Politik

19.01.2021


Neue Studie wertet Daten der EU-Mitgliedsstaaten aus

EU-Klimafinanzierung braucht einheitliche Regeln

 

 

Klimafinanzierung * Studie * EU * ACT Alliance EU

 

 

 

(Berlin/bfw) - Im Rahmen des Pariser Klimaabkommens haben die Industriestaaten versprochen, ab dem Jahr 2020 jährlich 100 Mrd. US-Dollar bereitzustellen, um die ärmsten Staaten in der Klimakrise zu unterstützen. Eine neue Studie im Auftrag von Brot für die Welt mit dem Bündnis ACT Alliance EU belegt, dass es signifikante Unterschiede in den Klimahilfen der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten gibt.  

 

„Wir stecken bereits mitten in einer Klimakrise. Für ärmste Bevölkerungsgruppen in den Hotspots des Klimawandels ist die Situation schon jetzt sehr kritisch. Sie können die Folgen des Klimawandels nur bewältigen, wenn sie angemessen unterstützt werden“, sagt Cornelia Füllkrug-Weitzel, die Präsidentin von Brot für die Welt. „Die versprochenen Klimahilfen der reichen Industriestaaten werden dringend benötigt. Dafür braucht es klare und einheitliche Regeln.“

 

Die Studie belegt, dass die Europäische Union kein einheitliches Verständnis von der Verantwortung hat, die sie gegenüber den ärmsten Bevölkerungsgruppen trägt. Im Jahr 2018 haben nur drei europäische Staaten – Schweden, Deutschland und auch das EFTA-Land Norwegen - mehr als 0,1 Prozent ihres Bruttoinlandprodukts (BIP) für Klimafinanzierung bereitgestellt. Kein Land hat 0,2 Prozent erreicht. Belgien und Österreich liefern nur 0,02 Prozent ihres BIP. Andere schneiden noch schlechter ab wie etwa Portugal mit 0,0008 Prozent seines BIP. Mit insgesamt 6,3 Mrd. Euro hat Deutschland 2018 im Vergleich zu den anderen Mitgliedsstaaten den höchsten Beitrag zur Klimafinanzierung geleistet. Davon waren jedoch nur 56 Prozent (3,5 Mrd. Euro) wirkliche Klimahilfen, der Rest muss von den Entwicklungsländern größtenteils zurückgezahlt werden.

 

Die Studie zeigt auch, dass nur wenige EU-Mitgliedsstaaten wie Dänemark und die Niederlande der Erwartung der ärmsten Länder nachkommen und die Mittel für Klimafinanzierung als Schenkungen vergeben. Deutschland, Frankreich und Spanien dagegen stellen Klimahilfen zum Großteil als Kredite bereit, die teilweise mit Zinsen zurückgezahlt werden müssen. „Die EU-Mitgliedsstaaten tragen durch ihre Emissionen eine historische Verantwortung für den menschengemachten Klimawandel. Es ist daher ungerecht, wenn sie den ärmsten Bevölkerungsgruppen Kredite statt echte Klimahilfen bereitstellen“, sagt Füllkrug-Weitzel. „Während Kredite die ärmsten Staaten immer tiefer in die Schuldenkrise führen können, profitieren die reichen Staaten unter Umständen sogar durch die Zinsen. Das entspricht weder unserem Verständnis von Klimagerechtigkeit, noch kann das der faire Umgang mit den Folgen der Klimakrise sein.“

 

Laut UN-Vereinbarungen soll die Klimafinanzierung „neu und zusätzlich“ zu der Entwicklungszusammenarbeit sein. Die Vereinten Nationen hatten sich das Ziel gesetzt, dass die Industrieländer 0,7 Prozent ihres Bruttonationaleinkommens (BNE) für öffentliche Entwicklungszusammenarbeit einsetzen (Official Development Assistance – ODA-Quote). Die EU-Mitgliedsstaaten erkennen die Notwendigkeit an, dass die Klimahilfen neu und zusätzlich zu ODA sein müssen. Da bislang jedoch nur wenige Länder das 0,7-Prozent-Ziel erfüllen, sind die Klimahilfen zumeist nicht zusätzlich. Eine positive Ausnahme ist Schweden: Das Land weist nur die Klimahilfen aus, die über die Verpflichtungen für die Entwicklungszusammenarbeit hinausgehen. „Wenn man in Deutschland die schwedische Rechenformel anwenden würde, so würde die deutsche Klimafinanzierung gar nicht mehr existieren, da wir das 0,7-Prozent-Ziel nicht erreichen“, kritisiert Sabine Minninger, Klimaexpertin von Brot für die Welt. 

 

Die Studie „Setting the Standard“ wertet die Daten aus dem Jahr 2018 aus, die die EU- und die EFTA-Mitgliedsstaaten an die Europäische Union, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die Vereinten Nationen berichtet haben.

 

Studie „Setting the Standard“ https://bit.ly/3ibJsCI

 

 

 

Blog https://www.brot-fuer-die-welt.de/blog/2021-eu-klimafinanzierung-braucht-einheitliche-regeln/

 


Kinderrechte ins Grundgesetz: SOS-Kinderdorf kritisiert Formulierung der Regierungsparteien

(München/sos) Nach jahrelangem Ringen ist es SPD und Union gelungen, sich auf einen Kompromiss zur Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz zu verständigen. Der nun beschlossene Regelungstext, mit dem Artikel 6 des Grundgesetzes ergänzt werden soll, hält SOS-Kinderdorf jedoch für unzureichend und ungeeignet, Kinderrechte tatsächlich zu stärken.

 

SOS-Kinderdorf fordert seit langem die Aufnahme von Kinderrechten in der Verfassung und eine damit verbundene Stärkung der Rechte von Kindern. Die nun vorgelegte Formulierung der Koalition reicht aus Sicht des Vereins jedoch bei weitem nicht aus. Die geplante Ergänzung zu Absatz 2 des Artikels 6 liest sich wie folgt: "Die verfassungsmäßigen Rechte der Kinder einschließlich ihres Rechts auf Entwicklung zu eigenverantwortlichen Persönlichkeiten sind zu achten und zu schützen. Das Wohl des Kindes ist angemessen zu berücksichtigen. Der verfassungsrechtliche Anspruch von Kindern auf rechtliches Gehör ist zu wahren. Die Erstverantwortung der Eltern bleibt unberührt."

 

Diese Formulierung fällt allerdings hinter die UN-Kinderrechtskonvention und die aktuelle Rechtsprechung zurück. Eine lediglich angemessene Berücksichtigung des Kindeswohls spiegelt den in Artikel 3 der UN-Kinderrechtskonvention enthaltene Kindeswohlvorrang in seiner Bedeutung nicht wider. Auch, dass der verfassungsrechtliche Anspruch von Kindern auf rechtliches Gehör zu wahren sei, ist aus Sicht von SOS-Kinderdorf völlig unzureichend: Dieser Satz wird dem viel breiter gefassten Recht auf Beteiligung nicht gerecht. Zudem ist der Anspruch auf rechtliches Gehör bereits jetzt über Absatz 1 des Artikels 103 im Grundgesetz gesichert. „Um Kinderrechte tatsächlich zu stärken, braucht es eine Formulierung für die Verankerung im Grundgesetz, die die Prinzipien der UN-Kinderrechtskonvention widerspiegelt. Dies muss den Kindeswohlvorrang sowie das Recht auf Schutz, Förderung und Beteiligung umfassen“, betont Luise Pfütze, Advocacy-Referentin von SOS-Kinderdorf e.V.

 

Dass die Rechte von Kindern in Deutschland nur unzureichend berücksichtigt werden, hat sich während der Corona-Pandemie noch einmal verstärkt gezeigt: Die Bildungsungerechtigkeit hat sich verschärft und bestehende Armutslagen haben sich noch verschlimmert. „Die Interessen und Bedürfnisse der jüngsten Mitglieder der Gesellschaft sowie ihr Recht auf Beteiligung wurden in der Krise viel zu wenig beachtet“, so Luise Pfütze weiter.

 

 

 

Der SOS-Kinderdorf e.V.:

 

SOS-Kinderdorf bietet Kindern in Not ein Zuhause und hilft dabei, die soziale Situation benachteiligter junger Menschen und Familien zu verbessern. In SOS-Kinderdörfern wachsen Kinder, deren leibliche Eltern sich aus verschiedenen Gründen nicht um sie kümmern können, in einem familiären Umfeld auf. Sie erhalten Schutz und Geborgenheit und damit das Rüstzeug für ein gelingendes Leben. Der SOS-Kinderdorfverein begleitet Mütter, Väter

 

oder Familien und ihre Kinder von Anfang an in Mütter- und Familienzentren. Er bietet Frühförderung in seinen Kinder- und Begegnungseinrichtungen. Jugendlichen steht er zur Seite mit offenen Angeboten, bietet ihnen aber auch ein Zuhause in Jugendwohngemeinschaften sowie Perspektiven in berufsbildenden Einrichtungen. Ebenso gehören zum SOS-Kinderdorf e.V. die Dorfgemeinschaften für Menschen mit geistigen und seelischen Beeinträchtigungen. In Deutschland helfen in 39 Einrichtungen insgesamt rund 4.400 MitarbeiterInnen. Der Verein erreicht und unterstützt mit seinen über 800 Angeboten rund 109.500 Menschen in erschwerten Lebenslagen in Deutschland. Darüber hinaus finanziert der deutsche SOS-Kinderdorfverein 173 SOS-Einrichtungen in 29 Ländern weltweit.

 

Mehr Informationen unter www.sos-kinderdorf.de

 


Familienbund: Das geltende Verfassungsrecht schützt Kinder immer noch am besten!

(Trier/Berlin/bt), den 13. Januar 2021 – Angesichts des bekanntgewordenen Formulierungsvorschlags der großen Koalition, Kinderrechte in der Verfassung sichtbar zu machen, spricht sich der Familienbund der Katholiken im Bistum Trier gegen eine Verfassungsänderung aus. Der neue wortreiche Passus, auf dem sich die große Koalition nun geeinigt hat, scheint zwar mit Blick auf die Einschränkung von Elternrechten weitgehend entschärft, bleibt aber für die Stellung von Kindern in unserem Rechtssystem folgenlos und bietet Anlass für Missverständnisse. Zu dieser Einschätzung kommt der Familienbund in einer ersten Reaktion auf die Ankündigung der Regierungskoalition.„Das geltende Verfassungsrecht schützt Kinder immer noch am besten. Es wird auch weiter die konkrete Einzelgesetzgebung sein, wie die Kinder- und Jugendhilfe, die die Lebenslage von Kindern konkret verändern können, nicht die abstrakte Verfassungsgesetzgebung“, fasst die Vorsitzende des  Familienbundes der Katholiken im Bistum Trier Hildegard Weber die Bewertung des Familienverbandes zusammen.

 

Erleichtert zeigt sich der familienpolitische Fachverband, dass die primäre Erziehungszuständigkeit der Eltern unangetastet bleiben soll. Die jetzt vorgeschlagene Formulierung enthält den ausdrücklichen Satz: „Die Erstverantwortung der Eltern bleibt unberührt.“ „Das ist ein Fortschritt“, so Weber, „der mögliche rechtliche Nebenwirkungen einer Verfassungsänderung, wie Eingriffe in die Eltern-Kind-Beziehung, verhindern soll. Jede Textänderung birgt jedoch auch die Gefahr einer unbeabsichtigten Inhaltsänderung. Daher spricht sich der Familienbund dafür aus, angesichts einer allgemein als gut erachteten verfassungsrechtlichen Regelung, von einer Verfassungsänderung abzusehen.

 

„Es bleibt widersinnig, eine Verfassungsänderung mit der Zielsetzung durchzuführen, dass sich möglichst wenig ändern soll, weil die derzeitige Rechtslage gut ist. Das Sichtbarmachen bereits bestehender Kindergrundrechte kann keine Rechtfertigung sein.“

 

Der von den Koalitionären jetzt vorgelegte Formulierungsvorschlag verweist darauf, dass die ‚verfassungsmäßigen‘ Rechte der Kinder zu achten und zu schützen sind und der ‚verfassungsrechtliche‘ Anspruch von Kindern auf rechtliches Gehör zu wahren ist. Der Koalitionsentwurf bringt damit zum Ausdruck, dass kein neues Kindergrundrecht geschafften werden soll, sondern vielmehr die bestehenden verfassungsmäßigen Rechte noch einmal bekräftigt werden sollen. Der Familienbund begrüßt auch, dass die Kinderrechte „angemessen“ und nicht generell allen anderen Rechten „vorrangig“ zu berücksichtigen sind. Das ermöglicht eine sachgerechte Abwägung im Einzelfall, die immer auch die eminent wichtige Stellung von Kindern in unserer Gesellschaft mitberücksichtigt. Die neue Formulierung begrenze zwar die Probleme, sie sei aber weiterhin überflüssig.

 

„Es bleibt widersinnig, eine Verfassungsänderung mit der Zielsetzung durchzuführen, dass sich möglichst wenig ändern soll, weil die derzeitige Rechtslage gut ist. Das Sichtbarmachen bereits bestehender Kindergrundrechte kann keine Rechtfertigung sein. Zum einen sind die Kindergrundrechte bereits sichtbar. Wenn das Grundgesetz, die Rechte aller beschreibt, ergibt sich zweifellos, dass auch Kinder gemeint sind. Zum anderen birgt jede Textänderung der Verfassung die Gefahr einer unbeabsichtigten Inhaltsänderung. Eine solche Gefahr sollte man bei einer von allen Seiten als gut beschriebenen Rechtslage nicht eingehen", so die Vorsitzende Hildegard Weber abschließend.

 

Der Familienbund der Katholiken ist der mitgliederstärkste Familienverband Deutschlands.

 

Ihm gehören 25 Diözesan-, 10 Landes- sowie 15 Mitgliedsverbände an.

 


70 Ökonominnen und Ökonomen fordern Lieferkettengesetz

Lieferkettengesetz * Ökonomen * Aufruf

 

(Berlin/bfw) - In einem heute veröffentlichten Aufruf sprechen sich 70 Wirtschaftswissenschaftlerinnen und Wirtschaftswissenschaftler für die Einführung eines Lieferkettengesetzes in Deutschland aus. Das Vorhaben ist zwischen den Koalitionsparteien seit Monaten umstritten. Nach Angaben aus Regierungskreisen sollen die Streitpunkte heute in einem Spitzengespräch zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) ausgeräumt werden. In dem Aufruf setzen sich die unterzeichnenden Ökonominnen und Ökonomen, darunter auch die Wirtschaftsethiker Prof. Dr. Peter Ulrich und Prof. Dr. Bernhard Emunds, dafür ein, dass Deutschland die menschenrechtlichen und umweltbezogenen Sorgfaltspflichten von Unternehmen gesetzlich regelt. Aus wirtschaftswissenschaftlicher Perspektive sei ein Lieferkettengesetz notwendig und machbar.

 

Prof. Dr. Hansjörg Herr hat den Aufruf mitinitiiert und erläutert: „Am Weltmarkt haben sich Lieferketten durchgesetzt, die zu erheblichen sozialen und ökologischen Kosten führen – das ist ein Markt- und Politikversagen. Ein umfassendes Sorgfaltspflichtengesetz kann dem entgegenwirken.“ Prof. Dr. Elisabeth Fröhlich, Präsidentin der CBS International Business School, ergänzt: „Gerade Deutschland mit seinen hohen Leistungsbilanzüberschüssen und der ökonomischen Abhängigkeit vom Welthandel muss eine regulierte nachhaltige Globalisierung fördern, damit die hiesige Wirtschaft zukunftsfähig bleibt.“

 

Der Mitunterzeichner Dr. Frank Hoffer, langjähriger Mitarbeiter der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und ehemaliger Geschäftsführer von ACT, der Initiative von Textilunternehmen und Gewerkschaften für existenzsichernde Löhne in der Textilindustrie, macht deutlich: „Ein Lieferkettengesetz verhindert unerwünschte Wettbewerbsvorteile durch schlechtere Arbeitsbedingungen, Armutslöhne oder unterlassene Investitionen in Arbeits- und Umweltschutz. Die Leistungen von Unternehmen, die sich schon jetzt für nachhaltige Lieferketten engagieren, werden durch ein solches Gesetz anerkannt und andere Unternehmen werden motiviert es ihnen gleich zu tun.“

 

Menschenrechts-, Entwicklungs- und Umweltorganisationen sowie Gewerkschaften und kirchliche Akteure fordern schon lange die Einführung eines wirksamen Lieferkettengesetzes. Dazu haben sie sich zur „Initiative Lieferkettengesetz“ zusammengeschlossen. „Wir begrüßen den Aufruf, denn er zeigt, wie wichtig ein Lieferkettengesetz auch aus ökonomischer Perspektive ist. Die Bundesregierung hat ein Lieferkettengesetz im Koalitionsvertrag zugesagt. Doch die Legislaturperiode endet bald – die Zeit zu handeln ist also jetzt", betont Johanna Kusch, Sprecherin der Initiative Lieferkettengesetz.

