Nachrichten aus aller Welt

19.03.2019

Foto: Gert Holle
Foto: Gert Holle

Häusliche Gewalt: Jeden Tag sterben in Lateinamerika 220 Kinder durch Gewalt in der Erziehung

 

(München/sos) - Während in den westlichen Industriestaaten Gewalt in der Erziehung gesellschaftlich immer weniger akzeptiert ist, sterben in Lateinamerika jeden Tag 220 Kinder an den Folgen. Das vermelden die SOS-Kinderdörfer und ziehen eine traurige Bilanz: Jedes zweite minderjährige Todesopfer häuslicher Gewalt weltweit stirbt in Lateinamerika. "Das sind alarmierende Zahlen, die in Deutschland die Nachrichtenseiten füllen würden, in Lateinamerika sind sie trauriger Alltag", sagt Teresa Ngigi, Psychologin und Trauma-Expertin bei der Hilfsorganisation.

 

 

 

Hinter den schweren Gewalttaten stecke eine patriarchalische Mentalität. Kinder müssten demnach mit Härte und Schlägen erzogen werden. "Das hat schwerwiegende Folgen für die Kinder. Für ihren Körper, ihre Psyche, ihre Zukunft, aber auch die Gesellschaft", sagt Ngigi. Denn die Gewalt werde von Generation zu Generation weitergegeben. Und sie habe verheerende Folgen für die Kinder.

 

 

 

"Die große Mehrheit der Opfer leidet unter Depressionen, Angst, Aggression und Konzentrationsstörungen", sagt Ngigi. "Die Wahrscheinlichkeit, dass die Gewalt später zu Abhängigkeiten führt und dass diese Kinder später selbst Gewalt anwenden oder straffällig werden, ist extrem hoch."

 

 

 

In Deutschland gibt es seit November 2000 ein Gesetz, dass "körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen" verbietet. In Lateinamerika werde über die Misshandlungen meist hinweggesehen: "Wir gehen davon aus, dass in Mexiko sechs von zehn Kindern regelmäßig häusliche Gewalt erleben, in El Salvador und Chile sogar sieben von zehn", sagt Ngigi. In Paraguay hielten mehr als die Hälfte aller Jungen und Mädchen Prügel gar für notwendig für ihre Entwicklung, und die Hälfte aller Mädchen in der Region erkläre, dass häusliche Gewalt für sie normal sei. Was diese Kinder noch nicht wissen könnten: "Die Gewalt, die sie erfahren, wird lebenslange Narben hinterlassen", sagt Ngigi.

 

 

 

Um den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen, brauche es vielfältige Maßnahmen: "Als Kinderhilfswerk nehmen wir zum Beispiel Einfluss auf die Regierungen, damit sie entsprechende Gesetze erlassen. Außerdem betreiben wir Anlaufstellen für betroffene Kinder, klären Eltern über die Folgen von Gewalt in der Erziehung auf und stehen ihnen beratend zur Seite", sagt Ngigi.

 

 

 

Kinder haben ein Recht auf Schutz vor Gewalt und auf eine beschützende Familie. Die SOS-Kinderdörfer rufen mit ihrer Aktion #GiveKidsAVoice alle Kinder dazu auf, ihre Stimme für ihre Rechte zu erheben.

 

 

 

Erfahren Sie hier, was hinter dieser Aufforderung steckt:

 

https://www.givekidsavoice.de/

 

 

 


FIDES-NACHRICHTEN - 16.03.2019

VATIKAN - Kindermissionswerk: Relaunch des Bulletins zur missionarischen Arbeit mit Kindern

 

Vatikanstadt (Fides) - „Die derzeit vorherrschende Meinung besagt, dass die Kindheit nicht nur eine Zeit der Entwicklung und des Wachstums ist, sondern eine bedeutende Phase auf dem Weg des menschlichen Lebens. Folglich ist das Kind als vollwertiges Mitglied der menschlichen Gemeinschaft auch bereits ein spirituelles Wesen, das anerkannt, respektiert und gefördert werden muss", so Adrian-Mario Gellel von der Abteilung für Pastoraltheologie der Universität Malta in seinem Beitrag zum Thema "Die Spiritualität der Kinder fördern“ in der ersten Ausgabe des vom Internationalen Sekretariat der Päpstlichen Kindermissionswerke im Rahmen eines Relaunch herausgegebenen Bulletins.
"Diese erste Ausgabe geht von der Spiritualität und damit von einem grundlegenden Element der Missionstätigkeit aus", so Schwester Roberta Tremarelli, Generalsekretärin der Päpstlichen Missionswerk in ihrem Leitartikel. „Bei der missio ad gentes verspürt der Getaufte, geleitet vom Heiligen Geist und von der Nächstenliebe, den Impuls, die eigenen Grenzen zu überwinden, um den Glauben an Jesus Christus mit Völkern und Kulturen zu teilen, die ihn noch nicht kennen. Wie Papst Franziskus in Evangelii Gaudium Nr. 78 betont, soll dabei das geistliche Leben, die Begegnung mit anderen Menschen, den Einsatz in der Welt und die Leidenschaft für die Evangelisierung nähren“.
Das neu gestaltete Bulletin enthält Reflexionen, Informationen, Zeugnisse, Erfahrungen und Initiativen zur missionarischen Arbeit mit Kindern mit Beiträgen aus dem weltweiten Netzwerk der Kindermissionswerke: in der ersten Ausgabe erscheinen Berichte aus Äthiopien, Sambia, Mauritius, Malawi, Kolumbien, Honduras, Sri Lanka, die sich unter anderem auch als "Stimme der Kinder" verstehen. Darüber, wie Kinder in einem islamischen Land wie Pakistan "kleine Missionare" sein können, berichtet der Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Pakistan, Pfarrer Khokhar. Während Mitarbeiter des Internationalen Sekretariats der Kindermissionswerke über ihre Projektarbeit und die Bereitstellung von materiellen und spirituellen Hilfen informieren. Das in fünf Sprachen erscheinende Bulletin wird per E-Mail versandt und informiert abschließend über bevorstehende Initiativen, darunter ein Musik-Wettbewerb zum Außerordentlichen Monat der Weltmission im Oktober 2019, in dessen Rahmen Kompositionen ausgewählt werden, die im Refrain das Motto des bevorstehenden Monats der Weltmission: "Getauft und gesandt“ enthalten.
 

 

AFRIKA/GHANA - Caritas-Projekt fördert Umweltschutz und Arbeitsplätze für junge Menschen

 

Accra (Fides) – "Die größte potenzielle Bedrohung für den sozialen Zusammenhalt, die demokratische Regierungen und die nationale Sicherheit in Ghana und in vielen Teilen der Welt ist die Jugendarbeitslosigkeit", so Erzbischof Philip Naameh von Tamale, bei dem von der Erzdiözese veranstalteten „E-Waste-Management-Workshop“, in dessen Rahmen der nachhaltige Umgang mit enormen Menge an Elektronikmüll erörert wurde, der jedes Jahr aus der ganzen Welt in das afrikanische Land gelangt. Insgesamt müssen über 215.000 Tonnen Klimaanlagen, Kühlschränke, Fernseher, Waschmaschinen, Computer, Staubsauger, Mobiltelefone und Glühlampen entsorgt werden, von denen die meisten aus Europa kommen.
Ziel der Initiative ist es, aus einer potentiellen Umweltkatastrophe eine Beschäftigungsmöglichkeit für junge Ghanaer zu machen. Erzbischof Naameh beklagt in diesem Zusammenhang: "Wenn die Sammlung und Entsorgung von Elektroschrott ordnungsgemäß organisiert worden wäre, hätten sie Arbeitsplätze für junge Menschen geschaffen".
Der Erzbischof betonte, dass die Kirche eine innovative Herangehensweise an das Thema entwickeln wolle, die Geschäftsmodelle für die Entsorgung von Elektronikschrott beinhalten soll. In diesem Zusammenhang sagte er, die Kirche suche nach Partnerschaften, die Investitionskapital für solche unternehmerischen Projekte bereitstellen, die nicht so sehr auf Gewinn, sondern vielmehr auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind.
Samuel Zan Akologo, Geschäftsführer von Caritas Ghana, bezeichneten den Workshop als den Beginn der einer Erweiterung des „Caritas-E-Waste-Projekts“ über die Hauptstadt Accra hinaus und fügt hinzu, dass man sich nicht auf die Sammlung von Elektromüll beschränken werde, sondern auch zur Schaffung einer Entsorgungs-Struktur beitragen wolle, die Beschäftigungsmöglichkeiten für jungen Menschen bietet.
Das Caritas E-Waste-Projekt "Erhalt unseres gemeinsamen Hauses " wurde bereits im Oktober 2017 auf der Grundlage der zweiten Enzyklika von Papst Franziskus "Laudato Si" auf den Weg gebracht.
 

 

ASIEN/INDONESIEN - Kamillianer bauen Wohnungen für Menschen mit psychischen Erkrankungen

 

Maumere (Fidesdienst) - "Es ist traurig und bedauerlich, unter welchen Bedingungen psychisch kranke Menschen auf der Insel Flores bisher leben mussten", so Pater Luigi Galvani, der als Missionar des Kamillanerordens auf der Insel Maumere tätig ist, "Neben dem enormen körperlichen Leid, den psychischen Schwierigkeiten, der sozialen Isolation und der spirituellen Armut müssen diese Menschen meist in Zelten oder schäbigen Hütten leben, wo sie verkettet oder mit einem Fuß zwischen zwei großen Baumstämmen festgebunden wechselnden Wetterverhältnissen, Mücken und Insekten und ausgesetzt sind Dort schlafen sie, ruhen sich aus und verrichten Tag und Nacht ihre persönlichen Bedürfnisse. Die lokale Regierung hat keine Einrichtungen und kein Rehabilitationsprogramme für sie. Sie werden nur ab und zu besucht und regelmäßig mit Medizin versorgt".
„Um diesen Patienten konkret zu helfen“, so Pater Luigi, „haben eine wir Recherchen durchgeführt, aus der sich ergab, dass es in der Gegend dreißig Patienten gibt. Einige dieser Patienten lebe seit Monaten unter diesen Umständen, andere seit einigen Jahren und einer bereits seit vierzig Jahren. "
"Wir dachten, dass die beste Hilfe, die wir ihnen bieten könnten, der Bau von Wohnungen wäre, in denen sie sich frei bewegen können und wo sie sich frei mit Familienmitgliedern und Nachbarn unterhalten könnten", fährt Pater Galvani fort. "In diesen Unterkünften sollten sie auch vor Regen, Wind und Insekten geschützt sein. Sie sie sollten an einem Tisch sitzen können und hätten Wasser zum Waschen und eine eigene Toilette. Ein humanerer Lebensstil würde mit Sicherheit den Heilungs- und Rehabilitationsprozess begünstigen und ermöglichte eine neue Eingliederung in die Familie und die soziale Gemeinschaft."
"Also begannen wir die ersten Häuser in der Nähe der Häuser ihrer Familien zu bauen, um ihnen die Chance zu geben, von ihren Angehörigen begleitet und betreut zu werden. Viele von ihnen sind wie neu geboren, versorgen für sich und kommunizieren gelassener mit Familie und Nachbarn. "
"Dieses Projekt ist wirklich wegweisend", so der Missionar abschließend. Bischof Edwaldus Martinus Sedu lobte die Initiative der Missionare und dankte "für ihr Engagement im Rahmen der Hilfsprogramme und das evangelische Zeugnis, das der Kirche Ehre macht".
Der Kamillianerorden, der seit rund zehn Jahren auf der indonesischen Insel Flores aktiv ist, darf sich über zahlreiche neue Berufungen freuen und engagiert sich im Rahmen von innivativen sozialen und karitativen Initiativen. In den beiden Ordensgemeinschaften in Maumere und Ruteng sind derzeit etwa siebzig junge Studenten der Philosophie und Theologie untergebracht, die vorraussichtlich in den nächsten fünf Jahren als Ordensnachwuchs der Kamillianer im Zeichen der Mission innerhalb und außerhalb des Landes tätig sein werden.
 

 

ASIEN/SYRIEN - Orthodoxes Patriarchat zählt auf russiche Unterstützung beim Wiederaufbau von Kirchen

 

Damaskus (Fides) - Orthodoxe Christen in Syrien verlassen sich auf russische Unterstützung beim Wiederaufbau von Kirchen und Klöstern, die während des Kriegs zerstört wurden. Dies bekräftigt Archimandrit Alexi Chehadeh, Generaldirektor der Abteilung für ökumenische Beziehungen des griechisch-orthodoxen Patriarchats von Antiochien. In einem Interview mit der russischen staatlichen Nachrichtenagentur „Sputnik“ bringt der Vertreter der orthodoxen Kirche von Antiochien unter Leitung von Patriarch Yohanna X. mit Sitz in Damaskus seine Dankbarkeit gegenüber der russische orthodoxe Kirche und der russische Regierung zum Ausdruck, „die versprochen haben, uns zu helfen unsere Kirchen, Klöster und Schulen wiederaufzubauen. Ich hoffe, dass diese Hilfe bald kommen wird ", so der Archimandrit, der die russische Unterstützung als "sehr wichtig" bezeichnet und daran erinnert, dass internationale humanitäre Organisationen bei ihren Hilfsprogramme "den Wiederaufbau von Kirchen und Klöstern nicht zu ihren Prioritäten zählen “.
In den vergangenen Monaten hatten sich russische Delegationen und Politiker bei Besuchen in Syrien vor Ort ein Bild von der Zerstörung gemacht, die christlichen Kultstätten während des Konflikts zugefügt wurde. Ende Januar hatte der griechisch-orthodoxe Patriarch von Antiochia, Yohanna X. im Rahmen eines Besuch in Russland offiziell für die russische Unterstützung gedankt und den Beitrag Russlands im Kampf gegen die bewaffneten Gruppen der Dschihadisten gewürdigt (vgl. Fides 30/01/2014)
Einen besonderen Beitrag leistete Russland bereits zur Restaurierung und Rekonstruktion des orthodoxe Klosters der heiligen Thekla in der syrischen Stadt Maalula, das seit einigen Monaten wiedereröffnet wurde und von Pilgern und Touristen besucht werden kann. Das Höhlendorf Maalula war zwischen September 2013 und März 2014 von Rebellen-Milizen im Kampf gegen Assad erobert worden. Die schweren Schäden, die der christliche Kultstätte während dieser Zeit zugefügt wurden, konnten mit Unterstützung der russischen Veteranenvereinigung "Boevoe Bratstvo" (Militärische Bruderschaft) weitgehend repariert werden.
 

