Politik

23.04.2021


Proteste zur ersten Lesung: 128 Organisationen kritisieren Entwurf für Lieferkettengesetz – 50 Unternehmen fordern Nachschärfung

Lieferkettengesetz * 1. Lesung * Proteste * Haftung

 

(Berlin/bfw) - Bei einer Protestaktion vor dem Reichstagsgebäude in Berlin haben Aktivistinnen und Aktivisten der „Initiative Lieferkettengesetz“ Nachbesserungen am geplanten Lieferkettengesetz gefordert. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung geht heute im Bundestag in die erste Lesung. Das Bündnis aus 128 zivilgesellschaftlichen Organisationen hält den Entwurf für zu schwach, um Betroffene vor Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen durch deutsche Unternehmen und ihre Zulieferer zu schützen. Auch 50 Unternehmen forderten in einer heute veröffentlichten Erklärung Nachschärfungen an dem Gesetz, darunter Symrise, Tchibo und Beckers Bester.

 

„Die Abgeordneten müssen den Gesetzentwurf jetzt nachbessern – damit Unternehmen Menschenrechte und Umweltschutz endlich auf die Kette bekommen. Und zwar auf die gesamte Lieferkette! In der jetzigen Form hilft das Gesetz den Betroffenen zu wenig“, sagt Johanna Kusch, Koordinatorin der Initiative Lieferkettengesetz.

 

Insbesondere stehen die abgestuften Sorgfaltspflichten von Unternehmen in der Kritik: Bei mittelbaren Zulieferern, also nach dem zweiten Glied der Lieferkette, müssen Unternehmen nach Plänen der Regierung das Risiko nicht präventiv minimieren, sondern erst dann aktiv werden, wenn sie „substantiierte Kenntnis“ von einer möglichen Menschenrechtsverletzung erlangen. Das Bündnis kritisiert darüber hinaus, dass der Entwurf die Rechte von Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen kaum stärke und Umweltstandards nur am Rande berücksichtige.

 

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann betont: „Am Beginn globaler Lieferketten herrschen oft katastrophale Arbeitsbedingungen. Unternehmen haben die Pflicht, sich auch hier für die Einhaltung von Menschenrechten einzusetzen. Der Gesetzentwurf greift an dieser Stelle viel zu kurz – und widerspricht damit den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte.“

 

Martin Kaiser, geschäftsführender Vorstand von Greenpeace Deutschland, sagt: „Der vorliegende Entwurf ist zahnlos. Es droht die Gefahr, dass deutsche Unternehmen weiterhin ohne Furcht vor Konsequenzen weltweit die Artenvielfalt zerstören und das Klima schädigen können. Auch die Union im Bundestag muss sich daher für die dringend notwendigen Nachbesserungen einsetzen."

 

Die Präsidentin von Brot für die Welt, Dagmar Pruin, erklärt: „Verantwortung für Menschenrechte und Umwelt ist keine Frage der Unternehmensgröße – das sehen auch zahlreiche Unternehmen so. Der Bundestag darf das nicht ignorieren. Die Abgeordneten müssen jetzt dafür sorgen, dass das Gesetz mehr Unternehmen erfasst und durch eine zivilrechtliche Haftungsregelung die Rechte von Betroffenen stärkt.“

 

Das Gesetz beträfe in dieser Form zunächst nur etwa 600 Unternehmen ab 3.000 Mitarbeitenden. Kritik daran kommt nicht nur von zivilgesellschaftlicher Seite, sondern auch von zahlreichen Unternehmen selbst. In einer heute auf der Website des Business and Human Rights Resource Centre veröffentlichten Stellungnahme sprechen sich 50 Unternehmen für ein wirkungsvolleres Lieferkettengesetz aus, das sich konsequent an internationalen Standards orientiert und die Rechte von Betroffenen stärkt. In der Liste finden sich der börsennotierte Duft- und Aromenhersteller Symrise und die Tchibo GmbH ebenso wie das mittelständische Familienunternehmen Beckers Bester und weitere große, mittlere und kleine Unternehmen.

 

 

Die Initiative Lieferkettengesetz ist ein Zusammenschluss von 128 zivilgesellschaftlichen Organisationen, darunter der DGB, Greenpeace, Brot für die Welt und zahlreiche weitere Menschenrechts-, Entwicklungs- und Umweltorganisationen sowie Gewerkschaften und kirchliche Akteure. 


„Das Lieferkettengesetz bedeutet Solidarität und Gerechtigkeit und muss für alle Unternehmen gelten.“

(Köln/KDFB) – Zur Beratung des Bundestages über das geplante Lieferkettengesetz fordert der Katholische Deutsche Frauenbund e.V. (KDFB), dass alle Schwachstellen des Gesetzentwurfes behoben werden müssen. „Um ein wirksames Gesetz zu erreichen, das Menschenrechte und Umwelt tatsächlich schützt, ist eine Nachbesserung unumgänglich. Die gesamte Wirtschaftspolitik muss die Würde jedes Menschen und das Gemeinwohl in allen Prozessen in den Mittelpunkt stellen“, begründet Vizepräsidentin Monika Arzberger das Engagement des KDFB für ein wirksames Lieferkettengesetz.

Laut KDFB müssen Unternehmen dazu verpflichtet werden, in der gesamten Wertschöpfungskette - und nicht nur im eigenen Geschäftsbereich - Sorgfalt walten zu lassen. „Es muss sichergestellt werden, dass Unternehmen ihr Risiko sorgfältig analysieren, wirksame Maßnahmen ergreifen und darüber berichten“, so Arzberger.

Außerdem fordert sie, dass das Lieferkettengesetz eine zivilrechtliche Haftungsregelung enthalten muss, um die Rechte der Betroffenen zu stärken.

 

Für unbedingt notwendig hält der KDFB die gesetzliche Verpflichtung für Unternehmen, dass das Lieferkettengesetz ab 250 Mitarbeitenden gelten muss und nicht wie bisher vorgesehen erst ab 3.000 Arbeitskräften. Wenn Unternehmen in Bereichen tätig sind, die besondere Risiken für Umweltschäden oder Menschenrechtsverletzungen mit sich bringen, muss das Lieferkettengesetz für alle Unternehmen gelten und zwar unabhängig von ihrer Größe. „Das Lieferkettengesetz steht für weltweite Solidarität, Fairness, Gerechtigkeit und Menschenwürde. Es muss dazu beitragen, dass Frauen und Männer dauerhaft von ihrer Arbeit leben können und sie damit eine bessere Zukunft haben“, fordert KDFB-Vizepräsidentin Arzberger. 

 

 


Bündnis begrüßt die deutsche Ratifizierung der ILO-Konvention zum Schutz Indigener

Wichtiger Schritt zur Stärkung der Rechte indigener Völker

ILO-Konvention 169 * Ratifizierung * indigene Völker

 

(Berlin/bfw) - Der Bundestag hat heute das Ratifizierungsgesetz über die Konvention Nr. 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zum Schutz der Rechte indigener Völker verabschiedet und damit eine Vereinbarung des Koalitionsvertrags erfüllt. Der Koordinationskreis ILO 169 sieht darin einen entscheidenden Schritt, die Rechte indigener Völker zu stärken. Die Konvention garantiert indigenen Völkern ihre Rechte auf Erhalt der kulturellen Identität, auf Beteiligung an staatlichen Entscheidungen sowie auf Land und Ressourcen.

 

Indigene Völker werden auch heute noch politisch, wirtschaftlich und sozial stark benachteiligt. „Mit der Ratifizierung der ILO-Konvention 169 setzt Deutschland ein starkes Zeichen der Solidarität mit indigenen Völkern. Jetzt kommt es darauf an, ihre Rechte auch ganz konkret zu schützen“, sagt Dagmar Pruin, die Präsidentin von Brot für die Welt. „In vielen Teilen der Welt ist der Lebensraum indigener Völker bedroht – durch die Abholzung des Regenwaldes in Brasilien, durch Lithiumgewinnung in Bolivien oder durch Palmölanbau in Indonesien.“ Seit Ausbruch der Corona-Pandemie haben sich die Lebensbedingungen indigener Völker weltweit noch verschlechtert, weil sie oft keinen Zugang zu Gesundheitsdiensten haben.

 

 „Durch die Zerstörung des Regenwaldes sind indigene Völker, die Verteidiger des Waldes, vielfältigen Gefahren ausgesetzt, die das Klima auf regionaler und globaler Ebene beeinflussen“, sagt Harol Rincón Ipuchima, stellvertretender Vorsitzender des Klima-Bündnisses und Klimakoordinator der COICA, dem Dachverband der indigenen Organisationen des Amazonasbeckens. Dabei sind die Territorien indigener Völker und ihr traditionelles Wissen von weltweiter Bedeutung für den Erhalt der biologischen und kulturellen Vielfalt.

 

Die ILO-Konvention 169 ist das einzige rechtsverbindliche internationale Instrument zum Schutz der Rechte indigener Völker. „Mit der deutschen Ratifizierung der ILO 169 gewinnt die Konvention erheblich an Gewicht. Dies sollte Schule machen“, betont Jan Diedrichsen, Bundesvorsitzender der Gesellschaft für bedrohte Völker. Bisher haben lediglich 23 Länder die Konvention ratifiziert. Nun reiht sich Deutschland in die Gruppe europäischer Staaten ohne eigene indigene Gemeinschaften ein, die ebenfalls ratifiziert haben, wie die Niederlande, Spanien und Luxemburg. Sie setzen damit ein Zeichen für Solidarität und globale Verantwortung.

 

„Auf die Ratifizierung müssen im nächsten Schritt auch konkrete Maßnahmen zum Schutz der Rechte indigener Völker folgen“, sagt Michael Thiel, Direktor des Evangelisch-lutherischen Missionswerks in Niedersachen. Hierfür sei es wichtig, in der nächsten Legislaturperiode eine ressortübergreifende Strategie zu entwickeln. „So braucht es konkrete Richtlinien für die Außenwirtschaftsförderung, um die Rechte indigener Völker zu achten. Ebenso sind deutsche Unternehmen gefordert, indigene Rechte entlang der gesamten Lieferkette zu berücksichtigen“, sagt Heike Drillisch, Vorstandsmitglied des INFOE - Instituts für Ökologie und Aktions-Ethnologie.

 

Weltweit gehören zwischen 350 und 400 Millionen Menschen rund 6.000 indigenen Völkern an. Dies entspricht etwa vier bis fünf Prozent der Weltbevölkerung.

 

Der Koordinationskreis ILO 169 in Deutschland ist ein Zusammenschluss von zivilgesellschaftlichen Organisationen, Netzwerken und Expert:innen, die sich für die Stärkung der Rechte indigener Völker, der Menschenrechte sowie den Schutz der Regenwälder und den Klimaschutz einsetzen.

 

ILO 169 Koordinationskreis Deutschland

https://www.ilo169.de/

 

 

 


Sächsischer Landtag wählt Dr. Nancy Aris zur neuen Landesbeauftragten

Quelle: © LASD / Foto: Steffen Giersch
Quelle: © LASD / Foto: Steffen Giersch

 

(Dresden/pm) - Am 24.03.2021 wählte der Sächsische Landtag Dr. Nancy Aris einstimmig zur neuen Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Nancy Aris tritt das Amt am 1. Mai 2021 als Nachfolgerin von Lutz Rathenow an.

 

Die Historikerin und Autorin wurde 1970 in Ost-Berlin geboren. Nach dem Mauerfall studierte sie Russistik, Polonistik und Neueste Geschichte in Berlin, Moskau und Wrocław. Sie promovierte zur Geschichtsschreibung im Stalinismus und arbeitete zur Repressions- und Widerstandsgeschichte. Dabei widmete sie sich ehemaligen Haftorten, vor allem aber den individuellen Erfahrungen politisch Verfolgter. Seit 2003 ist Nancy Aris stellvertretende Landesbeauftragte. In dieser Funktion legte sie diverse Publikationen zur Diktaturgeschichte vor, u. a. „Via Knast in den Westen. Das Kaßberg-Gefängnis und seine Geschichte“ sowie „Das lässt einen nicht mehr los. Opfer politischer Gewalt erinnern sich.“ Daneben erarbeitete sie Ausstellungen und förderte die historisch-politische Jugend- und Erwachsenenbildung zur Geschichte der SBZ und DDR auf vielfältige Weise.

 

 

 

Die Vereinigung der Opfer des Stalinismus und das Bautzen-Komitee hatten sich im Vorfeld für Aris ausgesprochen. Sie betonten vor allem ihr sachkundiges und energisches Engagement für die Betroffenen. Mit der heute getroffenen Wahl findet Aris´ stetes Engagement, Betroffenen konkrete und nachhaltige Hilfe zukommen zu lassen, Kontinuität und zugleich eine neue Wirkungsebene.

 

 

 

Das findet auch der scheidende Landesbeauftragte Lutz Rathenow: „Ein wichtiger Generationswechsel findet statt. Nancy Aris hat sich in der bisherigen Arbeit mehr als bewährt. Sie wird durchsetzungsstark vor allem die Betroffenen bei der Inanspruchnahme ihrer Möglichkeiten unterstützen. Die Arbeit der Landesbeauftragten wird deutschlandweit wichtiger, aus meiner Sicht vor allem in Sachsen, wo mit dem perspektivischen Wegfall der Stasi-Archivstandorte Chemnitz und Dresden sonst die Spaltung der Aufarbeitungslandschaft droht.“

 

 

 

Nancy Aris äußert sich nach ihrer Wahl wie folgt: „Ich freue mich sehr über das Vertrauen der Abgeordneten. Die Aufarbeitung von SED-Unrecht bleibt aktuell, denn auch drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall gibt es viele Fragen an die Vergangenheit. Gleichsam ist es wichtig, historisches Wissen auf angemessene Weise an nachkommende Generationen zu vermitteln und dabei die Opfer der kommunistischen Diktatur nicht zu vergessen. Sie zu unterstützen und in würdiger Form an ihre Schicksale zu erinnern, darin sehe ich meine Hauptaufgabe im neuen Amt.“

 


EU-Sanktionen gegen chinesische Funktionäre

 

  • GfbV begrüßt Sanktionen als ersten, aber unzureichenden Schritt
  • Nur schmerzhafte Wirtschaftssanktionen könnten Kurswechsel bringen
  • Völkermord an den Uiguren und weitern Turkvölkern muss offen als Genozid bezeichnet werden

(Göttingen/gfbv) - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) begrüßt die Sanktionen gegen chinesische Funktionäre, die die Außenminister der EU-Staaten am heutigen Montag beschlossen haben. Zugleich kritisiert die Menschenrechtsorganisation das zögerliche und insgesamt unzureichende Vorgehen der EU angesichts der massiven Unterdrückung der muslimischen Nationalitäten in Xinjiang / Ostturkestan: „Die nun beschlossenen Sanktionen sind nicht mehr als ein guter Anfang“, erklärte Jasna Causevic, GfbV-Referentin für Genozid-Prävention und Schutzverantwortung, heute in Göttingen. „Von einer konsequent an Menschenrechten und europäischen Werten orientierten China-Politik ist die Europäische Union nach wie vor weit entfernt.“

Die nun beschlossenen Einreiseverbote und Vermögensbeschränkungen hätten vor allem symbolischen Wert: „Die chinesische Führung wird sich dadurch nicht von ihrem bisherigen Kurs abbringen lassen. Dazu wären schmerzhafte Wirtschaftssanktionen notwendig, zu denen man in der EU offenbar nicht bereit ist“, kritisierte Causevic. „Bislang konnten sich die hiesigen Diplomaten nicht einmal dazu durchringen, die Verbrechen in Xinjiang unmissverständlich als das zu bezeichnen, was sie sind: Ein Völkermord an den Uiguren und weiteren muslimischen Volksgruppen Westchinas.“ Vor diesem Hintergrund müsse die EU von China fordern, alle Umerziehungslager umgehend zu schließen, die Unterdrückung zu beenden, eine internationale Beobachtermission zuzulassen und unabhängigen Medien freien Zugang zu gewähren.

„Auch dort, wo keine Bürgerkriege geführt werden, muss die demokratische Welt Völkermordverbrechen offensiver kritisieren“, so Causevic. „Die EU lässt sich aber durch Chinas aggressive Diplomatie und die Furcht vor wirtschaftlichen Vergeltungsmaßnahmen einschüchtern.“ Wirtschaftsinteressen dürften jedoch nicht vor Menschenrechten stehen, die Einhaltung des Völkerrechtes müsse das sine qua non auch für Geschäftsbeziehungen werden. Andernfalls würde Chinas Verhalten zum Vorbild für andere Unrechtsregime. 

 

Die GfbV fordert bereits seit Jahren Sanktionen gegen drei der maßgeblich für den Genozid verantwortlichen Funktionäre der Kommunistischen Partei Chinas (KPC): Der frühere Sicherheitschef der Region Xinjiang, Zhu Hailun, hatte als Vorsitzender des Komitees für Rechtliche und Politische Fragen im Jahr 2017 zahlreiche Dokumente unterzeichnet, die die Einrichtung der Umerziehungslager anordneten. Sein Nachfolger Wang Junzheng gilt als hoffnungsvolle Nachwuchskraft der KPC. Der 58-jährige Han-Chinese aus der Küstenprovinz Shandong wurde im Jahr 2019 in den Nordwesten des Landes versetzt, um das Internierungssystem zu perfektionieren. Parteisekretär Chen Quanguo hatte bereits in Tibet eine Blutspur hinterlassen, wo er von 2011 bis 2016 in gleicher Funktion tätig war. Dort hat er die gesamte tibetische Bevölkerung zu Feinden Chinas erklärt und systematisch ihre ethnische Identität zerstört. Mehr als eine Million Nomaden wurden zwangsweise angesiedelt und zu Almosenempfängern des Staates gemacht. In Xinjiang hat er diese Unterdrückungspolitik fortgesetzt.


Dr. Joachim Fünfgelt, Referent für Energiepolitik bei Brot für die Welt, kommentiert:

Bundesumweltministerin Svenja Schulze stellt heute die deutsche Klimabilanz 2020 vor

Klimabilanz * Klimagerechtigkeit * Corona

 

(Berlin/pm) - „Die Klimabilanz 2020 kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die deutsche Klimapolitik noch weit davon entfernt ist, ihrer Verantwortung für Klimagerechtigkeit nachzukommen. Unsere Treibhausgasemissionen sind im vergangenen Jahr nur so deutlich gesunken, weil die Wirtschaft im Lockdown heruntergefahren wurde. Es wurden viel zu wenig nachhaltige politische Maßnahmen zur Eindämmung der Klimakrise ergriffen. Ohne politisches Gegensteuern müssen wir mit einem Jojo-Effekt rechnen: Sobald die Corona-Pandemie vorbei ist, werden die Emissionen wieder steigen.

 

Mit Pro-Kopf-Emissionen weit über dem globalen Durchschnitt tragen wir in Deutschland noch immer überproportional stark zur Klimakrise bei. Auch mit den aktuellen Klimaschutzzielen leistet Deutschland keinen fairen Beitrag zur Bewältigung der weltweiten Klimakrise, die zunehmend Armut, Hunger und Ungerechtigkeit insbesondere im Globalen Süden verschärft. Deshalb steht die Bundesregierung in der Verantwortung, deutlich mehr zur Eindämmung der Klimakrise beizutragen, um die Globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Dazu gehört noch vor der Bundestagswahl das nationale Minderungsziel für das Jahr 2030 von 55 Prozent auf mindestens 70 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 zu erhöhen.“

 

Hintergrund:

Das Umweltbundesamt hat heute die deutsche Klimabilanz für 2020 veröffentlicht. Die Treibhausgasemissionen sind in Deutschland vor allem infolge eines Einmaleffekts durch die Corona-Pandemie zurückgegangen.

 

Zur Veröffentlichung der Klimabilanz 2020 haben heute mehr als 80 Organisationen aus den Bereichen Entwicklung, Kirche, Umwelt, Jugend und Soziales, darunter Brot für die Welt, einen gemeinsamen Appell an die Bundesregierung unter http://p376185.mittwaldserver.info/fileadmin/user_upload/Dateien/Daten/Presse/210316_Verb%C3%A4ndeappell_Klimaschutzgesetz.pdf gesendet mit der Aufforderung, die Klimaziele in Deutschland anzuheben und wirksamere Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen.

 

 


Online-Diskussion zu MINT-Bildung in der EU – NRW als Vorbild für Europa

EU-Kommissarin Mariya Gabriel und Parlamentarischer Staatssekretär Klaus Kaiser rufen auf: Wir brauchen die Jugend und ihre Ideen!

Foto: zdi
Foto: zdi

(Düsseldorf/zdi) - wie können spezifische Maßnahmen und nachhaltige Lernangebote vor Ort geschaffen werden, die junge Menschen für MINT-Themen begeistern und Europas nächste Generation von MINT-Fachkräften sichern? Zu dieser Fragestellung hat die Landesvertretung NRW bei der Europäischen Union gemeinsam mit zdi.NRW eine Online-Veranstaltung organisiert. Klaus Kaiser, Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Kultur und Wissenschaft, hat in seinem eindrücklichen Grußwort vor allem über zdi und die Bedeutung der nordrhein-westfälischen Aktivitäten als Vorbild für Europa gesprochen. Als Diskutantinnen stellten sich Mariya Gabriel, Kommissarin für Innovation, Forschung, Kultur, Bildung und Jugend, und Sabine Verheyen, Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Bildung im EU-Parlament, den Fragen der Zuschauer*innen an den Bildschirmen. Ein Nachbericht.

Mariya Gabriel ist eine so begeisterte Sprecherin, dass sie die Zuschauer*innen sogar in einer Video-Konferenz mitreißen kann. Selbst bei einem Online-Gespräch wird klar: Sie brennt für ihre Ziele. Und die sind hochgesteckt. Sie möchte MINT-Bildung in der EU fördern, systematisieren, Netzwerke zusammenbringen und die Erfolgsgeschichte, die zdi in Nordrhein-Westfalen geschrieben hat, auf Europa ausweiten.

In seinem zukunftsgerichteten Grußwort betont Klaus Kaiser eindrücklich, welch eine Bewegung die Initiative zdi in den vergangenen Jahren in Nordrhein-Westfalen ausgelöst hat: „zdi hat sich zur größten und erfolgreichsten MINT-Initiative in Europa entwickelt. Unsere Netzwerke und Schülerlabore bieten eine einmalige Struktur, um junge Menschen mit MINT in Berührung zu bringen und das Wissen bei Bedarf zu vertiefen. Mit Schülerinnen und Schülern übersetzen die Netzwerke inhaltliche Kontexte in neue Angebote und nehmen Aspekte wie Digitalisierung, Klimawandel, Nachhaltigkeit und Gamification auf.“

Aus MINT wird MINKT: Verbindung mit Kunst, Geistes- und Sozialwissenschaften schaffen

Inspirierend spricht in der anschließenden Diskussion die EU-Kommissarin Gabriel über die Chancen, die eine solide MINT-Bildung mit sich bringt. „Wir brauchen euch“ – appelliert sie direkt an die jungen Menschen in Europa. Dass MINT-Wissen bei der Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen von Nöten ist, daran besteht für sie kein Zweifel. Und sie öffnet sogar neue Perspektiven: Wir müssten MINT in Kontexte setzen und die Inhalte weniger abstrakt behandeln. Es sei wichtig, die Verbindungen zwischen MINT und anderen Studienfeldern zu zeigen und traditionelle Grenzen aufzubrechen. Aus MINT wird MINKT – wobei das „K“ sowohl für Kunst als auch für Kultur, Geistes- und Sozialwissenschaften stehen soll.

