Politik

17.11.2018


3,4 Millionen Kinder und Jugendliche sind von Armut betroffen

Mythos vs. Fakt: Monitor Jugendarmut 2018

(Düsseldorf / Gelsenkirchen/bag-kjs), 16. November 2018 – Rund ein Viertel aller Armutsgefährdeten in Deutschland ist jünger als 25 Jahre. Doch Jugendliche haben keine Lobby. Sie machen etwa zwölf Prozent der Bevölkerung in Deutschland aus und können ihre Interessen nur schwer durchsetzen. Das ist dem aktuellen „Monitor Jugendarmut in Deutschland 2018“, heraus­gegeben von der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) e.V., zu entnehmen. Dieser wurde heute der Öffentlichkeit vorgestellt.

Der Monitor Jugendarmut ist eine Auswertung aktueller Statistiken und Studien über junge Menschen zwischen 14 und 27 Jahren. Die BAG KJS gibt ihn zum fünften Mal heraus. Damit möchte sie auf das Recht Jugendlicher und junger Menschen aufmerksam machen, ihr Leben frei gestalten zu können. Im Fokus des aktuellen Monitors steht die wachsende Ungleichheit unter Jugendlichen in Deutsch­land. „Man muss davon ausgehen, dass es neben den offiziellen Zahlen noch eine erhebliche Dunkelziffer gibt. Insgesamt sprechen wir dann über mehr als 4,4 Millionen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die von Armut betroffen sind“, so Stefan Ewers, stell­vertretender Vorsitzender der BAG KJS. Er erklärt weiter: „Viele Leistungen helfen nicht aus der Armut heraus oder werden gar nicht erst wahrgenommen, weil Informationen fehlen oder schlicht der Aufwand der Beantragung zu hoch ist.“ Hinzu kommt, dass junge Menschen unter 25 Jahren nach dem SGB II besonders hart sank­tioniert werden, zum Beispiel bei Meldeversäumnissen. Den Betrof­fenen fehlen dann jegliche finanzielle Mittel.

Vorurteile ausräumen – Jugendarmut ernst nehmen

Die Öffentlichkeit und Politik verschließen beim Thema Jugendarmut ihre Augen vor einem Problem, das immer gravierender wird. Um dies zu verdeutlichen, stellt der aktuelle Monitor Jugendarmut ver­schiedenen „Mythen“ eindeutige Fakten gegenüber: Fakt ist, dass 3,4 Millionen junge Menschen in Deutschland armutsgefährdet sind. Der Mythos „Jugendarmut gibt es in Deutschland nicht“ stimmt also nicht.

Fakten schaffen – Jugendarmut verhindern

Ziel der Jugendsozialarbeit in katholischer Trägerschaft ist es, Jugendarmut zu verhindern. Dafür müssen noch viele Voraus­setzungen geschaffen werden.

Deshalb fordert die BAG KJS:

 

  • eine Sozial- und Jugendpolitik, die allen Jugendlichen „Jugend ermöglicht“ und ihnen einen guten Weg in das Erwachsenenleben ebnet
  • verschärfte Sanktionen für Jugendliche im SGB II aufheben
  • faktisches Auszugsverbot für Jugendliche im SGB II aufheben
  • soziokulturelle Teilhabe von Kindern und Jugendlichen unabhängig vom Einkommen der Eltern fördern und sichern
  • kohärente Förderung und Hilfen aus einer Hand für Familien, Kinder und Jugendliche weiterentwickeln
  • junge Menschen im Rahmen der Jugendhilfe über das 18. Lebensjahr hinaus unterstützen und begleiten
  • Recht auf Ausbildung gesetzlich verankern und im Rahmen einer verbindlichen Ausbildungsgarantie umsetzen
  • Ausbildungsvergütung muss angemessen sein, Ausbildung darf nicht in Armut enden
  • Stärkung der Jugendsozialarbeit
  • neue europäische Jugendstrategie aller Mitgliedsstaaten, die auf eine echte Teilhabe, gute Bildung und Jugendarbeit zielt
  • handlungsfeldübergreifende Hilfen für Kinder und Jugendliche, die präventiv im Sozialraum wirken
  • dass präventive und kurative Gesundheitsleistungen für Jugendliche wie bei Kindern kostenfrei sind

 

Die BAG KJS versteht sich als Anwalt für sozial benachteiligte und/oder individuell beeinträchtigte junge Menschen, zu denen auch die von Armut bedrohten oder betroffenen gehören. Sie macht auf ihre Situation aufmerksam, weist auf Ungerechtigkeit hin und unterbreitet konkrete Vorschläge, was geändert werden muss, um Jugendarmut zu verhindern. In den Einrichtungen der Katholischen Jugendsozialarbeit erfahren junge Menschen Aufmerksamkeit, Zuwendung und aktive Unterstützung.  

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Weiterführende Informationen unter:
 

 

 

 

 


Staatsministerin Schreyer verleiht Ehrenamtsnachweis an Frauenbund-Vorstandsfrau

Sabine Slawik für Engagement im KDFB ausgezeichnet

Sabine Slawik (links) erhielt den Ehrenamtsnachweis von Staatsministerin Kerstin Schreyer. Foto: Freie Wohlfahrtspflege Bayern
Sabine Slawik (links) erhielt den Ehrenamtsnachweis von Staatsministerin Kerstin Schreyer. Foto: Freie Wohlfahrtspflege Bayern

 

 

(München/kdfb) - In einem feierlichen Festakt im Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales zeichnete Staatsministerin Kerstin Schreyer gestern, Donnerstag, die stellvertretende Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes Landesverband Bayern (KDFB), Sabine Slawik, aus Augsburg mit dem bayerischen Ehrenamtsnachweis aus. „Sabine Slawik ist Frauenbund-Frau durch und durch: engagiert, leidenschaftlich, klug und immer mit ganzem Herzen im Einsatz für Frauen und ihre Belange“, würdigte die bayerische Sozialministerin Sabine Slawiks langjähriges Engagement für den Frauenbund.

 

Auch KDFB-Vorsitzende Emilia Müller freut sich über die hohe Auszeichnung für ihre Vorstandskollegin: „Sabine Slawik ist nicht nur auf allen Ebenen unseres großen Verbandes eine geschätzte Ansprechpartnerin, sondern auch in Politik und Kirche bestens vernetzt. Sie versteht es, mit Leidenschaft andere für die Sache des Frauenbunds zu begeistern und zu gewinnen. Dabei macht ihr Engagement vor Landesgrenzen oder gar Kontinenten keineswegs halt: Ihr Einsatz für eine nachhaltige Entwicklungs- und Migrationspolitik, für Bildungsgerechtigkeit und Frauensolidarität findet in Augsburg, Bayern und Deutschland genauso statt wie in Burkina Faso oder Indien.

 

Sabine Slawik engagiert sich seit vielen Jahren im Frauenbund, unter anderem im KDFB-Diözesanverband Augsburg. Seit 2014 bekleidet sie das Amt der stellvertretenden Vorsitzenden im KDFB Landesverband Bayern und wurde im Juni 2018 mit hoher Stimmenzahl in diesem Amt bestätigt. In diesem Jahr kam das Amt der stellvertretenden Vorsitzenden des Bildungswerks des KDFB hinzu.

 

„Sabine Slawik lebt und liebt das Ehrenamt. Sie ist Frauenbund-Frau durch und durch und ein überzeugendes Beispiel dafür, welch große Bereicherung die Übernahme eines Ehrenamts darstellt. Damit leistet sie nicht nur für uns im Frauenbund, sondern für unsere Gesellschaft als Ganzes einen unermesslich wichtigen Beitrag“, so die Vorsitzende des KDFB Bayern Emilia Müller.

 

Sabine Slawik vertritt den Frauenbund bayern-, bundes- und europaweit auch in vielen frauen- und kirchenpolitischen Gremien und ist im KDFB-Bundesverband eine der fünf gewählten Vize-Präsidentinnen.

 

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) Landesverband Bayern setzt sich seit seiner Gründung 1911 für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Politik, Kirche und Gesellschaft ein. Mit 165.000 Mitgliedern ist er der größte Frauenverband in Bayern. Der Ehrenamtsnachweis Bayern entstand mit auf Anregung des KDFB Landesverband Bayern. Er wird vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales unterstützt sowie von der vbw-Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft anerkannt.

 


Neuer Report von Brot für die Welt: Durch Lithiumabbau droht eine ganze Region in Südamerika auszutrocknen

E-Mobilität nicht um jeden Preis

 

Lithium * Elektro-Autos * E-Mobilität * Bundeswirtschaftsminister Altmaier  

 

 

 

(Berlin/bfw) - Bundeswirtschaftsminister Altmaier hat angekündigt, dass die Bundesregierung die Fertigung von Lithium-Ionen-Batterien für Elektro-Autos in Deutschland mit Milliardeninvestitionen fördern wird. Lithium ist eine Schlüsselkomponente der Batterien. Brot für die Welt hat die Folgen des Lithiumabbaus für die  Bevölkerung in Bolivien, Chile und Argentinien untersucht: Der Grundwasserspiegel in dem sogenannten Lithiumdreieck sinkt, die Vegetation vertrocknet, Böden versalzen und endemische Vogelarten wie Flamingos sterben aus. Die Region ist seit Jahrhunderten Heimat indigener Gemeinschaften. Maren Leifker, Menschenrechtsreferentin bei Brot für die Welt, sagt: „Es ist wenig gewonnen, wenn in Südamerika der Lebensraum indigener Gemeinschaften zerstört wird, damit wir hier saubere Autos fahren können. Die Verkehrswende darf sich nicht auf den Austausch des Antriebs beschränken, wir müssen auch die Anzahl der Autos verringern.“

 

 

 

Das sogenannte Lithiumdreieck zählt zu den trockensten Regionen der Welt. Rund zwei Millionen Liter Wasser werden gebraucht, um eine Tonne Lithium herzustellen. Zur Gewinnung des Leichtmetalls werden im Salzsee riesige Betonbecken installiert, in die das lithiumhaltige Wasser gepumpt wird und verdunstet. Am chilenischen Atacama-Salzsee wird Lithium schon seit 1984 abgebaut. Die traditionelle Lebensweise der Indigenen, geprägt durch Land-, Viehwirtschaft und Salzgewinnung, ist durch den Lithiumabbau bedroht. Weil die indigenen Gemeinden zudem weder informiert noch angemessen an den Gewinnen beteiligt werden, gibt es zahlreiche Konflikte. Maren Leifker: „Der Lithiumbedarf sollte künftig vermehrt über Recycling abgedeckt werden. Deutsche Batterieproduzenten sollten Lithium zudem nur von Minen beziehen, die beim Abbau auf möglichst umwelt- und sozialverträgliche Verfahren achten.“

 

 

 

Mehr Elektromobilität zur Erreichung der Klimaziele ist das erklärte Ziel der Bundesregierung. Der Akku eines Elektro-Autos enthält bis zu 40 Kilogramm Lithium. Der Ausbau der Elektromobilität ist damit verantwortlich für den rasanten Anstieg des weltweiten Lithiumbedarfs, der sich in den letzten 20 Jahren verdreifacht hat und sich Prognosen zufolge bis 2025 noch einmal verdoppeln wird. In Deutschland bildet sich derzeit ein Industriekonsortium unter Beteiligung von VARTA Microbattery.

 

 

 

Brot für die Welt setzt sich für die Verantwortung deutscher Unternehmen entlang der gesamten Lieferkette ein.

 

 

 

Brot für die Welt (Herausgeber), „Das weiße Gold – Umwelt- und Sozialkonflikte um den Zukunftsrohstoff Lithium“, 32 Seiten, zu beziehen über Shop: www.brot-fuer-die-welt.de/shop oder vertrieb@brot-fuer-die-welt.de

 

 

 

Kurzzusammenfassung:

 

https://info.brot-fuer-die-welt.de/blog/lithium-weisse-gold

 

 

 


Lohngerechtigkeit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleiben im Fokus des KDFB

Frauenbund setzt hohe Erwartungen in neues Kabinett

Die Vorsitzende des größten bayerischen Frauenverbandes, des Katholischen Deutschen Frauenbundes Landesverband Bayern, bewertet die Regierungsbildung in Bayern. Foto: KDFB, Angelika Bardehle
Die Vorsitzende des größten bayerischen Frauenverbandes, des Katholischen Deutschen Frauenbundes Landesverband Bayern, bewertet die Regierungsbildung in Bayern. Foto: KDFB, Angelika Bardehle

(München/kdfb) – „100 Jahre nach Einführung der Frauenwahlrechts bleiben frauenpolitische Forderungen weiter bestehen. Demokratie, Gleichberechtigung und gesellschaftliche Veränderungen sind nur mit Beteiligung von Frauen möglich. Die Anliegen von Frauen müssen berücksichtigt, gleichstellungspolitische Erfolge verteidigt werden. Wir zählen insbesondere auf Verbesserungen in Sachen Lohngerechtigkeit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, fasst die Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes Landesverband Bayern (KDFB) ihre Erwartungen an die neue bayerische Staatsregierung zusammen.

 

Die Vorsitzende des KDFB in Bayern wünscht dem neuen Kabinett viel Energie und Tatkraft für die kommende Amtsperiode: „Zentrale Ziele im schwarz-orangen Koalitionsvertrag wie die Unterstützung von Alleinerziehenden, der Einsatz für Familien und die Stärkung einer familienfreundlichen Arbeitswelt begrüßen wir als Frauenbund ganz ausdrücklich.“

 

Der Weg zu echter Gleichstellung führe über dringend notwendige Verbesserungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sei damit aber noch lange nicht am Ende: „Wir hoffen auf tatkräftige Unterstützung des bayerischen Kabinetts. Hier liegt der Frauenanteil mit 35 Prozent merklich über dem enttäuschenden Frauenanteil von knapp 27 Prozent im Landtag“, so die KDFB-Vorsitzende. „Das Bekenntnis der neuen Koalition zu Lohngerechtigkeit und Familienfreundlichkeit ist ein wichtiges Signal, das wir in den kommenden fünf Jahren fest im Blick behalten werden“, macht Emilia Müller deutlich.

 

„Wir fordern echte Teilhabe und Mitgestaltungsmöglichkeiten für Frauen in der Politik“, betont die KDFB-Landesvorsitzende. „Deshalb sehen wir es als wichtige Aufgabe des Frauenbunds, Frauen noch stärker zu ermutigen und dabei zu unterstützen, für politische Ämter zu kandidieren und politische Gestaltungsmacht einzufordern“, so die Vorsitzende. Die aktuellen Entwicklungen aber zeigten: „Weitere Maßnahmen wie Quoten oder ein Paritätsgesetz sind notwendig, um eine gerechte politische Vertretung von Frauen und Männern in unseren Parlamenten und allen politischen Gremien zu garantieren.“

 

Seit seiner Gründung 1911 setzt sich der KDFB Landesverband Bayern e.V. für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Politik, Kirche und Gesellschaft ein. Er ist mit 165.000 Mitgliedern der größte Frauenverband Bayerns.

 


Wir sind noch nicht am Ziel!“

 

(Köln/kdfb) – „Die Einführung des Frauenwahlrechts am 12. November 1918 war ein Signal für Frauen, sich politisch für ihre Rechte und Interessen zu engagieren. Mit ihrer Beteiligung an der ersten freien Wahl am 19. Januar 1919 machten sie deutlich: Demokratie, Gleichberechtigung und gesellschaftliche Veränderungen sind nur mit Frauen möglich“, erklärt Maria Flachsbarth, Präsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes e.V. (KDFB).

 

 

 

Mit Blick auf den heutigen 100. Jahrestag stellt der KDFB fest, dass sich die frauenpolitischen Themen von 1918 bis in die Gegenwart ziehen: gleicher und gerechter Lohn für Frauen und Männer, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Aufwertung der sozialen Berufe, Schutz vor Gewalt, Alterssicherung von Frauen. „Wir haben schon viel erreicht, aber wir sind noch nicht am Ziel, trotz Gleichberechtigungsgesetz. Den mutigen Frauen von damals haben wir viel zu verdanken, denn sie haben Wege für ihre gleichberechtigte Teilhabe in allen Lebensbereichen geebnet. Dieses Vermächtnis führt der KDFB selbstbewusst und zielgerichtet fort“, so Flachsbarth.

 

 

 

Bereits vor 1918 setzte sich der KDFB, der 1903 aus der Frauenbewegung entstand, mit dem Frauenwahlrecht auseinander. Er betrieb eine gründliche staatsbürgerliche Bildungsarbeit und setzte sich zum Ziel, der sozialen Benachteiligung von Frauen entgegenzuwirken und ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Der Verband rief seine Mitglieder auf, sich am 19. Januar 1919 an der Wahl zur Nationalversammlung zu beteiligen und sich auch selbst zur Wahl zu stellen. Zu den 37 gewählten Frauen gehörten die KDFB-Frauen Hedwig Dransfeld, Helene Weber, Christine Teusch, Agnes Neuhaus, Maria Schmitz und Marie Zettler.