 

Das Bündnis umfasst mittlerweile 123 Organisationen, darunter auch das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt. Dr. Klaus Seitz, Leiter der Politikabteilung von Brot für die Welt, unterstreicht: „Unternehmen, die für Schäden an Mensch und Umwelt in ihrer Lieferkette verantwortlich sind, müssen auch dafür haften. Es ist höchste Zeit, dass Sorgfaltspflichten zum Schutz von Menschenrechten und Natur in einem Lieferkettengesetz festgeschrieben werden. Ein solches Gesetz stärkt die schwächsten Glieder der globalen Lieferketten und bahnt den Weg zu einer fairen und nachhaltigen Wirtschaftsweise.“

 

 

 

Weiterführende Informationen:

 

         Der Aufruf von 70 Ökonominnen und Ökonomen zur Einführung eines Lieferkettengesetzes in Deutschland findet sich hier: https://www.business-humanrights.org/de/neuste-meldungen/aufruf-gesetz-oekonominnen/

 


Warnung vor langfristigen Kita- und Schulschließungen

Familienbund kritisiert Corona-Politik

Foto: privat
Foto: privat

 

 

(Berlin/Trier/bt) – Der Familienbund der Katholiken warnt im Kampf gegen die Corona-Pandemie vor dem Entstehen einer „lost generation“ (verlorenen Generation) von Kindern und Jugendlichen aufgrund wiederholter oder langanhaltender Kita- und Schulschließungen sowie mangelnder persönlicher Beziehungen. Bei aller Anerkennung der nötigen Einschränkungen im Kampf gegen die Pandemie spricht sich der Präsident des Familienbunds, Ulrich Hoffmann, nachdrücklich für eine rasche Rückkehr von Kindern und Jugendlichen in Kitas und Schulen aus. Zugleich mahnt er deutliche Verbesserungen bei Hygiene- und Unterrichtskonzepten sowie der technischen und räumlichen Ausstattung von Schulen und Kitas an.

 

„Eine Politik, die die Corona-Pandemie in den Griff bekommen will, ohne Kinder und Jugendliche angemessen zu beachten, gefährdet die Zukunftschancen einer ganzen Generation“, sagte Hoffmann heute in Berlin anlässlich der neuerlichen Beratungen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Fortsetzung des Lockdowns in Deutschland. Bildungsökonomen wiesen bereits auf die fatalen Folgen von Bildungs- und Qualifikationseinbußen auf spätere Gehälter und Renten hin, bis hin zu einem größeren Anteil von Geringqualifizierten auf dem Arbeitsmarkt. Kitas und Schulen weiter zu schließen, bedeute, Kindern und Jugendlichen eine ihrer wichtigsten Entwicklungsgrundlagen zu nehmen. Ein menschenwürdiges Aufwachsen sei für Kinder und Jugendliche gleichbedeutend mit der Chance zu lernen, mit dem Recht auf Bildung und dem Leben sozialer Beziehungen. Wer Kitas und Schulen schließe, müsse auch klare und akzeptable Alternativen für Kinder, Jugendliche und Eltern formulieren und umsetzen. „Diese Antworten bleibt die Politik seit Beginn des ersten Lockdown vor nun fast einem Jahr schuldig. Bis heute fehlen sowohl der erkennbare politische Wille als auch die politische Phantasie, Kitas und Schulen in der Pandemie mit Expertenwissen digital, didaktisch und baulich so zu ertüchtigen, dass Kinder, Jugendliche und Eltern nicht zu den Verlierern der Krise werden – mit langfristigen gesellschaftlichen Folgen.“

 

Hoffmann erneuerte seine Forderung nach einem nationalen Familiengipfel, um im Jahr 2021 die Bekämpfung der Pandemie mit den Lebensbedingungen von Familien abzustimmen und für wirkungsvolle Hilfsangebote zu sorgen. Dazu könnten etwa eine Corona Elternzeit oder ein Corona-Elterngeld ebenso gehören wie bezahlter Urlaub für Eltern oder eine Betreuungsgarantie für Schüler und Kita-Kinder. Eine weitere Mehrfachbelastung von Eltern aus Homeoffice, Hausunterricht, Haushalt, Kochen und Erziehungsarbeit dürfe es nicht geben. Fragen würden auch die aktuellen technologischen Förderschwerpunkte hierzulande aufwerfen, so Hoffmann: „Während junge und innovative Start-up-Unternehmen mit Milliardenhilfen unterstützt werden, kämpfen Schulsekretariate in Zeiten der Corona-Pandemie mit einer funktionierenden telefonischen Erreichbarkeit. Das ist Ausdruck einer verzerrten und skurrilen Schwerpunktsetzung auf dem Gebiet der Technologieförderung. Zukunftsinvestitionen dürfen aber gerade an Schulen nicht vorbeigehen.“ Die Corona-Pandemie offenbare die Schwächen der Infrastruktur in unserer Gesellschaft. Dazu gehöre auch die didaktische Fortbildung von Lehrern für digitales Unterrichten und eine zeitgemäße Pädagogik wie das Lernen in kleinen Gruppen.“

 

Mehr Informationen unter: www.familienbund.org.

 

 

 


Aktionswoche der Jugendorganisationen von Brot für die Welt, Amnesty International und Plan International e.V.

Lieferkettengesetz: Jugendliche fordern globale Verantwortung

Lieferkettengesetz * Jugendorganisationen * Aktionswoche * Podiumsdiskussion * Bundestagswahl

 

(Berlin/bfw) - Mit einer Aktionswoche unter dem Motto „Wenn niemand hinschaut“ unterstützen Amnesty Jugend, Brot für die Welt Jugend, der Jugendbeirat von Plan International Deutschland und weitere Jugendnetzwerke die Forderung nach einem wirksamen Lieferkettengesetz. Vom 7. bis zum 15. Januar 2021 gibt es täglich informative Beiträge und ein virtuelles Programm. Aufgrund der Corona-Pandemie wird die Aktionswoche größtenteils online über die Social-Media-Kanäle der Jugendorganisationen stattfinden, geplant sind aber auch Straßenaktionen in verschiedenen deutschen Städten. Höhepunkt ist am 14. Januar eine digitale Podiumsdiskussion mit Gyde Jensen (MdB, FDP, Vorsitzende Ausschuss für Menschenrechte), Matthias Zimmer (MdB, CDU, Ausschuss für Menschenrechte & Arbeit und Soziales), der Firma VAUDE und jungen Aktivist*innen.

 

„Deutsche Unternehmensgewinne beruhend auf Ausbeutung und Menschenleben, meist im globalen Süden, sind für uns als junge Generation einfach nicht mehr hinnehmbar. Dass sich der politische Prozess um das Lieferkettengesetz seit Monaten verzögert, macht mich wütend“, erklärt Georg Freier (20) von Brot für die Welt Jugend. SPD und CDU haben nur noch bis zum Ende der Legislaturperiode im September Zeit, um ihre Koalitionsversprechen umzusetzen. Dazu gehört auch das Lieferkettengesetz. Auch deshalb liegt die Aktionswoche symbolisch zu Beginn des Bundeswahljahres 2021.

 

„Ich finde es toll, dass wir uns als aktive Jugendliche und junge Erwachsene verbünden und gemeinsam Aktionen planen. So viele von uns setzen sich für Klimaschutz, globale Gerechtigkeit und andere wichtige Themen ein. Wenn wir zusammenarbeiten, wird man uns nicht mehr überhören können“, ist Paula Janßen (19) vom Plan-Jugendbeirat überzeugt.

 

Das Lieferkettengesetz soll deutsche Unternehmen verpflichten, Menschenrechts- und Umweltstandards in ihren weltweiten Lieferketten einzuhalten. Eine Umfrage der Bundesregierung ergab, dass nur circa 20 Prozent der Unternehmen ihren menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten entlang der Wertschöpfungskette nachkommen.

 

Das Programm der gesamten Aktionswoche und weitere Informationen zur Teilnahme finden sich auf der Homepage der Brot für die Welt Jugend.

 

 

Das Programm der Aktionswoche finden Sie hier: https://www.brot-fuer-die-welt.de/jugend/blog/2020-wennniemandhinschaut-aktionswoche-im-januar/


Bundespräsident Steinmeier sendet Video-Botschaft an die Sternsinger

„Ihr seid ein Lichtblick in dieser schwierigen Zeit!“

(Berlin/pm) - Liebe Sternsinger, Euer Einsatz und Eure Hilfsbereitschaft machen die Welt heller. Sie leuchten gerade in diesem Jahr besonders hell! Wir danken Euch sehr dafür!“ Mit diesen Worten hat sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gemeinsam mit seiner Frau Elke Büdenbender in einer Video-Botschaft an die hunderttausenden Sternsinger in ganz Deutschland gewandt und ihnen für ihr großes Engagement gedankt. „Bestimmt seid Ihr alle traurig und enttäuscht, dass Ihr in diesem Jahr nicht an die Türen klopfen könnt – meine Frau und ich sind es auch. Euer Besuch bei uns ist für uns immer ein Geschenk zu Jahresbeginn. Leider lässt die Corona-Pandemie das in diesem Jahr nicht zu, aber wir möchten Euch auf diesem Weg sagen: Ihr seid ein Lichtblick in dieser schwierigen Zeit!“, so Bundespräsident Steinmeier in der rund dreiminütigen Video-Grußbotschaft.

 

Die Sternsinger Ella (10), Malou (12), Cleo (10) und Josann (6) aus der katholischen Kirchengemeinde St. Martinus in Hürth-Fischenich hatten Bundespräsident Steinmeier und seiner Frau Elke Büdenbender  stellvertretend für die rund 300.000 engagierten Mädchen und Jungen eine Video-Botschaft nach Berlin gesendet und ihre Segenswünsche digital übermittelt. „Der Segen kommt diesmal auf ganz neuem Weg und bleibt alle Tage im Jahr. Wir wünschen ein gutes, gesundes und keins, das ist, wie das vorige war“, sagten die Sternsinger, die zudem ein Segenspaket mit geweihter Kreide und einen Segensaufkleber ins Schloss Bellevue geschickt hatten.

 

Normalerweise besuchen die Sternsinger traditionell am 6. Januar den Bundespräsidenten im Schloss Bellevue und schreiben den Segen „Christus mansionem benedicat“ (Christus segne dieses Haus) an das Schlossportal. Aufgrund der Corona-Pandemie war der persönliche Besuch in diesem Jahr nicht möglich. 

 

„Ihr tut etwas ganz Kostbares: Ihr setzt Euch ein für andere. Ihr helft Menschen, denen es schlechter geht: Kindern in ärmeren Ländern, Kindern, die es oft sehr schwer haben im Leben“, sagte Bundespräsident Steinmeier an die Sternsinger gerichtet. „Gerade Kinder in ärmeren Teilen der Welt leiden wegen der Corona-Pandemie noch mehr, und gerade deshalb ist es so wichtig, dass Ihr Euch für sie engagiert! Ihr seid ein Vorbild für alle Menschen in unserem Land!“ 

 

Spende für Caritas Ukraine

Mit seiner Spende unterstützt der Bundespräsident in diesem Jahr die Caritas Ukraine, ein Projektpartner des Kindermissionswerks ‚Die Sternsinger‘. In elf Tageszentren im ganzen Land bietet die Caritas den Kindern psychologische Betreuung und Seelsorge, Hausaufgabenhilfe, Kunst- und Handwerkskurse, Ausflüge und Sommercamps an. In Veranstaltungen zu den Kinderrechten lernen die Mädchen und Jungen, ihre Rechte zu artikulieren und einzufordern. Viele ukrainische Kinder wachsen mit nur einem Elternteil, bei Großeltern, anderen Verwandten oder in Pflegefamilien auf, weil die Eltern im Ausland arbeiten müssen. Die Ukraine ist das Beispielland der diesjährigen Aktion Dreikönigssingen, der Leitgedanke der Sternsinger in Corona-Zeiten: „Heller denn je – die Welt braucht eine frohe Botschaft!“

 

Segensaufkleber und ein Sternsingerbesuch online

Träger der Aktion Dreikönigssingen sind das Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Seit dem Start der Aktion 1959 sammelten die Sternsinger rund 1,19 Milliarden Euro, mehr als 75.600 Projekte für Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa wurden unterstützt. Unter dem Eindruck der Corona-Pandemie verzichten die Sternsinger derzeit auf die sonst üblichen Besuche der Menschen an den Haustüren. Sie bringen Segensbriefe kontaktlos zu den Menschen oder grüßen per Videobotschaften. Die Spenden werden in den Pfarrgemeinden mit Spendentüten oder per Überweisung gesammelt. Online ist ein Besuch der Sternsinger auch unter www.sternsinger.de erlebbar. Dort besteht auch die Möglichkeit, die Aktion mit einer Spende zu unterstützen. Überweisungen sind möglich über die folgende Bankverbindung: Pax-Bank eG, IBAN: DE 95 3706 0193 0000 0010 31, BIC: GENODED1PAX 


Bundeskanzlerin Angela Merkel dankt Sternsingern in Video-Grußbotschaft

„Ihr spendet nicht nur den Segen. Ihr spendet auch Hoffnung“

(Berlin/kmw) - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich in einer Videobotschaft bei den bundesweit 300.000 Sternsingern bedankt, die wegen der Corona-Pandemie in diesen Tagen auf Haustürbesuche verzichten und die 63. Aktion Dreikönigssingen auf neuen Wegen organisieren. „Danke, dass Ihr auch in diesem Ausnahme-Jahr Hoffnung und Freude verbreitet und anderen Kindern helft“, so die Bundeskanzlerin in ihrem heute veröffentlichten Gruß. „Gerne hätte ich Euch wieder ins Bundeskanzleramt eingeladen und den Segen von Euch persönlich empfangen. Leider ist dies wegen der Corona-Pandemie diesmal nicht möglich.“

Stellvertretend für alle Sternsinger in Deutschland hatten Milla (8), Yannic (13), Jaron (9) und Kilian (6) aus der katholischen Kirchengemeinde St. Martinus in Hürth-Fischenich einen Videogruß für  Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgezeichnet und nach Berlin geschickt. „Der Segen kommt diesmal auf ganz neuem Weg und bleibt alle Tage im Jahr. Wir wünschen ein gutes, gesundes und keins, das ist, wie das vorige war“, grüßten die Sternsinger. Zudem schickten sie ein Segenspaket mit geweihter Kreide und einem Segensaufkleber ins Bundeskanzleramt. 

„Wie jedes Jahr möchte ich Euch von Herzen danken, weil Euer Einsatz so wichtig ist – gerade in diesem Jahr“, sagte die Bundeskanzlerin. „Ihr spendet nicht nur den Segen. Ihr spendet auch Hoffnung. Deshalb ist Euer Motto so richtig: ‚Heller denn je – die Welt braucht eine frohe Botschaft!‘. Diese frohe Botschaft bringt Ihr, auch wenn Ihr es in diesem Jahr in anderer Form als sonst tut. Es ist beeindruckend, wie kreativ und einfallsreich Ihr kontaktloses Sternsingen gestaltet: zum Beispiel indem Ihr Segenspakete versendet oder digitale Besuche in Pflegeeinrichtungen durchführt. Es ist großartig, wie sehr Ihr Euch einsetzt. Dafür danke ich Euch herzlich. Außerdem engagiert Ihr Euch für Kinder in anderen Teilen der Welt, die dringend Unterstützung brauchen, in diesem Jahr ganz besonders für Kinder in der Ukraine. Ich bin beeindruckt, wie viele Spenden Ihr in den letzten Jahren gesammelt habt. Euch Sternsingerinnen und Sternsingern wünsche ich, dass Eure Spendensammlung wieder ein großer Erfolg wird!“

Zum ersten Mal seit 37 Jahren konnten die Sternsinger ihren Segen nicht persönlich im Bundeskanzleramt anschreiben. Seit 1984 wurden sie jedes Jahr von Bundeskanzlerin Angela Merkel und von deren Vorgängern Gerhard Schröder und Helmut Kohl empfangen.