Diesen Aspekt spricht auch Klaus Kaiser an: „Wir haben es mit immer mehr interdisziplinärem Wissen zu tun“, so Kaiser. „Daher müssen wir zeigen, wie MINT-Wissen in alle Bereiche des Lebens hineinwirkt.“ Insbesondere Mädchen und junge Frauen ließen sich für MINT begeistern, wenn diese Fächer in größere, attraktive gesellschaftliche Kontexte gebracht werden und auf den Punkt gebracht wird, welche Nutzen Physik, Mathematik, Technik oder Informatik z.B. zur Entwicklung von Lösungen für den Klimawandel bringen. Die aktive Einbindung von jungen Menschen sei heute schon bei zdi ein Erfolgsmodell.

Problem Gender Gap: Die Talente von Frauen unbedingt fördern

Dass der Gender Gap auch europaweit ein Problem darstellt, belegt Gabriel mit einigen Zahlen: In der gesamten EU entscheiden sich unterdurchschnittlich viele Frauen für ein MINT-Studium oder einen MINT-Beruf. Nur etwa 30 Prozent der Absolvent*innen in MINT-Fächern sind weiblich. Und mit Blick auf die wichtigen Informations- und Kommunikationstechnologien sind es sogar nur 20 Prozent. Sollen die Zahlen der MINT-Absolvent*innen insgesamt erhöht werden, muss der Gender Gap verkleinert werden.

Sabine Verheyen liegt dieses Thema offensichtlich ebenfalls sehr am Herzen. Sie spricht über ihre eigene Schulzeit – an einem Mädchengymnasium habe sie zwar nie das Problem gehabt, sich in einem geschlechterspezifischen Wettbewerb behaupten zu müssen, doch würden bis heute in der Gesellschaft Rollenbilder und Stereotypen transportiert, die die Welt in typische Männer- und Frauenberufe und -fähigkeiten einteilen.

An dieser Stelle wird den Zuschauer*innen klar, dass Gabriel und Verheyen Vorreiterinnen sind: Beide sehen die großen Chancen, die eine verbesserte Einbindung aller Talente und Potenziale mit sich bringt. Und beide setzen sich dafür ein, den jungen Menschen Raum und Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten.

Außerschulische MINT-Bildung: Talente entdecken und Selbstbewusstsein entwickeln

Solche Räume eröffnet zdi schon seit Jahren in NRW, weshalb in der Diskussion immer wieder auf Beispiele aus der zdi-Community verwiesen wird. Es scheint einfacher zu sein, in außerschulischen Angeboten geschlechterbezogene Stereotypen außen vor zu lassen.

Verheyen erläutert, dass viele Menschen wieder in die alten Rollenbilder und Geschlechterstereotypen verfallen würden, wenn es zum Beispiel handwerkliche oder technische Probleme zu lösen gilt. Sie selbst habe es erlebt, dass außerschulische Angebote sehr gut Mädchen und jungen Frauen helfen, Selbstbewusstsein in technischen oder naturwissenschaftlichen Fragen zu gewinnen.

Auch diesen Aspekt adressiert Klaus Kaiser: So hätten die vergangenen Monate gezeigt, wie wichtig MINT-Bildung im schulischen, aber vor allem außerschulischen Bereich sei. Deswegen versuchten die zdi-Netzwerke und zdi-Schülerlabore Fähigkeiten möglichst früh zu fördern. Dabei könne zdi auch maßgeblich dazu beitragen, aktuelle und relevante Erkenntnisse aus der Forschung in die MINT-Förderung zu übersetzen und damit für die Bildung, aber auch gesellschaftliches Engagement verfügbar zu machen.

Green Deal unterstützen: Kann MINT die Welt retten?

Dennoch geht es allen Beteiligten bei der Vision einer außerschulischen MINT-Bildung um weit mehr als den reinen Fachkräftemangel. Während der Diskussion greift vor allem Gabriel immer wieder Themen wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Umweltschutz auf. All diese Themen gehören zum europäischen „Green Deal“, der sich zum Ziel gesetzt hat, eine nachhaltige Wirtschaft zu realisieren und Europa bis 2050 zu einem klimaneutralen Kontinent zu machen.

Bei zdi werden Themen wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung schon im Kindesalter platziert und in höheren Jahrgangsstufen immer wieder aufgegriffen. Diese Erfahrungen mit anderen zu teilen, Wissen auszutauschen und miteinander europaweit zu arbeiten, all das ist auch im Interesse der zdi-Community.

Hier geht es zur Zusammenfassung der Diskussion:

https://youtu.be/UJly6i_LrB0 (Englisch mit dt. Untertitel)

Für Video-Produktionen können wir das Bildmaterial zur Verfügung stellen.

 

zdi steht für „Zukunft durch Innovation.NRW“ und ist mit über 4.500 Partnern aus Wirtschaft, Schule und Hochschule sowie öffentlichen Einrichtungen europaweit das größte Netzwerk zur Förderung des MINT-Nachwuchses. Jährlich erreichen die 47 zdi-Netzwerke und mehr als 70 zdi-Schülerlabore gemeinsam mit ihren Netzwerkpartnern rund 300.000 Schülerinnen und Schüler. Koordiniert wird zdi vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft Nordrhein-Westfalen. Landesweite Partner sind unter anderem das Ministerium für Schule und Bildung, das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie Nordrhein-Westfalen und die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. 

 

Weitere Informationen: www.zdi-portal.de und https://mint-community.de 


Gemeinsame Initiative zur Impfstoffgerechtigkeit von christlichen Gesundheitsorganisationen, Kirchen und Netzwerken

Erweiterte Produktion und gerechte Verteilung von Covid-19-Impfstoffen gefordert

 

 

Impfstoff * Zwangslizenzen * COVAX

 

 

 

(Berlin/Tübingen/bfw Vor genau einem Jahr am 11. März 2020 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Ausbreitung des Corona-Virus zur Pandemie erklärt. Das Virus breitet sich weiter aus und neue Varianten verschärfen die Situation weltweit. „Um die Corona-Pandemie einzudämmen, brauchen wir vor allem eins: Impfstoff für alle“, sagt Dr. Gisela Schneider, Direktorin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission e. V. (Difäm). Bisher werden Impfstoffe nur von einigen wenigen Unternehmen hergestellt. Der weltweite Bedarf ist erheblich größer als die Produktionsmenge und für viele Länder sind die Impfstoffe zu teuer. „Es bedarf neuer Wege, um mehr Impfstoff herzustellen“, sagt Dr. Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt. „Nur wenn auch in Afrika, Asien und Lateinamerika Impfstoffe produziert werden, kann es gelingen, alle Menschen zu schützen. Dazu müssten notfalls auch Zwangslizenzen erteilt werden.“ In den USA soll ein Gesetz aus dem Zweiten Weltkrieg angewendet werden, das Unternehmen im Krisenfall zwingen kann, dringend benötigte medizinische Güter zu produzieren. Deutschland hat das Aussetzen der Wirkung von Patenten im Zuge der Pandemie gesetzlich verankert, um im Notfall eine Erweiterung der Produktion durchzusetzen zu können.

 

 

 

Um die Bereitstellung von Impfstoffen für alle Menschen im Rahmen eines globalen Plans zur Beendigung der Pandemie zu fordern, haben sich nun christliche Gesundheitsorganisationen, Gesundheitsnetzwerke und -dienstleister weltweit, darunter das Difäm, Brot für die Welt, der Weltkirchenrat sowie über 30 Netzwerke und Kirchen aus dem Globalen Süden, zusammengetan. Gemeinsam fordern sie von Regierungen, der internationalen Gemeinschaft sowie Pharma-Unternehmen:

 

 

 

1.       Covid-19-Impfstoffe zu einem globalen zugänglichen Gut zu machen und sicherzustellen, dass Risikogruppen, darunter auch Gesundheitsmitarbeitende, zuerst geimpft werden – und Dosen, die über diesen Bedarf hinaus gekauft wurden, sofort an die Impfstoffplattform COVAX abzugeben, damit alle Länder impfen können;

 

 

 

2.       die globalen Produktionskapazitäten zu erweitern, damit das Angebot erhöht und Preise gesenkt werden. Zu diesem Zweck sollten alle Firmen, die Impfstoffe - oder einzelne Bestandteile - herstellen können, einbezogen werden;

 

 

 

3.       die Lizenzen zur Impfstoff-Herstellung an andere Pharma-Unternehmen weiterzugeben, damit sie ebenfalls Impfstoffe herstellen. Hierfür müssten bestimmte Verpflichtungen des TRIPS-Abkommens der Welthandelsorganisation (WTO) ausgesetzt werden (TRIPS Waiver) – wie bereits während der HIV- und AIDS-Pandemie.

 

 

 

„Für die Ausweitung der Produktion braucht es umfassende Transparenz und eine globale Koordinierung durch die WHO. Es muss sichergestellt werden, dass mit allen zur Verfügung stehenden Unternehmen kooperiert wird und dass die Produkte zu Selbstkostenpreisen verkauft werden“, sagt Pruin.

 

 

 

„Zudem darf auch die Herstellung anderer wichtiger Impfstoffe, wie zum Beispiel gegen das Ebola-Fieber, nicht eingeschränkt werden. Solche Entscheidungen können nicht bei Unternehmen bleiben“, so Schneider weiter.

 

 

 

Die Corona-Pandemie betrifft alle Menschen weltweit und hat die bereits bestehenden Ungleichheiten zwischen Arm und Reich, Nord und Süd noch verstärkt: Viele Infizierte sind an ihrer Erkrankung gestorben, viele andere Menschen, insbesondere in wirtschaftlich armen Ländern, haben ihre Arbeit verloren und sind in die Armut getrieben worden. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sind vor allem für Menschen in ärmeren Ländern verheerend. Zudem stellt die Pandemie gerade in ärmeren Ländern die medizinische Versorgung grundlegend infrage. „Die Pandemie bedroht die bisherigen Fortschritte zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung für Mütter und Kinder und bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten, wie HIV und AIDS, sowie nichtübertragbarer Krankheiten. Es ist eine Frage unserer Solidarität, alle Menschen in den Blick zu nehmen und allen die Impfstoffe zur Verfügung zu stellen“, sagt Schneider. Christliche Gesundheitsdienste übernehmen bis zu 60 Prozent der Gesundheitsversorgung in Afrika, vor allem in schwer zugänglichen Regionen und Ländern mit niedrigem Einkommen.

 

 

 

Wo das Virus sich weiter ausbreitet, besteht die Gefahr neuer Mutationen, die dann auch wieder Europa bedrohen können. Selbst wenn es einzelnen Ländern gelingt, ihre Ausbrüche einzudämmen, stellen internationaler Handel und Reiseverkehr ein konstantes weltweites Risiko dar. Deshalb ist die Infektionsbekämpfung eine globale Aufgabe, die nur gemeinsam gelöst werden kann.

 

 

 

Die Forderung mit den unterzeichnenden Organisationen finden Sie unter http://www.tinyurl.com/vhpyb9rz

 

 

 

Hintergrundinformationen:

 

 

 

Deutsches Institut für Ärztliche Mission e. V. (Difäm)          

 

Mohlstr. 26, 72074 Tübingen, www.difaem.de Für Rückfragen:

 

Pressestelle, Anna Buck, 0176 634 033 50, buck@difaem.de

 

 

 

Seit über 100 Jahren setzt sich das Deutsche Institut für Ärztliche Mission e. V. (Difäm) für eine gerechte und nachhaltige Gesundheitsversorgung weltweit ein, vor allem für benachteiligte, gefährdete und bedürftige Menschen in vernachlässigten Ländern und Regionen. Das Difäm fördert die Gesundheitsversorgung durch Aus- und Weiterbildung von Fachkräften im Gesundheitsbereich, Aufbau und die Ausstattung von Krankenhäusern und Gesundheitsstationen, Verbesserung der Medikamentenversorgung und Ausbau lokaler Infrastruktur. Dabei arbeitet die Organisation für weltweite christliche Gesundheitsarbeit aus Tübingen eng mit lokalen Partnern zusammen.

 

Das Difäm ist Träger der Tropenklinik Paul-Lechler-Krankenhaus in Tübingen, des Hospiz Tübingen sowie der Akademie für Gesundheit in der Einen Welt. Das Difäm ist Mitglied im Diakonischen Werk Württemberg.

 


Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – jetzt!

(Köln/kdfb) – Aus Anlass des diesjährigen Equal Pay Day (EPD) am 10. März fordert der Katholische Deutsche Frauenbund e.V. (KDFB) erneut Verantwortliche in Politik, Wirtschaft, Kirche sowie Tarifpartner auf, sich unmissverständlich zur Entgeltgleichheit von Frauen und Männern zu bekennen und sie entsprechend umzusetzen. „Es liegt in Ihren Händen, ob Gleichberechtigung in Deutschland Wirklichkeit wird. Lohngerechtigkeit ist ein wichtiger Schritt dazu. Wenn beide Geschlechter dieselbe Arbeit leisten, dann müssen sie auch denselben Lohn bekommen“, so KDFB-Vizepräsidentin Monika Arzberger.

 

Der KDFB hält Lohngerechtigkeit für ein zentrales Thema hinsichtlich der Gleichstellung von Frauen. Lohnlücken müssen geschlossen werden, denn sie sind Ausdruck der Diskriminierung von Frauen. „Wer Frauen aufgrund ihres Geschlechts geringer bezahlt, obwohl sie die gleichen Tätigkeiten ausüben wie Männer und zudem bestens qualifiziert sind, zeigt damit, dass Wert und Würde des Menschen mit zweierlei Maß gemessen werden. Ein solches Denken widerspricht sowohl dem Grundgesetz als auch einer fortschrittlichen Gesellschaft“, stellt Monika Arzberger fest. Auch wenn der diesjährige Equal Pay Day eine Woche früher stattfindet als in den Jahren zuvor, weil sich laut Statistischem Bundesamt die Entgeltlücke von 21 Prozent auf 19 Prozent verringert hat, ist dies für den KDFB kein Anlass zum Jubeln.

 

Das aktuelle EPD-Motto „Game Changer – mach dich stark für equal pay!“ stammt aus dem Sport. Gemeint sind diejenigen, die im Spiel aktiv sind, die kreative und auch überraschende Wege einschlagen, um ans Ziel zu kommen. Game Changer sind Menschen, die etwas bewegen wollen, eine Vision haben und andere für ihre Ideen gewinnen. Dazu stellt Monika Arzberger fest: „Ich bin ein Game Changer, weil ich mich in meinem unternehmerischen Alltag dafür einsetze, dass der Lohn von der Tätigkeit der Person abhängt und nicht vom Geschlecht. Entgeltungleichheit ist Folge von tradierten Rollenvorstellungen und festigt sie zugleich. Sie hat weitreichende Konsequenzen - bis hin zu geringeren Renten und Altersarmut von Frauen.“

 

 Weitere Informationen zum EPD: www.equalpayday.de

 

 Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) ist ein unabhängiger Frauenverband mit bundesweit 180.000 Mitgliedern. Seit der Gründung 1903 setzt er sich für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Politik, Gesellschaft und Kirche ein.

 


Claudia Roth zum Papstbesuch im Irak: „Seine Mission wird es sein, Brücken zu bauen“

Katholisches Hilfswerk missio Aachen bringt Bundestagsabgeordnete mit Vertretern der irakischen Kirche zusammen – Längerfristige politische Zusammenarbeit gefordert

(Aachen/Berlin/missio) - Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen), Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, stuft den anstehenden Besuch von Papst Franziskus im Irak als eine „ganz, ganz wichtige Reise ein. Seine Mission wird es sein, Brücken zu bauen“. Dies sagte sie bei einem Parlamentariergespräch des katholischen Hilfswerks missio Aachen zwischen Bundestagsabgeordneten und Kirchenvertretern aus dem Irak. Deutschland sei gefordert, längerfristige Initiativen zum Wiederaufbau des Iraks zu unterstützen, um vor allem den jungen Menschen eine Zukunftsperspektive zu eröffnen. Sie begrüße das Engagement der Kirchen im Irak, mit ihrer Arbeit und ihren Einrichtungen allen Bürgerinnen und Bürgern ungeachtet ihrer religiösen Zugehörigkeit zu helfen.

Markus Grübel (CDU), Religionsbeauftragter der Bundesregierung, sprach das Thema der strafrechtlichen Verfolgung von Verbrechen des sogenannten „Islamischen Staates“ im Irak an. Irakische Kirchenvertreter berichteten, dass es dazu jetzt nach fünf Jahren eine Initiative im Parlament der Zentralregierung des Iraks gebe, um solche Prozesse anzustreben. „Versöhnung setzt voraus, dass Verbrechen benannt und die Schuldigen daran zur Verantwortung gezogen werden“, sagte Grübel.

 

Die irakischen Kirchenvertreter baten die Parlamentarier um eine stärker nachhaltige und langfristige Unterstützung des Iraks durch Deutschland und die Europäische Union. Dies gelte besonders bei der Wirtschaftsförderung, der Bildungszusammenarbeit und der Förderung des interreligiösen Dialoges. „Unsere Zukunft auch als Christinnen und Christen im Irak hängt davon, ob wir Arbeitsplätze schaffen können. Wenn der irakische Staat dem nicht nachkommen kann, dann brauchen beispielsweise kirchliche Initiativen Unterstützung, die Arbeitsplätze im Gesundheitsbereich, an Schulen oder in sozialen Einrichtungen aufbauen“, so etwa Erzbischof Bashar Warda.

Erzbischof Yousif Thomas Mirkis wies auf die schwierige Lage der jungen Menschen im Irak hin. 60 Prozent der Bevölkerung des Iraks sei unter 35 Jahren. Angesichts weitverbreiteter Korruption, dem Missbrauch von Religion für politische Zwecke und der Spaltung der Gesellschaft gingen sie auf die Straßen und protestierten. „Sie protestieren als Irakerinnen und Iraker, nicht mehr als Angehörige einer religiösen oder ethnischen Gruppe. Sie wollen einen neuen Zusammenhalt der Gesellschaft, das ist das Neue an den Protesten, das müssen wir stärken“, so Mirkis.

Mirkis warb für gemeinsame Anstrengungen der Hilfswerke, der Nicht-Regierungsorganisationen und der internationalen Politik, im Irak zivilgesellschaftliche Strukturen und „Thinktanks“ zu entwickeln, um die Voraussetzungen zur Überwindung von konfessionellen, religiösen, ethnischen und politischen Gräben im Irak zu schaffen. „Das ist auch für Zukunft der Christinnen und Christen eine entscheidende Frage“, so Mirkis.

 

Wer ist missio?

 

Das Internationale Katholische Missionswerk missio Aachen ist eines der großen deutschen Hilfswerke und gehört zu einem Netzwerk von rund 120 missio-Werken weltweit. missio Aachen verfügte 2019 über ein Projekt- und Kampagnenvolumen von rund 47,4 Millionen Euro, mit dem 946 Projekte in 68 Ländern gefördert wurden. missio Aachen unterstützt die katholische Ortskirche in Afrika, Asien, dem Maghreb und Nahen Osten sowie Ozeanien. Diese Förderung stärkt die pastorale, soziale und interreligiöse Arbeit, die Infrastruktur sowie die Ausbildung von Laien, Priestern und Ordensleuten der katholischen Kirche in diesen Regionen. Mit ihrer Arbeit erreicht die Kirche dort nicht allein Christen, sondern trägt zur Verbesserung der Lebensumstände der gesamten Gesellschaft bei. In vielen Ländern Afrikas, Asiens und Ozeaniens ist die Kirche oft die einzige Institution, die alle Menschen erreicht, da staatliche Strukturen schwach sind.

 


Mehr als 10.000 Kinder und Jugendliche gaben Stimmen zur Gestaltung der kommenden EU-Kinderrechtsstrategie und Kindergarantie ab

Neuer Bericht: Kinder in der EU äußern sich über ihre Rechte und ihre Zukunft

 

 

(Brüssel/pm) - Die Meinung von Kindern und Jugendlichen könnte bald eine größere Rolle bei politischen Entscheidungen in der EU spielen. Eine Gruppe von fünf Kinderrechtsorganisationen hat eine Online-Umfrage und Konsultationen durchgeführt, um Prioritäten von Kindern und Jugendlichen zur Verwirklichung ihrer Rechte und ihre Vorstellungen für die Zukunft zu erfahren. Mehr als 10.000 Mädchen und Jungen zwischen 11 und 17 Jahren haben sich beteiligt. Heute werden die Ergebnisse in dem Bericht „Unser Europa, unsere Rechte, unsere Zukunft“ veröffentlicht.

 

Die Europäische Kommission hat die Umfrage in Auftrag gegeben und mit den Organisationen zusammengearbeitet. Mit den Beiträgen der Kinder und Jugendlichen sollen zwei zentrale Instrumente zur Umsetzung der Kinderrechte ausgestaltet werden: zum einen die EU-Strategie für die weltweite Stärkung der Kinderrechte, zum anderen die sogenannte „Kindergarantie“, mit der gezielt benachteiligte Kinder in der EU gefördert werden sollen.

 


Neue Realität durch Auswirkungen der Pandemie

 

„Diese Konsultation mit Kindern ist für uns in der Europäischen Kommission ein Novum und ein wichtiger Schritt zu mehr Kinderbeteiligung“, sagte die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Dubravka Šuica. „Kinder sind Experten in den Angelegenheiten, die sie betreffen, und diese Konsultation beweist einmal mehr, dass Kinder bereits wichtige Akteure im Hier und Jetzt sind. Unsere Aufgabe ist es, sie alle zu befähigen und zu ermächtigen, den Weg zu den Führungspersönlichkeiten von morgen schon jetzt zu beschreiten. Deshalb sind Partizipation, Gleichberechtigung und Inklusion die Leitprinzipien sowohl für die EU-Kinderrechtsstrategie als auch für die Kindergarantie 2021. Wir müssen und werden dafür sorgen, dass alle Kinder den gleichen Start ins Leben haben und sich in dieser Welt frei von Angst und Not entfalten können.“

 

Die Vertreter*innen von ChildFund Alliance, Eurochild, Save the Children, UNICEF und World Vision erklärten: "Dies ist an sich schon ein historischer Bericht, denn es ist das erste Mal, dass so viele Kinder und Jugendliche die EU-Politik direkt beeinflussen und gestalten können. Er könnte zu keinem wichtigeren Zeitpunkt kommen, da Kinder mit den psychologischen und praktischen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie konfrontiert sind und sich für die nächsten Jahre auf eine neue Realität einstellen müssen. Da es ihre Zukunft ist, muss ihre Meinung in den Entscheidungen der EU zum Ausdruck kommen.“

 

Unterstützung für diesen neuen Kurs kommt auch von Nicolas Schmit, EU-Kommissar für Beschäftigung und soziale Rechte: "Angesichts der sozioökonomischen Folgen der COVID-19-Pandemie wollen wir unsere Kinder nicht nur schützen, sondern auch in sie investieren, damit sie den bestmöglichen Start ins Leben haben und sich entfalten können. Und wer könnte uns besser von den Schwierigkeiten berichten, mit denen sie konfrontiert sind, als die Kinder selbst? Ich begrüße den Geist dieser Konsultation von ganzem Herzen und bin den Tausenden von Kindern dankbar, die uns ihren Input gegeben haben. Ihre Stimmen werden gehört."