 

 

 

„Wir zollen jenen Frauen unseren Respekt, die in einer Zeit des politischen Neuanfangs und der gesellschaftlichen Umbrüche ihre Stimme für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung erhoben. Sie sind Vorbild für die Übernahme von Verantwortung und Stärkung der Demokratie“, erklärt die KDFB-Präsidentin. Vor ihnen, aber auch vor allen Frauen, die aus Überzeugung politisch denken und handeln, zieht der KDFB sprichwörtlich den Hut und lädt am 19. Januar 2019 zur Beteiligung an der Aktion „Wir ziehen den Hut“ ein.

 

 

 

 

 

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) ist ein unabhängiger Frauenverband mit bundesweit 180.000 Mitgliedern. Seit der Gründung 1903 setzt er sich für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Politik, Gesellschaft und Kirche ein.

 


Bessere Arbeitsbedingungen und gerechte Bezahlung für Pflegefachkräfte schaffen und sicherstellen

 

(Köln/kdfb) – Der Katholische Deutsche Frauenbund e.V. (KDFB) begrüßt das heute verabschiedete Gesetz zur Stärkung des Pflegepersonals und fordert alle politisch Verantwortlichen zu einer zeitnahen zielgruppengerechten Umsetzung der beschlossenen Vorhaben auf.

 

„Wir halten die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen für pflegende Angehörige sowie für Pflegefachkräfte für unbedingt erforderlich. Mit Blick auf die Gruppe der pflegenden Fachkräfte ist dem KDFB die monetäre Aufwertung der Pflegeberufe ebenso wichtig wie eine bessere Ausgestaltung des pflegerischen Arbeitsalltags in der Kranken- und Altenpflege“, stellt KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth fest. Dringend geboten seien praxistaugliche Regelungen für eine verbindliche Personalbemessung in der stationären Alten- und Krankenpflege sowie die Festlegung der Personaluntergrenzen, so Flachsbarth. Dazu gehört auch die unbedingte Sicherstellung von ausreichenden Ausbildungsplätzen.

 

Der KDFB macht sich seit langem für verbesserte Rahmenbedingungen und Entlastungsstrukturen für die Gesamtheit der in der Pflege Tätigen stark. Elementare Verbesserungen sind nicht nur für diese überaus geforderte Berufsgruppe, die eine ausgesprochen hohe Verantwortung trägt, wichtig. Sie kommt auch der Pflegesituation insgesamt und damit all jenen, die professioneller Pflege bedürfen, zugute.

 

Die Bundesdelegiertenversammlung des KDFB hatte sich am 21.10.2018 mit besseren Arbeitsbedingungen und der gerechten Bezahlung für Pflegefachkräfte auseinandergesetzt. Sie bewertet es u.a. als wichtiges Signal, dass im Rahmen der „Konzertierten Aktion Pflege“ der Bundesregierung Arbeitsgruppen zu den Bereichen „Qualifizierung und Pflege“ sowie zu „Entlohnungsbedingungen in der Pflege“ gebildet werden.

 

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) ist ein unabhängiger Frauenverband mit bundesweit 180.000 Mitgliedern. Seit der Gründung 1903 setzt er sich für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Politik, Gesellschaft und Kirche ein.

 


KDFB begrüßt Rentenpaket

 

(Köln/kdfb) – Der Katholische Deutsche Frauenbund e.V. (KDFB) begrüßt das vom Bundestag heute beschlossene Gesetz über Leistungsverbesserungen und die Stabilisierung der gesetzlichen Rentenversicherung. „Als Verband von Frauen aller Generationen begrüßen wir in dem verabschiedeten Rentenpaket besonders die Ausweitung der Mütterrente. Dies ist ein wichtiger Schritt zu mehr Rentengerechtigkeit“, erklärt KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth.

Der KDFB engagiert sich seit vielen Jahren für eine generationengerechte Alterssicherung und den Abbau des erhöhten Altersarmutsrisikos für Frauen. Die bessere Anerkennung der Lebensleistung älterer Frauengenerationen ist dabei ein wichtiges Anliegen, um der drohenden Altersarmut entgegenzuwirken.

 

„Die heute beschlossene Regelung, Erziehungsleistungen für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, mit zweieinhalb Entgeltpunkten in der gesetzlichen Rentenversicherung anzuerkennen, ist ein bedeutender Schritt auf dem Weg zur Gleichstellung aller Mütter“, so Flachsbarth. Die Präsidentin weist darauf hin, dass sich der KDFB weiterhin für eine tatsächliche Gleichbehandlung bei der Anerkennung von Erziehungszeiten einsetzen und den ausstehenden halben Entgeltpunkt pro Kind bei der Rentenberechnung weiter einfordern wird. Der KDFB fordert zudem, dass die sog. Mütterrente nicht auf die Leistungen aus dem Grundsicherungsbezug im Alter angerechnet wird.

 

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) ist ein unabhängiger Frauenverband mit bundesweit 180.000 Mitgliedern. Seit der Gründung 1903 setzt er sich für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Politik, Gesellschaft und Kirche ein.

 


Am 14. November 2018 in der Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke"

Letzter kostenfreier Beratungstermin für Opfer politischer Verfolung durch das SED-Regime vor der Winterpause

 

(Dresden/pm) - Am Mittwoch, den 14. November 2018, können sich Menschen, die Opfer politischer Verfolgung in der DDR geworden sind, wieder von 11.00 bis 14.00 Uhr kostenfrei in der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ von einem geschulten Mitarbeiter des Landesverbandes Sachsen der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) über Rehabilitierungsmöglichkeiten und Wiedergutmachungsleistungen beraten lassen. Um Voranmeldung wird gebeten. 

 

 

 

Das Bürgerkomitee Leipzig e.V. als Träger der Gedenkstätte Museum in der „Runde“ versucht mit seiner Arbeit nicht nur die Erinnerungen an das Unrechtsregime in der DDR wach zu halten und den Tendenzen der Ostalgie entgegenzuwirken, sondern sowohl ihrer Opfer zu gedenken als auch Menschen, die durch die kommunistische Diktatur verfolgt worden sind, zu helfen. Seit vielen Jahren berät das Bürgerkomitee bei Fragen zur Rehabilitierung und Wiedergutmachung und stellt für Hilfesuchende Kontakte zu zuständigen Behörden oder Beratungsstellen her. Insbesondere Zeitzeugen und Betroffene kommen oft nach Ausstellungsbesuchen auf die Gedenkstättenmitarbeiter zu.

 

 

 

Diesen wichtigen Teil der Vermittlungsarbeit hat das Bürgerkomitee Leipzig e.V. seit der über einem Jahr bestehenden Kooperation mit dem Landesverband Sachsen der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) ausgebaut und bietet seitdem regelmäßig ein Beratungsangebot an. Für die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ ist es wichtig, am authentischen Ort ein Beratungs- und Unterstützungsangebot für „Verfolgte“ der sowjetischen Besatzungsmacht der SED oder der Stasi und gegebenenfalls auch für deren Angehörige anzubieten, denn gleichermaßen werden auf diese Weise auch wichtige Zeitzeugnisse und persönliche Geschichten bekannt, die ggf. für die künftige Arbeit der Gedenkstätte von Bedeutung sein können.

 

 

 

Anmeldung für den Beratungstermin am 14. November 2018 noch möglich

 

 

 

Konkrete Themen, über die Hilfesuchende Rat einholen können, sind beispielsweise die verwaltungsrechtliche Rehabilitierung, die Wiedergutmachung von Gesundheitsschäden, von Vermögensschäden oder von beruflichen Benachteiligungen. Bei der beruflichen Rehabilitierung geht es insbesondere um die Wiedergutmachung von beruflichen Benachteiligungen aufgrund einer Freiheitsentziehung, einer rechtsstaatswidrigen Verwaltungsmaßnahme oder einer anderen politisch motivierten Maßnahme sowie um die Anerkennung als verfolgter Schüler. Des Weiteren kann der VOS-Mitarbeiter Hinweise zu strafrechtlichen Rehabilitierungsverfahren geben, unter anderem zum Antrag, zu Verfahren, zum Rechtsweg, oder hilfreiche Anschriften nennen. Hierbei geht es um die Aufhebung rechtsstaatswidriger Verurteilungen durch DDR-Gerichte. Bis zum 31. Dezember 2019 können Opfer politischer Verfolgung durch das SED-Regime ihre Ansprüche aktuell geltend machen.

 

 

 

Der nächste Beratungstermin findet am Mittwoch, den 14. November 2018, von 11.00 bis 14.00 Uhr in den Räumen der Gedenkstätte statt. Im Winter pausiert das Beratungsangebot. Um Voranmeldung zu den Beratungsgesprächen wird gebeten. Hierzu wenden sich Hilfesuchende an den VOS-Landesvorsitzenden Frank Nemetz entweder per Telefon (0175-1676838) oder E-Mail (f.nemetz@vos-ev.de). Am Beratungstag melden sich Ratsuchende im Ausstellungsbüro der Gedenkstätte.

 

 

 


Brot für die Welt zum UN-Migrationspakt

Anlässlich der heutigen Debatte im Deutschen Bundestag über den Globalen Pakt für sichere, geordnete und reguläre Migration kommentiert Brot für die Welt

 

Migration * UN-Migrationspakt * Global Compact * Bundestag

 

Klaus Seitz, Leitung Abteilung Politik:

 

„Die Herausforderungen der Migration können nicht in nationalen Alleingängen gelöst werden – dafür braucht es eine gemeinschaftliche, globale Verantwortung. Migration ist historische Normalität und internationale Gestaltungsaufgabe. Deshalb begrüßen wir es ausdrücklich, dass die Vereinten Nationen, unter der Federführung der Internationalen Organisation für Migration und unter wesentlicher Beteiligung der Bundesregierung und der Zivilgesellschaft in den letzten beiden Jahren einen globalen Verantwortungsrahmen erarbeitet haben. Auch wenn der vorliegende Text noch Lücken aufweist, unterstützen wir sehr die Annahme durch die Staatengemeinschaft.“

 

„Migration kann einen positiven Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten. Das gilt für die Herkunftsländer wie für die Zielländer. Dazu bedarf es allerdings einer planvollen Migrationspolitik, gemeinsamer politischer Leitlinien und zwischenstaatlicher Kooperation. Der Migrationspakt weist in die richtige Richtung. Er trägt auch den Zielen für eine nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen Rechnung, die ausdrücklich die Bedeutung einer gut gesteuerten Migration für den notwendigen sozialen Ausgleich in einer von Ungleichheit geprägten Welt hervorheben.“

 

Julia Duchrow, Leitung Referat Menschenrechte und Frieden:

 

„In unserer globalisierten Welt ist und bleibt Migration eine Realität, die wir konstruktiv gestalten sollten. Wir brauchen menschenrechtsbasierte Antworten auf die Fragen, die sie an uns als Gesellschaft stellt. Sonst überlassen wir den Angstmachern und Populisten das Feld. Ihre Antworten sind jedoch zu einfach, um der Komplexität des Themas gerecht werden zu können.“

 

„Gefordert ist eine wirksame Bearbeitung der strukturellen Ursachen für erzwungene Migration, gleichzeitig muss die soziale und politische Teilhabe von Migrantinnen und Migranten in der Gesellschaft, in der sie leben, sichergestellt sein. Hierzu leistet der Migrationspakt einen sinnvollen Beitrag.“

 

Hintergrund: Globaler Pakt für sichere, geordnete und reguläre Migration

 

Der auf UN-Ebene ausgehandelte Migrationspakt soll, wie der gleichzeitig erarbeitete Flüchtlingspakt, im Dezember von den Mitgliedstaaten verabschiedet werden. Beide wurden in den vergangenen zwei Jahren formuliert und sollen eine gemeinsame Antwort auf die individuellen und gesellschaftlichen Auswirkungen von Flucht und Migration geben. Anspruch ist es, das Thema global zu denken und Regelungen zu finden, die die Rechte von Migrantinnen und Migranten und Flüchtlingen stärken und gleichzeitig eine staatenübergreifende Kooperation zu etablieren, ohne dabei die nationale Souveränität der unterzeichnenden Staaten einzuschränken. In der heutigen Bundestagsdebatte steht der Migrationspakt im Mittelpunkt.

 

Der Migrationspakt enthält unter anderem Empfehlungen zum Schutz grundlegender Menschen- und Arbeitsrechte von Migrantinnen und Migranten und fordert, die strukturellen Ursachen von erzwungener Migration anzugehen. Daneben soll die soziale Teilhabe von Migrantinnen und Migranten gestärkt sowie der entwicklungspolitische Beitrag der Migration für die Herkunftsländer gefördert werden.

 

Auch wenn wichtige Fragen zum Schutz der Menschen und ihrer Rechte noch offen bleiben, schaffen die Vereinten Nationen die Basis für einen Austausch über den Umgang mit Menschen, die ein neues Zuhause suchen. Hinter der konkreten Umsetzung der Maßnahmen auf nationaler Ebene bleibt ein großes Fragezeichen, da die niedergeschriebenen Regelungen auch nach ihrer Unterzeichnung völkerrechtlich nicht bindend sind. Vor diesem Hintergrund muss der Rückzug einzelner Staaten aus dem Prozess als deutliches Signal gegen eine lösungsorientierte Zusammenarbeit auf internationaler Ebene gesehen werden.

 

Weitere Hintergründe zu den Themen Flucht und Migration finden Sie auf der Website von Brot für die Welt: https://www.brot-fuer-die-welt.de/themen/hintergruende-zur-flucht


kfd-Bundesverband zieht Bilanz und lädt mit Frauenmuseum Bonn zu Studientagung über Frauenwahlrecht und szenischer Lesung zu Hedwig Dohm

100 Jahre Frauenwahlrecht – viel erreicht, viel zu tun

 

(Düsseldorf/kfd) – Am 12. November jährt sich die Einführung des aktiven und passiven Wahlrechts für Frauen zum 100. Mal. Aus diesem Anlass bekräftigt die Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) – Bundesverband e.V., Mechthild Heil, offene Forderungen nach Gleichstellung von Frauen und Männern in allen Aspekten des Lebens, vor allem in politischer Hinsicht:

 

„Das Allgemeine Wahlrecht ist heute wichtiger denn je – gerade angesichts der neuen Verbreitung alter Frauen- und Geschlechterbilder durch bestimmte politische Gruppierungen. Ohne Frauenperspektive auf politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklungen wäre unsere Gesellschaft aber einseitig und ungerecht.“

 

100 Jahre später sind Frauen in den meisten Parlamenten noch immer unterrepräsentiert: der Anteil weiblicher Abgeordneter im aktuellen Bundestag ist mit knapp 31 Prozent so gering wie zuletzt 1998. Die kfd wolle sich deshalb weiterhin der Frage widmen, was sie in Zukunft zu lebendiger Demokratie mit umfassender Verwirklichung aller Frauen- und Menschenrechte beitragen könne, so Heil:

 

„Gleichstellungspolitische Erfolge erfordern hartnäckiges Engagement. Dass Frauen einen langen Atem haben, beweist die kfd seit über 100 Jahren. Bei manchen Themen, etwa der Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Kirche, verlieren wir aber langsam die Geduld.“

 

 

kfd als früher Frauenort

 

Bereits Jahrzehnte vor Einführung des Frauenwahlrechts konnten Frauen in sogenannten „Müttervereinen“ ihre Interessen artikulieren. Aus dieser Motivation schlossen sich katholische Müttervereine in den (Erz)Bistümern Paderborn, Münster und Köln zunächst zu Diözesanverbänden zusammen. 1928 folgte die Gründung des kfd-Bundesverbandes, der sich seitdem für Demokratie und Frauenrechte starkmacht.

 

Zu den zentralen gleichstellungspolitischen Forderungen der kfd gehören die Einführung flexibler, familienfreundlicher Arbeitszeitmodelle, gleicher Lohn für gleiche Arbeit und die bessere Anerkennung von Sorgearbeit. Neue Gesetze wie das Entgelttransparenz- oder Brückenteilzeitgesetz sowie weitere Rentenpunkte für Kindererziehung (sog. „Mütterrente“) sind dabei wichtige Errungenschaften, die jedoch nicht weit genug gehen.

 

 

 

Studientagung und szenische Lesung

 

Zum 100. Jahrestag richtet der Ständige Ausschuss „Frauen und Erwerbsarbeit“ des kfd-Bundesverbandes vom 23.-25. November 2018 in Bonn die Studientagung „100 Jahre Frauenwahlrecht. Blick in Geschichte, Gegenwart und über den Tellerrand“ aus.

