworfen wurde ihnen ferner, den „Staat zu spalten“, indem sie Haftentlassene begrüßten und Geld für Hinterbliebene von Tibetern sammelten, die sich aus Protest selbst angezündet hatten. Viele von diesen hatten mit ihrem Protest die Rückkehr des Dalai Lama nach Tibet gefordert.

 

Im April 2020 wurde eine Verordnung in der sog. Autonomen Region Tibet bekannt, nach der jede Form von Diskussion über die vom Dalai Lama vorgeschlagene Autonomielösung für Tibet unter Strafe gestellt wird. Bilder und Porträts des Dalai Lama müssen überdies regelmäßig aus Häusern, Geschäften und Klöstern entfernt werden. Persönliche Smartphones werden von den Behörden bei Routinekontrollen nach Bildern oder Nachrichten über den Dalai Lama durchsucht. Unter Missachtung internationaler Menschenrechtsstandards will die chinesische Regierung zudem einen zukünftigen Dalai Lama bestimmen, was mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Zuspitzung der Situation in Tibet führen würde.

 

Die International Campaign for Tibet fordert die internationale Gemeinschaft auf, für die Rechte verfolgter Tibeter einzutreten, die friedlich ihre Verehrung für ihr geistliches Oberhaupt, den Dalai Lama, ausdrücken wollen. Sie sollte die chinesische Regierung nachdrücklich auffordern, in einen Dialog mit dem Dalai Lama über eine friedliche Lösung der Tibetfrage zu treten. Peking darf sich überdies nicht einmischen in die Findung und Bestimmung eines zukünftigen Dalai Lama, so ICT.

 

www.savetibet.de

Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit 30 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.

 

 

 

 

 

Coronakrise und Ökologie: "Als hätte es die Klimakrise niemals gegeben"

Foto: obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/Weinert Brothers
Foto: obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/Weinert Brothers

 

(Kigali/München/ots) - Das Jahr 2020 könnte ein weiteres Rekordhitzejahr werden. "Zugleich aber scheint es so, als hätte es die Klimakrise, das große Thema des vergangenen Jahres, nie gegeben. Dabei sind die Folgen vor allem für Kinder in Afrika bereits heute dramatisch", sagt Liberal Seburikoko, Klimaexperte der SOS-Kinderdörfer in Ruanda.

 

"Wegen der Erderwärmung gibt es bei uns deutlich mehr Dürren, extreme Regenfälle und Überschwemmungen", so Seburikoko weiter. "Und zugleich erleben wir gerade die schlimmste Heuschreckenplage seit 70 Jahren - auch das eine Folge des Klimawandels." Die Schwärme hätten ganze Ernten vernichtet, viele Menschen stünden vor dem Nichts. Auch die Prognosen für die kommenden Jahrzehnte seien düster: "In Ländern wie Südafrika oder Simbabwe könnten die Erträge an Mais bis 2050 um mehr als 30 Prozent sinken. Chad, Niger und Sambia laufen Gefahr, sogar bis 2100 ihren gesamten Agrarsektor zu verlieren." Bereits jetzt würden auf dem Kontinent 60 Millionen Kinder hungern.

 

Auch Krankheiten würden durch den Klimawandel zunehmen. "Steigende Temperaturen können dazu führen, dass sich die Malaria-Mücke weiter ausbreitet und sogar oberhalb von 2000 Metern ansiedelt. Überflutungen tragen zur Verbreitung von Cholera, Typhus oder Ruhr bei. Je länger wir untätig bleiben, desto größer ist die Gefahr, dass wir auf eine Katastrophe zusteuern: Kinder und Familien verlieren dann nicht nur ihre Lebensgrundlage, sondern ihr Leben!", sagt Seburikoko.