 

AMERIKA/ARGENTINIEN - Botschaft der Bischöfe zur Wahl: “Bürger sollen die Zukunft des Landes mitgestalten”

 

Buenos Aires (Fides) - In einer am Ende der 117. Vollversammlung der argentinischen Bischofskonferenz (11. bis 14. März) veröffentlichten Botschaft äußern sich die Bischöfe des Landes unter anderem zur bevorstehenden Präsidentschaftswahl.
"Der Edelmut der politischen Berufung erfordert von den Führungskräften Bereitschaft zur Zusammenarbeit, damit das Volk als Souverän die eigene Geschichte mitgestalten kann. Wir brauchen Politiker, die uns helfen, über die wirtschaftliche Situation hinauszuschauen und authentische Wege der sozialen Freundschaft einzuschlagen", so die Bischöfe, "In einer Realität, in der wachsende Armut unser Land trifft und belastet, dürfen wir nicht die Hoffnung verlieren, sondern wir müssen weitermachen und die Herausforderung meistern, von einer gierigen Wegwerfkultur zu einer Kultur der gegenseitigen Fürsorge, des Erhalts des gemeinsamen Hauses, der Brüderlichkeit und der Akzeptanz zu gelangen".
Abschließend erinnern die Bischöfe an die "die dramatische Nachfrage nach Arbeit und öffentlicher Bildung“, die sie als „wichtigste soziale Belange" bezeichnen.
Im Rahmen ihrer Vollversammlung befassten sich die Bischöfe auch mit der Vorbereitung des bevorstehenden Ad-limina-Besuchs im Vatikan (28. April bis 18. Mai), der Planung des Marianischen Kongresses im Jahr 2020 (Diözese Catamarca) und mit den Initiativen zum Außerordentlichen Monat der Weltmission im kommenden Oktober. Die Überlegungen zu diesem Thema leitete der Präsident der bischöflichen Kommission für Weltkirche, Bischof Fernando Croxatto von Neuquén. Dabei beschlossen die argentinischen Bischöfe eine neue Mission ad gentes in der Amazonasregion auf den Weg zu bringen.
 

 

OZEANIEN/NEUSEELAND - Blutige Anschläge auf Moscheen: “Beispiellose und unerwartete Tat: Wir leben hier friedlich zusammen“

Christchurch (Fides) - „Es ist eine schreckliche Tat, die wir mit Nachdruck verurteilen. Mit so etwas hätten wir in unserer ruhige Gemeinde in Christchurch nie gerechnet. Wir stehen unter Schock wie die ganze Nation und wir bekunden unsere Solidarität mit den betroffenen Familien und der islamischen Glaubensgemeinschaft. Wir vertrauen Gott die Toten und das Leid an, das durch das Massaker an Unschuldigen verursacht wurde", so bringt der emeritierte Bischof von Christchurch, John Basil Meeking, den Schmerz und das Entsetzen nach den Anschlägen auf zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch zum Ausdruck, in der 600.000 Menschen leben, darunter 70.000 Katholiken.
Vier bewaffnete Männer, angeführt vom 28-jährigen Australier Brenton Tarrant, verübten die Anschläge, inspiriert von fremdenfeindlichem Hass gegen Muslime. Bei den Attentaten, die gegen 13.40 Uhr Ortszeit stattfanden gab es mindestens neunundvierzig Tote. Die neuseeländische Premierministerin Jacinta Arden erklärte umgehend: "Dies ist einer der dunkelsten Tage in der Geschichte Neuseelands. Wir stehen vor einer beispiellosen Gewalttat “.
Der Vorsitzende der Neuseeländischen Bischofskonferenz Patrick James Dunn Auckland gab in einer Botschaft an alle katholischen Gemeinden der Nation bekannt, dass die bei den Gottesdiensten, die am kommenden Sonntag, 17. März, für die Opfer gebetet werden soll.
Der Direktor der Päpstlichen Missionswerke in Neuseeland, P. Bernardo Epiritu von den Steyler Missionaren, bekräftigt gegenüber Fides: "Wir sind entsetzt, denn in unserem Land leben verschiedene Kulturen und Religionen friedlich zusammen. Offensichtlich keimen in rechtsextremen Gruppen die Samen der Islamophobie oder der „Vorherrschaft“ der Weißen. Ich kann jedoch sagen, dass es in der Gesellschaft unter gewöhnlichen Menschen keine anti-rassistischen oder anti-muslimischen Gefühle gibt. Dies ist eine abscheuliche Tat und kommt völlig unerwartet, wodurch es uns umso mehr trifft. In unserer Gesellschaft gibt es heute eine Mischung aus Kulturen und Ethnien infolge der historischen und aktuellen Zuwanderung. Sogar die katholische Kirche revitalisiert sich durch die Zuwanderung von katholischen Gläubigen aus Asien und auch aus Südamerika. Im Allgemeinen ist das Gefühl der Akzeptanz gegenüber Flüchtlingen und Einwanderern weit verbreitet, ohne dass es zu Diskriminierungen auf religiöser Grundlage kommt. Als katholische Glaubensgemeinschaft können wir zur Förderung des Friedens, der Toleranz und des Zusammenlebens beitragen, damit das Gift des Hasses und der Angst nicht zu weiterem Blutvergießen mit unschuldigen Opfern führen".


missio Aachen: Malawi braucht nach Überschwemmungskatastrophe Hilfe

(Aachen/missio) - Die malawische Bischofskonferenz hat sich heute mit einem dringenden Hilfsappell an das katholische Hilfswerk missio Aachen gewandt, das einen Spendenfonds eingerichtet hat. Der Großteil des Südens Malawis ist von katastrophalen Überschwemmungen betroffen. Seit Ende Januar hatte es in dem ostafrikanischen Land heftig und langandauernd geregnet. Bislang sind 56 Menschen ums Leben gekommen. Die Rettungs- und Sucharbeiten dauern laut der malawischen Regierung noch an.

 

Unter den immensen Überschwemmungen leiden in der Region mittlerweile fast eine halbe Million Menschen, mehr als 30.000 haben ihr Zuhause verloren. Betroffen, so schreibt Erzbischof Thomas Msusa, Vorsitzender der Bischofskonferenz von Malawi, sei vor allem die ärmere Bevölkerung, die ohnehin täglich ums Überleben kämpfen muss. Wenige Wochen vor der Erntezeit, die meist Anfang April beginnt, sind die Felder der Menschen zerstört.

 

Die betroffenen Menschen haben Zuflucht in Aufnahmezentren gefunden, die die Regierung eingerichtet hat. Dort fehlt es jedoch an Lebensmitteln, Zelten, Planen und sauberem Wasser.

 

In den kommenden Tagen drohen Meteorologen zufolge weitere schwere Regenfälle. Der Zyklon „Idai“ soll mit Windgeschwindigkeiten von über 200 km/h vom Indischen Ozean kommend auf das Nachbarland Mosambik treffen. Auch im Landesinneren von Malawi drohen dann wieder extreme Regenfälle.

 

Weitere Informationen unter www.missio-hilft.de

 

 

 

 

 


Afrin unter türkischer Besatzung: Menschenrechtler ziehen eine verheerende humanitäre und wirtschaftliche Bilanz

 

 

(Göttingen/gfbv) - Ein Jahr nach dem völkerrechtswidrigen Angriff auf Afrin halten türkische Truppen die kurdische Region in Nordsyrien weiter besetzt. Die humanitären und wirtschaftlichen Auswirkungen der Besatzung sind erschütternd: Hunderte Zivilisten wurden getötet, tausende verhaftet und hunderttausende vertrieben. Zugleich wurden zehntausende Olivenbäume verbrannt und Ölpressen zerstört oder abtransportiert. Der wichtigste Wirtschaftszweig liegt damit am Boden. Die Zerstörung der wirtschaftlichen Grundlagen wird den Geflüchteten die Rückkehr in ihre Heimat zusätzlich erschweren.

 

Ein Jahr nach dem völkerrechtswidrigen Angriff auf Afrin halten türkische Truppen die kurdische Region in Nordsyrien weiter besetzt. Kamal Sido, Nahostexperte der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ist schockiert über die humanitären und wirtschaftlichen Auswirkungen der Besatzung: „Das türkische Militär und von der Türkei unterstützte Islamisten haben eine Spur der Verwüstung durch die Region gezogen“, so Sido heute in Göttingen. „Die Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen sind nur durch die Unterstützung des russischen Präsidenten Wladimir Putin und Duldung der NATO-Staaten möglich.“

 

Übereinstimmenden Berichten von „Afrinpost“ und Menschenrechtlern zufolge sind die humanitären Auswirkungen erschütternd: Seit Beginn der Besatzung am 18. März 2018 sollen mindestens 225 Zivilsten getötet und 17 weitere zu Tode gefoltert worden sein. 467 Zivilisten wurden verletzt, weitere 2500 verhaftet. „Mindestens 300.000 Kurden aus Afrin befinden sich auf der Flucht, viele in den Flüchtlingslagern in Schahba im Norden von Aleppo. Diese sind von der Außenwelt nahezu vollständig abgeschnitten“, berichtet Sido, der in ständigem Kontakt mit Informanten in Nordsyrien steht.

 

Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Region und ihre Bewohner sind verheerend: Seit der Besatzung sollen etwa 120.000 Olivenbäume abgeholzt und von türkischen Offizieren und syrisch-islamistischen „Warlords“ als Brennholz verkauft worden sein. Weitere 20.000 Olivenbäume wurden verbrannt. Rund ein Drittel der ursprünglich 325 Olivenpressen und 18 von 26 Olivenverarbeitungsfabriken wurden zerstört oder entfernt. Die Erlöse aus diesem besonders wichtigen Wirtschaftszweig sanken im Vergleich zum Vorjahr 2017 um etwa 109 Millionen Dollar. Von den 32 Hektar Waldfläche in Afrin wurden etwa zehn Hektar von den Besatzern verbrannt. Von 1.100 Fabriken und Manufakturen wurden 770 zerstört, geplündert oder zum Weiterverkauf abgebaut, über 70 Prozent der Lederverarbeitungsfabriken wurden zerstört oder geplündert. Zehntausende Schafe, Ziegen und Kühe wurden geschlachtet oder abtransportiert. Geflügelarms wurden zerstört oder geplündert. Die Verluste in diesem Wirtschaftssektor werden auf 25 Millionen Dollar geschätzt.

 

Flucht und Vertreibung zeigten sich auch deutlich in der Bevölkerung Afrins: „Ein Jahr nach Beginn der Besatzung sind alle Armenier und die etwa 1200 kurdischen Christen geflohen. Der Anteil der Kurden an der Bevölkerung sank von 96 auf unter 35 Prozent“, erklärt Sido. Auch Heiligtümer der Yeziden und der Aleviten sowie historische Ruinen wurden zerstört oder geplündert. Von 325 Schulen in der Region wurden 70 zerstört oder in Kasernen und Gefängnisse umwandelt. „Die Türkei beabsichtigt eine Assimilierung und Zwangsislamisierung Afrins. Die Zerstörung der wirtschaftlichen Grundlagen wird den Geflüchteten die Rückkehr in ihre Heimat zusätzlich erschweren“, mahnt der Nahostexperte.

 


Toxischer Stress: Zur Geberkonferenz für Syrien (13./14. März) in Brüssel fordern die SOS-Kinderdörfer eine Aufstockung der Ressourcen für traumatisierte syrische Kinder

 

(München/sos) - Der bereits acht Jahre andauernde Krieg in Syrien hat fatale Auswirkungen auf die seelische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen. "Die große Mehrheit der syrischen Kinder leidet unter posttraumatischen Belastungsstörungen und toxischem Stress", sagt Teresa Ngigi, Expertin für Traumatherapie bei den SOS-Kinderdörfern weltweit. Besonders gefährlich für die physische und psychische Gesundheit der Kinder sei der lange Zeitraum, in dem sie ständiger Angst, Unsicherheit und Gewalt ausgesetzt seien.

 

"Der permanente Ausstoß von Stresshormonen führt zu Entwicklungsstörungen des Gehirns, was wiederum dramatische Folgen für die soziale und emotionale Entwicklung der Kinder mit sich bringt", so Ngigi weiter. "Wir dürfen uns nichts vormachen, die erlittenen Schäden dieser Kinder sind so groß, dass sie ohne intensive psychologische Betreuung, und zwar bis ins Erwachsenenalter hinein, niemals in ein normales Leben zurückfinden werden."

 

Die SOS-Kinderdörfer fordern deshalb vor der internationalen Hilfskonferenz der Vereinten Nationen für Syrien, die am 13. und 14.

 

März in Brüssel stattfindet, die Bundesregierung, die Europäische Union und die Vereinten Nationen dazu auf, finanzielle Hilfen bereitzustellen, die eine langfristige Betreuung der syrischen Kinder sicherstellen. Das sei auch im Interesse der westlichen Welt, denn die betroffenen Kinder wüchsen zu einer verlorenen Generation heran, anfällig für Radikalisierung, Kriminalität und neue Gewalt.

 

Acht Jahre nach Beginn des Bürgerkriegs in Syrien sind 11,7 Millionen Menschen dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen, darunter fünf Millionen Kinder. Praktisch jedes einzelne syrische Kind ist von Gewalt, Mangel, Verlust, Vertreibung, Flucht und Trennung von den Angehörigen betroffen.

 

Um Kindern in Kriegs- und Krisengebieten wie Syrien, aber auch in den westlichen Gesellschaften, eine Stimme zu geben, haben die SOS-Kinderdörfer unter dem Motto #GiveKidsAVoice eine Onlinekampagne gestartet. Darin fordert die Hilfsorganisation die Bundesregierung dazu auf, das Recht aller Kinder auf eine Familie in konkrete Politik umzusetzen.

 

Erfahren Sie hier, was hinter dieser Forderung steckt:

 

www.givekidsavoice.de

 


Internationale Geber-Konferenz zu Syrien:

5 Millionen syrische Kinder brauchen dringend Hilfe

 

Syrien-Konferenz muss Not lindern und Zukunftschancen für die Jugend schaffen
Aktuelle Umfrage unter minderjährigen Flüchtlingen zeigt: 80 Prozent haben Angst vor einer Rückkehr

 

(Berlin /Brüssel/wv) - Bei der dritten Geberkonferenz zu Syrien (vom 12. Bis 14. März in Brüssel) können positive Weichen für die Zukunft Syriens und das Leben Millionen syrischer Kinder gestellt werden. Die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision ruft die teilnehmenden Staats- und Regierungschefs dazu auf, diese Chance zu nutzen. „Es ist Zeit für ein starkes Zeichen, dass die Welt diese Kinder nicht vergessen hat“, sagt Marc-André Hensel, Leiter der Syrienhilfe bei World Vision. Es müssten konkrete Schritte für die Linderung akuter Not und die Beendigung von Gewalt beschlossen werden. Programme zur Förderung von Bildung und Entwicklungschancen könnten den Weg zu einer besseren Zukunft ebnen.

 

Rund 5 Millionen Kinder in Syrien können aktuell nur mit humanitärer Hilfe überleben. Familien sind zerrissen, Bewegungsfreiheiten und Zugänge zu Hilfen zum Teil sehr eingeschränkt. Zudem ist in vielen Regionen das Risiko hoch, durch Minen und andere explosive Kampfmittel verletzt zu werden – jeden Tag kommt es zu rund 180 Unfällen im Land. Weiterhin verletzen und töten Angriffe viele Zivilisten, und die Rekrutierung Minderjähriger für Kriegsdienste dauert an. Ein Leben in Frieden – für syrische Kinder noch ein weit entfernter Traum.

 

Ängste vor einer Rückkehr in den Krieg sehr präsent

 

„Die Diskussionen um Rückführungen lösen bei vielen geflüchteten Kindern große Ängste aus“, berichtet Hensel. Die traumatischen Erlebnisse des Krieges seien auch nach Jahren der Flucht noch sehr präsent. Dies zeigten aktuelle Umfragen der Organisation unter syrischen Mädchen und Jungen, die in Libanon und Jordanien leben. 80 Prozent der befragten Kinder haben täglich Angst vor Gewalt oder dem Verlust eines Familienangehörigen.  World Vision fordert daher ein sicheres Aufenthaltsrecht mit Perspektiven für Syrer, die in absehbarer Zeit nicht zurückkehren können oder wollen. Eine erzwungene Rückkehr dürfe es nicht geben.