 

Gemeinsam mit dem Bonner Frauenmuseum lädt der Ausschuss zudem am 23. November um 19 Uhr zur öffentlichen szenischen Lesung „Mehr Stolz, Ihr Frauen!“ über die Frauenrechtlerin und Autorin Hedwig Dohm.

 


Aktion Sühnezeichen erleichtert über Entscheidung des Berliner Innensenators

 

(Berlin/as) - Jutta Weduwen, Geschäftsführerin von Aktion Sühnezeichen, sagt zur Entscheidung des Berliner Innensenators, die rechtsextreme Demonstration der Gruppe "Wir für Deutschland" am 9. November zu verbieten:

 

 

 

"Wir begrüßen die Entscheidung von Innensenator Geisel ausdrücklich. Wir sind sehr erleichtert, dass voraussichtlich keine Rechtsradikalen am 80. Jahrestag der Novemberpogrome durch Berlin ziehen werden. Für uns Unterzeichner*innen des offenen Briefes war von Anfang an klar: Hass und Hetze sind nicht von der Meinungsfreiheit geschützt, schon gar nicht am 9. November."

 

 

 

Jutta Weduwen hatte gemeinsam mit 22 Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft in einem offenen Brief das Verbot der Demo gefordert. Hier geht es zum Brief: https://www.asf-ev.de/de/infothek/aktuelles/pressemeldung/offener-brief-rechtsextremen-aufmarsch-am-9-november-verbieten/

 


Brot für die Welt und GEW starten Kampagne von Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi

Bundestagsabgeordnete unterstützen Kampagne gegen Kinderarbeit

 

Kinderarbeit * Kampagne * Bundestagsabgeordnete * Friedensnobelpreis * 100 Million

 

(Berlin/bfw) - Gestern startete in Berlin die Kampagne „100 Million“ des Friedensnobelpreisträgers Kailash Satyarthi in Deutschland. Sie setzt sich dafür ein, dass jedes Kind an jedem Ort der Welt frei, sicher und gebildet aufwachsen kann. Unterstützer sind neben Brot für die Welt und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Bundestagsabgeordnete verschiedener Fraktionen.

 

Weit mehr als 100 Millionen Kinder und Jugendliche müssen noch immer unter gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen arbeiten. Die Kampagne soll weltweit 100 Millionen junge Menschen motivieren, sich für ausgebeutete Kinder stark zu machen und das Recht auf Bildung einzufordern. Dadurch lernen Jugendliche Probleme, Herausforderungen und Lösungsansätze kennen und treten mit Entscheidungsträgern in Kontakt, um politische Schritte gegen Kinderarbeit einzufordern.

 

Zum Kampagnenstart kamen neben Vertretern von Brot für die Welt und GEW engagierte Jugendliche zusammen und informierten die anwesenden Politiker über die Kampagne und ihre Ziele. „100 Million“ wird von zahlreichen Bundestagsabgeordneten unterstützt: Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller (CSU), die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit Sabine Weiss (CDU), die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung Dr. Bärbel Kofler (SPD), die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses Gyde Jensen (FDP), Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Stefan Liebich, außenpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke und Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen).

 

Der Auftakt in Berlin markiert den Beginn globaler Aktionswochen ab dem 14. November. Jugendgruppen und Schulklassen aus ganz Deutschland werden in den kommenden Wochen Veranstaltungen mit Bundestagsabgeordneten ihrer Wahlkreise zum Thema Kinderarbeit und Kinderrechte organisieren. Unter anderem kann an Schulen der prämierte Dokumentarfilm „The Price of Free“ über Kailash Satyarthi gezeigt werden. Kailash Satyarthi wurde im Jahr 2014 für seinen Kampf gegen die Unterdrückung von Kindern und Jugendlichen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

 

Mehr Informationen finden Sie unter

 

https://www.brot-fuer-die-welt.de/gemeinden/ehrenamt-und-mitmachen/100million-kailash-satyarthi/

 


Erklärung der Nationalen Armutskonferenz zur Kinderarmut / Dr. Felix Blaser, Referent für Armutspolitik bei der Diakonie Hessen, über die Hintergründe und Kinderarmut in Hessen

Kinderarmut in Hessen nachhaltig bekämpfen: „Investitionen in die Kinderbetreuung sind unvermeidlich“

 

(Berlin/Frankfurt/dw) - Die Nationale Armutskonferenz (nak) und die im „Ratschlag Kinderarmut“ zusammengeschlossenen Verbände fordern in einer gemeinsamen Erklärung die Bundesregierung auf, die Armut von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien wirksam und zielgerichtet zu bekämpfen. Die Diakonie Hessen hat die Erklärung mit unterzeichnet.

 

 

 

Bekämpfung von Kinderarmut muss Priorität haben! - Gemeinsame Erklärung von

 

Nationaler Armutskonferenz, Kinder-, Familien- und Wohlfahrtsverbänden

 

 

 

(Berlin/dw) - Anlässlich des 13. Treffens der Menschen mit Armutserfahrung fordern

 

die Nationale Armutskonferenz und die im „Ratschlag Kinderarmut“ zusammengeschlossenen Verbände die Bundesregierung auf, wirksam und zielgerichtet die Armut von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien zu bekämpfen:

 

Armut ist mehr als Statistik. Sie hat viele Gesichter und beeinträchtigt über drei Millionen Kinder und Jugendliche - mehr als jedes fünfte Kind - in ihrem täglichen Leben. Armut heißt: Zugucken beim Mittagessen in der Schule, kein Geld für den Sportverein, ausgegrenzt sein wegen schlechter Kleidung, kein Kindergeburtstag, weil das Geld fehlt - nicht das machen können, was für die meisten anderen ganz „normal“ ist. Von Armut bedroht sind nicht alle Kinder gleichermaßen. Mehr als 40 Prozent der Haushalte von Alleinerziehenden leben mit „Hartz IV“. Auch Kinder und Jugendliche mit mindestens zwei Geschwistern oder mit gering qualifizierten Eltern wachsen überdurchschnittlich häufig in armen Familien auf.

 

 

 

Wir fordern die Bundesregierung auf, endlich wirksam und zielgerichtet die Armut von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien zu bekämpfen – und zwar jetzt!

 

 

 

Die Erhöhung des Kindergeldes kommt bei Familien im Grundsicherungsbezug und vielen Alleinerziehenden nicht an, denn das Kindergeld wird mit der Grundsicherung und dem Unterhaltsvorschuss verrechnet. Die dringend notwendige Neuberechnung der Kinderregelsätze wird komplett ausgeklammert. Auch Maßnahmen wie das Baukindergeld helfen Familien, die kein Geld für den Erwerb von Wohneigentum haben, nicht. Das von der Bundesregierung im Koalitionsvertrag angekündigte „Maßnahmenpaket zur Bekämpfung von Kinderarmut“ ist nicht ausreichend. Die geplanten Reformen des Kinderzuschlags und des Bildungs- und Teilhabepakets greifen zu kurz und sind nicht mit genügend Geld unterlegt. Für uns steht fest: Wenn die Bundesregierung wirklich Kinderarmut bekämpfen will, müssen die jetzt geplanten Maßnahmen so ausgestaltet werden, dass sie tatsächlich zur Armutsbekämpfung beitragen!

 

 

 

Es muss sofort gehandelt werden:

 

· Das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) muss so ausgestaltet werden, dass es Teilhabe für alle Kinder und Jugendlichen einfach möglich macht. Die geplante Erhöhung des Schulbedarfs ist zu begrüßen, aber die 150 Euro reichen bei Weitem nicht aus. Wir wissen aus vielen Studien, dass die tatsächlichen Kosten deutlich höher liegen. Längst überfällig sind sowohl die Abschaffung der Zuzahlungen beim schulischen Mittagessen und beim ÖPNV als auch die Verbesserungen der Zugänge zur Nachhilfe. Damit diese Leistungen aber wirklich bei allen Kindern ankommen, die einen Anspruch haben, braucht es die Einführung eines unbürokratischen „Globalantrags“.

 

 

· Der Kinderzuschlag muss so ausgebaut werden, dass er alle Anspruchsberechtigten erreicht. Die längst überfälligen Verbesserungen durch die Abschaffung der Höchsteinkommensgrenze, die längere Bewilligung und die geänderte Anrechnung von Unterhalt bzw. Unterhaltsvorschuss sind zu begrüßen – diese Änderungen müssen jetzt schnell kommen. Damit jedoch die geringe Inanspruchnahme von unter 40 Prozent erhöht werden kann, muss der Kinderzuschlag künftig automatisch ausgezahlt werden. Entscheidend ist für uns auch, dass der Kinderzuschlag zusammen mit dem Kindergeld das sächliche Existenzminimum von Kindern in voller Höhe absichert. Dazu braucht es eine fortlaufende Dynamisierung der Leistung in Abhängigkeit von der Höhe des kindlichen Existenzminimums.

 

 

 

Grundsätzlich brauchen wir eine echte Gesamtstrategie, um Kinderarmut nachhaltig zu bekämpfen:

 

· Ein einheitliches Existenzminimum, das materielle Grundbedürfnisse und Bildung und Teilhabe sichert, muss sauber ermittelt und für alle Kinder und Jugendlichen einfach und unbürokratisch ausgezahlt werden.

 

· Leistungen müssen alle Familienformen erreichen, egal ob verheiratet oder nicht, Alleinerziehende ebenso wie Familien mit vielen Kindern.

 

· Leistungen müssen einfacher und transparenter gestaltet sein, sodass der Zugang für die Berechtigten verbessert wird.

 

· Die Infrastruktur vor Ort, die für arme Kinder, Jugendliche und ihre Familien besonders wichtig ist, muss gestärkt und der Zugang sichergestellt werden.

 

 

Dr. Felix Blaser, Referent für Armutspolitik bei der Diakonie Hessen, erläutert die Situation in Hessen:

„Kinder, Jugendliche und Familien, die von Armut betroffen sind, finden politisch zu wenig Beachtung.“

Portrait Dr. Felix Blaser: (Yvonne Schöneck/ Diakonie Hessen)
Portrait Dr. Felix Blaser: (Yvonne Schöneck/ Diakonie Hessen)

Herr Dr. Blaser, die Diakonie Hessen unterstützt ausdrücklich die Erklärung der Nationalen Armutskonferenz. Warum ist die Erklärung nötig?
Kurz gesagt: Weil Kinder, Jugendliche und Familien, die von Armut betroffen sind, politisch zu wenig Beachtung finden. Wir erleben auf Bundes- und Landesebene seit längerem, dass die Armut bei Kindern, Jugendlichen und Familien zunimmt. Wirksame Maßnahmen gegen diese Entwicklung fehlen allerdings. Die gemeinsame Erklärung zeigt zum einen, wie groß das Problem ist und was es für Kinder und Jugendliche konkret bedeutet, von Armut betroffen zu sein. Zum anderen bietet sie eine Reihe von Forderungen, wie Kinderarmut nachhaltig bekämpft werden kann. Kinder sind unsere Zukunft und sie haben ein Recht auf freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit, auf soziale Teilhabe und soziale Sicherung. Damit diese Rechte auch endlich von der Politik aufgenommen und umgesetzt werden, ist diese gemeinsame Erklärung notwendig.

 

 

Wie sieht die Situation für Kinder, Jugendliche und ihre Familien in Hessen aus?
Laut der amtlichen Sozialberichterstattung lag die Armutsgefährdungsquote in Hessen im Jahr 2017 bei den unter 18-Jährigen bei 20,3 Prozent. Das heißt rund ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen wächst in Hessen in Armut auf. Dabei sind natürlich regionale Unterschiede zu beachten. Insgesamt liegt die Quote jedoch deutlich höher als bei der Gesamtbevölkerung (15,4 Prozent).

 

Wer in Hessen von Armut bedroht ist, muss oft mit beengtem Wohnraum auskommen, hat weniger Geld für gesundes Essen, wird häufiger krank und erlebt, dass er bei vielem, was für andere „normal“ ist, nicht mitmachen kann. Für Kinder und Jugendliche kann das die Einladung von Freundinnen oder Freunden zum Essen sein, der Schwimmbad- oder Kino-Besuch oder der Urlaub mit den Eltern. Dazu kommt, dass Kinder und Jugendliche, die von Armut betroffen sind, schlechtere Bildungschancen haben. Zwei Drittel der von Armut betroffenen jungen Menschen verfügen auch später als Erwachsene nur über ein geringes oder gar kein Einkommen. Die Situation für Kinder, Jugendliche und ihre Familien ist dadurch oft deprimierend. Denn Armut macht ohnmächtig.

 

 

Wie können die Kindergärten und Schulen in Hessen konkret Kinder in Armut unterstützen?
Die Schulen in Hessen können auf unterschiedlichen Ebenen aktiv werden. Auf struktureller Ebene ist das kostenfreie Angebot von Mittagessen sicherlich einer der wichtigsten Faktoren. Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung sieht vor, dass diese Änderung umgesetzt wird. Ich frage mich, wann es soweit sein wird. Auf personeller Ebene sind die Lehrkräfte gefragt. Kinder, die von Armut betroffen sind, brauchen eine andere Einführung und Begleitung in unseren Bildungsinstitutionen. Das fängt im Kindergarten an und geht in der Schule weiter. Die Diakonie Hessen wirkt derzeit in einem Forschungsverbund von Fröbelseminar und Universität Kassel an der Erarbeitung von Curricula mit, die die Wahrnehmung und den Umgang mit Armut in der Ausbildung von Erzieherinnen thematisieren. Die persönliche Begleitung als ein Ausweg aus der Armut ist nicht hoch genug einzuschätzen. Sie hilft von Armut betroffenen Kindern und Jugendlichen, eigene Ressourcen zu entdecken und zu entwickeln.

 

 

In der Erklärung wird u.a. die Infrastruktur vor Ort als notwendiges Handlungsfeld angeführt. Was sollte unsere künftige Landesregierung hier verbessern?
Soll die Armut von Kindern und Jugendlichen nicht weiter zunehmen, bzw. verhindert werden, sind in Hessen Investitionen in eine umfassende Kinderbetreuung unvermeidlich. Hierzu gehören ein weiterer Ausbau von U3- und U6-Angeboten, eine Verstärkung von Sozialarbeit und -pädagogik in Kindertagesstätten, Grund- und weiterführenden Schulen, sowie der Ausbau der Ganztagsversorgung in Schulen. Die künftige Landesregierung sollte sich die kind- und familienbezogene Armutsprävention in den Kommunen ganz oben auf ihre Aufgabenliste setzen. Schließlich hatten wir in den Jahren 2010 bis 2017 einen Anstieg der Kinder- und Jugendarmut um fünf Prozentpunkte. Wir von der Diakonie Hessen wollen, dass sich diese Entwicklung umkehrt!

 

 

Eine der Forderungen der nak ist die Ermittlung eines einheitlichen Existenzminiums und valide Zahlen. Wie sieht es in Hessen aus?
Eine valide Sozialberichterstattung ist unverzichtbar für eine zielgerichtete Sozialpolitik. Der Zweite Hessische Sozialbericht, der Ende 2017 veröffentlicht wurde, bildet noch kein umfassendes Bild der sozialen Lage in Hessen ab. Extreme Armut oder Reichtum werden statistisch nur unzureichend erfasst. Reine Lageberichte reichen nicht aus. Wir drängen darauf, dass die betroffenen Menschen selbst zu Wort kommen und ihre persönliche Wahrnehmung in die Erhebung einfließen kann. Auch hier gibt es Handlungsbedarf in Hessen.

 

 

Wo sehen Sie noch Nachbesserungsbedarf?
Die Bundesregierung sollte endlich das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes ernst nehmen und dafür sorgen, dass das soziokulturelle Existenzminimum von Kindern durch die Regelleistungen der Sozialhilfe gedeckt wird. Die bisherige Berechnung des Regelbedarfs ist methodisch unzulänglich und fällt dadurch zu niedrig aus. Gerade Kinder und Jugendliche sollten jedoch das bekommen, was sie zu einem gesunden Aufwachsen benötigen.

 


missio Aachen ruft zu einer Briefaktion für Asia Bibi an Bundeskanzlerin Merkel auf

 

Katholisches Hilfswerk stellt Brief- und E-Mail-Vorlagen zur Verfügung – Deutschland soll Asyl für Asia Bibi und ihre Familie prüfen – Briefvorlagen auch an EU-Außenbeauftragte und pakistanischen Botschafter in Deutschland

 

(Aachen/missio) -  Bundeskanzlerin Angela Merkel soll sich bei der pakistanischen Regierung persönlich für die Freiheit, Sicherheit und Ausreisemöglichkeit der pakistanischen Christin Asia Bibi einsetzen. Zu einer E-Mail- und Briefaktion mit diesen Forderungen ruft das katholische Hilfswerk missio Aachen am Dienstag auf.