 

Bei der Bekämpfung von COVID-19 habe die Welt gezeigt, dass sie in der Lage sei, sehr schnell massive Einschnitte vorzunehmen. "Wenn wir nicht genauso beherzt gegen den Klimawandel vorgehen, kann das nur heißen, dass uns der Wille fehlt! Es wird entscheidend sein, ob es uns gelingt, nach Ende der Pandemie auf ein nachhaltiges, klimafreundliches Wirtschaften umzusteigen und endlich konsequent gegen die Erderwärmung vorzugehen. Denn die Gefahren sind noch weitaus größer als durch COVID-19 - nur, dass wir gegen den Klimawandel keinen Impfstoff entwickeln können", sagt Seburikoko.

 


Neuer Bericht: Alarmierende Zunahme von Kinderehen in Syrien

World Vision: Versagen der internationalen Gemeinschaft auf ganzer Linie

 

(Berlin / Amman/wv) - Aus Anlass der vierten Syrien-Geberkonferenz, die am kommenden Montag in Brüssel beginnt, beklagt die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision, dass es kaum noch Aufmerksamkeit für den seit mehr als 9 Jahren andauernden Konflikt in Syrien gibt. „Wir müssen leider feststellen, dass dieser Krieg mit katastrophalen Auswirkungen für Kinder kaum noch jemanden interessiert. Viele Kinder sehen ihre Zukunft als verloren an, auch weil sie durch Zwangsverheiratung jeglicher Bildungschancen beraubt werden“, betont Ekkehard Forberg, Themenmanager Anwaltschaft und Friedensförderung. „Die Internationale Gemeinschaft hat auf ganzer Linie versagt. Die Teilnehmer der Konferenz in Brüssel müssen jetzt dafür sorgen, dass es endlich einen dauerhaften Frieden gibt und genügend finanzielle Mittel für humanitäre und medizinische Hilfslieferungen zur Verfügung gestellt werden.“

 

Millionen Kinder in Syrien kennen nichts anderes mehr als Krieg, Gewalt, Tod und Vertreibung und die Eskalation zu Beginn dieses Jahres hat einmal mehr Hundertausende Familien gezwungen, aus ihren Dörfern zu fliehen. Im Winter mussten viele Kinder sogar im Freien unter Bäumen übernachten. „Für vier Millionen Syrerinnen und Syrer, die in Gebieten außerhalb der Kontrolle der syrischen Regierung leben, ist daher die grenzüberschreitende Versorgung überlebenswichtig“, erläutert Forberg. Die Kinderhilfsorganisation fordert die Bundesregierung daher dringend auf, im UN-Sicherheitsrat für eine Verlängerung der grenzüberschreitenden humanitären Hilfe zu sorgen. Die bisherige Genehmigung zur Nutzung von Grenzübergängen durch die Vereinten Nationen läuft Mitte Juli aus. Im UN-Sicherheitsrat soll das Thema des Zugangs nach Syrien demnächst auf die Tagesordnung gesetzt werden. Dann soll auch entschieden werden, ob Grenzübergänge in die Türkei und den Irak weiter genutzt werden dürfen. „Deutschland hat als Verhandlungsführer eine besondere Verantwortung – denn Millionen Hilfsbedürftige sind von dieser Entscheidung abhängig“, so Forberg. Die Corona-Pandemie verschärft zusätzlich die Lage der Kriegsflüchtlinge, weil die medizinische Hilfe oft bei den Bedürftigen verspätet oder gar nicht ankommt. Mittlerweile sind nur noch 60% der öffentlichen Krankenhäuser in Syrien funktionsfähig.