 

Segensaufkleber und ein Sternsingerbesuch online

 

Träger der Aktion Dreikönigssingen sind das Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Seit dem Start der Aktion 1959 sammelten die Sternsinger rund 1,19 Milliarden Euro, mehr als 75.600 Projekte für Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa wurden unterstützt. Unter dem Eindruck der Corona-Pandemie verzichten die Sternsinger derzeit auf die sonst üblichen Besuche der Menschen an den Haustüren. Sie bringen Segensbriefe kontaktlos zu den Menschen oder grüßen per Videobotschaften. Die Spenden werden in den Pfarrgemeinden mit Spendentüten oder per Überweisung gesammelt. Online ist ein Besuch der Sternsinger auch unter www.sternsinger.de erlebbar. Dort besteht auch die Möglichkeit, die Aktion mit einer Spende zu unterstützen. Überweisungen sind möglich über die folgende Bankverbindung: Pax-Bank eG, IBAN: DE 95 3706 0193 0000 0010 31, BIC: GENODED1PAX 


Familienbund der Katholiken fordert Entlastung für Familien während Pandemie

„Familienfördernde Maßnahmen sind unzureichend“

 

 

(Berlin/bt) – Der Familienbund der Katholiken (FDK) hat zu Beginn des zweiten, „harten“ Lockdowns in diesem Jahr eine deutlich stärkere Unterstützung von Familien gefordert. „Die bisherigen familienfördernden Maßnahmen in der Pandemie sind unzureichend, gerade auch dann, wenn – was absehbar ist – die aktuellen Schul- und Kitaschließungen über die Weihnachtsferienzeit hinausgehen werden“, erklärte Familienbund-Präsident Ulrich Hoffmann am 17. Dezember. Konkret fordert der Verband vor allem die Einführung einer Corona-Elternzeit und eines Corona-Elterngeldes.

 

„Mütter und Väter mit Kindern bis 14 Jahren müssen gegenüber ihren Arbeitgebern das Recht haben, ihre Arbeitszeit so weit zu reduzieren, wie es für die Bewältigung der stark gestiegenen familiären Anforderungen nötig ist. Dazu gehört auch ein angemessenes Rückkehrrecht in den alten Arbeitsumfang und ein fortbestehender Kündigungsschutz“, so Hoffmann. Die immensen Mehrfachbelastungen, die Familien im ersten Lockdown im Frühjahr zu bewältigen hatten, dürften sich nicht wiederholen. „Homeoffice ist kein Betreuungsmodell und kein Ersatz für geschlossene Schulen und Kitas.“ Hoffmann betonte: „Zur Entlastung von Familien müssen auch die Arbeitgeber durch angemessene Betreuungsregelungen für Eltern maßgeblich beitragen.“

 

Corona-Elternzeit und -Elterngeld statt Homeoffice

 

Die Forderungen sind Teil eines Zehn-Punkte-Plans für Familien in der Corona-Krise, die der FDK vorgelegt hat. Der Verband macht sich außerdem für verbindliche Leitlinien an Schulen und Kitas stark, um den Schulbetrieb auch in Pandemiezeiten aufrecht zu erhalten. Ein wichtiger Punkt sei die Digitalisierung. Statt Homeoffice schlägt der Familienbund eine finanziell unterstützte Corona-Elternzeit vor. Planung und Durchführung sollten dabei nicht nur den aktuellen Stand berücksichtigen, sondern mittelfristig angelegt sein.

 

Nach den Forderungen des FDK sollten alle Familien, die in der Pandemie-Krise von der Elternzeit Gebrauch machen, automatisch einen Anspruch auf Corona-Elterngeld haben. „Eltern, die sich wegen geschlossener Schulen und Kitas um ihre Kinder kümmern und dadurch Gehaltseinbußen erleiden, müssen finanziell unterstützt werden“, so Hoffmann. Korrekturen seien außerdem beim Kurzarbeitergeld notwendig. Dies müsse sich an der Anzahl der Kinder orientieren. Die Verlässlichkeit für Familien bei der Kinderbetreuung, der frühkindlichen und schulischen Bildung sei auch in Zeiten einer Pandemie unerlässlich, sagte Hoffmann und forderte, dass Schulen Kitas die ersten Institutionen sein müssten, „mit denen Deutschland im nächsten Jahr wieder aus dem zweiten harten Lockdown aufgetaut wird.“

 

Weitere Informationen und den Zehn-Punkte-Plan gibt es auf www.familienbund.org.

 


Vertreter beider Kirchen tauschen sich mit Saar-Ministerin über Seelsorge in Altenheimen aus

Weihbischof Brahm plant Videobotschaft zu Weihnachten für Heimbewohner

 

 

Vertreter beider Kirchen sprechen mit der saarländischen Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) über die Seelsorge in Altenheimen während der Corona-Pandemie. Foto: Ministerium . Foto: bt

 

 

(Saarbrücken/bt) – Wie kann Seelsorge an Weihnachten in Zeiten der Corona-Pandemie für die Bewohnerinnen und Bewohner in Pflege- und Altenheimen im Saarland gestaltet werden? Diese Frage war Thema eines informellen Austauschs von Vertretern der evangelischen und katholischen Kirche, darunter Weihbischof Robert Brahm, mit der saarländischen Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) am Donnerstag, 10. Dezember, in Saarbrücken.

 

Es sei eine permanente Herausforderung, zwischen dem Gesundheitsschutz und der für das emotionale Wohlbefinden notwendigen sozialen Kontakte abzuwägen, waren sich alle Beteiligten einig. „Es geht nicht nur um die Gesundheitssorge, sondern immer auch um die Sorge für die Seele der Bewohnerinnen und Bewohner“, sagte Weihbischof Robert Brahm. Er kündigte an, für die Heimbewohner eine Weihnachtsbotschaft per Video aufzuzeichnen, die den Alten- und Pflegeheimen zugeschickt werden soll. Denn aufgrund der nach wie vor besorgniserregenden Infektionslage werde es über Weihnachten in den Einrichtungen bedauerlicherweise weiterhin Einschränkungen geben, sagte Ministerin Bachmann und betonte: „Auch über die Weihnachtfeiertage wollen wir einen genauen Blick auf das Lebensgefühl und die Lebensbedingungen der vulnerablen Gruppen im Saarland werfen. Gerade in solch fordernden Zeiten ist es wichtig gezielte Maßnahmen zur Förderung des Wohlbefindens der Bewohnerinnen und Bewohner unserer Pflege- und Altenheime zu erarbeiten.“

 

Pfarrer Clemens Grünebach vom Dekanat Saarbrücken wies auf viele kreative Lösungen hin, die seit Beginn der Pandemie in vielen Kirchengemeinden gemeinsam mit den Trägern der Altenheime gefunden worden seien, um in Kontakt mit den Bewohnern zu bleiben. Dazu zählen etwa Telefongottesdienste oder Gottesdienste im Freien, bei denen die Bewohnerinnen und Bewohner am Fenster mitfeiern können. Die Gemeindereferentin der Pfarreiengemeinschaft Sulzbach, Anneliese Maas, berichtete von ihren Besuchen bei Trauernden, die während des ersten Lockdowns im Frühjahr schwer darunter gelitten hätten, wenn Besuche bei den Angehörigen wegen der Corona-Beschränkungen nur selten oder gar nicht hätten stattfinden können. „Die Menschen hungern nach Kontakt und Spiritualität“, sagte Diakon Wolfang Schu von der Caritas Trägergesellschaft (cts), der auch selbst als Seelsorger in diversen Altenheimen tätig ist.

 

„Wir wollen allen Saarländerinnen und Saarländern trotz dieser aktuellen, überwältigenden Lage ein weitgehend besinnliches Weihnachten ermöglichen“, sagte Bachmann. Dafür stehe ihr Haus in ständigem Austausch mit den Heimleitungen und den Kirchen. „Für diese Unterstützung, sowie für die bedeutende Arbeit möchte ich mich von ganzem Herzen bedanken“, so die Ministerin. Weihbischof Brahm dankte Bachmann wiederum für die Gesprächsbereitschaft: „Wir als Kirchen stehen in der Sorge um die Menschen in den Altenheimen an Ihrer Seite!“ Es wurde vereinbart, sich künftig zweimal im Jahr zu einem informellen Austausch zu treffen.

 

 

 


Petition gestartet: missio Aachen fordert Freiheit für inhaftierten indischen Jesuiten Pater Stan Swamy SJ

 Katholisches Hilfswerk startet Petition für Menschenrechtsaktivisten - missio-Präsident Pfarrer Bingener bittet Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung um Unterstützung

 

(Aachen/missio) - Mit einem eindringlichen Appell am Tag der Menschenrechte wendet sich das Internationale Katholische Missionswerk missio Aachen an Dr. Bärbel Kofler, Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung. „Frau Kofler möge sich für die Freilassung des indischen Jesuiten-Paters Stan Swamy SJ bei der indischen Regierung einsetzen“, fordert Pfarrer Dirk Bingener, Präsident von missio Aachen. Er bittet Unterstützerinnen und Unterstützer in Deutschland, sich an einer heute gestarteten missio-Petition unter www.missio-hilft.de/petition für den Jesuiten zu beteiligen. Sobald 3.000 Unterschriften gesammelt sind, sollen sie an Frau Kofler übergeben werden. missio Aachen erklärt mit der Petition auch seine Solidarität mit der Jesuitenmission in Deutschland, die sich beim Auswärtigen Amt für den indischen katholischen Menschenrechtsaktivisten einsetzt.

 

Pater Stanislaus Lourduswamy SJ ist Angehöriger des katholischen Jesuitenordens in Indien, kurz meist Father Stan genannt. Der landesweit bekannte Menschenrechts-Aktivist engagiert sich insbesondere für die sogenannten Adivasi, die indigene Bevölkerung Indiens, und die sogenannten Dalits, die von der indischen Gesellschaft als vermeintlich „Unberührbare“ ausgegrenzt werden. Häufig sind Adivasi und Dalits Angehörige christlicher Konfessionen.

 

Father Stan wurde am 8. Oktober 2020 unter dem Vorwurf der Verbreitung maoistisch-terroristischer Propaganda verhaftet. Unter anderem werden ihm Verbindungen zu Ausschreitungen im westindischen Bundesstaat Maharashtra an Silvester 2017 vorgeworfen, in deren Folge schon zuvor weitere indische Menschenrechtsaktivisten inhaftiert worden waren. Father Stan weist eine Beteiligung an diesen Ausschreitungen und den Vorwurf der Propaganda oder der Sympathie für den Maoismus entschieden zurück. Der Vorwurf der maoistisch-terroristischen Propaganda ist ein oft eingesetzter Vorwand der hindu-nationalistischen Politik in Indien, um Kritikerinnen und Kritiker mundtot zu machen.

 

„Wir halten die Vorwürfe gegen Father Stan für unbegründet und politisch motiviert. Deshalb starten wir eine Petition für Father Stan, um die Bundesregierung und die Öffentlichkeit in Deutschland für seine schnellstmögliche Freilassung zu mobilisieren. Für Father Stan, der schon 83 Jahre alt ist, ist ein längerer Gefängnisaufenthalt auch eine große Gefahr für seine Gesundheit“, so Pfarrer Bingener. Er hoffe auf die Unterstützung der Menschen in Deutschland. „Jede Stimme zählt. Sobald wir 3.000 Unterschriften für Father Stan gesammelt haben, wollen wir sie der Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung übergeben, die Zeit drängt“, sagte Pfarrer Bingener. „Wir unterstützen damit auch unsere Partner der Jesuitenmission, die an Außenminister Heiko Maas appelliert haben, sich für Father Stan einzusetzen“, so Pfarrer Bingener weiter.

 

Pfarrer Bingener sieht die Verhaftung von Father Stan auch im Kontext der hindu-nationalistischen Politik in Indien, die seit Jahren die Religionsfreiheit, die Meinungsfreiheit und die Rechte der indigenen Bevölkerung unter Druck setzt. „Religiöse Minderheiten wie Christen und Muslime geraten durch die Politik, Schikanen der Behörden und gesellschaftliche Anfeindungen immer stärker unter Druck“, erläuterte Bingener. „Auch unsere Partnerinnen und Partner der Kirche in Indien leiden darunter, weshalb wir unter anderem Projekte gegen die Diskriminierung und für den interreligiösen Dialog fördern“, sagte Bingener.

 

Erst im vergangenen Jahr trug missio Aachen mit seiner Petition #freeourhusbands mit dazu bei, dass sieben zu Unrecht verurteilte Christen im indischen Bundesstaat Odisha freigelassen wurden. Sie hatten mehr als zehn Jahre im Gefängnis gesessen. 

 

Hier geht es zur Petition für Father Stan Swamy: www.missio-hilft.de/petition

 

 

 

Wer ist missio Aachen?

Das Internationale Katholische Missionswerk missio Aachen ist eines der großen deutschen Hilfswerke und gehört zu einem Netzwerk von rund 120 missio-Werken weltweit. missio Aachen verfügte 2019 über ein Projekt- und Kampagnenvolumen von rund 47,4 Millionen Euro, mit dem 946 Projekte in 68 Ländern gefördert wurden. missio Aachen unterstützt die katholische Ortskirche in Afrika, Asien, dem Maghreb und Nahen Osten sowie Ozeanien. Diese Förderung stärkt die pastorale, soziale und interreligiöse Arbeit, die Infrastruktur sowie die Ausbildung von Laien, Priestern und Ordensleuten der katholischen Kirche in diesen Regionen. Mit ihrer Arbeit erreicht die Kirche dort nicht allein Christen, sondern trägt zur Verbesserung der Lebensumstände der gesamten Gesellschaft bei.

 


Deutscher Menschenrechts-Filmpreis verliehen

Preisverleihung erstmals als Online-Stream | geehrte Filme eröffnen verschiedene Perspektiven auf Menschrechtsthemen und Fragen unserer Zeit | Produktionen machen Mut, sich für Menschenrechte einzusetzen

 

(Nürnberg/pm) – Am Samstag, den 5. Dezember 2020 wurde der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis 2020 zum ersten Mal in einer reinen Online-Veranstaltung verliehen. Damit fand die aktuelle Wettbewerbsrunde des 1998 ins Leben gerufenen Filmwettbewerbs ihren Höhepunkt und Abschluss. Die Preise sind in jeder Kategorie mit 2.500 Euro und einer individuell angefertigten Statue dotiert.

Zwischen Mai und Ende Juli 2020 waren 365 Produktionen in den vier Wettbewerbskategorien Langfilm, Kurzfilm, Hochschule und Non Professional den drei Fachjurys zur Sichtung und Bewertung vorgelegt worden. Eine dieser Jurys vergab zusätzlich einen Preis in der Kategorie „Bildung". Die von den Regisseur*innen behandelten Menschrechtsfragen reichen von Krieg und Flucht über Rassismus, Antisemitismus und Gewalt gegen Frauen bis zu ausbeuterischen Arbeitsbedingungen – vermehrt auch Filme über den Zusammenhang von Klimawandel, Umweltschutz und Menschenrechten.

Die Filme befassen sich dabei nicht nur mit Menschenrechtsverletzungen, sie porträtieren auch Menschenrechtsaktivist*innen und zeigen Beispiele eines gelingenden Menschenrechtsschutzes. Diese Beispiele sollen Mut machen, sich für den Schutz der Menschenrechte einzusetzen. In den Produktionen wurde erneut sichtbar, dass Menschenrechte weiter unter Druck stehen – in Europa, weltweit – aber auch in Deutschland. Nach wie vor sind auch gefestigte Demokratien nicht frei von Menschenrechtsverletzungen.

Die online Preisverleihung wurde von Christoph Süß moderiert und Anja Reschke (NDR-Panorama) begleitet als Hauptrednerin das Online-Format. Reschke: „Auf den ersten Blick scheint es, dass sich in Bezug auf die weltweite Wahrung der Menschenrechte nichts verbessert – im Gegenteil. Doch Bilder, Geschichten und Filme sind wirkmächtig und führen dazu, dass Themen diskutiert oder Ereignisse erst zum Thema in der Gesellschaft gemacht werden. Insofern kommt dem Journalismus ebenso wie dem Filmemachen eine enorme Bedeutung zu, Missstände zu benennen und Menschenrechten den notwenigen Raum und Beachtung zu geben."

Zugeschaltet in die Übertragung des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises wurde auch der Kabarettist und Autor Christian Springer, der über die aktuelle Situation im syrischen Aleppo berichtete. Der in der Kategorie Langfilm prämierte Film „Für Sama" hatte eine junge Mutter und ihr Baby inmitten des syrischen Krieges begleitet. Springer: „Es ist großartig, dass der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis auch und gerade in diesem Jahr vergeben wird, denn Menschenrechte müssen immer ein Thema in der Gesellschaft sein – ganz gleich, ob es eine Pandemie gibt oder nicht. Vielen Dank an die Macher dieses so wichtigen Wettbewerbs."

Musikalisch umrahmt wurde die diesjährige Preisverleihung von Rebecca Trescher & New Shapes Quartett, die eigens zu den jeweiligen Preisträgerfilmen eigene Musikstücke komponierte die sich musikalisch an den Preisträgerfilmen orientierten.

Die Preisverleihung kann unter http://menschenrechts-filmpreis.mediastudios.tv/ oder auf der Homepage der Veranstalter*innen www.menschenrechts-filmpreis.de gesehen werden.

Auch in dieser Wettbewerbsrunde gehen die Preisträgerfilme wieder auf Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Corona-bedingt voraussichtlich auch als Online-Event; die Veranstalter arbeiten aktuell an einem Konzept zur Umsetzung.

Weitere Informationen
Facebook: www.facebook.com/deutscher.menschenrechtsfilmpreis
Instagram: www.instagram.com/menschenrechtsfilmpreis
Twitter: https://twitter.com/merefilmpreis

Der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis wird im Rhythmus von zwei Jahren vergeben und aktuell von 20 Veranstalter*innen getragen, darunter bundesweit tätige Organisationen der Menschenrechts-, Bildungs-, Kultur- und Medienarbeit, religiöse und kirchliche Organisationen sowie kommunale Einrichtungen. Zudem unterstützen Verbände und Einzelpersonen den Filmwettbewerb. Sie sind geeint im Ziel der Achtung und Wahrung der Menschenrechte


Neuer Sanktionsmechanismus der EU: Ein wichtiger erster Schritt für mehr Menschenrechte

 

 

 

Neuer Sanktionsmechanismus der EU: 

 

  • Sanktionen nach dem Modell des Magnitsky-Act ein wichtiger erster Schritt 
  • EU muss ihre Beißhemmung gegenüber mächtigen Unrechtsregimen wie China ablegen
  • Kein Ersatz für internationale Strafjustiz oder die Verfolgung von Kriegsverbrechern

 

(Göttingen/gfbv) - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) begrüßt die Einigung der EU-Botschafter auf einen Sanktionsmechanismus für Beteiligte an schweren Menschenrechtsverletzungen. Die geplante Regelung, modelliert nach dem US-amerikanischen Magnitsky-Act, sei ein wichtiger erster Schritt: „Mit diesem neuen Mechanismus bekommen die europäischen Forderungen nach Einhaltung der Menschenrechte zum ersten Mal Zähne. Es wird sich zeigen, ob die EU damit auch ihre Beißhemmung zum Beispiel gegenüber China verliert, oder ob es bei seichten Reisebeschränkungen für Personen aus weniger mächtigen Staaten bleibt“, erklärte Hanno Schedler, GfbV-Referent für Genozid-Prävention und Schutzverantwortung am heutigen Freitag in Göttingen.

 

„Die Liste der potenziellen Ziele für persönliche Sanktionen ist lang“, so Schedler. „In vielen Unrechtregimen lassen sich Einzelne ausmachen, die für besonders schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind oder an ihnen beteiligt waren.“ Einreiseverbote oder das Einfrieren von Vermögen seien freilich kein Ersatz für internationale Strafjustiz oder die Verfolgung von Kriegsverbrechern. „Zum Beispiel für die Architekten des laufenden Genozids an der uigurischen Volkgruppe wäre ein solcher Mechanismus aber sicherlich geeignet, auch wenn seine Wirkung eher symbolisch wäre“, findet Schedler. Der frühere Sicherheitschef der Region Xinjiang / Ostturkestan Zhu Hailun, sein Nachfolger Wang Junzheng sowie Xinjiangs Parteisekretär Chen Quanguo seien verantwortlich für schwerste Menschenrechtsverletzungen an der uigurischen, kasachischen und kirgisischen Bevölkerung. Die vor einem Jahr veröffentlichten China Cables hätten deutlich gemacht, dass diese drei Personen für die Verfolgung muslimischer Nationalitäten in China maßgeblich verantwortlich seien. 

 

Der Einigung auf der Arbeitsebene muss noch der Rat der EU-Außenminister zustimmen. Dieser tagt in der kommenden Woche, am 10. Dezember, dem internationalen Tag der Menschenrechte. Die Zustimmung der Minister gilt als wahrscheinlich.

 


Familienbund fordert höhere Betreuungsqualität für Grundschulkinder

(Trier / Berlin/pm) – Der Familienbund der Katholiken im Bistum Trier begrüßt die in der vergangenen Woche vom Deutschen Bundestag beschlossenen zusätzlichen Milliarden-Investitionen für die Betreuung von Grundschulkindern. Der Familienverband fordert, die Finanzmittel an verbindlichen Qualitätskriterien orientiert einzusetzen. „Qualifiziertes Personal ist hierbei ebenso wichtig wie ein altersgerechter Betreuungsschlüssel, wenn die Investitionen einen spürbaren bildungspolitischen und pädagogischen Mehrwert haben sollen“, sagte Familienbund-Vorsitzende Hildegard Weber und warnte: „Eine mit politischer Anspruchslosigkeit ins Werk gesetzte Betreuung hilft weder den Grundschulkindern noch deren Eltern. Und der Gesellschaft ebenso wenig.“ Angesichts des eklatanten Mangels an Erziehern hält der Familienbund den von der Bundesregierung ab 2025 geplanten Rechtsanspruch für Grundschulkinder für kaum realisierbar.

 

Der Familienbund hält auch unabhängig vom Ziel eines Rechtsanspruchs die Betreuungssituation an Grundschulen für dringend ausbaubedürftig.Grundlage sei aber eine verlässliche Qualitätsbetreuung. Eltern, die ihre Kinder nach Unterrichtsschluss im Hort betreuen lassen wollen, müssen diese Option auch haben. Gebrauch werden Eltern aber nur dann davon machen, wenn sie ihre Kinder in guten Händen wissen“, sagte Weber.

 

„Das politisch ausgelobte Ziel eines Rechtsanspruchs auf Betreuung für Grundschulkinder darf aber nicht die einzige politische Antwort auf die drängende Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sein“, stellte Hoffmann klar. „Der Ausbau staatlicher Betreuungs-institutionen als Lösungslieferant ist eindimensional und unterkomplex, weil es den Bedürfnissen von Familien nach mehr Zeit für- und miteinander keinerlei Rechnung trägt. Nötig sind flexible und lebensphasenbezogene Arbeitszeitreduzierungen für erwerbstätige Eltern. Statt die Lebensform Familie nach den ökonomischen Verwertungsinteressen der Wirtschaft weiter zuzuschneiden, müssen es die Familien sein, die souverän über ihr Leben und ihre Zeit entscheiden.

 

Dafür muss die Politik endlich zukunftsweisende Konzepte für eine familien- und lebensgerechte Zeitpolitik aufgreifen, die wissenschaftlich seit langem entwickelt und diskutiert werden, zum Beispiel ‚Atmende Lebensläufe‘, die Optionszeiten über die gesamte Erwerbsbiografie von Menschen für Erziehungs- und Pflegeaufgaben vorsehen. Die Wirtschaft ist nachdrücklich aufgerufen, einen nennenswerten Beitrag zu einer familiengerechten Zeitpolitik zu leisten.

 

Der Familienbund im Bistum Trier wendet sich jedoch dagegen, die Betreuung in Grundschulen zu einer gesellschaftlichen Norm werden zu lassen, die für Eltern wie Kinder alternativlos sei. Der Freiheitsgedanke von Familie zeige sich in der elterlichen Souveränität, die eigene Lebensform von Familie selbst wählen und leben zu können. Ein Rechtsanspruch auf Betreuung von Grundschulkindern, der nicht in einen zeitpolitischen Rahmen eingebettet sei, unterlaufe die Autonomie von Familie, indem er deren Wahlfreiheit durch die politische Schaffung gesellschaftlicher Konventionen einschränke. Das könne nicht im Sinne von Familien sein.

 

Der Familienbund der Katholiken ist der mitgliederstärkste Familienverband Deutschlands.

Ihm gehören 25 Diözesan-, 10 Landes- sowie 15 Mitgliedsverbände an.

 


Evangelische Kitas in Pandemiewelle gut aufgestellt

Kitas müssen geöffnet bleiben

(Karlsruhe/ekiba) - Mit Nachdruck fordern Diakonie und evangelische Landeskirche in Baden, Kitas im Zuge der Corona-Schutzmaßnahmen nicht zu schließen. Kindertagesstätten seien von immenser gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Die evangelischen Einrichtungen hätten zudem in den vergangenen Monaten detaillierte und individuell angepasste Hygienekonzepte entwickelt.

 

Kirche und Diakonie äußern sich besorgt vor dem Hintergrund von Forderungen nach einer Verschärfung der Corona-Regelungen. Maskenpflicht auch in Grundschulen und mehr Online-Unterricht seien dafür Beispiele. Schon jetzt wolle man daher auf die aktuelle Situation und Bedeutung der Kitas hinweisen.

 

Kirchliche Einrichtungen in Baden-Württemberg hätten in enger Abstimmung mit Ämtern und Politik individuelle Konzepte erarbeitet. Diese machten die Betreuung der Kinder weiter möglich. Pädagogische Konzepte würden umgesetzt unter Berücksichtigung der bestehenden Schutzverordnungen. Durch ausgefeilte Regelungen könnten Kinder problemlos gebracht und abgeholt werden. In den Einrichtungen sei der Umgang zwischen Kindern und Erzieher*innen unproblematisch. Denn aus der Vergangenheit habe man gelernt, dass Infektionen von Kleinkindern nicht auf Erwachsene übertragen werden.

 

Die Anstrengungen und Maßnahmen seien mehr als gerechtfertigt, gemessen an der gesellschaftlichen Bedeutung der Kindertageseinrichtungen. Nicht nur, dass Eltern ihrer Arbeit nachgehen und damit für den Lebensunterhalt sorgen könnten, Kitas seien auch Schutzraum und Ort des sozialen Lernens. Gerade für Kinder aus schwierigen familiären Verhältnissen öffneten sie den Weg in spätere Ausbildung und Berufstätigkeit. Expert*innen sehen eine Zunahme häuslicher Gewalt während eines Lockdowns. Hier bekäme die Ganztagsbetreuung sogar Bedeutung für den Schutz der Kinder.

 

Stichwort: Evangelische Kindertageseinrichtungen

Evangelische Kitas leben das christliche Menschenbild. Jedes Kind, jeder Mensch ist willkommen. Das Christliche zeigt sich besonders zu Ostern, Pfingsten, Erntedank, St. Martin oder Nikolaus und natürlich der Advents- und Weihnachtszeit. Diese Feste strukturieren das gesellschaftliche Leben. Viele Kitas helfen, den christlichen Jahreslauf zu leben. So wurden Osterkörbchen zu den Familien nach Hause gebracht. Erntedank wurde im Park gefeiert, Martinslaternen leuchteten in vielen Fenstern der Städte und Dörfer. Auch Weihnachten werden die Kitas so gestalten, wie es in der Pandemie möglich ist. Das alles ist eingebunden in ein hochprofessionelles Arbeitsumfeld, in dem sehr gut ausgebildete Fachkräfte für eine sehr gute fachliche Qualität sorgen. 

 

Die Evangelischen Kirchen in Baden und Württemberg betreiben rund 1.600 Einrichtungen mit mehr als 77.000 Kindern. Etwa 14.000 pädagogische Fachkräfte und weitere Angestellte sorgen für eine qualitativ sehr gute und anerkannte Arbeit. Die Kirchen sorgen mit ihren eigenen Fachschulen auch für die qualifizierte Ausbildung der Fachkräfte.

 


Als Ausrichter des G20 Gipfels ist Saudi-Arabien selbst gefordert, für Menschen- und Frauenrechte zu sorgen

World Vision fordert: G20 müssen gemeinsam Corona eindämmen, Konflikte beenden, Frauen stärken, Klimawandel konsequent bekämpfen

 

(Friedrichsdorf / Berlin/wv) - Am 21. und 22. November treffen sich Vertreter der G20 Länder virtuell zu einem Gipfeltreffen unter Leitung von Saudi-Arabien. Angesichts vielfältiger Probleme weltweit fordert die Kinderhilfsorganisation World Vision gemeinsame Anstrengungen, um die Corona-Pandemie einzudämmen, die sofortige Beendigung von Konflikten, die Stärkung von Frauen und dringende Maßnahmen, um den Klimawandel konsequent zu bekämpfen.

 

„Wir leben in einer globalisierten Welt, in der die Auswirkungen menschlichen Handelns oder Nicht-Handelns weltweit zu spüren sind. So muss es international abgestimmte Aktionspläne geben, um die aktuelle Corona Pandemie und künftige Pandemien zu bekämpfen“, fordert Marwin Meier, Gesundheitsexperte bei World Vision. „Auch die sekundären Folgen der Pandemie müssen dringend behandelt werden. So können Millionen Kinder nicht mehr zur Schule gehen, Eltern haben ihre Lebensgrundlagen verloren und Millionen Kinder zusätzlich leiden an Mangel- und Unterernährung.“

 

Die Hilfsorganisation begrüßt, dass auf der Agenda des Gipfels Frauen- und Menschenrechte ganz oben stehen. Vor allem auch im Land selbst hat die Regierung dabei noch großen Nachholbedarf – denn Gleichberechtigung der Geschlechter und die Einhaltung von Menschenrechten sollten selbstverständlich sein. Vom G20 Gipfel sollte daher ein klares Signal für die Umsetzung von Frauen- und Menschenrechten auch von den Teilnehmer-Ländern selbst ausgehen. Auch in Friedensprozessen kommt es auf die Teilhabe von Frauen an, die oft die größten Lasten von Konflikten in der Gesellschaft schultern. Das Land auf der arabischen Halbinsel ist seit Jahren in einen grausamen Krieg im Jemen verstrickt. Zwischen 2015 und 2019 wurden dort 1700 Schulen angegriffen – die weltweit höchste Anzahl solcher Angriffe. 50 % davon gehen auf Luftangriffe zurück, mit der Folge, dass etwa 2 Millionen Kinder aktuell nicht mehr zur Schule gehen können.

 

Auch andere Länder haben sich nicht mit Ruhm bekleckert. Im Gegenteil, durch Corona und die dramatischen wirtschaftlichen Folgen für viele Menschen ist damit zu rechnen, dass in vielen Regionen der Welt Konflikte wieder oder neu aufflammen, wie etwa am Horn von Afrika, Teilen Westafrikas, Irak, Syrien, Afghanistan. „Millionen Menschen haben nicht die Möglichkeit, in Sicherheit und Frieden zu leben und sind gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Sie haben keinen Zugang zu Justizsystemen. Das Ziel von friedlichen, gerechten und inklusiven Gesellschaften liegt in vielen Ländern in weiter Ferne“, erläutert Ekkehard Forberg, Friedensexperte bei World Vision.

 

Auch der Klimawandel trifft in erster Linie die Ärmsten und besonders die künftigen Generationen. Die Klimakrise birgt die Gefahr, dass die seit 25 Jahren erzielten Fortschritte bei der Gesundheit von Kindern und bei der Bekämpfung der Kindersterblichkeit zunichte gemacht werden. 

 

Um das Recht der Kinder auf eine gesunde, sichere und nachhaltige Zukunft zu gewährleisten, ruft World Vision Regierungen, Unternehmen und die internationale Gemeinschaft dazu auf, alle Vereinbarungen, die zur Bekämpfung des Klimawandels getroffen wurden, vollständig umzusetzen und dafür zu sorgen, dass Gemeinschaften auf die zunehmenden klimabedingten Katastrophen vorbereitet sind. Unter anderem müssen – wie versprochen – 100 Milliarden USD jährlich für Anpassungsmaßnahmen bereitgestellt werden.

 

Die G20 Länder sollten insgesamt mehr Verantwortung für Themen übernehmen, die bisher von den G7 Ländern abgedeckt wurden. Der G7 Gipfel entwickelt sich immer mehr zu einem zahnlosen Tiger. In diesem Jahr haben die USA ihn einfach abgesagt.

 


Statement Brot für die Welt zur Verteilung von Impfstoffen

Impfstoff * Covid-19 * Patentschutz * Kenia * WHO

 

(Berlin/bfw) - Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin Brot für die Welt, zur Verteilung von Corona-Impfstoffen.

„Ein künftiger Impfstoff gegen Covid-19 muss jedem Land weltweit zur Verfügung stehen. Um zügig Impfungen für alle Menschen zu ermöglichen, sollte der Patentschutz vorübergehend ausgesetzt und Wissen um die Impfstoffproduktion geteilt werden. So können mehr Unternehmen rund um die Welt einen Impfstoff herstellen, der dann in kürzerer Zeit überall vorhanden sein kann. Das gilt besonders, wenn – wie im Falle von Biontech – Millionen Euro an Steuergeldern in die Entwicklung geflossen sind. Öffentliche Mittel sollten dem Gemeinwohl dienen - in diesem Falle nicht nur bei uns, sondern auch global. Die WHO hat dazu sinnvolle Initiativen vorgestellt, insbesondere eine gemeinsame Plattform, auf die geistiges Eigentum sowie Daten und Technologien zu Covid-19 eingespeist werden sollen. Deutschland verweigert jedoch bisher eine Unterstützung dieses Technologie-Pools.

 

Menschen in ärmeren Ländern leiden besonders unter den Folgen von Covid-19. In Kenia etwa beobachten wir, dass die aktuelle Infektionswelle deutlich stärker ist als die erste, sodass die Schulen dort weiterhin geschlossen sind. Viele Kinder leiden dadurch zusätzlich zum Bildungsmangel auch an Hunger, da für sie die einzige Mahlzeit am Tag wegfällt. In Kenia kann man auch verfolgen, was weltweit gilt: nämlich, dass sich das Gesundheitspersonal zunehmend infiziert. Ärztinnen und Pfleger fehlen dann, um die Pandemie einzudämmen und die reguläre Gesundheitsversorgung sicher zu stellen. Gerade arme Länder wie Kenia müssen Zugang zu Impfdosen erhalten und in der Umsetzung ihrer Impfstrategien unterstützt werden. Ihre Gesundheitssysteme sind häufig zu schwach und die öffentlichen Mittel reichen nicht für zusätzliche Investitionen.

 

Die Kanzlerin hat mehrfach öffentlich bekundet, dass ein Impfstoff ein globales öffentliches Gut sein muss. Die aktuelle EU-Ratspräsidentschaft und die Beteiligung am Exekutivrat der WHO ermöglichen es Deutschland, sich hierfür stark zu machen. Die vergangenen acht Monate haben uns deutlich gezeigt, dass eine globale Pandemie auch globale Antworten erfordert. Es ist ein gewaltiger Irrtum zu glauben, ein Land oder ein Kontinent könnten sich allein auf eine Insel der Seligen retten: Solange die Pandemie nicht überall bekämpft ist, wird der Virus immer wieder um den Globus wandern. Dagegen hilft nur: sehr rasche Verfügbarkeit von Impfstoff für alle Menschen. Gerade in dieser Frage dürfen wir nicht in nationalen Egoismus verfallen.“

 


Mehr Geld von der EU für Jugend- und Bildungsprogramme // Finale Einigung steht noch aus

Katholische Jugendverbände: Mit Erasmus+ den europäischen Zusammenhalt stärken

BDKJ-Bundesvorsitzende Lisi Maier. Quelle: BDKJ-Bundesstelle/Mike Nonnenbroich
BDKJ-Bundesvorsitzende Lisi Maier. Quelle: BDKJ-Bundesstelle/Mike Nonnenbroich

 

(Düsseldorf/bdkj) -  Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) begrüßt den geplanten Rechtsstaatsmechanismus und die Aufstockung der EU-Gelder für das Programm „Erasmus+“. Der Rat der EU und das Europäische Parlament hatten sich am Dienstag vorläufig auf einen Etat für Erasmus+ von 23,4 Mrd. Euro geeinigt.

 

BDKJ-Bundesvorsitzende Lisi Maier sagt: „Ich danke dem Europäischen Parlament und ganz besonders den Mitgliedern des Ausschusses für Kultur und Bildung, dass sie sich gegenüber dem Rat der EU so für die Jugend- und Bildungsprogramme der EU stark gemacht haben. Jetzt gilt es, den Haushalt für das Jahr 2021 zu beschließen, damit die zusätzlichen Mittel auch dort ankommen, wo sie gebraucht werden: bei den Jugendlichen“.

 

Die ursprünglich von der Kommission geplante Verdoppelung von Erasmus+ auf 30 Milliarden Euro hatte das Ziel neue Aufgaben und Programme, wie die Stärkung der Inklusion umzusetzen. Die aktuelle Erhöhung der Mittel für Erasmus+ ist trotzdem als Erfolg zu werten, da damit Jugendaustausche, Bildungsaufenthalte und weitere Aktivitäten den Zusammenhalt in Europa insbesondere nach der Corona-Pandemie stärken werden.

 

Der Einigung müssen das Europäische Parlament und der Rat der EU noch zustimmen. Ungarn und Polen haben angekündigt, dass sie den Kompromiss zum mehrjährigen Finanzrahmen, in dem auch die Einigung zu Erasmus+ verankert ist, noch verhindern würden, wenn ein Rechtsstaatsmechanismus implementiert würde. Dieser soll die Ausschüttung von EU-Mitteln an die Aufrechterhaltung der Rechtsstaatlichkeit in den Mitgliedsstaaten binden. Dazu betont Lisi Maier: „Einzelne EU-Staaten dürfen sich jetzt nicht quer stellen, um das wichtige Vorhaben, einen Rechtsstaatsmechanismus zu implementieren, zu verhindern. Die von Corona besonders betroffenen Staaten brauchen möglichst schnell die Unterstützung aus den Finanzmitteln der EU. Den mehrjährigen Finanzrahmen zu verzögern, um den Rechtsstaatsmechanismus zu verhindern, wäre daher unsolidarisch.“

 

 

 

Der BDKJ ist Dachverband von 17 katholischen Jugendverbänden mit rund 660.000 Mitgliedern. Er vertritt die Interessen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Kirche, Staat und Gesellschaft.

 


Aktive Sterbehilfe muss vermieden werden – Schulungsangebote für Seelsorger

Kirchen geben Orientierung zu Sterbehilfe-Urteil

(Stuttgart/Rottenburg/drs) - Die katholische und die evangelische Kirche in Württemberg haben sich auf eine Orientierungshilfe zum Sterbehilfe-Urteil des Bundesverfassungsgerichts verständigt. Das gemeinsam erarbeitete Papier enthält eine Stellungnahme beider Kirchen und gibt Seelsorgern Unterstützung, wie sie in ihrer täglichen Arbeit mit dem nun eingeräumten Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben umgehen können.

 

„Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist, zum schwierigen Thema der Sterbehilfe diese ökumenische Orientierungshilfe zur Verfügung stellen zu können“, freut sich Domkapitular Monsignore Dr. Heinz Detlef Stäps, Leiter der Hauptabteilung für Glaubensfragen und Ökumene im Bischöflichen Ordinariat der Diözese Rottenburg-Stuttgart. „Die Richter am Bundesverfassungsgericht haben uns mit ihrem Urteil offene Fragen hinterlassen, auf die wir in unserer Orientierungshilfe Antworten geben“, ergänzt Oberkirchenrat Professor Dr. Ulrich Heckel, Leiter des Dezernats Theologie und weltweite Kirche bei der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. 

 

Dem Urteil gemäß umfasset das Allgemeine Persönlichkeitsrecht auch das Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben und gewichtet so die Autonomie als Ausdruck der Menschenwürde stärker als den Schutz des Lebens. „Dieser Paradigmenwechsel stellt eine größere Nähe zur aktiven Sterbehilfe her“, erläutert Domkapitular Stäps. Beide Kirchen würden zwar die Absicht des Urteils begrüßen, menschliche Freiheitspotentiale zu stärken, aber dahinter dürfe sich nicht die Verweigerung wirklicher Hilfe verbergen. Deshalb müsse hier konkret festgelegt werden, wie man mit dieser Freiheit umgehe und wo ihre Grenzen seien. Sonst bestehe die massive Gefahr, dass der Paradigmenwechsel in eine „Ökonomisierung des Sterbens“ münde. 

 

„Uns als Seelsorgern muss es deshalb darum gehen, die Sorge um den Menschen umfassen zu stärken“, sagt Oberkirchenrat Heckel. So sei es auch wichtig, die Möglichkeit in den Blick zu nehmen, von einem assistierten Suizid abzusehen und darauf zu achten, dass derart organisierte Angebote sich nicht zur Norm entwickelten. 

 

Aufgabe der christlichen Kirchen sei es, die Kompetenz der Expertinnen und Experten aus Caritas und Diakonie, aus der Palliativ- und Hospizarbeit einzubringen sowie diese in ihrer Beratungs- und Bildungsarbeit zu unterstützen. „Wir beobachten zudem einen engen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit des Sterbewunsches und der Qualität der Palliativmedizin – umso besser diese ist, umso geringer ist dieser Wunsch“, sagt Domkapitular Stäps. Deshalb müsse die Palliativmedizin gestärkt und ausgebaut werden. Gemeinsam mit Oberkirchenrat Heckel äußert er die Befürchtung, dass Menschen so einsam seien oder unter einem derart großen wirtschaftlichen Druck stehen könnten, dass sie sich nicht für ein Weiterleben entscheiden könnten. „Diesem Denken stellen sich die evangelische und die katholische Kirche in Württemberg eindeutig entgegen“, erklärt Oberkirchenrat Heckel. „Deshalb müssen wir die Fürsorge fördern. Schließlich bildet sie die Grundlage für eine selbstbestimmte Entscheidung“, ergänzt Domkapitular Stäps. 

 

Das Urteil fordere den Gesetzgeber auf, die Suizidhilfe zu regulieren. „Wir unterstützen hierbei den Weg, der auf finanziellen Gewinn angelegte Angebote zum assistierten Suizid unmöglich macht“, so die Vertreter der beiden Kirchen. 

 

Thomas Brandl                        
Direktor Stabsstelle                 
Mediale Kommunikation

 

Oliver Hoesch

Sprecher der Landeskirche

 

 

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart umfasst mit ihren 1020 Kirchengemeinden und 1,8 Millionen Mitgliedern den württembergischen Landesteil Baden-Württembergs, und ist bundesweit die viertgrößte Diözese. Seit dem Jahr 2000 steht ihr Dr. Gebhard Fürst als Bischof vor. Unter ihrem Dach leisten 24.000 Haupt- und 170.000 Ehrenamtliche ihren Dienst für die Menschen und legen so Zeugnis ab vom lebendigen Gott. Auf dem Gebiet der Diözese stehen rund 890 Kindergärten in katholischer Trägerschaft und bieten rund 46.600 Kindern eine Betreuung; 98 katholische Schulen werden von 25.500 Schülern besucht, und in 980  karitativen Einrichtungen finden rund 495.000 Menschen eine Betreuung. Im Rahmen des weltkirchlichen Engagements gibt es Partnerschaften mit Diözesen in über 80 Ländern weltweit. Aktuelles sowie Hintergründe bietet die Homepage www.drs.de
Postings zu allen Aspekten des vielfältigen kirchlichen Lebens in der Diözese gibt es hier:

 

www.facebook.com/drs.news
www.youtube.com/user/DRSMedia
www.instagram.com/dioezese_rs/
https://twitter.com/BischofGebhard?lang=de
https://soundcloud.com/rottenburg-stuttgart
spotify.com (Diözese Rottenburg-Stuttgart)


Die am stärksten gefährdeten Menschen zuerst impfen

World Vision fordert eine gerechte Verteilung eines Corona Impfstoffs

 

(Friedrichsdorf / Berlin/wv) - Die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision fordert angesichts der Ankündigung, dass bald ein Impfstoff gegen COVID-19 zur Verfügung stehen könnte, dass das Mittel gerecht verteilt wird. „Am stärksten gefährdete Menschen müssen zuerst geimpft werden, sobald eine Zulassung erfolgt ist“, fordert Fiona Uellendahl, Referentin Anwaltschaft. bei World Vision Deutschland.

 Die Nachricht von der Entwicklung eines Impfstoffs gegen COVID-19 weckt große Hoffnungen, insbesondere bei den Menschen, deren Leben durch die Pandemie gefährdet ist und deren Lebensgrundlagen durch die wirtschaftlichen Folgen zerstört wurden. 

 Zu den am stärksten gefährdeten Personen gehören Flüchtlinge in überfüllten Lagern und Menschen, die in städtischen Elendsvierteln leben, in denen sich das Virus leichter ausbreiten kann sowie Gesundheitspersonal in ärmeren Ländern, da sie häufig nicht über genügend Schutzmaterialien verfügen . Die ärmsten Familien und Gemeinden leiden besonders stark unter den Corona Bekämpfungsmaßnahmen und den damit verbundenen wirtschaftlichen Auswirkungen. Uellendahl betont: „Viele Mütter und Väter haben ihre Arbeit verloren und somit ihr Einkommen. Insbesondere Kinder sind dadurch anfälliger für Krankheiten geworden. Unter- und Mangelernährung haben zugenommen. Zehntausende Schüler können seit Monaten nicht mehr zur Schule gehen.“

 World Vision betont, dass bis zur Verfügbarkeit eines Impfstoffes weiterhin entscheidend ist, dass Menschen sich weltweit an Präventionsmaßnamen zur Eindämmung der Pandemie halten.  

 World Vision verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Gemeinschaften in den Entwicklungsländern – zum Beispiel bei der Bekämpfung der Ausbreitung und der Auswirkungen von HIV und AIDS, Ebola und Kinderkrankheiten.  “Wir wissen, dass wir die Menschen in unseren Projektgebieten einbeziehen müssen, damit Impfstoffe wirksam eingesetzt werden können“, so Uellendahl. Auch die Rolle der lokalen Meinungsführer, darunter Leiter von Religionsgemeinschaften, Gesundheits- und Entwicklungshelfer, sei entscheidend, um die Akzeptanz des Impfstoffs zu gewährleisten

"Wir sind bereit, eine weltweite Kampagne zur Einführung von Impfstoffen zu unterstützen. Wir werden hierbei die Hunderttausenden von religiösen Respektspersonen und über 200.000 lokalen Gesundheitshelfer, mit denen wir bereits auf Gemeindeebene zusammenarbeiten, einbinden", betont Dan Irvine, Senior Direktor, Gesundheit und Ernährung bei World Vision International.   

 World Vision arbeitet in einigen der entlegensten und gefährlichsten Gegenden der Welt.  COVID-19 hat in nur wenigen Monaten mehr als 50 Millionen Menschen infiziert, 1,2 Millionen Tote verursacht und jahrzehntelange Entwicklungsfortschritte zunichte gemacht. „Deshalb sind wir zutiefst dankbar für alle Wissenschaftler, die unermüdlich an der Entwicklung eines Impfstoffs gearbeitet haben. Nun muss auch alles dafür getan werden dass alle Menschen gleichermaßen Zugang zu Impfstoffen und Medikamente haben“, betont Uellendahl.

 

 Mit den Maßnahmen gegen die Ausbreitung des COVID-19 Virus hat die Kinderhilfsorganisation inzwischen 54 Millionen Menschen in 70 Ländern erreicht.

Weitere Informationen über die World Vision Corona Maßnahmen finden Sie unter:

 

www.wvi.org/emergencies/coronavirus-health-crisis/our-impact  

 
Unterstützen Sie die Hilfen von World Vision mit Spenden:

Stichwort „Coronahilfe“

 

IBAN: DE89 5019 0000 0000 0020 20 (Frankfurter Volksbank)

 

Online spenden unter: www.worldvision.de/corona

 


Heutiger EU-Handelsministerrat

Zivilgesellschaftliche Organisationen fordern weiterhin Stopp des EU-Mercosur-Handelsabkommens und Transparenz in der Handelspolitik

 

Mercosur * EU * Handelsministerrat

 

 

 

(Berlin/bfw) - Bei der Videokonferenz der Handelsministerinnen und Handelsminister aller EU-Staaten am heutigen Montag steht das umstrittene EU-Mercosur-Abkommen nicht auf der Agenda. Noch zu Beginn der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im Juli war erwartet worden, dass das Abkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay bei der Sitzung am 9. November bereits zur Abstimmung stehen könnte.

 

 

 

In den letzten Wochen ist in Deutschland wie auch innerhalb der EU weitere Kritik an dem Abkommen geäußert worden, so vom Europäischen Parlament, von den Konferenzen der Agrarministerinnen und Agrarminister auf europäischer wie nationaler Ebene sowie von Umweltministerin Schulze. Auch die jüngsten, von den Regierungen Frankreichs und Schwedens und vom Europäischen Parlament in Auftrag gegebenen Studien belegen die gravierenden Folgen des Abkommens für Klima, Landwirtschaft, globale Gerechtigkeit und Menschenrechte.

 

 

 

EU-Handelskommissar Dombrovskis zufolge finden derzeit Gespräche mit den Mercosur-Staaten statt, um diese zu weiteren Selbstverpflichtungen zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes und des Klimas zu bewegen.

 

 

 

Dazu sagt Bettina Müller, Handelsexpertin von PowerShift: „Mit einem breiten, europaweiten und transatlantischen Bündnis ist es uns gelungen, auf die gravierenden Folgen des Abkommens aufmerksam zu machen. Nun kommt es darauf an, die richtigen Schlüsse aus der Kritik zu ziehen. Selbstverpflichtungen sind wirkungslose Papiertiger, da sie ebenso wie die bereits im Abkommen festgeschriebenen Verpflichtungen zur Nachhaltigkeit nicht mit einem Durchsetzungsmechanismus verbunden sind.“

 

 

 

Sven Hilbig, Handelsexperte von Brot für die Welt, ergänzt: „Weder Öffentlichkeit noch Parlamente wissen, welche Vorschläge die EU-Kommission gegenüber den Mercosur-Staaten auf den Tisch gelegt hat und in welchem Rahmen sie diese verhandelt. Diese fehlende Transparenz ist absolut inakzeptabel. Unsere Partner in Südamerika sind zunehmend besorgt darüber, dass Brüssel einen Deal aushandelt, der Kleinbauern und Indigenen keinen wirklichen Schutz bietet.“

 

 

 

Handelsexperte Jürgen Knirsch von Greenpeace sagt: „Dieses Abkommen steht für eine Politik von gestern, die einseitig den Interessen der Automobil-, Chemie- und Agrarindustrie dient und die Umweltzerstörung weiter befeuert. Mit Zusatzerklärungen und kleinen Nachbesserungen ist dieses Abkommen nicht zu retten, stattdessen brauchen wir eine europäische Handelspolitik, die soziale Gerechtigkeit und den Schutz von Klima und Artenvielfalt in den Mittelpunkt stellt.“

 

 

 

Das Handelsabkommen der EU mit den Mercosur-Staaten steht seit langem in der Kritik. Die Kritik richtet sich insbesondere gegen die mit dem Abkommen einhergehenden Landvertreibungen und Abholzungen, die die Klimakrise weiter verschärfen würden, sowie gegen die Verhinderung existenzsichernder landwirtschaftlicher Erzeugerpreise. In Deutschland sprechen sich über 70 zivilgesellschaftliche Organisationen mittlerweile in einem gemeinsamen Aufruf gegen das Abkommen aus. Das Klima-Bündnis, dem über 1.800 Städte und Gemeinden aus 27 europäischen Ländern angehören, hat in einer Resolution den Europäischen Rat aufgefordert, das Abkommen in seiner jetzigen Form abzulehnen. Auch die Bevölkerung lehnt das Abkommen mehrheitlich ab: Drei von vier Bürger*innen in Deutschland sowie in der EU sprechen sich für seinen Stopp aus.

 

 

 

Weitere Informationen:

 

Bericht über mögliche Auswirkungen des Handelsteils im EU-Mercosur-Assoziierungsabkommens im Bereich der nachhaltigen Entwicklung (in französischer Sprache):

 

https://www.politico.eu/wp-content/uploads/2020/09/Rapport-evaluation-UE-Mercosur-francais.pdf

 

 

 

Analyse des EU-Mercosur-Handelsabkommens (englische Zusammenfassung der schwedischen Originalfassung):

 

https://www.kommerskollegium.se/globalassets/publikationer/rapporter/2020/mersocur-en-summary.pdf

 

 

 

Übersicht des Wissenschaftlichen Dienstes des Europäischen Parlaments zur Abholzung im Amazonasgebiet und dem EU-Mercosur-Abkommen:

 

https://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/ATAG/2020/659311/EPRS_ATA(2020)659311_EN.pdf

 

 

 

Gemeinsamer Aufruf „Zeit zum Umdenken – EU-Mercosur-Abkommen stoppen!”:

 

https://www.gerechter-welthandel.org/eu-mercosur-stoppen

 

 

 

Klima-Bündnis-Resolution gegen EU-Mercosur-Handelsabkommen:

 

https://www.klimabuendnis.org/newsroom/news/news-detail/klima-buendnis-resolution-gegen-eu-mercosur-handelsabkommen.html

 

 

 

EU-weite repräsentative Bevölkerungsumfrage zum EU-Mercosur-Abkommen:

 

https://www.sumofus.org/media/-of-the-public-ask-for-eu-mercosur-trade-deal-to-be-stopped-if-it-drives-deforestation---poll/

 

 

 

Deutschlandweite repräsentative Bevölkerungsumfrage zum EU-Mercosur-Abkommen:

 

https://www.greenpeace.de/presse/publikationen/umfrage-zum-eu-mercosur-handelsvertrag

 


„Arbeitswelt nicht nur punktuell reformieren, sondern umfassend nachhaltig transformieren!“

 

  • Empfehlungspapier an die Bundesregierung zur Gestaltung nachhaltiger Arbeit 
  • Herkömmliche Vorstellungen von „guter Arbeit“ müssen dringend weiterentwickelt werden
  • Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie als Rahmen nutzen

 

(Potsdam/pm) - Die Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030 (wpn2030) hat ein Empfehlungspapier an die Bundesregierung zur Förderung nachhaltiger Arbeit veröffentlicht.  „Auch in Sachen Arbeitswelt stehen wir vor gewaltigen Gestaltungsaufgaben, damit eine nachhaltigen Entwicklung gelingt –  und die Corona-Krise führt uns einmal mehr die Dringlichkeit vor Augen“, betonen Univ.-Prof. Marion A. Weissenberger-Eibl (Fraunhofer ISI & KIT) und Prof. Stephan Lessenich (LMU München), die eine transdisziplinäre Arbeitsgruppe zur Erstellung des Papiers geleitet haben. „Wichtig wird dabei insbesondere sein, die Arbeitswelt nicht nur punktuell zu reformieren, sondern umfassend und nachhaltig zu transformieren – so dass das Soziale, Wirtschaftliche und Ökologische zukünftig wie selbstverständlich zusammen gedacht und gestaltet werden.“ 

 

Eine Transformation hin zu einer nachhaltigen Arbeitswelt sei dringend geboten, um sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Schieflagen und der Überausbeutung von Arbeit und Natur langfristig und global entgegenwirken zu können. Der Weg dorthin sei aber noch weit, denn: „Punktuelle Ansätze sind zwar vielerorts vorhanden und auch teilweise erfolgreich. Für weitreichende Effekte allerdings mangelt es an umfassenden konzeptionellen Grundlagen zur Gestaltung einer nachhaltigen Arbeitswelt“, so Marion A. Weissenberger-Eibl. 

 

In ihrem Papier beleuchtet die Arbeitsgruppe der wpn2030 unter anderem den Status von Arbeit und langfristige Trends in der Arbeitswelt. „In gewisser Hinsicht leben wir mitunter noch im 19. Jahrhundert“, so Stephan Lessenich, „denn unsere Vorstellungen und Konzepte davon, was ‚gute Arbeit‘ ausmachen sollte, hängen noch stark an den klassischen industriellen Arbeitsverhältnissen und passen nur noch unzureichend zu den Realitäten, Tendenzen und Anforderungen des 21. Jahrhunderts.“ Unterbelichtet seien insbesondere neue Arbeitsformen und Trends wie etwa Solo-Selbständige, Sub-Unternehmer*innen oder digital arbeitende Click- und Crowdworker*innen. Ebenso die engen globalen Zusammenhänge wie etwa der Zugriff auf billige Arbeit in anderen Weltregionen, oftmals mit zerstörerischen sozialen und ökologischen Folgen, und nicht zuletzt die anhaltende und sich verschärfende Ausbeutung und nicht-nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen. Lessenich: „All das sind sehr wirkmächtige, längst existente und miteinander verbundene Faktoren unserer heutigen Arbeitswelt, die wir mit einbeziehen müssen, um zu einem zeitgemäßen Bild von guter – und eben nachhaltiger – Arbeit zu kommen. Und das brauchen wir, damit es gesellschaftliche Gestaltung und politische Entscheidungen anleiten kann.“ Falls dies ausbleibe, laufe man Gefahr, dass sich soziale, wirtschaftliche und ökologische Schieflagen weiter verschärfen.

 

In ihrem Impulspapier präsentiert die wpn2030 erste Vorschläge für Gütekriterien nachhaltiger Arbeit, die in einem gesamtgesellschaftlichen Dialog aufgegriffen und weiter konkretisiert werden sollten. Diese Gütekriterien zielen auf die engere Verzahnung der Arbeitswelt mit Zielen nachhaltiger Entwicklung: „Innovationen werden bei all dem eine zentrale Rolle spielen. Ihre Beiträge für nachhaltige Entwicklung und ihr nachhaltiger Einsatz werden dabei entscheidend sein“, so Weissenberger-Eibl. Digitale Technologien können einerseits zu einer Entgrenzung von Arbeit beitragen, bergen aber auch große Chancen für beispielsweise soziale Innovationen, die zu nachhaltigeren Arbeitswelten beitragen können. 

 

Neben konzeptionellen Weiterentwicklungen bedürfe es dringend auch struktureller Veränderungen. „Nachhaltige Arbeit muss zu einem politischen Querschnittsthema gemacht werden – mehr Ressorts als bisher müssen für die Gestaltung zusammenkommen“, so Lessenich. Mit der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie liege auch bereits ein Rahmen vor, in dem dies stärker als bislang politisch zusammengedacht werden könne. Dieser Rahmen müsse aber deutlich intensiver genutzt werden. 

 

„Auch müssen wir in Deutschland den gesellschaftlichen Dialog zu Arbeit und Nachhaltigkeit intensiver führen“, so Weissenberger-Eibl. „Die Aufgabe, zu einer nachhaltigen Arbeitswelt zu kommen, ist riesig und sie betrifft uns alle – auf unterschiedlichsten Ebenen. Wir müssen also endlich zusammenkommen und darüber sprechen. Wir dürfen das Möglichkeitsfenster, das uns die Erfahrungen aus der Corona-Krise eröffnet, nicht ungenutzt lassen.“ 

 

Die wpn2030 ist ein zentraler Ort der Wissenschaft, an dem sie drängende Fragen der Nachhaltigkeitspolitik diskutiert – im Austausch mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. 

 

Das Empfehlungspapier zum Download

 

Weitere Informationen: www.wpn2030.de 

 


Dachverbände legen gemeinsame Forderungen zum Gemeinnützigkeitsrecht vor

Demokratie lebt von der Stärke ihrer Zivilgesellschaft

 

Gemeinsame Pressemitteilung von: Allianz „Rechtssicherheit für politische Willensbildung“, BAGSO - Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen, Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE), Bundesverband Deutscher Stiftungen (BVDS), Deutscher Fundraising Verband, Deutscher Naturschutzring (DNR), Deutscher Spendenrat, Deutscher Kulturrat, Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB), Forum Umwelt und Entwicklung, Stifterverband, Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (VENRO)

 

(Berlin/pm) - Mit einem gemeinsamen Statement haben zwölf Dachverbände und Netzwerke aus unterschiedlichen Bereichen unserer Gesellschaft auf die Notwendigkeit einer Änderung des Gemeinnützigkeitsrechts hingewiesen. „Unsere Mitglieder stiften Gemeinschaft, fördern das Zusammenleben und geben immer wieder kritische Impulse für die gesellschaftliche Weiterentwicklung. Die im Rahmen des Jahressteuergesetzes angestoßenen Änderungen im Gemeinnützigkeitsrecht machen die Arbeit vieler gemeinnütziger Vereine und Stiftungen einfacher. Doch die Vorschläge sind nicht ausreichend und schaffen nicht die notwendige Rechtssicherheit“, so die Position der beteiligten Organisationen.

 

Anlässlich einer Debatte im Deutschen Bundestag fordern die Dachverbände und Netzwerke eine Klarstellung im Gesetz, dass die eigenen gemeinnützigen Zwecke auch überwiegend oder ausschließlich mit politischen Mitteln verfolgt werden dürfen, solange das Abstandsgebot zu Parteien eingehalten wird. So müsse sich ein Umweltverband politisch für mehr Fahrradwege oder ein Sportverband für eine bessere Förderung des Breitensports einsetzen. Zudem sei eine Klarstellung notwendig, dass sich gemeinnützige Organisationen ausnahmsweise für andere als die eigenen gemeinnützigen Zwecke engagieren dürfen. Wenn ein Sozialverband zu einer Klimaschutzdemonstration aufrufe, dürfe er dadurch nicht seine Gemeinnützigkeit gefährden. Schließlich fordern die Organisationen eine Aufnahme der Zwecke Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz und Frieden als gemeinnützig gemäß der Abgabenordnung.

 

„Wir wünschen uns über die aktuellen Gesetzesänderungen hinaus eine ernsthafte Auseinandersetzung von Bundestag, Bundesrat und Parteien mit dem Beitrag zivilgesellschaftlicher Organisationen für unsere Gesellschaft und wie dieser Beitrag in der Breite ausreichend abgesichert und gefördert werden kann. Die Corona-Krise hat den Wert zivilgesellschaftlichen Engagements auf zahlreichen Feldern erneut besonders deutlich werden lassen“, so die Organisationen weiter.

 

Das gemeinsame Statement ist --> hier erhältlich.

 


missio Aachen: Bundesregierung mit richtiger Strategie im Einsatz für Religionsfreiheit

missio-Präsident Bingener: „Das hilft Millionen Betroffenen weltweit“ – Bericht der Regierung zur weltweiten Lage der Religionsfreiheit vorgestellt – Verhandlungen jetzt mit Pakistan und Indonesien führen

 (Aachen/missio) - Das katholische Hilfswerk missio Aachen begrüßt den heute vorgestellten zweiten Bericht der Bundesregierung zur weltweiten Lage der Religionsfreiheit als einen „wichtigen Fortschritt und mutiges Signal“, sagte missio-Präsident Pfarrer Dirk Bingener. „Die Bundesregierung hat die richtige Strategie entwickelt, um mit Pragmatismus, einem ausdrücklichen politischen Willen und im Geist des interreligiösen Dialoges Millionen Betroffenen weltweit zu helfen, die wegen ihres Glaubens diskriminiert, bedrängt oder verfolgt werden“, so Pfarrer Bingener weiter.

 Bericht entspricht den Erfahrungen der Kirche in Afrika, dem Nahen Osten und Asien

 Der Bericht setze zu Recht den Schwerpunkt auf die Probleme Blasphemie- und Antikonversionsgesetze, Hassrede in Sozialen Medien und gruppenbezogene Diskriminierung von Religionen in staatlicher Bildungsarbeit, um dort Verbesserungen in direkten Verhandlungen mit den verantwortlichen Staaten zu erreichen. „Das entspricht genau den konkreten Erfahrungen und Erwartungen unserer kirchlichen Partner in Afrika, dem Nahen Osten und Asien“, so Pfarrer Bingener.

 

Missbrauch von Blasphemiegesetzen verhindern

 Dies gelte insbesondere im Bereich der Blasphemiegesetze wie beispielsweise in Pakistan oder Indonesien, unter denen Christinnen und Christen, aber auch Angehörige anderer Religionen leiden. „Es ist derzeit in vielen Staaten nicht realistisch, dass dort die Blasphemiegesetze abgeschafft werden, sagen unsere Partner“, so Pfarrer Bingener. Aber wenn die Bundesregierung in dem Bericht Verhandlungen direkt mit solchen Staaten ankündige, damit diese die Blasphemiegesetze reformierten und ihre Umsetzung so veränderten, dass Menschenrechte nicht mehr verletzt und es keine Inhaftierungen oder gar Todesstrafen mehr gibt, dann sei „das für unsere Partner ein erster konkreter, spürbarer Fortschritt. Diese internationale politische Solidarität hilft ihnen und uns, diese Forderungen nach und nach umzusetzen“, sagte Pfarrer Bingener. „Hier hoffen wir, dass die Bundesregierung tatsächlich und mit spürbarem Erfolg vor allem mit Pakistan und Indonesien verhandelt, um dort wie von unseren Partnern gefordert den Missbrauch der Blasphemiegesetze künftig zu verhindern“, sagte Pfarrer Bingener.

 

Wichtig: Verschiedene Religionen werden nicht gegeneinander ausgespielt

Der Bericht stelle ausdrücklich fest, dass Christen als weltweit größte Religionsgemeinschaft auch am stärksten von Verletzungen der Religionsfreiheit betroffen sind. Gleichzeitig mache die Bundesregierung deutlich, dass ebenso Angehörige anderer Religionen und in steigendem Maße auch Atheisten unter Verletzungen der Religionsfreiheit litten. „Es ist wichtig, dass hier nicht verschiedene Religionen gegeneinander ausgespielt werden, sondern deutlich wird, dass im interreligiösen Dialog das Menschenrecht auf Religionsfreiheit für alle und eben auch für Christinnen und Christen am besten geschützt wird. Das ist eine zukunftsfähige Botschaft“, sagte Pfarrer Bingener weiter. „Insgesamt sehen wir uns durch diesen Bericht in unserer Arbeit bestätigt und ermutigt.“

 

Verantwortlich für den Bericht ist Markus Grübel, Beauftragter der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit. Zu dem Bericht steuerte auch missio Aachen seine Expertise bei.

 

Wer ist missio?

 Das Internationale Katholische Missionswerk missio Aachen ist eines der großen deutschen Hilfswerke und gehört zu einem Netzwerk von rund 120 missio-Werken weltweit. missio Aachen verfügte 2019 über ein Projekt- und Kampagnenvolumen von rund 47,4 Millionen Euro, mit dem 946 Projekte in 68 Ländern gefördert wurden. missio Aachen unterstützt die katholische Ortskirche in Afrika, Asien, dem Maghreb und Nahen Osten sowie Ozeanien. Diese Förderung stärkt die pastorale, soziale und interreligiöse Arbeit, die Infrastruktur sowie die Ausbildung von Laien, Priestern und Ordensleuten der katholischen Kirche in diesen Regionen. Mit ihrer Arbeit erreicht die Kirche dort nicht allein Christen, sondern trägt zur Verbesserung der Lebensumstände der gesamten Gesellschaft bei. In vielen Ländern Afrikas, Asiens und Ozeaniens ist die Kirche oft die einzige Institution, die alle Menschen erreicht, da staatliche Strukturen schwach sind.

 


Digitale Bundesdelegiertenversammlung greift aktuelle Themen auf

KDFB: Klares JA zu Demokratie und Menschenwürde

(Köln/kdfb) – Eindeutig spricht sich der Katholische Deutsche Frauenbund e.V. (KDFB) für die Stärkung der Demokratie und für den Widerstand gegen populistische und extremistische Strömungen in Politik und Gesellschaft aus. Ebenso fordert er mit Blick auf Menschenrechte und Menschenwürde die Überarbeitung der bestehenden Gesetzgebung zum Prostituiertenschutz.

 

„Mit Sorge nehmen wir das Erstarken rechtspopulistischer und extremistischer Strömungen in Politik und Gesellschaft sowie deren schleichende Etablierung im Alltag wahr. Diese Tendenzen tragen zur Spaltung der Gesellschaft bei. Sie gefährden friedvolles Miteinander und demokratisches Leben, das geprägt ist von Gerechtigkeit, Solidarität und Menschenwürde“ erklärt KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth.

 

Der KDFB sieht die Demokratie und ihre Grundwerte durch die Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) und andere populistische Gruppierungen bedroht und grenzt sich dezidiert von deren Programmatik und Handeln ab. „Jede Form von Diskriminierung und Benachteiligung, die aufgrund von Geschlecht, Religion, Herkunft, Hautfarbe, Behinderung oder Krankheit erfolgt, widerspricht dem Grundgesetz, der Menschenwürde und den Werten des KDFB“, so Flachsbarth. Menschenverachtende und rassistische Äußerungen sind daher unvereinbar mit einer Mitgliedschaft im Frauenbund.

 

Die Versammlung, die Corona-bedingt erstmals digital stattfand, befasste sich außerdem mit der Notwendigkeit einer veränderten Prostitutionspolitik. Der KDFB fordert von der Bundesregierung: Einführung eines Sexkaufverbots in Deutschland, Bestrafung von Freiern sowie konkrete Ausstiegsprogramme und Hilfen für Zwangsprostituierte („Nordisches Modell“). Bereits 2013 hatte der KDFB die Politik aufgerufen, umgehend den Schutz von Prostituierten zu verbessern sowie Zwangsprostitution und Menschenhandel rigide einzugrenzen.

 

Ermutigung für das weitere Engagement in Politik, Gesellschaft und Kirche, besonders für die Gleichberechtigung von Frauen in allen Lebensbereichen, erhielten die Teilnehmerinnen der KDFB-Bundesdelegiertenversammlung durch eine Videobotschaft von Elke Büdenbender, Gattin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

 

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) ist ein unabhängiger Frauenverband mit bundesweit 180.000 Mitgliedern. Seit der Gründung 1903 setzt er sich für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Politik, Gesellschaft und Kirche ein.


Kinder zuletzt: World Vision fordert Kitas- und Schulen in der Pandemie offen zu halten

 

(Berlin/wv) - In der aktuellen Diskussion um geeignete und notwendige Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie dürfen wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Auswirkungen der Kita- und Schulschließungen nicht übergangen werden. Die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision fordert, Kitas und Schulen offen zu halten. Schließungen müssen das letzte Mittel der Pandemiebekämpfung sein, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

 

In der aktuell laufenden „5. Kinderstudie“ untersucht World Vision, welche Auswirkungen der Lock-Down für Kinder in Deutschland und Ghana hatte. Erste Ergebnisse der qualitativen Untersuchung aus je 15 Tiefeninterviews mit sechs- bis sechzehnjährigen Kindern in Ghana und Deutschland liegen nun vor: In keinem der Länder gibt es geeignete Angebote des Fernunterrichts, die das Recht auf Bildung jenseits des Präsenzunterrichts sichern. Soziale Ungleichheiten verschärfen sich für Kinder in sozio-ökonomisch benachteiligten Lebenslagen durch fehlende Mittel für das Homeschooling (Datenvolumen, Laptop, Drucker, etc.) und mangelnde Unterstützung Erwachsener. Kita- und Schulschließungen sind nicht mit der Erwerbstätigkeit von Eltern vereinbar, auch wenn diese im Home Office arbeiten. Überforderung mit dem selbststrukturierten Lernen und Versagensängste sowie Einsamkeit und familiäre Spannungen kennzeichnen die Erfahrungen vieler Kinder im Lock-Down. Der fehlende Kontakt zu außerfamiliären Bezugspersonen und Institutionen erhöhen das Risiko und erschweren die Bekämpfung psychischer und physischer Gewalt in den Haushalten.

 

Wie bereits wissenschaftlich belegt, sind Kinder keine „Treiber“ der Pandemie. Kita- und Schulschließungen müssen die letztmögliche Option bei der Bekämpfung der Pandemie sein, denn sie greifen unverhältnismäßig in die Lebensräume und den Lebensalltag von Kindern ein und gefährden ihr Wohl.

 


KDFB fordert bessere politische und strukturelle Rahmenbedingungen

Sorgearbeit als vernetztes System verstehen

 

(Köln/kdfb) – Die Bundesdelegiertenversammlung des Katholischen Deutschen Frauenbundes e.V. (KDFB) hält die Weiterentwicklung des gesamten Care-Bereichs für dringend notwendig. „Die Systemrelevanz von Sorgearbeit jeglicher Art wird in der Corona-Pandemie wie in einem Brennglas deutlich. Es zeigt sich, dass neue politische und strukturelle Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, um Verbesserungen im Pflegesektor und in der Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit herbeizuführen“, erklärt KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth.

 

Die im Vergleich geringere Wertschätzung von Care-Arbeit zeigt sich immer noch daran, dass es sich in der Mehrzahl um relativ schlechtbezahlte „Frauenberufe“ handelt. „Mit einer Einführung des Rechts zu sorgen und umsorgt werden, der verbesserten Vereinbarkeit von Erwerbs- und Pflegezeit, mehr vollzeitnahen Teilzeitstellen sowie der Optimierung der Personalausstattung in Pflegeeinrichtungen und –diensten setzt der KDFB seine jahrzehntelange Arbeit für die gesellschaftliche Wertschätzung von Sorgearbeit fort“, so Maria Flachsbarth. Und weiter: „Care-Arbeit muss für Frauen und Männer attraktiver werden; man/frau muss mit einer Vollzeitstelle ein Familieneinkommen erwirtschaften können.“ Der soeben beschlossene Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst geht laut KDFB in die richtige Richtung.

 

Mit Forderungen nach einer Aufwertung der Berufe im Pflegesektor, einer besseren Bezahlung und einer größeren Entlastung pflegender Angehöriger unterstützt der Frauenbund auch die Initiative von Gesundheitsminister Jens Spahn, den Care-Bereich gesellschaftlich und finanziell mehr wertzuschätzen. Zusätzlich fordert der KDFB, dass die Lösung der Care-Krise nicht auf Kosten ausländischer Pflegekräfte erfolgen darf. Der Ausbeutung von Pflegepersonal durch illegale Dienstleistungsangebote müssen Politik, aber auch jede Arbeitgeberin und jeder Arbeitgeber entschiedener entgegenwirken. Die Forderung umfasst im gleichen Sinne auch den konsequenten Schutz der Rechte von Haushaltsangestellten.

 

Der KDFB fordert, dass der gesamte Care-Bereich als vernetztes System verstanden wird. Politik und Gesellschaft dürfen bei der Weiterentwicklung der Sorgearbeit nicht bei der Behandlung einzelner Symptome ansetzen. Ziel muss eine flächendeckende Sorgeinfrastruktur sein, bei dem der gesamte Lebensverlauf im Blick ist, beginnend von der Kinderbetreuung bis hin zur Pflege älterer oder kranker Menschen.

 

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) ist ein unabhängiger Frauenverband mit bundesweit 180.000 Mitgliedern. Seit der Gründung 1903 setzt er sich für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Politik, Gesellschaft und Kirche ein.

 


100 Jahre deutsch-dänische Grenze:

Filmabend mit Bischof Magaard zeigt Wilfried-Hauke-Film

 

(Schleswig/Husum/aw) - 2020 jährte sich die deutsch-dänische Grenzziehung zum 100. Mal. Zum Jubiläum drehte Regisseur Wilfried Hauke einen Film, der die Geschichte von Dänen und Deutschen entlang der Grenze erzählt. Die Husumer Kirchengemeinden zeigen gemeinsam mit der Bischofskanzlei Schleswig und der Evangelischen Akademie der Nordkirche den Film „Das unsichtbare Band“  am Donnerstag, 29. Oktober um 19 Uhr im Kino Center Husum, Neustadt 114. Anschließend werden der Regisseur und  Gothart Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), mit den Gästen ins Gespräch kommen. 

 

Bischof Gothart Magaard sagt dazu: „Ich freue mich sehr, dass der Film das Leben im Grenzland und die vielen gewachsenen Verbindungen über Grenze hinweg sichtbar macht. Fragen der eigenen Identität, der Gemeinsamkeiten und der Unterschiede beschäftigen uns hier in der Grenzregion vielleicht stärker als in anderen Regionen. Daher ist es gut, diesen wichtigen Film einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen und mit den Besuchern darüber zu diskutieren.“

 

Der Film erzählt anhand von Biographien aus dem Alltag im Grenzland vor 100 Jahren und heute, und er erzählt zugleich von der großen Politik. Wie in einem alten Haus führen uns die Menschen  mit ihren privaten Fotos und mit Filmmaterial von Tür zu Tür immer weiter zurück in die Vergangenheit und zu den  Geschichten ihrer Vorfahren, die 1920 mit abgestimmt haben. Die Menschen im Grenzland  fragen auch nach ihrer Zukunft als Minderheiten, die bedroht sind, in dem Sinne, dass ein es freies und offenes Europa vielleicht bald nicht mehr geben wird, wenn keine Gegenwehr erfolgt. Sie sind es auch, die den Zuschauerinnen und Zuschauern  entscheidende Fragen stellen: Warum braucht man überhaupt Grenzen zwischen guten Nachbarn? Was bedeuten Grenzen für die Identität eines Menschen? Welche Rolle spielen Grenzen überhaupt noch in der digitalen und globalen Welt, in der wir uns immer mehr als eigenständige Personen und nicht als Angehörige einer einzelnen Nationalität erleben?

 

 

 

Wilfried Hauke, geboren 1957, schreibt Drehbücher und produziert Filme zu skandinavischer Literatur und Geschichte. Er arbeitet für ARD, ZDF, Arte, NDR, und die dänischen Sender DR und SVT. 2017 gründete er die IDA Film & TV-Produktion.

 

 

 

Der Eintritt ist frei. Karten sind vorab und an der Abendkasse beim Kino Center Husum erhältlich.

 


Ohne nachhaltige Entwicklung kein gerechter Frieden

"Leaving no one behind"

 

(Berlin/pm) - Wird weltweit genug getan für Frieden und Nachhaltigkeit? Führen die Sustainable Development Goals (SDGs) zu Lösungen der Probleme in einer Zeit, in der die UN deutlich geschwächt sind? Was kann Deutschland tun? Antworten werden am 26. Oktober 2020 gesucht bei der Online-Veranstaltung „Leaving No One Behind". Zur Berichterstattung sind Sie herzlich eingeladen. 

 

Die Auswirkungen von gewaltsamen Konflikten sind nicht nur in den Ländern des globalen Südens zu spüren. Die einfache Gleichung „mehr Entwicklung gleich mehr Frieden" geht schon längst nicht mehr auf. Die UN haben mit ihrer "Agenda 2030" einen qualitativ neuen globalen Orientierungsrahmen geschaffen. Nur auf der Grundlage eines integrierten Ansatzes soll den Problemen dieser Welt begegnet werden. Aber gibt es ausreichend integrative und innovative Ansätze für die Lösung der aktuellen Probleme? In Zeiten der Corona-Pandemie stellen sich diese Fragen noch einmal mit größerer Dringlichkeit. 

 

Im Fokus der Online-Veranstaltung stehen exemplarisch einzelne Konfliktländer und -regionen in Afrika. Kritisch reflektiert werden soll auch die Funktion religiöser Akteure (insbesondere der Kirchen). Es diskutieren u.a. der Beauftragte der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel, und der Friedensbeauftragte des Rates der EKD, Renke Brahms. 

 


50 Jahre nach seinem Versprechen von New York hat Deutschland über 400 Milliarden Euro nicht investiert, die es für Entwicklungszusammenarbeit zugesagt hatte

Deutsche NGOs fordern Einhaltung des 0,7-Prozent-Ziels ohne Wenn und Aber

(Berlin/wv) -  Bei einer UN-Konferenz sagte Deutschland 1970 zusammen mit anderen Industrieländern zu, 0,7-Prozent seiner Wirtschaftskraft in die Armutsbekämpfung zu investieren. Zum 50. Jahrestag des 0,7-Prozent-Versprechens fordern sieben Entwicklungsorganisationen die Bundesregierung auf, ihr Versprechen an die Entwicklungszusammenarbeit einzulösen.

 

Die Entwicklungsorganisationen Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW), Global Citizen, ONE, Plan International Deutschland, Save the Children Deutschland, World Vision und das Aktionsbündnis gegen AIDS richten ihren Appell direkt an die Bundesregierung: “Wenn die Corona-Pandemie eines deutlich gemacht hat, dann wie wichtig internationale Zusammenarbeit ist. Globale Gesundheit ist ein Kernthema der Entwicklungszusammenarbeit.  Wenn die Bundesregierung ihre eigenen Zusagen ernst nimmt, dann sollte sie endlich ihr 50 Jahre altes Versprechen verlässlich einlösen und jedes Jahr 0,7-Prozent seiner Wirtschaftskraft in die Entwicklungszusammenarbeit investieren. Andernfalls ist dieses Versprechen das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben wurde. Länder wie das Vereinigte Königreich oder Schweden schaffen es längst, sich an ihre internationale Zusage zur Armutsbekämpfung zu halten.”

 

In 50 Jahren hat es Deutschland nur einmal geschafft, das 0,7-Prozent-Ziel zu erreichen. Das war 2016, nach einer vorteilhafteren Berechnungsmethode, die heute nicht mehr angewandt wird. Dabei sollte diese Zielmarke bereits 1975 dauerhaft erreicht werden.

 

Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) beläuft sich die Höhe der Mittel, die Deutschland für die Entwicklungszusammenarbeit zugesagt, aber nicht investiert hat, auf rund 412 Milliarden Euro (knapp 490 Milliarden US-Dollar).

 

Gemeinsam machen die Entwicklungsorganisationen darauf aufmerksam, dass es sich bei dem 0,7-Prozent-Ziel um keine abstrakte Vereinbarung, sondern um die gemeinsam beschlossene UN-Resolution 2626 handelt. 0,7-Prozent muss als Mindestziel definiert werden, fordert das Bündnis. Der Corona-bedingte Wirtschaftsabschwung und die zusätzlichen Mittel für das Entwicklungsministerium für 2020 und 2021 führen dazu, dass Deutschland das 0,7-Prozent-Ziel voraussichtlich erreichen wird. Dies begrüßen die NGOs ausdrücklich.  Sie fordern die Bundesregierung jedoch auf, sich nicht darauf auszuruhen, sondern sicherzustellen, dass Deutschland auch langfristig das 0,7-Prozent-Ziel erreicht. Nur so kann das grundlegende Prinzip der UN-Nachhaltigkeitsziele, niemanden zurück zu lassen, erreicht werden. 

 


Große Bandbreite an Engagement in jedem Bundesland / Wer bis zum 27. Oktober abstimmt, kann eines von 50 Losen der Deutschen Fernsehlotterie gewinnen

Countdown zur Abstimmung über den mit 10.000 Euro dotierten Publikumspreis

Foto: Deutscher Engagementpreis
Foto: Deutscher Engagementpreis


 

(Berlin/pm) - Jede Stimme zählt! Noch bis zum 27. Oktober können alle Bürgerinnen und Bürger bei der Online-Abstimmung über den Publikumspreis des Deutschen Engagementpreises auf www.deutscher-engagementpreis.de/publikumspreis für ihre Favoriten von insgesamt 383 nominierten Personen und Initiativen abstimmen. Die bundesweit renommierte Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert. Die 50 Erstplatzierten der Abstimmung gewinnen außerdem die Teilnahme an einem gemeinsamen Weiterbildungsseminar zu Öffentlichkeitsarbeit und gutem Projektmanagement in Berlin.

Nach den ersten fünf Wochen sind bereits über 80.000 Stimmen für die Nominierten abgegeben worden. Alle, die beim Online-Voting abstimmen, unterstützen nicht nur die Engagierten, sondern gewinnen mit etwas Glück auch eines von 50 Losen der Deutschen Fernsehlotterie.

„Freiwilliges Engagement ist ein unverzichtbares Element unserer freien Gesellschaft. Mit dem Deutschen Engagementpreis möchten wir die vielfältige aktive Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern würdigen. Jeder kann seinen Beitrag dazu leisten: Machen Sie mit, und geben Sie Ihren Favoriten beim Publikumspreis Ihre Stimme“, betont Marie-Alix Ebner von Eschenbach, Mitglied des Sprecherrates im Bündnis für Gemeinnützigkeit.

So finden Sie Nominierte aus Ihrer Region
Eine Übersicht über alle Nominierten aus Ihrer Region finden Sie auf der Abstimmungsseite unter: www.deutscher-engagementpreis.de/publikumspreis. Hier können Sie in der Listenansicht nach Bundesland, Themenfeld oder mit einer freien Suche recherchieren. In der Kartenansicht kann man sich auf einer Deutschlandkarte den Standort der nominierten Projekte und Personen anzeigen lassen, um eine Übersicht der Nominierten aus seiner Region zu erhalten. Gerne nennen wir Ihnen ansonsten auch nominierte Projekte aus Ihrer Region oder Ihren Themenfeldern.

Große Bandbreite von Engagement
Aus jedem Bundesland gibt es mehrere nominierte Initiativen und Personen. Die Nominierten sind in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen aktiv: Besonders viele finden sich in den Themenfeldern Soziales, Bildung sowie Integration und Diskriminierung. Die wichtigste Zielgruppe des Engagements sind weiterhin Kinder und Jugendliche mit 63,8 Prozent der Nennungen (Mehrfachnennung möglich).
Insgesamt ist eine große Vielfalt erkennbar. Über die klassischen Felder hinaus stellen sich die freiwillig Engagierten auch neuen gesellschaftlichen Herausforderungen: Sie unterstützen LGBTIQ-Geflüchtete, nutzen gemeinsam Ressourcen in einem Makerspace (öffentlich zugängliche Hightech-Werkstatt), engagieren sich partizipativ in einem zufällig ausgelosten Rat von Bürgerinnen und Bürgern oder organisieren Ausflüge für Seniorinnen und Senioren zum Metal-Festival Wacken Open Air.

Wettbewerb 2020
Für den Dachpreis Deutscher Engagementpreis können ausschließlich die Preisträgerinnen und Preisträger anderer Preise, die freiwilliges Engagement in Deutschland auszeichnen, nominiert werden. In diesem Jahr wurden die bundesweit 383 Nominierten von 162 Ausrichtern von Preisen für bürgerschaftliches Engagement vorgeschlagen.
Neben dem Votum der Bürgerinnen und Bürger über den mit 10.000 Euro dotierten Publikumspreis entscheidet eine hochkarätige Fachjury über die Preisträgerinnen und Preisträger in den mit 5.000 Euro dotierten fünf Kategorien „Chancen schaffen“, „Leben bewahren“, „Generationen verbinden“, „Grenzen überwinden“ und „Demokratie stärken“. Bekannt gegeben werden die Gewinnerinnen und Gewinner aller sechs Preise bei einer Preisverleihung am 3. Dezember in Berlin, die mittels Live-Stream u.a. auf www.deutscher-engagementpreis.de und Partnerwebsites übertragen wird.

Hintergrund: Über den Deutschen Engagementpreis
Der Deutsche Engagementpreis ist der Dachpreis für bürgerschaftliches Engagement in Deutschland. Nominiert werden können alljährlich Preisträgerinnen und Preisträger anderer Engagementpreise in Deutschland. Der Deutsche Engagementpreis würdigt das freiwillige Engagement von Menschen in unserem Land und all jene, die dieses Engagement durch die Verleihung von Preisen unterstützen. Ziel ist es, die Anerkennungskultur in Deutschland zu stärken und mehr Menschen für freiwilliges Engagement zu begeistern.
Initiator und Träger des seit 2009 vergebenen Deutschen Engagementpreises ist das Bündnis für Gemeinnützigkeit, ein Zusammenschluss von großen Dachverbänden und unabhängigen Organisationen des Dritten Sektors sowie von Experten und Wissenschaftlern. Förderer sind das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Deutsche Fernsehlotterie und die Deutsche Bahn Stiftung.

Service:

 

 


Brot für die Welt und FIAN legen Jahrbuch zum Recht auf Nahrung vor

Entfremdung von Mensch und Natur: zentraler Faktor für Hunger- und Umweltkrisen

Jahrbuch * Recht auf Nahrung * Hunger * Welternährungstag (16.10.)

(Berlin, Köln/bfw) - Welternährung, Klimagerechtigkeit, Menschenrechte und der Schutz der Biodiversität gehören zusammen. Das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt und die Menschenrechtsorganisation FIAN legen zum Welternährungstag (16.10.) das „Jahrbuch zum Recht auf Nahrung“ vor. Darin beleuchten sie die Ursachen von Umweltzerstörung, Hunger und Ausbeutung und stellen Handlungsalternativen vor. Gleichzeitig fordern sie von der Bundesregierung, ihre Anstrengungen bei der Bekämpfung von Hunger und Mangelernährung zu intensivieren.
„Die industrielle Landwirtschaft ist mit dem Versprechen angetreten, den Hunger zu besiegen. Doch die Zahl der Menschen, die an Hunger leiden, steigt seit fünf Jahren kontinuierlich an – trotz stark wachsender Agrarproduktion“, sagt Bernhard Walter, Agrarexperte bei Brot für die Welt. „Parallel dazu wird unsere Ernährung immer einseitiger. Nur drei Pflanzen – Mais, Reis und Weizen – sichern heute 60 Prozent der weltweiten pflanzlichen Kalorien und Proteine.“ Das neue Jahrbuch legt dar, wie dies zusammenhängt: die Zunahme des Hungers mit dem Klimawandel, mit dem Verlust der Biodiversität, mit der Verbreitung von Infektionskrankheiten wie Zoonosen – und dies wiederum mit der Verdrängung der bäuerlichen Landwirtschaft durch die industrielle Agrarproduktion.
Getrennte Regulierungssysteme für Mensch und Natur blockieren ganzheitliche Lösungsansätze
Ein großes Problem bei der Bewältigung der globalen Herausforderungen: Mensch und Natur werden immer weniger zusammen gedacht. Die Menschenrechtspakte schweigen sich weitgehend über Umweltfragen aus, und die UN-Umweltabkommen zu Biodiversität und Klima äußern sich nicht zu Menschenrechten. „Mit Blick auf die 2021 anstehenden UN-Konferenzen zu Ernährung, Biodiversität und Klima besteht die Chance, diese Kluft zu überwinden. Die Bundesregierung muss sich an den Bedürfnissen marginalisierter Bevölkerungsgruppen in den Ländern des Südens orientieren und diese bei der Vorbereitung der Gipfel substantiell einbinden“, so Philipp Mimkes, Geschäftsführer von FIAN Deutschland.
„Wenn wir das Recht auf Nahrung umsetzen wollen und Ernährung ausgewogen gestalten wollen, müssen wir die Ernährungssysteme in Richtung Agrarökologie entwickeln. So erhalten wir die Vielfalt der Sorten, und die Landwirtschaft kann sich besser an die Folgen des Klimawandels anpassen“, sagt Walter. „Hierfür müssen die Rechte von Bauern, indigenen Völkern und all jenen Gemeinschaften, die sich um lokale Ökosysteme kümmern und mittels der Agrarökologie nachhaltig Nahrungsmittel produzieren, im Mittelpunkt stehen“, ergänzt Mimkes. Kleinbauern und Indigene sind Vorreiter eines solchen Wandels, denn sie produzieren jetzt schon bis zu 80 Prozent der Lebensmittel im globalen Süden, obwohl sie nur über 25 Prozent der Agrarfläche verfügen.
Das Jahrbuch fordert eine grundsätzliche Umgestaltung der Art und Weise, wie wir Lebensmittel produzieren, verteilen und konsumieren – aber auch, wie wir uns kollektiv gegen die Ausbeutung der Natur wehren. Notwendig ist eine viel engere Zusammenarbeit der Bewegungen für Klimagerechtigkeit, Ernährungssouveränität und Menschenrechte.
Konkrete Forderungen, wie diese Umgestaltung aussehen kann, haben beide Organisation mit dem Papier „Welternährung 2030 – 11 Schritte für eine Zukunft ohne Hunger“ vorgelegt. www.brot-fuer-die-welt.de/fileadmin/mediapool/downloads/fachpublikationen/sonstige/Positionspapier_welternaehrung2030.pdf

Das aktuelle Jahrbuch “Overcoming Ecological Crises: Reconnecting Food, Nature and Human Rights” wird vom Netzwerk zum Recht auf Nahrung (Global Network for the Right to Food and Nutrition), dem 49 Organisationen aus aller Welt angehören, herausgegeben und bei der Aktionswoche des Welternährungsrats (Committee on World Food Security, CFS) in Rom offiziell vorgestellt. Es hat einen Umfang von 60 Seiten und erscheint in englischer, französischer, portugiesischer und spanischer Sprache. Sie können das Jahrbuch hier abrufen: https://www.righttofoodandnutrition.org/files/rtfn_watch12-2020_eng.pdf

Hintergrund
23 % des globalen Ausstoßes von Treibhausgasen sind auf die Landwirtschaft zurückzuführen.
Nach Angaben der UN könnte sich durch die COVID-Pandemie die Zahl der Menschen, die an Hunger leiden, von 690 Millionen in einem Jahr um 121 Millionen Menschen erhöhen.
Unsere Ernährung wird immer einseitiger und stärker der industriellen Produktion angepasst: Nur drei Pflanzen – Mais, Reis und Weizen – bilden heute die Grundlage für 60% der pflanzlichen Kalorien und Proteine.
Nur noch 4 % der etwa 300.000 essbaren Pflanzen nutzt der Mensch tatsächlich für die Ernährung.
Kleinbauern und Kleinbäuerinnen bewirtschaften nur etwa 25% des Agrarlandes weltweit. Sie produzieren jedoch im Globalen Süden bis zu 80 % der Nahrungsmittel.

 

 

 


Minority Safepack: Eine Million Unterschriften für Minderheitenschutz

 

  • EU-Parlament debattiert über Schutz und Förderung autochtoner Minderheiten
  • Maßnahmenpaket auf Initiative der Dachorganisation europäischer Minderheiten 
  • Minderheiten fordern substanzielle Fortschritte aufseiten der EU

 

(Göttingen/gfbv) - Am Donnerstag, den 15. Oktober, soll das Europäische Parlament endlich über das Minority Safepack debattieren. Dieses Paket umfasst Maßnahmen zum Schutz und zur Förderung autochtoner nationaler Minderheiten in Europa. „Die Minderheiten in Europa können und sollten sich selbst feiern“, findet Jan Diedrichsen, Vorstandvorsitzender der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). „Dass ein Bürgerbegehren der europäischen Minderheiten eine Million Unterschriften sammelt, ist allein schon ein imposanter Erfolg.“ Nach der Anhörung im Parlament müsse die EU-Kommission die konkreten Vorschläge nun aufgreifen und Minderheitenschutz und -förderung substantiell ausbauen. „Eine Anhörung mit anschließender Pressemitteilung und obligatorischen Verweisen auf die Bedeutung des Minderheitenschutzes und der sprachlichen Vielfalt reichen nicht aus“, so Diedrichsen. „Auch Deutschland muss deutlicher Stellung beziehen. In den Monaten der EU-Ratspräsidentschaft sollte sich die Bundessregierung unterstützend hinter die Minderheiten in Europa stellen und die Debatte in ihrem Sinne vorantreiben.“ Ein Siebtel der Menschen in der EU gehöre einer nationalen Minderheit an oder spreche eine Regional- oder Minderheitensprache. In Deutschland gibt es vier anerkannte autochthone Minderheiten: die Sorben, die Friesen, die Sinti und Roma sowie die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein.

 

Das Minority Safepack enthielt ursprünglich elf Vorschläge, zwei davon lehnte die EU-Kommission ab. Die verbleibenden neun Maßnahmen umfassen EU-weite Empfehlungen zum Schutz und zur Förderung der kulturellen und sprachlichen Vielfalt, Förderprogramme für kleine Sprachgemeinschaften, die Gleichstellung staatenloser Minderheiten wie der Roma, die Schaffung eines Zentrums für Sprachenvielfalt sowie Forschung über den Mehrwert von Minderheiten in Europa. Der Schutz nationaler Minderheiten und die Förderung der kulturellen und sprachlichen Vielfalt sollen in die Ziele des EU-Fonds für regionale Entwicklung aufgenommen werden. Minderheiten sollen regionale und staatliche Förderprogramme zur Erhaltung von Kultur, Medien und Kulturerbe in Anspruch nehmen können. Schließlich soll ein übergreifendes europäisches Urheberrechtsgesetz erlauben, Medien und Dienstleistungen in der jeweiligen Muttersprache zu konsumieren.

 

Die Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten, die Dachorganisation der europäischen Minderheiten, hatte den Prozess 2011 angestoßen. Das Maßnahmenpaket wurde bis 2013 entwickelt und der EU-Kommission vorgelegt. Diese wollte sich nicht damit befassen, bis sie 2016 gerichtlich dazu gezwungen wurde. Schließlich gab sie der Minority Safepack-Initiative ein Jahr Zeit, um EU-weit eine Million Unterschriften für das Vorhaben zu sammeln. In mindestens sieben Ländern musste sie Schwellwerte erreichen. Das gelangt am Ende in elf Ländern: in Bulgarien, Dänemark, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Ungarn, Rumänien, der Slowakei, Slowenien und Spanien. Die letztlich gut 1,1 Millionen Unterschriften übergab die Initiative der Kommission im Januar 2020. Die Debatte im EU-Parlament war ursprünglich für den 23. März geplant, wegen der Corona-Krise wurde sie auf den 15. Oktober verschoben. Sie wird live im Internet übertragen. 

 


Frauenbund Bayern drängt auf ministeriumsübergreifende Lösungen

Familien brauchen jetzt Entlastung und Verlässlichkeit

Die Frauenbund-Frauen formulierten Forderungen für die Verbesserung der Situation von Frauen und Familien während der Corona-Pandemie. Foto: kdfb
Die Frauenbund-Frauen formulierten Forderungen für die Verbesserung der Situation von Frauen und Familien während der Corona-Pandemie. Foto: kdfb

 

(München/kdfb) - Pflege, Home Office und Home-Schooling – die vergangenen Monate haben ganz besonders Frauen und Mütter auf die Zerreißprobe gestellt. In seiner heutigen Delegiertenversammlung in Regensburg/Lappersdorf hat der Katholische Deutsche Frauenbund Bayern (KDFB Bayern) deshalb ein ministeriumsübergreifendes Gesamtkonzept gefordert.

 

„Frauen können alles bewegen – aber diese Krise darf nicht weiter auf Kosten von Frauen und Müttern gestemmt werden“, so KDFB Bayern-Vorsitzende Emilia Müller. Die Delegierten des größten bayerischen Frauenverbands haben deshalb ein Papier verabschiedet, in dem sie sich von den politisch Verantwortlichen eine Gesamtlösung wünschen, nicht ein Abarbeiten von Einzelaspekten – so wie beispielsweise das aktuelle Gießkannenprinzip, das hauptsächlich den Konsum fördert.

 

In dieses Konzept müssen Eingang finden:

 

-        Ein verlässliches, einheitliches und verständliches Konzept für Distanzunterricht und Betreuungsalternativen

 

-        Informationen und Beratung über Unterstützungsleistungen für alle Familien

 

-        Verstärkte staatliche Anreize für Arbeitgeber*innen zur familienunterstützenden Gestaltung der Arbeitsplätze

 

Denn: Eltern und insbesondere Mütter sollen verlässliche und flexible Partner*innen nur für Kindertagesbetreuung und Schule, für Pflegedienste und Senioreneinrichtungen sein, gleichzeitig aber flexibel, leistungsbereit und verlässlich als Arbeitnehmer*innen Einsatz im Beruf zeigen.

 

Die Delegierten des KDFB Bayern fordern deshalb: Die Mehrfachrolle von Müttern und Vätern muss bei Krisenmaßnahmen stets in ministeriumsübergreifenden Beratungen mit einfließen, genauso die Einbeziehung von Vertreter*innen der Familienseite und der Gleichstellungsstellen.

 

Die Gleichstellung von Frauen in Gesellschaft, Wirtschaft, Kirche und Politik – diesem Ziel ist der KDFB verpflichtet und dem kann er auch in Zukunft mit Stärke und Schlagkraft nachkommen. Dafür hat er heute die finanziellen Weichen gestellt.

 

Der Katholische Deutsche Frauenbund Bayern ist mit 160.000 Mitgliedern der größte Frauenverband des Freistaats. Gegründet 1911 von Ellen Ammann, setzt er sich aufbauend auf dem Fundament des christlichen Glaubens in vielfältigen Aktivitäten für Gleichberechtigung und Chancengleichheit von Frauen in Kirche, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft ein. Zum Landesverband Bayern gehören außerdem das Bildungswerk, der Verbraucherservice, das Familienpflegewerk und die Landfrauenvereinigung.