 

Aus den Umfragen von World Vision geht außerdem hervor, dass viele syrische Jugendliche daran interessiert sind, aktiv an einer friedlicheren und guten sozialen Zukunft der Region mitzuwirken. Sie verbinden diese Wünsche – ähnlich wie Kinder aus anderen Ländern – oft mit konkreten Berufswünschen. Da über 70 Prozent der Flüchtlinge in den Nachbarländern unter der Armutsgrenze leben, sind die meisten jungen Syrer allerdings mit besonderen Hindernissen konfrontiert. Sie vermissen vor allem gute Ausbildungschancen, aber auch Akzeptanz und Beteiligung am gesellschaftlichen Leben. So berichtet die 15jährige Sara: „Mein größter Traum ist es, zu lernen und zu studieren, um Ärztin zu werden – Menschen zu behandeln und zu heilen. Aber wegen des Kriegs in Syrien konnte ich diesen Traum nicht verwirklichen. Auch hier in Jordanien ist mein Traum noch immer, weiter zur Schule zu gehen. Aber ich musste damit aufhören und arbeiten, um meine Familie zu unterstützen."

 

Jugendliche engagieren sich für ihre Zukunft und für sozialen Zusammenhalt

 

Das von der EU geförderte Projekt „Youth Resolve“ unterstützt in mehreren Aufnahmeländern Initiativen für Ausbildung und Friedensförderung. World Vision arbeitet dabei mit vier weiteren Organisationen zusammen. Bereits nach einem Jahr zeigen sich positive Ergebnisse in Schulen, Einrichtungen von Kommunen und bei Zugängen zu Ausbildungen.

 

Die 26-jährige Israa Al Hassan engagiert sich in dem Projekt. Sie floh mit ihrer Familie, als ihr Haus in Syrien angegriffen wurde, kurz nach Kriegsbeginn. Sie erinnert sich noch an ihre Ankunft: „Kein Haus, keine Ausbildung, keine Arbeit und auch keine Akzeptanz von den Menschen um uns herum, nur weil wir Syrer sind", erzählt sie. Israa hatte aber das Glück einen Abschluss machen zu können und hilft nun anderen Jugendlichen bei der Integration in ihre neue Gemeinschaft. In Brüssel wird Israa zusammen mit jungen Libanesen und Jordaniern den Dialog mit politischen Entscheidungsträgern suchen.


Abstand in Südasien und Subsahara-Afrika am größten

Digitalisierung darf die Kluft zwischen den Geschlechtern nicht vergrößern

 

Weltfrauentag * Digitalisierung * Geschlechtergerechtigkeit

 

(Berlin/bfw) - Weltweit erinnern Frauen am Weltfrauentag (8. März) daran, dass die Gleichberechtigung der Geschlechter noch in keinem Land der Welt vollständig erreicht ist. Aufholbedarf besteht nicht nur beim Zugang zu Bildung, Gesundheit und Jobs, zu Krediten, beim Recht auf Landbesitz und dem Erbrecht, bei der gleichen Bezahlung für gleiche Arbeit, der sexuellen Selbstbestimmung oder der Freiheit von sexualisierter Gewalt, sondern auch bei der Digitalisierung. Cornelia Füllkrug-Weitzel, die Präsidentin von Brot für die Welt, sagt: „Digitalisierung könnte Frauen in Entwicklungs- und Schwellenländern neue Zugänge zu Informationen, Dienstleistungen und auch viele neue berufliche Möglichkeiten eröffnen. Doch solange die Digitalisierung bei vielen Frauen gar nicht ankommt, wird sich die Kluft zwischen den Geschlechtern weiter vertiefen.“  

 

Nach Angaben des Weltverbands der Mobilfunkanbieter GSMA besitzen inzwischen 1,7 Milliarden Frauen in Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen ein Mobiltelefon, und mehr als eine Milliarde geht mobil ins Internet. Der Abstand zu den Männern beträgt zehn Prozent, beim Internet sogar 23 Prozent. Besonders groß ist die Kluft in Südasien und Subsahara-Afrika. Abgehängt sind vor allem Frauen auf dem Land über 45, die kaum lesen und schreiben können und die kein Einkommen haben.

 

Nicht nur der Zugang, auch die nach wie vor gesellschaftlich fest verankerten Geschlechterstereotype bei Ausbildung und Berufswahl von Mädchen und jungen Frauen vertiefen die Kluft zwischen den Geschlechtern. So sind Frauen in der Informations- und Kommunikationstechnologie unterrepräsentiert. In den OECD-Ländern ziehen weniger als fünf Prozent der Mädchen Ingenieurs- oder Computerwissenschaften als Berufsfelder in Betracht. Hier wirken bestehende Geschlechterungleichheiten ungebrochen weiter.

 

Geschlechtergerechtigkeit in der Digitalisierung muss deshalb hoch auf die politische Agenda gesetzt werden. Das gilt für die nationale Ebene, die vor der Herausforderung steht, Frauen und Mädchen für Informations- und Kommunikationstechnologie zu begeistern, aber auch für die Entwicklungszusammenarbeit, deren Programme und Projekte Mädchen und Frauen im Umgang mit der Digitalisierung stärken müssen. Außerdem müssen Wege gefunden werden, um die Gewalt gegen Frauen im Netz zu ahnden.


Nach Bericht eines ehemaligen Lagerhäftlings: Menschenrechtler und Politiker verlangen Untersuchung der chinesischen Lager in Xinjiang

 

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und des Weltkongresses der Uiguren (WUC) am heutigen Montag in Berlin berichtet ein ehemaliger Häftling von den Vorgängen in einem chinesischen Umerziehungslager in der Provinz Xinjiang (Ostturkestan). Vertreter der beiden Organisationen und Margarete Bause, Sprecherin für Menschenrechte und humanitäre Hilfe der Grünen Bundestagsfraktion, fordern eine unabhängige Untersuchung der Lager durch die internationale Gemeinschaft.

 

(Göttingen/Berlin/gfbv) - Omer Bekali war acht Monate in einem chinesischen Umerziehungslager in der Provinz Xinjiang (Ostturkestan) interniert. Von den Vorgängen in den Lagern und dem enormen Druck, der auf Häftlinge ausgeübt wird, berichtete er am heutigen Montag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und des Weltkongresses der Uiguren (WUC) in Berlin. Vertreter beider Organisationen fordern eine unabhängige Untersuchung der Lager durch die internationale Gemeinschaft.

 

In der chinesischen Provinz Xinjiang (Ostturkestan) werden mehr als eine Million Uiguren, Kasachen und Kirgisen in Umerziehungslagern festgehalten. Die Regierung der Volksrepublik China hat die Existenz der Lager erst nach massivem internationalem Druck eingestanden, bezeichnet sie aber als Einrichtungen zur Berufsausbildung. „Die Mär von der Berufsausbildung ist vollkommen unglaubwürdig“, bemerkt Ulrich Delius, Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker. „Den wahren Zweck der Lager haben wir heute aus erster Hand erfahren: Es geht um Einschüchterung und Indoktrination.“

 

Dolkun Isa, Präsident des Weltkongresses der Uiguren, fordert die sofortige Freilassung der Inhaftierten. „Die internationale Gemeinschaft sieht der gewaltsamen Unterdrückung der Muslime in Xinjiang seit Jahren tatenlos zu. Sie muss endlich Druck auf die Regierung in Peking ausüben, ihr unmenschliches Treiben zu beenden.“

 

Margarete Bause, Sprecherin für Menschenrechte und humanitäre Hilfe der Grünen Bundestagsfraktion, fordert die Bundesregierung auf, sich auf UN-Ebene für eine unabhängige Untersuchungsmission (UN Fact-Finding-Mission) nach Xinjiang stark zu machen und die systematische Unterdrückung offensiv zu thematisieren. "Die Bundesregierung darf Wirtschaftsinteressen nicht über Menschenrechte stellen. Solange in China Menschen verhaftet, ohne Gerichtsprozess auf unbestimmte Zeit in Lagern festgehalten, indoktriniert und sogar gefoltert werden, muss dies ganz oben auf die internationale Agenda gesetzt werden.“

 

Verschiedene Menschenrechtsorganisationen fordern seit Langem eine unabhängige Untersuchung der Vorgänge in Xinjiang. Die Umerziehungslager sind zudem Gegenstand mehrerer Veranstaltungen beim Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen, der derzeit in Genf tagt.

 


Diakonie Katastrophenhilfe vor Brüsseler Syrien-Konferenz

Acht Jahre Syrien-Krieg: Humanitäre Not bleibt

 

Syrien * Brüssel * Konferenz * Nachbarstaaten * Acht Jahre

 

(Berlin/dw) -  Die Diakonie Katastrophenhilfe erwartet von der morgen beginnenden dritten Brüsseler Syrien-Konferenz (12.-14. März) Lösungen für einen besseren Schutz der Zivilbevölkerung vor den Folgen des Krieges. „Die Frauen, Männer und Kinder müssen vor Bomben ebenso geschützt werden wie vor Landminen oder sexueller Gewalt“, fordert Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe. „Die Menschen sind dem Krieg und seinen Folgen schutzlos ausgeliefert.“ Über zwei Drittel der syrischen Bevölkerung gelten als extrem arm.

 

Mehr als sechs Millionen Menschen sind innerhalb Syriens vertrieben. Fast fünf Millionen haben keinen adäquaten Wohnraum und leben beispielsweise in Ruinen, ohne Heizung oder festes Dach über dem Kopf. Operationen, selbst Kaiserschnitte, und lebenswichtige Medikamente für chronisch Kranke sind für die große Mehrheit absolut unerschwinglich. „Von einem Leben in Würde kann für diese Menschen keine Rede sein“, sagt Füllkrug-Weitzel. „Wenn noch nicht einmal die Bevölkerung im Land angemessen versorgt wird, kann niemand ernsthaft die Rückkehr von über fünf Millionen Flüchtlingen nach Syrien fordern.“ Rückkehr muss laut internationalem Recht freiwillig, sicher und würdevoll sein. „Der fehlende Schutz betrifft insbesondere die Flüchtlinge, denen in Syrien aktuell wieder Gewalt und Perspektivlosigkeit drohen würden.“

 

Die Lage im Land ist auch nach acht Jahren Krieg unübersichtlich und fragil. Der Zugang von humanitären Helfern zur notleiden Bevölkerung ist weiterhin eingeschränkt. Dadurch haben lokale Hilfsorganisationen eine große Bedeutung in der Versorgung der Menschen. „Die lokalen Helfer sind das Rückgrat der humanitären Hilfe in Syrien. Gerade dort, wo die politische Autorität von einer Seite des Konflikts zur anderen wechselt, können häufig nur lokale Organisationen Hilfe leisten, denn sie genießen Vertrauen bei der Bevölkerung“, sagt Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe. Die Diakonie Katastrophenhilfe begrüßt daher, dass in Brüssel auf Einladung von EU und UN die syrische Zivilgesellschaft in höherem Maße an den Diskussionen beteiligt wird.

 

Neben dem energischen Einsatz für ein Ende der Gewalthandlungen nach acht Jahren Krieg fordert das evangelische Hilfswerk von den Regierungsvertretern in Brüssel, dass die Finanzierung von humanitärer Hilfe in Syrien, aber auch in den Nachbarländern, weiter aufrechterhalten wird. Allein in Syrien sind noch immer fast 12 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Gemeinsam mit lokalen und regionalen Partnern hilft die Diakonie Katastrophenhilfe seit vielen Jahren in Syrien und den Nachbarländern Jordanien, Libanon und Türkei. Bisher hat die Diakonie Katastrophenhilfe seit Beginn des Konflikts mehr als 60 Millionen Euro für die Hilfe in der Region bereitgestellt.


Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ unterstützt Mädchen und Jungen im Südsudan mit 124.000 Euro

Lebensmittel für mehr als 4.000 Kinder

 

(Aachen/kmw) - Mit einem Nothilfepaket in Höhe von 124.000 Euro unterstützt das Kindermissionswerk ,Die Sternsinger’ mehr als 4.000 Mädchen und Jungen und deren Familien im Südsudan. In der Diözese Rumbek, in der Mitte des ostafrikanischen Staates, werden für 1.350 Familien Nahrungsmittel bereit gestellt, die eine Versorgung für rund 60 Tage sicherstellen. Die Mehrheit der Bevölkerung im Südsudan kann sich wegen ausbleibender Ernten und aufgebrauchter Vorräte aktuell nicht mehr ausreichend ernähren.

 

„Die landwirtschaftliche Produktion im Südsudan ist weitestgehend zum Erliegen gekommen. Überregionaler Handel kann kaum noch betrieben werden und die Preise für Nahrungsmittel steigen weiter. Ursprüngliche Nahrungsmittelproduktionen und Handelswege müssen, eine stabilere Sicherheitslage vorausgesetzt, erst wieder hergestellt werden“, sagt Stefanie Frels, Länderreferentin für den Südsudan im Kindermissionswerk.

 

Das Kinderhilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland unterstützt mit dem Nothilfepaket insgesamt neun besonders betroffene Pfarreien in der Diözese Rumbek. Die Trägerschaft übernimmt die Diözese selbst und betreut den Mitteleinsatz vor Ort. Die bedürftigsten Familien sollen für ihren Haushalt jeweils 30 Kilogramm Mais, Sorghum und Bohnen sowie fünf Liter Kochöl und drei Kilogramm Salz erhalten. Das Kindermissionswerk hat die Diözese im Rahmen der langjährigen Zusammenarbeit bereits in der Vergangenheit mit Nothilfen unterstützt, zuletzt 2017 mit 90.000 Euro.

 

1,2 Millionen Kinder akut unterernährt

 

Der Ausbruch des Bürgerkrieges im Südsudan Ende 2013 hat bis heute zu 2,27 Millionen Flüchtlingen und 1,76 Millionen Binnenvertriebenen geführt. Vor allem Kinder sind die Leidtragenden: 63 Prozent der Flüchtlinge sind unter 18 Jahren, 15.000 Kinder wurden von ihren Familien getrennt. Der Konflikt führt zudem zu Engpässen bei den Lebensmitteln. 5,2 Millionen Menschen im Südsudan sind von Hunger bedroht, davon sind 1,2 Millionen Kinder akut unterernährt.

 

Die Hilfe des Kindermissionswerks ‚Die Sternsinger’ kann durch Spenden unterstützt werden:

 

Pax-Bank eG

 

Stichwort: Nothilfe

 

IBAN: DE 95 3706 0193 0000 0010 31

 

BIC: GENODED1PAX

 


Die erste Kinder-Petition Deutschlands "Eine Familie für jedes Kind auf dieser Welt!" startet durch

 

(München/sos) - Weltweit haben 220 Millionen Kinder keine Familie. Viele dieser Kinder leben auf der Straße oder gar auf Müllhalden. Ohne Schutz werden sie geschlagen, versklavt, missbraucht. Das wollen die SOS-Kinderdörfer mit ihrer Jubiläumskampagne "GiveKidsAVoice" ändern.

 

Das Ziel: Bis 2030 sollen alle Kinder weltweit ein sicheres Zuhause finden. Dazu hat die Kinderhilfsorganisation die erste Petition von Kindern für Kinder ins Leben gerufen. Unter dem Motto "Eine Familie für jedes Kind auf dieser Welt!" werden bundesweit Stimmen von Kindern und auch Erwachsenen gesammelt. Der Wortlaut der Petition: "Viele Kinder auf dieser Welt leben ganz allein. Sie haben niemanden,der sich um sie kümmert. Das wollen wir ändern! Jedes Kind soll eine Familie haben. Bitte, liebe Regierung, Ihr müsst helfen!"