 

"Als politische Entscheidungsträger müssen wir sicherstellen, dass sich unsere Strategien auf die persönlichen Erfahrungen aller Bürger stützen können. Der Aufbau einer umfassenden Kinderrechtsstrategie muss alle relevanten Bereiche einbeziehen – von  Gesundheit (einschließlich psychischer Gesundheit), über soziale Inklusion, Bildung, kinderfreundliche Justiz, Kinder in der Migration bis zu Beteiligung am demokratischen Prozess. Es ist von größter Bedeutung, den Kindern zuzuhören, ihre Stimmen zu diesen Themen zu hören - deshalb ist diese Konsultation so wertvoll und wird dazu beitragen, die EU-Kinderrechtsstrategie zu unterstützen", ergänzte Didier Reynders, EU-Kommissar für Justiz.

 

"Kinder sind vollwertige Bürger und Träger von Rechten. Es ist wichtig anzuerkennen, dass sie bei der Gestaltung der Zukunft Europas ein Mitspracherecht haben. Ich bin sehr froh, dass die anstehende erste umfassende EU-Kinderrechtsstrategie die Kinder in den Mittelpunkt stellt, und diese Konsultation ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Als Politiker tragen wir dafür Verantwortung, allen Kindern eine echte Chance zu geben, ihr volles Potenzial auszuschöpfen und sich in allen Lebensbereichen zu entfalten und niemanden zurückzulassen", sagte David Lega, Europaabgeordneter und Ko-Vorsitzender der Interfraktionellen Arbeitsgruppe für Kinderrechte im Europäischen Parlament. 

 

 

Die Hauptergebnisse der Umfrage:

 

- Die COVID-19-Pandemie hat bei Kindern und Jugendlichen in Europa und darüber hinaus zu Stress und Unsicherheit geführt. Jedes fünfte Kind in der EU, das an der Umfrage teilgenommen hat, berichtet, dass es unglücklich aufwächst und sich Sorgen um die Zukunft macht, so das Ergebnis der neuen Studie von ChildFund Alliance, Eurochild, Save The Children, UNICEF und World Vision.

 

- Fast jedes zehnte befragte Kind gab an, mit psychischen Problemen oder Symptomen wie Depressionen oder Ängsten zu leben. Die befragten Mädchen waren weit mehr gefährdet als die Jungen, und ältere Kinder berichteten über ein höheres Maß an Problemen als jüngere Kinder;

 

- Ein Drittel der befragten Kinder erlebte Diskriminierung oder Ausgrenzung. Dieser Prozentsatz stieg auf 50 bei Kindern mit Behinderungen, Migranten, ethnischen Minderheiten oder solchen, die sich als LGBTQ+ identifizieren;

 

- Drei Viertel der befragten Kinder fühlen sich in der Schule wohl, aber 80 Prozent der 17-Jährigen haben das Gefühl, dass die angebotene Bildung sie nicht gut auf ihre Zukunft vorbereitet;

 

- Die Mehrheit der befragten Kinder wünscht sich Veränderungen in ihrem Schulalltag: 62 Prozent der Befragten hätten gerne weniger Hausaufgaben, 57 Prozent der Befragten wünschen sich einen interessanteren Unterricht. Fast ein Drittel der Befragten würde gerne Einfluss auf die Inhalte des Schulunterrichts nehmen: mehr sportliche Aktivitäten (33 Prozent), Lernen über Kinderrechte (31 Prozent) und mehr musische Fächer (31 Prozent). Allerdings hatten fast alle Befragten schon von Kinderrechten gehört;

 

- 88 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen wissen über den Klimawandel und seine Auswirkungen auf ihre Umgebung Bescheid, 8 Prozent wussten ein wenig darüber und 4 Prozent waren sich nicht sicher.

 

 

 


Mehr als 10.000 Kinder und Jugendliche gaben Stimmen zur Gestaltung der kommenden EU-Kinderrechtsstrategie und Kindergarantie ab

 

(Brüssel/scd) - Die Meinung von Kindern und Jugendlichen könnte bald eine größere Rolle bei politischen Entscheidungen in der EU spielen. Eine Gruppe von fünf Kinderrechtsorganisationen hat eine Online-Umfrage und Konsultationen durchgeführt, um Prioritäten von Kindern und Jugendlichen zur Verwirklichung ihrer Rechte und ihre Vorstellungen für die Zukunft zu erfahren. Mehr als 10.000 Mädchen und Jungen zwischen 11 und 17 Jahren haben sich beteiligt. Heute werden die Ergebnisse in dem Bericht „Unser Europa, unsere Rechte, unsere Zukunft“ veröffentlicht.

 

Die Europäische Kommission hat die Umfrage in Auftrag gegeben und mit den Organisationen zusammengearbeitet. Mit den Beiträgen der Kinder und Jugendlichen sollen zwei zentrale Instrumente zur Umsetzung der Kinderrechte ausgestaltet werden: zum einen die EU-Strategie für die weltweite Stärkung der Kinderrechte, zum anderen die sogenannte „Kindergarantie“, mit der gezielt benachteiligte Kinder in der EU gefördert werden sollen.

 


Neue Realität durch Auswirkungen der Pandemie

 

„Diese Konsultation mit Kindern ist für uns in der Europäischen Kommission ein Novum und ein wichtiger Schritt zu mehr Kinderbeteiligung“, sagte die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Dubravka Šuica. „Kinder sind Experten in den Angelegenheiten, die sie betreffen, und diese Konsultation beweist einmal mehr, dass Kinder bereits wichtige Akteure im Hier und Jetzt sind. Unsere Aufgabe ist es, sie alle zu befähigen und zu ermächtigen, den Weg zu den Führungspersönlichkeiten von morgen schon jetzt zu beschreiten. Deshalb sind Partizipation, Gleichberechtigung und Inklusion die Leitprinzipien sowohl für die EU-Kinderrechtsstrategie als auch für die Kindergarantie 2021. Wir müssen und werden dafür sorgen, dass alle Kinder den gleichen Start ins Leben haben und sich in dieser Welt frei von Angst und Not entfalten können.“

 

Die Vertreter*innen von ChildFund Alliance, Eurochild, Save the Children, UNICEF und World Vision erklärten: "Dies ist an sich schon ein historischer Bericht, denn es ist das erste Mal, dass so viele Kinder und Jugendliche die EU-Politik direkt beeinflussen und gestalten können. Er könnte zu keinem wichtigeren Zeitpunkt kommen, da Kinder mit den psychologischen und praktischen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie konfrontiert sind und sich für die nächsten Jahre auf eine neue Realität einstellen müssen. Da es ihre Zukunft ist, muss ihre Meinung in den Entscheidungen der EU zum Ausdruck kommen.“

 

Unterstützung für diesen neuen Kurs kommt auch von Nicolas Schmit, EU-Kommissar für Beschäftigung und soziale Rechte: "Angesichts der sozioökonomischen Folgen der COVID-19-Pandemie wollen wir unsere Kinder nicht nur schützen, sondern auch in sie investieren, damit sie den bestmöglichen Start ins Leben haben und sich entfalten können. Und wer könnte uns besser von den Schwierigkeiten berichten, mit denen sie konfrontiert sind, als die Kinder selbst? Ich begrüße den Geist dieser Konsultation von ganzem Herzen und bin den Tausenden von Kindern dankbar, die uns ihren Input gegeben haben. Ihre Stimmen werden gehört."

 

"Als politische Entscheidungsträger müssen wir sicherstellen, dass sich unsere Strategien auf die persönlichen Erfahrungen aller Bürger stützen können. Der Aufbau einer umfassenden Kinderrechtsstrategie muss alle relevanten Bereiche einbeziehen – von  Gesundheit (einschließlich psychischer Gesundheit), über soziale Inklusion, Bildung, kinderfreundliche Justiz, Kinder in der Migration bis zu Beteiligung am demokratischen Prozess. Es ist von größter Bedeutung, den Kindern zuzuhören, ihre Stimmen zu diesen Themen zu hören - deshalb ist diese Konsultation so wertvoll und wird dazu beitragen, die EU-Kinderrechtsstrategie zu unterstützen", ergänzte Didier Reynders, EU-Kommissar für Justiz.

 

"Kinder sind vollwertige Bürger und Träger von Rechten. Es ist wichtig anzuerkennen, dass sie bei der Gestaltung der Zukunft Europas ein Mitspracherecht haben. Ich bin sehr froh, dass die anstehende erste umfassende EU-Kinderrechtsstrategie die Kinder in den Mittelpunkt stellt, und diese Konsultation ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Als Politiker tragen wir dafür Verantwortung, allen Kindern eine echte Chance zu geben, ihr volles Potenzial auszuschöpfen und sich in allen Lebensbereichen zu entfalten und niemanden zurückzulassen", sagte David Lega, Europaabgeordneter und Ko-Vorsitzender der Interfraktionellen Arbeitsgruppe für Kinderrechte im Europäischen Parlament. 

 

Die Hauptergebnisse der Umfrage:

 

- Die COVID-19-Pandemie hat bei Kindern und Jugendlichen in Europa und darüber hinaus zu Stress und Unsicherheit geführt. Jedes fünfte Kind in der EU, das an der Umfrage teilgenommen hat, berichtet, dass es unglücklich aufwächst und sich Sorgen um die Zukunft macht, so das Ergebnis der neuen Studie von ChildFund Alliance, Eurochild, Save The Children, UNICEF und World Vision.

 

- Fast jedes zehnte befragte Kind gab an, mit psychischen Problemen oder Symptomen wie Depressionen oder Ängsten zu leben. Die befragten Mädchen waren weit mehr gefährdet als die Jungen, und ältere Kinder berichteten über ein höheres Maß an Problemen als jüngere Kinder;

 

- Ein Drittel der befragten Kinder erlebte Diskriminierung oder Ausgrenzung. Dieser Prozentsatz stieg auf 50 bei Kindern mit Behinderungen, Migranten, ethnischen Minderheiten oder solchen, die sich als LGBTQ+ identifizieren;

 

- Drei Viertel der befragten Kinder fühlen sich in der Schule wohl, aber 80 Prozent der 17-Jährigen haben das Gefühl, dass die angebotene Bildung sie nicht gut auf ihre Zukunft vorbereitet;

 

- Die Mehrheit der befragten Kinder wünscht sich Veränderungen in ihrem Schulalltag: 62 Prozent der Befragten hätten gerne weniger Hausaufgaben, 57 Prozent der Befragten wünschen sich einen interessanteren Unterricht. Fast ein Drittel der Befragten würde gerne Einfluss auf die Inhalte des Schulunterrichts nehmen: mehr sportliche Aktivitäten (33 Prozent), Lernen über Kinderrechte (31 Prozent) und mehr musische Fächer (31 Prozent). Allerdings hatten fast alle Befragten schon von Kinderrechten gehört;

 

- 88 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen wissen über den Klimawandel und seine Auswirkungen auf ihre Umgebung Bescheid, 8 Prozent wussten ein wenig darüber und 4 Prozent waren sich nicht sicher.

 

 

 


BDKJ-Bundesvorsitzende befürwortet die Erfassung von Frauenhass in der Kriminalstatistik

Frauenfeindlichkeit ist ein Verbrechen

BDKJ-Bundesvorsitzende Lisi Maier Quelle: BDKJ-Bundesstelle/Mike Nonnenbroich
BDKJ-Bundesvorsitzende Lisi Maier Quelle: BDKJ-Bundesstelle/Mike Nonnenbroich

 

(Düsseldorf/bdkj) - Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) begrüßt den Vorschlag Frauenfeindlichkeit in der Kriminalstatistik zu erfassen. „Frauenhass ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen und muss als solches in der Kriminalitätsstatistik erfasst werden“, sagt BDKJ-Bundesvorsitzende Lisi Maier. Bislang wird beispielsweise expliziter Frauenhass im Netz unter Online-Hass und Femizide unter der Rubrik Partnerschaftsgewalt in der deutschen Kriminalitätsstatistik geführt.

 

Dorothee Bär, Digitalstaatsministerin der Bundesregierung und Mitglied im CSU–Parteivorstand, hat sich für die gezielte Erfassung frauenfeindlicher Straftaten in der Kriminalstatistik ausgesprochen. Diese dürften kein verdecktes Phänomen bleiben.

 

Lisi Maier macht deutlich, dass sich auch der mediale und gesellschaftliche Diskurs verändern sollte: „Bezeichnungen wie ‚Familiendrama‘ für Femizide, sind Beschönigungen die der Vergangenheit angehören müssen. Wenn verstanden wird, dass Frauenfeindlichkeit tödlich sein kann, ist auch die effektive Bekämpfung möglich."

 

 

 

Der BDKJ ist Dachverband von 17 katholischen Jugendverbänden mit rund 660.000 Mitgliedern. Er vertritt die Interessen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Kirche, Staat und Gesellschaft.

 


Zehn-Punkte-Plan des Familienbundes der Katholiken im Bistum Trier

Politische Unterstützung für Familien in Zeiten der Pandemie

(Trier/bt) - Die Corona-Pandemie hat Familien besonders hart getroffen, insbesondere in Zeiten des Lockdowns. Die monatelangen gleichzeitig zu erbringenden Leistungen von Kinderbetreuung, Homeschooling, Homeoffice, Kochen und Haushalt haben viele Familien an den Rand der Belastungsgrenze gebracht. Die Zeit hat aber auch gezeigt: Kinder sind in Familien in aller Regel gut aufgehoben. Wenn die staatlichen Institutionen wie Kita und Schule ausfallen, können Kinder auch zu Hause betreut und beschult werden. Das bestätigen auch Umfragen unter Eltern: Zwar findet die Mehrheit der befragten Eltern, dass die eigene Familie gut mit der Schulschließung umging, trotzdem geben 38 Prozent an, dass die Situation für ihr Kind oder für sie eine große psychische Belastung war. Daran hatte auch das gleichzeitige Arbeiten im Homeoffice vielfach einen großen Anteil. Es hat in der Praxis deutlich gemacht: Homeoffice ist kein Betreuungsmodell, sondern eine zusätzliche Belastung, die den Ansprüchen von Familie unter den Bedingungen eines Lockdowns nicht gerecht wird. Gezeigt hat sich vor allem: Familien sind als die kleinsten gesellschaftlichen Einheiten unverzichtbar, wenn der Staat an seine Grenzen stößt.

 

Familie in Zeiten von Corona erfordert von den Eltern deutlich mehr Kraft und Motivation, Improvisa- tionskunst und Ausdauer, von den Kindern vor allem das Aus- und Durchhalten, ein Leben auch mit weitreichendem Verzicht auf soziale Grundbedürfnisse führen zu müssen: ohne geregelten Schul- und Kitatag, ohne persönlichen Kontakt zu Lehrern und Erziehern, ohne die Begegnung mit den Freunden, ja, mitunter auch ohne den lieb gewordenen Besuch des Spielplatzes.

 

Die Corona-Krise verschärft wie unter einem Brennglas ohnehin bestehende strukturelle Probleme von Eltern

Auch das Jahr 2021 wird im Zeichen der Überwindung der Pandemie stehen. Angesichts der vor uns liegenden Strecke im Umgang mit Corona brauchen Familien umfangreiche politische Unterstützung. Hinzu kommt: Die Corona-Krise verschärft wie unter einem Brennglas ohnehin bestehende strukturelle Probleme von Eltern wie den zunehmenden Zeitdruck und die häusliche Bildung bei Familien mit Unterstützungsbedarf. Familien dürfen nicht zu den besonderen Verlierern der Pandemie werden. Für die Politik heißt dies nun, ein besonderes Augenmerk auf die Familien- und Bildungspolitik zu legen.

 

Die Familie als Leistungsträgerin der Gesellschaft ist in der Corona-Krise stark unter Druck geraten. Das hat die Bundesregierung in ihrem Krisenmanagement erst spät entdeckt. Die von der Koalition dazu mittlerweile aufgelegten Einzelmaßnahmen sind allerdings noch unzureichend. Die Politik muss ihrer Verantwortung für Familien gerecht werden und diese in ihrer Gesamtheit aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Dafür braucht es einen nationalen Familiengipfel. Klar ist schon heute: Investitionen in Eltern und Familien lohnen sich immer, nicht nur aus gesellschaftspolitischer, sondern auch aus ökonomischer Sicht. Mit im Verhältnis überschaubaren Finanzmitteln tragen Familien wesentlich dazu bei, das Schwungrad der Gesellschaft langfristig am Laufen zu halten.

 

Den dafür erforderlichen Handlungsrahmen stellt der Familienbund der Katholiken in seinem Zehn-Punkte-Plan vor. Denn auch in der Corona- Krise gilt: Ohne Familie ist kein Staat zu machen!

 

1. Nationaler Familiengipfel gefordert

Die Politik muss die hoch belastete Situation von Familien in der Corona-Krise verstärkt in einer Gesamtstrategie in den Blick nehmen. Der Familienbund der Katholiken fordert deshalb einen nationalen Familiengipfel: Bundesfamilien- und Bundesbildungsministerium sind gemeinsam mit den Ländern aufgefordert, Leitlinien für familiengerechte Arbeits- und Lebensbedingungen, sowie mehr Geld und Personal an Schulen und Kitas zu formulieren. Diese sind seit Monaten ebenso überfällig wie eine grundlegende und einheitliche Digitalisierung von Schulen, um den Schulbetrieb auch in Phasen von möglichen Schulschließungen aufrecht zu erhalten. Dafür braucht es auch kreative und lebensnahe Konzepte, die Familien auch unter den aktuell erschwerten Lebensbedingungen einen angemessenen Rahmen für ihre Bedürfnisse sichern.

 

2. Sicherer Betrieb von Kindertagesstätten

Gesundheit ist das höchste Gut. Dies gilt uneingeschränkt für die Kinder und ihre Erzieherinnen und Erzieher in den Kindertagesstätten. Bei allen Diskussionen um eine Wiedereröffnung von Kindertagesstätten ist dies als erste Prämisse sicherzustellen. Kinder im Kindergartenalter sind in der Corona-Pandemie zwar die am wenigsten gefährdete Gruppe, sie sind aber von den Maßnahmen besonders stark betroffen. Die Familien haben ausschließlich sich selbst und ansonsten keine Ausweichmöglichkeit für ihre sozialen Bedürfnisse. Viele Familien sind auf die Kitas als Raum für ihre Kinder angewiesen.

 

Vor diesem Hintergrund plädiert der Familienbund für eine strukturierte Wiedereröffnung der Kindertagesstätten, sobald es das Pandemiegeschehen nach wissenschaftlichen Erkenntnissen wieder zulässt. Zentrale Voraussetzung für die Öffnung der Kitas ist der Schutz der Erzieherinnen und dass diese sofort ein freiwilliges Impfangebot erhalten. Dies erfordert eine Änderung der Impfstrategie der Bundesregierung mit einer höheren Priorisierung der Erzieherinnen und Erzieher. Denn diese können sich nur wenig schützen. Sie können keinen Abstand halten, da Kita-Kinder Nähe brauchen. Sie können bei der Arbeit am Kind keine Masken tragen, da die Kleinen die Mimik der Erzieher erkennen müssen. Nur ein Schutz der Erzieherinnen und Erzieher durch Impfen sichert die verlässliche Öffnung der Kitas.

 

3. Einführung einer Corona-Elternzeit

Sollten Kitas und Schulen nicht mehr im Regelbetrieb arbeiten oder wieder schließen, brauchen Eltern einen Rechtsanspruch auf Arbeitszeitreduzierung. Nötig ist hierzu die Einführung einer Corona-Elternzeit, die Müttern und Vätern mit Kindern bis zu 14 Jahren gegenüber ihren Arbeitgebern das Recht gibt, ihre Arbeitszeit so weit zu reduzieren, wie es für die Bewältigung der stark gestiegenen familiären Anforderungen erforderlich ist. Dies schließt ein angemessenes Rückkehrrecht in den alten Arbeitsumfang und einen fortbestehenden Kündigungsschutz mit ein.

 

4. Corona-Elterngeld von monatlich mindestens 300 Euro

Eltern, die die Corona-Elternzeit nach dem unter 3. beschrieben Modell in Anspruch nehmen, müssen wegen der damit verbundenen Gehaltseinbußen auch finanziell unterstützt werden. Der Familienbund der Katholiken fordert daher ein monatliches Corona-Elterngeld. Es berechnet sich als Lohnersatzleistung analog der Elterngeld-Regelungen prozentual aus dem bisherigen Einkommen der Eltern, sollte aber mindestens 300 Euro betragen. Eine solche Leistung trägt dazu bei, die besonderen Belastungen der Familien während der pandemiebedingten Schul- und Kitaschließungen zu kompensieren – kontinuierlich, familiengerecht und angemessen. Das würde Familien helfen und die besonderen Leistungen der Eltern in der Corona-Krise anerkennen.

 

5. Kurzarbeitergeld an die Lebenswirklichkeit von Familien anpassen

Das Instrument der Kurzarbeit hat sich bewährt, um Arbeitsplätze zu erhalten. Beschäftigte mit Kindern erhalten bislang 67% des vorherigen Gehaltes als Kurzarbeitergeld. Die Höhe des Kurzarbeitergeldes bei Arbeitnehmern sollte sich aber an der Zahl der Kinder orientieren. Eltern mit mehreren Kindern sind mit höheren Ausgaben belastet. Das Kurzarbeitergeld für Eltern muss daher nach der Kinderzahl gestaffelt sein und aufbauend auf 67% ab dem zweiten Kind gestaffelt nach der Kinderzahl um jeweils weitere 7 % ansteigen.

 

6. Kinderkrankentage fortführen und Obergrenze beseitigen

Die Regierungskoalition hat eine Forderung auch des Familienbundes bereits aufgegriffen, die Kinderkrankentage im Jahr 2021 pro Elternteil von zehn auf 20 Tage pro Kind, für Alleinerziehende von 20 auf 40 Tage pro Kind zu verdoppeln. Bei mehreren Kindern hat jeder Elternteil insgesamt einen Anspruch auf maximal 45 Arbeitstage. Für Alleinerziehende erhöht sich der Anspruch auf maximal 90 Arbeitstage. Je nach Verlauf der pandemischen Lage sollte für den Fall, dass die Krankentage im Einzelfall dennoch nicht ausreichen sollten, eine Aufhebung der Obergrenze auf besonderen Antrag der Familie möglich sein. Auch ist die Regelung zu Kinderkrankentagen bei Fortdauer der Pandemie in das Jahr 2022 fortzuführen.

 

7. Sorgearbeit durch Corona-Pflegezeit und -Pflegegeld ermöglichen

Dreiviertel der Pflege findet im häuslichen Rahmen statt. Viele Familien sind dennoch auf eine ambulante Pflegeinfrastruktur angewiesen. Unter den Bedingungen von Corona kann die Pflegeinfrastruktur leicht fragil werden oder ganz ausfallen. Ein Quarantänefall kann dafür reichen. Wer aufgrund einer ausfallenden Pflegeinfrastruktur Angehörige pflegt, sollte Anspruch haben auf eine Corona-Pflegezeit und auf Corona-Pflegegeld analog zur Elternzeit und zum Elterngeld bei pandemiebedingten Schließungen von Schulen und Kitas. Hierdurch wäre insbesondere auch Eltern geholfen, die sich in einer „Sandwichposition“ befinden und sowohl für die eigenen Kinder als auch die Eltern sorgen.

 

8. Kind- und familiengerechtes Leben auch unter Quarantänebedingungen

Kinder, die vorübergehend in häuslicher Quarantäne leben, müssen auch weiter das Recht auf eine kind- und familiengerechte Lebensweise haben. Auch unter den Bedingungen von Quarantäne, die den sozialen Kontakt von Menschen ohnehin stark einschränken, müssen die Pflege von Beziehungen und menschliche Nähe Vorrang haben. Familie ist eine unverfügbare menschliche Einheit, die nicht gegen ihren Willen getrennt werden darf, auch nicht für den Infektionsschutz.

 

9. Stärkere Förderung von Familienbildung, Familienerholung und Kurkliniken

Eltern und ihre Kinder brauchen gerade jetzt mehr denn je auch Phasen der Erholung, Regeneration und familienpraktische Informationen. Die Angebote der Familienbildung und der Familienerholung müssen in der Zeit nach Corona verstärkt bezuschusst werden. Sie sind durch die Corona-Krise vielfach in eine empfindliche wirtschaftliche Schieflage geraten. Das gilt auch für Kurkliniken für Mütter und Väter.

 

10. Alte Menschen dürfen nicht vereinsamen

Es ist von enormer Bedeutung, dass alte, schwache und kranke Menschen auch in Zeiten von Corona nicht vereinsamen. Wer in Not- und Ausnahmesituationen Nähe und Trost sucht, hat auch ein Recht auf Begegnung und Halt. Das ist ein Gebot der Menschlichkeit. Bei allen Maßnahmen zum Infektionsschutz haben die Politik und Einrichtungen, die sich um alte Menschen sorgen, diesem Grundbedürfnis Rechnung zu tragen. Wenn die Bewohnenden und Mitarbeitenden von Alten- und Pflegeheimen durchgehend geimpft sind, sind die bislang bestehenden Restriktionen für Besuchsmöglichkeiten durch Angehörige unter Beachtung der erforderlichen Hygienemaßnahmen daher umgehend zurückzuführen.

 


Die Bischöfe der vier großen Kirchen im Land rufen zur Wahlbeteiligung auf

„Die Verantwortlichen in der Politik benötigen unseren Rückhalt“

 

(Stuttgart/Karlsruhe/Freiburg/Rottenburg/pm) - . Einen knappen Monat vor der Landtagswahl bitten die vier großen Kirchen in Baden-Württemberg die Menschen im Land, wählen zu gehen.

 

 

 

„Wir Bischöfe möchten Sie herzlich bitten, Ihre Stimme abzugeben und dadurch die parlamentarische Demokratie und den Rechtsstaat zu stärken. Die Möglichkeit der Briefwahl hilft uns, gerade in Zeiten der Corona-Pandemie unser Wahlrecht auszuüben. Machen Sie Gebrauch davon!“, schreiben die Landesbischöfe Dr. h. c. Frank Otfried July (Evangelische Landeskirche in Württemberg) und Professor Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh (Evangelische Landeskirche in Baden) sowie Erzbischof Stephan Burger (Erzdiözese Freiburg) und Bischof Dr. Gebhard Fürst (Diözese Rottenburg-Stuttgart) in ihrem gemeinsamen Appell.

 

 

 

Die gegenwärtige Pandemie führe den Menschen im Land vor Augen, wie sehr die Demokratie vom Zusammenwirken lebe, so die Kirchenleitenden weiter. „Die Verantwortlichen in der Politik benötigen unseren Rückhalt und unser Vertrauen. Ebenso brauchen wir als Bürgerinnen und Bürger eine transparente Politik und die Möglichkeit, uns zu beteiligen. Wir brauchen Politikerinnen und Politiker, die zuhören, wo immer Menschen ihre Sorgen und Nöte äußern, gerade in der Situation der Corona-Pandemie.“

 

 

 

Zugleich danken die Bischöfe Fürst, Burger, Cornelius-Bundschuh und July den Mitgliedern des Landtags für die Arbeit in der zu Ende gehenden Wahlperiode - und schauen zuversichtlich nach vorn: „Wir sind dankbar dafür, dass sich so viele Männer und Frauen zur Wahl stellen und bereit sind, politische Verantwortung zu übernehmen. Den Kandidatinnen und Kandidaten, die am 14. März 2021 gewählt werden, wünschen wir Gottes Segen für ihren Dienst an unserer Gesellschaft.“

 


Pflegereform 2021 hat ihre Tücken / BdSAD fordert:

Verhinderungspflege muss flexibel sein

 

 

(Berlin/pm) - Die Crux liegt im Detail: Zwar sieht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in seinem Eckpunktepapier zur Pflegereform 2021 künftig ein so genanntes Entlastungsbudget von 3300 Euro vor, das pflegende Angehörige flexibel einsetzen können. Doch das, was auf den ersten Blick wie eine Erhöhung der bisherigen Leistungen und Vereinfachung der Pflege wirkt, "ist eine Mogelpackung", kritisiert Carolin Favretto, Vorsitzende der Bundesvereinigung der Senioren-Assistenten Deutschland (BdSAD). "Denn letztlich wird das Budget für die stundenweise Verhinderungspflege stark eingeschränkt und damit auch die Möglichkeiten einer unkomplizierten und qualifizierten Hilfe zu Hause - beispielsweise durch Senioren-Assistenten."

 

 

 

Pflegende brauchen eine Auszeit

 

Rund drei Millionen Menschen werden bundesweit zu Hause von ihren Angehörigen, viele auch von guten Freunden, Bekannten oder Nachbarn gepflegt, betreut und versorgt. Doch auch diese können krank werden, brauchen Erholung, wollen einfach nur entspannt einkaufen oder einen Kaffee trinken gehen. Dann hilft die Verhinderungspflege - auch Ersatzpflege genannt - der zuständigen Pflegekasse. Jährlich steht dafür momentan ein Betrag von 1618 Euro zur Verfügung, der um bis zu

 

806 Euro aus den Mitteln der

 

Kurzzeitpflege aufgestockt werden kann - macht insgesamt 2418 Euro pro Jahr. Im zukünftigen sogenannten Entlastungsbudget ist angedacht, die bisherigen Töpfe aus Kurzzeit- und Verhinderungspflege zusammenzufassen und leicht aufzustocken - auf insgesamt 3300 Euro.

 

 

 

Einschränkungen verhindern unkomplizierte und stundenweise Hilfe

 

In einem im Internet kursierenden Eckpunktepapier des Bundesgesundheitsministeriums sollen ab Juli 2022 jedoch für die stundenweise Verhinderungspflege durch eine Ersatzpflegeperson nur noch maximal 40 Prozent des Budgets eingesetzt werden können. 60 Prozent sollen der Ersatzpflege im Fall einer längeren Verhinderung der privaten Pflegeperson vorbehalten bleiben. "Das ist nicht akzeptabel", stellt Carolin Favretto fest. "Denn für Pflegende ist gerade die stundenweise Vertretung im Pflegealltag enorm wichtig. Alltag ist oft nicht planbar, irgendetwas kommt schnell mal dazwischen. Dann können Senioren-Assistenten einspringen und stundenweise und unkompliziert Hilfe leisten, so dass die Familie die zu betreuende Person in guten Händen weiß." Mit einer Begrenzung auf 40 Prozent des Jahresbudgets stünden künftig nur noch 1320 Euro für die stundenweise Verhinderungspflege zur Verfügung - also deutlich weniger als bisher. Die Kürzung des Budgets für die stundenweise Verhinderungspflege schränkt nicht nur die Pflege zu Hause und die Selbstbestimmung der Pflegebedürftigen und Pflegenden ein. Viele Senioren-Assistenten würden dadurch beträchtliche Einkommensverluste erleiden oder sogar ihre Arbeit ganz aufgeben müssen, da die Pflegebedürftigen diese Dienstleistung ohne ausreichende Unterstützung der Pflegekasse oft nicht bezahlen können.

 

 

 

"Zwar liegt das Eckpunktepapier bislang nur als Entwurf vor, doch dieser muss deutlich verbessert werden", so Carolin Favretto. "Das künftige Entlastungsbudget muss absolut flexibel sein und die stundenweise Inanspruchnahme der Verhinderungspflege zu 100 Prozent ermöglichen." Die BdSAD-Vorsitzende verweist in diesem Zusammenhang auf eine Online Petition an Gesundheitsminister Spahn auf http://www.openpetition.de unter dem Titel "Keine Einschränkung der Flexibilität von Verhinderungspflege durch die Pflegereform 2021" und bittet um Unterstützung.

 

 

 

Professionelle Senioren-Assistenten begleiten und unterstützen Senioren und hilfsbedürftige Menschen in ihrem Alltag, leisten Hilfe zur Selbsthilfe und entlasten die Pflegenden. Ihre Arbeit wird oft privat vergütet, doch im Rahmen der Verhinderungspflege übernehmen oft auch die Pflegekassen die Kosten. Mitglieder in der Bundesvereinigung der Senioren-Assistenten Deutschland (BdSAD) e.V.

 

garantieren zudem die Einhaltung anspruchsvoller Qualitäts- und Ethikstandards bei ihrer Berufsausübung.

 

Weitere Informationen gibt es unter http://www.bdsad.de .

 

Informationen zur Ausbildung Seniorenassistent/in "Plöner Modell"

 

finden sich auf http://www.senioren-assistentin.de .

 

 

 


Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt, zur Einigung auf ein Lieferkettengesetz

Ein erster Schritt in die richtige Richtung – aber Nachschärfung nötig

 

 

Lieferkettengesetz * Einigung * Haftung

 

 

 

(Berlin/bfw) - „Wir begrüßen , dass das jahrelange Gezerre um ein Lieferkettengesetz jetzt ein Ende hat und ein Lieferkettengesetz nun doch noch in dieser Legislaturperiode auf den Weg gebracht wird wie im Koalitionsvertrag vereinbart. Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber bei dem Streit mit Wirtschaftsminister Altmaier haben die guten Vorschläge von Arbeitsminister Heil und Entwicklungsminister Müller, die zuletzt von 120 Wirtschaftswissenschaftler:innen, von den Kirchen und großen Teilen der Entwicklungscommunity getragen wurden, viele Federn lassen müssen. Am bedauerlichsten ist, dass man sich nicht auf Haftungsregelungen einigen konnte. Zwar soll eine Behörde Verstöße ahnden und Bußgelder verhängen können, aber Geschädigte in Bangladesch, Peru oder Ghana erhalten  damit nicht die Chance, von deutschen Gerichten eine Entschädigung zugesprochen zu bekommen. Auch ist bedauerlich, dass nicht, wie ursprünglich vorgesehen, Betriebe ab 500 Beschäftigten unter die Lupe genommen werden, sondern dass die Grenze willkürlich auf 3000 hinaufgesetzt worden ist. Wir erwarten, dass der Gesetzentwurf im parlamentarischen Verfahren nachgeschärft wird und sich die Bundesregierung entsprechend ihrer Ankündigung auf europäischer Ebene für die Regelung der zivilrechtlichen Haftung einsetzt.“

 


Vor allem christliche Gebiete betroffen – Petition an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen: Einfluss auf Regierung im Irak nehmen

Hilfswerk missio fordert: Zehnjähriger Stopp der Neuverteilung von Landbesitz im Nord-Irak

 

(Aachen/missio9 - Das Internationale katholische Hilfswerk missio Aachen fordert mit einer Petition EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf, sich bei der irakischen Zentralregierung für einen zehnjährigen Stopp der Neuverteilung von Landbesitz in der Niniveh-Ebene im Norden des Iraks einzusetzen. „Die Europäische Union soll ihren Einfluss auf die irakische Zentralregierung geltend machen, die anhaltende Umwidmung vor allem christlicher Gebiete in dieser Region an andere Gruppen zu verhindern. Unsere kirchlichen Partnerinnen und Partner leiden unter dieser Neuverteilung und wünschen sich einen stärkeren Einsatz der europäischen Politik“, so Pfarrer Dirk Bingener, Präsident von missio Aachen. Unterstützerinnen und Unterstützer können die Petition unter www.missio-hilft.de/irakpetition unterschreiben, um ihre Solidarität mit den Christinnen und Christen im Irak auszudrücken.

 

Hintergrund ist, dass seit dem Irak-Krieg von 2003 und dem Terror des sogenannten „Islamischen Staates“ der Auswanderungsdruck auf Christinnen und Christen in der Niniveh-Ebene stark zugenommen hat. Zuletzt seit 2014 mussten Zehntausende aus ihrer Heimat flüchten. Dadurch sind die Eigentumsverhältnisse von Land- und Hausbesitz oftmals ungeklärt. Die Zentralregierung im Irak verteilt nun dieses Land an neue Besitzer. In der Niniveh-Ebene sind davon neben christlichen Gebieten auch andere Gruppen wie die Jesiden betroffen. Kompliziert wird die Situation dadurch, dass die irakische Zentralregierung auch mit der kurdischen Autonomiebehörde ins Einvernehmen kommen muss, zu der auch Teile christlicher Siedlungsgebiete gehören.

 

„Unsere kirchlichen Partnerinnen und Partner fordern einen Stopp dieser staatlichen Neuverteilung von Landbesitz für zehn Jahre, um die Besitzverhältnisse klären und das Katasterwesen modernisieren zu können. Das ist die Voraussetzung für die Rückkehr von Vertriebenen und Geflüchteten“, so Pfarrer Bingener weiter. Nach Angaben der missio-Partner sind seit 2014 erst 8.000 christliche Familien in die Niniveh-Ebene zurückgekehrt. „Wir beobachten seit einigen Jahren einen massiven Exodus von Christinnen und Christen aus dieser Region in andere Gebiete des Iraks oder ins Ausland“, so Bingener. Die Niniveh-Ebene ist eine der traditionellen Siedlungsgebiete der Christinnen und Christen im Irak. „Das christliche Erbe dieses Landes droht verloren zu gehen“, so Pfarrer Bingener.

 

Pfarrer Bingener begrüßt den angekündigten Besuch von Papst Franziskus vom 5. bis 8. März im Irak und in der Niniveh-Ebene, der dort mit Vertretern des Staates, der christlichen Kirchen und anderen religiösen Gruppen sprechen wird. „Nur in gegenseitigem Respekt und in Toleranz können die Probleme des Iraks gelöst werden“, so Bingener.

 

„Ohne einen vorübergehenden Stopp der Landverteilung werden die religiösen Spannungen im Land weiter angefacht“, erklärt Romina Elbracht, stellvertretende Leiterin der missio-Auslandsabteilung und Referentin für den Nahen und Mittleren Osten, einen weiteren Hintergrund der missio-Petition. „Zudem stellt der christliche Exodus aus dem Irak eine dramatische Gefahr für den irakischen Staat selbst dar,“ so Elbracht weiter. „Die christlichen Gruppen im Irak bilden einen wichtigen und stabilisierenden gesellschaftlichen Faktor. Ihr gänzliches Verschwinden wäre verheerend für die Zukunft des Iraks“, glaubt Elbracht. Daneben verdiene der Irak in der internationalen Politik mehr Aufmerksamkeit, da er für die Stabilität des Nahen und Mittleren Ostens sehr wichtig sei.

 

Die Petition und weitere Informationen finden Sie hier: www.missio-hilft.de/irakpetition

 

 

 

Wer ist missio?

 

Das Internationale Katholische Missionswerk missio Aachen ist eines der großen deutschen Hilfswerke und gehört zu einem Netzwerk von rund 120 missio-Werken weltweit. missio Aachen verfügte 2019 über ein Projekt- und Kampagnenvolumen von rund 47,4 Millionen Euro, mit dem 946 Projekte in 68 Ländern gefördert wurden. missio Aachen unterstützt die katholische Ortskirche in Afrika, Asien, dem Maghreb und Nahen Osten sowie Ozeanien. Diese Förderung stärkt die pastorale, soziale und interreligiöse Arbeit, die Infrastruktur sowie die Ausbildung von Laien, Priestern und Ordensleuten der katholischen Kirche in diesen Regionen. Mit ihrer Arbeit erreicht die Kirche dort nicht allein Christen, sondern trägt zur Verbesserung der Lebensumstände der gesamten Gesellschaft bei. In vielen Ländern Afrikas, Asiens und Ozeaniens ist die Kirche oft die einzige Institution, die alle Menschen erreicht, da staatliche Strukturen schwach sind.

 


Kolping Europa zur katastrophalen und menschenunwürdigen Lage der Geflüchteten in Bosnien-Herzegowina und Griechenland

Menschenleben retten – Eine drängende Aufgabe der Europäischen Union und ihrer Mitgliedstaaten

 

(Köln/kw) – In der aktuellen Corona-Pandemie findet die katastrophale menschenunwürdige Lage der Geflüchteten in Bosnien-Herzegowina und Griechenland nur wenig Aufmerksamkeit. Angesichts dieser humanitären Krise ruft der Vorstand von Kolping Europa die nationalen Regierungen und die Europäische Union dazu auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen und umgehend zu handeln. Es ist ein Skandal und durch nichts zu rechtfertigen, dass Kinder und Jugendliche, Frauen und Männer unter diesen menschenunwürdigen Verhältnissen leiden müssen.

 

Bosnien-Herzegowina – Humanitäre Krise vor den Toren Europas

Die Lage in Bosnien-Herzegowina ist schon seit Jahren prekär. Kurz vor Weihnachten hat die Internationale Organisation für Migration (IOM) das Geflüchtetenlager Lipa geschlossen, da das Lager nicht den humanitären Mindestanforderungen entsprach und die bosnischen Behörden der Forderung, das Lager winterfest zu machen, nicht nachkamen. Die Geflüchteten harren seitdem unter lebensgefährlichen Bedingungen in der eisigen Winterkälte aus. Zudem gibt es keine Gesundheitsversorgung und Möglichkeiten zum Infektionsschutz, obwohl bereits einige Geflüchtete COVID-Symptome aufweisen.

Versuche, die Geflüchteten in anderen Unterkünften unterzubringen, sind an Protesten der BürgerInnen vor Ort und dem politischen Willen bzw. Unwillen gescheitert. Trotz finanzieller Hilfe aus der EU wurde dringend notwendige humanitäre Hilfe unterlassen, und politisches Kalkül wird zulasten der notleidenden Menschen ausgetragen. Losgelöst von einer gesamteuropäischen Lösung fordert Kolping Europa alle nationalen Regierungen dazu auf, umgehend zu handeln und Geflüchtete aus humanitären Gründen aufzunehmen.

 

Griechenland – Humanitäre Krise innerhalb der Europäischen Union

Auch in vielen Geflüchtetenlagern in Griechenland ist die Lage so verheerend, dass humanitäre Hilfe dringend notwendig ist. Ein Beispiel hierfür ist die katastrophale Lage der Geflüchteten im überfüllten Lager Moria auf Lesbos. Auch das neu errichtete Camp Kara Tepe soll – Berichten zufolge – noch unbewohnbarer für die Geflüchteten sein als Moria. Notdürftig errichtete Zelte stehen häufig unter Wasser, Sanitäranlagen gibt es kaum, ebenso wenig warmes Wasser und Heizmöglichkeiten.

Die EU unterstützte auch in diesem Fall Griechenland finanziell, dennoch verbessert sich die lebensbedrohliche Situation der Geflüchteten vor Ort nicht. Einige wenige Länder der EU haben zugesagt, Geflüchtete aus Griechenland aufzunehmen, doch die Umsetzung dieser Zusagen verläuft ebenso schleppend. Auch hier appelliert Kolping Europa an die politisch Verantwortlichen, schnell zu handeln und ihrer humanitären Verantwortung nun endlich nachzukommen.

 

Illegale Push-Backs an Europas Außengrenzen

Geflüchtete berichten von gewalttätigen Zurückweisungen an der kroatischen Grenze. Dokumente und Handys werden abgenommen, Menschen misshandelt. Auch auf dem Mittelmeer gibt es solche illegalen, sog. „Push-Backs“. Geflüchtete werden in außereuropäische Gewässer zurückgedrängt und dem offenen Meer überlassen. Kolping Europa fordert: Illegale Push-Backs müssen umgehend gestoppt werden, denn sie verstoßen gegen das Völkerrecht sowie das EU-Recht. Den Schutzsuchenden muss die Möglichkeit gegeben werden, einen Asylantrag zu stellen.

 

Unerträglich ist, wenn in Europa gegen die Menschenwürde verstoßen wird

Mit großem Entsetzen stellt Kolping Europa fest, dass europäische Grundwerte und verantwortliches Handeln bei diesen humanitären Katastrophen innerhalb der EU und vor den Toren der europäischen Außengrenze grob missachtet werden. Unerträglich ist, dass gegen die Menschenwürde verstoßen und gehandelt wird. Es ist ein Armutszeugnis, wenn in Europa Geflüchteten, die sich in solch einer katastrophalen Lage befinden, Hilfe aus politischen Gründen verweigert wird.

Kolping Europa fordert die Europäische Union – vor allem aber ihre Mitgliedstaaten – auf, umgehend ihrer Verantwortung nachzukommen. Es reicht nicht aus, finanzielle Hilfe zu leisten, sondern es muss nun schnell und entschieden gehandelt werden, um die Menschen aus diesen unwürdigen und teilweise lebensbedrohlichen Zuständen herauszuholen. Zugleich ist die Gemeinschaft der EU aufgefordert, so schnell wie möglich eine gemeinsame europäische Lösung zu finden. Menschenleben retten, daran werden sich die Mitgliedstaaten sowie die Europäisches Union messen lassen müssen.

 

Margrit Unternährer, Europavorsitzende
Ulrich Vollmer, Europasekretär
Josef Holtkotte, Europapräses

 

Das Kolpingwerk Europa ist ein katholischer Sozialverband und Teil des Internationalen Kolpingwerkes, das heute in über 60 Ländern der Erde mit rund 450.000 Mitgliedern vertreten ist. Es fördert durch Bildung und Aktionen die Entwicklung seiner Mitglieder in vielen Bereichen des täglichen Lebens.

 

 


Oral-History Projekt „Aufbau demokratischer Strukturen und Medien- und Pressefreiheit in der Transformationszeit nach 1989/1990" des Archiv Bürgerbewegung Leipzig erfolgreich abgeschlossen

Foto: Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.
Foto: Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.

(Dresden/pm) - Das vom Freistaat Sachsen, über das Förderprogramm Revolution und Demokratie, unterstützte Oral-History Projekt „Aufbau demokratischer Strukturen und Medien- und Pressefreiheit in der Transformationszeit nach 1989/1990" findet seinen erfolgreichen Abschluss.

 

Im Jahr 2020 führte das Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. (ABL) mit Akteuren und Akteurinnen der Friedlichen Revolution und der sich anschließenden Transformationszeit ab 1989/1990 audiovisuelle Zeitzeugengespräche durch. Im Fokus standen dabei nicht nur die Friedliche Revolution und das Ende der DDR, sondern auch die errungene Meinungs- und Pressefreiheit sowie der Aufbau demokratischer Strukturen. Neben den vielen Initiativen und Parteien, die sich 1989 und 1990 neu gründeten, um die Gesellschaft mitzugestalten, erfolgten in diesem Zeitraum es auch mehr als 100 Zeitungsneugründungen.

 

In teilweise mehrstündigen lebensgeschichtlichen Interviews befragten wir zwölf Zeitzeugen und Zeitzeuginnen zu ihrem Leben sowie ihrem persönlichen und politischen Werdegang in jenen ereignisreichen Umbruchsjahren. Wie kam es zu diesem Engagement des Einzelnen und worin bestand es? Woran erinnern sich die Zeitzeugen und Zeitzeuginnen, wenn sie an den Herbst 1989 denken? Wie ging es für sie nach dem Machtverlust des SED-Regimes im bald gesamtdeutschen Staat weiter? Welchen Stellewert haben die erste - und einzige - freie Volkskammerwahl am 18. März 1990, die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion vom 1. Juli 1990 und die Vereinigung der beiden deutschen Staaten am 3. Oktober 1990?

 

Die Befragten berichten über ihr Engagement beispielsweise für das „Neue Forum“ in Leipzig oder Taucha, die Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt“ oder die „Deutsche Soziale Union“ (DSU). Neben Jan Peter, dem Chefredakteur „Die Leipziger Andere Zeitung“ (DAZ), welche 1990 und 1991 erschien, erzählt Norbert Meißner vom Piratenfernsehsender „Kanal X“, der 1990 vom Dach des Hauses der Demokratie in Leipzig-Connewitz sendete.

 

Darüber hinaus beschreiben zwei Schriftsteller ihre Schwierigkeiten während der SED-Diktatur in der DDR und wie sie die neu gewonnene Medien- und künstlerischen Freiheit ab 1990 nutzten. In anderen Zeitzeugeninterviews spielten der Runde Tisch der Stadt Leipzig und der Aufbau einer demokratischen Verwaltung in der Stadt eine wichtige Rolle.

 

Kurze Ausschnitte der Gespräche kann man sich auf der Homepage des ABL unter: www.archiv-buergerbewegung.de anschauen. Alle Zeitzeugeninterviews liegen als Videodatei und als Transkript im Archiv nach Voranmeldung zur Nutzung während der Öffnungszeiten bereit.

 

Das Archiv Bürgerbewegung Leipzig und der Projektverantwortliche Georg Wellbrock danken allen Zeitzeugen und Zeitzeuginnen für ihre Bereitschaft sich vor der Kamera an ihr Leben und die Transformationszeit um und nach 1989/1990 zu erinnern. 

 

Wir wünschen allen Besuchern der Website spannende Entdeckungen und neue Erkenntnisse.

 

Uwe Schwabe

Vorstandsvorsitzender ABL e.V.

 

 

Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsichen Landtag beschlossenen Haushaltes.


Vor dem Impfgipfel: Patente für die Dauer der Pandemie aussetzen

Impfgipfel * Covid-19 * Patente * Corona

 

(Berlin/bfw) - Die aktuelle Diskussion um  Produktionsengpässe bei Corona-Impfstoffen in der EU blendet globale Herstellungsmöglichkeiten bisher weitgehend aus. Dabei ließen sich Engpässe schneller beheben, wenn Produktionsstätten in Ländern wie Südafrika oder Indien in die Lieferkette einbezogen würden. „Es muss jetzt schnellstens weltweit geprüft werden, welche Unternehmen technologisch in der Lage sind, Impfstoffe oder auch Komponenten von Impfstoffen in der erforderlichen Qualität herzustellen“, sagt Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt.

„Wir können Corona nur global besiegen. Je schneller das gelingt, desto geringer können weltweit die Zahl der Toten und die sozialen und wirtschaftlichen Kosten der Lockdowns gehalten werden. Es sollte deshalb das Gebot der Stunde sein, Produktionskapazitäten global auszuweiten, nicht nur in der EU“, sagt Füllkrug-Weitzel. „So könnte man auch die Preise senken und den Impfstoff für arme Länder und Bevölkerungsgruppen ohne Krankenversicherung erschwinglicher machen.“ Der US-Pharmakonzern Johnson und Johnson plant bereits, Fertigungsschritte an eine südafrikanische Firma zu vergeben. Füllkrug-Weitzel: „Die Welthandelsorganisation diskutiert, die Patent- und geistigen Eigentumsrechte an COVID-19-Impfstoffen sowie Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten für die Dauer der Pandemie auszusetzen, aber Deutschland verhält sich äußerst zurückhaltend dieser Möglichkeit gegenüber.“ Ziel müsse sein, zügig ausreichend sichere und erschwingliche Vakzine für die Impfung von Risikogruppen weltweit herzustellen.

 

 

Brot für die Welt setzt sich dafür ein, dass Impfstoffe und Medikamente gegen Corona allen Menschen als globales öffentliches Gut zur Verfügung stehen. Dies umso mehr, als in die Impfstoffentwicklung sehr viel öffentliche Gelder geflossen sind. Aktuell gibt es für die gesamte Afrikanische Union (AU) nur 300 Millionen Impfdosen, das reicht bei einer Bevölkerung von 1,2 Milliarden Menschen bei weitem nicht aus. Auf dem afrikanischen Kontinent droht derzeit ein rasanter Anstieg der Infektionszahlen. Gemeinsam mit Partnerorganisationen in aller Welt stattet Brot für die Welt Gesundheitseinrichtungen mit Material und Know How über Corona aus und schafft so die Grundlage für spätere Impfkampagnen. 


Evangelische Kirchen und DGB setzen beim Impfen auf Aufklärung

(Stuttgart/pm) - Die Evangelische Landeskirche in Württemberg, die Evangelische Landeskirche in Baden und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) schalten sich in die Diskussion um die Corona-Impfungen ein. Beide Landeskirchen und der DGB lehnen Privilegien für Geimpfte ab. „Das ist eine Phantomdiskussion, solange zu wenig Impfstoff vorhanden ist“, sagten die beiden Landesbischöfe Frank Otfried July (Württemberg) und Jochen Cornelius-Bundschuh (Baden) sowie der DGB-Vorsitzende Martin Kunzmann nach ihrem digitalen Jahresauftaktgespräch, an dem auch Vertreterinnen und Vertreter der DGB-Mitgliedsgewerkschaften teilgenommen haben. Not tue Aufklärung beim Thema Impfen und nicht Ausgrenzung und Druck gegenüber Menschen, die Bedenken hätten sich impfen zu lassen. Die Bereitschaft zum Impfen sei in Baden-Württemberg hoch.

 

Die Kirchen und die Gewerkschaften eint ihr Engagement gegen rechte Ideologien, gegen Rassismus und Gewalt. Die Bischöfe und der DGB-Landesvorsitzende kündigten an, eine gemeinsame Arbeitsgruppe zu gründen, um gemeinsam Strategien zur Aufklärung über Rechtsextremismus zu entwickeln. Enger kooperieren wollen die drei Organisationen auch bei der Beratung von entsendeten Beschäftigten aus dem europäischen Ausland. Der DGB unterhält im Rahmen des Projektes „Faire Mobilität“ zwei Beratungsstellen im Südwesten: eine in Stuttgart und eine in Mannheim. Die kirchliche Arbeitnehmerseelsorge engagiert sich ebenfalls in der Beratung von Beschäftigten, etwa Fernfahrern.


Betreuung in Kitas ist unbedingt sicherzustellen

Alleinerziehende brauchen mehr Unterstützung

(Dortmund/pm) - Die katholische Arbeitsgemeinschaft Interessenvertretung Alleinerziehende (AGIA) fordert von den Verantwortlichen in der Politik, für Alleinerziehende die Inanspruchnahme von Notbetreuung in Kitas sicherzustellen. Unbedingt zu vermeiden ist die bestehende Erklärungsnot, in die Alleinerziehende immer wieder geraten.

Alleinerziehende treffen die weiterhin notwendigen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung besonders hart. Gerade bei jüngeren Kindern bringt die Schließung von Kitas und Schulen diese Gruppe oftmals an die Belastungsgrenze. Für sie ist es deutlich schwieriger als für Paarfamilien, das Leben mit Kindern in der Pandemie zu organisieren. Je länger der Lockdown dauert, desto weniger gelingt der Balanceakt zwischen Kinderbetreuung, Unterricht zu Hause und der eigenen Erwerbsarbeit. Für viele spitzt sich die Situation noch zu, wenn kranke Kinder oder Kinder mit besonderem Fürsorgebedarf versorgt werden müssen.

Alleinerziehende Mütter und Väter brauchen Perspektiven und eine verlässliche Unterstützung. So muss das beschlossene Kinderkrankengeld unbürokratisch und niedrigschwellig abgewickelt und auf die Betreuung von Kindern bis 14 Jahre ausgeweitet werden. Denn auch Kinder zwischen 12 und 14 Jahren können nicht längere Zeit unbeaufsichtigt zuhause bleiben. Die Verlängerung des Kinderkrankengelds muss zudem alle Familien im Blick haben, d.h. auch alleinerziehende Selbständige müssen Ansprüche geltend machen können.

Die katholische Arbeitsgemeinschaft Interessenvertretung Alleinerziehende (AGIA) setzt sich neben sozialen und wirtschaftlichen Belangen für eine Veränderung des Blickwinkels und eine Wertschätzung der Lebensform „alleinerziehend“ ein.

Trägerverbände der Arbeitsgemeinschaft Interessenvertretung Alleinerziehende (AGIA) sind: Katholischer Deutscher Frauenbund (KDFB), Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), Sozialdienst katholischer Frauen Gesamtverein e. V. (SkF), Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und die Katholische Bundesarbeitsgemeinschaft für Einrichtungen der Familienbildung (BAG).



 

 


Präsidenten von französischem Senat und deutschem Bundestag unterstützen Begegnungskapelle in Straßburg

„Orte der Begegnung stärken Frieden und Freundschaft“

(Kehl/Straßburg/pm) - Die Restaurierung der deutsch-französischen Begegnungs- und Versöhnungskapelle in Straßburg bekommt prominente Unterstützung. Der Präsident des französischen Senats, Gérard Larcher, und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble machen sich jetzt gemeinsam für das Projekt stark. „Nach einer persönlichen Begegnung legten Charles de Gaulle und Konrad Adenauer Ende den 1950er Jahre den Grundstein der französisch-deutschen Freundschaft. Um diese in der Gesellschaft weiter zu stärken, helfen Orte wie die Chapelle de la Rencontre“, erklärte Schäuble.

Seit mehr als drei Jahren engagieren sich Christen im Elsass und in Baden für die Sanierung der „Chapelle de la Rencontre“. Die „Kapelle der Begegnung“ wurde 1948, kurz nach Kriegsende, als Projekt der Versöhnung erbaut. Sie befindet sich an der deutsch-französischen Grenze, im Straßburger Rheinhafenviertel, nahe der Europabrücke. „Hier begegnen sich seit Jahrzehnten Franzosen, Deutsche und viele andere. Das Gebäude ist über 70 Jahre alt und nur noch sehr eingeschränkt nutzbar. Deshalb wollen wir es für die Zukunft sanieren. Dank vieler Spender, dem Engagement vor Ort, aber auch durch Zuschüsse von Staat und Kirchen aus Frankreich und Deutschland, konnten wir dafür fast schon 400.000 Euro einwerben“, berichten Pastorin Roos Van De Keere (Straßburg) und Dekan Günter Ihle (Kehl), die als deutsch-französisches Seelsorgeteam an der Chapelle wirken.

Auch für die Kirchenleitungen in Straßburg und Karlsruhe ist die „Chapelle“ eine Herzensangelegenheit. Für Christian Albecker, Präsident der Vereinigung Protestantischer Kirchen in Elsass und Lothringen (Straßburg) ist das Projekt „ein schöner Ausdruck der deutsch-französischen Freundschaft und eines Europas, nach dem wir streben: geschwisterlich, solidarisch und offen.“ Jochen Cornelius-Bundschuh, Bischof der badischen Landeskirche (Karlsruhe) betonte: „Die Kapelle öffnet für uns wichtige Türen der Verständigung und Begegnung: In Erinnerung an das Kriegsgeschehen, im Bekenntnis zu Europa, zur Menschlichkeit, zum Miteinander und nicht zuletzt zu unserem Glauben.“

Im Frühjahr 2021 wollen Kirchenpräsident Albecker und Landesbischof Cornelius-Bundschuh mit einem symbolischen Spatenstich den Beginn der umfangreichen Sanierungsarbeiten begehen. Die Engagierten auf beiden Seiten des Rheins werben weiter um Spenden. Sie sind zuversichtlich, die fehlenden rund 300.000 Euro bis Ende 2023 zusammen zu bekommen. „Wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind, kann die Kapelle wieder Raum sein für unzählige Begegnungen zwischen Franzosen, Deutschen und allen Menschen, die sich für Versöhnung und Frieden, Freiheit und Freundschaft in Europa einsetzen“, erklärten Roos van de Keere und Günter Ihle.


Neue Studie wertet Daten der EU-Mitgliedsstaaten aus

EU-Klimafinanzierung braucht einheitliche Regeln

 

 

Klimafinanzierung * Studie * EU * ACT Alliance EU

 

 

 

(Berlin/bfw) - Im Rahmen des Pariser Klimaabkommens haben die Industriestaaten versprochen, ab dem Jahr 2020 jährlich 100 Mrd. US-Dollar bereitzustellen, um die ärmsten Staaten in der Klimakrise zu unterstützen. Eine neue Studie im Auftrag von Brot für die Welt mit dem Bündnis ACT Alliance EU belegt, dass es signifikante Unterschiede in den Klimahilfen der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten gibt.  

 

„Wir stecken bereits mitten in einer Klimakrise. Für ärmste Bevölkerungsgruppen in den Hotspots des Klimawandels ist die Situation schon jetzt sehr kritisch. Sie können die Folgen des Klimawandels nur bewältigen, wenn sie angemessen unterstützt werden“, sagt Cornelia Füllkrug-Weitzel, die Präsidentin von Brot für die Welt. „Die versprochenen Klimahilfen der reichen Industriestaaten werden dringend benötigt. Dafür braucht es klare und einheitliche Regeln.“

 

Die Studie belegt, dass die Europäische Union kein einheitliches Verständnis von der Verantwortung hat, die sie gegenüber den ärmsten Bevölkerungsgruppen trägt. Im Jahr 2018 haben nur drei europäische Staaten – Schweden, Deutschland und auch das EFTA-Land Norwegen - mehr als 0,1 Prozent ihres Bruttoinlandprodukts (BIP) für Klimafinanzierung bereitgestellt. Kein Land hat 0,2 Prozent erreicht. Belgien und Österreich liefern nur 0,02 Prozent ihres BIP. Andere schneiden noch schlechter ab wie etwa Portugal mit 0,0008 Prozent seines BIP. Mit insgesamt 6,3 Mrd. Euro hat Deutschland 2018 im Vergleich zu den anderen Mitgliedsstaaten den höchsten Beitrag zur Klimafinanzierung geleistet. Davon waren jedoch nur 56 Prozent (3,5 Mrd. Euro) wirkliche Klimahilfen, der Rest muss von den Entwicklungsländern größtenteils zurückgezahlt werden.

 

Die Studie zeigt auch, dass nur wenige EU-Mitgliedsstaaten wie Dänemark und die Niederlande der Erwartung der ärmsten Länder nachkommen und die Mittel für Klimafinanzierung als Schenkungen vergeben. Deutschland, Frankreich und Spanien dagegen stellen Klimahilfen zum Großteil als Kredite bereit, die teilweise mit Zinsen zurückgezahlt werden müssen. „Die EU-Mitgliedsstaaten tragen durch ihre Emissionen eine historische Verantwortung für den menschengemachten Klimawandel. Es ist daher ungerecht, wenn sie den ärmsten Bevölkerungsgruppen Kredite statt echte Klimahilfen bereitstellen“, sagt Füllkrug-Weitzel. „Während Kredite die ärmsten Staaten immer tiefer in die Schuldenkrise führen können, profitieren die reichen Staaten unter Umständen sogar durch die Zinsen. Das entspricht weder unserem Verständnis von Klimagerechtigkeit, noch kann das der faire Umgang mit den Folgen der Klimakrise sein.“

 

Laut UN-Vereinbarungen soll die Klimafinanzierung „neu und zusätzlich“ zu der Entwicklungszusammenarbeit sein. Die Vereinten Nationen hatten sich das Ziel gesetzt, dass die Industrieländer 0,7 Prozent ihres Bruttonationaleinkommens (BNE) für öffentliche Entwicklungszusammenarbeit einsetzen (Official Development Assistance – ODA-Quote). Die EU-Mitgliedsstaaten erkennen die Notwendigkeit an, dass die Klimahilfen neu und zusätzlich zu ODA sein müssen. Da bislang jedoch nur wenige Länder das 0,7-Prozent-Ziel erfüllen, sind die Klimahilfen zumeist nicht zusätzlich. Eine positive Ausnahme ist Schweden: Das Land weist nur die Klimahilfen aus, die über die Verpflichtungen für die Entwicklungszusammenarbeit hinausgehen. „Wenn man in Deutschland die schwedische Rechenformel anwenden würde, so würde die deutsche Klimafinanzierung gar nicht mehr existieren, da wir das 0,7-Prozent-Ziel nicht erreichen“, kritisiert Sabine Minninger, Klimaexpertin von Brot für die Welt. 

 

Die Studie „Setting the Standard“ wertet die Daten aus dem Jahr 2018 aus, die die EU- und die EFTA-Mitgliedsstaaten an die Europäische Union, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die Vereinten Nationen berichtet haben.

 

Studie „Setting the Standard“ https://bit.ly/3ibJsCI

 

 

 

Blog https://www.brot-fuer-die-welt.de/blog/2021-eu-klimafinanzierung-braucht-einheitliche-regeln/

 


Kinderrechte ins Grundgesetz: SOS-Kinderdorf kritisiert Formulierung der Regierungsparteien

(München/sos) Nach jahrelangem Ringen ist es SPD und Union gelungen, sich auf einen Kompromiss zur Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz zu verständigen. Der nun beschlossene Regelungstext, mit dem Artikel 6 des Grundgesetzes ergänzt werden soll, hält SOS-Kinderdorf jedoch für unzureichend und ungeeignet, Kinderrechte tatsächlich zu stärken.

 

SOS-Kinderdorf fordert seit langem die Aufnahme von Kinderrechten in der Verfassung und eine damit verbundene Stärkung der Rechte von Kindern. Die nun vorgelegte Formulierung der Koalition reicht aus Sicht des Vereins jedoch bei weitem nicht aus. Die geplante Ergänzung zu Absatz 2 des Artikels 6 liest sich wie folgt: "Die verfassungsmäßigen Rechte der Kinder einschließlich ihres Rechts auf Entwicklung zu eigenverantwortlichen Persönlichkeiten sind zu achten und zu schützen. Das Wohl des Kindes ist angemessen zu berücksichtigen. Der verfassungsrechtliche Anspruch von Kindern auf rechtliches Gehör ist zu wahren. Die Erstverantwortung der Eltern bleibt unberührt."

 

Diese Formulierung fällt allerdings hinter die UN-Kinderrechtskonvention und die aktuelle Rechtsprechung zurück. Eine lediglich angemessene Berücksichtigung des Kindeswohls spiegelt den in Artikel 3 der UN-Kinderrechtskonvention enthaltene Kindeswohlvorrang in seiner Bedeutung nicht wider. Auch, dass der verfassungsrechtliche Anspruch von Kindern auf rechtliches Gehör zu wahren sei, ist aus Sicht von SOS-Kinderdorf völlig unzureichend: Dieser Satz wird dem viel breiter gefassten Recht auf Beteiligung nicht gerecht. Zudem ist der Anspruch auf rechtliches Gehör bereits jetzt über Absatz 1 des Artikels 103 im Grundgesetz gesichert. „Um Kinderrechte tatsächlich zu stärken, braucht es eine Formulierung für die Verankerung im Grundgesetz, die die Prinzipien der UN-Kinderrechtskonvention widerspiegelt. Dies muss den Kindeswohlvorrang sowie das Recht auf Schutz, Förderung und Beteiligung umfassen“, betont Luise Pfütze, Advocacy-Referentin von SOS-Kinderdorf e.V.

 

Dass die Rechte von Kindern in Deutschland nur unzureichend berücksichtigt werden, hat sich während der Corona-Pandemie noch einmal verstärkt gezeigt: Die Bildungsungerechtigkeit hat sich verschärft und bestehende Armutslagen haben sich noch verschlimmert. „Die Interessen und Bedürfnisse der jüngsten Mitglieder der Gesellschaft sowie ihr Recht auf Beteiligung wurden in der Krise viel zu wenig beachtet“, so Luise Pfütze weiter.

 

 

 

Der SOS-Kinderdorf e.V.:

 

SOS-Kinderdorf bietet Kindern in Not ein Zuhause und hilft dabei, die soziale Situation benachteiligter junger Menschen und Familien zu verbessern. In SOS-Kinderdörfern wachsen Kinder, deren leibliche Eltern sich aus verschiedenen Gründen nicht um sie kümmern können, in einem familiären Umfeld auf. Sie erhalten Schutz und Geborgenheit und damit das Rüstzeug für ein gelingendes Leben. Der SOS-Kinderdorfverein begleitet Mütter, Väter

 

oder Familien und ihre Kinder von Anfang an in Mütter- und Familienzentren. Er bietet Frühförderung in seinen Kinder- und Begegnungseinrichtungen. Jugendlichen steht er zur Seite mit offenen Angeboten, bietet ihnen aber auch ein Zuhause in Jugendwohngemeinschaften sowie Perspektiven in berufsbildenden Einrichtungen. Ebenso gehören zum SOS-Kinderdorf e.V. die Dorfgemeinschaften für Menschen mit geistigen und seelischen Beeinträchtigungen. In Deutschland helfen in 39 Einrichtungen insgesamt rund 4.400 MitarbeiterInnen. Der Verein erreicht und unterstützt mit seinen über 800 Angeboten rund 109.500 Menschen in erschwerten Lebenslagen in Deutschland. Darüber hinaus finanziert der deutsche SOS-Kinderdorfverein 173 SOS-Einrichtungen in 29 Ländern weltweit.

 

Mehr Informationen unter www.sos-kinderdorf.de

 


Familienbund: Das geltende Verfassungsrecht schützt Kinder immer noch am besten!

(Trier/Berlin/bt), den 13. Januar 2021 – Angesichts des bekanntgewordenen Formulierungsvorschlags der großen Koalition, Kinderrechte in der Verfassung sichtbar zu machen, spricht sich der Familienbund der Katholiken im Bistum Trier gegen eine Verfassungsänderung aus. Der neue wortreiche Passus, auf dem sich die große Koalition nun geeinigt hat, scheint zwar mit Blick auf die Einschränkung von Elternrechten weitgehend entschärft, bleibt aber für die Stellung von Kindern in unserem Rechtssystem folgenlos und bietet Anlass für Missverständnisse. Zu dieser Einschätzung kommt der Familienbund in einer ersten Reaktion auf die Ankündigung der Regierungskoalition.„Das geltende Verfassungsrecht schützt Kinder immer noch am besten. Es wird auch weiter die konkrete Einzelgesetzgebung sein, wie die Kinder- und Jugendhilfe, die die Lebenslage von Kindern konkret verändern können, nicht die abstrakte Verfassungsgesetzgebung“, fasst die Vorsitzende des  Familienbundes der Katholiken im Bistum Trier Hildegard Weber die Bewertung des Familienverbandes zusammen.

 

Erleichtert zeigt sich der familienpolitische Fachverband, dass die primäre Erziehungszuständigkeit der Eltern unangetastet bleiben soll. Die jetzt vorgeschlagene Formulierung enthält den ausdrücklichen Satz: „Die Erstverantwortung der Eltern bleibt unberührt.“ „Das ist ein Fortschritt“, so Weber, „der mögliche rechtliche Nebenwirkungen einer Verfassungsänderung, wie Eingriffe in die Eltern-Kind-Beziehung, verhindern soll. Jede Textänderung birgt jedoch auch die Gefahr einer unbeabsichtigten Inhaltsänderung. Daher spricht sich der Familienbund dafür aus, angesichts einer allgemein als gut erachteten verfassungsrechtlichen Regelung, von einer Verfassungsänderung abzusehen.

 

„Es bleibt widersinnig, eine Verfassungsänderung mit der Zielsetzung durchzuführen, dass sich möglichst wenig ändern soll, weil die derzeitige Rechtslage gut ist. Das Sichtbarmachen bereits bestehender Kindergrundrechte kann keine Rechtfertigung sein.“

 

Der von den Koalitionären jetzt vorgelegte Formulierungsvorschlag verweist darauf, dass die ‚verfassungsmäßigen‘ Rechte der Kinder zu achten und zu schützen sind und der ‚verfassungsrechtliche‘ Anspruch von Kindern auf rechtliches Gehör zu wahren ist. Der Koalitionsentwurf bringt damit zum Ausdruck, dass kein neues Kindergrundrecht geschafften werden soll, sondern vielmehr die bestehenden verfassungsmäßigen Rechte noch einmal bekräftigt werden sollen. Der Familienbund begrüßt auch, dass die Kinderrechte „angemessen“ und nicht generell allen anderen Rechten „vorrangig“ zu berücksichtigen sind. Das ermöglicht eine sachgerechte Abwägung im Einzelfall, die immer auch die eminent wichtige Stellung von Kindern in unserer Gesellschaft mitberücksichtigt. Die neue Formulierung begrenze zwar die Probleme, sie sei aber weiterhin überflüssig.

 

„Es bleibt widersinnig, eine Verfassungsänderung mit der Zielsetzung durchzuführen, dass sich möglichst wenig ändern soll, weil die derzeitige Rechtslage gut ist. Das Sichtbarmachen bereits bestehender Kindergrundrechte kann keine Rechtfertigung sein. Zum einen sind die Kindergrundrechte bereits sichtbar. Wenn das Grundgesetz, die Rechte aller beschreibt, ergibt sich zweifellos, dass auch Kinder gemeint sind. Zum anderen birgt jede Textänderung der Verfassung die Gefahr einer unbeabsichtigten Inhaltsänderung. Eine solche Gefahr sollte man bei einer von allen Seiten als gut beschriebenen Rechtslage nicht eingehen", so die Vorsitzende Hildegard Weber abschließend.

 

Der Familienbund der Katholiken ist der mitgliederstärkste Familienverband Deutschlands.

 

Ihm gehören 25 Diözesan-, 10 Landes- sowie 15 Mitgliedsverbände an.

 


70 Ökonominnen und Ökonomen fordern Lieferkettengesetz

Lieferkettengesetz * Ökonomen * Aufruf

 

(Berlin/bfw) - In einem heute veröffentlichten Aufruf sprechen sich 70 Wirtschaftswissenschaftlerinnen und Wirtschaftswissenschaftler für die Einführung eines Lieferkettengesetzes in Deutschland aus. Das Vorhaben ist zwischen den Koalitionsparteien seit Monaten umstritten. Nach Angaben aus Regierungskreisen sollen die Streitpunkte heute in einem Spitzengespräch zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) ausgeräumt werden. In dem Aufruf setzen sich die unterzeichnenden Ökonominnen und Ökonomen, darunter auch die Wirtschaftsethiker Prof. Dr. Peter Ulrich und Prof. Dr. Bernhard Emunds, dafür ein, dass Deutschland die menschenrechtlichen und umweltbezogenen Sorgfaltspflichten von Unternehmen gesetzlich regelt. Aus wirtschaftswissenschaftlicher Perspektive sei ein Lieferkettengesetz notwendig und machbar.

 

Prof. Dr. Hansjörg Herr hat den Aufruf mitinitiiert und erläutert: „Am Weltmarkt haben sich Lieferketten durchgesetzt, die zu erheblichen sozialen und ökologischen Kosten führen – das ist ein Markt- und Politikversagen. Ein umfassendes Sorgfaltspflichtengesetz kann dem entgegenwirken.“ Prof. Dr. Elisabeth Fröhlich, Präsidentin der CBS International Business School, ergänzt: „Gerade Deutschland mit seinen hohen Leistungsbilanzüberschüssen und der ökonomischen Abhängigkeit vom Welthandel muss eine regulierte nachhaltige Globalisierung fördern, damit die hiesige Wirtschaft zukunftsfähig bleibt.“

 

Der Mitunterzeichner Dr. Frank Hoffer, langjähriger Mitarbeiter der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und ehemaliger Geschäftsführer von ACT, der Initiative von Textilunternehmen und Gewerkschaften für existenzsichernde Löhne in der Textilindustrie, macht deutlich: „Ein Lieferkettengesetz verhindert unerwünschte Wettbewerbsvorteile durch schlechtere Arbeitsbedingungen, Armutslöhne oder unterlassene Investitionen in Arbeits- und Umweltschutz. Die Leistungen von Unternehmen, die sich schon jetzt für nachhaltige Lieferketten engagieren, werden durch ein solches Gesetz anerkannt und andere Unternehmen werden motiviert es ihnen gleich zu tun.“

 

Menschenrechts-, Entwicklungs- und Umweltorganisationen sowie Gewerkschaften und kirchliche Akteure fordern schon lange die Einführung eines wirksamen Lieferkettengesetzes. Dazu haben sie sich zur „Initiative Lieferkettengesetz“ zusammengeschlossen. „Wir begrüßen den Aufruf, denn er zeigt, wie wichtig ein Lieferkettengesetz auch aus ökonomischer Perspektive ist. Die Bundesregierung hat ein Lieferkettengesetz im Koalitionsvertrag zugesagt. Doch die Legislaturperiode endet bald – die Zeit zu handeln ist also jetzt", betont Johanna Kusch, Sprecherin der Initiative Lieferkettengesetz.

 

Das Bündnis umfasst mittlerweile 123 Organisationen, darunter auch das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt. Dr. Klaus Seitz, Leiter der Politikabteilung von Brot für die Welt, unterstreicht: „Unternehmen, die für Schäden an Mensch und Umwelt in ihrer Lieferkette verantwortlich sind, müssen auch dafür haften. Es ist höchste Zeit, dass Sorgfaltspflichten zum Schutz von Menschenrechten und Natur in einem Lieferkettengesetz festgeschrieben werden. Ein solches Gesetz stärkt die schwächsten Glieder der globalen Lieferketten und bahnt den Weg zu einer fairen und nachhaltigen Wirtschaftsweise.“

 

 

 

Weiterführende Informationen:

 

         Der Aufruf von 70 Ökonominnen und Ökonomen zur Einführung eines Lieferkettengesetzes in Deutschland findet sich hier: https://www.business-humanrights.org/de/neuste-meldungen/aufruf-gesetz-oekonominnen/

 


Warnung vor langfristigen Kita- und Schulschließungen

Familienbund kritisiert Corona-Politik

Foto: privat
Foto: privat

 

 

(Berlin/Trier/bt) – Der Familienbund der Katholiken warnt im Kampf gegen die Corona-Pandemie vor dem Entstehen einer „lost generation“ (verlorenen Generation) von Kindern und Jugendlichen aufgrund wiederholter oder langanhaltender Kita- und Schulschließungen sowie mangelnder persönlicher Beziehungen. Bei aller Anerkennung der nötigen Einschränkungen im Kampf gegen die Pandemie spricht sich der Präsident des Familienbunds, Ulrich Hoffmann, nachdrücklich für eine rasche Rückkehr von Kindern und Jugendlichen in Kitas und Schulen aus. Zugleich mahnt er deutliche Verbesserungen bei Hygiene- und Unterrichtskonzepten sowie der technischen und räumlichen Ausstattung von Schulen und Kitas an.

 

„Eine Politik, die die Corona-Pandemie in den Griff bekommen will, ohne Kinder und Jugendliche angemessen zu beachten, gefährdet die Zukunftschancen einer ganzen Generation“, sagte Hoffmann heute in Berlin anlässlich der neuerlichen Beratungen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Fortsetzung des Lockdowns in Deutschland. Bildungsökonomen wiesen bereits auf die fatalen Folgen von Bildungs- und Qualifikationseinbußen auf spätere Gehälter und Renten hin, bis hin zu einem größeren Anteil von Geringqualifizierten auf dem Arbeitsmarkt. Kitas und Schulen weiter zu schließen, bedeute, Kindern und Jugendlichen eine ihrer wichtigsten Entwicklungsgrundlagen zu nehmen. Ein menschenwürdiges Aufwachsen sei für Kinder und Jugendliche gleichbedeutend mit der Chance zu lernen, mit dem Recht auf Bildung und dem Leben sozialer Beziehungen. Wer Kitas und Schulen schließe, müsse auch klare und akzeptable Alternativen für Kinder, Jugendliche und Eltern formulieren und umsetzen. „Diese Antworten bleibt die Politik seit Beginn des ersten Lockdown vor nun fast einem Jahr schuldig. Bis heute fehlen sowohl der erkennbare politische Wille als auch die politische Phantasie, Kitas und Schulen in der Pandemie mit Expertenwissen digital, didaktisch und baulich so zu ertüchtigen, dass Kinder, Jugendliche und Eltern nicht zu den Verlierern der Krise werden – mit langfristigen gesellschaftlichen Folgen.“

 

Hoffmann erneuerte seine Forderung nach einem nationalen Familiengipfel, um im Jahr 2021 die Bekämpfung der Pandemie mit den Lebensbedingungen von Familien abzustimmen und für wirkungsvolle Hilfsangebote zu sorgen. Dazu könnten etwa eine Corona Elternzeit oder ein Corona-Elterngeld ebenso gehören wie bezahlter Urlaub für Eltern oder eine Betreuungsgarantie für Schüler und Kita-Kinder. Eine weitere Mehrfachbelastung von Eltern aus Homeoffice, Hausunterricht, Haushalt, Kochen und Erziehungsarbeit dürfe es nicht geben. Fragen würden auch die aktuellen technologischen Förderschwerpunkte hierzulande aufwerfen, so Hoffmann: „Während junge und innovative Start-up-Unternehmen mit Milliardenhilfen unterstützt werden, kämpfen Schulsekretariate in Zeiten der Corona-Pandemie mit einer funktionierenden telefonischen Erreichbarkeit. Das ist Ausdruck einer verzerrten und skurrilen Schwerpunktsetzung auf dem Gebiet der Technologieförderung. Zukunftsinvestitionen dürfen aber gerade an Schulen nicht vorbeigehen.“ Die Corona-Pandemie offenbare die Schwächen der Infrastruktur in unserer Gesellschaft. Dazu gehöre auch die didaktische Fortbildung von Lehrern für digitales Unterrichten und eine zeitgemäße Pädagogik wie das Lernen in kleinen Gruppen.“

 

Mehr Informationen unter: www.familienbund.org.

 

 

 


Aktionswoche der Jugendorganisationen von Brot für die Welt, Amnesty International und Plan International e.V.

Lieferkettengesetz: Jugendliche fordern globale Verantwortung

Lieferkettengesetz * Jugendorganisationen * Aktionswoche * Podiumsdiskussion * Bundestagswahl

 

(Berlin/bfw) - Mit einer Aktionswoche unter dem Motto „Wenn niemand hinschaut“ unterstützen Amnesty Jugend, Brot für die Welt Jugend, der Jugendbeirat von Plan International Deutschland und weitere Jugendnetzwerke die Forderung nach einem wirksamen Lieferkettengesetz. Vom 7. bis zum 15. Januar 2021 gibt es täglich informative Beiträge und ein virtuelles Programm. Aufgrund der Corona-Pandemie wird die Aktionswoche größtenteils online über die Social-Media-Kanäle der Jugendorganisationen stattfinden, geplant sind aber auch Straßenaktionen in verschiedenen deutschen Städten. Höhepunkt ist am 14. Januar eine digitale Podiumsdiskussion mit Gyde Jensen (MdB, FDP, Vorsitzende Ausschuss für Menschenrechte), Matthias Zimmer (MdB, CDU, Ausschuss für Menschenrechte & Arbeit und Soziales), der Firma VAUDE und jungen Aktivist*innen.

 

„Deutsche Unternehmensgewinne beruhend auf Ausbeutung und Menschenleben, meist im globalen Süden, sind für uns als junge Generation einfach nicht mehr hinnehmbar. Dass sich der politische Prozess um das Lieferkettengesetz seit Monaten verzögert, macht mich wütend“, erklärt Georg Freier (20) von Brot für die Welt Jugend. SPD und CDU haben nur noch bis zum Ende der Legislaturperiode im September Zeit, um ihre Koalitionsversprechen umzusetzen. Dazu gehört auch das Lieferkettengesetz. Auch deshalb liegt die Aktionswoche symbolisch zu Beginn des Bundeswahljahres 2021.

 

„Ich finde es toll, dass wir uns als aktive Jugendliche und junge Erwachsene verbünden und gemeinsam Aktionen planen. So viele von uns setzen sich für Klimaschutz, globale Gerechtigkeit und andere wichtige Themen ein. Wenn wir zusammenarbeiten, wird man uns nicht mehr überhören können“, ist Paula Janßen (19) vom Plan-Jugendbeirat überzeugt.

 

Das Lieferkettengesetz soll deutsche Unternehmen verpflichten, Menschenrechts- und Umweltstandards in ihren weltweiten Lieferketten einzuhalten. Eine Umfrage der Bundesregierung ergab, dass nur circa 20 Prozent der Unternehmen ihren menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten entlang der Wertschöpfungskette nachkommen.

 

Das Programm der gesamten Aktionswoche und weitere Informationen zur Teilnahme finden sich auf der Homepage der Brot für die Welt Jugend.

 

 

Das Programm der Aktionswoche finden Sie hier: https://www.brot-fuer-die-welt.de/jugend/blog/2020-wennniemandhinschaut-aktionswoche-im-januar/


Bundespräsident Steinmeier sendet Video-Botschaft an die Sternsinger

„Ihr seid ein Lichtblick in dieser schwierigen Zeit!“

(Berlin/pm) - Liebe Sternsinger, Euer Einsatz und Eure Hilfsbereitschaft machen die Welt heller. Sie leuchten gerade in diesem Jahr besonders hell! Wir danken Euch sehr dafür!“ Mit diesen Worten hat sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gemeinsam mit seiner Frau Elke Büdenbender in einer Video-Botschaft an die hunderttausenden Sternsinger in ganz Deutschland gewandt und ihnen für ihr großes Engagement gedankt. „Bestimmt seid Ihr alle traurig und enttäuscht, dass Ihr in diesem Jahr nicht an die Türen klopfen könnt – meine Frau und ich sind es auch. Euer Besuch bei uns ist für uns immer ein Geschenk zu Jahresbeginn. Leider lässt die Corona-Pandemie das in diesem Jahr nicht zu, aber wir möchten Euch auf diesem Weg sagen: Ihr seid ein Lichtblick in dieser schwierigen Zeit!“, so Bundespräsident Steinmeier in der rund dreiminütigen Video-Grußbotschaft.

 

Die Sternsinger Ella (10), Malou (12), Cleo (10) und Josann (6) aus der katholischen Kirchengemeinde St. Martinus in Hürth-Fischenich hatten Bundespräsident Steinmeier und seiner Frau Elke Büdenbender  stellvertretend für die rund 300.000 engagierten Mädchen und Jungen eine Video-Botschaft nach Berlin gesendet und ihre Segenswünsche digital übermittelt. „Der Segen kommt diesmal auf ganz neuem Weg und bleibt alle Tage im Jahr. Wir wünschen ein gutes, gesundes und keins, das ist, wie das vorige war“, sagten die Sternsinger, die zudem ein Segenspaket mit geweihter Kreide und einen Segensaufkleber ins Schloss Bellevue geschickt hatten.

 

Normalerweise besuchen die Sternsinger traditionell am 6. Januar den Bundespräsidenten im Schloss Bellevue und schreiben den Segen „Christus mansionem benedicat“ (Christus segne dieses Haus) an das Schlossportal. Aufgrund der Corona-Pandemie war der persönliche Besuch in diesem Jahr nicht möglich. 

 

„Ihr tut etwas ganz Kostbares: Ihr setzt Euch ein für andere. Ihr helft Menschen, denen es schlechter geht: Kindern in ärmeren Ländern, Kindern, die es oft sehr schwer haben im Leben“, sagte Bundespräsident Steinmeier an die Sternsinger gerichtet. „Gerade Kinder in ärmeren Teilen der Welt leiden wegen der Corona-Pandemie noch mehr, und gerade deshalb ist es so wichtig, dass Ihr Euch für sie engagiert! Ihr seid ein Vorbild für alle Menschen in unserem Land!“ 

 

Spende für Caritas Ukraine

Mit seiner Spende unterstützt der Bundespräsident in diesem Jahr die Caritas Ukraine, ein Projektpartner des Kindermissionswerks ‚Die Sternsinger‘. In elf Tageszentren im ganzen Land bietet die Caritas den Kindern psychologische Betreuung und Seelsorge, Hausaufgabenhilfe, Kunst- und Handwerkskurse, Ausflüge und Sommercamps an. In Veranstaltungen zu den Kinderrechten lernen die Mädchen und Jungen, ihre Rechte zu artikulieren und einzufordern. Viele ukrainische Kinder wachsen mit nur einem Elternteil, bei Großeltern, anderen Verwandten oder in Pflegefamilien auf, weil die Eltern im Ausland arbeiten müssen. Die Ukraine ist das Beispielland der diesjährigen Aktion Dreikönigssingen, der Leitgedanke der Sternsinger in Corona-Zeiten: „Heller denn je – die Welt braucht eine frohe Botschaft!“

 

Segensaufkleber und ein Sternsingerbesuch online

Träger der Aktion Dreikönigssingen sind das Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Seit dem Start der Aktion 1959 sammelten die Sternsinger rund 1,19 Milliarden Euro, mehr als 75.600 Projekte für Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa wurden unterstützt. Unter dem Eindruck der Corona-Pandemie verzichten die Sternsinger derzeit auf die sonst üblichen Besuche der Menschen an den Haustüren. Sie bringen Segensbriefe kontaktlos zu den Menschen oder grüßen per Videobotschaften. Die Spenden werden in den Pfarrgemeinden mit Spendentüten oder per Überweisung gesammelt. Online ist ein Besuch der Sternsinger auch unter www.sternsinger.de erlebbar. Dort besteht auch die Möglichkeit, die Aktion mit einer Spende zu unterstützen. Überweisungen sind möglich über die folgende Bankverbindung: Pax-Bank eG, IBAN: DE 95 3706 0193 0000 0010 31, BIC: GENODED1PAX 


Bundeskanzlerin Angela Merkel dankt Sternsingern in Video-Grußbotschaft

„Ihr spendet nicht nur den Segen. Ihr spendet auch Hoffnung“

(Berlin/kmw) - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich in einer Videobotschaft bei den bundesweit 300.000 Sternsingern bedankt, die wegen der Corona-Pandemie in diesen Tagen auf Haustürbesuche verzichten und die 63. Aktion Dreikönigssingen auf neuen Wegen organisieren. „Danke, dass Ihr auch in diesem Ausnahme-Jahr Hoffnung und Freude verbreitet und anderen Kindern helft“, so die Bundeskanzlerin in ihrem heute veröffentlichten Gruß. „Gerne hätte ich Euch wieder ins Bundeskanzleramt eingeladen und den Segen von Euch persönlich empfangen. Leider ist dies wegen der Corona-Pandemie diesmal nicht möglich.“

Stellvertretend für alle Sternsinger in Deutschland hatten Milla (8), Yannic (13), Jaron (9) und Kilian (6) aus der katholischen Kirchengemeinde St. Martinus in Hürth-Fischenich einen Videogruß für  Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgezeichnet und nach Berlin geschickt. „Der Segen kommt diesmal auf ganz neuem Weg und bleibt alle Tage im Jahr. Wir wünschen ein gutes, gesundes und keins, das ist, wie das vorige war“, grüßten die Sternsinger. Zudem schickten sie ein Segenspaket mit geweihter Kreide und einem Segensaufkleber ins Bundeskanzleramt. 

„Wie jedes Jahr möchte ich Euch von Herzen danken, weil Euer Einsatz so wichtig ist – gerade in diesem Jahr“, sagte die Bundeskanzlerin. „Ihr spendet nicht nur den Segen. Ihr spendet auch Hoffnung. Deshalb ist Euer Motto so richtig: ‚Heller denn je – die Welt braucht eine frohe Botschaft!‘. Diese frohe Botschaft bringt Ihr, auch wenn Ihr es in diesem Jahr in anderer Form als sonst tut. Es ist beeindruckend, wie kreativ und einfallsreich Ihr kontaktloses Sternsingen gestaltet: zum Beispiel indem Ihr Segenspakete versendet oder digitale Besuche in Pflegeeinrichtungen durchführt. Es ist großartig, wie sehr Ihr Euch einsetzt. Dafür danke ich Euch herzlich. Außerdem engagiert Ihr Euch für Kinder in anderen Teilen der Welt, die dringend Unterstützung brauchen, in diesem Jahr ganz besonders für Kinder in der Ukraine. Ich bin beeindruckt, wie viele Spenden Ihr in den letzten Jahren gesammelt habt. Euch Sternsingerinnen und Sternsingern wünsche ich, dass Eure Spendensammlung wieder ein großer Erfolg wird!“

Zum ersten Mal seit 37 Jahren konnten die Sternsinger ihren Segen nicht persönlich im Bundeskanzleramt anschreiben. Seit 1984 wurden sie jedes Jahr von Bundeskanzlerin Angela Merkel und von deren Vorgängern Gerhard Schröder und Helmut Kohl empfangen.

 

Segensaufkleber und ein Sternsingerbesuch online

 

Träger der Aktion Dreikönigssingen sind das Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Seit dem Start der Aktion 1959 sammelten die Sternsinger rund 1,19 Milliarden Euro, mehr als 75.600 Projekte für Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa wurden unterstützt. Unter dem Eindruck der Corona-Pandemie verzichten die Sternsinger derzeit auf die sonst üblichen Besuche der Menschen an den Haustüren. Sie bringen Segensbriefe kontaktlos zu den Menschen oder grüßen per Videobotschaften. Die Spenden werden in den Pfarrgemeinden mit Spendentüten oder per Überweisung gesammelt. Online ist ein Besuch der Sternsinger auch unter www.sternsinger.de erlebbar. Dort besteht auch die Möglichkeit, die Aktion mit einer Spende zu unterstützen. Überweisungen sind möglich über die folgende Bankverbindung: Pax-Bank eG, IBAN: DE 95 3706 0193 0000 0010 31, BIC: GENODED1PAX 


Familienbund der Katholiken fordert Entlastung für Familien während Pandemie

„Familienfördernde Maßnahmen sind unzureichend“

 

 

(Berlin/bt) – Der Familienbund der Katholiken (FDK) hat zu Beginn des zweiten, „harten“ Lockdowns in diesem Jahr eine deutlich stärkere Unterstützung von Familien gefordert. „Die bisherigen familienfördernden Maßnahmen in der Pandemie sind unzureichend, gerade auch dann, wenn – was absehbar ist – die aktuellen Schul- und Kitaschließungen über die Weihnachtsferienzeit hinausgehen werden“, erklärte Familienbund-Präsident Ulrich Hoffmann am 17. Dezember. Konkret fordert der Verband vor allem die Einführung einer Corona-Elternzeit und eines Corona-Elterngeldes.

 

„Mütter und Väter mit Kindern bis 14 Jahren müssen gegenüber ihren Arbeitgebern das Recht haben, ihre Arbeitszeit so weit zu reduzieren, wie es für die Bewältigung der stark gestiegenen familiären Anforderungen nötig ist. Dazu gehört auch ein angemessenes Rückkehrrecht in den alten Arbeitsumfang und ein fortbestehender Kündigungsschutz“, so Hoffmann. Die immensen Mehrfachbelastungen, die Familien im ersten Lockdown im Frühjahr zu bewältigen hatten, dürften sich nicht wiederholen. „Homeoffice ist kein Betreuungsmodell und kein Ersatz für geschlossene Schulen und Kitas.“ Hoffmann betonte: „Zur Entlastung von Familien müssen auch die Arbeitgeber durch angemessene Betreuungsregelungen für Eltern maßgeblich beitragen.“

 

Corona-Elternzeit und -Elterngeld statt Homeoffice

 

Die Forderungen sind Teil eines Zehn-Punkte-Plans für Familien in der Corona-Krise, die der FDK vorgelegt hat. Der Verband macht sich außerdem für verbindliche Leitlinien an Schulen und Kitas stark, um den Schulbetrieb auch in Pandemiezeiten aufrecht zu erhalten. Ein wichtiger Punkt sei die Digitalisierung. Statt Homeoffice schlägt der Familienbund eine finanziell unterstützte Corona-Elternzeit vor. Planung und Durchführung sollten dabei nicht nur den aktuellen Stand berücksichtigen, sondern mittelfristig angelegt sein.

 

Nach den Forderungen des FDK sollten alle Familien, die in der Pandemie-Krise von der Elternzeit Gebrauch machen, automatisch einen Anspruch auf Corona-Elterngeld haben. „Eltern, die sich wegen geschlossener Schulen und Kitas um ihre Kinder kümmern und dadurch Gehaltseinbußen erleiden, müssen finanziell unterstützt werden“, so Hoffmann. Korrekturen seien außerdem beim Kurzarbeitergeld notwendig. Dies müsse sich an der Anzahl der Kinder orientieren. Die Verlässlichkeit für Familien bei der Kinderbetreuung, der frühkindlichen und schulischen Bildung sei auch in Zeiten einer Pandemie unerlässlich, sagte Hoffmann und forderte, dass Schulen Kitas die ersten Institutionen sein müssten, „mit denen Deutschland im nächsten Jahr wieder aus dem zweiten harten Lockdown aufgetaut wird.“

 

Weitere Informationen und den Zehn-Punkte-Plan gibt es auf www.familienbund.org.

 


Vertreter beider Kirchen tauschen sich mit Saar-Ministerin über Seelsorge in Altenheimen aus

Weihbischof Brahm plant Videobotschaft zu Weihnachten für Heimbewohner

 

 

Vertreter beider Kirchen sprechen mit der saarländischen Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) über die Seelsorge in Altenheimen während der Corona-Pandemie. Foto: Ministerium . Foto: bt

 

 

(Saarbrücken/bt) – Wie kann Seelsorge an Weihnachten in Zeiten der Corona-Pandemie für die Bewohnerinnen und Bewohner in Pflege- und Altenheimen im Saarland gestaltet werden? Diese Frage war Thema eines informellen Austauschs von Vertretern der evangelischen und katholischen Kirche, darunter Weihbischof Robert Brahm, mit der saarländischen Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) am Donnerstag, 10. Dezember, in Saarbrücken.

 

Es sei eine permanente Herausforderung, zwischen dem Gesundheitsschutz und der für das emotionale Wohlbefinden notwendigen sozialen Kontakte abzuwägen, waren sich alle Beteiligten einig. „Es geht nicht nur um die Gesundheitssorge, sondern immer auch um die Sorge für die Seele der Bewohnerinnen und Bewohner“, sagte Weihbischof Robert Brahm. Er kündigte an, für die Heimbewohner eine Weihnachtsbotschaft per Video aufzuzeichnen, die den Alten- und Pflegeheimen zugeschickt werden soll. Denn aufgrund der nach wie vor besorgniserregenden Infektionslage werde es über Weihnachten in den Einrichtungen bedauerlicherweise weiterhin Einschränkungen geben, sagte Ministerin Bachmann und betonte: „Auch über die Weihnachtfeiertage wollen wir einen genauen Blick auf das Lebensgefühl und die Lebensbedingungen der vulnerablen Gruppen im Saarland werfen. Gerade in solch fordernden Zeiten ist es wichtig gezielte Maßnahmen zur Förderung des Wohlbefindens der Bewohnerinnen und Bewohner unserer Pflege- und Altenheime zu erarbeiten.“

 

Pfarrer Clemens Grünebach vom Dekanat Saarbrücken wies auf viele kreative Lösungen hin, die seit Beginn der Pandemie in vielen Kirchengemeinden gemeinsam mit den Trägern der Altenheime gefunden worden seien, um in Kontakt mit den Bewohnern zu bleiben. Dazu zählen etwa Telefongottesdienste oder Gottesdienste im Freien, bei denen die Bewohnerinnen und Bewohner am Fenster mitfeiern können. Die Gemeindereferentin der Pfarreiengemeinschaft Sulzbach, Anneliese Maas, berichtete von ihren Besuchen bei Trauernden, die während des ersten Lockdowns im Frühjahr schwer darunter gelitten hätten, wenn Besuche bei den Angehörigen wegen der Corona-Beschränkungen nur selten oder gar nicht hätten stattfinden können. „Die Menschen hungern nach Kontakt und Spiritualität“, sagte Diakon Wolfang Schu von der Caritas Trägergesellschaft (cts), der auch selbst als Seelsorger in diversen Altenheimen tätig ist.

 

„Wir wollen allen Saarländerinnen und Saarländern trotz dieser aktuellen, überwältigenden Lage ein weitgehend besinnliches Weihnachten ermöglichen“, sagte Bachmann. Dafür stehe ihr Haus in ständigem Austausch mit den Heimleitungen und den Kirchen. „Für diese Unterstützung, sowie für die bedeutende Arbeit möchte ich mich von ganzem Herzen bedanken“, so die Ministerin. Weihbischof Brahm dankte Bachmann wiederum für die Gesprächsbereitschaft: „Wir als Kirchen stehen in der Sorge um die Menschen in den Altenheimen an Ihrer Seite!“ Es wurde vereinbart, sich künftig zweimal im Jahr zu einem informellen Austausch zu treffen.

 

 

 


Petition gestartet: missio Aachen fordert Freiheit für inhaftierten indischen Jesuiten Pater Stan Swamy SJ

 Katholisches Hilfswerk startet Petition für Menschenrechtsaktivisten - missio-Präsident Pfarrer Bingener bittet Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung um Unterstützung

 

(Aachen/missio) - Mit einem eindringlichen Appell am Tag der Menschenrechte wendet sich das Internationale Katholische Missionswerk missio Aachen an Dr. Bärbel Kofler, Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung. „Frau Kofler möge sich für die Freilassung des indischen Jesuiten-Paters Stan Swamy SJ bei der indischen Regierung einsetzen“, fordert Pfarrer Dirk Bingener, Präsident von missio Aachen. Er bittet Unterstützerinnen und Unterstützer in Deutschland, sich an einer heute gestarteten missio-Petition unter www.missio-hilft.de/petition für den Jesuiten zu beteiligen. Sobald 3.000 Unterschriften gesammelt sind, sollen sie an Frau Kofler übergeben werden. missio Aachen erklärt mit der Petition auch seine Solidarität mit der Jesuitenmission in Deutschland, die sich beim Auswärtigen Amt für den indischen katholischen Menschenrechtsaktivisten einsetzt.

 

Pater Stanislaus Lourduswamy SJ ist Angehöriger des katholischen Jesuitenordens in Indien, kurz meist Father Stan genannt. Der landesweit bekannte Menschenrechts-Aktivist engagiert sich insbesondere für die sogenannten Adivasi, die indigene Bevölkerung Indiens, und die sogenannten Dalits, die von der indischen Gesellschaft als vermeintlich „Unberührbare“ ausgegrenzt werden. Häufig sind Adivasi und Dalits Angehörige christlicher Konfessionen.

 

Father Stan wurde am 8. Oktober 2020 unter dem Vorwurf der Verbreitung maoistisch-terroristischer Propaganda verhaftet. Unter anderem werden ihm Verbindungen zu Ausschreitungen im westindischen Bundesstaat Maharashtra an Silvester 2017 vorgeworfen, in deren Folge schon zuvor weitere indische Menschenrechtsaktivisten inhaftiert worden waren. Father Stan weist eine Beteiligung an diesen Ausschreitungen und den Vorwurf der Propaganda oder der Sympathie für den Maoismus entschieden zurück. Der Vorwurf der maoistisch-terroristischen Propaganda ist ein oft eingesetzter Vorwand der hindu-nationalistischen Politik in Indien, um Kritikerinnen und Kritiker mundtot zu machen.

 

„Wir halten die Vorwürfe gegen Father Stan für unbegründet und politisch motiviert. Deshalb starten wir eine Petition für Father Stan, um die Bundesregierung und die Öffentlichkeit in Deutschland für seine schnellstmögliche Freilassung zu mobilisieren. Für Father Stan, der schon 83 Jahre alt ist, ist ein längerer Gefängnisaufenthalt auch eine große Gefahr für seine Gesundheit“, so Pfarrer Bingener. Er hoffe auf die Unterstützung der Menschen in Deutschland. „Jede Stimme zählt. Sobald wir 3.000 Unterschriften für Father Stan gesammelt haben, wollen wir sie der Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung übergeben, die Zeit drängt“, sagte Pfarrer Bingener. „Wir unterstützen damit auch unsere Partner der Jesuitenmission, die an Außenminister Heiko Maas appelliert haben, sich für Father Stan einzusetzen“, so Pfarrer Bingener weiter.

 

Pfarrer Bingener sieht die Verhaftung von Father Stan auch im Kontext der hindu-nationalistischen Politik in Indien, die seit Jahren die Religionsfreiheit, die Meinungsfreiheit und die Rechte der indigenen Bevölkerung unter Druck setzt. „Religiöse Minderheiten wie Christen und Muslime geraten durch die Politik, Schikanen der Behörden und gesellschaftliche Anfeindungen immer stärker unter Druck“, erläuterte Bingener. „Auch unsere Partnerinnen und Partner der Kirche in Indien leiden darunter, weshalb wir unter anderem Projekte gegen die Diskriminierung und für den interreligiösen Dialog fördern“, sagte Bingener.

 

Erst im vergangenen Jahr trug missio Aachen mit seiner Petition #freeourhusbands mit dazu bei, dass sieben zu Unrecht verurteilte Christen im indischen Bundesstaat Odisha freigelassen wurden. Sie hatten mehr als zehn Jahre im Gefängnis gesessen. 

 

Hier geht es zur Petition für Father Stan Swamy: www.missio-hilft.de/petition

 

 

 

Wer ist missio Aachen?

Das Internationale Katholische Missionswerk missio Aachen ist eines der großen deutschen Hilfswerke und gehört zu einem Netzwerk von rund 120 missio-Werken weltweit. missio Aachen verfügte 2019 über ein Projekt- und Kampagnenvolumen von rund 47,4 Millionen Euro, mit dem 946 Projekte in 68 Ländern gefördert wurden. missio Aachen unterstützt die katholische Ortskirche in Afrika, Asien, dem Maghreb und Nahen Osten sowie Ozeanien. Diese Förderung stärkt die pastorale, soziale und interreligiöse Arbeit, die Infrastruktur sowie die Ausbildung von Laien, Priestern und Ordensleuten der katholischen Kirche in diesen Regionen. Mit ihrer Arbeit erreicht die Kirche dort nicht allein Christen, sondern trägt zur Verbesserung der Lebensumstände der gesamten Gesellschaft bei.

 


Deutscher Menschenrechts-Filmpreis verliehen

Preisverleihung erstmals als Online-Stream | geehrte Filme eröffnen verschiedene Perspektiven auf Menschrechtsthemen und Fragen unserer Zeit | Produktionen machen Mut, sich für Menschenrechte einzusetzen

 

(Nürnberg/pm) – Am Samstag, den 5. Dezember 2020 wurde der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis 2020 zum ersten Mal in einer reinen Online-Veranstaltung verliehen. Damit fand die aktuelle Wettbewerbsrunde des 1998 ins Leben gerufenen Filmwettbewerbs ihren Höhepunkt und Abschluss. Die Preise sind in jeder Kategorie mit 2.500 Euro und einer individuell angefertigten Statue dotiert.

Zwischen Mai und Ende Juli 2020 waren 365 Produktionen in den vier Wettbewerbskategorien Langfilm, Kurzfilm, Hochschule und Non Professional den drei Fachjurys zur Sichtung und Bewertung vorgelegt worden. Eine dieser Jurys vergab zusätzlich einen Preis in der Kategorie „Bildung". Die von den Regisseur*innen behandelten Menschrechtsfragen reichen von Krieg und Flucht über Rassismus, Antisemitismus und Gewalt gegen Frauen bis zu ausbeuterischen Arbeitsbedingungen – vermehrt auch Filme über den Zusammenhang von Klimawandel, Umweltschutz und Menschenrechten.

Die Filme befassen sich dabei nicht nur mit Menschenrechtsverletzungen, sie porträtieren auch Menschenrechtsaktivist*innen und zeigen Beispiele eines gelingenden Menschenrechtsschutzes. Diese Beispiele sollen Mut machen, sich für den Schutz der Menschenrechte einzusetzen. In den Produktionen wurde erneut sichtbar, dass Menschenrechte weiter unter Druck stehen – in Europa, weltweit – aber auch in Deutschland. Nach wie vor sind auch gefestigte Demokratien nicht frei von Menschenrechtsverletzungen.

Die online Preisverleihung wurde von Christoph Süß moderiert und Anja Reschke (NDR-Panorama) begleitet als Hauptrednerin das Online-Format. Reschke: „Auf den ersten Blick scheint es, dass sich in Bezug auf die weltweite Wahrung der Menschenrechte nichts verbessert – im Gegenteil. Doch Bilder, Geschichten und Filme sind wirkmächtig und führen dazu, dass Themen diskutiert oder Ereignisse erst zum Thema in der Gesellschaft gemacht werden. Insofern kommt dem Journalismus ebenso wie dem Filmemachen eine enorme Bedeutung zu, Missstände zu benennen und Menschenrechten den notwenigen Raum und Beachtung zu geben."

Zugeschaltet in die Übertragung des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises wurde auch der Kabarettist und Autor Christian Springer, der über die aktuelle Situation im syrischen Aleppo berichtete. Der in der Kategorie Langfilm prämierte Film „Für Sama" hatte eine junge Mutter und ihr Baby inmitten des syrischen Krieges begleitet. Springer: „Es ist großartig, dass der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis auch und gerade in diesem Jahr vergeben wird, denn Menschenrechte müssen immer ein Thema in der Gesellschaft sein – ganz gleich, ob es eine Pandemie gibt oder nicht. Vielen Dank an die Macher dieses so wichtigen Wettbewerbs."

Musikalisch umrahmt wurde die diesjährige Preisverleihung von Rebecca Trescher & New Shapes Quartett, die eigens zu den jeweiligen Preisträgerfilmen eigene Musikstücke komponierte die sich musikalisch an den Preisträgerfilmen orientierten.

Die Preisverleihung kann unter http://menschenrechts-filmpreis.mediastudios.tv/ oder auf der Homepage der Veranstalter*innen www.menschenrechts-filmpreis.de gesehen werden.

Auch in dieser Wettbewerbsrunde gehen die Preisträgerfilme wieder auf Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Corona-bedingt voraussichtlich auch als Online-Event; die Veranstalter arbeiten aktuell an einem Konzept zur Umsetzung.

Weitere Informationen
Facebook: www.facebook.com/deutscher.menschenrechtsfilmpreis
Instagram: www.instagram.com/menschenrechtsfilmpreis
Twitter: https://twitter.com/merefilmpreis

Der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis wird im Rhythmus von zwei Jahren vergeben und aktuell von 20 Veranstalter*innen getragen, darunter bundesweit tätige Organisationen der Menschenrechts-, Bildungs-, Kultur- und Medienarbeit, religiöse und kirchliche Organisationen sowie kommunale Einrichtungen. Zudem unterstützen Verbände und Einzelpersonen den Filmwettbewerb. Sie sind geeint im Ziel der Achtung und Wahrung der Menschenrechte


Neuer Sanktionsmechanismus der EU: Ein wichtiger erster Schritt für mehr Menschenrechte

 

 

 

Neuer Sanktionsmechanismus der EU: 

 

  • Sanktionen nach dem Modell des Magnitsky-Act ein wichtiger erster Schritt 
  • EU muss ihre Beißhemmung gegenüber mächtigen Unrechtsregimen wie China ablegen
  • Kein Ersatz für internationale Strafjustiz oder die Verfolgung von Kriegsverbrechern

 

(Göttingen/gfbv) - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) begrüßt die Einigung der EU-Botschafter auf einen Sanktionsmechanismus für Beteiligte an schweren Menschenrechtsverletzungen. Die geplante Regelung, modelliert nach dem US-amerikanischen Magnitsky-Act, sei ein wichtiger erster Schritt: „Mit diesem neuen Mechanismus bekommen die europäischen Forderungen nach Einhaltung der Menschenrechte zum ersten Mal Zähne. Es wird sich zeigen, ob die EU damit auch ihre Beißhemmung zum Beispiel gegenüber China verliert, oder ob es bei seichten Reisebeschränkungen für Personen aus weniger mächtigen Staaten bleibt“, erklärte Hanno Schedler, GfbV-Referent für Genozid-Prävention und Schutzverantwortung am heutigen Freitag in Göttingen.

 

„Die Liste der potenziellen Ziele für persönliche Sanktionen ist lang“, so Schedler. „In vielen Unrechtregimen lassen sich Einzelne ausmachen, die für besonders schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind oder an ihnen beteiligt waren.“ Einreiseverbote oder das Einfrieren von Vermögen seien freilich kein Ersatz für internationale Strafjustiz oder die Verfolgung von Kriegsverbrechern. „Zum Beispiel für die Architekten des laufenden Genozids an der uigurischen Volkgruppe wäre ein solcher Mechanismus aber sicherlich geeignet, auch wenn seine Wirkung eher symbolisch wäre“, findet Schedler. Der frühere Sicherheitschef der Region Xinjiang / Ostturkestan Zhu Hailun, sein Nachfolger Wang Junzheng sowie Xinjiangs Parteisekretär Chen Quanguo seien verantwortlich für schwerste Menschenrechtsverletzungen an der uigurischen, kasachischen und kirgisischen Bevölkerung. Die vor einem Jahr veröffentlichten China Cables hätten deutlich gemacht, dass diese drei Personen für die Verfolgung muslimischer Nationalitäten in China maßgeblich verantwortlich seien. 

 

Der Einigung auf der Arbeitsebene muss noch der Rat der EU-Außenminister zustimmen. Dieser tagt in der kommenden Woche, am 10. Dezember, dem internationalen Tag der Menschenrechte. Die Zustimmung der Minister gilt als wahrscheinlich.

 


Familienbund fordert höhere Betreuungsqualität für Grundschulkinder

(Trier / Berlin/pm) – Der Familienbund der Katholiken im Bistum Trier begrüßt die in der vergangenen Woche vom Deutschen Bundestag beschlossenen zusätzlichen Milliarden-Investitionen für die Betreuung von Grundschulkindern. Der Familienverband fordert, die Finanzmittel an verbindlichen Qualitätskriterien orientiert einzusetzen. „Qualifiziertes Personal ist hierbei ebenso wichtig wie ein altersgerechter Betreuungsschlüssel, wenn die Investitionen einen spürbaren bildungspolitischen und pädagogischen Mehrwert haben sollen“, sagte Familienbund-Vorsitzende Hildegard Weber und warnte: „Eine mit politischer Anspruchslosigkeit ins Werk gesetzte Betreuung hilft weder den Grundschulkindern noch deren Eltern. Und der Gesellschaft ebenso wenig.“ Angesichts des eklatanten Mangels an Erziehern hält der Familienbund den von der Bundesregierung ab 2025 geplanten Rechtsanspruch für Grundschulkinder für kaum realisierbar.

 

Der Familienbund hält auch unabhängig vom Ziel eines Rechtsanspruchs die Betreuungssituation an Grundschulen für dringend ausbaubedürftig.Grundlage sei aber eine verlässliche Qualitätsbetreuung. Eltern, die ihre Kinder nach Unterrichtsschluss im Hort betreuen lassen wollen, müssen diese Option auch haben. Gebrauch werden Eltern aber nur dann davon machen, wenn sie ihre Kinder in guten Händen wissen“, sagte Weber.

 

„Das politisch ausgelobte Ziel eines Rechtsanspruchs auf Betreuung für Grundschulkinder darf aber nicht die einzige politische Antwort auf die drängende Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sein“, stellte Hoffmann klar. „Der Ausbau staatlicher Betreuungs-institutionen als Lösungslieferant ist eindimensional und unterkomplex, weil es den Bedürfnissen von Familien nach mehr Zeit für- und miteinander keinerlei Rechnung trägt. Nötig sind flexible und lebensphasenbezogene Arbeitszeitreduzierungen für erwerbstätige Eltern. Statt die Lebensform Familie nach den ökonomischen Verwertungsinteressen der Wirtschaft weiter zuzuschneiden, müssen es die Familien sein, die souverän über ihr Leben und ihre Zeit entscheiden.

 

Dafür muss die Politik endlich zukunftsweisende Konzepte für eine familien- und lebensgerechte Zeitpolitik aufgreifen, die wissenschaftlich seit langem entwickelt und diskutiert werden, zum Beispiel ‚Atmende Lebensläufe‘, die Optionszeiten über die gesamte Erwerbsbiografie von Menschen für Erziehungs- und Pflegeaufgaben vorsehen. Die Wirtschaft ist nachdrücklich aufgerufen, einen nennenswerten Beitrag zu einer familiengerechten Zeitpolitik zu leisten.

 

Der Familienbund im Bistum Trier wendet sich jedoch dagegen, die Betreuung in Grundschulen zu einer gesellschaftlichen Norm werden zu lassen, die für Eltern wie Kinder alternativlos sei. Der Freiheitsgedanke von Familie zeige sich in der elterlichen Souveränität, die eigene Lebensform von Familie selbst wählen und leben zu können. Ein Rechtsanspruch auf Betreuung von Grundschulkindern, der nicht in einen zeitpolitischen Rahmen eingebettet sei, unterlaufe die Autonomie von Familie, indem er deren Wahlfreiheit durch die politische Schaffung gesellschaftlicher Konventionen einschränke. Das könne nicht im Sinne von Familien sein.

 

Der Familienbund der Katholiken ist der mitgliederstärkste Familienverband Deutschlands.

Ihm gehören 25 Diözesan-, 10 Landes- sowie 15 Mitgliedsverbände an.

 


Evangelische Kitas in Pandemiewelle gut aufgestellt

Kitas müssen geöffnet bleiben

(Karlsruhe/ekiba) - Mit Nachdruck fordern Diakonie und evangelische Landeskirche in Baden, Kitas im Zuge der Corona-Schutzmaßnahmen nicht zu schließen. Kindertagesstätten seien von immenser gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Die evangelischen Einrichtungen hätten zudem in den vergangenen Monaten detaillierte und individuell angepasste Hygienekonzepte entwickelt.

 

Kirche und Diakonie äußern sich besorgt vor dem Hintergrund von Forderungen nach einer Verschärfung der Corona-Regelungen. Maskenpflicht auch in Grundschulen und mehr Online-Unterricht seien dafür Beispiele. Schon jetzt wolle man daher auf die aktuelle Situation und Bedeutung der Kitas hinweisen.

 

Kirchliche Einrichtungen in Baden-Württemberg hätten in enger Abstimmung mit Ämtern und Politik individuelle Konzepte erarbeitet. Diese machten die Betreuung der Kinder weiter möglich. Pädagogische Konzepte würden umgesetzt unter Berücksichtigung der bestehenden Schutzverordnungen. Durch ausgefeilte Regelungen könnten Kinder problemlos gebracht und abgeholt werden. In den Einrichtungen sei der Umgang zwischen Kindern und Erzieher*innen unproblematisch. Denn aus der Vergangenheit habe man gelernt, dass Infektionen von Kleinkindern nicht auf Erwachsene übertragen werden.

 

Die Anstrengungen und Maßnahmen seien mehr als gerechtfertigt, gemessen an der gesellschaftlichen Bedeutung der Kindertageseinrichtungen. Nicht nur, dass Eltern ihrer Arbeit nachgehen und damit für den Lebensunterhalt sorgen könnten, Kitas seien auch Schutzraum und Ort des sozialen Lernens. Gerade für Kinder aus schwierigen familiären Verhältnissen öffneten sie den Weg in spätere Ausbildung und Berufstätigkeit. Expert*innen sehen eine Zunahme häuslicher Gewalt während eines Lockdowns. Hier bekäme die Ganztagsbetreuung sogar Bedeutung für den Schutz der Kinder.

 

Stichwort: Evangelische Kindertageseinrichtungen

Evangelische Kitas leben das christliche Menschenbild. Jedes Kind, jeder Mensch ist willkommen. Das Christliche zeigt sich besonders zu Ostern, Pfingsten, Erntedank, St. Martin oder Nikolaus und natürlich der Advents- und Weihnachtszeit. Diese Feste strukturieren das gesellschaftliche Leben. Viele Kitas helfen, den christlichen Jahreslauf zu leben. So wurden Osterkörbchen zu den Familien nach Hause gebracht. Erntedank wurde im Park gefeiert, Martinslaternen leuchteten in vielen Fenstern der Städte und Dörfer. Auch Weihnachten werden die Kitas so gestalten, wie es in der Pandemie möglich ist. Das alles ist eingebunden in ein hochprofessionelles Arbeitsumfeld, in dem sehr gut ausgebildete Fachkräfte für eine sehr gute fachliche Qualität sorgen. 

 

Die Evangelischen Kirchen in Baden und Württemberg betreiben rund 1.600 Einrichtungen mit mehr als 77.000 Kindern. Etwa 14.000 pädagogische Fachkräfte und weitere Angestellte sorgen für eine qualitativ sehr gute und anerkannte Arbeit. Die Kirchen sorgen mit ihren eigenen Fachschulen auch für die qualifizierte Ausbildung der Fachkräfte.

 


Als Ausrichter des G20 Gipfels ist Saudi-Arabien selbst gefordert, für Menschen- und Frauenrechte zu sorgen

World Vision fordert: G20 müssen gemeinsam Corona eindämmen, Konflikte beenden, Frauen stärken, Klimawandel konsequent bekämpfen

 

(Friedrichsdorf / Berlin/wv) - Am 21. und 22. November treffen sich Vertreter der G20 Länder virtuell zu einem Gipfeltreffen unter Leitung von Saudi-Arabien. Angesichts vielfältiger Probleme weltweit fordert die Kinderhilfsorganisation World Vision gemeinsame Anstrengungen, um die Corona-Pandemie einzudämmen, die sofortige Beendigung von Konflikten, die Stärkung von Frauen und dringende Maßnahmen, um den Klimawandel konsequent zu bekämpfen.

 

„Wir leben in einer globalisierten Welt, in der die Auswirkungen menschlichen Handelns oder Nicht-Handelns weltweit zu spüren sind. So muss es international abgestimmte Aktionspläne geben, um die aktuelle Corona Pandemie und künftige Pandemien zu bekämpfen“, fordert Marwin Meier, Gesundheitsexperte bei World Vision. „Auch die sekundären Folgen der Pandemie müssen dringend behandelt werden. So können Millionen Kinder nicht mehr zur Schule gehen, Eltern haben ihre Lebensgrundlagen verloren und Millionen Kinder zusätzlich leiden an Mangel- und Unterernährung.“

 

Die Hilfsorganisation begrüßt, dass auf der Agenda des Gipfels Frauen- und Menschenrechte ganz oben stehen. Vor allem auch im Land selbst hat die Regierung dabei noch großen Nachholbedarf – denn Gleichberechtigung der Geschlechter und die Einhaltung von Menschenrechten sollten selbstverständlich sein. Vom G20 Gipfel sollte daher ein klares Signal für die Umsetzung von Frauen- und Menschenrechten auch von den Teilnehmer-Ländern selbst ausgehen. Auch in Friedensprozessen kommt es auf die Teilhabe von Frauen an, die oft die größten Lasten von Konflikten in der Gesellschaft schultern. Das Land auf der arabischen Halbinsel ist seit Jahren in einen grausamen Krieg im Jemen verstrickt. Zwischen 2015 und 2019 wurden dort 1700 Schulen angegriffen – die weltweit höchste Anzahl solcher Angriffe. 50 % davon gehen auf Luftangriffe zurück, mit der Folge, dass etwa 2 Millionen Kinder aktuell nicht mehr zur Schule gehen können.

 

Auch andere Länder haben sich nicht mit Ruhm bekleckert. Im Gegenteil, durch Corona und die dramatischen wirtschaftlichen Folgen für viele Menschen ist damit zu rechnen, dass in vielen Regionen der Welt Konflikte wieder oder neu aufflammen, wie etwa am Horn von Afrika, Teilen Westafrikas, Irak, Syrien, Afghanistan. „Millionen Menschen haben nicht die Möglichkeit, in Sicherheit und Frieden zu leben und sind gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Sie haben keinen Zugang zu Justizsystemen. Das Ziel von friedlichen, gerechten und inklusiven Gesellschaften liegt in vielen Ländern in weiter Ferne“, erläutert Ekkehard Forberg, Friedensexperte bei World Vision.

 

Auch der Klimawandel trifft in erster Linie die Ärmsten und besonders die künftigen Generationen. Die Klimakrise birgt die Gefahr, dass die seit 25 Jahren erzielten Fortschritte bei der Gesundheit von Kindern und bei der Bekämpfung der Kindersterblichkeit zunichte gemacht werden. 

 

Um das Recht der Kinder auf eine gesunde, sichere und nachhaltige Zukunft zu gewährleisten, ruft World Vision Regierungen, Unternehmen und die internationale Gemeinschaft dazu auf, alle Vereinbarungen, die zur Bekämpfung des Klimawandels getroffen wurden, vollständig umzusetzen und dafür zu sorgen, dass Gemeinschaften auf die zunehmenden klimabedingten Katastrophen vorbereitet sind. Unter anderem müssen – wie versprochen – 100 Milliarden USD jährlich für Anpassungsmaßnahmen bereitgestellt werden.

 

Die G20 Länder sollten insgesamt mehr Verantwortung für Themen übernehmen, die bisher von den G7 Ländern abgedeckt wurden. Der G7 Gipfel entwickelt sich immer mehr zu einem zahnlosen Tiger. In diesem Jahr haben die USA ihn einfach abgesagt.

 


Statement Brot für die Welt zur Verteilung von Impfstoffen

Impfstoff * Covid-19 * Patentschutz * Kenia * WHO

 

(Berlin/bfw) - Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin Brot für die Welt, zur Verteilung von Corona-Impfstoffen.

„Ein künftiger Impfstoff gegen Covid-19 muss jedem Land weltweit zur Verfügung stehen. Um zügig Impfungen für alle Menschen zu ermöglichen, sollte der Patentschutz vorübergehend ausgesetzt und Wissen um die Impfstoffproduktion geteilt werden. So können mehr Unternehmen rund um die Welt einen Impfstoff herstellen, der dann in kürzerer Zeit überall vorhanden sein kann. Das gilt besonders, wenn – wie im Falle von Biontech – Millionen Euro an Steuergeldern in die Entwicklung geflossen sind. Öffentliche Mittel sollten dem Gemeinwohl dienen - in diesem Falle nicht nur bei uns, sondern auch global. Die WHO hat dazu sinnvolle Initiativen vorgestellt, insbesondere eine gemeinsame Plattform, auf die geistiges Eigentum sowie Daten und Technologien zu Covid-19 eingespeist werden sollen. Deutschland verweigert jedoch bisher eine Unterstützung dieses Technologie-Pools.

 

Menschen in ärmeren Ländern leiden besonders unter den Folgen von Covid-19. In Kenia etwa beobachten wir, dass die aktuelle Infektionswelle deutlich stärker ist als die erste, sodass die Schulen dort weiterhin geschlossen sind. Viele Kinder leiden dadurch zusätzlich zum Bildungsmangel auch an Hunger, da für sie die einzige Mahlzeit am Tag wegfällt. In Kenia kann man auch verfolgen, was weltweit gilt: nämlich, dass sich das Gesundheitspersonal zunehmend infiziert. Ärztinnen und Pfleger fehlen dann, um die Pandemie einzudämmen und die reguläre Gesundheitsversorgung sicher zu stellen. Gerade arme Länder wie Kenia müssen Zugang zu Impfdosen erhalten und in der Umsetzung ihrer Impfstrategien unterstützt werden. Ihre Gesundheitssysteme sind häufig zu schwach und die öffentlichen Mittel reichen nicht für zusätzliche Investitionen.

 

Die Kanzlerin hat mehrfach öffentlich bekundet, dass ein Impfstoff ein globales öffentliches Gut sein muss. Die aktuelle EU-Ratspräsidentschaft und die Beteiligung am Exekutivrat der WHO ermöglichen es Deutschland, sich hierfür stark zu machen. Die vergangenen acht Monate haben uns deutlich gezeigt, dass eine globale Pandemie auch globale Antworten erfordert. Es ist ein gewaltiger Irrtum zu glauben, ein Land oder ein Kontinent könnten sich allein auf eine Insel der Seligen retten: Solange die Pandemie nicht überall bekämpft ist, wird der Virus immer wieder um den Globus wandern. Dagegen hilft nur: sehr rasche Verfügbarkeit von Impfstoff für alle Menschen. Gerade in dieser Frage dürfen wir nicht in nationalen Egoismus verfallen.“

 


Mehr Geld von der EU für Jugend- und Bildungsprogramme // Finale Einigung steht noch aus

Katholische Jugendverbände: Mit Erasmus+ den europäischen Zusammenhalt stärken

BDKJ-Bundesvorsitzende Lisi Maier. Quelle: BDKJ-Bundesstelle/Mike Nonnenbroich
BDKJ-Bundesvorsitzende Lisi Maier. Quelle: BDKJ-Bundesstelle/Mike Nonnenbroich

 

(Düsseldorf/bdkj) -  Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) begrüßt den geplanten Rechtsstaatsmechanismus und die Aufstockung der EU-Gelder für das Programm „Erasmus+“. Der Rat der EU und das Europäische Parlament hatten sich am Dienstag vorläufig auf einen Etat für Erasmus+ von 23,4 Mrd. Euro geeinigt.

 

BDKJ-Bundesvorsitzende Lisi Maier sagt: „Ich danke dem Europäischen Parlament und ganz besonders den Mitgliedern des Ausschusses für Kultur und Bildung, dass sie sich gegenüber dem Rat der EU so für die Jugend- und Bildungsprogramme der EU stark gemacht haben. Jetzt gilt es, den Haushalt für das Jahr 2021 zu beschließen, damit die zusätzlichen Mittel auch dort ankommen, wo sie gebraucht werden: bei den Jugendlichen“.

 

Die ursprünglich von der Kommission geplante Verdoppelung von Erasmus+ auf 30 Milliarden Euro hatte das Ziel neue Aufgaben und Programme, wie die Stärkung der Inklusion umzusetzen. Die aktuelle Erhöhung der Mittel für Erasmus+ ist trotzdem als Erfolg zu werten, da damit Jugendaustausche, Bildungsaufenthalte und weitere Aktivitäten den Zusammenhalt in Europa insbesondere nach der Corona-Pandemie stärken werden.

 

Der Einigung müssen das Europäische Parlament und der Rat der EU noch zustimmen. Ungarn und Polen haben angekündigt, dass sie den Kompromiss zum mehrjährigen Finanzrahmen, in dem auch die Einigung zu Erasmus+ verankert ist, noch verhindern würden, wenn ein Rechtsstaatsmechanismus implementiert würde. Dieser soll die Ausschüttung von EU-Mitteln an die Aufrechterhaltung der Rechtsstaatlichkeit in den Mitgliedsstaaten binden. Dazu betont Lisi Maier: „Einzelne EU-Staaten dürfen sich jetzt nicht quer stellen, um das wichtige Vorhaben, einen Rechtsstaatsmechanismus zu implementieren, zu verhindern. Die von Corona besonders betroffenen Staaten brauchen möglichst schnell die Unterstützung aus den Finanzmitteln der EU. Den mehrjährigen Finanzrahmen zu verzögern, um den Rechtsstaatsmechanismus zu verhindern, wäre daher unsolidarisch.“

 

 

 

Der BDKJ ist Dachverband von 17 katholischen Jugendverbänden mit rund 660.000 Mitgliedern. Er vertritt die Interessen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Kirche, Staat und Gesellschaft.

 


Aktive Sterbehilfe muss vermieden werden – Schulungsangebote für Seelsorger

Kirchen geben Orientierung zu Sterbehilfe-Urteil

(Stuttgart/Rottenburg/drs) - Die katholische und die evangelische Kirche in Württemberg haben sich auf eine Orientierungshilfe zum Sterbehilfe-Urteil des Bundesverfassungsgerichts verständigt. Das gemeinsam erarbeitete Papier enthält eine Stellungnahme beider Kirchen und gibt Seelsorgern Unterstützung, wie sie in ihrer täglichen Arbeit mit dem nun eingeräumten Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben umgehen können.

 

„Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist, zum schwierigen Thema der Sterbehilfe diese ökumenische Orientierungshilfe zur Verfügung stellen zu können“, freut sich Domkapitular Monsignore Dr. Heinz Detlef Stäps, Leiter der Hauptabteilung für Glaubensfragen und Ökumene im Bischöflichen Ordinariat der Diözese Rottenburg-Stuttgart. „Die Richter am Bundesverfassungsgericht haben uns mit ihrem Urteil offene Fragen hinterlassen, auf die wir in unserer Orientierungshilfe Antworten geben“, ergänzt Oberkirchenrat Professor Dr. Ulrich Heckel, Leiter des Dezernats Theologie und weltweite Kirche bei der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. 

 

Dem Urteil gemäß umfasset das Allgemeine Persönlichkeitsrecht auch das Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben und gewichtet so die Autonomie als Ausdruck der Menschenwürde stärker als den Schutz des Lebens. „Dieser Paradigmenwechsel stellt eine größere Nähe zur aktiven Sterbehilfe her“, erläutert Domkapitular Stäps. Beide Kirchen würden zwar die Absicht des Urteils begrüßen, menschliche Freiheitspotentiale zu stärken, aber dahinter dürfe sich nicht die Verweigerung wirklicher Hilfe verbergen. Deshalb müsse hier konkret festgelegt werden, wie man mit dieser Freiheit umgehe und wo ihre Grenzen seien. Sonst bestehe die massive Gefahr, dass der Paradigmenwechsel in eine „Ökonomisierung des Sterbens“ münde. 

 

„Uns als Seelsorgern muss es deshalb darum gehen, die Sorge um den Menschen umfassen zu stärken“, sagt Oberkirchenrat Heckel. So sei es auch wichtig, die Möglichkeit in den Blick zu nehmen, von einem assistierten Suizid abzusehen und darauf zu achten, dass derart organisierte Angebote sich nicht zur Norm entwickelten. 

 

Aufgabe der christlichen Kirchen sei es, die Kompetenz der Expertinnen und Experten aus Caritas und Diakonie, aus der Palliativ- und Hospizarbeit einzubringen sowie diese in ihrer Beratungs- und Bildungsarbeit zu unterstützen. „Wir beobachten zudem einen engen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit des Sterbewunsches und der Qualität der Palliativmedizin – umso besser diese ist, umso geringer ist dieser Wunsch“, sagt Domkapitular Stäps. Deshalb müsse die Palliativmedizin gestärkt und ausgebaut werden. Gemeinsam mit Oberkirchenrat Heckel äußert er die Befürchtung, dass Menschen so einsam seien oder unter einem derart großen wirtschaftlichen Druck stehen könnten, dass sie sich nicht für ein Weiterleben entscheiden könnten. „Diesem Denken stellen sich die evangelische und die katholische Kirche in Württemberg eindeutig entgegen“, erklärt Oberkirchenrat Heckel. „Deshalb müssen wir die Fürsorge fördern. Schließlich bildet sie die Grundlage für eine selbstbestimmte Entscheidung“, ergänzt Domkapitular Stäps. 

 

Das Urteil fordere den Gesetzgeber auf, die Suizidhilfe zu regulieren. „Wir unterstützen hierbei den Weg, der auf finanziellen Gewinn angelegte Angebote zum assistierten Suizid unmöglich macht“, so die Vertreter der beiden Kirchen. 

 

Thomas Brandl                        
Direktor Stabsstelle                 
Mediale Kommunikation

 

Oliver Hoesch

Sprecher der Landeskirche

 

 

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart umfasst mit ihren 1020 Kirchengemeinden und 1,8 Millionen Mitgliedern den württembergischen Landesteil Baden-Württembergs, und ist bundesweit die viertgrößte Diözese. Seit dem Jahr 2000 steht ihr Dr. Gebhard Fürst als Bischof vor. Unter ihrem Dach leisten 24.000 Haupt- und 170.000 Ehrenamtliche ihren Dienst für die Menschen und legen so Zeugnis ab vom lebendigen Gott. Auf dem Gebiet der Diözese stehen rund 890 Kindergärten in katholischer Trägerschaft und bieten rund 46.600 Kindern eine Betreuung; 98 katholische Schulen werden von 25.500 Schülern besucht, und in 980  karitativen Einrichtungen finden rund 495.000 Menschen eine Betreuung. Im Rahmen des weltkirchlichen Engagements gibt es Partnerschaften mit Diözesen in über 80 Ländern weltweit. Aktuelles sowie Hintergründe bietet die Homepage www.drs.de
Postings zu allen Aspekten des vielfältigen kirchlichen Lebens in der Diözese gibt es hier:

 

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www.instagram.com/dioezese_rs/
https://twitter.com/BischofGebhard?lang=de
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spotify.com (Diözese Rottenburg-Stuttgart)


Die am stärksten gefährdeten Menschen zuerst impfen

World Vision fordert eine gerechte Verteilung eines Corona Impfstoffs

 

(Friedrichsdorf / Berlin/wv) - Die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision fordert angesichts der Ankündigung, dass bald ein Impfstoff gegen COVID-19 zur Verfügung stehen könnte, dass das Mittel gerecht verteilt wird. „Am stärksten gefährdete Menschen müssen zuerst geimpft werden, sobald eine Zulassung erfolgt ist“, fordert Fiona Uellendahl, Referentin Anwaltschaft. bei World Vision Deutschland.

 Die Nachricht von der Entwicklung eines Impfstoffs gegen COVID-19 weckt große Hoffnungen, insbesondere bei den Menschen, deren Leben durch die Pandemie gefährdet ist und deren Lebensgrundlagen durch die wirtschaftlichen Folgen zerstört wurden. 

 Zu den am stärksten gefährdeten Personen gehören Flüchtlinge in überfüllten Lagern und Menschen, die in städtischen Elendsvierteln leben, in denen sich das Virus leichter ausbreiten kann sowie Gesundheitspersonal in ärmeren Ländern, da sie häufig nicht über genügend Schutzmaterialien verfügen . Die ärmsten Familien und Gemeinden leiden besonders stark unter den Corona Bekämpfungsmaßnahmen und den damit verbundenen wirtschaftlichen Auswirkungen. Uellendahl betont: „Viele Mütter und Väter haben ihre Arbeit verloren und somit ihr Einkommen. Insbesondere Kinder sind dadurch anfälliger für Krankheiten geworden. Unter- und Mangelernährung haben zugenommen. Zehntausende Schüler können seit Monaten nicht mehr zur Schule gehen.“

 World Vision betont, dass bis zur Verfügbarkeit eines Impfstoffes weiterhin entscheidend ist, dass Menschen sich weltweit an Präventionsmaßnamen zur Eindämmung der Pandemie halten.  

 World Vision verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Gemeinschaften in den Entwicklungsländern – zum Beispiel bei der Bekämpfung der Ausbreitung und der Auswirkungen von HIV und AIDS, Ebola und Kinderkrankheiten.  “Wir wissen, dass wir die Menschen in unseren Projektgebieten einbeziehen müssen, damit Impfstoffe wirksam eingesetzt werden können“, so Uellendahl. Auch die Rolle der lokalen Meinungsführer, darunter Leiter von Religionsgemeinschaften, Gesundheits- und Entwicklungshelfer, sei entscheidend, um die Akzeptanz des Impfstoffs zu gewährleisten

"Wir sind bereit, eine weltweite Kampagne zur Einführung von Impfstoffen zu unterstützen. Wir werden hierbei die Hunderttausenden von religiösen Respektspersonen und über 200.000 lokalen Gesundheitshelfer, mit denen wir bereits auf Gemeindeebene zusammenarbeiten, einbinden", betont Dan Irvine, Senior Direktor, Gesundheit und Ernährung bei World Vision International.   

 World Vision arbeitet in einigen der entlegensten und gefährlichsten Gegenden der Welt.  COVID-19 hat in nur wenigen Monaten mehr als 50 Millionen Menschen infiziert, 1,2 Millionen Tote verursacht und jahrzehntelange Entwicklungsfortschritte zunichte gemacht. „Deshalb sind wir zutiefst dankbar für alle Wissenschaftler, die unermüdlich an der Entwicklung eines Impfstoffs gearbeitet haben. Nun muss auch alles dafür getan werden dass alle Mens