 

Mit den E-Mail- und Briefvorlagen können Bürgerinnen und Bürger die Bundeskanzlerin auffordern, sich dafür einzusetzen, dass die rechtskräftige Entscheidung des Obersten Gerichtshofes Pakistans, das Todesurteil gegen Asia Bibi wegen angeblicher Blasphemie aufzuheben und sie in Freiheit zu entlassen, von der pakistanischen Regierung garantiert bleibt. Weiter solle die Bundeskanzlerin gegenüber dem pakistanischen Ministerpräsidenten Imran Khan darauf drängen, dass die Sicherheit von Asia Bibi, ihrer Familie und ihrer Unterstützerinnen und Unterstützer dauerhaft gewährt ist. Gleichzeitig wird die Bundeskanzlerin gebeten, alles dafür zu tun, dass Asia Bibi und ihre Familie unverzüglich in ein Land ihrer Wahl ausreisen können, die Bundesregierung diese Ausreise gegebenenfalls diplomatisch und logistisch unterstützt oder die Bundesrepublik selbst Asia Bibi und ihrer Familie Asyl gewährt.

 

Gleichzeitig stellt missio Aachen auch Briefvorlagen mit diesen Forderungen an die Außenbeauftragte der Europäischen Union, Federica Mogherini, und den pakistanischen Botschafter in Deutschland, Jauhar Saleem, bereit.

 

Die E-Mail- und Briefvorlagen können unter www.missio-hilft.de/asiabibi genutzt und heruntergeladen werden.

 

 

 

Wer ist missio?

 

Das Internationale Katholische Missionswerk missio in Deutschland mit seinen Zweigen in Aachen und München gehört zu rund 100 Päpstlichen Missionswerken weltweit. missio Aachen ist eines der großen deutschen Hilfswerke und fördert die katholische Kirche in Afrika, Asien und Ozeanien. 2017 stellt missio Aachen rund 46,2 Millionen Euro für die Projektfinanzierung zur Verfügung. Davon wurden 1.161 Projekte seiner Partner in Afrika, Asien, dem Maghreb und Nahen Osten sowie Ozeanien finanziert. Diese Förderung stärkt die pastorale, soziale und interreligiöse Arbeit, die Infrastruktur sowie die Ausbildung von Laien, Priestern und Ordensleuten der katholischen Kirche in diesen Regionen. Mit ihrer Arbeit erreicht die Kirche dort nicht allein Christen, sondern trägt zur Verbesserung der Lebensumstände der gesamten Gesellschaft bei. In vielen Ländern Afrikas, Asiens und Ozeaniens ist die Kirche oft die einzige Institution, die alle Menschen erreicht, da staatliche Strukturen schwach sind.

 

 

 


Landtagswahl in Hessen: Kirchenpräsident hofft auf tragfähiges Bündnis

Jung betrachtet populistische Tendenzen mit Sorge

(Wiesbaden / Darmstadt/ekhn) - Nach der Landtagswahl in Hessen hofft der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, auf eine handlungsfähige Regierung. „Es geht jetzt darum, eine tragfähige Koalition zu bilden“, sagte er am Montag (29. Oktober) in Darmstadt. Dabei sei es wichtig, eine Politik zu entwickeln, „die dem gesellschaftlichen Zusammenhalt dient und Polarisierungen entgegenwirkt“. Den politisch Verantwortlichen wünscht er bei den Koalitionsverhandlungen „einen kühlen Kopf, Orientierung an den anstehenden Themen und dem Wohl der Menschen“. Die Wahlbeteiligung bezeichnete er als „ordentlich“, könne aber trotzdem nicht zufriedenstellen. Gerade in einer Zeit, in der es darum gehe, die Demokratie zu stärken, sei es eine wichtige Aufgabe, Menschen zu motivieren, von ihrem freien Wahlrecht Gebrauch zu machen. Jung: „Wahlen sind und blieben das Herz der Demokratie.“

 

Als wichtiges Thema der kommenden Zeit sieht Jung neben der Regierungsbildung die Auseinandersetzung mit zunehmend polarisierenden Tönen im öffentlichen Diskurs. „Leider ist zurzeit in Europa, aber auch weltweit zu sehen, dass populistische Parteien mehr Raum gewinnen, die auf extreme und polarisierende Positionierungen setzen und dabei auch vor Diskriminierungen nicht zurückschrecken. Ich sehe das mit großer Sorge. Dort, wo damit der Anspruch erhoben wird, die wahre Meinung der Mehrheit oder des Volkes zu vertreten, ist dies ein Angriff auf die Demokratie.“ Es gebe aber zugleich zunehmend mehr Menschen, die hier Gefahren erkennen und dem entgegenwirken würden. Jung: „Hier hilft vor allem beharrlich dafür einzutreten, die Wirklichkeit angemessen und differenziert wahrzunehmen. Das Leben ist niemals nur schwarz oder weiß. Und Demokratie bedeutet, nach Lösungen zu suchen, die von möglichst vielen mitgetragen werden können und Minderheiten zu schützen.“

 


Jürgen Grässlin spricht über „Aufrüstung für den Frieden?“

Bekannter Kritiker der Rüstungsindustrie in der Stadtbibliothek

 

(Magdeburg/pm) - Unter den Produzenten von Rüstungsgütern und Exporteuren von Waffen nimmt die Bundesrepublik nach wie vor weltweit einen Spitzenplatz ein. Mit dem Publizisten Jürgen Grässlin ist am Freitag, 2. November, einer der profiliertesten Gegenspieler der Rüstungsindustrie in Magdeburg zu Gast. Die Stadtbibliothek, die Evangelische Erwachsenenbildung und die Vitopia eG laden gemeinsam um 19.30 Uhr zum Vortrag mit anschließender Diskussion in die Zentralbibliothek am Breiten Weg ein. Darin fragt Jürgen Grässlin kritisch nach dem Sinn einer „Aufrüstung für den Frieden“. Musikalisch wird die Veranstaltung von dem Religionspädagogen und Friedensforscher Thorsten Ziegler begleitet. Alle interessierten Leser und Besucher sind herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei. 

 

Jürgen Grässlin führt aus, wie die weltweite Rüstungsproduktion allein in den zurückliegenden beiden Jahrzehnten auch nach dem Ende des Kalten Krieges gesteigert wurde, welche Staaten zu den größten Produzenten und Nutznießern dieser Entwicklung zählen und in welchen Regionen kriegerische Konflikte mit diesen Waffen ausgetragen werden. Hierbei greift er neben aktuellen Erkenntnissen auf seine Veröffentlichung „Schwarzbuch Waffenhandel“ sowie auf sein Enthüllungsbuch „Netzwerk des Todes. Die kriminellen Verflechtungen von Waffenindustrie und Behörden“ zurück. Darin geht es um die Verbreitung von Handfeuerwaffen aus deutscher Produktion in Krisen- und Bürgerkriegsgebieten weltweit. Ausgangs diskutiert der Referent Strategien, um den internationalen Waffenhandel mit seinen tödlichen Folgen einzudämmen.

 

Jürgen Grässlin ist Autor zahlreicher kritischer Sachbücher über die Automobilindustrie, Rüstungsexporte sowie Militär- und Wirtschaftspolitik, darunter internationale Bestseller. Er ist u.a. als Bundessprecher der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) engagiert und Mitbegründer des weltweiten Netzwerks „Stoppt den Waffenhandel!“. Der Friedensaktivist wurde vielfach mit Preisen für Frieden, Zivilcourage, Medienarbeit und Menschenrechte ausgezeichnet, u.a. mit dem „Aachener Friedenspreis“, dem „Grimme-Medienpreis“ sowie dem „Marler Medienpreis Menschenrechte“ von Amnesty International.

 

Die Veranstaltung ist Teil der Friedensdekade unter dem Motto „Krieg 3.0 – Frieden 3.0“. Sie wird jedes Jahr von den Kirchen in Deutschland organisiert.

 

 

 


Friedenswerkstatt mit Theodor Ziegler

 

(Magdeburg/pm) - Am Samstag, dem 3. November, von 10 bis 17 Uhr laden der Versöhnungsbund Magdeburg und die Evangelische Erwachsenenbildung zu einem Werkstatt-Tag ein, unter dem Titel „Sicherheit neu denken – Von der militärischen zur zivilen Sicherheitspolitik“. Die Friedenswerkstatt findet bei der Evangelischen Erwachsenenbildung in der Bürgelstraße 1 in Magdeburg statt und wird von dem Religionspädagogen und Friedensforscher Theodor Ziegler geleitet. Der Eintritt für die Veranstaltung kostet 25 Euro pro Person (ermäßigt 20 Euro), eine Verpflegung ist im Preis inbegriffen. Für eine Kinderbetreuung ist ebenfalls gesorgt. Es wird um eine Anmeldung gebeten unter buerger.arendsee@gmx.de.

 

In der Evangelischen Kirche in Baden ist ein Szenario entwickelt worden, wie die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2040 aussehen könnte, wenn Konflikte nur mit zivilen und gewaltfreien Mitteln gelöst würden. Theodor Ziegler war Mitglied dieser Arbeitsgruppe und stellt das Szenario den Teilnehmenden des Workshops vor.

 

Die Veranstaltung ist Teil des Programms der Friedensdekade, welche jedes Jahr im November von den Kirchen in Deutschland organisiert wird. In diesem Jahr lautet das Motto der Friedensdekade „Krieg 3.0 – Frieden 3.0“.

 

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.eeblsa.de sowie www.friedensdekade.de.  

 

http://www.eeblsa.de/de/friedenswerkstatt.html

 


Beschluss des Brückenteilzeitgesetzes im Bundestag:

Deutschland fehlt weiterhin ein familienfreundliches Teilzeitgesetz

 

(Trier/Berlin/bt)   Der Familienbund der Katholiken im Bistum Trier bedauert, dass der Deutsche Bundestag in der vergangenen Woche das Brückenteilzeitgesetz ohne jede familienfreundliche Handschrift beschlossen hat. Der Verband begrüßt zwar die Weiterentwicklung des Teilzeitrechts durch die Große Koalition als eine wichtige Initiative für die Beschäftigten in Deutschland. „Grundlegendes Manko des Gesetzes ist jedoch, dass gesamtgesellschaftlich wertvolle Motive zur Reduzierung der Arbeit wie Pflege oder Erziehung in Familien nicht vorrangig berücksichtigt werden“, sagte Familienbund-Vorsitzende Hildegard Weber. „Ungleiches wird gleich behandelt. Wer seine Mutter pflegen will, wird genauso gestellt wie der, der sein Golf-Handicap verbessern will." Gerade auch die berufliche Situation von Müttern lasse das Gesetz außer Acht kritisiert der Familienbund. Viele Frauen arbeiteten in kleinen und mittleren Unternehmen und könnten damit nicht vom geplanten Rechtsanspruch des Gesetzes Gebrauch machen. Der greife erst in Unternehmen mit mehr als 45 Beschäftigten und dann auch nur für einen von 15 Mitarbeitern. Erst ab Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern gelte der Anspruch ohne Einschränkung.

 

 

 

„Deutschland bräuchte dringend ein Teilzeitgesetz mit sozialem Anspruch. Denn Familien sind Deutschlands Pflegedienstleister Nummer 1“

 

 

 

Zur Stärkung ihrer Zeitsouveränität wäre es nötig gewesen, das Rückkehrrecht allen Beschäftigten in Betrieben mit mehr als 15 Mitarbeitern zu ermöglichen. Diese Grenze ist auch in anderen Gesetzen eine etablierte Größe, so im Teilzeit- und Befristungs- sowie im Pflegezeitgesetz, betont der Familienbund. „Hier muss auch die Wirtschaft endlich ihre hohe Innovationsfähigkeit unter Beweis stellen! Eine Berücksichtigung von gesamtgesellschaftlich relevanten Sozialkriterien zur Reduzierung der Arbeitskraft wäre prioritär gewesen, um den hohen Leistungsdruck von Eltern zwischen Beruf und Familie zu mindern, gerade auch jenen, die sich in ihren mittleren Lebensjahren oftmals in einer höchst fordernden Sandwich-Position befinden: Sie pflegen neben ihren Kindern auch noch ihre Eltern. Deutschland bräuchte dringend ein Teilzeitgesetz mit sozialem Anspruch. Denn Familien sind Deutschlands Pflegedienstleister Nummer 1!“, so die Vorsitzende des Familienbundes im Bistum Trier Hildegard Weber abschließend. 

 

 

 

Der Familienbund der Katholiken ist der mitgliederstärkste Familienverband Deutschlands.

 

Ihm gehören 25 Diözesan-, 10 Landes- und 15 Mitgliedsverbände an.

 


Bessere Aufteilung der Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern möglich – Beschäftigte in kleineren Unternehmen profitieren jedoch nicht

Brückenteilzeit: entscheidender Schritt zu Kulturwandel der Arbeit

(Düsseldorf/kfd) - Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) – Bundesverband freut sich, dass mit der heutigen Verabschiedung des Brückenteilzeitgesetzes eine langjährige Forderung des Verbandes Wirklichkeit wird: das Recht auf Rückkehr in frühere Stundenumfänge nach einer vorübergehenden Reduzierung auf Teilzeit.

 

„Wir halten dieses Gesetz für einen Meilenstein hin zur Gleichstellung von Frauen und Männern im Lebensverlauf“, so Mechthild Heil, kfd-Bundesvorsitzende. „Wir erhoffen uns von der neuen Regelung, dass auch mehr Männer zeitlich begrenzt ihre Arbeitszeit reduzieren, um Familienaufgaben übernehmen zu können.“

 

Das Gesetz tritt am 1. Januar 2019 in Kraft und gilt vollumfänglich für Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten sowie eingeschränkt für Unternehmen mit mehr als 45 Beschäftigen. Unter dieser Grenze liegen jedoch Klein- und Kleinstunternehmen, bei denen überwiegend Frauen beschäftigt sind, die daher nicht von den Neuregelungen profitieren.

 

„Wir hoffen dennoch, dass dieses Gesetz entscheidend zu einem Kulturwandel der Arbeit in Deutschland beiträgt: Es sollte selbstverständlich werden, dass Frauen und Männer im Laufe ihres Erwerbslebens ihre Arbeitszeit vorübergehend reduzieren können, ob aus persönlichen Gründen, für Familienaufgaben oder Ehrenämter. Und zwar ohne das Risiko, in Armut zu fallen oder der gefürchteten Teilzeitfalle zu landen.“

 

Frauen und Männer bräuchten künftig, wenn sie ihre Arbeitszeit etwa wegen der Erziehung von Kindern oder Pflege von Angehörigen reduzieren, nicht langfristig in einer Teilzeittätigkeit zu bleiben – mit allen damit verbundenen sozialen Risiken.

 

Zu begrüßen ist daher ebenfalls, dass das Gesetz vorsieht, bei der geplanten Neubesetzung von Stellen zunächst Teilzeitbeschäftigten den Vorzug zu geben, wenn sie aufstocken möchten. So ließen sich mehr Rentenanwartschaften erwirtschaften, meint Heil: „Altersarmut ist nach wie vor weiblich. Das Brückenteilzeitgesetz könnte ein Schritt dahin sein, für mehr Rentengerechtigkeit zu sorgen.“


Buchvorstellung mit Autoren-Gespräch am 24. Oktober 2018 um 18.30 Uhr in der "Runden Ecke"

Nicht Verrat, sondern Geburtsstunde der deutschen Demokratie. Warum die Revolution von 1918/19 neu bewertet werden muss

 

(Leipzig/pm) - Die Autoren des Buches „Lob der Revolution. Die Geburt der deutschen Demokratie“ Lars-Broder Keil und Sven Felix Kellerhoff fordern Lob statt Verachtung für die fast vergessene Revolution vor 100 Jahren. Wie die Friedliche Revolution von 1989/90 gehöre die Novemberrevolution zu einem der bedeutendsten Ereignisse der deutschen Demokratiegeschichte. In dem Buch schildern sie anschaulich und aus der Perspektive der Akteure die revolutionären Umtriebe zwischen Herbst 1918 und Herbst 1919, als die deutsche Gesellschaft in Aufruhr war, weil sie nach dem Desaster des Weltkriegs die ihr angemessene politische Ordnung suchte. Die Buchpräsentation mit Autoren-Gespräch findet am Mittwoch, den 24. Oktober 2018, um 18.30 Uhr im ehemaligen Stasi-Kinosaal der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ statt. Der Eintritt ist frei.