 

In einem neuen Bericht mit dem Titel „Gestohlene Zukunft: Krieg und Kinderheirat in Nordwestsyrien“ wird festgestellt, dass Frühverheiratungen in Syrien in alarmierender Weise zugenommen haben. Zwischen Januar und April dieses Jahres befragten World Vision Mitarbeiter 626 Mädchen und Jungen, Familien, Betreuer und Gemeindemitglieder in Nordwestsyrien zu Kinderheirat. Fast 100% der Befragten bestätigten, dass Frühverheiratung seit Beginn des Konflikts stark zugenommen habe. Gründe seien u.a. die Angst vor sexueller Ausbeutung, Missbrauch und Entführung und Armut. Viele Eltern sind zutiefst verzweifelt und wissen nicht mehr, wie sie ihre Kinder ernähren sollen. Heranwachsende Mädchen berichteten, dass sie von der Gemeinschaft isoliert sind, unter Alpträumen, Ängsten und Weinkrämpfen leiden. Viele junge Mütter sehen sich außer Stande, sich um ihre Kinder zu kümmern.

 

World Vision betont, dass die internationale Gemeinschaft auch in Kriegen moralisch verpflichtet ist, die Rechte der Kinder zu wahren. „Die Corona-Epidemie hat viele Familien in noch größere Verzweiflung getrieben und führt zu einem dramatischen Anstieg von Kinderheiraten“, sagte Eleanor Monbiot, die Regionalverantwortliche von World Vision für den Nahen Osten und Osteuropa. „Frühverheiratung ist eine Gefahr für die körperliche und psychische Gesundheit der Kinder und führt oft zu häuslicher Gewalt, einem Abbruch der Schule und weiterem Abrutschen in die Armut“, so Monbiot.

 

In Syrien hat die Kinderhilfsorganisation zwischen Oktober 2018 und April 2020 fast 2,5 Millionen Menschen unterstützt, darunter etwa 1,4 Millionen Kinder. Neben der Versorgung mit Nahrungsmitteln, sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen kümmern sich die Mitarbeiter der Organisation auch um Gesundheitsdienstleistungen und den Kinderschutz, sowie Bildungsmaßnamen. Als Reaktion auf die Zunahme von Kinderhochzeiten bieten Mitarbeiter vor Ort auch Fortbildung zu Kinderschutz an. In Kinderbetreuungszentren können Kinder spielen und mit geschulten Erziehern sprechen. Mit Hilfe von Aufklärungsmaßnahmen unterrichtet die Organisation Eltern und Kinder über die Gefahren von Frühverheiratung.

 


Rassismus für Kinder erklärt: Ein Ratgeber der SOS-Kinderdörfer weltweit

Foto: obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/Giti Carli Moen
Foto: obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/Giti Carli Moen

 

 

(München/ots) - Am 25. Mai 2020 kam George Floyd, ein Schwarzer Mann, in den USA durch rassistische Gewalt ums Leben - ein Verbrechen, das uns alle angeht. Auch in Deutschland gehen die Menschen seither auf die Straße, um gegen Rassismus zu protestieren. Das zeigt: Auch hierzulande gibt es dringenden Handlungsbedarf. "Wir müssen schon mit unseren Kindern über Rassismus sprechen!", sagt Boris Breyer, stellvertretender Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit. Nur ist das gar nicht so einfach: "Kinder wollen verstehen - aber sie geben sich nicht mit jeder Antwort zufrieden." Deshalb hat die Hilfsorganisation die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengefasst und gibt Tipps, was Eltern tun können, um mit ihren Kindern kompetent über Rassismus zu sprechen.

 

Was ist Rassismus?

 

Eine kindgerechte Erklärung könnte so aussehen: "Rassismus bedeutet, dass ich jemanden ablehne, gemein und unfreundlich bin, nur, weil er anders aussieht oder aus einer anderen Kultur kommt. Es spielt dabei keine Rolle, was er tut oder sagt. Ich interessiere mich nicht für seine Meinung oder seine Hobbys, es ist mir auch egal, ob er nett ist oder Humor hat. All das zählt nicht."

 

Wie äußert sich Rassismus in unserem Alltag?

 

Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, was in unserem Alltag rassistisch ist: Wenn jemand ausgeschlossen wird, weil er anders aussieht. Wenn niemand neben dem dunkelhäutigen Schüler sitzen möchte. Oder wenn einem Menschen anderer Herkunft dazu gratuliert wird, dass er gut Deutsch spricht. Vielleicht ist er ja hier aufgewachsen?