 

70.000 Stimmen werden bis zum September 2019 angestrebt. Die Bundesregierung wird aufgerufen, bis zum Jahr 2030 dafür zu sorgen, dass weltweit jedes Kind ohne Betreuung in einem schützenden und fürsorglichen Umfeld aufwachsen kann - ob in einem Kinderdorf, einer Pflegefamilie oder einer anderen familiennahen Form der Betreuung. Die Kinder-Petition wird im September 2019 in Berlin an Bundestag und Bundesregierung übergeben. Mitmachen können alle Interessierten unter http://givekidsavoice.de.

 

 

Eine groß angelegte Bildungsinitiative mit 8.000 Grundschulen ergänzt die Kampagne

 

Begleitend startet die Jubiläumskampagne "GiveKidsAVoice" bundesweit ein Bildungsprogramm, das Grundschüler für ihre Kinderrechte und deren Einhaltung sensibilisiert. Die kostenlosen Lehrmaterialien rücken das Thema "Familie und Zuhause" in den Fokus. Die Grundschüler spannen den Bogen von ihrer eigenen Lebenswelt zur Lebenswirklichkeit von Kindern in anderen Ländern. Die Materialien stehen ab sofort auch zum Download bereit unter http://givekidsavoice.de/schule.

 

Jeder Tag ist ein Tag für Kinderrechte: 70 Jahre SOS-Kinderdörfer

 

2019 ist ein doppeltes Jubiläumsjahr für die SOS-Kinderdörfer: Am 25. April 1949 wurde die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer aus der Taufe gehoben. Ihr Gründer Hermann Gmeiner wäre am 23. Juni 2019 100 Jahre alt geworden. Bis heute bekommen weltweit Kinder in Not in den SOS-Kinderdörfern ein sicheres Zuhause. Derzeit leben mehr als 80.000 Kinder in 572 SOS-Kinderdörfern und 744 SOS-Jugendbetreuungsprogrammen. Durch die SOS-Familienhilfe werden zudem weltweit fast 100.000 extrem arme Familien unterstützt.

 

Mehr zur Kampagne "GiveKidsAVoice" und allen Aktionen unter http://givekidsavoice.de

 

Den Spot zur Aktion finden Sie hier: sos-kinderdoerfer.tv

 

Mehr Informationen zum 70. Jubiläum der SOS-Kinderdörfer und zum 100. Geburtstag von Hermann Gmeiner in der Pressemappe und auf  http://sos-kinderdoerfer.de/70


60 Jahre Volksaufstand in Tibet: Friedlicher Widerstand der Tibeter gegen Chinas Herrschaft dauert bis heute an

Sechzig Jahre nach dem Volksaufstand in Tibet erinnert die Gesellschaft für bedrohte Völker an die Opfer der blutigen Verfolgung und kritisiert die mangelnde Unterstützung der Tibeter durch die internationale Staatengemeinschaft. Der friedliche Widerstand der Tibeterinnen und Tibeter gegen Chinas Herrschaft dauert bis heute an. Seit dem Jahr 2008 haben traditionell tibetisch besiedelte Regionen eine beispiellose Welle staatlicher Repression und von Massenverhaftungen erlebt.

 

 

(Göttingen/gfbv) - Sechzig Jahre nach dem Volksaufstand in Tibet erinnert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) an die Opfer der blutigen Verfolgung: Rund 87.000 Menschen starben im ersten Jahr nach dem Beginn des Aufstands am 10. März 1959. Weitere 1,1 Millionen Tibeter fielen Chinas Repression in den folgenden Jahrzehnten zum Opfer.

 

„Trotz massiver Verfolgung dauert der friedliche Widerstand der Tibeterinnen und Tibeter gegen Chinas Herrschaft bis heute an. Der Volksaufstand ist nicht nur ein geschichtliches Ereignis. Er wirkt bis heute im Leben vieler Menschen in Tibet fort“, erklärt GfbV-Direktor Ulrich Delius am Mittwoch in Göttingen. Regelmäßig protestierten Tibeter öffentlich gegen die Plünderung ihrer Rohstoffe oder verlangten in Solo-Protesten, dem Dalai Lama die Rückkehr nach Tibet zu gestatten. China sei es nicht gelungen, den friedlichen Widerstand zu brechen, obwohl schon der Besitz von Fotos des Dalai Lama unter Strafe stünde.  

 

Nachdrücklich kritisiert die Menschenrechtsorganisation die mangelnde Unterstützung der Tibeter durch die internationale Staatengemeinschaft. „Chinas wachsender wirtschaftlicher und politischer Einfluss lässt immer mehr Staaten wegschauen, wenn tibetische Menschenrechtler willkürlich verhaftet und gefoltert werden. Selbst im Deutschen Bundestag wäre die Verabschiedung einer kritischen Tibet-Resolution wie im Juni 1996 heute kaum mehr vorstellbar“, so Delius.

 

Dabei hat der friedliche Widerstand der Tibeterinnen und Tibeter seit den Olympischen Spielen in Peking im Jahr 2008 deutlich zugenommen. Vor allem in den tibetischen Siedlungsgebieten in Provinzen, die an die offizielle Autonome Region Tibet (TAR) angrenzen, ist der Protest deutlich erstarkt. Dort hat Chinas Repressionsapparat die alltägliche Kontrolle der lokalen Bevölkerung noch nicht so ausbauen können umfassend wie in der TAR. Seit dem Jahr 2008 haben diese traditionell tibetisch besiedelten Regionen eine beispiellose Welle staatlicher Repression und von Massenverhaftungen erlebt. Mit Sit-Ins und Einzelprotesten wehren sich Tibeter gewaltlos gegen die Zerstörung von Sprache und Kultur, die Ausbeutung von Rohstoffen und gegen die Zerschlagung ihrer Religion und Gesellschaft.

 

Am 10. März 1959 war es ein Massenprotest von mehr als 100.000 Tibeterinnen und Tibeter, der den Dalai Lama vor einer drohenden Entführung durch chinesische Sicherheitskräfte bewahrte. Sie konnten ihr religiöses Oberhaupt tagelang schützen, bis er sich durch seine Flucht ins Ausland retten konnte. Bis heute lebt der Dalai Lama gemeinsam mit 95.000 Tibeterinnen und Tibetern in Indien im Exil.

 


Amazonas-Synode des Vatikan

Menschenrechtler empört über Vorwürfe von Brasiliens Regierung

 

Die Amazonas-Synode soll vom 6. bis 27. Oktober 2019 im Vatikan stattfinden. Jair Bolsonaro wirft der Veranstaltung eine "linke Agenda" vor. Die Gesellschaft für bedrohte Völker reagiert empört auf die haltlosen Vorwürfe und fordert die Basialianische Regierung auf, die Demontage indigener Territorien und der Missachtung indigener Interessen aufzugeben.

 

 

 

(Göttingen/gfbv) - Mit Empörung hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) auf Vorwürfe der brasilianischen Regierung reagiert, die geplante Amazonas-Synode des Vatikans hätte eine „linke Agenda“ und sei eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Brasiliens. „Wenn die Kirche für die Menschenrechte der Schwächsten in der Gesellschaft eintritt, dann muss sie auf die dramatische Lage der indigenen Völker Brasiliens aufmerksam machen. Wenn eine Regierung Gesetze und die Verfassung des Landes missachtet, um indigenen Völkern die Lebensgrundlage zu entziehen, dann darf die Kirche dazu nicht schweigen“, forderte GfbV-Direktor Ulrich Delius am Dienstag in Göttingen. Dies sei keine Frage von rechter oder linker Gesinnung, sondern von Moral und Ethik. Brasiliens katholische Kirche und Nichtregierungsorganisationen wie der Indianer-Missionsrat CIMI warnen schon seit Jahren vor einer stetig wachsenden Marginalisierung und Entrechtung indigener Völker.

 

Die Amazonas-Synode soll vom 6. bis 27. Oktober 2019 im Vatikan stattfinden. Geistliche und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen aus neun an die Amazonas-Region grenzenden Staaten werden daran teilnehmen. Themen der Synode sollen die Lage indigener Völker, der Schutz des Regenwaldes und neue Formen der Seelsorge in dem Gebiet sein. Brasiliens Regierung hat angedroht, im September 2019 einen „Gegengipfel“ in Rom zu sponsern, auf dem das vermeintliche Engagement Brasiliens für den Schutz des Regenwaldes und der rund 390 indigenen Völker Amazoniens gepriesen werden sollen. 

 

Papst Franziskus hatte die Synode bereits im Oktober 2017 angekündigt, lange bevor eine Wahl von Jair Bolsonaro zum Staatspräsidenten Brasiliens möglich erschien. Sie sei daher kein Anti-Bolsonaro-Tribunal, wie die GfbV betont. Doch Bolsonaros Missachtung der Rechte indigener Völker gebe der Synode zweifelsohne zusätzlich Aktualität. „Es steht in der Macht des brasilianischen Präsidenten, seine Politik der Demontage indigener Territorien und der Missachtung indigener Interessen aufzugeben – und daraufhin positiv wahrgenommen zu werden. Papst Franziskus und die Bischöfe können nur mahnen, die Vielfalt der Kulturen in der Welt als eine Bereicherung zu sehen und zu schützen“, erklärte Delius.    

 

Zahlreiche Projekte der neuen brasilianischen Regierung zielen darauf ab, indigene Territorien für große Landwirtschaftsprojekte zu öffnen und weitere Demarkierungen traditionellen indigenen Landes zu verhindern. Indigene Organisationen warnen daher vor einem drohenden Ausverkauf ihrer Rechte.

 

 

 


Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses beginnt in Peking (5.3.)

Xi Jinpings Amtszeit seit einem Jahr unbegrenzt – Menschenrechtsverletzungen in China nehmen deutlich zu

 

(Göttingen/gfbv) - Vor der Eröffnung des Nationalen Volkskongresses in China zieht die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) eine erschütternde Bilanz der neuen Machtfülle des Staatspräsidenten Xi Jinping. Seit der Kongress Xis Amtszeit vor einem Jahr für unbegrenzt erklärte, hätten Menschenrechtsverletzungen in China massiv zugenommen, beobachtet die GfbV. „Offensichtlich fühlt sich Xi Jinping nun noch weniger an Chinas Gesetze gebunden und nutzt rücksichtslos alle Methoden zur Sicherung seiner Macht“, erklärt GfbV-Direktor Ulrich Delius am Montag in Göttingen. Auch innerhalb der Kommunistischen Partei (KP) habe er ein Regime des Schreckens errichtet, dass an die Willkür der Kulturrevolution (1966-76) erinnere.

 

Mit Apps zur Förderung der Ideologie und Linientreue der KP-Mitglieder, dem Social-Credit-System und massiven Eingriffen in die Bildungsfreiheit erhöhe die KP ihren Druck zur politischen Gleichschaltung der Bevölkerung. Um die eigene Macht zu sichern, würden Chinas Gesetze systematisch ignoriert. So wurden im Januar 2019 Videos mit erzwungenen „Geständnissen“ von vier inhaftierten Studentenführern verbreitet. Auch zahlreiche Uiguren wurden vor der Kamera zu vermeintlichen Geständnissen gezwungen.

 

Seit der Aufhebung von Xi Jinpings Amtszeitbegrenzung wurden 879 Rechtsanwälte und Menschenrechtsverteidiger wegen ihres Engagements gerichtlich verfolgt. Bereits 545 von ihnen wurden abgeurteilt, die Verfahren gegen weitere 334 Juristen und Menschenrechtler sind noch in der Schwebe.

 

Mehr als 3,4 Millionen Menschen werden in China aufgrund ihres Glaubens verfolgt, unter ihnen rund eine Million Christen. Diese Zahl habe sich seit 2017 mehr als verdreifacht.  Zu den Verfolgten zählten auch mehr als 10.000 Priester – 2017 waren nur 1.900 Kirchenvertreter bedrängt worden. Auch die Zahl der inhaftierten Kirchenvertreter stieg um 35 Prozent auf mehr als 5.000 Personen an. Mehr als 500 Christen wurden aufgrund ihres Glaubens zu Haftstrafen verurteilt, eine Steigerung von mehr als 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

 

„Noch schlimmer sind die muslimischen Nationalitäten in Xinjiang betroffen. Uiguren, Kasachen und Kirgisen beklagen, dass 1,1 Millionen Menschen in Umerziehungslagern festgehalten werden, 2,3 Millionen müssen sich Umerziehungsmaßnahmen unterziehen“, so Delius. Auch in Tibet werde die Repression verschärft. Systematisch werde versucht, jeden friedlichen Widerstand der Tibeter durch größtmögliche Kontrolle zu unterbinden. Durch Sippenhaft würden engagierte Aktivisten über ihre Familien unter Druck gesetzt.

 


"Korrupt, kriminell, kaputt": Haiti droht der Kollaps, Tausende rebellieren gegen den Präsidenten

 

(München/sos) - Tumulte, Plünderungen, Tote - Haiti erlebt die größten Proteste seit Jahren. "Unser Staat ist korrupt, kriminell und kaputt", sagt Celigny Darius, Leiter der SOS-Kinderdörfer in Haiti. Die Situation auf der Straße eskaliere, dem Karibikstaat drohe der Kollaps.

 

Auslöser der seit Wochen andauernden Unruhen waren die Inflation, gestiegene Lebensmittelpreise und eine akute Benzinknappheit. "Dazu kommt unser massives Korruptionsproblem. Der Präsident und seine Minister haben sich Hilfsgelder in die eigenen Taschen gesteckt", sagt Darius. Unter anderem seien Mittel veruntreut worden, die zum Ausbau der Infrastruktur und des Sozialsystems gedacht waren - dringend nötig in einem Land, in dem mehr als 60 Prozent der Menschen unterhalb der Armutsgrenze leben.

 

Demonstranten und Polizei liefern sich seit Wochen blutige Schlachten und blockieren Hauptverkehrswege, Schulen blieben zeitweise aus Sicherheitsgründen geschlossen, darunter auch die Hermann-Gmeiner-Schule der SOS-Kinderdörfer. Im Kinderdorf habe man Notreserven angelegt, um die Versorgung der Kinder gewährleisten zu können, falls sich die Lage weiter zuspitzt, berichtet Darius.

 

Angesichts dieser dramatischen Situation befürchtet Darius, dass es mit dem Land immer weiter bergab geht: "Die Menschen ringen noch immer mit den Folgen von Hurrikan Matthew 2016 und Hurrikan Irma 2017. Tausende Familien sind obdachlos und ohne Einkommen." Viele hätten kein Geld, ihre Kinder zur Schule zu schicken, ohnehin seien erst 25 Prozent der zerstörten Schulen wiederaufgebaut.

 

Aktuell seien 2,6 Millionen Haitianer auf Hilfe angewiesen. "Wir rechnen damit, dass diese Zahl weiter ansteigen wird und erwarten mitgrößter Sorge die Hurrikan-Saison, die im Juni beginnt", so Darius weiter.


Neue Kampagne der UNO-Flüchtlingshilfe

Zwei Milliarden Kilometer Richtung Schutz. Jeder Schritt zählt


Mit ihrer neuen Kampagne: „Zwei Milliarden Kilometer Richtung Schutz. Jeder Schritt zählt." ruft die UNO-Flüchtlingshilfe Menschen dazu auf, durch Laufen, Joggen oder Radfahren Solidarität mit geflüchteten Menschen zu zeigen.

Unterstützt wird die Aktion unter anderem von UNHCR-Sonderbotschafter Ben Stiller. Die Kampagne wird gestartet mit einem Statement des Nationalspielers Kai Havertz von Bayer 04 Leverkusen beim Bundesliga-Heimspiel am 2. März gegen den SC Freiburg.