 

 

 

„Nichts ist so hartnäckig wie ein schlechter Ruf“, heißt es eingangs im Buch. Doch genau damit wollen die Autoren Lars-Broder Keil und Sven Felix Kellerhoff aufräumen. Sie wollen einen Perspektivwechsel schaffen. „In Wirklichkeit handelt es sich bei der Revolution von 1918/19 um den wohl am meisten unterschätzten Erfolg der jüngeren deutschen Geschichte. Natürlich ist sie nicht unblutig abgelaufen wie der friedliche Aufstand der Menschen in der DDR, der 1989/90 zum Sturm des SED-Regimes geführt hat. Aber gemessen an den Verhältnissen der Zeit ist erstaunlich, wie gewaltarm der Umsturz vor 100 Jahren die jahrhundertealte Herrschaft der deutschen Monarchie hinweggefegt hat.“

 

 

 

Historischer Hintergrund

 

 

 

Die Novemberrevolution vor 100 Jahren fand ihren Ursprung in der Endphase des Ersten Weltkrieges – dem bis dahin schlimmsten Krieg. Aus einem Aufstand von Matrosen entwickelte sich ein flächendeckender Protest, der schließlich zum Sturz der Monarchie im Deutschen Reich und zugleich zur Gründung der Weimarer Republik führte. Denn in der Folge des Matrosenaufstandes bildeten sich im ganzen Land Soldaten- und Arbeiterräte, woraufhin alle Monarchen und schließlich auch Kaiser Wilhelm II. abdankten. Am 9. November 1918 verkündete Philipp Scheidemann, Vorstandsmitglied der SPD, in Berlin das Ende des Kaiserreichs und rief die Republik aus. Zwei Tage später wurden die Kampfhandlungen des Ersten Weltkrieges mit dem Waffenstillstandsabkommen vom Compiégne eingestellt. Scheidemann wurde im Folgejahr zum ersten Reichskanzler der ersten demokratisch gewählten Regierung in Deutschland gewählt. Formell beendet war die Revolution am 11. August 1919, als die Weimarer Verfassung verabschiedet wurde.

 

 

 

Aufräumen mit dem schlechten Ruf der Revolution, die den Beginn eines demokratischen Deutschlands markiert

 

 

 

Der Ausgang der Weimarer Republik jedoch, der mit der Katastrophe des „Dritten Reichs“ endete, habe zum schlechten Ruf der Novemberrevolution geführt, so die Autoren. Die Revolution sei für die damaligen Verhältnisse jedoch ein Fortschritt gewesen: Ähnlich wie sich 1989/90 Bürgerkomitees und Runde Tische bildeten, organisierten sich die Menschen nach dem Ersten Weltkrieg in sogenannten Räten. Dies ermöglichte ihnen nach langer Zeit, endlich selbst Verantwortung zu übernehmen und politische Erfahrungen zu sammeln, denn bis dahin sei das eine unbekannte Form der direkten Selbstverwaltung gewesen.

 

 

 

Auch die zeitgenössische Auseinandersetzung um die Zukunft Deutschlands als sozialistische Räterepublik nach sowjetischem Vorbild, wie sie der Spartakusbund um Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg forderte, oder als parlamentarische Demokratie wird im Buch eindrücklich nachgezeichnet. Während Luxemburg und Liebknecht die Wahl einer Nationalversammlung als „Konterrevolution“ diffamierten, sagte der SPD-Politiker Max Cohen-Reuß: „Es wird nicht mehr Sozialismus durchführbar sein, als die Mehrheit des Volkes will.“ Schlussendlich beschloss der Reichsrätekongress im Dezember 1918, schon einen Monat später am 19. Januar 1919 eine Nationalversammlung zu wählen, die dann auch die Weimarer Verfassung verabschiedete. So kann die Revolution nicht als steckengeblieben oder misslungen bezeichnet werden, denn sie führte zur ersten Republik, zur hochmodernen, demokratischen Weimarer Verfassung und zu den ersten allgemeinen, freien und geheimen Wahlen auf deutschem Boden.

 

 

 

Die Autoren sehen die Revolution von 1918/19 daher in einer Reihe der bedeutenden Ereignisse deutscher Demokratiegeschichte. Auch wenden sie sich an die heutige SPD, die sich der Leistung ihrer Mitglieder und Parteiführer von vor einem Jahrhundert stärker bewusst werden sollte, statt dieses Erbe weitgehend zu verleugnen. Alexander Gallus habe bereits einmal kritisiert, dass sich die Sozialdemokratie lieber dafür schäme, „der Demokratie einen Vorrang vor dem Ziel des Sozialismus“ beigemessen zu haben, anstatt den Umsturz am Ende des Ersten Weltkrieges angemessen zu würdigen, heißt es im Buch.

 

 

 

Die demokratische Revolution von 1918/19 zeige zudem – und das ist nach wie vor aktuell –, dass Populismus und der Glaube an schlichte Heilsversprechen, immer wieder große Sorgen bereiten und die Demokratie deshalb auch ein Jahrhundert später keineswegs als selbstverständlich zu betrachten ist, weil sie ständig gefährdet ist.

 

 

 

Blick auf die Akteure und ihre Handlungsspielräume

 

 

 

Um mit den nachträglich fast immer in die eine oder andere Richtung politisch gefärbten Interpretationen der Revolution von 1918/19 aufzuräumen und um die tatsächlichen Abläufe rekonstruieren zu können, haben die Autoren Lars-Broder Keil und Sven Felix Kellerhoff ihr Buch überwiegend auf Zeugnisse von Zeitgenossen gestützt. Die zeitgenössischen Berichte aus der Umbruchzeit ermöglichten einen Blick auf die Akteure und ihre Handlungsspielräume. Dazu nutzten die Autoren Protokolle, Briefe, Tagebücher und Zeitungsartikel aus den entscheidenden Monaten von Ende September 1918 bis Ende November 1919 sowie  Memoiren und andere rückblickende Berichte, die Augenzeugen später verfassten. Aus dieser unmittelbaren Perspektive lässt sich erkennen, welche Probleme die führenden Köpfe gesehen haben und warum sie deshalb so handelten, wie sie schließlich handelten, beispielsweise ob sie drohende Gefahren auch tatsächlich als realistisch angesehen haben.

 

 

 

Um die gesellschaftliche Realität in der Umbruchzeit in seiner Gänze zu erfassen, führen Sven Felix Kellerhoff und Lars-Broder Keil an verschiedene Schauplätze. Neben der Reichshauptstadt Berlin oder München, wo die bekannteste Räterepublik herrschte, richten sie ihren Blick nach Bremen, Braunschweig, Leipzig und ins Ruhrgebiet. Kiel spielt ebenso eine Rolle, denn dort nahm der Umsturz seinen Ausgang. Für die Provinzregionen betrachteten sie stellvertretend Baden, Württemberg und Ostpreußen.

 

 

 

Über die Autoren

 

 

 

Sven Felix Kellerhoff, geb. 1971, war als Journalist tätig für die Berliner Zeitung, die Badische Zeitung und den Bayerischen Rundfunk. Seit 1997 ist er bei der WELT; seit 2003 dort als Leitender Redakteur für Zeit- und Kulturgeschichte, seit 2012 zusätzlich Leiter des History Channel WELTGeschichte. Seit 2002 erschienen von ihm 24 Sachbücher, vier davon zusammen mit Lars-Broder Keil. Jüngste Veröffentlichungen: „Mein Kampf. Die Karriere eines deutschen Buches" (2015) sowie „Die NSDAP. Eine Partei und ihre Mitglieder" (2017).

 

 

 

Lars-Broder Keil, geb. 1963, ist als Journalist für die Freie Welt, Die Zeit und die Welt am Sonntag tätig, seit 2001 als Redakteur im Ressort Innenpolitik der WELT mit Schwerpunkt Zeitgeschichte und historische Serien. Daneben ist er Buchautor, vorwiegend für zeithistorische Themen. Letzte Veröffentlichungen: „Fake News machen Geschichte. Gerüchte und Falschmeldungen im 20. und 21. Jahrhundert", Berlin 2017 (zus. mit S. F. Kellerhoff) und „Stauffenbergs Gefährten. Das Schicksal der unbekannten Verschwörer", München 2013 (zus. mit Antje Vollmer).

 


UN-Ausschuss rügt Deutschland: Menschenrechtsstandards für Unternehmen zu unverbindlich

 

Wirtschaft * Menschenrechte * UN * Sozialausschuss * Unternehmensverantwortung

 

 

 

(Berlin/bfw) - Diese Woche hat der Sozialausschuss der Vereinten Nationen (UN) seinen Abschlussbericht über die Einhaltung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte durch die Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht. Der Ausschuss kritisiert darin die „ausschließlich freiwillige Natur der menschenrechtlichen Sorgfalt“, wie sie im Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte beschrieben wird. Deutschland solle gesetzlich sicherstellen, dass Unternehmen die Menschenrechte in Auslandsgeschäften achten und für Verstöße haftbar gemacht werden können. Auch in der Agrar-, Handels-, Investitions-, Klima- und Finanzpolitik monierte der Ausschuss die mangelnde Berücksichtigung der Menschenrechte durch die Bundesregierung.

 

 

 

Die Nichtregierungsorganisationen Brot für die Welt, FIAN, Germanwatch, MISEREOR, Urgewald, Terre des Hommes, Forum Menschenrechte und das CorA-Netzwerk für Unternehmensverantwortung, die im August einen eigenen „Schattenbericht“ zum Thema vorgelegt hatten, begrüßen die UN-Empfehlungen und erwarten jetzt Konsequenzen: „Der Sozialausschuss hat klargestellt, das freiwillige Initiativen zum Schutz der Menschenrechte nicht ausreichen. Die Bundesregierung darf gesetzliche Vorgaben an die Unternehmen nicht länger verzögern“, fordert Maren Leifker, Referentin für Menschenrechte von Brot für die Welt. „Ein Unternehmen muss auch für Schäden haften, die durch ausländische Tochterunternehmen oder Geschäftspartner verursacht werden, wenn die Verstöße erkennbar und vermeidbar waren.“

 

 

 

Laut Koalitionsvertrag will die Bundesregierung nur dann gesetzlich tätig werden, wenn weniger als die Hälfte der deutschen Unternehmen bis 2020 Prozesse zur menschenrechtlichen Sorgfalt umsetzen. Der Sozialausschuss bemängelte, dass dies zu Regulierungslücken führt, wenn ein großer Anteil der Unternehmen die Menschenrechtsstandards nicht anwendet. „Maßgebend ist nicht, ob eine Mehrheit oder eine Minderheit der Unternehmen die Menschenrechte missachtet. Nach dieser Logik brauchten wir auch keine Gesetze gegen Diebstahl“, erklärt Armin Paasch, Referent für Wirtschaft und Menschenrechte von MISEREOR. „Selbst, wenn die Menschenrechtsverstöße deutscher Unternehmen nur wenige Menschen beträfen, müsste Deutschland ihr Recht auf Entschädigung und Wiedergutmachung gewährleisten.“

 

 

 

Die Nichtregierungsorganisationen kritisieren, dass die Bundesregierung und die EU sich auch auf internationaler Ebene gegen verbindliche Menschenrechtsvorgaben wehren. „Bei der laufenden Verhandlungsrunde zu einem Völkerrechtsabkommen zu Wirtschaft und Menschenrechten, dem sogenannten UN Treaty, rechtfertigte die EU am Montag ihre Vorbehalte auch damit, dass viele ihrer Mitgliedsstaaten bereits Nationale Aktionspläne zu Wirtschaft und Menschenrechten verabschiedet haben“, so Philipp Mimkes, Geschäftsführer von FIAN Deutschland. „Freiwillige Instrumente sind jedoch unzureichend. Die Prüfung des UN-Sozialausschusses zeigt einmal mehr, dass auch der angeblich so ambitionierte deutsche Aktionsplan hinter den menschenrechtlichen Anforderungen zurückbleibt.“

 

 

 

-Die Schlussfolgerungen des UN-Sozialausschusses zu Deutschland finden Sie unter: https://tbinternet.ohchr.org/_layouts/treatybodyexternal/Download.aspx?symbolno=E%2fC.12%2fDEU%2fCO%2f6&Lang=en

 

 

 

-Einen zuvor eingereichten Schattenbericht des Forums Menschenrechte mit Beiträgen der oben genannten Nichtregierungsorganisationen finden Sie unter: https://www.forum-menschenrechte.de/2201-2/

 


1800 Ertrunkene sind zu viel!

  

Pressemitteilung der Deutschen Seemannsmission e.V. Bremen

 

(Bremen/dsm) - Fast 1800 Menschen sind bereits dieses Jahr im Mittelmeer ertrunken. Die aktuellen Zahlen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind erschreckend. „Dieses Drama hat auch Auswirkungen, die der deutschen Bevölkerung nicht bewusst sind,“ so Dr. Clara Schlaich, Präsidentin der Deutschen Seemannsmission e.V. in Bremen.

 

„Wir befürchten, dass durch die veränderte politische Situation in einigen Mittelmeeranrainerstaaten, vor allem in Italien, die Handelsschifffahrt wie bereits vor einigen Jahren wieder verstärkt mit der Rettung Hilfesuchender konfrontiert wird,“ so Clara Schlaich. „Doch diesmal werden sie von der Politik alleingelassen“:

 

Die Seeleute befinden sich lt. Schlaich in einem ethischen Dilemma: Sie sind nach internationalen Seefahrtsgesetzen verpflichtet, jedem in Seenot geratenen Menschen zu helfen. Tun sie das, führt die veränderte Politik jedoch dazu, dass sie möglicherweise kriminalisiert und ggf. sogar verhaftet werden. In Italien werden Schiffe mit Hilfesuchenden an Bord festgehalten, und die Kapitäne, bzw. Mannschaftsmitglieder als angebliche Schlepper angeklagt. Retten sie auf hoher See nicht, leiden Kapitäne und Mannschaften unter massiven Schuldgefühlen und setzen sich der möglichen Anklage wegen unterlassener Hilfeleistung aus.

 

„Ich bin sehr davon beeindruckt, dass sich einige Reedereien in Deutschland trotz der veränderten politischen Lage dazu entschlossen haben, Hilfsgüter zur Versorgung von Geflüchteten an Bord mitzuführen, wie Regenplanen, Wärmedecken, Wasserkanister, Hygieneartikel und Medikamente und mit ihren Crews das Verhalten im Falle der Flüchtlingsrettung an Bord planen. Sie setzen damit ein klares Signal für Humanität!“ so Schlaich.

 

In den Seemannstationen rund um das Mittelmeer erfahren die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter, dass Seeleute wieder vermehrt mit Flüchtenden, im Meer treibenden Leichen und deren persönlichen Gegenständen konfrontiert sind. Das sind belastende Erlebnisse für Seeleute, die nicht alle verkraften. Hinzu kommt, dass auf See oft Gesprächspartner fehlen, die helfen könnten, um das Gesehene zu verarbeiten.

 

Die Deutschen Seemannsmission e.V. fordert sowohl die Bundesregierung als auch die Europäische Union auf, sofort verbindliche Regelungen zu finden, die die Handelsschifffahrt bei der Bergung von Schutzsuchenden entkriminalisiert und klare Bestimmungen für die Übergabe der Geretteten zu vereinbaren.

 

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Ziel der Deutschen Seemannsmission (DSM) – einer Einrichtung der Evangelischen Kirche Deutschlands – ist, weltweit die Würde der Seeleute zu unterstützen. Die DSM verfügt mit 16 Auslandsstationen und 16 Stationen in Deutschland über ein eigenes internationales Netzwerk.

 

Mehr als 700 haupt- und ehrenamtliche Frauen und Männer stellen sich den Herausforderungen und Veränderungen in der Seeschifffahrt täglich neu.

 


KDFB und kfd: Rentengerechtigkeit für alle pflegenden Angehörigen im Blick behalten

 (Köln/Düsseldorf/kdfb) – Der Katholische Deutsche Frauenbund e.V. (KDFB) und die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) – Bundesverband e.V. betonen die Notwendigkeit einer guten Alterssicherung von pflegenden Angehörigen im Rentenalter.

 „In einer Gesellschaft des langen Lebens findet Pflege zu Hause zunehmend und länger in einem späteren Lebensabschnitt der pflegenden Angehörigen statt. Daher ist uneingeschränkt zu begrüßen, dass die Flexi-Rente seit Juli 2017 eine gesetzliche Möglichkeit schafft, Rentenansprüche in der gesetzlichen Rentenversicherung weiter aufzubauen“, erklären KDFB-Präsidentin Dr. Maria Flachsbarth und kfd-Bundesvorsitzende Mechthild Heil bei einem Spitzentreffen der Verbände in Berlin.

 

Von dieser Regelung profitieren vielfach Frauen, die bereits Renten beziehen, aber aufgrund fehlender Kinderbetreuungsmöglichkeiten und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen kaum eigenständige Rentenansprüche durch Erwerbsarbeit erreichen konnten. „Wer Kinder erzieht oder Angehörige pflegt, leistet einen unverzichtbaren Beitrag für die Gesellschaft“, stellt Heil klar. „Diese Lebensleistung“, so Flachsbarth, „ist unabhängig von einer Berufstätigkeit auch rentenrechtlich zu würdigen.“

 

Beide weisen zudem darauf hin, dass Pflegebedürftige davon profitieren, wenn sie so lange wie möglich zuhause sein können. Und für den Staat bedeutet zuhause geleistete Pflege nicht zuletzt eine enorme finanzielle Entlastung.

 

Die Frauenverbände setzen sich für eine generationen- und geschlechtergerechte Rentenpolitik ein. Dazu gehört die Forderung nach einer besseren rentenrechtlichen Anerkennung von Sorgearbeit in den Lebensverläufen von Frauen und Männern.

 

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) ist ein unabhängiger Frauenverband mit bundesweit 180.000 Mitgliedern. Seit der Gründung 1903 setzt er sich für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Politik, Gesellschaft und Kirche ein. www.frauenbund.de

 

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) vertritt rund eine halbe Million Frauen und ist der größte katholische Verband in der Bundesrepublik. Sie setzt sich für die Interessen von Frauen in Kirche, Politik und Gesellschaft ein. www.kfd-bundesverband.de

 


KDFB und kfd: Für Schwangere in Notlagen und den Schutz des ungeborenen Lebens

(Köln/Düsseldorf/kdfb/kfd) - Angesichts der fortdauernden öffentlichen Debatte um den § 219a StGB bekräftigen die beiden größten katholischen Frauenverbände in Deutschland ihr klares Plädoyer für den Erhalt des Paragraphen.

 

Der Katholische Deutsche Frauenbund e.V. (KDFB) und die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) – Bundesverband e.V. stehen in doppelter Anwaltschaft für schwangere Frauen in Notlagen sowie für den Schutz des ungeborenen Lebens ein. In diesem Zusammenhang halten sie das Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche für einen elementaren Bestandteil der intensiv politisch ausgehandelten Beratungslösung in §218a Abs. 1 StGB. „Wir sprechen uns daher ausdrücklich gegen die Abschaffung bzw. eine Einschränkung des §219a StGB aus“, erklären KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth und kfd-Bundesvorsitzende Mechthild Heil.

 

„Schwangere Frauen in Notlagen brauchen niedrigschwellige und umfassende Informationen und Unterstützung, die ihnen helfen können, ihr Kind zur Welt zu bringen. Dazu gehört z.B. die Möglichkeit der vertraulichen Geburt“, stellt Flachsbarth klar. Gleichzeitig muss laut Heil „sichergestellt sein, dass schwangere Frauen in extremen Notlagen Zugang zu Informationen über die Möglichkeit eines medizinisch sicheren Schwangerschaftsabbruchs haben.“ Ebenso muss nach Auffassung von KDFB und kfd die Rechtssicherheit für Ärztinnen und Ärzte, die zu einem Schwangerschaftsabbruch in Notlagen bereit sind, gegeben sein.

 

Flachsbarth und Heil bekräftigen ihre Überzeugung, dass diese Notwendigkeiten sowohl mit Blick auf die Gruppe der schwangeren Frauen als auch auf die der Ärztinnen und Ärzte im Rahmen des §219a StGB grundsätzlich ausreichend gegeben sind, womöglich aber die Umsetzung nicht hinreichend gewährleistet ist.

 

Beide Frauenverbände fordern die Verantwortlichen in der Politik und im Gesundheitswesen auf, bessere Rahmenbedingungen für die psychosoziale Beratung von Frauen und Paaren in schweren Krisensituationen wie einem Schwangerschaftskonflikt zu schaffen. Dazu zählt auch eine bedarfsgerechte, flächendeckende und kontinuierliche Förderung von Schwangerschaftskonflikt-, Frauen- und Familienberatungsstellen.

 

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) ist ein unabhängiger Frauenverband mit bundesweit 180.000 Mitgliedern. Seit der Gründung 1903 setzt er sich für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Politik, Gesellschaft und Kirche ein. www.frauenbund.de

 

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) ist mit einer halben Million Mitgliedern der größte katholische Verband und eine der größten Frauenorganisationen in der Bundesrepublik. Sie setzt sich für die Interessen von Frauen in Kirche, Politik und Gesellschaft ein. www.kfd.de


Neue Ausstellung in Eilenburg erinnert an Opfer repressiver Heimerziehung

 

 

(Eilenburg/pm) - Anfang dieser Woche wurde die neue Dauerausstellung „Eilenburg – Rödgener Landstraße eine deutsche Heimgeschichte“ im ehemaligen DDR-Spezialheim Eilenburg eröffnet. Unter den Besuchern waren viele ehemalige Heimkinder, die sich am historischen Ort an das Erlebte erinnerten. Gemeinsam mit Manuela Rummel, Bildungsreferentin in der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau, eröffnete Corinna Thalheim von der Betroffeneninitiative „Missbrauch in DDR-Heimen“ die Ausstellung. Sie selbst hat dieses Projekt engagiert vorangebracht und Förderer dafür gewinnen können.

 

„Das ehemalige Spezialheim Ernst Schneller mit angeschlossenem Jugendwerkhof-Teil in Eilenburg war das größte Spezialheim zur Umerziehung von Kindern und Jugendlichen im Raum Leipzig. Es fungierte gleichzeitig als zentrales Aufnahmeheim des Ministeriums für Volksbildung “, erklärte Corinna Thalheim bei der Eröffnung. Der Begleittext zur Ausstellung nennt Zahlen: „Um 1970 prüfte das zentrale Aufnahmeheim der DDR jährlich rund 2.000 bis 3.000 Einweisungen in ein Spezialheim. Damit entschieden sich in Eilenburg die Schicksale und Lebenswege zehntausender Kinder und Jugendlicher.“

 

Die Dauerausstellung berichtet über die Geschichte des Heimes, die bereits im Jahr 1928 begann. Sie erinnert an das Leid der Opfer repressiver Heimerziehung in der DDR. Ein Film mit Zeitzeugeninterviews gibt zusätzlich in bewegten und bewegenden Bildern Einblicke in die Lebenswege der Kinder.

 

Mit den Betroffenen führt Corinna Thalheim regelmäßig helfende Beratungsgespräche. Diese Arbeit, die sicher auch im nächsten Jahr fortgeführt wird, ist durch die vom Sächsischen Landtag vergebenen Fördermittel für SED-Opferverbände möglich. Die Erarbeitung der Ausstellung wurde durch Zusammenarbeit mit dem St. Martin Hilfeverbund, dem Träger der heutigen Heimeinrichtung, durch die Unterstützung des Sächsischen Landtags, des Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der Initiativgruppe Geschlossener Jugendwerkhof Torgau und des Stadtmuseums Eilenburg ermöglicht.

 

In seinem Grußwort zur Eröffnung der Dauerausstellung erinnerte der Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Lutz Rathenow: „Es ist außerordentlich wichtig für die Fähigkeit Realität wahrzunehmen, diese Fähigkeit immer wieder an vergangenen Realitäten zu trainieren, um zu begreifen, wann Kindererziehungspläne zu Kinderzerstörungsrealitäten werden können. Vergangenheit ist für den wichtig, der sich um die Gegenwart kümmern will.“

 

 

 


„Worthaft – Texte politischer Gefangener aus der DDR“ – ein wichtiges Zeugnis in Zeiten weltweiter Freiheitsgefährdung

 

(Leipzig/pm) - Während die Frankfurter Buchmesse ihre als weltgrößte Buchmesse gewohnte Geschäftigkeit entwickelt, fällt Beobachtern auf, dass sie sich im Veranstaltungsprogramm außerhalb ihrer Hallen in diesem Jahr mehr an der Leipziger Buchmesse als einer Messe für Leser orientiert. Unlängst in Leipzig erschien eine außergewöhnliche Anthologie in der von der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik herausgegebenen Reihe „Poesiealbum neu“ –  „Worthaft. Texte politischer Gefangener aus der DDR“. Ihr Herausgeber Ralph Grüneberger versammelt Unbekannte, neben prominenten Dichtern (Wolf Biermann, Thomas Brasch, Wolfgang Hilbig oder Walter Kempowski), wieder zu entdeckende (Frank-Wolf Matthies, Thomas Erwin) neben Philosophen und Dissidenten (Rudolph Bahro, Jürgen Fuchs). Einige sind heute Medienredakteure (Frank Wolfgang Sonntag, Salli Sallmann) oder sie waren fast aus der Öffentlichkeit verschwunden – wie die Autoren um den Jenaer Arbeitskreis Literatur (Bernd Markowsky, Wolfgang Hinkeldey). Unterschiedlicher können Lebenswege nicht sein - wie der Vergleich zwischen der Liedersängerin Bettina Wegner, dem Ex-Landesbeauftragten Siegmar Faust, der Regisseurin Freya Klier und der Künstlerin Gabriele Stötzer zeigt. Kürzlich leider verstorben und mit einem frühen Gedicht vertreten: der Schriftsteller und Romancier Ulrich Schacht. Auch ein Text von dem gerade mit einem Romanprojekt aus dem Nachlass verlegten Weltenbummler und zeitweilige Sekretär des PEN-Klubs der Sinti und Roma Gerhard Bengsch findet sich im Band.

 

Quicklebendig und als Zeitzeuge jederzeit einladbar: der Leipziger Dichter Andreas Reimann, so wie andere Dichter aus dem Gebiet, das heute den Freistaat Sachsen bildet: Gerald K. Zschorsch, Utz Rachowski, Stephan Krawczyk, Axel Reitel. Der Sächsische Landesbeauftragte förderte das Entstehen des Projektes maßgeblich mit. Lutz Rathenow (auch im Band vertreten): „Eigentlich erstaunlich, dass so ein naheliegendes Thema in der Berührungszone von reiner Literatur und politischer Unterdrückung in der DDR noch nicht zum Buch geworden ist.“

 

Durch das sparsame Aufnehmen von Prosa- und Aktenfragmenten wird der Band auch über den Kreis reiner Lyrikfreunde nutzbar. Der Tradition des Heftes gemäß gibt es historische Fundstücke (Erich Mühsam, Christian F. D. Schubert), ein Gedicht des 1944 verstorbenen  sorbischen Dichters Jurij Khĕžka und eines der türkischen Lyrikerin Safiye Can wollen Veranstaltungen mit den Gedichten und Gespräche über das Heft anregen, die für andere Arten der Verfolgung und Inhaftierung von Autoren sensibilisieren.

 

 

 

Poesiealbum neu (Hrsg. Ralph Grüneberger) „Worthaft. Texte politischer Gefangener“, edition kunst & dichtung, Leipzig 2018, 7,80 Euro

 

 

 


Wachsende Gewalt muss endlich ernst genommen werden

Europa muss sich mehr für Frieden und Menschenrechte einsetzen

 

(Göttingen/gfbv) - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat ein stärkeres Engagement Deutschlands für Frieden in Kamerun gefordert. „Wer Flucht und Migration aus Afrika wirksam bekämpfen will, darf nicht tatenlos zusehen, wie der Kamerun im Bürgerkrieg versinkt. Deutschland und die Europäische Union dürfen nicht länger die Augen vor der eskalierenden Flüchtlingskrise in Westafrika verschließen“, forderte der GfbV-Direktor Ulrich Delius am Mittwoch in Göttingen. Schon heute seien 276.000 Menschen in Kamerun auf der Flucht vor Gewalt. Wenn Kameruns Staatsführung sich nicht endlich ernsthaft um eine politische Lösung des Streits um die Zukunft der anglophonen Landesteile bemühe, müsse die Europäische Union (EU) den greisen Staatschef Paul Biya mit gezielten Sanktionen dazu zwingen, die dramatische Lage nicht länger schönzureden. An diesem Donnerstag wird der Deutsche Bundestag auf Antrag der FDP und von Bündnis 90/Die Grünen über die Lage in dem westafrikanischen Land beraten.

 

Am letzten Donnerstag war in der Stadt Ndop der katholische Seminarist Gérard Anjiangwe von Soldaten vor einer Kirche erschossen worden. Weitere drei Angehörige der anglophonen Bevölkerungsgruppe sind am letzten Sonntag in der Stadt Bamenda getötet worden. Insgesamt starben seit Ausbruch des Konflikts im Jahr 2016 bereits mehr als 400 Zivilisten und 176 Sicherheitskräfte. 

 

Nachdrücklich kritisierte der Menschenrechtler die Ignoranz, mit der Kameruns Regierung auf die zunehmende Gewalt in anglophonen Landesteilen reagiert. So lobte der seit 36 Jahren amtierende Präsident Paul Biya nach dem Ende der Präsidentschaftswahlen am Sonntag, die Wahlen hätten auch in den anglophonen Regionen in einer „Atmosphäre der Ruhe“ stattgefunden. Dabei wurden am gleichen Tag drei Menschen erschossen und die Zivilbevölkerung in den englischsprachigen Gebieten wagte aus Angst vor weiterer Gewalt nicht, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen. „Wie kann man von der Normalität des Lebens sprechen, wenn in den englischsprachigen Regionen von den vorgesehenen 2.343 Wahlbüros aufgrund der Gewalt nur 79 Abstimmungszentren geöffnet waren“, erklärte Delius.

 

Wenn heute die Unabhängigkeitsbewegung in den anglophonen Regionen so stark sei, so sei dies auch auf das Versagen der Kolonialmächte zurückzuführen. Denn sie hätten die Interessen der englischsprachigen Minderheit in der früheren deutschen Kolonie weitgehend ignoriert, um sich den Zugriff auf Ölvorkommen zu sichern. Dringend müsse nun endlich nach einer politischen Lösung des eskalierenden Konflikts gesucht werden, um die Gewalt wirksam einzudämmen.       

 


15.10.2018: Film und Zeitzeugengespräch zu den ersten und einzigen Aufnahmen des Aufstandes von Gwangju und seine Bedeutung für die Demokratie in Südkorea im Museum in der "Runden Ecke"

 

 

(Leipzig/pm) - Vor 38 Jahren protestierte die Bevölkerung der Stadt Gwangju gegen Südkoreas Diktatur. Ein deutscher Journalist machte damals unter Lebensgefahr die ersten Aufnahmen des Aufstandes und brachte sie über Umwege nach Deutschland, wo sie weltweit zuerst ausgestrahlt worden sind. Am 15. Oktober 2018 werden um 19.00 Uhr in der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ mit der Vorführung des Films „Südkorea am Scheideweg“ diese erschütternden Bilder gezeigt. Im anschließenden Gespräch mit der Zeitzeugin Eui Ok Shu geht es um den Aufstand und seine Bedeutung für die Demokratie in Südkorea. Eintritt frei.

 

Der Kameramann Jürgen Hinzpeter leistete einen besonderen Beitrag zur Aufarbeitung der blutigen Niederschlagung des friedlichen Aufstandes von Gwangju im Jahr 1980. Damals protestierte die Bevölkerung in Südkorea für Freiheit und Demokratie; sie wollte verhindern, dass sich nach dem Ende einer 18-jährigen Militärherrschaft erneut eine Militärregierung an die Macht putschte. Es kam zu Ermordungen und Verhaftungen. Unter Lebensgefahr machte Hinzpeter Filmaufnahmen von dem Massaker. Es waren die ersten Bilder und Berichte, die offenbarten, wie grausam der Aufstand niedergeschlagen wurde und ohne die die Wahrheit nicht ans Licht gekommen wäre. Der damalige ARD-Korrespondent in Tokyo und enge Freunde Hinzpeters, Jürgen Bertram, brachte das Filmmaterial im gleichen Jahr als Dokumentation „Südkorea am Scheideweg“ (50min) ins deutsche Fernsehen.

 

Der Aufstand in Südkorea gilt heute als Meilenstein der Demokratiegeschichte. In vielen Ländern ist er heute hingegen weitgehend vergessen, doch hatte er großen Einfluss auch auf die Demokratieentwicklung in benachbarten Ländern wie China, Thailand oder Indonesien.

 

 

 

Film „Südkorea am Scheideweg“ und Zeitzeugengespräch mit Eui Ok Shu

 

Bei der Veranstaltung am Montag, den 15. Oktober 2018, wird um 19.00 Uhr im ehemaligen Stasi-Kinosaal der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ der Dokumentarfilm „Südkorea am Scheideweg“ vorgeführt. Die Journalisten filmten Taxifahrer und Busfahrer, die mit ihren Autos demonstrierten und beschossen worden sind, sie filmten Hausfrauen, die Essen für tausende von Demonstrierenden zubereiteten und sie machten Bilder von Studenten, die sich bewaffneten und ein eigenes Bürgerkomitee für die Stadt bildeten.

 

Nach dem Film folgt ein Gespräch mit der Zeitzeugin Eui Ok Shu unter Moderation von Reinhard Bohse vom Bürgerkomitee Leipzig e.V. Frau Shu zog 1974 nach Deutschland und arbeitete hier als Krankenschwester. Sie sah die Aufnahmen von Hinzpeter und Bertram damals im Fernsehen und setzte sich fortan für die Solidaritätsarbeit zwischen Deutschland und Korea ein. Sie schloss sich der Demokratie-Bewegung für Korea an und kämpfte gegen die Militärdiktatur und für die Arbeiterbewegung und die koreanische Frauengruppe. Beispielsweise organisierte sie Demonstrationen und Veranstaltungen gegen die Massaker in Gwangju mit und gründete verschiedene Organisationen für die Demokratie auf der koreanischen Halbinsel. Bis heute arbeitet sie für die Wiedervereinigung Koreas, Menschen- und Frauenrechte. Heute lebt sie in Berlin und arbeitet als Heilpraktikerin. Beim Filmabend kommentiert Frau Shu den Film und beantwortet danach die Fragen der Besucher. Ebenfalls anwesend beim Gespräch ist Frau Han Jung-Hwa vom Korea Verband in Berlin. Der Verband setzt sich unter anderem für die Aufarbeitung der Vergangenheit Südkoreas sowie dortige gesellschaftliche und politische Veränderungen ein. Der Eintritt ist frei.

 

 

 

Ausstellung zeigt ehemals verbotene Bilder des Aufstandes in Gwangju

 

Eine Auswahl der ehemals verbotenen Fotos des Aufstandes können Besucher noch bis zum 31. Oktober 2018 vor dem ehemaligen Stasi-Kinosaal in der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ ansehen. Die eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Aufnahmen informieren über den Hergang der zehntägigen Demokratiebewegung in Gwangju im Mai 1980. Seit Juli 2011 gehören die Bilder zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Ausstellung des Korea Verbands aus Berlin kann täglich von 10 bis 18 Uhr besucht werden. Der Eintritt ist frei.

 


Brot für die Welt und FIAN legen Bericht zum Recht auf Nahrung vor

Welternährungstag am 16. Oktober - Digitalisierung löst das Hungerproblem nicht

 

Welternährungstag * Hunger * Recht auf Nahrung * Digitalisierung

 

(Berlin/bfw) - Politik und Agrarindustrie versprechen, dass neue Technologien wie die Digitalisierung den Hunger besiegen können. Das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt und die Menschenrechtsorganisation FIAN legen in ihrem aktuellen „Jahrbuch zum Recht auf Nahrung“ dar, wie die Digitalisierung die Auseinandersetzung um Ressourcen sogar verschärfen und eine dezentrale Nahrungsmittel-Versorgung gefährden kann.

 

Die aktuelle Ausgabe des Jahrbuchs untersucht, welche Folgen es haben wird, wenn Finanzmärkte und Agrarkonzerne mit Hilfe der Digitalisierung die Kontrolle über Ressourcen wie Boden, Wasser und Saatgut übernehmen und die  Produktion von Nahrungsmitteln vom Menschenrecht auf Nahrung abgekoppelt wird.

 

„Das nachhaltige Entwicklungsziel, den Hunger bis 2030 zu überwinden, gerät immer weiter aus dem Blick, wenn Hungerursachen wie Diskriminierung, Umweltzerstörung und Krieg nicht endlich wirksam angegangen werden“, sagt Bernhard Walter, Ernährungs- und Landwirtschaftsexperte von Brot für die Welt. „Es besteht die Gefahr, dass die Digitalisierung die Umwandlung öffentlicher Güter wie etwa die Wasserversorgung in international handelbare Waren vorantreibt. Davon haben die Ärmsten der Armen gar nichts, im Gegenteil, ihre Lage würde sich verschlimmern.“ Hinzu kommt, dass Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die einen Großteil der Lebensmittel erzeugen, seit Jahrzehnten systematisch in unfruchtbare und abgelegene Gebiete abgedrängt werden und einem unfairen globalen Wettbewerb ausgesetzt sind.

 

„Für die Mehrzahl der bäuerlichen Betriebe bietet die Digitalisierung keine Lösungen an, sondern verschärft noch die Probleme“, so Philipp Mimkes, Geschäftsführer von FIAN Deutschland. Die Digitalisierung kann die Spaltung zwischen armen Bauerngruppen und kapitalkräftigen Agrarunternehmen weiter vertiefen und die Konkurrenz um Land, Wasser und Saatgut weltweit noch verschärfen. „Wichtige Gründe für die hohen Hungerzahlen – die Diskriminierung von Frauen und ländlicher Bevölkerung, Landgrabbing und die erzwungene Öffnung der Agrarmärkte in Entwicklungsländern – lassen sich nicht technisch lösen“, so Mimkes. Dies zeigt sich beispielsweise in Südamerika, wo die Hungerzahlen seit 2012 wieder steigen. In den letzten fünf Jahren waren dort 2,2 Millionen Menschen zusätzlich von schwerem Hunger betroffen. Gleichzeitig produziert die dortige hochtechnisierte Agrarindustrie statt den Hunger vor Ort zu bekämpfen immer gewaltigere Mengen, die jedoch überwiegend exportiert werden – 2016 alleine 70 Millionen Tonnen Getreide und 120 Millionen Tonnen Soja.

 

Brot für die Welt und FIAN geben seit zehn Jahren das „Jahrbuch zum Recht auf Nahrung“ heraus. Das Recht auf Nahrung ist im UN-Sozialpakt als Menschenrecht verankert. In den Nachhaltigen Entwicklungszielen haben die Vereinten Nationen vereinbart, bis 2030 das Recht auf Nahrung für alle Menschen zu verwirklichen. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Hungernden zum zweiten Mal in Folge wieder gestiegen, auf nun 821 Millionen Menschen.

 


Bundesprogramm zieht Bilanz: Bundesweit setzen sich mehr als 100 Bündnisse für geflüchtete Kinder und ihre Familien ein

 

(Berlin/pm) - Nach drei Jahren Programmlaufzeit zieht das Bundesprogramm "Willkommen bei Freunden - Bündnisse für junge Flüchtlinge" Bilanz: Mehr als 15.500 Mitarbeitende aus öffentlichen Verwaltungen und ehrenamtlichen Initiativen hat das Programm erreicht und über 200 Kommunen bundesweit durch die Angebote unterstützt. Das gemeinsame Programm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung startete im Mai 2015 mit dem Ziel, Kommunen bei der Integration geflüchteter Kinder und Jugendlicher durch Fachwissen und Vernetzung zu helfen. So setzen sich bundesweit mittlerweile über 100 Bündnisse, bestehend aus mindestens drei lokalen Akteuren, dafür ein, die Situation geflüchteter Kinder und Jugendlicher zu stärken.

 

 

 

Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey: "Damit Integration gelingt, braucht es viele, die mithelfen. Aber vor allem braucht es Menschen, die zusammenhalten, weil sie Freunde sind. Genau das fördern wir mit dem Bundesprogramm "Willkommen bei Freunden - Bündnisse für junge Flüchtlinge". Ich kann nur allen Dank sagen, die vor Ort im Hauptamt und im Ehrenamt, Menschen beim Ankommen und Fuß fassen geholfen haben."

 

 

 

Auf einer Tagung in der Berliner Kalkscheune hat sich das Programm zusammen mit Frau Parlamentarischer Staatssekretärin Caren Marks, MdB, des BMFSFJ und 300 Teilnehmenden zu den Ergebnissen und Erfahrungen ausgetauscht. Caren Marks: "Das Programm ist ein voller Erfolg, dafür haben viele Menschen im ganzen Land gearbeitet und bewiesen, dass die Kombination von Haupt- und Ehrenamt dafür ein wesentlicher Faktor ist."

 

 

 

 

 

Über das Programm:

 

 

 

Damit die Wege von nun an leichter werden - für geflohene Kinder und Jugendliche sowie die aufnehmenden Kommunen - hat die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung zusammen mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend das Programm "Willkommen bei Freunden - Bündnisse für junge Flüchtlinge" ins Leben gerufen. Ziel ist es, vor Ort Bündnisse aus engagierten Menschen der Kommunalverwaltung, freien Trägern und der Zivilgesellschaft zu stärken und neue zu etablieren. www.willkommen-bei-freunden.de

 


Am 10. Oktober und 14. November im Museum in der "Runden Ecke"

Anmeldung zu den letzten Beratungsterminen im Jahr 2018 für Opfer politischer Verfolgung durch das SED-Regime noch möglich

 

(Leipzig/pm) - Opfer politischer Verfolgung durch das SED-Regime können ihre Ansprüche aktuell nur noch bis zum 31. Dezember 2019 geltend machen. Hilfesuchende können sich am 10. Oktober und 14. November 2018 jeweils von 11.00 bis 14.00 Uhr in der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ von einem geschulten Mitarbeiter des Landesverbandes Sachsen der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) über Rehabilitierungsmöglichkeiten und Wiedergutmachungsleistungen beraten lassen.

 

 

 

Betroffene können durch eine Kooperation der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ mit dem Landesverband Sachsen der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) regelmäßig in den Räumen der Gedenkstätte mit einem kompetenten VOS-Mitarbeiter sprechen. Dieser kann den Opfern politischer Verfolgung Auskunft geben zu den gesetzlichen Grundlagen zur beruflichen, strafrechtlichen und verwaltungsrechtlichen Rehabilitierung sowie zu Wiedergutmachungsleistungen, Opferrenten und -pensionen. Formulare liegen vor Ort aus, so dass der VOS-Mitarbeiter die Hilfesuchenden auch beim Ausfüllen der Anträge unterstützen oder ihnen mit Informationen zu anderen Angeboten von juristischer, psychologischer und sozialer Hilfe, Betreuung und Beratung weiterhelfen kann.

 

 

 

Für die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ ist es wichtig, am authentischen Ort ein Beratungs- und Unterstützungsangebot für „Verfolgte“ der sowjetischen Besatzungsmacht der SED oder der Stasi und gegebenenfalls auch für deren Angehörige anzubieten. Gleichermaßen werden auf diese Weise aber auch wichtige Zeitzeugnisse und persönliche Geschichten bekannt, die ggf. für die künftige Arbeit der Gedenkstätte von Bedeutung sein können.

 

 

 

Anmeldung für die letzten beiden Termine im Oktober und November 2018 noch möglich

 

 

 

Die nächsten Termine für die Beratung sind der 10. Oktober und 14. November 2018, jeweils zwischen 11.00 und 14.00 Uhr. Um Voranmeldung zu den Beratungsgesprächen wird gebeten. Hierzu wenden sich Hilfesuchende an den VOS-Landesvorsitzenden Frank Nemetz entweder per Telefon (0175-1676838) oder via E-Mail (f.nemetz@vos-ev.de). Am Beratungstag melden sich Ratsuchende im Ausstellungsbüro der Gedenkstätte.

 

 

 

Im Winter wird das Beratungsangebot pausieren.

 


28 Jahre vereintes Deutschland:

Politische Themen immer wichtiger in der Kindererziehung

 

  

 

(Berlin/care) - Die deutsche Wiedervereinigung ist inzwischen knapp 30 Jahre her – ein politisches Großereignis, das Geschichte geschrieben und Menschen vereint hat. Zwei Generationswechsel haben stattgefunden und das gesellschaftliche Leben hat sich seitdem stark verändert. Ein Jahr nach der Bundestagswahl wird die sogenannte Politikverdrossenheit der 2000er Jahre aufgrund der aktuell aufgeheizten politischen Lage in Deutschland wieder durch mehr politisches Engagement, öffentliche Diskussionen um gesellschaftliche Probleme und Demonstrationen abgelöst. Und je mehr Politik wieder an Bedeutung gewinnt und ins Zentrum der Öffentlichkeit rückt, desto mehr werden auch Eltern mit Fragen zu politischen Themen konfrontiert. Betreut.de hat sich anlässlich des Tags der Deutschen Einheit genauer angeschaut, welche Rolle politische Themen für Familien heute spielen, ob es diesbezüglich Generationsunterschiede gibt und ob der Wohnort den Umgang mit politischen Themen beeinflusst. 

 

  

 

Eltern der Wendegeneration sprechen mit ihren Kindern am häufigsten über Politik 

 

Von den 810 von Betreut.de befragten Männern und Frauen gehören 404 der sogenannten Generation X (geboren zwischen 1965 und 1979) und 406 der sogenannten Generation Y (geboren zwischen 1980 und 1994) an. Was der Vergleich der Generationen verrät: Eltern der Generation X besprechen häufiger politische Themen mit ihren Kindern, verstärkt sogar in den neuen Bundesländern. Konkret abgefragt wurden in diesem Zusammenhang, ob Eltern mit ihren Kindern über Ereignisse wie Wahlen oder Volksbefragungen (Generation X 64%, Generation Y 35%), Terrorismus (Generation X 66%, Generation Y 39%) und die Flüchtlingskrise (Generation X 68%, Generation Y 43%) sprechen. Ob Eltern über diese Ereignisse sprechen ist überraschenderweise nicht allein eine Frage des Alters ihrer Kinder - zumindest nicht für diejenigen, die dies tun. Eltern, die nicht nur der Generation X, sondern gleichzeitig auch der sogenannten Wendegeneration der 1971-1976er angehören, engagieren sich am stärksten, wenn es darum geht, mit ihren Kindern über politische Themen zu sprechen. 

 

  

 

Eltern wollen Kinder für Weltgeschehen sensibilisieren 

 

Für zwei Drittel der Eltern, die mit ihren Kindern über Politik reden, ist die Hauptmotivation dafür, dass sie wollen, dass die Kinder allgemein verstehen, was in der Welt passiert. Das Thema Flüchtlingskrise beispielsweise hat einen großen Teil der gesellschaftlichen Diskussion eingenommen, viele Flüchtlinge sind minderjährig und schulpflichtig. Dadurch erreicht es auch ganz unmittelbar Kinder – sei es im Kindergarten oder in der Schule. „Es geht nicht mehr um das Ob es Kindern erklärt werden sollte, sondern um das Wie. Wichtig ist, auf altersgerechte Art Verständnis füreinander auf- und Berührungsängste abzubauen. Je jünger die Kinder sind, desto mehr gilt, sie mit behutsam gewählten, einfachen und dosierten Worten an politische Themen heranzuführen – wenn überhaupt“, so Monka Gabriele Nehring, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin in Berlin. „Kinder im Kindergartenalter oder jünger sollten von politischen Ereignissen und Nachrichten ferngehalten werden. Es Bedarf keiner Aufklärung in diesem Alter. Das überfordert sie eher.“ Das deckt sich auch mit den Ergebnissen der Studie. Durchschnittlich fangen die Eltern an über politische Themen mit ihren Kindern zu sprechen, wenn diese sechs Jahre alt oder älter sind. „Generell ist darauf zu achten, dass Eltern ihre Kinder nicht mit ihren eigenen Ängsten und Befürchtungen belasten, sondern Zuversicht und Zukunftsvertrauen ausstrahlen“, rät Nehring weiter. 

 

 

 

Aus der Befragung geht ebenfalls hervor, dass Eltern, die mit ihren Kindern in der Stadt, der Vorstadt oder am Stadtrand leben, politische Themen häufiger besprechen. Dabei ist die Flüchtlingskrise das meist besprochene Thema (Stadt: 56%, Vorstadt/Stadtrand: 60%, Land: 41%). Auch fühlen sich diejenigen, die in der Stadt leben, stärker von internationalen, politischen Themen betroffen. Knapp die Hälfte gibt an, dass die letzten terroristischen Ereignisse sie hinsichtlich der Ferien- und Reiseplanung beeinflussen. 

 

  

 

Berlin ist Politikhauptstadt 

 

Die Betreut.de-Studie kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass Politik die größte Rolle unter den Berliner Befragten spielt. Innerhalb der Generation X sind 80 Prozent der befragten Berliner und innerhalb der Generation Y sogar 73 Prozent der befragten Berliner der Meinung, politische Themen gehören zur Kindererziehung dazu und sollten Teil von Familiengesprächen sein. In der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hat Berlin eine Schlüsselfunktion. Das lässt den Schluss zu, dass es Berliner Eltern besonders wichtig ist, ihre Kinder frühzeitig abzuholen und Themen wie Wahlen, Terrorismus und Flüchtlingskrise zu besprechen. 

 

  

 

 

 

Über Betreut.de – Care.com Europe GmbH

 

Die Care.com Europe GmbH ist eine Tochtergesellschaft von Care.com Inc., dem weltweit größten Onlineportal für Betreuung. 2006 in den USA gegründet, gehören heute 16,9 Millionen Familien und 12,7 Millionen Betreuer in über 20 Ländern zu den Mitgliedern von Care.com. Der Onlinedienst ermöglicht es Familien, einfach und verlässlich mit Kinder-, Senioren- und Tierbetreuern sowie Haushaltshilfen in Kontakt zu treten. Hunderttausende Familien haben zudem Zugriff auf die Care.com Global Workplace Solutions, die zahlreiche Unternehmen ihren Angestellten als Teil ihrer Benefit-Programme anbieten. Die familienunterstützenden Leistungen reichen vom Zugang zur Onlineplattform, über Notfall- oder Ferienbetreuung bis zur Pflegeberatung. 

 

 

 


Juristische Dokumentation der Verbrechen muss verbessert werden

Menschenrechtler: Deutscher Bundestag soll Kanadas Beispiel folgen

 

(Göttingen/gfbv) --- Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat an den Deutschen Bundestag appelliert, dem Beispiel des kanadischen Parlaments zu folgen und die Verbrechen an Rohingya in Burma zum Genozid zu erklären. „Die Resolution des kanadischen Parlaments ist ein wichtiges Signal an Burmas Staatsführung, dass die Verbrechen an Rohingya nicht straflos bleiben dürfen. Deutschlands Abgeordnete sollten sich auch dafür einsetzen, dass die schweren Verbrechen umfassender dokumentiert werden, um spätere Strafverfahren vor einem internationalen Gericht zu erleichtern“, erklärte der GfbV-Direktor Ulrich Delius am Freitag in Göttingen. So sollte nach dem Beispiel der Kriegsverbrechen in Syrien ein unabhängiger Mechanismus in den Vereinten Nationen geschaffen werden, der die Verbrechen so juristisch aufarbeitet, dass eine spätere Strafverfolgung vereinfacht wird.  

 

Kanadas Außenministerin Chrystia Freeland begrüßte die gestern einstimmig verabschiedete Resolution, die von der Liberalen Partei eingebracht worden war. Die Parlamentarier forderten darin auch den Weltsicherheitsrat auf, das Rohingya-Dossier an den Internationalen Strafgerichtshof zu verweisen und für eine Bestrafung der verantwortlichen burmesischen Generäle zu sorgen. Der Internationale Strafgerichtshof hat in dieser Woche auf eigene Initiative hin Vorermittlungen zur Aufnahme eines offiziellen Verfahrens zur Bestrafung der Verantwortlichen für die Gewalt an der muslimischen Minderheit eingeleitet.   

 

Der britische Außenminister Jeremy Hunt unterstrich gestern bei einem Besuch in Burma, dass sich die Generäle für die Verbrechen vor Gericht verantworten müssten. Hunt empfahl nach einem Besuch im Rakhine-Staat, aus dem seit August 2017 mehr als 750.000 Rohingya fliehen mussten, die Vereinten Nationen sollten alle Optionen prüfen und auch eine Beauftragung des Internationalen Strafgerichtshofes erwägen. Großbritannien will sich dafür einsetzen, dass der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen in der kommenden Woche einen „Unabhängigen Mechanismus zur Aufarbeitung der Verbrechen an Rohingya“ schafft, um künftige Strafverfahren zu erleichtern.

 

Vereinten Nationen hatte am 18. September 2018 einen 444 Seiten umfassenden Bericht vorgelegt, in dem Burmas Armee Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit an Rohingya vorgeworfen werden. Der Report geht davon aus, dass seit Ende August 2017 mindestens 10.000 Rohingya gewaltsam zu Tode gekommen sind und 37.000 ihrer Häuser gezielt zerstört wurden.   

 

 

 


Eine Veranstaltung im Rahmen des Begleitprogramms zur Wechselausstellung »Fritz Koenig – Zeichen der Erinnerung«

 Datum: 26. September 2018, 19 Uhr

 

Ort: KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, Bildungszentrum Silberhüttenstraße 42, 92696 Flossenbürg Eintritt: frei

 

 

 

(Flossenbürg/pm) - Dieter Wieland – Journalist, Autor und Filmemacher, aufgewachsen in Landshut und bekannt geworden mit der Sendereihe »Topographie« – verband eine jahrzehntelange Freundschaft mit dem 2017 verstorbenen Künstler Fritz Koenig. Er bewundert besonders Fritz Koenigs Gespür für den Raum und dessen gebaute Welt auf dem Ganslberg bei Landshut. Über 50 Jahre schaffte Fritz Koenig dort seine größten Werke und gestaltete den Ort als seine »Arche Noah«. In dem Vortrag spricht Dieter Wieland darüber, wie er Fritz Koenig als Menschen erlebte und wie der Künstler und Bauherr seinen eigenen Blick prägte. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Begleitprogramms zur Wechselausstellung »Fritz Koenig – Zeichen der Erinnerung« statt, die bis zum 31. Mai 2019 in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg zu sehen ist.

 


Torsten Bonew, 1. Bürgermeister der Stadt Leipzig, eröffnet deutsch-arabische Ausstellung "Orte der Friedlichen Revolution" am 25.09.2018 um 14.00 Uhr in den Promenaden Hauptbahnhof Leipzig

 

 

(Leipzig/pm) - Anlässlich der ersten Montagsdemonstration 1989 auf dem Leipziger Ring ist die zweisprachige Präsentation „Orte der Friedlichen Revolution“ der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ bis zum 14. Oktober 2018 in den Promenaden Hauptbahnhof Leipzig ausgestellt – einem historischen Ereignisort.

 

Die Eröffnung beginnt am Dienstag, den 25. September 2018, um 14.00 Uhr. Nach der Eröffnung durch Torsten Bonew, 1. Bürgermeister der Stadt Leipzig, hält Center-Manager Thomas Oehme ein Grußwort und Gedenkstättenleiter Tobias Hollitzer gibt eine Kurzführung. Der Eintritt ist frei.

 

In wenigen Wochen feiert Leipzig wieder die Friedliche Revolution. Auch die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ beteiligt sich an den Veranstaltungen rund um den „9. Oktober“ und eröffnet seine deutsch-arabische Ausstellung „Orte der Friedlichen Revolution“ an einem historisch bedeutsamen Ort: dem Hauptbahnhof Leipzig. Dort standen am entscheidenden Abend des 9. Oktober – als noch unklar war, ob die Revolution blutig oder friedlich verlaufen würde – die Sicherheitskräfte bereit, um den Demonstrationszug aufzulösen. Doch angesichts der Übermacht von weit über 70.000 friedlichen Demonstranten musste die Leipziger SED-Führung auf Vorschlag des Volkspolizeichefs den Befehl zum Rückzug geben.

 

Anhand der Ausstellung wird deutlich, wie sich der politische Widerstand gegen das SED-Regime und der damit einhergehende demokratische Aufbruch in Leipzig entwickelt haben. Als Rundgang angelegt, führt die Präsentation an 20 Originalschauplätze in der Leipziger Innenstadt und verdeutlicht durch den chronologischen Aufbau, wie aus den Protesten einzelner eine Massenbewegung entstand, die sowohl die SED-Diktatur in der DDR zum Einsturz brachte als auch den Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands ebnete.

 

 

 

Vermittlung von Geschichte und Demokratieentwicklung

 

Mit der Ausstellung will die Gedenkstätte die hier lebenden Flüchtlinge und Asylsuchenden bei der historisch-politischen Bildung unterstützen und ihre kulturelle Teilhabe fordern. Die Präsentation ist bewusst in zwei Sprachen gestaltet: Die Flüchtlinge können so ihre bereits erlernten Kenntnisse zur deutschen Sprache anwenden und mit Hilfe des arabischen Teils unklare Worte ergänzen. Gleichzeitig sollen die Tafeln Anreize schaffen, sich intensiver mit der jüngsten deutschen Geschichte zu befassen. Die revolutionären Ereignisse von 1989/90 sind ein Beispiel dafür, wie sich Bürger friedlich und erstmals erfolgreich gegen eine Diktatur gewendet haben, um Freiheit und demokratische Grundrechte zurückzuerlangen. Erfahrungen mit Diktaturen oder totalitären Ansichten haben die hier lebenden Flüchtlinge und Asylsuchenden oft selbst erleben müssen.

 

Für die Leipziger Bürger kann die Präsentation ebenfalls Anreize bieten, sich im Sinne einer Selbstvergewisserung intensiver mit der jüngsten Geschichte und Demokratieentwicklung zu befassen. Die jüngste Leipziger Geschichte war schließlich geprägt von über 40 Jahren Diktatur in der DDR, in denen die Stasi gemeinsam mit anderen staatlichen Institutionen die Bürger überwachte und sie systematisch ihrer demokratischen Grundrechte beraubte. Erst mit der Friedlichen Revolution konnte die Diktatur überwunden und Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zurückerlangt werden.

 

 

 


Gespräch zwischen Erster Kirchenleitung und Landesregierung zu aktuellen Fragen:

Gemeinsam Zusammenhalt stärken und ländliche Räume fördern

 

(Schwerin/at/std) - Die Erste Kirchenleitung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) ist heute (18. September) mit Mitgliedern der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns zum turnusmäßigen Gespräch in Schwerin zusammengetroffen. Im Mittelpunkt stand dabei die gemeinsame Verantwortung für das Miteinander im Land.

 

Landesbischof Gerhard Ulrich würdigte in seiner Begrüßung die regelmäßigen Gespräche zwischen Landesregierung und Kirche: „So können wir uns gemeinsam den aktuellen Herausforderungen unserer Zeit stellen – in partnerschaftlicher Verbundenheit.“

 

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sagte zu Beginn der Begegnung: „Die Treffen zwischen der Landesregierung und den Kirchen sind mir wichtig. Die Kirchen engagieren sich auf vorbildliche Weise im sozialen Bereich und geben vielen Menschen Orientierung. Regierung und Kirchen haben unterschiedliche Aufgaben. Es ist aber wichtig, dass wir regelmäßig miteinander im Gespräch sind.“

 

Kirchenleitung und Landesregierung wollen künftig stärker kooperieren, um besonders im ländlichen Raum den gesellschaftlichen Diskurs vor Ort zu fördern und die regionale Identität zu stärken. Dazu sollen bestehende Angebote genutzt und geeignete neue Formate des Bürgerdialogs auch in kirchlichen Räumen entwickelt werden.

 

Der Landesbischof erklärte: „Nach dem christlichen Menschenbild ist jeder Einzelne Geschöpf Gottes, das mit unverlierbarer Würde begabt ist. Als Nordkirche werden wir daher weiterhin ein verlässlicher Partner all derjenigen sein, die eine offene und freie Gesellschaft für alle Menschen gestalten. Wo aber Gewalt und Rassismus an die Stelle einer demokratischen Streitkultur treten, werden wir klar wiedersprechen.“ Ulrich hob hervor: „Gerade in Zeiten des Wandels müssen wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Dies gilt insbesondere für Regionen in unserem Bundesland, wo die schwindende Infrastruktur kaum die Lebensqualität aller Bewohnerinnen und Bewohner sichern kann.“

 

Auch die Ministerpräsidentin ging auf die besonderen Herausforderungen bei der  Entwicklung des ländlichen Raumes ein und betonte: „Mecklenburg-Vorpommern ist zu 90 Prozent ländlicher Raum, deshalb liegt hier auch seit langem unser Schwerpunkt bei der Förderung. Wir wollen das Land in den nächsten Jahren weiter voranbringen. Die gilt ausdrücklich auch für den ländlichen Raum. Wir brauchen gleichwertige Lebensverhältnisse in Ost und West, in der Stadt und auf dem Land. Das ist in Deutschland Verfassungsauftrag. Die Mitwirkung in der ‚Kommission gleichwertige Lebensverhältnisse‘ auf Bundesebene ist mir deshalb ein sehr wichtiges Anliegen.“

 

Justizministerin Katy Hoffmeister hob während des Gespräches die besondere Rolle der Kirche insbesondere auf dem Land hervor: „Das Engagement der Nordkirche ist gerade im ländlichen Raum von unverzichtbarem Wert. Das habe ich auf meiner Sommertour durch Kirchengemeinden unseres Landes wieder erleben dürfen. Ich besuchte kleine Orte, in denen das Ehrenamt der Kirchgemeinde Alltag und Freizeit am Leben hält. Das Engagement der kirchlichen Gemeinden bringt aber auch Generationen zusammen. Das fördert die Gemeinschaft und das Verständnis füreinander.“

 

Bischof Dr. Andreas v. Maltzahn verwies auf die positiven Erfahrungen aufsuchender Sozialarbeit, wie sie von Projekten wie dem „Volxmobil“ mit Angeboten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Kleinstädten und der „Alpha Arbeit“, einem sozialdiakonischen Arbeitszweig auf dem Großen Dreesch in Schwerin, geleistet werde. Ein weiteres Beispiel sei die politische Bildungsarbeit der Regionalzentren für demokratische Kultur in Trägerschaft der Evangelischen Akademie. Bischof v. Maltzahn: „Solche Angebote werden in hohem Maße nachgefragt und bedürfen nachhaltiger Unterstützung und Stärkung.“

 

Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit verwies unter anderem auf die Abwanderung vieler Menschen in den ersten beiden Jahrzehnten nach der deutschen Wiedervereinigung besonders aus Vorpommern und strukturelle Defizite vor allem auf dem Lande: „Durch die vergleichsweise gute Präsenz der Kirche vor Ort konnten manche negativen Folgen aufgefangen werden. Die Kirche im Dorf trägt in hohem Maße zur Identifikation vieler Menschen mit ihrer Region bei, trotz begrenzter Kräfte und vielfach auch unabhängig von Kirchenzugehörigkeit.“

 

Weitere Themen der Begegnung waren die Umsetzung der Inklusion und die Kooperation zwischen staatlichen und freien Schulträgern sowie die Sicherung der Leistungsfähigkeit der Freien Wohlfahrtspflege. Auch die gegenwärtige Situation in der Landwirtschaft vor dem Hintergrund der Folgen der Dürre und Maßnahmen zur Unterstützung betroffener Landwirtschaftsbetriebe kamen zur Sprache.

 

Die jährlichen Gespräche zwischen Landesregierung und Kirchenleitung sind Bestandteil des Güstrower Vertrages von 1994, der das Verhältnis von Staat und evangelischer Kirche in Mecklenburg-Vorpommern regelt. In diesem Jahr fand das Treffen auf Einladung der Ersten Kirchenleitung statt.

 


Abschluss des kfd-Projektes „Zukunft: nachhaltig und geschlechtergerecht“

Nachhaltiges Handeln muss politisch gestärkt werden

 

 

(Düsseldorf/kfd) – In der kfd und breiten Öffentlichkeit Impulse für nach­haltiges und geschlechtergerechtes Handeln zu setzen sowie Veränderung zu erwirken: Das war Ziel des Projektes „Zukunft: nachhaltig und geschlechtergerecht“ der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) – Bundesverband e.V., das gestern in Mainz mit einer Podiumsdiskussion und Präsentation der Ergebnisse seinen Abschluss fand.

 

30 Multiplikatorinnen aus zehn kfd-Diözesanverbänden stellten zum Abschluss der zweijährigen Qualifizierungsmaßnahme ihre Projekte vor: Bundesweit mehr als 2.000 Menschen haben sich bisher in den eigens ausgearbeiteten Veranstaltungen mit Themen wie nachhaltigem Konsum, fairem Handel oder Up-/Recycling in Theorie und Praxis beschäftigt. 

 

 

 

Monika von Palubicki, stellvertretende kfd-Bundesvorsitzende: „Mit Ihren Projekten stärken Sie den Verband als Veränderungskraft. kfd-Mitglieder leben einen nach­haltigen Lebensstil vor, und Nachahmung wird leicht gemacht. So ist das private Handeln politisch wirkmächtig.“ Die kfd werde dazu im nächsten Jahr ein Positionspapier verabschieden, kündigte sie an.

 

 

 

Zu den diözesanen Projekten gehörten ein kommunales Frauenfrühstück, öko-faire Ausflüge, Kooperationen mit dem Bäckerhandwerk für Mehrweg-Brottaschen oder Plastikfasten im Selbst­versuch. Der Diözesanverband München-Freising strebt das anspruchsvolle EU-Prüflabel EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) für seine Geschäftsstelle an, ein weiterer Diözesanverband verpflichtet sich mit allen 500 Ortsgruppen, nur noch fair gehandelten Kaffee oder Tee auszu­schenken.

 

 

 

Anni Rennock, kfd-Bundesvorstand und Sprecherin des Ständigen Ausschus­ses Haus­wirt­schaft und Verbraucherthemen, bei der Zertifikatsverleihung: „Ich bin begeistert von der Energie und Kreativität, mit der die Teilnehmerinnen ihre Ideen in die Tat umgesetzt haben.

 

 

 

Im Podiumsgespräch bewertete die Vorsitzende des Umweltausschusses des Bundestages, Sylvia Kotting-Uhl (MdB Bündnis90/Die Grünen), das Engagement der kfd als „großartig“. Allerdings könne die Gesellschaft die Welt nicht retten ohne entsprechende politische Rahmenbedingun­gen, so Kotting-Uhl. Applaus erhielt sie für ihre Forderungen nach Verboten von Plastik­ver­packungen oder der Besteuerung von Flugbenzin.

 

 

 

Dr. Christiane Averbeck, Geschäftsführerin der Klima-Allianz Deutschland, zufolge haben die Projektteilnehmerinnen einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung Deutschlands geleistet: „Sie haben gehandelt und nicht nur geredet.“ Jetz