 

Wer Kindern Rassismus erklären will, muss sich auch selbst hinterfragen

 

Ein Gespräch mit den Kindern ist immer auch eine Chance, sich selbst auf die Schliche zu kommen und eigene Vorurteile zu entdecken: Bin ich wirklich so offen? Oder gibt es Situationen, in denen ich Andere aufgrund ihrer Kultur oder Hautfarbe beurteile? Die Möglichkeit, dies zu verändern, besteht immer.

 

Kindern spielerisch begreifbar machen, wie die Welt aussieht

 

In vielen Kinderbüchern sind alle Jungen und Mädchen hellhäutig und unter den Buntstiften gilt ein blasses Rosa als Hautfarbe. Bringen Sie die Welt ins Kinderzimmer: Hautfarbe kann alles Mögliche sein, rosa, gelbbraun, dunkelbraun. Und jede Kultur hat wunderbare Geschichten zu bieten.

 

Welche Worte sollten Eltern ihren Kindern erklären?

 

Begriffliche Unterscheidungen wie "People of Color", "Schwarze Person" oder "farbig" sind für Kinder nicht leicht zu verstehen. Deshalb: Erklären Sie Ihrem Kind, dass es nicht relevant ist, ob ein Mensch "schwarz" oder "weiß" ist. Warum sollte man einen Schwarzen Freund als Schwarzen Freund bezeichnen? Er kann einfach Theo sein, der zum Beispiel super Fußball spielt.

 

Realistisch sein und nicht aufgeben

 

Es ist traurig, aber man muss auch realistisch sein: Ihr Kind wird regelmäßig mit Rassismus konfrontiert sein - wenn auch vielleicht nicht am eigenen Leib. Denn Rassismus existiert und wird nicht von heute auf morgen verschwinden. Er hat eine lange Geschichte und ist tief im System verankert. Alle müssen mitmachen, sonst wird sich langfristig nichts ändern. Nehmen Sie das als Ansporn, um mit Menschen im Umfeld zu reden und sie zu mobilisieren. Die Zauberformel lautet: Rassismus permanent sichtbar machen, aufzeigen und darüber sprechen. Aufstehen, laut sein - Missstände und Diskriminierung zum Thema machen. Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es um Verantwortung und Respekt füreinander geht.

 

Was kann mein Kind gegen Rassismus tun?

 

Suchen Sie gemeinsam mit ihrem Kind nach Möglichkeiten zu handeln. Sich gegen Rassismus einzusetzen kann bedeuten, dass ich Stellung beziehe, wenn ein Mitschüler anderer Herkunft ausgegrenzt wird. Oder dass ich selbst mehr auf meine Sprache achte. All die kleinen Dinge machen einen Unterschied.

 

Die SOS-Kinderdörfer sind vielerorts ein lebendiges Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung: Es gehört zu ihren Grundsätzen, Kinder in Not zu unterstützen, unabhängig von ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Religion. Im SOS-Kinderdorf Ksarnaba im Libanon wachsen Sunniten, Schiiten und Christen zusammen auf, in den SOS-Kinderdörfern in Ecuador finden sowohl Nachkommen der Ureinwohner als auch der europäischen Einwanderer ein Zuhause und in Indien freuen sich christliche Kinder, die Feste ihrer Hindu-Freunde mit zu feiern - und umgekehrt.

 


Zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni: Kindheit im Camp

"Flüchtlingskinder sind keine hoffnungslosen Fälle"

Foto: obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/Giorgos Moutafis
Foto: obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/Giorgos Moutafis

 

(Athen/ots) - Je länger die Debatte um die Aufnahme von unbegleiteten Minderjährigen aus den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln - allen voran Moria auf Lesbos - weitergeht, desto länger müssen tausende Kinder dort unter schrecklichen Bedingungen ausharren. Wie schlimm es in den Camps zugeht, weiß Popi Gkliva. Sie ist die Leiterin eines SOS-Nothilfe-Projekts für Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos und beschreibt anlässlich des Weltflüchtlingstag am 20. Juni, wie es den Kindern geht und was sie brauchen.

 

Sie arbeiten seit einigen Jahren in den Flüchtlingslagern in Griechenland. Beschreiben Sie bitte Ihre Eindrücke.

 

Popi Gkliva: Worte können nicht beschreiben, was ich hier alles mit ansehen musste. Kleine Kinder, die in einem provisorischen Zelt leben müssen, das im Schlamm versinkt. Es herrschen hier schlimmste hygienische Bedingungen. Wir dürfen nicht hinnehmen, dass Kinder und Jugendliche im Europa des 21. Jahrhunderts keine gesunde Ernährung erhalten, krank sind, ohne einen Arzt aufsuchen zu können, und leichte Opfer für Kriminelle sind.

 

Wie gehen Sie mit den Kindern um?

 

Ich versuche einfach, für sie da zu sein. Aber wie hilfst du einer Siebenjährigen dabei, die Tatsache zu ertragen, dass sie ihre Mutter eventuell nie wiedersehen wird? Oder was antwortest du, wenn ein Flüchtlingskind dich abends fragt, ob du jetzt auch in so einem Container schlafen gehst, wie es selbst? Wie erklärst du wissbegierigen Kindern, dass sie nicht zur Schule gehen können? Diese Machtlosigkeit ist kaum zu ertragen.

 

Moria wird also zu Recht als "Hölle auf Erden" bezeichnet?

 

Moria ist menschenunwürdig und vor allem kinderunwürdig. Aber es geht nicht darum, dass die Medien mit Extrem-Wörtern um sich werfen, sondern darum, dass sich etwas ändert. Aber für mich sieht es so aus, als ob die Gesellschaft die Zustände in den Lagern sowie die Schicksale der Kinder und Familien dort zwar bedauert, aber als unvermeidbar hinnimmt. Es darf nicht sein, dass ihre Realität im Camp zur Normalität der Kinder wird.

 

Was muss passieren?

 

Wir müssen die Kinder dort rausholen. Es sind Kinder! Ein Flüchtlingscamp ist einfach nicht der richtige Ort für ein Kind. Sie haben ein Recht auf Fürsorge und Schutz und darauf, Kind sein zu können. Wir riskieren, eine Generation zu verlieren, wenn wir jetzt nicht handeln. Maßnahmen müssen ergriffen werden, um die Betreuung, Bildung und den Schutz der Kinder zu gewährleisten.

 

Weltweit sind 70,8 Millionen Menschen auf der Flucht. Die Hälfte ist unter 18 Jahre alt. Was brauchen Flüchtlingskinder am dringendsten?

 

Neben Nahrung, Medizin und Schutz brauchen diese jungen Menschen eine Chance im Leben. Wir müssen uns vor Augen führen, wie sich die schrecklichen Lebensbedingungen auf jedes einzelne Kind langfristig auswirken werden, wenn wir ihnen nicht helfen. Diese Kinder haben in der Regel ohnehin schon sehr viel Grausames vor und auf ihrer Flucht erleben müssen. Doch deshalb sind sie keine hoffnungslosen Fälle! Mit Traumatherapie, Schulbildung und liebevoller Fürsorge können wir den Kindern einen Neustart ermöglichen.

 

Wie helfen die SOS-Kinderdörfer vor Ort?