 

(Bonn/uno) - Die UNO-Flüchtlingshilfe startet am 2. März ihre neue Kampagne: „Zwei Milliarden Kilometer Richtung Schutz. Jeder Schritt zählt.“ Sie ruft Menschen dazu auf, durch Laufen, Joggen oder Radfahren Solidarität mit Geflüchteten zu zeigen. Damit macht die UNO-Flüchtlingshilfe auf die enormen Anstrengungen aufmerksam, die Flüchtlinge auf sich nehmen, um sich und ihre Familien in Sicherheit zu bringen. Startschuss für die Kampagne ist ein Statement des Nationalspielers Kai Havertz von Bayer 04 Leverkusen beim Bundesliga-Heimspiel am 2. März gegen den SC Freiburg. Auch international erfährt die Kampagne Zuspruch: Ben Stiller, Sonderbotschafter des UNHCR, ruft in einem Spot ebenfalls zur Teilnahme auf. 

 

Die Kampagne „Zwei Milliarden Kilometer Richtung Schutz“ stößt eine globale Bewegung an und wird vom UNHCR und seinen nationalen Partnern, wie der UNO-Flüchtlingshilfe, durchgeführt. Am Ende des Jahres soll die Strecke von insgesamt zwei Milliarden Kilometern gemeinsam bewältigt worden sein.

 

„Millionen von Menschen legen Abermillionen von Kilometern zurück. Es wird Zeit, diesen Kilometern eine Bedeutung zu geben“, fasst Peter Ruhenstroth-Bauer, Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe, den Kern der Kampagne zusammen.

 

Ben Stiller und Kai Havertz sind mit dabei

„Familien, die wegen Gewalt und Verfolgung zur Flucht gezwungen sind, unternehmen außerordentliche Anstrengungen, um zu überleben“, sagt UNHCR-Sonderbotschafter Ben Stiller. „Sie rennen um ihr Leben für ein sicheres Dach über dem Kopf und einen Ort, an dem sie nicht in Angst leben müssen. Deswegen unterstütze ich Flüchtlinge und nehme an der Kampagne ‚Zwei Milliarden Kilometer Richtung Schutz‘ teil. Und ich bitte alle, sich mir anzuschließen.“

 

Ebenso bezieht auch Leverkusens Mittelfeldakteur und Nationalspieler Kai Havertz symbolisch für Bundesligist Bayer 04 mit einem Video Stellung zu der Aktion: „Gemeinsam mit der UNO-Flüchtlingshilfe setzen wir ein Zeichen für Menschen auf der Flucht. Zeigt eure Solidarität mit diesen Menschen und werdet Teil der Kampagne „Zwei Milliarden Kilometer Richtung Schutz“!

 

Innerhalb von zwölf Monaten zwei Milliarden Kilometer zurücklegen – so wie es über 68 Millionen Flüchtlinge Jahr für Jahr tun, um an sichere Orte zu gelangen.

 

Die Kampagne will weltweit Menschen vor Augen führen, wie viele Kilometer Menschen auf ihrer Flucht hinter sich bringen müssen. „Flüchtlinge sind nicht nur oft hunderte Kilometer unterwegs, um ihre Familien in Sicherheit zu bringen. Sie fliehen unter großer Gefahr und unter widrigsten Bedingungen. Ihr Mut, ihre Widerstandkraft und der Willen, das eigene Leben in wieder in die Hand zu nehmen, werden durch diese Kampagne gewürdigt“, sagte Dominik Bartsch, UNHCR-Repräsentant in Deutschland. Der UNHCR hat errechnet, dass Geflüchtete jährlich insgesamt etwa zwei Milliarden Kilometer zurücklegen, ehe sie in Sicherheit sind. So reisten syrische Flüchtlinge 2016 mehr als 240 Kilometer bis in die Türkei. Südsudanesische Flüchtlinge legten mehr als 640 Kilometer zurück, um Kenia zu erreichen und Rohingya-Flüchtlinge aus Myanmar mussten etwa 80 Kilometer bis nach Bangladesch bewältigen.

 


Zum Gipfel der EU und der Liga der Arabischen Staaten

Brot für die Welt zum Gipfel in Ägypten

 

Flucht * Migration * EU * Europäische Union * Liga der Arabischen Staaten * Menschenrechte

 

(Berlin/bfw) - Anlässlich des heute beginnenden gemeinsamen Gipfels der EU und der Liga der Arabischen Staaten in Sharm El-Sheikh/Ägypten fordert Klaus Seitz, Leiter der Abteilung Politik bei Brot für die Welt:

 

„Wir Europäerinnen und Europäer dürfen die Lösung der mit der Migration nach Europa verbundenen Probleme weder Nationalisten noch Regierungen, die systematisch Menschenrechte verletzen, oder gar gesuchten Kriegsverbrechern überlassen. Es birgt unkalkulierbare Risiken für Migrantinnen und Migranten, aber auch für uns Europäer, wenn wir unsere rechtstaatlichen Prinzipien über Bord werfen, nur um Migranten den Zugang nach Europa zu verwehren. Die Methode ‚Aus den Augen, aus dem Sinn‘ löst keines der Probleme, die zu Migration führen. Krieg, Klimawandel und wirtschaftliche Not sind Herausforderungen, die wir an der Wurzel angehen müssen.“

 

 

Hintergrund:

 

Am 24. und 25. Februar 2019 treffen sich Vertreter der Europäischen Union und der Liga der Arabischen Staaten in Ägypten. Erklärtes Ziel ist es, die Zusammenarbeit in verschiedenen Politikfeldern zu intensivieren. Voraussichtlich wird bei den Gesprächen besonderes Augenmerk auf den Themen Handel und Investitionen, Migration und Sicherheit liegen. Es ist zu erwarten, dass die EU einen weiteren Anlauf unternehmen wird, durch wirtschaftliche Zugeständnisse die Auslagerung ihrer Migrationspolitik insbesondere in die Staaten Nordafrikas voranzutreiben. So unterstützt die EU die Militarisierung von Staaten wie Libyen oder Ägypten, um Flüchtlinge bereits weit vor der europäischen Außengrenze abzufangen. Durch die Unterstützung des Ausbaus der Grenzregime in der Region hilft die EU dabei, diktatorische Regime zu stabilisieren. Damit nimmt sie das Leid von Millionen Menschen in Kauf.


Volksabstimmung über umstrittene Verfassungsreform

Religionsgemeinschaften unter massivem Druck der Regierung

(Götttingen/gfbv) - Kubas neue Verfassung schränkt das Recht auf Religionsfreiheit ein, statt es als Menschenrecht gezielt zu fördern, warnte die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Sonntag in Göttingen. So forderten die Kirchen vergeblich Garantien für die freie Ausübung des Glaubens und eine Einschränkung der Macht der staatlichen Religionsbehörde. Auch sollte sich der Staat dazu bekennen, sich nicht in die inneren Angelegenheiten der Religionsgemeinschaften einzumischen. Stattdessen betont das neue Grundgesetz die Kontrolle der Religion durch den Staat und bekräftigt die rechtlichen Verpflichtungen, denen die Glaubensgemeinschaften unterliegen. Bislang bestehende Verweise auf die Gewissensfreiheit jedes Bürgers wurden in der neuen Verfassung gestrichen.

"Diese neue Verfassung bedeutet einen Rückschritt für alle Gläubigen in Kuba. Statt demokratischer Öffnung droht noch mehr Verfolgung", erklärte der GfbV-Direktor Ulrich Delius am Sonntag in Göttingen. Die Bürgerinnen und Bürger Kubas sind am heutigen Sonntag dazu aufgerufen, in einer Volksabstimung über die Annahme des neuen Grundgesetzes zu entscheiden.

In den letzten Tagen vor dem Referendum hatten die Behörden massiven Druck auf Vertreter der Religionsgemeinschaften ausgeübt, öffentlich für die Annahme der Reform zu werben. So wurden Pastoren eingeschüchtert und bedroht, die aus ihrer Ablehnung der neuen Verfassung keinen Hehl machten. Ein kritischer Pastor musste erleben, wie sein Haus eine Woche lang systematisch von Polizisten von der Außenwelt abgeriegelt und ihm Haft angedroht wurde. Ein anderer Kirchenvertreter wurde wegen seiner Kritik zeitweilig vom Dienst suspendiert. Andere Repräsentanten von Religionsgemeinschaften wurden von den Behörden als "Konterrevolutionäre" beschimpft. 

Die Religionsgemeinschaften hatten sich aktiv in den Reformprozess eingeschaltet und den Behörden 16 neue Verfassungsartikel unterbreitet. Doch keiner dieser Artikel wurde in das neue Grundgesetz aufgenommen. Neben der Verringerung des Schutzes der Glaubensfreiheit kritisieren die Kirchen vor allem die Streichung jedes Verweises auf die Gewissensfreiheit.

Seit dem Jahr 2005 haben die Einschränkungen der Religionsfreiheit in Kuba deutlich zugenommen. So wurden in den Jahren 2015 / 2016 mehr als 1.000 Kirchen für illegal erklärt. Mehrere größere Kirchen wurden daraufhin auch auf Anweisung der Behörden niedergerissen. Systematisch wurden im Jahr 2018 religiöse Führer bedrängt oder Pastoren in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt.

In Kuba gelten rund 70 Prozent der Bevölkerung als katholisch, fünf Prozent sehen sich als protestantisch an. Viele traditionelle afrikanische Religionen haben Einfluss auf die christlichen Kirchen. Fast 25 Prozent der Bevölkerung bezeichnen sich als Atheisten. 



„Katastrophe“: Indiens Oberstes Gericht ordnet Vertreibung von 8 Millionen Indigenen an

Viele indigene Völker wurden bereits vertrieben, nachdem ihr angestammtes Land zu Tigerschutzgebieten erklärt wurde. Nun drohen Millionen weiteren Menschen Vertreibungen. © Survival

 

 (London/si) - Der Oberste Gerichtshof Indiens hat die Vertreibung von bis zu 8 Millionen Angehörigen indigener Völker und anderen Wald-Bewohner*innen angeordnet. Aktivist*innen bezeichneten die Entscheidung als „beispiellose Katastrophe“ und „die größte Massenvertreibung im Namen des Naturschutzes“.

 

Mit dem Urteil reagierte das Gericht auf die Anträge indischer Naturschutzverbände, die gefordert hatten das indische Forstgesetz (Forest Rights Act) für ungültig zu erklären. Das Gesetz gewährt Menschen, die in indischen Wäldern leben, Rechte auf ihr angestammtes Land, auch in Schutzgebieten. Die Naturschutzverbände hatten auch gefordert, dass Indigene, die erfolglos versucht hatten ihre Landansprüche nach dem Gesetz geltend zu machen, vertrieben werden sollten.


In einem außerordentlichen Schritt blieb die indische Regierung der Verhandlung fern, statt dort die Rechte der indigenen Völker darzulegen. Das Gericht entschied daraufhin zugunsten der Räumungen, die bis zum 27. Juli abgeschlossen sein sollen.

 

Angaben zufolge waren unter den beteiligten Naturschutzverbänden die Organisationen Wildlife First, Wildlife Trust of India, Nature Conservation Society, Tiger Research and Conservation Trust und die Bombay Natural History Society.

Die Entscheidung betrifft mehr als 1,1 Millionen Haushalte, wobei Expert*innen davon ausgehen, dass dadurch mehr als 8 Millionen Menschen vertrieben werden sollen. Da einige Bundesstaaten keine Angaben zur Anzahl der Betroffenen gemacht hatten, dürfte die Zahl nochmals steigen.

 

Stephen Corry, Direktor von Survival International, erklärte: „Diese Entscheidung ist ein Todesurteil für Millionen Indigene in Indien, Landraub in epischem Ausmaß und eine monumentale Ungerechtigkeit. Sie kann zu großem Elend, Verarmung, Krankheit und Tod führen und direkt in eine humanitäre Krise. Und es wird nicht helfen die Wälder zu retten, die von den Indigenen doch seit Generationen geschützt wurden.“

 

“Werden die großen Naturschutzorganisationen wie WWF und WCS dieses Urteil ablehnen und es bekämpfen? Oder werden sie sich an der größten Massenvertreibung im Namen des Naturschutzes beteiligen?”

 


Julián bezahlte für den Kampf um Landrechte mit seinem Leben

 

(Berlin/ai) - Es muss eine regelrechte Hetzjagd gewesen sein. Als Julián Carrillo am 24. Oktober 2018 erschossen wurde, war er bereits seit einem Tag auf der Flucht. Nachdem er mehrfach Morddrohungen erhalten hatte, war er in die unwegsame Bergregion der Sierra Tarahumara im mexikanischen Bundesstaat Chihuahua geflohen. Doch auch die Berge boten ihm keinen Schutz.

Julián Carrillo gehörte der indigenen Gemeinde der Rarámuri an. Seit Jahren wehren sie sich gegen Bergbau, Rodungen und Drogenanbau auf ihrem angestammten Territorium. Sie stellen sich gegen die wirtschaftlichen Interessen des Staates und illegaler bewaffneter Gruppen – ein solches Engagement ist in Mexiko lebensgefährlich.

 

Trotz der Morde an seinen Angehörigen und der massiven Drohungen gegen ihn hat der Staat Julián Carrillo nicht geschützt. Zwar wurde er in den staatlichen Schutzmechanismus für Menschenrechtsverteidger_innen und Journalist_innen aufgenommen – doch die Maßnahmen waren nicht ausreichend. Der mexikanische Staat muss endlich handeln! Er muss umgehend eine umfassende Untersuchung durchführen, um den Mord an Julián Carrillo und die Ursachen für die Gewalt aufzuklären.  

Seine Angehörigen und diejenigen, die sich in Mexiko für seinen Fall einsetzen, müssen Schutz erhalten. Und nicht zuletzt muss den Rarámuri das Recht auf ihr Territorium garantiert werden. Sie müssen ohne Angst in ihrer Heimat leben können.

Setz dich mit uns für Gerechtigkeit für Julián Carrillo ein, denn mutige Menschen wie er brauchen Schutz, bevor es zu spät ist: amnesty.de/mut-braucht-schutz


Kapitulation vor den Unternehmen

Textilindustrie in Indien: Selbstkontrolle gegen Kinderarbeit reicht nicht

 

(München/sos) - Mit einem freiwilligen Verhaltenskodex will die indische Textilindustrie gegen Kinderarbeit vorgehen. Er beinhaltet ein Verbot von Nachtschichten für Teenager und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Fabriken. Zudem sollen internationale Unternehmen dazu angehalten werden, auf die Einhaltung der Sozialstandards bei ihren Bezugsquellen zu bestehen. Die SOS-Kinderdörfer halten es nicht für ausreichend, sich auf die freiwilligen Anstrengungen der Unternehmen zu verlassen.

 

"Das Ausbeutungssystem in indischen Textilfabriken steht für die schlimmsten Formen der Kinderarbeit, da reicht es nicht, wachsweiche Verhaltensregeln zu formulieren, deren Einhaltung zudem freiwillig ist", sagt Shubha Murti, Leiterin der Hilfsorganisation für die Region Asien. Ein auf Selbstkontrolle basierender Kodex  gleiche einer Kapitulation vor den Unternehmensinteressen auf Kosten der Kinderrechte. Zudem würden die meisten der Forderungen bereits jetzt durch Gesetze abgedeckt, es sei jedoch offensichtlich, dass die Produzenten die Rechte der Kinder dennoch verletzten.

 

Die SOS-Kinderdörfer verurteilen Kinderarbeit auf das Schärfste. Unter keinen Umständen sei es akzeptabel, dass Kinder Kleidung herstellten, und Waren, die unter Sklavereibedingungen hergestellt würden, dürften nicht länger in den Kaufhäusern der westlichen Industrienationen verkauft werden. Unternehmen, die sich daran nicht hielten, müssten verfolgt und bestraft werden.