 

Es gibt vier SOS-Kinderdörfer in Griechenland sowie mehrere Nothilfe- und Familienhilfe-Programme. Seit Dezember 2015 kümmern sich Mitarbeiter der SOS-Kinderdörfer um Flüchtlingskinder und -Familien, unter anderem auf der Insel Lesbos. Der Fokus liegt auf unbegleiteten Minderjährigen. Bisher konnte über 10.600 Kindern und 920 Eltern geholfen werden. Zum Beispiel mit Unterkünften, psychosozialer und rechtlicher Unterstützung, Bildungsangeboten oder sportlichen Aktivitäten. Auf Lesbos gibt es auch einen Kindergarten sowie Bildung für Schulkinder. So kann SOS monatlich rund 850 Menschen allein auf Lesbos helfen.

 

Wie beeinflusst die Coronakrise die Situation im Camp?

 

Die Corona-Maßnahmen führen dazu, dass noch mehr Menschen Hilfe brauchen, während aber wegen der notwendigen Distanzierung weniger aufgenommen werden können. Die Menschen, und ganz besonders Kinder und Jugendliche, sind ohnehin in einer sehr schwierigen psychischen Verfassung. Verzweiflung, Depressionen und Angst sind weit verbreitet. Wenn unsere Mitarbeiter nun nicht mehr täglich kommen, bedeutet das eine zusätzliche Verunsicherung. Keinen direkten, zwischenmenschlichen Zugang zu haben, stellt uns vor eine Herausforderung, die wir aber mit neuen, angepassten Abläufen meistern. So gibt es beispielsweise Online-Bildungs-Plattformen, Therapiesitzungen per Telefon und die Verteilung von Nahrung sowie Hygienekits. Wir leisten auch Corona-Aufklärung, damit die Menschen sich schützen können.

 

Spendenkonto:

 

SOS-Kinderdörfer weltweit

 

IBAN DE22 4306 0967 2222 2000 00

 

Stichwort: "Coronahilfe weltweit"

 


Mindestens 60 Millionen Kinder und Erwachsene betroffen

Corona-Krise: Armut wächst zum ersten Mal seit 30 Jahren

Foto: obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/Kathrin Harms
Foto: obs/SOS-Kinderdörfer weltweit/Kathrin Harms

(Neu-Delhi/ots) - In Folge der Corona-Krise steigt die weltweite Armut zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder an. Mindestens 60 Millionen Kinder und Erwachsene könnten nach Angaben der Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer in extreme Armut abrutschen. "Und das sind noch konservative Prognosen", sagt Shubha Murthi, Leiterin der SOS-Kinderdörfer in Asien. Zahlreiche Erfolge in der Armutsbekämpfung und der Entwicklungszusammenarbeit würden zunichtegemacht. Das Ziel der Vereinten Nationen, die Armut bis 2030 zu beenden, rücke in weite Ferne.

 

Bereits in den ersten Monaten nach Ausbruch von COVID-19 waren laut Internationaler Arbeitsorganisation (ILO) 1,6 Milliarden Menschen im informellen Sektor existenziell bedroht. In einem Land wie Indien, wo über 80 Prozent der Menschen von Gelegenheitsjobs leben, sei zu befürchten, dass die Arbeitslosigkeit von 7,6 Prozent auf 35 Prozent hochschnelle. "In den Armenvierteln hat fast niemand mehr ein Einkommen. Millionen Familien wissen derzeit nicht, wie sie ihre Kinder ernähren sollen", sagt Murthi.

 

Besonders problematisch sei, dass ein Großteil der Länder weltweit über kein funktionierendes Sozialsystem verfüge. Gerieten Familien in Armut, habe das weitreichende Konsequenzen: "Kinder leiden an Hunger und Unterernährung, Krankheiten nehmen zu, viele Jungen und Mädchen müssen ihre Bildung abbrechen. Das ist besonders tragisch, da sie damit die wichtigste Chance verlieren, sich aus dem Kreislauf der Armut zu befreien", sagt Murthi. Gehe die Schere zwischen Reich und Arm weiter auseinander, würden auch die sozialen Unruhen anwachsen. "In Indien beispielsweise kam es auch vor Corona immer wieder zu Protesten. Wenn wir hier keine wirkungsvollen Lösungen finden, drohen sie zu eskalieren."

 

Oberste Priorität müsse jetzt sein, die Menschen mit Nahrungsmitteln zu unterstützen und ihr Überleben zu sichern. Weltweit müssten tragfähige soziale Netzwerke aufgebaut werden. "Jeder Mensch hat ein Recht auf Ernährung, Schutz, Bildung und Gesundheit - es ist Aufgabe der Staaten, dies sicherzustellen!", sagt Murthi.

 

Spendenkonto:

 

SOS-Kinderdörfer weltweit

 

IBAN DE22 4306 0967 2222 2000 00

 

Stichwort: "Coronahilfe weltweit"

 


Covid-19: Brasiliens Indigene helfen sich selbst

 

  • Indigener Dachverband veröffentlicht regelmäßig Zahlen
  • Sterberate unter Indigenen viel höher als in der Gesamtbevölkerung
  • Indigene überwachen Zugang zu Territorien mit Kontrollpunkten
  • Illegale Eindringlinge schleppen das Virus weiter ein

 

(Göttingen/gfbv) - Seit letzter Woche hat das Gesundheitsministerium Brasiliens das Format für die Veröffentlichung der aktuellen Corona-Infektionszahlen ständig geändert. Gesamtzahlen wurden verborgen und nur noch die neu registrierten Infizierten und Todesopfer der letzten 24 Stunde bekanntgegeben. Am Sonntag, den 7. Juni, gab die Behörde sogar zwei verschiedene Werte bekannt. Das Gesundheitsministerium entfernte auch die Daten, die die Entwicklung der vergangenen Monate aufzeigte. Aufgrund zahlreicher Proteste kündigte die Regierung an, wieder detaillierte Daten zu der Pandemie zu veröffentlichen. Die Johns-Hopkins-Universität meldet heute, dass Brasilien mit über 32.000 Neuinfektionen den weltweit höchsten Wert aufweist. 

 

 „Unabhängig von der Politik der Hauptstadt ermitteln indigene Organisationen weiter Infektions-und Todeszahlen. Der Dachverband der Indigenen Völker Brasiliens APIB trägt sie zusammen und veröffentlicht sie regelmäßig", berichtet Juliana Miyazaki, Referentin für indigene Völker bei der Gesellschaft für bedrohte Völker. Danach haben sich bisher 2600 Indigene aus 94 Völkern infiziert. Die Zahl der Todesfälle unter den indigenen Völkern Brasiliens stieg bis zum am 8. Juni auf 247. Das entspricht einer Fallsterblichkeit von etwa 9,5 Prozent – nach wie vor fast das Doppelte der landesweiten Rate von gut 5 Prozent. Die staatliche Behörde zählt dabei nur 85 indigene Todesfälle. 

 

„Um die Verbreitung der Pandemie in ihren Gemeinschaften zu verhindern, haben sich viele Indigene in ihre Territorien zurückgezogen und überwachen den Zugang an eigens eingerichteten Kontrollpunkten", erklärt Miyazaki. Die FUNAI spricht sich gegen die Kontrollpunkte aus. „Trotzdem dringen weiter Menschen illegal in die Gebiete ein, um Holz zu fällen, Gold zu schürfen, zu jagen oder das Land zu besetzen. Auch für unerlaubten Tourismus und Handel werden die Barrieren umgangen oder durchbrochen. So gelangt das Virus trotz aller Bemühungen immer wieder in indigene Gebiete."

 

Am Sonntag gingen Tausende von Menschen in über 20 Städten auf die Straßen, um gegen Bolsonaros Politik, gegen Faschismus und Rassismus zu protestieren. „Indigene, die in den Städten leben, haben vielfach ebenfalls protestiert", so Miyazaki. „Denn sie sind schon immer Opfer von institutionellem Rassismus, Diskriminierung, Marginalisierung und Gewalt. Jetzt werden sie durch die Pandemie und zusätzlich die Vernachlässigung der Regierung bedroht." Die Indigenenschutzbehörde FUNAI, die sich ganz in den Dienst Bolsonaros gestellt habe, hätte bisher nur 30 Prozent der für die Bekämpfung der Pandemie verfügbaren Mittel ausgeschöpft. Umgerechnet sollten die Indigenen fast 3,8 Millionen Euro an staatlicher Unterstützung bekommen. 

 


COVID19-Pandemie zerstört die Zukunft von Kindern weltweit - Langfristige Folgen weit über COVID19-Krise hinaus

World-Vision-Report: Deutlicher Anstieg der Kinderarbeit feststellbar

 

(Friedrichsdorf/wv) – Die indirekten Folgen der COVID19-Pandemie wirken sich auch langfristig auf das Leben von Millionen Kindern weltweit aus. In einem Report hat die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision einen deutlichen Anstieg der Kinderarbeit festgestellt. Die Organisation fordert internationale Anstrengungen, um den Anstieg zu stoppen.

 

Für den Report wurden Familien in sechs asiatischen Ländern befragt. Von den befragten Familien gaben 830 an, dass sie durch die Maßnahmen zur Bekämpfung der COVID19-Pandemie gezwungen sind, ihre Kinder zur Arbeit zu schicken. Das entspricht 8 Prozent der befragten Familien. Weitere 415 Familien, also 4 Prozent der Befragten, erklärten, dass sie ihre Kinder jetzt betteln lassen. Als Gründe führten diese Familien an, dass sie durch die Corona-Maßnahmen kein oder weniger Einkommen haben. Zudem führten zum Beispiel die Schließungen von Schulen zum Wegfall von Schulspeisungen. Das erhöht den Druck auf die Ernährungssituation von Familien noch einmal deutlich.

 

Antje Lüdemann-Dundua, Referentin für Kinderrechte bei World Vision Deutschland: „Diese Tendenz sehen wir auch in anderen Teilen der Welt, besonders in Afrika und Lateinamerika. Die Folgen sind extrem. Denn die Kinder werden so ihrer Zukunft beraubt. Viele von ihnen werden nicht mehr in die Schule zurückkehren. Sie verlieren die Chance auf ein besseres Leben.“

 

Statt Schulen zu besuchen schuften diese Kinder als Helfer in der Landwirtschaft, auf Müllhalden, wo sie nach verwertbaren Materialien suchen oder sie arbeiten in Fabriken und Steinbrüchen.

 

Der Anstieg der Kinderarbeit ist laut der Befragung auf die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus zurückzuführen. In vielen Ländern Afrikas, Lateinamerikas und Asiens haben die Lockdowns dazu geführt, dass Erwachsene ihre Arbeit verloren und somit keine Einkünfte mehr haben. Davon sind gerade die finanziell schwächsten Teile der Bevölkerung betroffen, da diese kaum oder gar nicht über finanzielle Reserven verfügen. Zudem steigen vielerorts die Preise, vor allem für Lebensmittel. Kinder finden in solchen Situationen häufiger eine Arbeit als ihre Eltern, weil sie für noch geringere Löhne und unter noch menschenunwürdigeren Bedingungen arbeiten.

 

Antje Lüdemann-Dundua: „Wir können diese Armutsspirale nur unterbrechen, wenn wir gezielt arme Familien unterstützen. Mit Lebensmitteln, mit Bargeld und mit Aufklärung über die Folgen von Kinderarbeit für ihre Kinder. Dazu braucht es eine gewaltige internationale Anstrengung – doch ohne weltweite Solidarität schicken wir Millionen Mädchen und Jungen in eine perspektivlose Zukunft.“

 


Entführung und Zwangskonversion in Pakistan

  • GfbV warnt vor Zunahme von Zwangsheiraten junger Christinnen und Hindu