 

Ein beträchtlicher Anteil der indischen Wirtschaft sei abhängig von Kinderarbeit. Nach Erkenntnissen der Hilfsorganisation schuften rund 44 Millionen Jungen und Mädchen in verschiedenen Branchen unter Bedingungen, die an Sklaverei erinnern. Unter den Profiteuren des Systems seien zahlreiche Textilhersteller, einem boomenden Wirtschaftszweig mit einem Exportvolumen von 40 Milliarden Dollar allein in 2016. "Die Kinder müssen bis zu 24 Stunden am Tag schuften und sind einem hohen Druck ausgesetzt. Mädchen und Frauen werden diskriminiert, sexuell belästigt, verdienen weniger als die Männer und haben keine Möglichkeit, sich zu beschweren", sagt Murti. Auch das indische Kastensystem trage zur Diskriminierung bei.

 

Ein Verhaltenskodex, der die Verhältnisse wirklich ändern wolle, müsse sämtliche Zweige mit einbeziehen, auch die kleinen, informellen Betriebe. Allein in Spinnereien und Baumwoll-Farmen arbeiten laut SOS-Kinderdörfer fast 500.000 Jungen und Mädchen. Der Kodex müsse zudem für geschlechter- und soziale Gerechtigkeit sorgen und zwingend Beschwerde- und Schutzmechanismen mit einbauen. "Andernfalls bleibt er ein Papiertiger und wirkungslos", sagt Murti.

 

Die SOS-Kinderdörfer unterstützen Kinder in Not an 31 Standorten in Indien. Um ausbeuterische Kinderarbeit zu stoppen, setzen sie auf Bildung und stärken Familien, sodass diese aus eigener Kraft ein Einkommen erzielen können und Kinder nicht mehr arbeiten müssen. Auch die Stärkung von Mädchen und Frauen ist ein zentrales Anliegen der Arbeit der Hilfsorganisation Indien.


Diakonie Katastrophenhilfe zur Situation in Venezuela

 

Venezuela * Humanitäre Hilfe * neutral * unabhängig * Kolumbien

 

(Berlin/dw) - Die Diakonie Katastrophenhilfe fordert alle Akteure in Venezuela dazu auf, die dringend benötigte Hilfe für die Menschen nicht zum Spielball politischer Interessen zu machen. „Es ist dramatisch, intolerabel und wirft kein gutes Licht auf beide Konfliktparteien, dass sie im Machtkampf um Venezuela humanitäre Hilfe ganz unverblümt als politisches Druckmittel einsetzen“, kritisiert Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe. „Sie verletzen durch diese politische Instrumentalisierung nicht nur die Neutralität und damit eines der wichtigsten humanitären Prinzipien. Vor allem nehmen sie bewusst das Leid von Abertausenden in Kauf, statt Verantwortung für die Bevölkerung zu zeigen. Das bereitet neutralen Hilfsorganisationen wie uns große Sorge."

 

Die Menschen sind aufgrund der sehr schlechten Versorgungslage im Land davon abhängig, dass lebenswichtige Güter nach Venezuela gelangen können. „Ohne Nahrungsmittel und Medikamente ist ein Leben in Würde nicht möglich. Lokale Initiativen tun alles, was möglich ist, doch sie brauchen eine neutrale und unabhängige Unterstützung von außen, denn allein werden sie den akuten Versorgungsengpass im Land nicht beseitigen können“, sagt Füllkrug-Weitzel. Nur durch strikte Neutralität und Unabhängigkeit der Hilfsangebote aus dem Ausland kann das Argument der politischen Einflussnahme entkräftet werden. Aus diesem Grund haben 15 internationale humanitäre Hilfsorganisationen, darunter auch die Diakonie Katastrophenhilfe, in der letzten Woche einen Appell an die politischen Akteure in der Region gerichtet: „Es darf nicht sein, dass auf dem Rücken der Menschen Hilfe politisiert und für die jeweiligen Zwecke missbraucht wird“, so Füllkrug-Weitzel.

 

Seit drei Jahren verschlechtert sich die politische, wirtschaftliche und soziale Situation in Venezuela zunehmend – große Teile der Bevölkerung können sich keine Lebensmittel mehr leisten, sofern diese überhaupt noch verfügbar sind.

 

Etwa 2,4 Millionen Menschen sind seit 2014 wegen der verheerenden Lage aus Venezuela geflohen, die meisten von ihnen in die direkten Nachbarländer. Etwa ein Drittel der Flüchtlinge sucht Schutz in Kolumbien, das sich selbst noch nicht von den Folgen des jahrzehntelangen Bürgerkriegs erholt hat.

 

Die Diakonie Katastrophenhilfe unterstützt mit ihren lokalen Partnern die Flüchtlinge in Kolumbien an der Grenze zu Venezuela. Häufig kommen die Menschen vollkommen mittellos in Kolumbien an und erhalten zunächst finanzielle Hilfe, um sich Lebensmittel und dringend benötigte Hygieneartikel kaufen zu können. Vor allem Frauen und Kinder sind auf der Flucht besonders gefährdet. Die Frauen bekommen soziale und juristische Beratung und traumatisierte Kinder werden psychologisch betreut.


Freiheit für Asia Bibi

Schutzgewahrsam verletzt Menschenrechte

 

(Göttingen/gfbv) - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat Pakistans Regierung aufgefordert, die vom Vorwurf der Blasphemie freigesprochene Christin Asia Bibi endlich in ein Land ihrer Wahl ausreisen zu lassen. „Mehr als neun Jahre lang musste Asia Bibi bereits unschuldig in pakistanischer Haft verbringen. Es ist absurd und zynisch, sie nun als freie Person an der Ausreise zu hindern, um Proteste radikaler Islamisten zu vermeiden“, erklärte der GfbV-Direktor Ulrich Delius am Sonntag in Göttingen. Pakistan solle darlegen, aufgrund welcher Rechtsgrundlage die Christin weiter festgehalten werde. Am Wochenende war bekannt geworden, dass Asia Bibi nach der Bestätigung ihres Freispruchs durch das Oberste Gericht des Landes noch immer nicht Pakistan verlassen darf, obwohl sich Kanada zu ihrer Aufnahme bereit erklärte.

 

Extremistische Islamisten drohten nach der Bestätigung des Freispruches mit neuen Protesten und der Ermordung der Katholikin. Aber auch ein Schutzgewahrsam müsse begründet und mit der betroffenen Person abgeklärt werden sowie auf einer Rechtsgrundlage beruhen, erklärte die GfbV. Als Mitgliedsstaat des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen stünde Pakistan besonders in der Pflicht, das Recht auf Bewegungsfreiheit zu beachten. Die Menschenrechtsorganisation erwarte, dass Pakistan bis zum Beginn der nächsten Sitzungsperiode des UN-Menschenrechtsrates in Genf am 25. Februar 2019 Asia Bibi die Ausreise in ein Land ihrer Wahl gestatte.

 

Beobachter befürchten, Pakistans Regierung könnte ihre Ausreise noch monatelang aus Angst vor erneuten Protesten verschleppen. Nach ihrem Freispruch hatten Extremisten tagelang das öffentliche Leben in Pakistan blockiert.

 

Ein Vertrauter der festgehaltenen Katholikin hatte am Samstag berichtet, sie und ihr Ehemann würden im Großraum der Stadt Karachi von den Sicherheitsbehörden in einem Raum festgehalten, den sie nicht verlassen dürften. Er widersprach damit Äußerungen ihres ehemaligen Rechtsanwaltes Saif ul-Malook, der zuvor behauptet hatte, sie befinde sich schon in Kanada in Sicherheit. Malook musste inzwischen selbst aufgrund von Anfeindungen in den Niederlanden um Schutz ersuchen.

 

Die Landarbeiterin war im Jahr 2009 festgenommen worden, nachdem sie beschuldigt wurde, das Ansehen des Propheten Mohamed beleidigt zu haben. Sie wurde zum Tode verurteilt und wartete jahrelang auf die Vollstreckung des Urteils in einer Todeszelle. Nachdem das Oberste Gericht des Landes am 31. Oktober 2018 das Todesurteil aufhob und sie freisprach, setzten islamistische Extremisten eine Petition gegen den Freispruch durch, die am 29. Januar 2019 zurückgewiesen wurde.    

 


„GiveKidsAVoice“: SOS-Kinderdörfer feiern 70. Geburtstag mit Kinderrechte-Kampagne

  • Doppeltes Jubiläum: 70 Jahre SOS-Kinderdörfer am 25. April 2019 und 100. Geburtstag von Gründer Hermann Gmeiner am 23. Juni 2019
  • SOS-Kinderdörfer starten die erste Kinder-Petition Deutschlands „Eine Familie für jedes Kind auf dieser Welt!“

 

(München/sos) – 2019 ist ein ganz besonderes Jahr für die SOS-Kinderdörfer, denn es gibt gleich ein doppeltes Jubiläum zu feiern: 70 Jahre ist es her, seit das erste SOS-Kinderdorf erbaut wurdeund am 23. Juni wäre der Gründer der heute weltumspannenden Hilfsorganisation, Hermann Gmeiner, 100 Jahre alt geworden. Zeit, zurückzublicken und gleichzeitig die Kinderrechte weiter zu stärken und durchzusetzen: Mit der Kampagne „GiveKidsAVoice“ wollen die SOS-Kinderdörfer weltweit erreichen, dass jedes Kind in einem schützenden und fürsorglichen Umfeld aufwachsen darf. Die erste Kinder-Petition Deutschlands wird im September an Bundestag und Bundesregierung übergeben.

 

Angefangen hat alles am 25. April 1949 in Innsbruck, wo die Geburtsstunde der SOS-Kinderdörfer schlug – eine Organisation, die heute in 135 Ländern der Welt tätig ist und mehr als 1,5 Millionen Kinder und deren Angehörige unterstützt. Das erste SOS-Kinderdorf entstand 1949 im österreichischen Imst für Kinder, die ihre Eltern im 2. Weltkrieg verloren hatten. In einer Zeit, in der verlassene Kinder hauptsächlich in Heimen groß wurden, war das Kinderdorf ein radikal neues Modell, das ein familiennahes und behütetes Aufwachsen in den Vordergrund stellte. Gründer Hermann Gmeiner, der am 23. Juni 2019 100 Jahre alt geworden wäre, glaubte fest an die Verbreitung dieser Idee: „Das Kinderdorf muss leuchten und hinausstrahlen in die Welt.“

 

Bis heute bekommen Kinder in Not in den SOS-Kinderdörfern ein sicheres Zuhause mit einer SOS-Mutter und/oder einem SOS-Vater sowie Geschwistern. Derzeit leben mehr als 80.000 Kinder in 572 SOS-Kinderdörfern und 744 SOS-Jugendbetreuungsprogrammen. Durch die SOS-Familienhilfe werden zudem weltweit fast 100.000 extrem arme Familien unterstützt. „Hilfe zur Selbsthilfe“ steht hier im Zentrum der SOS-Arbeit. Hinzu kommen viele weitere Angebote: Kindergärten, Schulen, Berufsbildungszentren, Sozialzentren und medizinische Zentren. In Krisensituationen wie Bürgerkriegen, Hunger- und Naturkatastrophen leisten die SOS-Kinderdörfer auch Nothilfe, derzeit in 38 Regionen weltweit. Oft entstehen aus diesen Nothilfe-Projekten neue, nachhaltige SOS-Programme.

 

220 Millionen Kinder weltweit haben keine Familie oder laufen Gefahr, sie zu verlieren

 

Die Jubiläumskampagne „GiveKidsAVoice” der SOS-Kinderdörfer soll Kindern größtmögliches Gehör verschaffen, dafür startet die Organisation die erste Kinder-Petition Deutschlands. Unter dem Motto „Eine Familie für jedes Kind auf dieser Welt!“ werden bundesweit Stimmen von Kindern und Erwachsenen gesammelt, 70.000 Stimmen sind angestrebt. Das Ziel der Petition: Bis zum Jahr 2030 soll weltweit jedes Kind ohne familiennahe Betreuung in einem schützenden und fürsorglichen Umfeld leben – ob in einem Kinderdorf, einer Pflegefamilie oder einer anderen familiennahen Form der Betreuung. Im September wird die Kinder-Petition an Bundestag und Bundesregierung übergeben.

 

Bildungsprogramm sensibilisiert Grundschüler für die Einhaltung von Kinderrechten

 

Wichtiger Baustein der Kampagne „GiveKidsAVoice” ist eine Bildungsinitiative mit 8.000 Grundschulen in Deutschland. Das kostenlose Bildungsprogramm zu Kinderrechten und Partizipation stellt das Thema „Familie und Zuhause“ in den Mittelpunkt. Von ihrer eigenen Lebenswelt ausgehend spannen Grundschüler den Bogen zur Lebenswirklichkeit von Kindern in anderen Ländern. Die Schüler erhalten im Jubiläumsjahr viele Möglichkeiten, sich für Kinder auf der ganzen Welt einzusetzen und ihnen eine Stimme zu geben: Sie können mit ihrer Klasse oder Schule aktiv werden – ob mit ihren Unterschriften für die Kinder-Petition oder mit Online-Demonstrationen, für die sie zum Thema Kinderrechte malen, schreiben und basteln.

 

Mehr Informationen zum 70. Jubiläum der SOS-Kinderdörfer und zum 100. Geburtstag von Hermann Gmeiner in der Pressemappe und auf sos-kinderdoerfer.de/70

 

Mehr zur Kampagne „GiveKidsAVoice” und allen Aktionen unter givekidsavoice.de

 


Griechenland: Soziale Folgen der Finanzkrise

"Kinder werden vernachlässigt, geschlagen, psychisch misshandelt"

 

(München/sos) - Das EU-Hilfsprogramm für Griechenland ist beendet, aber die sozialen Folgen der Finanzkrise sind verheerend. "Immer mehr Familien zerbrechen, die häusliche Gewalt nimmt zu. Uns erreichen in den griechischen SOS-Kinderdörfern immer mehr Anfragen von Sozialämtern und Verwandten, die dringend einen Platz für ein Kind suchen", sagt George Protopapas, Leiter der Hilfsorganisation in Griechenland.

 

Erst jetzt zeigten sich die Langzeitfolgen der Finanzkrise. Mit fast 20 Prozent habe Griechenland immer noch die höchste Arbeitslosigkeit in Europa. Jeder dritte Arbeitslose sei seit mehr als vier Jahren ohne Beschäftigung. 40 Prozent der Menschen könnten ihre Miete nicht zahlen, ebenso viele seien von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Kinder gingen hungrig zur Schule. Fatal sei auch eine weitere Langzeitfolge der Krise: "Wir sind äußerst besorgt, weil immer mehr Familien den existentiellen Belastungen nicht standhalten", sagt Protopapas. Die angespannte Lage und die Perspektivlosigkeit erhöhe den Druck in den Familien: "Immer mehr Jungen und Mädchen werden vernachlässigt, geschlagen oder psychisch misshandelt", sagt Protopapas.

 

Der Staat sei mit der Situation völlig überfordert und nicht in der Lage, das Wohl der Kinder zu garantieren. Die Krise habe das Sozialsystem zusammenbrechen lassen, jetzt mangele es an qualifiziertem Personal in staatlichen Institutionen und an verbindlichen Kinderrechtsstandards in privaten Einrichtungen. Die SOS-Kinderdörfer haben in Reaktion auf die große Armut und Not im

 

letzten Jahr ein neues Kinderdorf eröffnet und die SOS-Familienhilfe deutlich ausgeweitet.


Haftgrund war T-Shirt mit Dalai Lama-Aufdruck

Tibet: Sorge um Gesundheit von Mönch nach dreieinhalb Jahren Gefängnis

 

(Berlin/ict) - Die International Campaign for Tibet (ICT) ist in großer Sorge um die Gesundheit des tibetischen Mönchs Choekyi, der im Januar nach dreieinhalb Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen wurde. Choekyis „Verbrechen“ bestand darin, dass er ein T-Shirt getragen hatte, mit dem er den 80. Geburtstag des Dalai Lama feiern wollte. Zudem hatte er in sozialen Medien Glückwünsche gepostet. Der Mönch war im vergangenen Jahr Gegenstand einer Dringlichkeits-Resolution des EU-Parlaments gewesen, in der seine Freilassung gefordert wurde. ICT hat in der Vergangenheit eine Reihe von Fällen tibetischer Gefangener dokumentiert, die offenbar nach in der Haftzeit erlittener Folter und Misshandlung vorzeitig entlassen wurden. Einige von ihnen starben nach ihrer Haftentlassung, wie etwa der Tibeter Goshul Lobsang, der im März 2014 an den Folgen von Schlägen, Schlafentzug und Hunger in seinem Heimatort verstarb.

 

Der Anti-Folter-Ausschuss der Vereinten Nationen hatte 2015 mit großer Besorgnis unter anderem festgestellt (pdf), dass Folter und Misshandlung nach wie vor im chinesischen Strafverfolgungssystem „fest verwurzelt“ seien. Die International Campaign for Tibet fordert ein Ende von Folter und Misshandlung in Tibet. Gefangene müssen überdies auch nach Haftentlassung Zugang zu medizinischer Versorgung und Entschädigung bei erlittener Misshandlung während der Haftzeit erhalten.

 

Die Gesundheit des tibetischen Mönchs Choekyi hat im Gefängnis offenbar ebenfalls ernsten Schaden genommen, weshalb er am 18. Januar 2019 fünf Monate vor Ende seiner vierjährigen Haftstrafe entlassen wurde. Möglicherweise wollte die Gefängnisleitung damit verhindern, dass er in der Haft stirbt. Dennoch wurde ihm bislang die nötige medizinische Behandlung verwehrt. Bereits vor seiner Inhaftierung hatte Choekyi an einem Nierenleiden und weiteren Gesundheitsbeschwerden gelitten. Im Gefängnis wurde er zu schwerer körperlicher Arbeit gezwungen und in Einzelhaft gehalten. Folter und Misshandlung im bei Chengdu gelegenen Mianyang-Gefängnis beeinträchtigten seine Gesundheit Berichten zufolge zusätzlich.

 

Bereits im Dezember 2017 waren Befürchtungen hinsichtlich Choekyis Gesundheit aufgekommen. Zwei Monate zuvor hatte die Gefängnisleitung die Besuchszeit auf fünf bis zehn Minuten verkürzt und den Angehörigen untersagt, Essen oder Medikamente für den Mönch mitzubringen. Der Mönch hält sich gegenwärtig bei seiner Familie in der Ortschaft Nyitod (chin.: Niduo) im osttibetischen Landkreis Serthar (chin.: Seda) auf. Die Behörden untersagten den Angehörigen, seine Rückkehr mit Khatags, tibetischen Glücks- und Segensschals, sowie unter Einbeziehung größerer Gruppen von Freunden und Bekannten zu feiern, wie es in Tibet früher üblich war. Es ist davon auszugehen, dass Choekyi unter schweren Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule, im Kopf und in den Beinen leidet. Tibetischen Quellen zufolge sei es ihm verboten, ohne Erlaubnis der Behörden einen Arzt oder ein Krankenhaus aufzusuchen. Auch der Besuch seines gleichfalls in Nyitod gelegenen Klosters Phugu sei ihm untersagt.

 

Lesen Sie dazu auch unseren Bericht „Fears for health of Tibetan monk jailed for celebrating Dalai Lama’s birthday“.

 


50 Hilfsorganisationen appellieren an Italiens Regierungschef, Menschen von "Sea-Watch-3" aufzunehmen

"Dem Leid sofort ein Ende setzen"

 

(München/sos) - Gemeinsam mit vielen weiteren Hilfsorganisationen haben die SOS-Kinderdörfer den italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte aufgefordert, die Menschen an Bord der "Sea-Watch 3" sofort an Land zu lassen. "Es ist dringend notwendig, dass die Minderjährigen und Erwachsenen an Bord in den nächstgelegenen sicheren Hafen gebracht und nicht weiterhin als Geiseln politischer Auseinandersetzungen betrachtet werden", heißt es in der Erklärung, die an die italienische Regierung übermittelt wurde. Unterzeichnet wurde die Erklärung von über 50 Organisationen, darunter auch Ärzte ohne Grenzen und Save the Children. Dies teilten die SOS-Kinderdörfer weltweit in München mit.

 

 

 

Die Helfer auf dem Schiff hatten am 19. Januar 47 Migranten im Meer vor Libyen aufgenommen. Seitdem harrt das Schiff vor der Küste Siziliens aus, weil Italien ein Anlegen des Schiffes und eine Versorgung der Kinder und Erwachsenen verbietet.

 

 

 

Die Forderung der Organisationen an Ministerpräsident Conte ist, sofort einzugreifen und "alles dafür tun, um sicherzustellen, dass dieses grausame Geschehen ein Ende findet und eine sofortige und angemessene Übernahme der Flüchtlinge erfolgt. Es handelt sich um Menschen, die während ihrer Reise bereits Opfer von Gewalt und Benachteiligung waren, ihr Leid wurde noch verlängert und es ist Aufgabe der italienischen Institutionen, dem ein Ende zu setzen."

 


Pakistan: missio begrüßt Entscheidung zu Asia Bibi

 

(Aachen/missio)  -. „Wir begrüßen die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes in Pakistan, keine Revision gegen die Aufhebung des Todesurteils für die Christin Asia Bibi zuzulassen. Damit kann sie mit ihrer Familie aus Pakistan ausreisen“, freute sich Prälat Klaus Krämer, Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerkes missio Aachen, über die Entwicklung des Falles. „Wir hoffen, dass jetzt Asia Bibi und ihre Familie in Ruhe und gut begleitet ein neues Leben in einem Land ihrer Wahl beginnen können“, sagte Prälat Krämer. Neben Deutschland und Frankreich ist auch Kanada als Aufnahmeland für Asia Bibi und ihre Familie im Gespräch.

 

„Der pakistanische Staat befindet sich in einer schwierigen Lage, weil ihn islamistische Fundamentalisten aus politischen Gründen erpressen wollen“, so Prälat Krämer weiter. Deshalb sei die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes im Fall Asia Bibi auch ein Signal, dass Staat und Justiz in der Islamischen Republik Pakistan den Schutz der religiösen Minderheiten wie den Christen tatsächlich garantieren wollten. „Wir hoffen, dass durch den Fall Asia Bibi die gemäßigten Kräfte in Pakistan gestärkt werden, was den Christen und anderen Minderheiten hilft“, so Prälat Krämer weiter. „Pakistan ist religionspolitisch für die gesamte Region eines der entscheidenden Länder. Es braucht die Unterstützung des Westens, damit es innenpolitisch nicht durch Fundamentalisten destabilisiert wird“, sagte Prälat Krämer.

 

Wer ist missio?

 

Das Internationale Katholische Missionswerk missio in Deutschland mit seinen Zweigen in Aachen und München gehört zu rund 100 Päpstlichen Missionswerken weltweit. missio Aachen ist eines der großen deutschen Hilfswerke und fördert die katholische Kirche in Afrika, Asien und Ozeanien. 2017 stellt missio Aachen rund 46,2 Millionen Euro für die Projektfinanzierung zur Verfügung. Davon wurden 1.161 Projekte seiner Partner in Afrika, Asien, dem Maghreb und Nahen Osten sowie Ozeanien finanziert. Diese Förderung stärkt die pastorale, soziale und interreligiöse Arbeit, die Infrastruktur sowie die Ausbildung von Laien, Priestern und Ordensleuten der katholischen Kirche in diesen Regionen. Mit ihrer Arbeit erreicht die Kirche dort nicht allein Christen, sondern trägt zur Verbesserung der Lebensumstände der gesamten Gesellschaft bei. In vielen Ländern Afrikas, Asiens und Ozeaniens ist die Kirche oft die einzige Institution, die alle Menschen erreicht, da staatliche Strukturen schwach sind.

 


Islamistische Extremisten schüren Gewalt gegen Christen

Bomben gegen den Frieden

(Göttingen/gfbv) - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat den Terroranschlag islamistischer Extremisten auf die katholische Kathedrale auf der Insel Jolo im Süden der Philippinen verurteilt. "Dies ist ein Anschlag auf den Frieden zwischen Christen und Muslimen auf der Insel Mindanao. Um jeden Preis wollen islamistische Extremisten ihre Rückzugs- und Ausbildungsbasen im Süden der Philippinen verteidigen und scheuen dabei auch nicht vor Gewalt gegen Gläubige zurück. Mit dem Terrorangriff wollen sie ihre Ablehnung einer erweiterten Autonomie für eine muslimische Region im Süden Mindanaos unterstreichen, die in dieser Woche von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung in einer Volksabstimmung angenommen wurde", erklärte der GfbV-Direktor Ulrich Delius am Sonntag in Göttingen. 

Bei einem Doppelanschlag auf die Kathedrale von Jolo während eines Gottesdienstes sind am heutigen Sonntagmorgen mindestens 27 Menschen getötet und 77 Personen verletzt worden. So war zunächst ein Sprengsatz in der Kirche detoniert. Als die Gläubigen aus dem Gotteshaus flohen, wurde ein weiterer Sprengsatz auf einem davor gelegenen Parkplatz gezündet. "Der Doppelanschlag folgte einem zynischen Plan, der anstrebte, möglichst viele Menschen in den Tod zu reißen", erklärte Delius. Unter den Toten sind 20 Zivilisten und sieben Sicherheitskräfte.

Alle christlichen Einrichtungen auf Jolo stehen unter einem besonderen Schutz der Sicherheitskräfte, die alle Besucher von Kirchen vor Betreten des Gotteshauses einer Sicherheitsuntersuchung unterziehen. Die Kathedrale gilt als besonders gefährdet. Im September 2018 hatten die Sicherheitsbehörden einen geplanten Terroranschlag auf das Gebäude verhindern können, weil sie Informationen aus Kreisen der islamistischen Terrorgruppe Abu Sayyaf über einen bevorstehenden Anschlag erhielten. Daraufhin wurde das Gelände um das Gotteshaus für mehrere Wochen großräumig abgesperrt.  

Abu Sayyaf hat bereits mehrfach Terroranschläge auf Kirchen in Jolo verübt. So wurde im August 2012 ein Sprengsatz in einer Kirche gezündet. Im Dezember 2010 starben sechs Gläubige bei einem Anschlag auf eine Kirche in einer Basis der Sicherheitskräfte. Im Juli 2009 waren zwei Menschen getötet worden, als vor der Kathedrale eine Bombe explodierte. Ein weiterer Sprengsatz konnte rechtzeitig entschärft werden.
 
Die Insel Jolo zählt zu dem Bezirk Sulu, in dem die Bevölkerung mehrheitlich sich bei der Volksabstimmung am 21. Januar 2019 gegen die Aufgabe des bewaffneten Kampfes für einen unabhängigen muslimischen Staat im Süden der Insel Mindanao ausgesprochen hat. Sie hat die erweiterte Autonomie der muslimischen Region Bangsamoro abgelehnt, die von einer breiten Mehrheit der Muslime und vielen Christen befürwortet wird. Insgesamt hatten auf Mindanao bei dem Referendum rund 1,7 Millionen Menschen für die erweiterte Autonomie gestimmt, während 250.000 Personen sie ablehnten. Das Autonomie-Projekt gilt damit als gebilligt, sehr zum Unwillen islamistischer Extremisten, die bei einer Befriedung der Region um Ihre Rückzugsgebiete fürchten müssen.



Nordirak: Christen in Bedrängnis

Assyrer/Aramäer/Chaldäer befürchten demographischen Wandel auf ihre Kosten und fordern mehr Mitsprache

 

(Göttingen/gfbv) - Nach der Vertreibung des „Islamischen Staates“ (IS) aus der nordirakischen Provinz Mossul entstehen für die dort lebenden Christen neue Probleme, berichtete die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Donnerstag in Göttingen. „Repräsentanten der Assyrer/Chaldäer/Aramäer befürchten eine schleichende „demographische Veränderung“ auf Kosten ihrer christlichen Volksgruppe, insbesondere in der Ninive-Ebene nördlich und östlich der Stadt Mossul. Dort lassen sich immer mehr Muslime nieder“, sagte der GfbV-Nahostexperte Kamal Sido. „Wenn verhindert werden soll, dass Spannungen zwischen den Volksgruppen zunehmen, dann müssen die irakische Zentralregierung und die Regionalregierung Kurdistan endlich die verwaltungsmäßige Zugehörigkeit dieses und anderer umstrittener Gebiete klären und den dort lebenden Gemeinschaften Mitsprache für die Gestaltung der Zukunft einräumen.“

 

Die Ninive-Ebene ist seit jeher von Christen besiedelt und war eines der letzten Gebiete des Irak, in dem sie in relativer Ruhe und Frieden leben konnten – bis zum IS-Angriff 2014. Die Christen hofften, dort eine eigene autonome Verwaltung aufbauen und so die Abwanderung von Angehörigen ihrer Glaubensgemeinschaft in Richtung Europa aufhalten zu können. Die Zahl der Christen im ganzen Irak ist seit dem Jahr 2015 von 275.000 auf nur noch etwa 150.000 zurückgegangen.

 

Vor allem in der früher nur von Christen bewohnten Ortschaft Bartalla 15 Kilometer östlich von Mossul fühlen sich die Christen von Muslimen bedrängt. Die heute rund 30.000 Einwohner zählende Stadt hatte nach dem Sturz von Saddam Hussein 2003 rund 10.000 vor allem christliche Flüchtlinge aus dem arabischen Irak aufgenommen. Seit 2013 soll in Bartalla ein neues Stadtviertel mit dem Projektnamen „Sultan City“ entstehen. 182 Wohneinheiten sind geplant. Nur Muslime könnten es sich leisten, dort eine sehr teure Wohnung zu erwerben, klagen einheimische Christen, die ihr Vermögen durch den Krieg verloren haben. „Die Christen fordern, dass vor allem christliche Familien dort einziehen, denn die Gebäude würden doch auch auf ihrem Land errichtet, das schließlich immer Christen gehört habe“, sagte Sido. Es gäbe bereits Berichte, dass Grundbücher gefälscht werden, um diese Kritik zurückweisen zu können. Eine Wohnung in der „Sultan City“ soll durchschnittlich rund 75 Millionen irakische Dinar – umgerechnet etwa 55.000 Euro – kosten

 

Rund 80 Prozent der christlichen Einwohner von Bartalla gehören der syrisch-orthodoxen Kirche an, die restlichen 20 Prozent sind syrisch-katholisch. Sie alle sprechen Aramäisch.  In den vergangenen Jahren haben sich in der Stadt auch Angehörige der Shabak-Minderheit angesiedelt. Die Shabak sind mehrheitlich schiitische Muslime und sprechen einen kurdischen Dialekt. Auch die Shabak mussten vor dem IS aus Mossul fliehen. Im gesamten Irak leben heute rund 300.000 von ihnen, die meisten von ihnen in der Provinz Mossul.

 


Friedensgespräche für die Zentralafrikanische Republik in Khartum (24.1.)

Wenig Hoffnung auf dauerhaften Frieden: - 13 Tote bei Überfall von Miliz – Pastor unter den Opfern

 

(Göttingen/gfbv) - Kurz vor Beginn der Friedensgespräche für die Zentralafrikanische Republik sind bei einem Überfall einer Miliz von Peul-Nomaden auf ein Dorf im Westen des Landes 13 Menschen getötet worden, berichtet die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). Eines der Opfer ist ein Pastor. Der Überfall ereignete sich am Sonntag. Die Friedensgespräche zwischen 14 Rebellen-Bewegungen und der zentralafrikanischen Regierung sollen vermittelt von der Afrikanischen Union am Donnerstag in der sudanischen Hauptstadt Khartum beginnen.

 

„Auf keinen Fall darf es eine Amnestie für begangene Verbrechen geben. Denn ohne ein Ende von Straflosigkeit wird es auch keinen dauerhaften Frieden geben“, forderte der GfbV-Delius Ulrich Delius am Mittwoch in Göttingen. Er erinnerte daran, dass erst im November 2018 bei einem Massaker in Alindao rund 100 Menschen getötet wurden, unter ihnen 70 Zivilisten. Bis heute seien die Verantwortlichen für die Gewalt nicht zur Rechenschaft gezogen worden. Das Massaker sei noch nicht einmal umfassend von unabhängiger Seite untersucht worden.

 

„Wir bedauern, dass die Zivilgesellschaft bei der Suche nach Frieden nicht berücksichtigt wird, sondern nur kämpfende Bewegungen am Verhandlungstisch sitzen“, kritisierte Delius. Er sieht unter diesen Umständen keine großen Chancen für einen landesweiten Frieden. „Sieben Friedensabkommen sind seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges im Jahr 2013 gescheitert. Es wäre gut, lokale Bemühungen vor allem der katholischen Kirche und muslimischer Geistlicher zu unterstützen, um die Befriedung des Landes voranzutreiben.“ Bewaffnete Rebellen kontrollieren inzwischen rund 80 Prozent des Staatsgebietes.  

 

Außerdem kritisierte der Menschenrechtler, dass der Sudan sich nur bedingt für Friedensgespräche eigne, weil das Land eines der Hauptlieferanten für Waffen der Rebellenbewegungen in der Zentralafrikanischen Republik sei und sich nicht politisch neutral verhalte. Auch stehe es Russland nahe, dass systematisch versuche, seinen politischen und militärischen Einfluss in der Zentralafrikanischen Republik auszubauen. Rund 300 russische Militärberater bilden die Armee des Landes aus und russische Söldner unterstützen die Regierung im Kampf gegen Rebellen. Russland will so den Einfluss Frankreichs in Zentralafrika mindern und sich den Zugriff auf lukrative Diamanten-Vorkommen sichern.

 


Referendum auf den Philippinen (21.1.2019): Katholische Bischöfe votieren für Autonomie für muslimische Region

Rechte indigener Völker sollen gestärkt werden

 

(Göttingen/gfbv) - Katholische Bischöfe auf den Philippinen hoffen, dass die heutige Volksabstimmung über die Einführung einer umfassenden Autonomie für die überwiegend muslimische Region Bangsamoro zu mehr Frieden und Menschenrechten auf der seit vielen Jahrzehnten umkämpften Insel Mindanao führen wird. Auch die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) sieht in dem Referendum die Chance, nach dem gewaltsamen Tod von mehr als 120.000 Menschen Mindanao endlich zu befrieden und den Terror islamistischer Gruppen einzudämmen. Vor allem begrüßten die Menschenrechtler, dass im Falle einer Autonomielösung auch die Rechte der indigenen Lumad anerkannt werden sollen. Sie leiden besonders unter der Gewalt und Übergriffen von Soldaten, Milizen und bewaffneten Rebellen.  

 

Rund drei Millionen Menschen in Bangsamoro sind heute dazu aufgerufen, sich in einer Volksabstimmung für oder gegen eine erweiterte Autonomie auszusprechen. Sollte die Mehrheit dafür stimmen, wird die Region eine Selbstverwaltung, ein eigenes Parlament und eine eigene Provinzregierung erhalten. Nur die Sicherheit und Verteidigung blieben in den Händen der philippinischen Regierung. Allseits wird mit einer breiten Zustimmung der Bevölkerung zu der Autonomie gerechnet.

 

Die Organisation der Katholischen Kirchenführer Mindanaos für Frieden (MCCLP), der 15 Bischöfe und Rektoren katholischer Universitäten angehören, haben die Bevölkerung dazu aufgerufen, die Autonomie zu unterstützen und gemeinsam mit Muslimen und den indigenen Lumad den Frieden auf der Insel zu stärken. In keiner anderen Region Asiens sterben so viele Indigene, die sich für die Wahrung ihrer Rechte einsetzen. So werden ihre Schulen im Antiterror-Kampf von Soldaten zerstört, Lehrer erschossen und indigene Repräsentanten verschleppt und ermordet.

 

Wenn sie Bangsamoro Autonomie bekommt, wollen die bewaffneten muslimischen Gruppen ihren Kampf für staatliche Unabhängigkeit auf Mindanao aufgeben. Er hat unsägliches Leid über die Zivilbevölkerung gebracht. „Mindanao wurde in den vergangenen Jahren aber auch zum Rückzugs- oder Ausbildungsort islamistischer Terroristen, die sich Gruppen des Islamischen Staates in Asien oder Afrika angeschlossen haben“, berichtete der GfbV-Direktor Ulrich Delius. Eine breitere Autonomie und Entwaffnung der bis zu 40.000 Kämpfer islamischer Bewegungen würde daher nicht nur Mindanano mehr Frieden bringen.

 


SOS-Kinderdörfer weiten Hilfe beträchtlich aus

Flüchtlinge im Irak: "Sie sind den IS-Gräueltaten entkommen, aber das Trauma bleibt"

 

(München/sos) - Kämpfe, Explosionen, physische und psychische Folter und die ständige Angst ums eigene Leben: Die jahrelangen Machenschaften des IS im Irak haben bei den Opfern schlimme Spuren hinterlassen. Rund 2,1 Millionen Menschen sind aus ehemaligen IS-Hochburgen wie Mossul geflohen, 1,5 Millionen dieser intern Vertriebenen leben momentan in der Region Kurdistan. "Die meisten sind schwer traumatisiert. Sie benötigen dringend psychosoziale Hilfe. Alleine können sie die schlimmen Erlebnisse der letzten Jahre nicht verarbeiten", sagt Bashir Said, Projektleiter der SOS-Kinderdörfer im Irak. "Die Diskrepanz zwischen den zur Verfügung stehenden Psychologen und der Anzahl derjenigen, die hier gebraucht werden, ist riesig."

 

Außerdem benötigten die Kinder unbedingt besseren Schutz sowie die Möglichkeit, zur Schule zu gehen. In den Flüchtlingscamps werde bereits in Schichten unterrichtet, um möglichst vielen Kindern und Jugendlichen Bildung zu bieten, doch dadurch verkürze sich die Anzahl der Schulstunden. "Ursprünglich waren die Camps lediglich als Übergangslösungen von maximal einem Jahr vorgesehen. Aber die Menschen haben Angst zurückzukehren. Angst davor, was sie in ihrem vorherigen Zuhause erwartet beziehungsweise, was es dort nicht mehr gibt. Der IS gilt zwar offiziell als besiegt, doch noch immer kommt es zu Anschlägen. Deshalb möchten die Menschen nicht zurückkehren", sagt Said.

 

Die SOS-Kinderdörfer haben seit 2016 über 10.000 Menschen - hauptsächlich Jesiden - in Dohuk geholfen. Seit einigen Wochen unterstützt die Hilfsorganisation zusätzlich auch arabische Kinder und Familien an einem weiteren Standort im Gouvernement Erbil im Nordosten des Iraks. Die meisten von ihnen sind aus Mossul geflohen.

 

In den SOS-Camps hilft das Hilfswerk rund 1.400 Kindern zwischen acht und 18 Jahren sowie 800 Eltern und Betreuern in den kommenden zwei Jahren durch sogenannte "Teaching Recovery Techniques" (TRT). "Die TRT-Sitzungen helfen den Kindern, mit ihren traumatischen Erfahrungen umzugehen. Wir sind die einzige NGO im Irak, die diese Hilfe anbietet," erzählt Said. Zudem gibt es Projekte und Hilfsmaßnahmen für Jugendliche, Eltern, Lehrer und Betreuer. Diese Herangehensweise sei sehr wichtig, um der dringenden Notwendigkeit, die vielen Menschen psychosozial bestmöglich zu betreuen, nachzukommen.


FMNR als “Best Practice“ ausgezeichnet

Preis des World Future Council für Wiederaufforstungsmethode

 

(Friedrichsdorf/Hamburg/wv) – Die Hamburger Stiftung World Future Council hat den World-Vision-Mitarbeiter Tony Rinaudo mit dem Preis für „outstanding practice“ im Bereich ökologische Landwirtschaft ausgezeichnet. Damit erhält der Träger des alternativen Nobelpreises eine weitere wichtige Auszeichnung für seine Wiederaufforstungsmethode FMNR.

„Ich bin sehr glücklich über diese Auszeichnung, erklärte Tony Rinaudo. „Denn damit hat der World Future Council die FMNR-Methode als ein weltweit einsetzbares und gut funktionierendes Instrument zur Wiederaufforstung anerkannt. Ich hoffe, dass FMNR sich jetzt noch breiter durchsetzt.“

 

FMNR (Farmer Managed Natural Regeneration) ist eine Methode zur Renaturierung verödeter Landschaften, bei der unter der Erde verborgene Wurzeln ehemals gerodeter Bäume genutzt werden, um neuen Bewuchs zu fördern. Die Bäume sorgen so für den Erhalt von Böden und bessere Bedingungen für Land- und Forstwirtschaft.

 

 

Der Preis wurde in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben und soll künftig jährlich verliehen werden. Gründer des World Future Council ist Jakob von Uexküll, der auch den Right Livelihood Award („Alternativer Nobelpreis“) ins Leben gerufen hat.

 

 

Weitere Informationen zu FMNR: https://www.worldvision.de/aktuell/2018/09/20/fmnr

 

Weitere Informationen zum WFC: https://www.worldfuturecouncil.org/de/

 


Saudi-Arabien setzt sudanesische Kinder ein

Kindersoldaten im Jemen: Kanonenfutter für die Front

 

(München/sos) - Die saudi-arabische Armee setzt nach Angaben der SOS-Kinderdörfer weltweit Jungen und Mädchen aus dem Sudan im Jemen als Kindersoldaten ein. "Sie werden als Soldaten an die Front in einem fremden Land geschickt, viele sind bereits gestorben", sagt Abdelrahman Mubarak, Leiter der Hilfsorganisation im Sudan.

 

 

 

Laut der SOS-Kinderdörfer werden die Kinder erst von der sudanesischen paramilitärischen Gruppe RSF (Rapid Sudanese Forces) im Auftrag der Regierung rekrutiert und dann von Saudi-Arabien im Bürgerkrieg im Jemen eingesetzt. "Die Familien der Kinder kommen alle aus der Darfur-Region und leben in bitterer Armut, da sind die Eltern leicht zu ködern", sagt Mubarak. "Ihnen wird viel Geld versprochen, damit sie ihre Kinder als Soldaten verkaufen." Etliche Kinder und Jugendliche seien zudem von der der RSF gekidnappt worden und hätten bereits im sudanesischen Bürgerkrieg gekämpft.

 

Im Jemen erwarte die sudanesischen Kinder und Jugendlichen eine grausame Realität. "Es ist kein Geheimnis, dass vor allem die sudanesischen Soldaten an vorderster Front eingesetzt werden", sagt Mubarak. Von den Kämpfern aus Saudi-Arabien würden sie beschimpft und oft nicht einmal bezahlt.

 

Nach Angaben der Hilfsorganisation starben seit 2014 in dem Bürgerkrieg mehr als 2000 sudanesische Kämpfer, darunter viele Kinder. Damit stürben in dem Konflikt bis zu viermal so viele

 

sudanesische Söldner als Soldaten aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, die auch Teil der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition im Jemen sind.

 

 

 

Die SOS-Kinderdörfer erinnern daran, dass das Völkerrecht die Rekrutierung von Kindern in bewaffneten Konflikten strikt verbietet. Die Anwerbung von Kindern sei nicht nur moralisch verwerflich, sondern sogar ein Kriegsverbrechen.

 

 

 

Die Hilfsorganisation ist seit Mitte der 70er-Jahre im Sudan aktiv und unterstützt Kinder und Familien in Not immer wieder unter schwierigsten Bedingungen.

 

 

 


Landesbischof Ulrich: „Menschen kämpfen für eine Zukunftsperspektive“

Nordkirche unterstützt den Nordirak mit 80.000 Euro Winternothilfe

(Hamburg/Schwerin/ce) - Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) will mit rund 80.000 Euro Winternothilfe Binnenflüchtlinge im Nordirak mit Kerosinheizungen, Solarlampen und Bodenbelägen unterstützen. Auch die Schulen der Region sollen mit Heizmaterial versorgt werden, damit bis Ende März der Unterricht für mehrere tausend Flüchtlingskinder bei Temperaturen von bis zu minus 12 Grad Celsius aufrechterhalten werden kann. Die meisten Wohnhäuser der vor der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in die Ninive-Ebene  geflohenen Menschen seien noch immer weitgehend zerstört, berichtet Hanna Lehming, Mittelostreferentin im Zentrum für Mission und Ökumene in der Nordkirche. Im vergangenen Sommer bereiste sie die Region und konnte sich vor Ort ein Bild vom Ausmaß der Zerstörung machen. „Viele Flüchtlinge leben noch immer in Lagern, Blechhütten und sogar Zelten. Selbst Familien, die in feste Rohbauten zurückkehren konnten, müssen ohne Heizung, Bodenbeläge oder Licht auskommen“, so Lehming. 

 

Die von der Nordkirche zur Verfügung gestellte Winternothilfe soll rund 500 Familien, überwiegend Christen, aber auch Eziden (Jesiden), Turkmenen und Angehörigen anderer Minderheiten zugutekommen. Weiterhin werden 140 Schulen und Gemeindezentren beliefert, in denen Flüchtlingskinder unterrichtet und fortgebildet werden.

 

Gerhard Ulrich, Landesbischof der Nordkirche: „Die Situation der Flüchtlinge im Nordirak ist nach wie vor äußerst bedrückend. Die Menschen kämpfen um ihr Überleben und für eine Zukunftsperspektive in ihrer zerstörten Heimat. Sie sind dringend auf unsere Unterstützung angewiesen.“

 

Insgesamt leben im Nordirak etwa 450.000 Binnenflüchtlinge. Die meisten von ihnen flohen im Sommer 2014, als der IS begann, systematisch Christen, Eziden und andere Minderheiten zu vertreiben. Die Nordkirche wird im Nordirak die lokale Hilfsorganisation CAPNI (Christian Aid Program Northern Iraq) unterstützen, mit der auch der Lutherische Weltbund zusammenarbeitet. Die Organisation ist in Irakisch-Kurdistan sehr bekannt, geschätzt und gut vernetzt. Sie arbeitet hochprofessionell und gleichzeitig konkret an den Menschen orientiert“, erläutert Hanna Lehming. Die Nothilfe wird aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes der Nordkirche zur Verfügung gestellt.

 

Weitere Spenden werden dringend erbeten: