Nachrichten / Glaube, Liebe, Hoffnung

DIENSTAG, 9.3.2021


Synodenabschluss-Dokument soll möglichst vielen Menschen Zugang ermöglichen

„heraus gerufen“ jetzt auch in Einfacher Sprache erhältlich

Foto: bt
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(Bistumsweit/Trier/bt) – Das Synodenabschluss-Dokument „heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen“ der Diözesansynode von 2013 bis 2016 ist nun in Einfacher Sprache erhältlich. Das Dokument ist auch nach der strukturellen Neuorientierung 2020 inhaltlich maßgeblich für den nachsynodalen Entwicklungsprozess im Bistum Trier.

 

„Wir möchten uns in der kommenden Zeit vor allem den inhaltlichen Schwerpunktsetzungen der Synode zuwenden und dafür sorgen, dass sie in der konkreten kirchlichen Arbeit vor Ort zunehmend aufgegriffen werden können und mehr und mehr sichtbar und erfahrbar werden“, erläutert Mechthild Schabo, Direktorin des Zentralbereichs Pastoral und Gesellschaft im Bischöflichen Generalvikariat. „Die Synode hat den Weg gewiesen zu einer diakonischen und missionarischen Kirche vor Ort, mitten unter den Menschen. Wir sind weiter zutiefst überzeugt, dass darin der richtige Weg liegt, mit den aktuellen Herausforderungen in Kirche und Gesellschaft umzugehen.“ Das gelte nicht zuletzt im Umgang mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie.

 

Um den Text möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen, wurden die Kapitel 1 bis 3 in die sogenannte Einfache Sprache übertragen. Diese orientiert sich an dem Niveau A2–B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) und ist daher auch für Leserinnen und Leser verständlich, die für gewöhnlich keine Texte auf gehobenem Sprachniveau lesen. Ulrich Stinner, Leiter der Abteilung Pastorale Grundaufgaben, erklärt den Nutzen der Übertragung: „Seit dem Ende der Synode ist das Abschlussdokument vielfältig aufgenommen worden. Richtig ist aber auch, dass in weiten Teilen der kirchlichen Öffentlichkeit die eigentlichen inhaltlichen Anliegen der Synode hinter den strukturellen Fragen bisher fast unsichtbar geblieben sind. Ein Grund ist sicherlich, dass das Abschlussdokument damals von vielen als sprachlich sehr anspruchsvoll und teils schwer verständlich empfunden wurde.“ Doch es sei wichtig, die inhaltlichen Aspekte des Dokuments für breite Bevölkerungsgruppen zugänglich zu machen: „Wer nachvollziehen kann, worum es der Synode eigentlich gegangen ist, wird sich umso besser in die weitere Entwicklung einbringen können.“ Damit verbindet er auch die Hoffnung, dass „auch Menschen, die sich sonst überwiegend in einer komplexeren Sprache bewegen, beim Lesen noch einmal neue, vielleicht überraschende Facetten der Synode für sich entdecken.“

 

Das gedruckte Heft kann bei der Abteilung Pastorale Grundaufgaben im Bischöflichen Generalvikariat kostenlos bestellt werden, Tel.: 0651-7105-262, E-Mail: pastorale.grundaufgaben(at)bistum-trier.de, oder als barrierefreie pdf-Datei auf  https://t1p.de/synode-einfach heruntergeladen werden.

 


Spendenaktion „Hoffnung für Osteuropa“ am Sonntag in Groß-Gerau eröffnet

„National-Egoismen in Politik, Wirtschafts- und Impffragen überwinden“

Foto: ekhn
Foto: ekhn

 

(Groß-Gerau / Darmstadt / Kassel) Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) sowie die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) haben die diesjährige Spendenaktion „Hoffnung für Osteuropa“ am Sonntag (7. März) mit einem Festgottesdienst im südhessischen Groß-Gerau eröffnet. Die 1994 gegründete Initiative steht in diesem Jahr unter dem Motto „Solidarität sichtbar machen“. Gerade angesichts der Corona-Pandemie bleibe es nach Angaben der Hilfsorganisation auch drei Jahrzehnte nach dem Fall des Eisernen Vorhangs besonders wichtig, den östlichen Teil Europas im Blick zu behalten. „Hoffnung für Osteuropa“ fördert soziale und diakonische Projekte, in denen Gemeinschaftsgeist und christliche Nächstenliebe über Grenzen hinweg sichtbar werden sollen. Die Feier wurde online übertragen und steht hier weiter als Video zur Verfügung: https://t1p.de/Osteuropa.

 

Erinnerung an das weite Herz für die Welt

 

Bei der Eröffnung der Aktion am Sonntag rief der evangelische Propst für Oberhessen, Matthias Schmidt, zur „Überwindung von „National-Egoismen in Politik, Wirtschafts- und Impffragen“ auf. Die christliche Botschaft erinnere „an das weite Herz für die Armen dieser Welt“. Die Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ solle in diesem Jahr vor allem „ein Herzensblick auf die Kinder und die Alten“ sein. Sie wolle unter anderem im belarussischen Gomel und im rumänischen Hermannstadt/Sibiu helfen. Barmherzigkeit werde hier „konkret zur praktischen Hilfe“. Der biblische Aufruf zu Barmherzigkeit treffe zudem das Lebensgefühl vieler im Jahr 2021. Oft genug lägen in der Pandemie „die Nerven blank“. Barmherzigkeit sei deshalb auch im Umgang mit sich selbst gefragt. Schmidt: „Statt dem Ideal einer unerreichbaren Perfektion nachzueifern, ist es wichtig, immer wieder die Begrenztheit und Zerbrechlichkeit des Lebens anzunehmen.“

 

Solidarität in einem Europa unterschiedlicher Geschwindigkeiten

 

Oberlandeskirchenrätin Claudia Brinkmann-Weiß, Dezernentin für Diakonie und Ökumene der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, erläuterte, dass die Aktion von vielen Gemeinden beider Landeskirchen unterstützt werde. Es gebe seit vielen Jahren vielfältige und gute Kontakte auf allen kirchlichen Ebenen zu den osteuropäischen Kirchen.  Die Aktion Hoffnung für Osteuropa wolle die Situation in Rumänien, Belarus, Ukraine und Polen in den Fokus rücken. Brinkmann-Weiß: „Sie ist seit 28 Jahren aus christlicher Überzeugung gelebte Solidarität in einem Europa der unterschiedlichen Geschwindigkeiten.“

 

Hintergrund „Hoffnung für Osteuropa“

 

Die Initiative „Hoffnung für Osteuropa“ ist die Antwort der Evangelischen Kirchen in Deutschland auf den Wandel in Mittel- und Osteuropa. Gegründet 1994, soll die Aktion soziale Strukturen, diakonische Dienste und den zivil-gesellschaftlichen Aufbau fördern. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs Ende der achtziger Jahre hat in Europa ein radikaler Umbruch begonnen, der das Leben der Menschen in den ehemaligen Ostblockstaaten tiefgreifend veränderte. Mit dem Kollaps der politischen Strukturen brachen meist auch wirtschaftliche Systeme und soziale Sicherungen zusammen. Millionen Menschen wurde buchstäblich die Existenzgrundlage entzogen. Viele können bis heute nicht an dem Wirtschaftsaufschwung teilhaben, der an vielen Orten allmählich einsetzt. „Hoffnung für Osteuropa" will durch Erfahrungsaustausch und Kooperation mit einheimischen kirchlichen oder zivilgesellschaftlichen Partnern Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Vorbildhafte Sozialprojekte sollen als Symbole der Hoffnung wahrgenommen werden und zur Nachahmung motivieren. Die Aktion will zudem in Ost und West Verständnis wecken für die verschiedenartigen Lebenssituationen und Traditionen. Internationale Begegnungen und Partnerschaften zwischen den Kirchen sollen zur Völkerverständigung beitragen und zudem die Ökumene stärken.

 

 

 

Beispiel-Projekte

 

Erholung für Kinder aus Belarus

 

Der Verein „Kinderhilfe Gomel e.V.“ organisiert  jährlich einen dreiwöchigen Erholungsaufenthalt für Schülerinnen und Schüler aus der belarussischen Stadt in Büttelborn in Südhessen. Der Arbeitskreis wurde 1994 von Mitgliedern der PestalozziSchule in Büttelborn gegründet, um die Lebensumstände der im Gebiet Gomel lebenden Kinder zu verbessern. Diese Region leidet bis heute in besonderem Maße an den Folgen des Reaktorunglückes von 1986 in Tschernobyl. Der Verein finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden, Sponsoren sowie dem Verkauf selbstgestalteter Geschenke auf Weihnachtsmärkten. Zu den jährlichen Erholungsfahrten werden Kinder zu Erholungsaufenthalten außerhalb von Belarus eingeladen. Die sozialen Hintergründe sowie die Gesundheit der Kinder spielen bei der Auswahl eine wichtige Rolle. Jedes Jahr werden Gastfamilien in der Umgebung von Büttelborn gesucht, bei denen die Kinder in dieser Zeit wohnen können. Durch die Besuche entstanden Vertrauen und Freundschaften. Viele Gastfamilien haben enge Bindungen zu ehemaligen Gastkindern, die inzwischen zum Teil selbst Kinder haben.

 

Unterstützung für Seniorinnen und Senioren in Rumänien

 

Vielen älteren Menschen in Rumänien reicht die Rente kaum zum Leben. Der Verein „Hilfe für Sibiu/Hermannstadt“ aus Marburg hat es sich zur Aufgabe gemacht, 20 sozial schwachen Menschen die Betreuung durch einen ambulanten Pflegedienst zu ermöglichen. Dabei steht der Verein in engem Kontakt zu der Hilfsorganisation „Asociatia Filantropica Olivia“, die in Kooperation mit dem Roten Kreuz und den Sozialstationen der Stadt das Projekt vor Ort betreut. Darüber hinaus steht der Verein im Austausch mit der Oberbürgermeisterin von Hermannstadt und dem deutschen Konsulat vor Ort. Die zum größten Teil alleinstehenden, pflegebedürftigen Personen werden zwei Mal in der Woche für zwei Stunden durch eine ausgebildete Krankenpflegerin versorgt. Zusätzlich übernehmen Ehrenamtliche Einkäufe und stehen zur Begleitung für Arztbesuche zur Verfügung. Auch in der Pandemiesituation im Jahr 2020 konnte das Projekt in vollem Umfang weiterlaufen. Mitglieder des Vereines „Hilfe für Sibiu/Hermannstadt“ verschaffen sich in regelmäßigen Abständen durch persönliche Begegnungen einen Überblick über die Situation vor Ort.

 

 

 

Spendenkonten

 

Gesamtkirchenkasse der EKHN
Evangelische Bank eG
IBAN: DE27 5206 0410 0004 1000 00

 

Stichwort: Hoffnung für Osteuropa

 

Link zur EKHN Online-Spende:
www.ekhn.de/kollekten

 

 

 

Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck
Evangelische Bank eG
IBAN: DE33 520 604 10 000 000 3000

 


Orgelunterricht ist Erfolgsgeschichte

 

Diplom-Kirchenmusikerin Dr. Ina Altripp bildet im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis den Nachwuchs für das gottesdienstliche Orgelspiel aus. Einer ihrer Schüler ist Karl Krüger aus Koserow, den Ina Altripp an der Orgel in Zinnowitz unterrichtet. Foto: Ingrid Nadler

 

 

Seit zwei Jahren bildet Dr. Ina Altripp den ehrenamtlichen kirchenmusikalischen Nachwuchs für das gottesdienstliche Orgelspiel im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis aus.

 

 

 

(Greifswald/sk) - Seit zwei Jahren ist Diplom-Kirchenmusikerin Dr. Ina Altripp im Rahmen der Projektstelle Orgelunterricht im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis tätig. Die 50-Prozent-Stelle war von der pommerschen Synode auf Empfehlung des Kirchenkreisrats eingerichtet worden. Grund war der große Bedarf an Organistinnen und Organisten in den Gemeinden des Kirchenkreises. Mit der Projektstelle sollen Ehrenamtliche für das gottesdienstliche Orgelspiel ausgebildet und deren Engagement gefördert und dauerhaft gefestigt werden. Darüber hinaus sollen auch jüngere Menschen an das Instrument Orgel herangeführt werden. Nach den ersten beiden Jahren der Projektstelle zieht Landeskirchenmusikdirektor Frank Dittmer ein positives Fazit. Die Einrichtung der Projektstelle sei ein innovativer, zukunftsweisender Schritt innerhalb der Nordkirche gewesen und habe sich bereits jetzt als Erfolgsmodell erwiesen. Zudem öffne das „Faszinosum der Orgel" kirchliches Leben für kirchenferne Menschen. Derzeit unterrichtet Ina Altripp 25 Schülerinnen und Schüler aus allen drei Propsteien des Kirchenkreises. Darunter sind alle Generationen, die Altersspanne reicht von 9 bis 70 Jahren. Weitere Interessierte stehen auf einer Warteliste.

 

 

 

Geeignete Orgeln in allen drei Propsteien

 

Der pommersche Kirchenkreis reicht von der Nordspitze der Insel Rügen bis ins brandenburgische Friedrichsthal an der Oder. Um trotz der damit verbundenen großen Entfernungen möglichst vielen interessierten Ehrenamtlichen aus dem Kirchenkreis die Teilnahme am Unterricht zu erleichtern, ist Ina Altripp viel unterwegs und hat in allen drei Propsteien mehrere Kirchen mit geeigneten Orgeln als Unterrichtsorte etabliert. So vermittelt die Kirchenmusikerin ihren Schülerinnen und Schülern das Orgelspiel bisher in Franzburg, Richtenberg und Grimmen (Propstei Stralsund), in Usedom, Morgenitz, Mellenthin, Liepe, Zinnowitz und Koserow (Propstei Pasewalk) sowie in Dersekow, Sassen, Görmin, Kröslin und Weitenhagen (Propstei Demmin). „Seit dem Beginn der Corona-Zeit unterrichte ich entsprechend der jeweiligen Vorgaben, das bedeutet in der Regel nur noch jeweils zwei Schüler hintereinander an einer Orgel", erläutert Ina Altripp die Herausforderungen der Pandemie. Um unter diesen Bedingungen alle Interessierten unterrichten zu können, findet der Unterricht für die meisten Teilnehmenden alle 14 Tage statt. Ausgenommen sind hier nur wenige jüngere Schülerinnen und Schüler, für die der zeitliche Abstand sonst zu groß wäre.

 

 

 

Orgelbotschafterin weckt Interesse am Instrument

 

Für die Teilnahme am Orgelunterricht sei es kein Hindernis, wenn Interessierte noch kein Tasteninstrument spielen können, versichert Ina Altripp. Zumal es einige Orgelschulen gebe, die ganz ohne Vorkenntnisse beginnen. „Allerdings wird es natürlich länger dauern, bis diese Schüler im Gottesdienst aktiv werden können." Sechs ihrer Schülerinnen und Schüler beteiligen sich bereits am gottesdienstlichen Orgelspiel. Einige weitere werden voraussichtlich noch in diesem Jahr damit beginnen können. „Die meisten Schüler hatten bereits eine Beziehung zur Kirche, aber bei manchen lag sie zu Beginn des Unterrichts brach und sie bekommen durch den Unterricht wieder einen eigenen Zugang zum Gemeindegeschehen", spricht die Kirchenmusikerin von der gemeinschaftsstiftenden Wirkung des Unterrichts. Die Teilnahme wolle sie aber nicht vom aktiven Glaubensleben abhängig machen, vielmehr sehe sie sich als „Orgelbotschafterin", die das Interesse am Instrument wachhält oder fördert. Für die Zukunft kann sich Ina Altripp bei einer Erweiterung des Projekts vorstellen, über eine Intensivierung des Unterrichts hinaus für die Lernenden weitere Angebote zu entwickeln, beispielsweise Gruppenunterricht, Exkursionen oder kleine Schülerkonzerte.

 

 

 

Spendenmöglichkeit

 

Wer das Projekt Orgelunterricht im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis und damit den kirchenmusikalischen Nachwuchs unterstützen möchte, kann dies unter Angabe des Verwendungszwecks „027000.46200" unter der IBAN DE98 5206 0410 0505 4302 24 und BIC GENODEF1EK1 tun. Für eine Spendenbescheinigung kann zudem unter dem Verwendungszweck Name und Adresse angegeben werden.

 


Weniger Frauen als Männer in Führungspositionen der EKM

Für Diskussion über Geschlechter-Quote für Leitungsstellen

Dorothee Land (Quelle: EKM/Inga Hanke)
Dorothee Land (Quelle: EKM/Inga Hanke)

(Erfurt/ekm) - Anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März fordert Dorothee Land, Gleichstellungsbeauftragte der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), die Diskussion darüber, ob eine Geschlechter-Quote für Leitungsstellen notwendig ist. Die Landeskirche hält sie nur dann für zukunftsfähig, wenn Frauen und Männer gleichberechtigt behandelt werden. „Geschlechtergerechtigkeit muss zu einem durchgängigen Leitprinzip in Veränderungsprozessen werden“, betont Dorothee Land.

 Der Frauenanteil im Pfarrdienst der EKM liegt bei etwa 38 Prozent. Neben den etwa 550 Pfarrern gibt es etwa 340 Pfarrerinnen. Von den 38 Kirchenkreisen werden lediglich fünf von Frauen geleitet. Im Kollegium des Kirchenamtes ist mit der Präsidentin eine der sieben Führungspositionen von Frauen besetzt. In den derzeit besetzten 20 Referaten im Kirchenamt gibt es 11 Leiterinnen.

 Der Anteil von Frauen in Gemeindekirchenräten ist mit 54 Prozent seit 2014 konstant geblieben und liegt geringfügig über dem bundesdeutschen Durchschnitt von 53 Prozent. In den Kreissynoden entspricht der Anteil mit 44 Prozent dem bundesweiten Durchschnitt, auch hier gab es in den vergangenen Jahren keine Änderung. In der Landessynode ist der Anteil von 27 Prozent im Jahr 2014 auf 36 Prozent im Jahr 2020 gestiegen, liegt aber noch unter den bundesweiten 40 Prozent. Bei der Leitung der Kirchenkreise gab es sogar einen Rückgang: Von 28 Prozent im Jahr 2013 auf 26 Prozent im Jahr 2020 (bundesweit 25 Prozent). Bei den Propstsprengeln liegt der Anteil bei 20 Prozent im Vergleich zu bundesweiten 46 Prozent. Im Landeskirchenrat gab es einen Rückgang von 36 Prozent im Jahr 2013 auf derzeit 32 Prozent (36 Prozent Bundes-Durchschnitt). Noch auffälliger ist der Rückgang im Kollegium von 50 auf 36 Prozent (35 Prozent Bundes-Durchschnitt).

 „Die Zahlen zeigen uns, eine geschlechtergerechte Beteiligung auf allen Ebenen ist eine bleibende Aufgabe. Sie ist für die Zukunftsfähigkeit von Kirche wesentlich und knüpft auch an das von der UN proklamierte Motto des diesjährigen Frauentages an: ,Frauen in Führungspositionen: Eine gleichberechtigte Zukunft in einer COVID-19-Welt erreichen‘“, sagt Dorothee Land. „Neben einem Bewusstsein dafür bedarf es konkreter Schritte für mehr Geschlechtergerechtigkeit. Zu denken ist dabei an alternative Leitungsmodelle, mehr Aufmerksamkeit in Besetzungsverfahren als auch eine Diskussion zur Frage, ob eine Quote für Leitungsstellen notwendig ist“, so die Gleichstellungsbeauftragte.

 


Grundschule in Diefflen plant Aktionsmonat gegen Rassismus mit prominenter Unterstützung

Bischof Ackermann unterstützt Aktion „One Smile“ für Toleranz und Nächstenliebe

  Bischof Stephan Ackermann unterstützt die Aktion "One Smile" der Primsschule in Dillingen-Diefflen. Foto: Christina Libeaux
Bischof Stephan Ackermann unterstützt die Aktion "One Smile" der Primsschule in Dillingen-Diefflen. Foto: Christina Libeaux

 

 

(Dillingen/Trier/bt) – Bischof Dr. Stephan Ackermann unterstützt die Aktion „One Smile: Wir lachen alle in derselben Sprache“ der Primsschule in Dillingen-Diefflen. Die Aktion, die Anfang des Jahres vom Schulleiter der Grundschule Bernd Thome und seiner Frau Tanja Kiefer-Thome ins Leben gerufen wurde, setzt sich für Toleranz und Nächstenliebe ein. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lassen sich dabei mit der Postkarte der Aktion, die das Logo „One Smile“ (ein Lächeln) ziert, fotografieren. Am Ende soll aus allen Einsendungen eine große Collage entstehen. „Ich unterstütze die Aktion One Smile, weil ich mir sicher bin, dass auch Gott jeden Menschen mit einem Lächeln ansieht“, sagt Bischof Ackermann.

 

Jeder kann sich an der Postkarten-Aktion beteiligen, ein Foto einschicken und so Teil der Collage werden. Jeden Tag postet Bernd Thome einen „Smile“ auf der Facebook-Seite der Aktion. „Unser Projekt hat das Ziel, jungen Menschen Vielfalt als Chance und Bereicherung näher zu bringen. Wir wollen ihnen bewusst machen, dass Menschen gleich sind – unabhängig von Nationalität, Hautfarbe oder Religion“, erklärt der Schulleiter, „egal an welchen Ort man auf dieser Welt kommt, unser Lachen verbindet uns mit allen Menschen auf diesem Planeten. Lachen ist eine universelle Sprache und zugleich die schönste Art der Verständigung!“

 

Rund 150 Kinder verschiedener Nationalitäten besuchen die Primsschule im Dillinger Stadtteil Diefflen. Der Ort sei keineswegs ein Brennpunkt, was das Thema Rassismus angehe, sondern ein Teil der Gesellschaft, in der es überall Vorurteile gebe. „Das Thema Alltagsrassismus spielt auch schon im Grundschulalter eine Rolle“, erzählt Thome. Anfang des Jahres entstand im Kollegium die Idee, im Juni einen Projektmonat für Toleranz und gegen Rassismus ins Leben zu rufen. „Auf vielfältige Weise sollen die Kinder hierbei über den Tellerrand schauen, andere Kulturen kennenlernen, Courage zeigen und sich für mehr Menschlichkeit einsetzen. Zu diesen Themen wollen wir Autorenlesungen initiieren, mit Künstlern Graffitis entwerfen und das Schulgebäude verschönern, mit Musikern Songs kreieren und diese aufführen, Theater spielen, Transparente gestalten und in unserer Schulbibliothek eine eigene Abteilung zu den Themen Rassismus und Nächstenliebe einrichten“, sagt Thome. Auch für Erwachsene im Ort, die keinen Bezug zur Schule haben, soll es Veranstaltungen geben, etwa Lesungen in der örtlichen Buchhandlung. „Die Woche soll auch einen Anstoß dazu geben, dass die Kinder aufeinander zu gehen. Das machen sie oft von sich aus, aber es hakt, wenn ein Kind zurückhaltend oder etwas schwieriger ist“, sagt der Lehrer.

 

Um das Projekt zu finanzieren, wird eine Online-Auktion ins Leben gerufen. Prominente spenden signierte Gegenstände, die dann im Internet ersteigert werden können. So haben bereits Fußballer Jérôme Boateng, Tatort-Kommissar Dietmar Bär und Musiker Wolfang Niedecken Sachen für die Auktion gespendet. Auch Bischof Ackermann beteiligt sich und stellt zwei signierte T-Shirts der Versteigerung zur Verfügung.

 

Mit dem Projektmonat soll „One Smile“ aber nicht beendet sein. „Bereits Anfang des Jahres hat sich binnen kürzester Zeit gezeigt, dass hier ein großer Bedarf besteht. Viele finden die Aktion wichtig und wollen sich beteiligen“, sagt Thome, der plant, einen Verein zu gründen.

 

https://www.facebook.com/organisation.one.smile/

 

 

 


KAB diskutiert mit Arbeitskammer-Referentin über ungleiche Verteilung der Sorgearbeit

Equal Care Day – Fürsorge sichtbar machen

Symbolbild, Foto: Sabine van Erb/Pixabay
Symbolbild, Foto: Sabine van Erb/Pixabay

(Saarbrücken/bt) – Mit dem internationalen Aktionstag „Equal Care Day“ wird auf die ungleiche Verteilung und die mangelnde Wertschätzung von Fürsorgearbeit aufmerksam gemacht. Unter dem Titel „Viel Verantwortung – wenig Wertschätzung“ hat die Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB) im Saarland am Dienstag, 2. März, im Rahmen ihrer Gesprächsreihe „KAB im welt:raum“ gemeinsam mit der Referatsleiterin Frauen- und Gleichstellungspolitik der Arbeitskammer, Getrud Schmidt, über Gründe und Lösungswege diskutiert.

 

Erst seit 2016 erinnert der „Equal Care Day“ in Schaltjahren am 29. Februar und in allen anderen Jahren am 1. März an die ungleiche Verteilung der Sorgearbeit. So verdienen Frauen in Deutschland rund 20 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Gleichzeitig leisten Frauen deutlich mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer. Sie investieren im Durchschnitt 1,5 Stunden pro Tag mehr in Haushalt, Kinderbetreuung, Pflege und Ehrenamt. Der sogenannte Gender Care Gap beträgt etwas mehr als 50 Prozent. Diese Zahlen stammen, so berichtet Gertrud Schmidt, aus dem zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung von 2017.

 

Die Ursprünge hierfür liegen in der Industrialisierung im 19. Jahrhundert, als sich erstmals die Trennung zwischen der öffentlichen Sphäre der Erwerbsarbeit und der privaten Sphäre der Familie herausgebildet hat. Von da an wurden Männer für die bezahlte Erwerbsarbeit außer Haus zuständig gesehen, Frauen für die Familienarbeit und den Haushalt. Letzteres zählte dann auch nicht mehr als Arbeit, es entstand die Vorstellung, Frauen widmeten sich diesen Tätigkeiten aus Liebe. Dieses gesellschaftliche Ideal hatte in der Bundesrepublik seine Blüte in den 1950er und 60er Jahren.

 

Diese rigide Trennung von männlicher Erwerbs- und weiblicher Hausarbeit ist heute aufgebrochen. Doch nach wie vor wird die Haus- und Familienarbeit der Erwerbsarbeit untergeordnet. Die Beteiligung von Männern an der Sorgearbeit steigt zwar, doch im Vergleich übernehmen Frauen dennoch einen größeren Anteil. Junge Paare ohne Kinder hielten die gleiche Arbeitsaufteilung für wichtig, sagt Schmidt: „Der Kipppunkt ist das erste Kind. Selbst egalitärste Paare erfahren dann ganz oft eine Retraditionalisierung der Rollen.“ Frauen verdienten in der Regel weniger, blieben länger zu Hause und arbeiteten danach vermehrt in Teilzeit, was sich im Alter auf deutlich geringere Rentenbezüge auswirke. Hinzu komme das Ehegattensplitting und die ungünstige Steuergruppe V, die viele vor die Frage stelle, ob es sich überhaupt noch lohne zu arbeiten, wenn parallel dazu die Kinderbetreuung bezahlt werden müsse. „Aber selbst wenn die Bereitschaft besteht, die Arbeit hälftig aufzuteilen, muss es auch genügend Kitas geben, die das möglich machen“, sagt Schmidt. Hier seien auch Betriebe gefordert, die Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit und Familie zu verbessern, etwa durch eigene Kinderbetreuung. In anderen Ländern, insbesondere in Skandinavien, seien die Sozialsysteme anders strukturiert, was sich dann in gendergerechtere Einstellungen widerspiegle.

 

Die Frauenerwerbsquote steige in ganz Deutschland, auch im Saarland. Doch liege das Saarland hier deutlich unter dem Bundesschnitt an vorletzter Stelle. Dies habe auch viel mit der saarländischen Vergangenheit zu tun, die dominiert war von Bergbau, Stahl und Fahrzeugbau meint Schmitt: „Das waren gut bezahlte Männerbranchen. Man konnte es sich leisten, dass die Frau nicht arbeitet.“

 

Die unterschiedliche Wertschätzung von Männer dominierten Berufen zeige sich bis heute: „Während man zur Ausbildung zur Erzieherin eine Berufsschule besucht, gibt es in Männer dominierten Berufen das duale Studium mit einer Ausbildungsvergütung“, sagt Gertrud Schmidt. „Automechaniker arbeiten körperlich schwer, aber auch Krankenschwestern, bei denen zudem noch große Voraussetzungen an die Empathie gestellt werden.“ Im Gehalt spiegle sich diese Verantwortung nicht wider. „Die Lösung kann nicht sein, dass Frauen einfach die Berufe wählen sollten, die besser bezahlt sind. Es braucht in unserer Gesellschaft auch jemanden, der sich kümmert und in die Pflege geht“, sagt Schmidt. Zudem zeigten Studien, dass ein steigender Frauenanteil in einem Beruf zu einem gleichzeitigen Absinken des Lohnniveaus führe. Dies liege jedoch nicht daran, dass die Löhne beider Geschlechter in diesem Bereich sinken. Vielmehr arbeiteten dann mehr Frauen mit konstant niedrigeren Verdiensten in dem Beruf.

 

 

Auf einen Blick:

 

https://equalcareday.de/was-ist-care/#02067c6820cfcef59

 

Hintergrund:

 

Die Diskussion über den Equal Care Day war der Auftakt der diesjährigen Gesprächsreihe der KAB im welt:raum, die alle 14 Tage, dienstags um 18 Uhr, digital stattfindet. In den nächsten Monaten sind folgende Veranstaltungen geplant:

 

16. März: „Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk – Brauchen wir das oder kann das weg?“ Gespräch mit dem Theologen und Journalisten Stefan Weinert

 

30. März: Stressbewältigung im Alltag. Gespräch mit der Heilpraktikerin für Psychotherapie Ingeborg Weiland.

 

13. April Befristete Arbeitsverträge – Immer wieder die Luft anhalten. Gespräch mit Tanja Lauer, ver.di

 

27. April: Digital abgehängt? Wie ein zweites Leben für Computer Menschen digitale Teilhabe ermöglicht. Gespräch mit Harald Kreutzer vom Verein weltveränderer e.V.

 

11. Mai: 1700 Jahre freier Sonntag. Gespräch mit Egbert Ulrich von der Sonntagsallianz Saarland.

 

25. Mai: Verschwörungserzählungen. Gespräch mit Nicola Rosendahl von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Rheinland-Pfalz

 

8. Juni: Hunde als Menschenpartner. Gespräch mit Jutte Dietzen.

 

Weitere Infos: www.Kab-trier.de und www.facebook.de/KAB.Treff

 


Glückwünsche zur Wahl aus Hessen-Nassau

Frankfurter Pfarrerin Susanne Bei der Wieden ist Kirchenpräsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche in Deutschland

Foto: Rita Haering
Foto: Rita Haering

(Frankfurt/ekhn) - Die Frankfurter Pfarrerin Susanne Bei der Weiden ist die neue Kirchenpräsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche in Deutschland. Bei der Wieden, die auch stellvertretende Präses der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) ist, wurde am Donnerstagabend (4. März) per Online-Abstimmung gewählt. Die 54 Jahre alte promovierte evangelische Theologin ist die erste Frau im reformierten Leitungsamt. Zur Evangelisch-reformierten Kirche gehören 142 Gemeinden mit etwa 185.000 Gemeindegliedern in ganz Deutschland. Sie ist eine der 22 Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Bei der Wieden tritt die Nachfolge von Martin Heimbucher an, der in den Ruhestand geht. Die Amtsübergabe ist voraussichtlich im September. Neben Bei der Wieden hatte die EKD-Referentin Sabine Dreßler aus Braunschweig (58) kandidiert.

 

Gratulation von Kirchenpräsident Jung

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung gratulierte Bei der Wieden und freute sich über „das deutliche Votum der reformierten Synode für die EKHN-Pfarrerin“. Er bezeichnete sie als „sehr profilierte Theologin mit viel Erfahrung im Gemeindepfarrdienst und in kirchenleitenden Gremien". Ihre reformierte Prägung sei besonders in ihrem "starkem, am biblischen Zeugnis orientieren sozialethischen Interesse klar erkennbar".

 

Glückwünsche von Präses Oelschläger

Der Präses der hessen-nassauischen Kirchensynode, Ulrich Oelschläger bedauerte, „Frau Dr. Bei der Wieden als Stellvertreterin zu verlieren“. Umso mehr freue er sich aber „für die profilierte reformierte Theologin und auch für die Evangelisch-reformierte Kirche. Oelschläger: „Die EKHN kann auch stolz darauf sein, dass eine Pfarrerin aus ihren Reihen und Repräsentantin ihrer Synode in dieses deutschlandweit wichtige Amt gewählt wurde.“

 

Gratulation von der EKD

Auch der Vorsitzende des Rates der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, überbrachte Glückwünsche: „Zur Wahl zur ersten Kirchenpräsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche gratuliere ich Susanne Bei der Wieden von Herzen. Bei Ihrer neuen Aufgabe kann Susanne Bei der Wieden einen reichen Schatz an Erfahrungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln einbringen.“

 

 

 

Zur Person: Susanne Bei der Wieden

Susanne Bei der Wieden (54) ist seit 2003 Pfarrerin der evangelisch-reformierten Gemeinde Frankfurt/Main. In der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen-Nassau nimmt sie das Amt der stellvertretenden Synodenpräses wahr. Von 1999 bis 2003 lehrte sie am Reformierten Seminar für pastorale Aus- und Fortbildung in Wuppertal. Die gebürtige Darmstädterin machte ihr theologisches Examen in der Westfälischen Landeskirche, ihre theologische Laufbahn begann sie als Vikarin in Kinzenbach bei Gießen. Die promovierte Theologin ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter.

 


Kirchenmusiker Blomenkamp (Karlsruhe) und Fünfgeld (Offenburg) werden Kirchenmusikdirektoren

(Karlsruhe/Offenburg/pm) - In der badischen Landeskirche gibt es zwei neue Kirchenmusikdirektoren: Künftig tragen Johannes Blomenkamp (Karlsruhe) und Traugott Fünfgeld (Offenburg) diesen Titel. Ferner verlieh der Beirat für Kirchenmusik in diesem Jahr zweimal die Bezeichnung eines Kantors: Sie geht an Friedhelm Bräuer (Hartheim) und Rolf Herbst aus Buchen.

 

Landeskirchenmusikdirektor Kord Michaelis würdigte den künftigen Kirchenmusikdirektor aus Karlsruhe-Durlach, Johannes Blomenkamp: „Karlsruhe hat sich in den letzten Jahren zu einem deutschlandweit beachteten Zentrum der evangelischen Kirchenmusik entwickelt. Das ist nicht zuletzt der sehr guten Teamarbeit der Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker unter Leitung von Bezirkskantor Johannes Blomenkamp zu verdanken.“ Blomenkamp, der zuvor Kantor im Großraum Hannover war, habe seit fast 15 Jahren an der Stadtkirche Durlach künstlerische Akzente als Organist und Improvisator sowie als Leiter der Singschule und der Erwachsenenchöre gesetzt, erklärte Michaelis.

 

Zur Verleihung des Titels an den Offenburger Bezirkskantor sagte der Landeskirchenmusikdirektor: „Als vielfältig wirksamer Komponist ist Traugott Fünfgeld gerade den Posaunenchören Deutschlands wohlvertraut. Aufgewachsen in der Ortenau, wurde er nach Studium und einer ersten Kantorenanstellung in Lahr 2003 Bezirkskantor im damaligen Kirchenbezirk Offenburg, wo er seither eine vielseitige und schwungvolle kirchenmusikalische Arbeit auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht.“

 

In der badischen Landeskirche gibt es jetzt 15 Kirchenmusikdirektoren und -direktorinnen an größeren Kirchen zwischen Weinheim im Norden und Rheinfelden im Süden. Daneben wirken insgesamt rund 70 Kantorinnen und Kantoren entweder auf hauptberuflichen Kirchenmusikstellen oder im Nebenberuf, wenn ihnen der Titel „Kantor“ ehrenhalber verliehen wurde.

 

Die Auszeichnung wird an die neuen Kirchenmusikdirektoren und Kantoren im Laufe des Jahres an der jeweiligen Stätte ihres Wirkens übergeben.

 


Mahlfeiern beim ÖKT

„Gastfreundschaft bei Eucharistie und Abendmahl ist möglich!“

 

 

 

Wir sind Kirche zur Absage gemeinsamer Mahlfeiern beim ÖKT

 

 

(München, Frankfurt, Limburg/wsk) - Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche begrüßt die vom Limburger Bischof Dr. Georg Bätzing im Blick auf den Ökumenischen Kirchentag in seinem Bistum ausgesprochene Ermutigung, bei den konfessionellen Gottesdiensten, die am Kirchentags-Samstag, dem 15. Mai, stattfinden sollen, die unterschiedlichen Traditionen kennenzulernen. In einem Brief an die Priester seiner Diözese hat er diese auch angewiesen, bei der Eucharistie keine Ausladung von Glaubenden anderer Konfessionen auszusprechen.

 

Wir sind Kirche bedauert es allerdings sehr, dass auch bei diesem 3. Ökumenischen Kirchentag seitens der römisch-katholischen Kirche immer noch keine gemeinsamen Mahlfeiern möglich sein sollen und nicht einmal eine allgemeine Einladung zur Teilnahme an der Eucharistie in katholischen Gottesdiensten ausgesprochen werden soll. Die Argumente, die Bischof Bätzing vorbringt, sind sehr fragwürdig:

 

  • Seriöse und allgemein anerkannte Stellungnahmen zeigen seit über 50 Jahren immer wieder auf, dass einer wechselseitigen Gastfreundschaft bei Eucharistie und Abendmahl grundsätzlich nichts mehr entgegensteht. In der Studie „Lehrverurteilungen – kirchentrennend?“ (1987 von Karl Lehmann und Wolfhart Pannenberg herausgegeben) sind die wesentlichen kirchentrennenden Vorurteile aufgearbeitet. Joseph Ratzinger dagegen hat als Glaubenspräfekt den Evangelischen im Dokument „Dominus Iesus“ im Jahr 2000 gar das Kirche-Sein abgesprochen, was große Irritationen in der Ökumene auslöste.
  • Die Studie des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen: „Gemeinsam am Tisch des Herrn – Ökumenische Perspektiven bei der Feier von Abendmahl und Eucharistie“ (2019) entspricht dem, was bereits in den Gottesdiensten während des 1. Ökumenischen Kirchentages 2003 gefeiert wurde: wechselseitige Einladung zur Eucharistie und zum Abendmahl in der Berliner Gethsemanekirche in Anerkennung der jeweils anderen Tradition.
  • Für einen Großteil der katholischen Christinnen und Christen hat die Trennung der Christenheit keine Bedeutung mehr. Der „Glaubenssinn der Glaubenden“ ist aber für den Glauben konstitutiv und damit bedeutsam; die Kirchenleitung darf ihn nicht einfach übergehen. Die Forderung,  „geltende Normen und Bestimmungen“ einzuhalten, widerspricht in diesem Fall dem Glaubenssinn der Glaubenden.
  • Die offizielle katholische Kirchenmeinung, wie sie Rom vorbringt, ignoriert die ernsten theologischen, pastoralen und spirituellen Argumente, die von evangelischer Seite vorgetragen werden. Diese Missachtung widerspricht der Behauptung, man habe sich ökumenisch angenähert und dürfe die ökumenischen Fortschritte „unter keinen Umständen“ gefährden. Auch die aktuell vorgebrachten Argumente von Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Einheitsrates, vertreten eine Minderheitsmeinung und lassen eine solide biblische, historische und systematische Begründung vermissen.
  • Wenn als Voraussetzung für eine offizielle Einladung zur Gastfreundschaft in der katholischen Eucharistiefeier die volle Kirchengemeinschaft gefordert wird, bedeutet das nichts anderes als die Unterwerfung der evangelischen Brüder und Schwestern unter eine längst überholte römische Theologie und die Jurisdiktion des Papstes.
  • Immerhin weist Bätzing keine Glaubenden zurück, die sich in ihrem Gewissen geprüft haben, und ermutigt auch die Priester der Diözese dazu. Der Vatikan dagegen hatte – entgegen jahrhundertealter Theologie – erklärt, dass in dieser Frage kein Raum für eine Gewissensentscheidung sei.

 

Wir sind Kirche steht hinter der weit verbreiteten ökumenischen Praxis der wechselseitigen Gastfreundschaft bei Eucharistie und Abendmahl:

 

  • Christus, nicht der Bischof oder der Priester, lädt zu dieser Feier der Einheit und Versöhnung ein. Wer die Trennung in dieser Frage aufrechthält, widerspricht dem Auftrag zur Versöhnung, den die Kirche für die ganze Welt wahrzunehmen hat. Das Mahl schenkt uns die Einheit, nicht die Einheit das Mahl.
  • Die Ökumene ist ein Prüfstein für die Glaubwürdigkeit des Christentums gemäß dem Auftrag ihres Herrn „...damit alle eins seien“ (Joh 17,21). Nur gemeinsam können die Kirchen heute in „versöhnter Verschiedenheit“ den Menschen das Evangelium, die Hoffnungsbotschaft des Mannes aus Nazaret, den wir als den Christus bekennen, glaubhaft und glaubwürdig verkünden und bezeugen. Halten wir uns an das Leitwort „Tun, was uns eint“. Alles andere ist theologisch verbrämter Machtanspruch, den wir als mündige Christen und Christinnen nicht mehr anerkennen.

 


Ulrich Körtner bei Veranstaltungsreihe der Landesbischöfin zu assistiertem Suizid:

„Selbstbestimmtes Leben ist verantwortungsvolles Leben“

Bild: Prof. Ulrich Körtner | Foto: Hans Hochstöger
Bild: Prof. Ulrich Körtner | Foto: Hans Hochstöger

 

 

(Schwerin/Wien/akl) - Mit einer Weitung des Blicks auf die europäischen Nachbarn und die Ökumene ging gestern (3. März) die Veranstaltungsreihe zum assistierten Suizid in kirchlichen Einrichtungen von Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt zu Ende. Das Ziel der Landesbischöfin der Nordkirche: Im geschwisterlichen Gespräch eine Position zum assistierten Suizid zu finden. Dazu sprachen in den letzten Wochen der Jurist Professor Michael Germann (Halle), der Theologe Professor Dietrich Korsch (Marburg) und die Diakonikerin Professor Annette Noller (Stuttgart). Sämtliche Vorträge werden auf www.nordkirche.de nachzuhören sein.

 

Zum Abschluss der Reihe betonte die Landesbischöfin: „Unsere Aufgabe ist es, an der Seite der Menschen zu sein, im Auftrag Gottes, der für das Leben eintritt und immer noch Perspektiven hat auch am Ende des Lebens und darüber hinaus. Dazu gehört aus meiner Sicht, mit Angeboten von alltagspraktischer Unterstützung über seelsorgerische und psychologische Beratung bis hin zur palliativmedizinischen Begleitung Menschen so zu stärken, dass sie ihr Leben bejahen können. Meiner Meinung nach sollte die Möglichkeit einer assistierten Sterbehilfe im Rahmen kirchlicher Einrichtungen in besonderen Grenzfällen nicht prinzipiell ausgeschlossen werden - zugleich aber halte ich es für nötig, als Kirche dem regelhaften Angebot der Suizidbeihilfe in kirchlichen Einrichtungen entgegenzutreten und sich nicht zu einem Teil geschäftsmäßiger Suizidhilfe zu machen. So würde ich den Rahmen beschreiben, innerhalb dessen sich zu positionieren die gegenwärtige Herausforderung für uns als Kirche ist.“

 

Vor der ehemaligen Wiener Spitalskapelle sprach Professor Ulrich Körtner zu rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Das Gebäude, das heute das Institut für Ethik und Recht in der Medizin beherbergt, hatte er als Hintergrundbild für die digitale Veranstaltung ausgewählt. Ulrich Körtner ist Vorstand dieses Instituts und Ordinarius für Systematische Theologie und Religionswissenschaft an der Universität Wien.

 

Der Theologieprofessor nahm in seinem Vortrag eine Weitung des Blicks vor: Er verglich die deutsche Rechtsprechung mit der der Nachbarländer. So ist Suizidbeihilfe in Österreich strikt verboten und in der Schweiz erlaubt, solange dies nicht aus „selbstsüchtigen Motiven“ geschieht. Statt eines Alleingangs der Protestanten mahnte Körtner die ökumenische Dimension an: Katholiken und Orthodoxe etwa lehnen eine Beihilfe zum Suizid und Tötung auf Verlangen uneingeschränkt ab.

 

Assistierter Suizid, das machte Körtner klar, findet immer in einem Beziehungsgeflecht statt und hat weitreichende Folgen in die Gesellschaft hinein. „Medizinisches Handeln und pflegerisches Handeln sind in Organisationen hochgradig arbeitsteilig“, erläuterte der Theologe, „weitere Akteure sind Angehörige, Seelsorgerinnen, Führungskräfte und Juristen. Wir müssen also die jeweiligen Perspektiven all dieser Menschen in den Blick nehmen.“ Für Kirche und Diakonie schließe das folgende Fragen ein: „Was bedeutet das für die Einrichtung? Was würde ein assistierter Suizid im Nebenzimmer für die anderen Bewohner bedeuten? Was bedeutet das für das Vertrauensverhältnis zu den Pflegekräften?“

 

Mit dieser Sichtweise könne man ein gewichtiges Argument der Befürworter des geschäftsmäßigen assistierten Suizids auch in diakonischen Einrichtungen aushebeln. Ulrich Körtner: „Es heißt oft, es sei besser, Sterbewilligen in ‚geschützten Räumen‘ zu helfen, als sie allein zu lassen. Doch inwieweit lässt man dann die anderen Bewohner mit dem Geschehen allein? Kann das für sie nicht auch eine Traumatisierung bedeuten? Auch das Vertrauensverhältnis zu den Pflegekräften einer Einrichtung kann dadurch leiden.“ Wenn Sterbehilfe nicht als ein Grenzfall gesehen werde, sondern als institutionalisiertes Handeln, dann habe das auch Auswirkungen auf die gesellschaftliche Einschätzung von Sterben und Tod, betonte der Ethiker. „Wenn die Pflegerin zu einem Bewohner des Seniorenheims sagt, die Nachbarin hätte es ‚geschafft‘ – was vermitteln wir da für ein Bild von Leiden und Sterben?“

 

Doch nicht nur die Einrichtungen tragen laut Körtner eine große Verantwortung. Auch den Menschen mit Todeswunsch könne man nicht davon freisprechen. „Weil der Mensch ein Beziehungswesen ist, bedeutet selbstbestimmtes Leben, verantwortungsvoll zu leben. Die Verantwortung besteht nicht nur allein uns selbst gegenüber. Wir tragen sie auch gegenüber den Menschen, zu denen wir in Beziehung stehen, und vor Gott, dem wir das Leben als Gabe und Aufgabe verdanken.“ Damit stellte der Wiener Professor sich klar gegen die Fokussierung auf die Selbstbestimmung des Menschen, wie sie das Bundesverfassungsgericht vor rund einem Jahr vorgenommen hat.

 

Verantwortung zu benennen bedeute allerdings nicht, zu verurteilen. Dazu brachte Körtner den biblischen Begriff der Barmherzigkeit ins Spiel: „In der Bibel heißt es: Richtet nicht, verdammt nicht! Richtet nicht über die, die ihrem Leben ein Ende setzen. Richtet nicht pauschal über die, die ihnen geholfen haben. Da gibt es auch eine Schuldgeschichte der Kirche, etwa wenn Suizidanten nicht kirchlich bestattet wurden und man die Hinterbliebenen ächtete.“

 

In der anschließenden Diskussion hielt der Hallenser Verfassungsrechtler Michael Germann ein Plädoyer, als Kirche auf den gerade anlaufenden Gesetzgebungsprozess Einfluss zu nehmen: „Seit dem Bundesverfassungsgerichtsurteil gibt es in Deutschland überhaupt keine Beschränkungen für die geschäftsmäßige Suizidhilfe. Deswegen stellt sich die Frage, was in den Einrichtungen geschieht, sehr aktuell. Ich ermutige dazu, die Klärung der Rechtsfragen und die Gesetzgebung nicht nur als etwas zu betrachten, was man einfach abwarten muss. Die Kirche darf Position beziehen, ihre Sichtweisen in die öffentliche Diskussion einbringen und von ihrer Freiheit Gebrauch machen, selbst danach zu handeln.“

 


Angehörigengruppe der Psychiatrieseelsorge hilft Eltern, mit Krankheit des Kindes zu leben

„Ich habe Angst vor meinem Sohn – aber er bleibt dennoch mein Kind“

Foto: bt
Foto: bt

 

 

 

 

 

(Saarbrücken/bt) – Am Anfang war die Schuld. Die Frage nach dem Warum. Das Schweigen aus Scham. Warum ist bei ihrem Sohn mit 16 eine Psychose aufgetreten? Warum sprechen Stimmen in seinem Kopf? Als Mutter wollte Monika F. (Namen geändert) ihrem Sohn Martin doch immer ein behütetes Zuhause bieten: Einfamilienhaus im Saarland, Klavierunterricht, Besuch eines renommierten Gymnasiums. Der Sohn, bislang ein sehr guter Schüler, litt plötzlich an schweren psychotischen Phasen mit hoher Aggressivität und Zerstörungswut. Er flog vom Gymnasium, packte immerhin noch die Mittlere Reife. Dazwischen immer wieder Aufenthalte in verschiedenen psychiatrischen Kliniken. „Die Prognosen standen anfangs gut, dass die Krankheit mit Tabletten in den Griff zu kriegen sei. Doch Martin hat die Medikamente stets abgelehnt. Bis heute ist er der Meinung, es besser zu wissen als alle Ärzte und Therapeuten“, sagt seine Mutter. Dadurch habe sich die Krankheit verschlimmert. So erzählt es F. heute – 22 Jahre später. Martin ist inzwischen 38 Jahre alt. Hinter der ganzen Familie liegt ein langer Leidensweg – Ausgang offen.

 

Wie lebt es sich mit einem psychisch schwer kranken Kind, wie umgehen mit dessen Aggressionen, aber auch der eigenen Verzweiflung? Sich von den Selbstvorwürfen zu befreien war für Monika F. ein langer Prozess. Es dauerte Jahre, bis sie sich jemandem anvertrauen konnte und Rat bei Selbsthilfegruppen suchte. „Es tat mir unglaublich gut, mich dort öffnen zu können und zu merken, dass ich als Betroffene nicht alleine bin“, sagt sie. Doch das Leid der anderen Eltern zu hören, ziehe sie auch runter. „Ich brauche auch mal eine Auszeit, wo es nicht nur um die Krankheit geht“, sagt F..

 

Eltern etwas Gutes für die Seele tun

 

Das ist auch der Ansatz der Elterngruppe, die die Pastoralreferentin Marion Latz vor drei Jahren gegründet hat. Latz ist seit neun Jahren Psychiatrieseelsorgerin an den Sonnenberg Kliniken in Saarbrücken und dort auch für die Seelsorge von Angehörigen zuständig. Durch ihre Arbeit ist sie zudem mit den verschiedenen Krankheitsbildern vertraut. „Die Eltern leiden enorm und das über Jahre hinweg. Die Ohnmacht, seinem Kind nicht helfen zu können, lähmt“, sagt Latz. Einmal im Monat bietet sie das Treffen an – wegen Corona inzwischen als Videokonferenz. „Natürlich sprechen wir dann auch über die Kinder und wie es den Eltern geht, das Thema lässt sich ja nicht ausblenden.“ Aber ihr sei es wichtig, in den Treffen auch immer mit Musik, Gebeten und meditativen Texten den Betroffenen etwas Gutes für die Seele mit auf den Weg zu geben.

 

Monika F. kann heute ruhig und sachlich über ihre Situation sprechen. „Natürlich hatte ich Schuldgefühle und habe gegrübelt, was schief gelaufen ist“, sagt sie. War es der Umzug zum neuen Partner ins Saarland, mit dem ihr Sohn Schwierigkeiten hatte? Vermisste er seine Familie in Nordrhein-Westfalen? „Aus Sicht meines Sohnes bin ich natürlich bis heute die Schuldige“, sagt sie. Lange Jahre hat sie versucht, ihre Schuld zu kompensieren: „Immer, wenn er etwas wollte, bin ich sofort gesprungen.“ Inzwischen weiß sie, dass auch die genetische Veranlagung eine Rolle bei der Erkrankung spielt. „Ich habe erkannt, dass es keinen Zweck hat, mit meinem Sohn zu diskutieren. Durch die Krankheit hält er seine Sicht auf die Welt für die Realität.“

 

Abgeklärt spricht sie auch über die verstörenden Ereignisse, die sie sagen lassen „Ich habe Angst vor meinem Sohn.“ In seinen Psychosen habe er die Großeltern attackiert und sie selbst zusammengeschlagen: „Er packte mich von hinten und schlug meinen Kopf gegen die Briefkästen im Hausflur.“ Die Hämatome und Platzwunden ließ sie im Krankenhaus dokumentieren und zeigte ihn bei der Polizei an. Seit Jahren dokumentiert sie jeden Vorfall.

 

In den Jahren habe es immer wieder Momente der Hoffnung gegeben. „Martin wollte das Abitur auf dem Abendgymnasium nachholen und schaffte die elfte Klasse mit Spitzennoten“, erinnert sich F.. Doch erschöpft davon sei er zurück in alte Muster gefallen. Aktuell sei die Situation schlimmer denn je: „Seine Singlewohnung ist völlig vermüllt und voller Ungeziefer. Er sitzt zwischen den Kakerlaken und spricht mit ihnen. Alles ist mit einem Nikotinfilm dick überzogen“, beschreibt sie die Situation. Die Möbel habe er in der Psychose zerstört, ein neues Bett, das sie ihm gekauft habe, habe er nach zwei Wochen zertrümmert. Hinzu komme der schlechte gesundheitliche Zustand ihres Sohnes. Zwar habe Martin einen Berufsbetreuer, der sich um die Finanzverwaltung und gesundheitliche Fürsorge kümmere, doch sei dies nicht ausreichend. Seit letzter Woche sei er wieder in einer geschlossenen Psychiatrie. „Seitdem ich das weiß, kann ich etwas entspannen. Ich weiß, dass er dort einen strukturierten Tagesablauf hat, regelmäßig Mahlzeiten bekommt, dass im Ernstfall jemand zur Stelle ist“, sagt F. Sie wünsche sich, dass ihr Sohn länger in einer betreuten Einrichtung bleiben muss. Da Martin das ablehnt, müsste dies gegen seinen Willen geschehen. Doch die Hürden für einen solchen Freiheitsentzug sind hoch und müssen von einem Richter angeordnet werden.

 

Wunsch, Situation für Betroffene und Angehörige zu verbessern

 

Kraft gebe ihr auch ihr Wille, politisch und gesellschaftlich etwas zu bewegen, sagt F.. Hier sieht sie im Saarland vieles im Argen, fordert passgenauere Hilfen. Etwa einen zeitnahen Zugang zu einem niedergelassenen Psychiater – Wartezeiten von bis zu vier Monaten seien nicht akzeptabel. Auch sollten Betroffene ihre Klinik frei wählen können. Notwendig sei auch, den Zugang zur Eingliederungshilfe zu erleichtern, und flexible, niedrigschwellige Arbeitsangebote zu schaffen, damit sich psychisch Kranke in stabilen Phasen etwas hinzuverdienen könnten. Es bedürfe einer zentralen Informationsstelle, an der alle verfügbaren Hilfen für psychisch Kranke und ihre Familien gebündelt werden. „Oft sind die Familien jahrelang auf der Suche nach der richtigen Anlaufstelle“, weiß sie aus Gesprächen mit anderen Eltern. Wie in anderen Bundesländern müsse es auch im Saarland eine unabhängige Beschwerdestelle für Patienten der Psychiatrie geben. Sie wünscht sich zudem, dass in der Öffentlichkeit psychische Krankheiten enttabuisiert werden.

 

Die Schuldgefühle habe sie in den Jahren hinter sich gelassen, sagt F., aber nicht die Sorge um ihren Sohn und der Wunsch, ihm nach ihren Möglichkeiten zu helfen: „Er ist und bleibt mein Kind und natürlich wünsche ich mir, dass er Hilfe zulässt und zur Ruhe kommt.“

 

Kontakt zur Elterngruppe gibt es bei Marion Latz: m.latz(at)sb.shg-kliniken.de

 

 

 


Erinnerungskultur als gesamtgesellschaftlicher Auftrag

 

Angesichts des diesjährigen bundesweiten Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ hat der Bundesvorstand des Kolpingwerkes Deutschland eine Erklärung veröffentlicht

 

 

(Köln/kw) - Seit 1700 Jahren gibt es jüdische Gemeinden in Deutschland. Dies belegt ein Edikt des römischen Kaisers Konstantin aus dem Jahr 321. Aus diesem Anlass hat der Bundesvorstand des Kolpingwerkes Deutschland eine Erklärung veröffentlicht, in der die Verbundenheit mit den schätzungsweise 150.000 Jüdinnen und Juden in Deutschland ausgedrückt und dazu aufgerufen wird, Erinnerungskultur als gesamtgesellschaftlichen Auftrag wahrzunehmen.

 

Auch wenn die letzten Opfer und Zeugen der nationalsozialistischen Verbrechen bald nicht mehr unter uns leben, darf es keinen Schlussstrich bei dem Gedenken an den Holocaust geben. Deshalb braucht es neue Formen des Gedenkens für nachkommende Generationen, die sich fragen, was diese Vergangenheit mit ihrem Leben zu tun hat. Gedenken und Erinnern bedeutet zugleich nämlich, Lehren aus der Geschichte zu ziehen und Verantwortung im Hier und Heute zu tragen. Eine „erinnerungspolitische Wende“, wie es aus rechtspopulistischen Kreisen immer wieder gefordert wird, darf es deshalb nicht geben – gerade in einer Zeit, in der Ausgrenzung sowie Hass zunehmend alltäglich und antisemitische Stereotype gegenwärtig sind; wie etwa in den sozialen Netzwerken oder auf Corona-Demonstrationen.

 

Es ist oft ein kurzer Weg von der Verrohung der Sprache bis zum Einzug der Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung. Auch heute zeigt sich, wie schnell aus Mitläufern Mittäter werden können. Gefragt ist daher Mitmenschlichkeit und Solidarität mit den Schwachen und Bedrängten. Ein Mensch darf in seiner Würde nicht in Frage gestellt werden – egal, welche Religion oder Herkunft er hat. Das ist die gesellschaftliche Verantwortung, die von Generation zu Generation weitergegeben werden muss. Doch Erinnerungskultur resultiert insbesondere aus der Verantwortung für den Holocaust und kann nicht staatlich verordnet werden – sie muss aus sich heraus wirken.

 

Eine sichere Gegenwart und Zukunft für Jüdinnen und Juden in Deutschland ist ein Prüfstein dafür, dass wir die Verantwortung für unsere Geschichte übernehmen. Alle Formen des Antisemitismus sind deshalb zu bekämpfen. Für antisemitische Ressentiments und Vorurteile darf es keinen Raum geben. Den respektvollen Dialog und die offene Begegnung mit Menschen jüdischen Glaubens zu fördern und immer wieder engagiert Stellung gegen Antisemitismus zu beziehen – das ist eine ständige Aufgabe. Jüdinnen und Juden prägen heute das Bild des deutschen Judentums mitten in unserer Gesellschaft. Sie gehören zu unserer Gesellschaft. Tun wir alles dafür, dass dies so bleibt!

 

Zur Erklärung im Wortlaut: www.kolping.de/erinnerungskultur 

 

Das Kolpingwerk Deutschland ist ein generationsübergreifender katholischer Sozialverband mit bundesweit mehr als 230.000 Mitgliedern in 2.350 Kolpingsfamilien vor Ort, davon etwa 40.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die der Kolpingjugend angehören. Es ist Teil von Kolping International und von Kolping Europa.

 


Kirchen und Gewerkschaften im Norden erinnern mit einem Kurzfilm zum #Sonntagsgefühl an das Jubiläum der sozialen und religiösen Errungenschaft

1700 Jahre arbeitsfreier Sonntag

 


(Hamburg/nka) - Das Erzbistum Hamburg, der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt der Nordkirche (KDA) und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di Nord), erinnern am morgigen 3. März 2021 gemeinsam mit einem Kurzfilm an den arbeitsfreien Sonntag, der seit 1700 Jahren gesellschaftlich wie politisch anerkannt, aber zunehmend auch gefährdet ist.

 

 

 

Am 3. März im Jahr 321 erließ der römische Kaiser Konstantin die erste staatliche Sonntagsschutzregelung: „Alle Richter, Stadtbewohner und Gewerbetreibenden sollen am ehrwürdigen Tag der Sonne ruhen!“, lautete das kaiserliche Edikt. Seit dieser Zeit gilt der arbeitsfreie Sonntag als soziale Errungenschaft. Trotz seiner Verankerung im Grundgesetz der Bundesrepublik gerät der freie Sonntag im Zeitalter von Digitalisierung, Onlinehandel und Sonntagsöffnungen zunehmend in Gefahr.

 

 

 

Um an die gesellschaftliche Bedeutung des freien Sonntags zu erinnern, wurde anlässlich des Jubiläums gemeinsam mit dem Filmemacher Malte Blockhaus ein Kurzfilm zum Thema „Dein Sonntagsgefühl“ erstellt. Der Film #Sonntagsgefühl besteht aus einer Vielzahl kurzer Videobeiträge, die nach einem öffentlichen Aufruf der Initiatoren von vielen Menschen eingesendet wurden. So entstand ein Gesamtbild, was den Sonntag ausmacht und warum er so unersetzlich ist. Dieser Film ist u.a. auf der YouTube-Seite des KDA zu sehen: https://bit.ly/300zXy6.

 

 

 

Der Sonntag ist nicht nur Tag der Arbeitsruhe, sondern auch der „seelischen Erhebung“. Für die Kirchen ist es der Tag des Gottesdienstes, aber auch ein Tag, an dem viele Aktivitäten in den Kirchengemeinden stattfinden. Der Sonntag ist zugleich der Tag für gemeinsame Zeit in der Familie, für Kultur, Sport und Erholung. Ohne ihn gäbe es keinen gemeinsamen freien Tag mehr. Deshalb engagieren sich evangelische und katholische Kirche und Gewerkschaften gemeinsam, juristisch wie politisch, seit vielen Jahren gegen eine Aufweichung des Sonntagsschutzes und die Entgrenzung von Arbeit. Eine Aufweichung wie beispielsweise im Einzelhandel, würde dazu führen, dass immer mehr Branchen nachziehen. Sonntagsarbeit sollte daher weiterhin auf notwendige Tätigkeiten beschränkt bleiben.

 

 

 

Für Menschen im Gesundheitswesen, bei den Ver- und Entsorgungsunternehmen, bei Polizei, Feuerwehr, im öffentlichen Verkehr, in Kultur, Sport und Unterhaltung, für Journalisten und in etlichen anderen Bereichen ist Sonntagsarbeit schon heute gängige Praxis.

 

Weitere Informationen zum KDA und zum freien Sonntag finden Sie auf der Website des KDA: www.kda-nordkirche.de.

 

 

 


Weltgebetstag findet 2021 in Baden vielfältig statt

„Worauf bauen wir?“

(Freiburg/Karlsruhe/ekiba) - Mit viel Kreativität und Engagement haben ökumenische Teams in ganz Baden dieses Jahr den Weltgebetstag der Frauen vorbereitet, der am Freitag, 5. März, zur Teilnahme einlädt. Dieses Jahr haben Frauen des kleinen Südsee-Staates Vanuatu die Gottesdienstordnung für den Weltgebetstag unter dem Titel „Worauf wir bauen“ erstellt. Durch den Klimawandel ist der Inselstaat vor allem von Überflutung bedroht.

 

„Auf Fels gebaut“- diese Empfehlung aus der Bergpredigt (Mt 7,24) haben die Gastgeberinnen aus Vanuatu 2021 als Motto gewählt, auch angesichts der Gefährdung ihrer Inselwelt durch Klimawandel, Wirbelstürme und steigenden Meeresspiegel.

 

Trotz Corona findet der Weltgebetstag dieses Jahr statt, jedoch nicht nur in Form von ökumenischen Gottesdiensten. Er kann auch vor dem Fernseher, am Computer, allein im Kirchenraum oder lesend und betend zu Hause mitgefeiert werden.

 

So hat beispielsweise der Ökumenische Arbeitskreis Weltgebetstag Baden in diesem Jahr die Broschüre „Anders Weltgebetstag feiern“ entwickelt, die mit Informationen und Vorschlägen für die Feier Zuhause online abrufbar ist unter www.ekiba.de/frauen/unsere-themen/weltgebetstag-und-oekumene.

 

In vielen Gemeinden – so beispielsweise in Mannheim oder Bad Dürrheim - kommen dieses Jahr sogenannte „disaster-food-Tüten“ zum Einsatz. „disaster food“ heißen die Lebensmitteldepots, die Menschen auf Vanuatu im Regenwald anlegen, um nach einem Wirbelsturm oder einer anderen Katastrophe mit dem Nötigsten versorgt zu sein. In den Tüten befinden sich Gottesdienstablauf und Postkarte, ein Info-Flyer über Vanuatu, ein Bibeltext, bienenfreundlichen Blumensamen und eine Spendentüte.

 

In Heidelberg-Neuenheim sind Interessierte eingeladen, den Inselstaat Vanuatu im Laufen zu entdecken. Dabei können sie beim Erwandern der vier Gemeinden Kirche am Markt, Jakobus, Johannes und St. Raphael in den Schaukästen außen oder Auslagen im Kircheninneren viele Seiten des Landes Vanuatu kennenlernen und Informationsmaterial mitnehmen. Darüber hinaus wird es zahlreiche lokale und regionale Online-Formate geben. Auch in vielen Altenpflegeheimen soll der Weltgebetstag gefeiert werden – digital oder bei sonnigem Wetter auch in den Innenhöfen.

 

Einen deutschlandweiten zentralen Gottesdienst zum Weltgebetstag strahlt der Fernsehsender Bibel TV am 5. März um 19 Uhr aus. Er wird auch auf YouTube oder unter www.weltgebetstag.de zu sehen sein.

 

Weltgebetstag-Gottesdienste werden in Deutschland seit über 70 Jahren ökumenisch gefeiert und sollen durch Informationen und Gebete mit dem jeweiligen Gastgeberland vertraut machen. Der Weltgebetstag fördert jährlich rund 100 Projekte weltweit, für die bei den Gottesdiensten Kollekten gesammelt werden. Da wegen der Pandemie nur wenige Präsenzgottesdienste stattfinden, bitten die Organisatoren für ihre Arbeit um Spenden: Weltgebetstag der Frauen e.V., Evangelische Bank EG, Kassel, IBAN: DE60 5206 0410 0004 0045 40, BIC/SWIFT: GENODEF1EK1 oder online unter: https://em.altruja.de/neues-spendenformular-2691/spende

 

 

 


Präsidentin Dagmar Pruin nimmt Amtsgeschäfte auf

Wechsel an der Spitze von Brot für die Welt

Foto: Brot für die Welt
Foto: Brot für die Welt

 

 

Dagmar Pruin * Präsidentin * Brot für die Welt * Diakonie Katastrophenhilfe

 

(Berlin/bfw) - Heute tritt Pfarrerin Dr. Dagmar Pruin (50) ihr neues Amt als Präsidentin von Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe an. Sie folgt damit auf Pfarrerin Prof. Dr. h.c. Cornelia Füllkrug-Weitzel, die die beiden evangelischen Hilfswerke zwei Jahrzehnte geleitet hat.

 

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung, Altbischof Dr. Markus Dröge, erklärt: „Mit Dagmar Pruin haben wir eine versierte Expertin für die Leitung von Brot für die Welt und der Diakonie Katastrophenhilfe gewonnen. Sie wird die erfolgreiche Arbeit der beiden Hilfswerke für eine global gerechte und nachhaltige Entwicklung fortsetzen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit!"

 

Dagmar Pruin leitete zuletzt sieben Jahre als eine der beiden Geschäftsführerinnen die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, einer internationalen Organisation mit Büros und Vereinsstrukturen in 13 Ländern, 40 Mitarbeitenden und 180 Freiwilligen. Die promovierte Theologin ist verheiratet und hat zwei Kinder.

 

Die Hilfswerke Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe bilden gemeinsam mit der Diakonie Deutschland, dem evangelischen Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege, das Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung (EWDE) e.V. Für das Werk sind am Hauptsitz in Berlin sowie in den Außenstellen im In- und Ausland 800 Mitarbeitende tätig. Das EWDE wird getragen von der EKD und ihren 20 Landeskirchen, den 17 Landes- und 67 Fachverbänden der Diakonie, den evangelischen Freikirchen sowie dem Evangelischen Missionswerk.


Diakoniechefin Professor Annette Noller bei Veranstaltungsreihe zum Assistierten Suizid:

„Wir sind Protestleute gegen den Tod“

Oberkirchenrätin Prof. Dr. Annette Noller, Foto: Julian Rettig
Oberkirchenrätin Prof. Dr. Annette Noller, Foto: Julian Rettig

(Schwerin/Stuttgart/akl) - Als „Protestleute gegen den Tod“ müssen diakonische Einrichtungen alles tun, damit der Wunsch nach einem assistierten Suizid erst gar nicht entsteht. Das sagte Professorin Dr. Annette Noller, Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg, bei ihrem digitalen Vortrag innerhalb der nordkirchlichen Veranstaltungsreihe zum Thema „Assistierter Suizid“ und zitierte dabei den schwäbischen Pfarrer und religiösen Sozialisten Christoph Blumhardt.

 

Landesbischöfin: In Beurteilung den Umweg über Gottes Urteil gehen

 

Kristina Kühnbaum-Schmidt, Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, hatte zum dritten Mal eingeladen. Über ihre Motivation zu der Veranstaltungsreihe sagte sie: „Ich möchte dazu beitragen, in dem Raum, den das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes eröffnet hat, einen eigenen - persönlichen wie institutionellen - ethischen Standort zu finden. Wobei das Finden eines ethischen Standortes in christlicher Perspektive meint, nicht allein von persönlichen Überlegungen auszugehen, was ‚gut‘ oder ‚richtig‘ sein könnte, sondern den ‚Umweg über Gottes Urteil‘ zu gehen, wie der Religionsphilosoph Ingolf Dalferth es formuliert.“

 

Prof. Noller: Menschen sind radikal aufeinander angewiesen

 

Vor einem Jahr hatte der Bundesgerichtshof entschieden, dass ein generelles Verbot von geschäftsmäßiger Sterbehilfe nicht rechtens sei. Zentraler Begriff dabei: Die Autonomie des Menschen. Annette Noller stellte dem „nach eigenen Maßstäben agierenden Subjekt“ den Begriff der Angewiesenheit entgegen: „Menschen sind radikal aufeinander angewiesen. Das Individuum existiert stets in Beziehung und Bedeutung für andere. In einer Kultur der Achtsamkeit dürfen Menschen Fehler machen und Würde wird interpretiert als Zeichen einer Verletzlichkeit und Verletzbarkeit des Menschen. Dies erfordert ein unterstützendes Handeln, das nicht allein die Förderung der Autonomie im Blick hat, sondern auch die Bewahrung und Achtsamkeit gegenüber den Menschen, die verletzbar und verletzt sind.“

 

Pflege muss besser finanziert werden

 

Annette Noller führte aus, dass hinter dem Wunsch, zu sterben, zumeist der Wunsch nach einem „menschenwürdigen Leben“ stehe. Dafür gelte es, alle Mittel auszuschöpfen und Hilfsangebote leicht zugänglich zu machen. Die württembergische Diakoniechefin fordert konkret: „Wenn wir dieses Gesetz aufmachen, dann brauchen wir ganz viel Unterstützung vom Bund, damit die Menschen, die in diesen schwierigen Situationen sind, gut beraten werden. Wir brauchen den ‚Sockel-Spitze-Tausch‘ in der Finanzierung der Pflege, also eine gute finanzielle Ausstattung für Pflegesituationen über die Pflegeversicherung, damit die Betroffenen nicht das Gefühl haben, zur Last zu fallen. Ich bin überzeugt als Diakonikerin, dass es Angebote gibt, das Leiden zu lindern und sehr viele Möglichkeiten, schwere Leidenssituationen zu überwinden.“

 

 Menschen begleiten, komme was da wolle

 

In der angeregten Diskussion erzählte Michael Brems, Koordinator der Krankenhausseelsorge in der Nordkirche, von einer Patientin, die er als Klinikseelsorger drei Jahre bis zu ihrem Tod begleitet hatte: Die vom Hals ab gelähmte Frau wählte den assistierten Suizid. Brems meinte: „Es gibt – wenn auch wenige – Situationen, wo wir an Abgründe und Grenzen kommen. Dann ist dies für die Betroffenen der einzige Ausweg aus ihrem unerträglichen Leiden“.

 

Annette Noller, die vor ihrer Tätigkeit als Vorstandsvorsitzende der Diakonie den Lehrstuhl für Theologie und Ethik in sozialen Handlungsfeldern/Diakoniewissenschaft an der evangelischen Hochschule Ludwigsburg innehatte, sagte dazu: „Ich kann mir eine assistierte Sterbehilfe nur bei unumkehrbarem Verlauf einer Krankheit in schweren Leidenssituationen, die nicht anders zu lindern sind, vorstellen. Auf diese Wünsche der Menschen einzugehen, die sich uns anvertrauen, das wird schwer sein. Mein Vorschlag wäre, die Menschen zu begleiten, komme da, was wolle, ohne sich zum Teil des eines geschäftsmäßigen Betriebs zum assistierten Suizid zu machen.“

 

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Die Landesbischöfin lädt herzlich ein:

 


Mittwoch, 3. März, 18:00 Uhr bis 19:30 Uhr
:

 

 

 

Suizidbeihilfe: Professions- und organisationsethische Gesichtspunkte in ökumenischer und europäischer Perspektive

 

Professor DDr. Dr. h.c. Ulrich Körtner, Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft der Universität Wien, Institut für Ethik und Recht in der Medizin der Universität Wien

 

 

 

Anmeldung unter Church-Events: https://nordkirche.church-events.de

 

Sämtliche Vorträge werden auf www.nordkirche.de gestellt.

 

 


Bischof Ackermann firmt 30 Jugendliche in der Pfarreiengemeinschaft Merzig-Hilbringen

„Wer Gott an sich heranlässt, wird gestärkt“

Bischof Stephan Ackermann spendet am 27. Februar das Sakrament der Firmung in St. Petrus in Ketten in Merzig-Hilbringen. Foto: Ute Kirch
Bischof Stephan Ackermann spendet am 27. Februar das Sakrament der Firmung in St. Petrus in Ketten in Merzig-Hilbringen. Foto: Ute Kirch

 

(Merzig/bt) – Weisheit, Erkenntnis, Einsicht, Rat, Stärke, Frömmigkeit und Gottesfurcht – das sind die sieben Gaben des Heiligen Geistes. In seiner Predigt im Firmgottesdienst in der Pfarrkirche St. Petrus in Ketten in Merzig-Hilbringen am Samstag, 27. Februar, hat Bischof Stephan Ackermann den Schwerpunkt auf die Gabe der Gottesfurcht gelegt.

„Ist das etwas Gutes? Wollen wir das überhaupt?“, fragte der Bischof zu Beginn die Jugendlichen und stellte dann klar: Gottesfurcht meine nicht die Angst, sondern die Ehrfurcht. „Sie begegnet uns dort, wo uns Gottes Werke nahegehen, etwa in einem atemberaubenden Sonnenuntergang, einer Berglandschaft, in der Musik oder in der Architektur einer Kathedrale, die mich ins ehrfürchtige Staunen versetzt“, erklärte er. In diesen Momenten sei die Gegenwart von etwas Größerem spürbar, das unsere Wirklichkeit übersteige. Gottesfurcht sei zudem die Gabe, die Angst vor dem Leben zu vertreiben: „Ja, es gibt Gott und ich darf ihn spüren, wenn ich auf sein Wort höre“, sagte Ackermann. Die Erfahrung, dass hier eine Macht spreche, die nicht einfach vom Menschen ausgedacht sei, stärke auch die Verantwortung in jedem Einzelnen. „Wenn ich mich der Verantwortung stelle, gewinnt meint Leben an Statur“, rief der Bischof. Bei der Feier der Firmung bete die Gemeinde, dass die Gaben des Heiligen Geistes die Firmbewerberinnen und -bewerber stärken. „Menschen, die Gott an sich heranlassen, werden gestärkt“, gab Bischof Ackermann den Firmlingen mit auf den Weg. Das Firmsakrament werde bewusst im Stehen gespendet: „Sie kommen als aufrecht stehende Menschen, nicht auf Knien buckelnd, damit Sie mit seiner Kraft durch das Leben gehen.“

 

Die Coronakrise zeigte, dass es diese innere Stärkung des Menschen brauche. „Es ist wichtig, dass wir uns schützen und auch auf andere Rücksicht nehmen, und alles tun, damit das Gesundheitssystem nicht überlastet wird. Körperliche Gesundheit ist wichtig, ohne sie sind wir sehr stark eingeschränkt, aber wir Menschen leben nicht nur von unseren körperlichen Stärken und Wohlbefinden, auch unsere Seele will gestärkt werden. Unser Herz braucht Kraft. Und dazu gehören immer auch Menschen, dazu gehört die Botschaft des Glaubens“, sagte der Bischof.

In zwei Gottesdiensten spendete der Bischof in Hilbringen insgesamt 30 Jugendlichen das Sakrament der Firmung. Dekanatskantor Francesco Bernasconi auf der Orgel und ein Quartett des Jugendchores Querbeet gestalteten die Firmfeier musikalisch. „Die Firmvorbereitung lief coronabedingt anders als geplant“, berichtete Wolfgang Wonner vom Katecheten-Team. Bereits im März 2020 sollte es losgehen, doch dann kam der erste Lockdown. So mussten der geplante Jugendtag in Trier mit Übernachtung sowie die Besinnungsnachmittage ausfallen. Im Oktober ging die Vorbereitung weiter, teilweise auch über das Internet. „Aber das ersetzt nicht die Treffen und das Gemeinschaftsgefühl unter den Jugendlichen“, bedauert Wonner. Dennoch habe das Katecheten-Team versucht, so viel wie möglich anzubieten. So wurde in der Kirche der Parcours „Dein Weg zählt“ aufgebaut und darüber gesprochen, was den eigenen Lebensweg ausmacht. Die Firmbewerberinnen und Firmbewerber halfen zudem bei der Sternsinger-Aktion mit und verteilten die Segensaufkleber an alle Haushalte. „Das war der Ersatz für unser übliches Sozialprojekt“, berichtet Woller. Von der Pfarrgemeinde erhielten die Jugendlichen als Firmgeschenk je ein kleines Kreuz aus Bolivien.


Monsignore Stephan Wahl baut mit geistlichen Angeboten „Brücke“ nach Jerusalem

„Schwere und schöne Dinge mit den Menschen im Bistum teilen“

Monsignore Stephan Wahl  über den Dächern von Jerusalem. Foto: bt
Monsignore Stephan Wahl über den Dächern von Jerusalem. Foto: bt

(Jerusalem/Trier/bt) – Eine Brücke von seinem Heimatbistum Trier ins Heilige Land möchte Monsignore Stephan Wahl mit geistlichen Angeboten wie Fürbitten, Gebeten und spirituellen Impulsen bauen. Schon seit einem Jahr bietet der Trierer Bistumspriester in Zeiten der Corona-Krise die Möglichkeit, Sorgen, Gebete und andere Anliegen an die eigens eingerichtete Adresse jerusalemgebet(at)gmail.com per Mail an ihn zu senden. Diese druckt er ohne Adresse und Namen aus und nimmt sie mit zu seinem täglichen Gebet in die Grabeskirche Jesu, einer der heiligsten Stätten der Christenheit in Jerusalem. Die Zettel sollen, ähnlich wie die Bittzettel der Juden in der Westmauer (auch Klagemauer), später vergraben werden. „Ich gehe auf jeden Fall, selbst wenn mal nur eine Bitte eintreffen sollte“, sagt Wahl, Leiter des Paulus-Hauses, einer Pilgerherberge in Jerusalem.

Zudem teilt Wahl, der elf Jahre lang das Wort zum Sonntag in der ARD gesprochen hat, auf seiner Facebookseite die „Gedankensplitter in der Fastenzeit“. Diese sind häufig mit ausdrucksstarken Fotos aus seinem Leben in Jerusalem illustriert. Wer keinen Zugang zu Facebook hat, kann Wahl an die oben genannte E-Mail Adresse schreiben und erhält die Gedankensplitter dann als E-Mail-Newsletter. Jeweils freitags meldet sich Wahl auch über seinen YouTube-Kanal mit Gedanken zum jeweils anstehenden Sonntagsevangelium oder aktuellen Themen zu Wort - die Videoclips gibt es gesammelt hier.

Seine Motivation, zwischen den Menschen aus dem Bistum und der heiligen Stadt Brücken zu bauen, erklärt Wahl so: „Das Bistum Trier hat nicht zuletzt durch die heilige Helena und die Tunika Christi – den „Heiligen Rock“ – eine starke traditionelle Verbindung zu Jerusalem. Ich bin jeden Tag dankbar, in dieser Stadt aufwachen zu dürfen und kann mit der Brücke nach Trier andere etwas miterleben lassen, was mich in diesem heilig-unheiligen Land bewegt – Schweres und Schönes!“

Alle Angebote sind auch hier zu finden und mit der Kurzadresse t1p.de/bruecke-nach-jerusalem

 


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BIC: GENODEF1AB1


Kirchen und Gewerkschaften starten am 3. März mit Feier und Gottesdienst das Jubiläumsjahr

Allianz feiert 1.700 Jahre arbeitsfreien Sonntag

Foto: bt
Foto: bt

 

(Trier/Neunkirchen/bt) – Mit einer Online-Veranstaltung eröffnet die Allianz für den freien Sonntag, ein Bündnis von kirchlichen und gewerkschaftlichen Akteuren, am Mittwoch, 3. März, das Jubiläumsjahr „1.700 Jahre freier Sonntag“. Anlass dafür ist, dass der römische Kaiser Konstantin am 3. März 321 per Edikt den Sonntag zum wöchentlichen Ruhetag machte. Festredner der digitalen Veranstaltung, die von 11 bis 13 Uhr auf der Homepage der Allianz zu sehen ist, sind der Kolumnist der „Süddeutschen Zeitung“, Heribert Prantl, und Rechtsanwalt Friedrich Kühn, der Grundsatzurteile zum Schutz des freien Sonntags erstritten hat. Auch die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) im Bistum Trier beteiligt sich am Jubiläumsjahr.

Prominente aus Politik, Gewerkschaften, Kirchen und Kultur werden sich mit Videobotschaften an der Veranstaltung beteiligen. So wird es unter anderem Grußworte von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), dem Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, sowie dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Heinrich Bedford-Strohm, und dem DGB-Vorsitzenden Reiner Hoffmann geben.

Die Allianz will mit der Aktion zugleich zu einem konsequenteren Sonntagsschutz in der Gegenwart aufrufen und ein Zeichen für den Erhalt des Kulturerbes „Freier Sonntag“ setzen. Sie befürchtet in Folge der Corona-Krise eine Zunahme der Auseinandersetzungen um den Ruhetag. Der Sonntag gehöre nicht der Wirtschaft, sondern der Familie, dem Glauben, der Kultur, dem Sport, der Geselligkeit und der Erholung.

„Zurzeit erleben wir – bedingt durch die Pandemie und nun schon den zweiten Lockdown – einen Gleichklang der Tage, unterbrochen durch die tägliche Arbeit auch im Homeoffice oder Homeschooling. Treffen mit Freunden und Verwandten sowie Vereinstätigkeiten und Sport in Gruppen sind kaum oder gar nicht möglich. Gerade in diesem Zusammenhang ist es wichtig, die Bedeutung des Sonntags hervorzuheben. Ohne den ,Tag des Herrn‘, den wir Christen als den Tag der Auferstehung Christi feiern, wäre jeder Tag ein Werktag. Deswegen müssen wir darauf achten, dass dieser besondere Tag auch diese besondere Stellung behält“, sagt die Leiterin des Katholischen Büros im Saarland, Ordinariatsdirektorin Katja Göbel. Ihrer Wahrnehmung nach ist auch der Landesregierung im Saarland der Schutz des Sonntages ein wichtiges Anliegen: „Mit dem saarländischen Ladenöffnungsgesetz – einem der strengsten in Deutschland – sehe ich den Schutz des freien Sonntags grundsätzlich als ein wertvolles Gut, das auch von Seiten der Regierung als solches verteidigt wird.“

Die Online-Veranstaltung ist zugleich Auftakt für eine Reihe von vielfältigen, lokalen Aktionen, an denen sich auch die KAB beteiligt. So wird es ebenfalls am Mittwoch, 3. März, um 19.30 Uhr eine digitale Wortgottesfeier geben. Diese wird vom KAB-Diözesanseelsorger, dem Neunkircher Pastor Markus Krastl, gestaltet. Passend zum Thema wolle er auf das dritte Gebot ,Du sollst den Tag des Herrn heiligen‘ eingehen.

Im Saarland und in Rheinland-Pfalz sind pro Jahr vier verkaufsoffene Sonntage erlaubt, wenn sie an ein lokales Ereignis, wie etwa einen Ostermarkt, verknüpft sind. „In jedem Bundesland gibt es immer wieder Versuche, den freien Sonntag Stück für Stück aufzuweichen“, hat Krastl beobachtet. „Ich weiß von Betroffenen, dass sie sich an diesen Sonntagen oft die Beine in den Bauch stehen, weil keine Kundschaft kommt.“ Den örtlichen Handel könne jeder an sechs Tagen in der Woche unterstützen, wenn er vor Ort einkaufen ginge, anstatt die Produkte im Internet zu bestellen.

Davon, dass mehr verkaufsoffene Sonntage tatsächlich die Wirtschaft ankurbeln würden, ist auch KAB-Bezirksgeschäftsführer Andreas Luce nicht überzeugt: „Jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden.“ Die Menschen, die die verkaufsoffenen Sonntage nutzten, fehlten dann an anderer Stelle. „Bei mir im Sportverein fehlen dann etwa Spieler, weil sie arbeiten müssen, es kommen weniger Zuschauer, um die Vereine anzufeuern“, sagt Luce. Mit einer Plakataktion will die KAB auf das Thema aufmerksam machen. Im Saarland plant die KAB zudem für den 11. Mai im Rahmen der Reihe „KAB im welt:raum“ in Saarbrücken einen Themenabend zum freien Sonntag. Dieser kann ebenfalls digital verfolgt werden.

Alle Interessierten sind eingeladen, den Wortgottesdienst der KAB im Bistum Trier am 3. März ab 19.30 Uhr online mitzufeiern. Der Gottesdienst wird über die Plattform Zoom gestreamt:
https://zoom.us/j/98289010189?pwd=R2hiTDZEd1BUVCtONTNnbWVoWW5lQT09

( Meeting-ID: 982 8901 0189, Kenncode: 615583)

 

Die digitale Veranstaltung mit den Festrednern wird auf allianz-fuer-den-freien-sonntag.de/jubilaeum übertragen.


Rücksicht. Franckesche Stiftungen stellen Jahresprogramm zum 300. Jubiläum des ersten Kinderkrankenhauses vor

Vorsicht! Umsicht

Das historische Kinderkrankenhaus in den Franckeschen Stiftungen gilt als das älteste in Europa. Zum 300. Jubiläum präsentieren Stiftungsdirektor Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke und Anneheide von Biela, stellv. Direktorin, das Jahresprogramm.

 

(Halle/fe) -  Gesundheit war immer schon ein hohes Gut. Vor genau 300 Jahren wurde in den Franckeschen Stiftungen Medizingeschichte geschrieben: August Hermann Francke (1663–1727) ließ 1721 ein Krankengebäude errichten, das heute als erstes Kinderkrankenhaus Europas gelten kann. Bahnbrechend war auch die öffentliche Armensprechstunde am Halleschen Waisenhaus, in der monatlich bis zu 1.000 Personen kostenlos behandelt und mit in der Anstaltsapotheke hergestellten Medikamenten versorgt wurden. Aus historischem und aktuellem Anlass widmen die Franckeschen Stiftungen 2021 ihr Jahresprogramm dem Thema Vorsicht! Umsicht: Rücksicht. Unsere Sicht auf Gesundheit und Wohlergehen.

 

 

Im Zentrum des Programms steht die Jahresausstellung (2. Mai–13. Oktober) unter dem Titel »Heilen an Leib und Seele. Medizin und Hygiene im 18. Jahrhundert«, die am 2. Mai mit dem bekannten Kriminalbiologen Dr. Mark Benecke eröffnet wird. Die Ausstellung führt in die Welt der Medizin im 18. Jahrhundert ein, in der sich eine europaweite Debatte über das grundlegende Verhältnis von Leib und Seele entspannte. Vor diesem Hintergrund konzipierten die halleschen Pietisten ein eigenes medizinisches Verständnis, das gleichberechtigt auf Körper, Seele und Gemüt blickte. BesucherInnen erfahren erstmals, wie das Gebäudeensemble der barocken Schulstadt und die Alltagsordnungen diesen Ansatz heute noch widerspiegeln. Anhand eindrucksvollen historischen Archivmaterials und zahlreicher authentischer Einzelschicksale blättert die Ausstellung Themen auf, die in verblüffender Weise aktuell sind – so etwa das für das 18. Jahrhundert hochmoderne Hygienekonzept und der damals schon professionelle Umgang mit der Ressource Wasser in den Franckeschen Stiftungen.

Die Jahresausstellung wird angesichts der pandemischen Situation wieder eine fundierte Online-Darstellung auf der Webseite finden und filmisch sowie mit einem umfangreichen Begleitprogramm im Live-Stream (Zugangslinks auf der Webseite) begleitet werden. Die erste große digitale Auftaktveranstaltung für das Jahr bildet die Francke-Feier vom 19.–21. März 2021. Die Festveranstaltung anlässlich des 358. Geburtstages des Stiftungsgründers August Hermann Francke  steht im Zeichen des erfolgreichen Abschlusses des Wiederaufbaus der Franckeschen Stiftungen. Hochkarätige Gäste und RednerInnen haben zugesagt, darunter Prof. Monika Grütters MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien bei der Bundeskanzlerin, Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Hortensia Völckers, Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes und Prof. Dr. Christian Tietje, Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

 

Auch in der Vermittlungsarbeit werden 2021 mit dem Projekt »Suddenlife Gaming im Vermittlungsangebot der Franckeschen Stiftungen« online-Formate entwickelt, die über die Pandemie hinaus neue Zielgruppen ansprechen sollen. Das Projekt wird im Rahmen von »dive in. Programm für digitale Interaktionen« der Kulturstiftung des Bundes, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) im Programm NEUSTART KULTUR, durchgeführt. Kinder (6–12 Jahre) und Familien werden durch transmediales Storytelling (Suddenlife Gaming) Teil einer spannenden Geschichte, die sie mitgestalten und in der sie sich miteinander austauschen. Interaktive Spielmechaniken schlagen dabei eine Brücke von den Themen der Franckeschen Stiftungen, ihrer Ausstellungen, ihrer Gebäude und ihrer Geschichte in die Lebenswelt der NutzerInnen. Das Museum kommt nach Hause und die Interaktionen der NutzerInnen werden Teil des Museums.

Im Veranstaltungsprogramm, das nach Möglichkeiten vor Ort, garantiert aber im Live-Stream stattfindet, begrüßen wir 2021 wieder renommierte Gäste mit spannenden Themen in den Franckeschen Stiftungen. Peter Maffay wird am 3. Juni 2021 als Gast in der Reihe »Persönlichkeiten im Gespräch« mit MDR- Kulturchef Reinhard Bärenz über sein Leben und sein soziales Engagement für Kinder und Familien sprechen. Am 3. Juli ist mit Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans Ulrich Gumbrecht einer der führenden Intellektuellen unserer Zeit Gast der ersten Paul Raabe-Vorlesung in den Franckeschen Stiftungen. Prof. Dr. Jakob Vogel, ein international renommierter Experte für die europäische Geschichte der Neuzeit und den europäischen Kolonialismus, spricht am 29. April in den Halle Lectures über »Aufklärung Postkolonial? Globale Wissenschaftsgeschichte und die Herausforderungen des Exotismus«. Im Herbst 2021 finden vier große Themenabende statt, bei denen es mit zahlreichen Fachleuten um Körper, Seele und Gemüt, aber auch um Medikamente und Ökonomie, ebenso um Hygiene und Angst vor Krankheit sowie um die Medikalisierung der Medizin gehen wird. Bei diesen Veranstaltungen, ebenso wie bei dem ganzen Jahresprogramm, werden die Franckeschen Stiftungen von den drei großen konfessionellen Krankenhäusern in der Stadt Halle, dem Krankenhaus Martha-Maria Halle-Dölau, dem Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara sowie dem Diakoniewerk Halle unterstützt.

 

Die Franckeschen Stiftungen setzen auch 2021 wieder Maßstäbe in der internationalen Netzwerkarbeit. Die auf Betreiben der Franckeschen Stiftungen 2020 in Halle gegründete »Alliance of Early Universal Museums« tagt am 28. Mai 2021 im Teylers Museum in Haarlem (Niederlande). Hier werden mehrere Institutionen von europäischem Rang als neue Mitglieder in das Netzwerk aufgenommen und eine große Tagung 2022 in St. Petersburg (Russland) vorbereitet. Die Stadt an der Newa wird in diesem Jahr im Zentrum der Feierlichkeiten zum 350. Geburtstag des Zaren Peters des Großen (1672–1725) stehen.

Die Franckeschen Stiftungen sind aber auch lokal aktiv: Für das erste stadtweite kulturelle Themenjahr einer ganzen Themenjahresdekade haben sie die federführende Intendanz übernommen. Über 80 Akteure werden die Stadtgesellschaft mit rund 100 Veranstaltungen in Bewegung setzen und sich ein Jahr lang mit den Themen Salz und Digitalisierung befassen. Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke, Direktor der Franckeschen Stiftungen, freut sich über den positiven Prozess: »Einerseits werden so aus vermeintlichen Konkurrenten Verbündete. Andererseits entstehen Synergien und es werden Akteure aus weiteren Bereichen wie Wissenschaft, Soziales, Wirtschaft, Kirchen usw. eingebunden. So entsteht im Miteinander ein facettenreiches Jahresprogramm mit nachhaltigen positiven Effekten für die ganze Stadt.«

 

Neben weiteren Themenbeiträgen im Rahmen des Themenjahres verfolgen die Franckeschen Stiftungen mit dem Projekt »Digitalisierung der Salzkothe in der Kunst- und Naturalienkammer« kontinuierlich die Digitalisierung ihrer Ausstellungen. Erstmals wird ein Objekt aus der Kunst- und Naturalienkammer, dem Besuchermagneten unter den Ausstellungen der Franckeschen Stiftungen, mit modernster Technik online erfahrbar gemacht. NutzerInnen können damit erstmals auch in den Innenraum des 300 Jahre alten Modells der Wunderkammer schauen und in einer Animation den Prozess des Salzsiedens vor 300 Jahren mit eigenen Augen mitverfolgen.

 

Franckesche Stiftungen I Franckeplatz 1, Haus 1 I 06110 Halle (Saale)
Historische Schulstadt I Historisches Waisenhaus I Kunst- und Naturalienkammer I Historische Bibliothek
Öffnungszeiten Informationszentrum im Francke-Wohnhaus und Ausstellungen: Di-So und feiertags 10-17 Uhr
Eintritt: 6 Euro, erm. 4 Euro, Kinder bis 18 Jahre Eintritt frei
www.francke-halle.de


Cornelia Füllkrug-Weitzel geht in den Ruhestand

Unermüdlicher Einsatz gegen Hunger, Armut und Ungerechtigkeit

Foto: Brot für die Welt
Foto: Brot für die Welt

 

Cornelia Füllkrug-Weitzel * Ruhestand * Müller * Bedford-Strohm * Dröge

 

(Berlin/bfw) - Nach mehr als 21 Jahren an der Spitze von Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe geht Prof.Dr.h.c. Cornelia Füllkrug-Weitzel (65) Ende Februar in den Ruhestand. Die scheidende Präsidentin hat die Arbeit der beiden Hilfswerke für lokalisierte humanitäre Hilfe und eine nachhaltige und global gerechte Entwicklung entscheidend geprägt.

 

Zu ihrem Abschied erklärt Bundesentwicklungsminister Gerd Müller: „ Für ihr langjähriges erfolgreiches Engagement und ihre wichtige Arbeit danke ich Cornelia Füllkrug-Weitzel sehr herzlich. Solche mutigen und kompetenten Verantwortungsträger sind nötiger denn je im Kampf gegen Ungerechtigkeit und Ausbeutung weltweit.“ Er sei zuversichtlich, dass sie auch über ihre Zeit bei Brot für die Welt hinaus als Mitstreiterin  für eine gerechte und friedliche Welt erhalten bleibe. Cornelia Füllkrug-Weitzel  hat sich in vielen politischen Bereichen für die Belange der Menschen im Globalen Süden stark gemacht - als Präsidentin der beiden Hilfswerke, als Expertin im Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE), in der SDG-Kommission der Bundesregierung und auch in der Kommission Fluchtursachen der Bundesregierung.

 

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, betont die wichtige Rolle der Präsidentin auch für die evangelische Welt: „Cornelia Füllkrug-Weitzel war über Jahrzehnte eine wichtige Brücke zur globalen Kirche und Welt“, so Bedford-Strohm, „als Anwältin der Schwachen war sie in diesem Dienst eine leidenschaftliche Botschafterin des Evangeliums. Ihre Segensspuren reichen in alle Kontinente. Ich danke ihr auch persönlich von Herzen für ihren Dienst an unserer evangelischen Kirche, aber auch am Gemeinwesen insgesamt.“

 

Es sei das große Verdienst von Cornelia Füllkrug-Weitzel, die internationale Vernetzung sowohl politisch, als auch in der konkreten Arbeit vor Ort vorangebracht zu haben, betont der Vorsitzende des Aufsichtsrats des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung, Altbischof Markus Dröge: „Cornelia Füllkrug-Weitzel hat Brot für die Welt und die Diakonie Katastrophenhilfe weitsichtig und strategisch gesteuert. Gemeinsam mit den Partnerorganisationen weltweit ist es gelungen, Millionen Menschen zu helfen und eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen zu erreichen. In Politik, Kirche und Gesellschaft sowie bei den internationalen Projektpartnern in Asien, Afrika und Lateinamerika hat sich die scheidende Präsidentin sehr hohes Ansehen erworben.“ Cornelia Füllkrug-Weitzel hat die Gründung der ACT Alliance (Action by Churches together), in der Kirchen und kirchliche Organisationen weltweit humanitäre Hilfe und Entwicklungshilfe mit politischer Anwaltschaft etwa gegenüber der EU und den UN bündeln, auf den Weg gebracht.

 

Für ihr gesellschaftliches Engagement erhielt Cornelia Füllkrug-Weitzel im Jahr 2007 das Bundesverdienstkreuz.

 

Am 1. März tritt die Theologin Dagmar Pruin die Nachfolge von Cornelia Füllkrug-Weitzel an. Die offizielle Verabschiedung von Cornelia Füllkrug-Weitzel sowie die Einführung von Dagmar Pruin in einem Festgottesdienst sind wegen der geltenden Corona-Auflagen auf Ende Mai verschoben.

 

Die Hilfswerke Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe bilden gemeinsam mit der Diakonie Deutschland das Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung (EWDE) e.V., deren Vorsitz Cornelia Füllkrug-Weitzel seit 1. Juli 2020 turnusgemäß innehatte und den ab 1. März 2021 Dagmar Pruin übernimmt.

Für das Werk sind am Hauptsitz in Berlin sowie in den Außenstellen im In- und Ausland 800 Mitarbeitende tätig. Das EWDE wird getragen von der EKD und ihren 20 Landeskirchen, den 17 Landes- und 67 Fachverbänden der Diakonie, den evangelischen Freikirchen sowie dem Evangelischen Missionswerk.

 


Wir sind Kirche zum Abschluss der Online-Frühjahrsvollversammlung der DBK

„Bischöfe: übernehmt Verantwortung, entscheidet Euch und handelt!“

 

(München/wsk) - Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche hofft, dass die auf der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischöfe mit ihrem vor einem Jahr gewählten neuen Vorsitzenden gefassten Beschlüsse endlich die Zäsur deutlich machen, die die Bischöfe vor zwei Jahren in Lingen selber angekündigt haben. Die katholische Kirche in Deutschland ist an einem Wendepunkt, der einen Neuanfang erfordert. Der immer dramatischer werdende Auszug aus der Kirchensteuergemeinschaft wird nicht durch einzelne Reförmchen, Ankündigungen oder Versprechungen zu stoppen sein. Dies wird nicht ohne Konflikte und - hoffentlich konstruktiven - Streit innerhalb der Bischofskonferenz und mit Rom geschehen können.

 

Nach dem skandalösen Gezerre um die Aufarbeitung im Erzbistum Köln und höchst unterschiedlichen Vorgehensweisen in verschiedenen anderen deutschen Diözesen in der Vergangenheit erklärt Wir sind Kirche erneut: „Ohne eine offene und vollständige Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in allen deutschen Bistümern auf gleichem hohen Standard wird die Glaubwürdigkeit von Kirche weiter zerrinnen und werden die Reformbemühungen des Synodalen Weges ins Leere laufen.“ Personelle Konsequenzen dürfen nicht ausgeschlossen werden, falls einzelne Bischöfe nicht bereit sind, sich ihrer Verantwortung zu stellen und grundsätzliche Reformen vorzunehmen. Nach dem jahrzehntelangen höchst fragwürdigen Agieren der Bischöfe erweist es sich immer mehr als notwendig, dass staatliche Stellen bei der Aufarbeitung eingreifen, z.B. durch Einrichten einer Wahrheitskommission wie es auch die Betroffeneninitiativen fordern.

 

Ohne Wenn und Aber zum Synodalen Weg bekennen!

Die übergroße Mehrheit der Gläubigen in Deutschland erwartet von den deutschen Bischöfen, dass sich diese ohne Wenn und Aber zum Synodalen Weg bekennen, unverzüglich Reformen umsetzen und auch in Rom möglichst geschlossen auftreten. Denn der Synodale Weg ist kein Sonderweg der Kirche in Deutschland. Vielmehr ist er vielleicht auf lange Sicht die letzte Chance, den jahrzehntelangen Reformstau abzuarbeiten, der Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt durch Kleriker und deren Vertuschung möglich gemacht hat – nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern.

Je geschlossener sich die deutschen Bischöfe – am besten gemeinsam mit den Bischofskonferenzen anderer Länder – in Rom für die auf dem Synodalen Weg beschlossenen und dringend anstehenden Reformen einsetzen, umso weniger wird der Vatikan dies ignorieren können. Das gilt insbesondere für die Veränderung der kirchlichen Strafprozessordnung und die Einführung einer kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit, wie sie durch den Synodalen Weg gefordert werden und jetzt von der Bischofskonferenz dem Vatikan übergeben worden sind.

 

Synodaler Weg auch Dienst an der Weltkirche

Sexualisierte Gewalt und Krisenphänomene zeigen sich überall in der Weltkirche. Auch die Hinweise, dass Themen wie Gleichberechtigung der Frauen oder Homosexualität beispielsweise in afrikanischen Bistümern ganz anders wahrgenommen werden, dürfen nicht davon ablenken, dass die Menschenrechte universale Geltung haben und von der Weltkirche nicht missachtet werden dürfen. Wenn es dem Synodalen Weg gelingt, theologisch und pastoral fundierte Wege für die Strukturprobleme der katholischen Kirche aufzuzeigen, ist dies als Dienst an der Weltkirche zu sehen. Hier ist auch der Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterović, in die Pflicht zu nehmen, der nicht als Bremser des Synodalen Weges, sondern als Vermittler fungieren sollte.

 

Wenig Verständnis hat Wir sind Kirche für die neuen Bremsklötze in der Ökumene durch Kardinal Kurt Koch. Seit der Studie „Lehrverurteilungen – kirchentrennend?“ (1987 von Karl Lehmann und Wolfhart Pannenberg herausgegeben) sind die wesentlichen kirchentrennenden Vorurteile aufgearbeitet.

 

Wir sind Kirche begrüßt die Wahl von Dr. Beate Gilles zur neuen Generalsekretärin der DBK ab 1. Juli aufgrund ihrer breiten pastoralen Erfahrung und weil sie die erste Frau in dieser Leitungsposition ist. Sie darf aber nicht nur als Feigenblatt dienen. Die Forderungen nach einem deutlich höheren Frauenanteil in kirchlichen Leitungsämtern und auch nach der Weihe von Diakoninnen und Priesterinnen bleiben unverändert bestehen.

 

Das von Maria 2.0 am vergangenen Wochenende an sehr vielen Kirchentüren in Deutschland angeschlagene Thesenpapier an alle Menschen guten Willens, das die Forderungen des KirchenVolksBegehrens aus dem Jahre 1995 aktualisiert, wird von Wir sind Kirche einhellig unterstützt. – Direkt vor dieser Frühjahrsvollversammlung hatte Wir sind Kirche zusammen mit den Frauenverbänden, Maria 2.0 und Betroffeneninitiativen sexualisierter Gewalt an die deutschen Bischöfe appelliert: „Verspielen Sie die letzte Chance nicht!“

 

 


Nordkirche professionalisiert ihre Kommunikation und stellt sich den medialen Herausforderungen im 21. Jahrhundert

Landessynode beschließt Gründung eines Kommunikationswerks

(Hamburg/Schwerin/Kiel/ac). - Mit großer Mehrheit haben die Landessynodalen der Nordkirche auf ihrer Tagung heute (25. Februar) in erster Lesung die Gründung eines Kommunikationswerks beschlossen. Die bisherigen Einheiten der Stabsstelle Presse und Kommunikation und das Amt für Öffentlichkeitsdienst (AfÖ) werden in dem neuen Werk unter einem Dach zusammengefasst und agieren künftig gemeinsam als Organisations­kommu­ni­ka­tion der Nordkirche. Dabei werden die Bereiche interne Kommunikation, Mitgliederkommunikation und Public Relations sowie als Querschnittsthemen digitale Kommunikation und die Arbeit der Medienakademie in multiprofessionellen Teams betreut.

 

Die Nordkirche reagiert damit auf die drastischen Veränderungen der Medienlandschaft und der Kommunikationsgewohnheiten ihrer Mitglieder. Die jüngere Generation entkoppelt sich vom linearen Fernsehen und Radio, und quer durch alle Generationen etabliert sich der Modus „permanent online“ und „permanent vernetzt“. Die Krise der Tagespresse macht es zusätzlich herausfordernder, Zielgruppen sicher zu erreichen. Um ihre Mitglieder in Zukunft verlässlich anzusprechen, braucht es daher ein breites digitales, integriertes Engagement und ein vielfältiges Wirken in unterschiedlichsten Medienkanälen.    

 

In ihrer Einbringung verglich Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt die heutigen medialen Veränderungen mit denen der Reformation vor mehr als 500 Jahren. Damals wie heute war die intensive Nutzung aller neu zur Verfügung stehenden Medien ein entschei­dender Faktor: „Kommunikation ist dialogischer geworden. Hierarchien und Machtfaktoren in der medialen Kommunikation verschieben sich rasant. Vor allem geht es nicht nur darum, gute Inhalte zu senden, sondern genau hinzuhören, wie Inhalte aufgenommen werden und was andere zu sagen haben“, sagte die Landesbischöfin.

Das neue Werk wird deshalb als integrierte Organisationskommunikation den Schwerpunkt der bisherigen kommunikativen Arbeit der Nordkirche verlagern. Als zentrale, agile Einheit soll es eine professionelle Kommunikation für und in allen Bereichen der Nordkirche fördern und ermöglichen.

 

Neben der Gründung des Kommunikationswerks arbeitet die Nordkirche aktuell in einem Zukunftsprozess, um sich für die Arbeit in den kommenden Jahren und Jahrzehnten aufzustellen. Die Ausrichtung ihrer Kommunikation ist hier ein wesentlicher Faktor: „Die Kirche der Zukunft wird sich am besten als eine lebensfördernde und lebensdienliche Kom­mu­nikationsgemeinschaft verstehen“, so Landesbischöfin Kühnbaum-Schmidt. Das neue Werk solle einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Nordkirche als lernende und vielfach vernetzte Organisation weiterzuentwickeln. Sie lenkte den Blick vor allem auf die Chancen und Möglichkeiten, die der Wandel der Kommunikation für die Kirche mit sich bringt.

Ihr Dank galt neben der Unternehmensberatung ‚aserto‘ (Hannover), die den Prozess begleitet hat, allen Mitarbeitenden im neuen Werk, die sich dem umfangreichen Change-Prozess hin zu einer agilen Organisationskommunikation stellen und diesen aktiv voranbringen.

 

Umgesetzt wird der Beschluss zum Sommer 2021. Dann werden das bisherige Amt für Öffentlichkeitsdienst (AfÖ) und die Stabsstelle Presse und Kommunikation zu dem neuen Werk unter dem Dach des Hauptbereichs Medien.

Unter der Leitung des Kommunikationsdirektors der Nordkirche, Michael Birgden, arbeiten die rund 25 Mitarbeitenden de facto bereits seit dessen Amtsantritt im September 2020 verstärkt zusammen. Das künftige Werk dient auch dem Abbau von Doppelstrukturen. Es nutzt gleichermaßen die Synergieeffekte und die kommunikativen Chancen von crossmedialer Arbeit. Seinen Sitz wird es im Dorothee-Sölle-Haus in Hamburg-Altona haben.


Bistum Trier unterstützt Aktion zugunsten von „Caritas Nothilfe Corona“

Paulinus-Weihnachtskarten bringen 6.000 Euro Spenden ein

vlnr. bei der Scheckübergabe: Generalvikar Dr. Ulrich Graf von Plettenberg, Caritas-Direktorin Dr. Birgit Kugel und Johannes Thielmann, Geschäftsführer des Paulinus-Verlags. Foto: bt
vlnr. bei der Scheckübergabe: Generalvikar Dr. Ulrich Graf von Plettenberg, Caritas-Direktorin Dr. Birgit Kugel und Johannes Thielmann, Geschäftsführer des Paulinus-Verlags. Foto: bt

(Trier/bt) – 6.000 Weihnachtskarten konnte der Paulinus-Verlag zum Jahresende 2020 verkaufen und mit jeder der Karten war eine Spende in Höhe von einem Euro verbunden. So konnte Johannes Thielmann, Geschäftsführer des Verlags, im Beisein des bischöflichen Generalvikars Dr. Ulrich Graf von Plettenberg eine Spende in Höhe von 6.000 Euro an den Sonderfonds „Caritas Nothilfe Corona“ übergeben.

Entgegengenommen wurde die Spende von Diözesan-Caritasdirektorin Dr. Birgit Kugel. Einen Grund für den Erfolg sieht Frau Dr. Kugel auch in der Corona-Pandemie. „Ich glaube, die Menschen sehnen sich in der Pandemie-Zeit, in der der Umgang miteinander eingeschränkt ist, nach einer Form der Nähe – und eine persönliche Karte ist ein Weg, diese Nähe zu pflegen.“

Für Menschen, die durch die Corona-Krise in eine Notlage geraten sind und dringend finanzielle Unterstützung brauchen, hält der Diözesan-Caritasverband den Sonderfonds „Caritas Nothilfe Corona“ bereit. Er umfasst 70.000 Euro und wurde vom Bistum Trier mit 50.000 Euro sowie vom Caritasverband und der Stiftung Menschen in Not mit jeweils 10.000 Euro ausgestattet. Mit dem Fonds wollen die Kirche und ihre Caritas ein Zeichen der Solidarität für Menschen geben, die in einer existenziellen Notlage sind, vor allem, wenn sie für Kinder sorgen müssen.

Der Sonderfonds ist ausschließlich dazu gedacht, in Notlagen, die in einem direkten Zusammenhang mit der Corona-Krise stehen, zu helfen. Zweite Voraussetzung ist, dass der Hilfebedarf nicht anderweitig sichergestellt werden kann, insbesondere durch sozialrechtliche Leistungsansprüche. Verantwortlich für die Bewilligung von Zuwendungen aus dem Fonds sind die zehn örtlichen Caritasverbände und der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF).

Seit 2015 bringt der Paulinus-Verlag Weihnachtskarten für einen guten Zweck heraus. Unterstützt wird die Spendenaktion dabei in jedem Jahr vom Bistum Trier. Auf diesem Weg konnten in den vergangenen Jahren etwa auch die „Aktion Arbeit“, das Projekt „Rückenwind“ in Wittlich, das Angehörige von Inhaftierten der dortigen Justizvollzugsanstalt unterstützt, oder auch die Flüchtlingshilfe im Bistum Trier mit einer Spende unterstützt werden.

Auch jetzt kann noch für die „Caritas Nothilfe Corona“ gespendet werden, die Aktion läuft noch mindestens bis Ostern weiter. „Corona ist ja nicht vorbei und die Unterstützungsbedarfe in sozialen Notlagen stellen sich nach wie vor sehr deutlich“, betont Birgit Kugel. Deshalb werden Spenden weiterhin benötigt.

Gespendet werden kann online über Spendenportal der Caritas bei der Pax-Bank oder auf das Spendenkonto der Caritas, Pax-Bank, IBAN: DE43 3706 0193 3000 6661 21; BIC: GENODED1PAX; Stichwort „Coronahilfe“


Kolpingwerk Deutschland gratuliert Dr. Beate Gilles zu ihrer Wahl zur Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz

Ein starkes Zeichen!

(Köln/kw) - Die Verbandsleitung des Kolpingwerkes Deutschland gratuliert der neuen Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz, Dr. Beate Gilles – auch im Namen der Mitglieder des Bundesvorstandes – zu ihrer neuen und verantwortungsvollen Aufgabe. Mit der Wahl haben die deutschen Bischöfe ein starkes Zeichen gesetzt, denn zum ersten Mal in der Geschichte der Deutschen Bischofskonferenz kommt eine Frau in diese Position. Die Bischöfe sind damit ihrer Zusage nachkommen, Frauen in Führungspositionen zu fördern. Das Kolpingwerk freut sich auf die gemeinsame Zusammenarbeit und wünscht der neuen Generalsekretärin alles Gute und Gottes reichen Segen.

Die neue Generalsekretärin gilt als profunde Theologin, die sehr gut in den vielfältigen Strukturen der katholischen Kirche vernetzt ist und die mit besten organisatorischen Fähigkeiten ausgestattet ist. Mit der Veränderung des Titels „Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz“ erfolgt eine Anpassung an die internationalen Gegebenheiten, zumal das kirchliche Recht diese Begrifflichkeit verwendet.

Die Theologin Dr. Beate Gilles wird zugleich Geschäftsführerin des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD) und tritt die Nachfolge von Pater Dr. Hans Langendörfer SJ an, der Anfang Januar 2021 nach 24 Jahren in den Ruhestand getreten ist.

 


Das Kolpingwerk Deutschland ist ein generationsübergreifender katholischer Sozialverband mit bundesweit mehr als 230.000 Mitgliedern in 2.350 Kolpingsfamilien vor Ort, davon etwa40.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene die der Kolpingjugend angehören. Es ist Teil von Kolping International und von Kolping Europa.


Elf neue Pfarrerinnen und Pfarrer werden im ersten Halbjahr ordiniert

Mit viel Schwung in die Gemeindearbeit

(Karlsruhe/Mannheim/ekiba) - Vier Lehrvikarinnen und zwei Lehrvikare werden am Sonntag, 7. März, um 15 Uhr in der Christuskirche Mannheim von Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh gemeinsam ordiniert. Insgesamt werden im ersten Halbjahr 2021 elf neue Pfarrerinnen und Pfarrer ihren Probedienst innerhalb der badischen Landeskirche antreten.

 

„Es ist ein Segen für unsere Kirche und für die Menschen in Baden, dass sich elf junge Kolleginnen und Kollegen in diesen Tagen ordinieren lassen. Sie gehen mit viel Schwung und Vorfreude in die Gemeinden, wollen nah bei den Menschen sein und öffentlich deutlich machen, wie kräftig und hilfreich der Glaube heute ist“, so Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh.

 

Der Ordinationsgottesdienst in Mannheim wird am 7. März um 15 Uhr live gestreamt und kann auf www.ekiba.de/kirchebegleitet mitgefeiert werden. Die sechs Theologinnen und Theologen, die mit ihrer gemeinsamen Ordination am 7. März ihren zweijährigen Probedienst in der Landeskirche beginnen, haben ihre Einsatzorte in Karlsruhe (Petrus-Jakobus Gemeinde und Waldstadt), in Pfullendorf (Überlingen-Stockach), in Mannheim, in Ubstadt-Weiher (Bretten-Bruchsal) und in Efringen-Kirchen (Markgräflerland). Die weiteren fünf neuen Pfarrerinnen und Pfarrer im ersten Halbjahr 2021 kommen in Ihringen und Bickensohl-Bischoffingen (Breisgau-Hochschwarzwald), in Achern (Ortenau-Kehl) und St. Blasien (Hochrhein) zum Einsatz.

 

„In einer Zeit, in der die Zahl der Mitglieder und die finanziellen Ressourcen in unserer evangelischen Kirche in Baden zurückgehen, bringen die gut ausgebildeten Pfarrerinnen und Pfarrer neue Ideen mit, nicht nur im Umgang mit den digitalen Kommunikationsmöglichkeiten, sondern auch im Gespräch mit jungen Leuten und Familien, mit modernen Gottesdiensten oder auch im diakonischen und ökumenischen Engagement“, so der Landesbischof.

 

Durch die Ordination werden angehende Pfarrerinnen und Pfarrer im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes zum Dienst in der Kirche berufen und für ihre Aufgabe gesegnet. Alle haben ein Studium der evangelischen Theologie und eine zweijährige Ausbildungszeit, das sogenannte Lehrvikariat, absolviert. Für den Berufseinstieg, den zweijährigen Probedienst, haben sie noch einen Mentor oder eine Mentorin zur Seite.

 

Die Evangelische Landeskirche in Baden wirbt kontinuierlich um den theologischen Nachwuchs.

 

Weitere Infos zu kirchlichen Berufen gibt es auf www.himmlische-berufe.de.

 


Ein Angebot für mehr digitale Seelsorge in Kliniken und Pflegeeinrichtungen

„Augenkontakt. Isolation überbrücken“

(Hamburg/nk) - Aufgrund der Corona-Pandemie sind Besuche von Angehörigen in Kliniken und Pflegeheimen aus Infektionsschutzgründen weitgehend nicht möglich. Die Folge: Eine wachsende Zahl von Klinik-Patienten und Heimbewohnerinnen befindet sich in Isolation. Hinzu kommt, dass die oftmals sehr betagten Betroffenen zum Teil nicht mehr in der Lage sind, selbst Telefonkontakt zu ihren Angehörigen aufzunehmen.

„Stellen Sie sich vor, Ihr hochbetagter Vater liegt im Krankenhaus. Sie wissen nicht, ob er die Infektion überleben wird und dürfen ihn nicht besuchen. Mit unserem Angebot „Augenkontakt. Isolation überbrücken“ möchten wir ermöglichen, dass Schwererkrankte und Heimbewohnerinnen wenigstens auf einem ausreichend großen Tablet-Bildschirm ihre liebsten Menschen sehen und sprechen können“, sagt Prof. Dr. Kerstin Lammer, Leitende Pastorin des Hauptbereichs Seelsorge und gesellschaftlicher Dialog der Nordkirche, die das Projekt initiiert hat.

Vermittelt werden die Video-Kontakte über die Klinik- und Heimseelsorger, die Zugang zu den Betroffenen haben und der Schweigepflicht unterliegen. Um ihnen die Arbeit zu erleichtern, wurden die komplizierten Fragen rund um Servertechnik, Konferenzsoftware, Datenschutz und Hygiene im Vorfeld geklärt. „Wir haben den unübersichtlichen Programmmarkt gesichtet“, berichtet Kerstin Lammer und ergänzt: „Die nun gefundene Lösung ist kostengünstig, technisch leicht handhabbar, datenschutzsicher, hygienisch unbedenklich und stört die Elektronik in den Einrichtungen nicht.“

Die sichere Serverlösung steht zunächst bis Ende Februar 2022 zur Verfügung. Das Angebot, Anleitung und Server zu nutzen, richtet sich an alle Klinik- und Heimseelsorgerinnen in der EKD. Weitere Informationen finden Sie unter augenkontakt.digitale-seelsorge.de sowie auf YouTube: https://t1p.de/dl05.

„Augenkontakt. Isolation überbrücken“ ist ein Projekt des Hauptbereichs Seelsorge und gesellschaftlicher Dialog der Nordkirche in Kooperation mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), dem Kirchenkreisverband Hamburg, der Evangelischen Medienarbeit (EMA) Hannover und der Firma enomyc GmbH.

 

 

    


TelefonSeelsorge: statistische Auswertung 2020 abgeschlossen

Steigerungen bei Telefonaten, deutlich mehr bei Mail und Chat

Die Abbildung zeigt Themenschwerpunkte der TelefonSeelsorge® 2020 in Prozent (Mehrfachnennungen sind die Regel) / ©TelefonSeelsorge®
Die Abbildung zeigt Themenschwerpunkte der TelefonSeelsorge® 2020 in Prozent (Mehrfachnennungen sind die Regel) / ©TelefonSeelsorge®

(Berlin/ts) – Die TelefonSeelsorge Deutschland legt die endgültigen Auswertungen ihrer Jahresstatistik 2020 vor. Es gab gegenüber 2019 erkennbare Verschiebungen, die sich mit der Pandemie-Situation erklären lassen. Auffällig ist die deutliche Steigerung der Beratungskontakte per Mail und Chat. Unter den benannten Themen ist Einsamkeit der Spitzenreiter. Auch beim Thema Suizidalität gab es – entgegen bisheriger Erkenntnisse – eine Steigerung.

 

„Die Endauswertung hat auch bei uns noch einmal für Überraschungen gesorgt", sagt Ludger Storch. Der Diplom-Theologe ist Leiter der TelefonSeelsorge Bochum und zugleich Vorsitzender der Arbeitsgruppe Statistik. So liegt die Steigerung bei den eingegangenen Anrufen bei fünf, bei den tatsächlich geführten Beratungsgesprächen am Telefon sogar bei rund zehn Prozent. Weitaus höher ist die Zunahme bei den Mailkontakten mit rund 28 Prozent. Spitzenreiter ist das Chat-Angebot, das eine Steigerung von über 70 Prozent erfuhr.

 

„Diese Steigerungen bei den Online-Angeboten sind auch deshalb interessant, weil wir hier überwiegend die Jüngeren erreichen", erläutert Ludger Storch. „Dass die 15- bis 39-Jährigen 2020 vermehrt Unterstützung gesucht haben, deckt sich mit zuletzt immer wieder von Psychologinnen und Psychologen zu hörenden Aussagen, dass gerade die Jüngeren verstärkt unter den Restriktionen durch die Pandemie leiden."

 

Steigerungen auch bei den besprochenen Themen

Spitzenreiter unter den von den Anrufenden angesprochenen Themen bleibt am Telefon die Einsamkeit, gefolgt von den Themen Krankheit und Depressionen. Bei Mail und Chat stehen die Themen Depressionen und Ängste an vorderster Stelle.

 

„Dass die Einsamkeit am Telefon den größten Raum einnimmt, ist nicht verwunderlich", so Ludger Storch. „Über die Hälfte unserer Telefon-Kontakte ist 50 Jahre und älter, umfasst also einen großen Teil derjenigen, die sich durch die Pandemie in ihren Sozialkontakten besonders einschränken mussten."

 

Im Vergleich zu 2019 erfuhr das Thema eine Steigerung um rund 27 Prozent. Aber auch bei den jüngeren Anrufenden wird Einsamkeit häufig genannt und zeigt sich damit als Thema, das jedes Alter betreffen kann.

 

Die Statistiken von TelefonSeelsorge zeigen, dass sich bei den Themen an sich nichts Wesentliches geändert hat – sieht man von der Nennung des Themas Corona ab, das durch die Pandemie erst entstanden ist. Verschärft hat sich aber für viele Menschen die Dringlichkeit ihrer Probleme und daraus resultierend ein erhöhter Beratungsbedarf und der Wunsch nach emotionaler Unterstützung.

 

Änderungen beim Thema Suizidalität

„Die deutlichste Veränderung gegenüber unseren Erkenntnissen im Jahresverlauf 2020 haben wir bei der Endauswertung zum Thema Suizidalität erlebt", berichtet Ludger Storch. „Wir sind bisher davon ausgegangen, dass es keine signifikant höhere Zahl von Gesprächen mit Menschen gab, die von Suizidgedanken gequält werden oder durch die Suizidalität eines Menschen im eigenen Umfeld betroffen sind. Aus den endgültigen Zahlen ergibt sich aber, dass solche Gespräche um 17 Prozent zugenommen haben."

 

Es lässt sich festhalten, dass TelefonSeelsorge 2020 für suizidgefährdete Menschen oder Menschen, die mit dem Thema in ihrem Umfeld konfrontiert sind, eine wichtige Anlaufstelle für Entlastung und Beistand darstellte. „Damit erfüllen wir eine unserer Hauptaufgaben", so noch einmal Ludger Storch. „TelefonSeelsorge wurde als Suizidpräventions-Einrichtung gegründet. Das ist unser wichtigster Auftrag und wir sind froh über jeden, der sich in einer existenziellen Krise befindet und bei uns Unterstützung sucht. Und eines sei an dieser Stelle noch einmal betont: Wir können keinerlei statistische Aussagen zur Höhe der Suizidrate machen. Ob und wie viele der Menschen, die im Kontakt mit uns dieses Thema ansprechen, sich tatsächlich das Leben nehmen, wissen wir nicht."

 

Ausgewählte Statistiken für das Jahr 2020 finden sich ab sofort auf der Website der TelefonSeelsorge Deutschland: https://www.telefonseelsorge.de/unsere-statistiken/ .

 

 

Hintergrundinformation

Mit mehr als 7500 geschulten Ehrenamtlichen in 104 Städten oder Regionen ist die TelefonSeelsorge deutschlandweit tätig. Als eine der ersten Suizidpräventionseinrichtungen wurde sie 1956 in der alten Bundesrepublik gegründet. Um möglichst vielen Menschen den Zugang zu ermöglichen, stehen die Mitarbeitenden rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr zur Verfügung. Die TelefonSeelsorge berät Menschen jeder Nationalität, jedes Geschlechts, jeder Konfession und jedes Alters. Sie verpflichtet sich zu weltanschaulicher Neutralität.

Die Beratung findet am Telefon, per Mail oder Chat und an insgesamt 25 Standorten auch im persönlichen Gespräch statt. Alle Beratungsangebote sind anonym und kostenfrei.

 

2020 wurden 1.027.450 telefonische und 41.439 persönliche Beratungsgespräche geführt. Es wurden 44.600 Mails geschrieben und es wurde 33.578-mal gechattet. Dank der Unterstützung der Deutschen Telekom sind die Telefonnummern 0800/1110111 und 0800/1110222 seit 1997 gebührenfrei.

Mit der kostenlosen App „KrisenKompass" bietet die TelefonSeelsorge seit 2020 Hilfe bei depressiven Gefühlen und Suizidgedanken für Betroffene und Angehörige.

 

 


Eine kluge Entscheidung für den Weg der Kirche

 

 

(Köln/kdfb)  – Der Katholische Deutsche Frauenbund e.V. (KDFB) begrüßt die Wahl und Ernennung von Dr. Beate Gilles zur ersten Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz ausdrücklich. „Wir freuen uns über diese kluge Entscheidung und wir danken den Bischöfen, allen voran ihrem Vorsitzenden Bischof Bätzing, dass sie in einer Zeit der Umbrüche und der anstehenden Reformen dieses klare Zeichen für eine stärkere Beteiligung von Frauen in der katholischen Kirche setzen“, erklärt KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth.

 

Der KDFB setzt sich seit Jahrzehnten für eine geschwisterliche Kirche und damit auch mehr Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche ein. Dies betrifft sowohl die Einbeziehung von Frauen in Leitungs- und Führungspositionen als auch die Öffnung zu Ämtern und Diensten in der katholischen Kirche.

 

„Frauen und Männer haben beide als Kinder Gottes die gleiche Würde. Sie sind einander ebenbürtig und gleichberechtigt. Wir fordern daher die volle Teilhabe von Frauen in Kirchenleitung, Verkündigung, theologischer Wissenschaft und Gottesdiensten. Geschwisterlichkeit ist die notwendige Voraussetzung für eine zukunftsfähige Kirche. Mit der neuen Generalsekretärin Dr. Beate Gilles erhält der eingeschlagene Weg zur Erneuerung der Kirche eine neue Dimension und neue Perspektiven. Wir wünschen ihr und allen Bischöfen Gottes Segen sowie ein gutes und vertrauensvolles Miteinander auf dem Synodalen Weg und darüber hinaus“, so Maria Flachsbarth.

 

 

 


„Die Stunde ruft uns zur Tat!“

 (Köln/kdfb) – Der Geburtstag von Hedwig Dransfeld, zweite Präsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes e.V. (KDFB), jährt sich am 24. Februar zum 150. Mal. Von 1912 bis zu ihrem Tod 1925 stand sie an der Spitze des Frauenbundes und prägte ihn wesentlich mit. Als überzeugte und überzeugende KDFB-Frau gehörte die Lehrerin, Schriftstellerin und Politikerin zu den führenden Frauen der katholischen Frauenbewegung. Ihr Credo: „Die Stunde ruft uns zur Tat!“

 

Hedwig Dransfeld war eine unermüdliche Kämpferin für die Interessen, Rechte und Bildung von Frauen. Sie lehnte es stets ab, Frauenfragen von politischen Fragen zu trennen. Wichtig war ihr, Frauen umfassend für politische Themen zu sensibilisieren und zu gesellschaftlicher Beteiligung zu motivieren. Sie gehörte zu den führenden Frauen, die sich für das Frauenwahlrecht engagierten. Als eine von sechs KDFB-Frauen zog sie 1919 in die Weimarer Nationalversammlung und 1920 in den Deutschen Reichstag ein. Sie wirkte maßgeblich an der neuen Sozialgesetzgebung mit.

 

Ihre aktuelle Nachfolgerin im Amt der KDFB-Präsidentin, Maria Flachsbarth, stellt fest: „Die Themen, für die sich Hedwig Dransfeld weit über den KDFB hinaus stark machte, sind heute immer noch aktuell: gerechte Entlohnung für gleiche Arbeit von Frauen und Männern, Chancengleichheit und Geschlechtergerechtigkeit, Übernahme von Verantwortung in allen Lebensbereichen, Engagement für weltweiten Frieden und Gerechtigkeit, Stärkung der Demokratie. Es ist schon viel erreicht, aber noch nicht genug. Wir folgen den Spuren von Hedwig Dransfeld, wenn wir vehement die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Politik, Gesellschaft und Kirche fordern.“

 

Während des Ersten Weltkriegs ergriff Hedwig Dransfeld als leidenschaftliche Kämpferin für den Frieden die Initiative zum Bau der Frauenfriedenskirche in Frankfurt. Dank ihres unermüdlichen Engagements und trotz schwerer gesundheitlicher Beeinträchtigung, wurde 1929 die einzige Kirche in Deutschland, die von katholischen Frauen initiiert und finanziert wurde, eingeweiht. Seitdem ist sie ein Mahnmal für den Frieden und Wallfahrtsziel zahlreicher Frauen.

 


Ökumenischer Aufruf zum Weltgebetstag 2021

Weltweite Frauensolidarität – trotz und wegen Corona

Zwölf (Frauen-)Verbände aus verschiedenen christlichen Konfessionen rufen eindrücklich auf zu Gebet, Solidarität und Kollekten anlässlich des ökumenischen Weltgebetstags am 5. März 2021.

 

(Stein/pm) - Der Weltgebetstag ist die weltweit größte Basis-Bewegung christlicher Frauen. Seit Jahrzehnten verbindet sie auch in Deutschland Christ*innen in Gebet und Handeln für Frieden, Gerechtigkeit und Frauenrechte. Am 5. März 2021 wird in über 150 Ländern der Erde der Weltgebetstag der Frauen gefeiert. Zwölf Mitgliedsorganisationen des Deutschen Weltgebetstagskomitees laden zur Teilnahme an den vielen digitalen Angeboten, am TV-Gottesdienst oder Präsenz-Veranstaltungen unter Corona-Bedingungen ein. Ihr ökumenischer Aufruf ist ein eindrücklicher Appell, in Pandemie-Zeiten die dramatische Lage vieler Frauen und Kinder weltweit nicht zu vergessen.

 

Ökumenischer Aufruf:

 

„Worauf bauen wir?“: Zu dieser Frage laden unsere Organisationen verschiedener christlicher Konfessionen in ganz Deutschland rund um den 5. März 2021 zu ökumenischen Gebeten ein. Den Gottesdiensttext haben Frauen aus dem Pazifikstaat Vanuatu verfasst. In diesem Jahr sind wir mit ihnen besonders verbunden. Weltweit erleben wir durch die Corona-Pandemie schwerste Herausforderungen, gleichzeitig zeigt sich der Klimawandel verstärkt in Naturkatastrophen und führt vor allem im globalen Süden zu Tod, Verwüstung und Existenznot.

 

Wir rufen dazu auf, in diesen Zeiten die dramatische Situation von Frauen und ihren Familien weltweit nicht aus den Augen verlieren. Der Basis-Bewegung des Weltgebetstags stehen schwere finanzielle Zeiten bevor. Wir spüren die Auswirkungen der Corona-Krise und wir fürchten massive Kollekten-Einbrüche. Das betrifft sowohl unsere Unterstützung für die Partnerinnen weltweit als auch die Zukunft der ökumenischen Frauenbewegung in Deutschland.

 

Hoffnung gibt uns die Grundidee unserer weltweiten Bewegung, die von Spiritualität und Solidarität lebt. Am 5. März 2021 strahlt der Sender Bibel-TV um 19:00 Uhr einen vom Deutschen Weltgebetstagskomitee organisierten Fernsehgottesdienst aus. Zeitgleich findet eine große YouTube-Premiere des Gottesdienstes statt, die u.a. auf www.weltgebetstag.de zu sehen sein wird. Darüber hinaus wird es zahlreiche lokale und regionale Online-Formate geben. Bundesweit organisieren Frauen außerdem Freiluft-Andachten, Gottesdienste im kleinen Rahmen, Spendenaktionen, Ausstellungen und vieles mehr.

 

Wir laden Sie ein: Nutzen Sie diese Anregungen und Angebote, unterstützen Sie die Arbeit des Weltgebetstags mit einer Spende und seien Sie Teil der Gebetskette am 5. März 2021. Wir bauen darauf, dass das gemeinsame Gebet und die weltweite Solidarität uns gerade in schweren Zeiten Kraft geben und tragen.

 

Doris Hege, Vorsitzende, Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland K.D.ö.R (AMG)

Lydia Ruisch, Vorsitzende, Bund alt-katholischer Frauen (baf)

Katrin Brinkmann, Frauenseelsorge in den deutschen Diözesen e.V.

Annette Grabosch, Sprecherin, Frauen im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland

Michaela Labudda, Bundesvorsitzende, Bundesverband der Gemeindereferent/-innen Deutschlands e.V.

Zinovia Pantazidiou, Religionslehrerin, Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland

Oberstin Deborah Cachelin, Territorialleiterin, Die Heilsarmee in Deutschland KdöR

Benigna Carstens, Evangelische Brüderunität – Herrnhuter Brüdergemeine

Susanne Kahl-Passoth, Vorsitzende, Evangelische Frauen in Deutschland e.V.

Kerstin Pudelko-Chmel,  Frauenwerk der Evangelisch-methodistischen Kirche

Dr. Maria Flachsbarth, Präsidentin, Katholischer Deutscher Frauenbund e.V.

Mechthild Heil, Bundesvorsitzende, Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands

 

 

Mehr Informationen: www.weltgebetstag.de

 

 


SWR-Fernsehgottesdienst mit den beiden evangelischen Landesbischöfen aus Baden und Württemberg widmet sich Corona-Erfahrungen

„Erinnern – klagen – hoffen“

(Karlsruhe/Pforzheim/pm) - . Nach einem Jahr Leben mit der Corona-Pandemie widmet sich am Sonntag, 28. Februar, von 10.15 bis 11 Uhr, ein SWR-Fernsehgottesdienst dem Thema „Erinnern – klagen – hoffen“. Der Gottesdienst wird aus der Thomaskirche Pforzheim übertragen. Die beiden evangelischen Landesbischöfe Prof. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh (Baden) und Dr. h. c. Frank Otfried July (Württemberg) werden gemeinsam predigen.

 

„Wir wollen mit diesem Gottesdienst daran erinnern, was uns das zurückliegende Jahr alles genommen hat, und schauen, worauf wir - auch aus dem christlichen Glauben heraus - hoffen können“, erklärt Rundfunkpfarrer Wolf-Dieter Steinmann den Grundgedanken des Gottesdienstes. Vier Menschen werden darüber berichten, wie das vergangene Jahr ihnen persönlich zugesetzt hat. So berichtet der Schüler Leon Mayer, der im Online-Unterricht immer wieder die „Verbindung“ verliert, von der Aussichtslosigkeit, die viele Jugendliche derzeit quält, verbunden mit der Hoffnung, am Ende gemeinsam die Krise zu bewältigen.

 

Siham Kurdangi, Geflüchtete und Mutter von vier Kindern zwischen zwei und elf Jahren, erzählt von ihrer Sorge um die Kinder und der Schwierigkeit, in dieser Zeit in der neuen Heimat Fuß zu fassen. Und neben einem Intensivmediziner kommt außerdem Claudia Rapp zu Wort, die ihren 87-jährigen Vater in der Weihnachtszeit durch Corona verloren hat. Eindrücklich erklärt sie, was das für sie bedeutete: „Er, der immer für die Familie da war, immer auch für mich da war, ist alleine gestorben“

 

Die beiden Landesbischöfe werden in einer Dialogpredigt auf die Geschichten der vier Menschen eingehen; außerdem übernimmt Pfarrerin Ruth Nakatenus von der Evangelischen Friedensgemeinde in Pforzheim einen liturgischen Teil. Musikalisch gestaltet wird der Gottesdienst von Kirchenmusikdirektorin Heike Hastedt und einem Vokalquartett, bestehend aus vier jungen Sängerinnen und Sängern. Eingeblendete Liedtexte und Gebete ermöglichen, dass Zuschauerinnen und Zuschauer auch vor den Fernsehern mitsingen und mitbeten können.

 

Der Gottesdienst wird ohne Besucher gefeiert und am Sonntag, 10.15 Uhr, auf SWR, WDR und BR live übertragen.


Katholisches Laienbündnis appelliert an die deutschen Bischöfe: „Verspielen Sie die letzte Chance nicht!“

 

(Köln/kdfb) - Anlässlich der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz vom 23. bis 25. Februar 2021 richten katholische Frauenverbände, Betroffenengruppen und Reforminitiativen einen eindringlichen Appell an die deutschen Bischöfe. Das katholische Laienbündnis hält konstruktive Dialoge und Perspektiven, besonders hinsichtlich des Synodalen Wegs, für dringend erforderlich: „Solange nicht eine ehrliche, offene und vollständige Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in allen deutschen Bistümern auf wissenschaftlich hohem Niveau und gleichem Standard erfolgt, werden die Reformbemühungen des Synodalen Weges ins Leere laufen.“

 

Sexualisierte Gewalt

Das Bündnis fordert eine objektive, unabhängige und vollständige Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der katholische Kirche sowie eine strafrechtliche Verfolgung der Täter, eine kirchenrechtliche Ahndung der Vertuscher und die Aufklärung durch staatliche Stellen – wenn dies noch möglich ist: „Nehmen Sie die Betroffenen ernst – anstatt sich selbst als Opfer darzustellen! Sexualisierte Gewalt und das erfahrene Leid sind nicht wiedergutzumachen. Deshalb ist es das Mindeste, die Taten aufzuklären und aufzuarbeiten, die Verantwortlichen für mögliche Vertuschungen zu benennen und die Betroffenen angemessen zu entschädigen.“

 

Sexualmoral

„Die Kirche braucht einen neuen und positiven Zugang zur Sexualität, ihrer bewussten Gestaltung und der Tatsache, dass Sexualität zum Leben gehört. Heterosexuelle, Lesben, Schwule, trans- und intergeschlechtliche Menschen – alle gehören gleichwertig zu unserer Kirche. Es darf hier keine Verurteilungen und Diskriminierungen mehr geben.“

 

Gleichberechtigung

„Der Zugang zu allen Diensten und Ämtern darf nicht mehr nur Männern vorbehalten bleiben. Dies widerspricht dem christlichen Menschenbild und den Allgemeinen Menschenrechten. Allen Menschen muss endlich der Zugang gewährt werden. Es gibt keinen Grund, jemanden kategorisch auszuschließen. Berufung ist keine Frage des Geschlechts.“

 

Machtstrukturen

„Klerikale Machtstrukturen tragen immer die Gefahr des Machtmissbrauchs in sich; sie müssen endlich aufgebrochen und verändert werden. Kirche soll ein Ort für alle Menschen sein und nicht hierarchisches Machtkonstrukt weniger Einzelner. Synodale und partizipative Strukturen sind deshalb jetzt gefordert, bei denen sich viele einbringen können und gemeinsam Verantwortung übernehmen.“

 

Angesichts sehr unterschiedlicher Positionen innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz appelliert das Laienbündnis an die deutschen Bischöfe: „Wir – als großer Teil des Kirchenvolks –  sind gemeinsam auf einer Linie. Die Zeit des Hinhaltens, des Vertuschens, der immer noch schleppenden Aufklärung sexualisierter Gewalt und der toxischen Machtstrukturen muss endgültig vorbei sein. Notwendig sind jetzt klare Worte und – vor allem – deutliche Taten, durch die die Kirche wieder glaubwürdig und positiv erlebt werden kann.“

 

In Anbetracht der steigenden Kirchenaustrittszahlen stellen die Akteur*innen abschließend eine mahnende Frage an die Bischöfe: „Welche Zukunft hat die Kirche ohne Gläubige?“ Das Bündnis appelliert eindringlich: „Verspielen Sie die letzte Chance nicht!“

 

 

Dem Appell angeschlossen haben sich die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) – Bundesverband e.V., der Katholische Deutsche Frauenbund e.V. (KDFB), die Betroffeneninitiativen ECKIGER TISCH e.V. und MoJoRed e.V., die Reformbewegungen Wir sind Kirche und Maria 2.0 sowie das Katholische LSBT+


Zweite digitale Tagung der Landessynode der Nordkirche vom 25. bis 26. Februar

Haushalt, junge Menschen und die Situation in Belarus im Blick

(Kiel/mw). - Mit dem Haushalt 2021, der grundsätzlichen Regelung für digitales Tagen kirchlicher Gremien sowie den Berichten von Bischof Gothart Magaard aus dem Sprengel Schleswig und Holstein und aus dem Ausschuss „Junge Menschen im Blick“ werden sich die 156 Landessynodalen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) auf ihrer 9. Tagung befassen – zum zweiten Mal im digitalen Raum. Außerdem hat der Ausschuss „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ eine Resolution zur Situation in Belarus vorbereitet. Zu den weiteren Themen der Tagung gehört auch die Gründung des neuen Kommunikationswerks der Nordkirche mit Wirkung zum 1. Juni 2021.


Bischof Ackermann lädt zu Mittagsgebet im Trierer Dom ein

Gedenken für die Opfer der Corona-Pandemie

Foto: bt
Foto: bt

(Trier/bt) – Die europäischen Bischofskonferenzen laden zu einem Gebetstag für die Opfer der Corona-Pandemie ein. Auch der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann möchte gemeinsam mit den Menschen im Bistum Trier der Toten gedenken und für sie und ihre Angehörigen beten. Dazu wird es am Samstag, 27. Februar um zwölf Uhr ein Mittagsgebet im Trierer Dom geben, das auch im Livestream unter www.bistum-trier.de mitverfolgt werden kann. Für Besucherinnen und Besucher der Statio im Dom ist keine gesonderte Anmeldung erforderlich. Es gilt wie in den Gottesdiensten an Werktagen, sich vor Beginn des Gottesdienstes am Eingang anzumelden, oder einen Zettel mit den eigenen Kontaktdaten mitzubringen.

 

Interessierte, die den Vorschlag zur Gestaltung der Gebetszeit verwenden möchten, finden diesen unter: https://t1p.de/Gebet-Corona-CCEE. Den Livestream finden Sie unter https://t1p.de/medial-mitbeten


40 Jahre ora Kinderhilfe international e. V.

Foto: ora Kinderhilfe international e. V.
Foto: ora Kinderhilfe international e. V.

 

(Berlin/ora) - ora Kinderhilfe international e. V. wird in diesem Jahr 40 Jahre alt. Um den runden Geburtstag zu feiern, startet das christliche Kinderhilfswerk aus Berlin mit dem Beginn der 40-tägigen Fastenzeit eine Jubiläumskampagne zum Thema Gerechtigkeit.

 

„Mit der Kampagne möchten wir natürlich unseren 40. Geburtstag feiern“, sagt Carmen Schöngraf, Geschäftsführerin von ora Kinderhilfe, „vor allem aber möchten wir darauf hinweisen, dass die Probleme, wegen derer ora 1981 gegründet wurde, nicht gelöst sind. Ganz im Gegenteil.“

Gegründet wurde ora Kinderhilfe e. V. 1981 unter dem Namen Deutscher Hilfsfonds als überkonfessionelles christlich-humanitäres Hilfswerk von Heinrich Floreck in Friedberg. Im Jahr 2014 hat sich das Werk in ora international umbenannt. Da „ora“ im Lateinischen für das Wort „bete“ steht, bekannt durch den Ausspruch „ora et labora“ (bete und arbeite), verweist der Name zugleich auf das christliche Menschenbild, dem sich das Hilfswerk verpflichtet weiß. Fünf Jahre nach seiner Gründung zog ora international ins nordhessische Korbach, wo sich 26 Jahre der Sitz des Vereins befand. Im August 2014 zog der Verein nach Berlin. Der Namenswechsel von ora international zu ora Kinderhilfe international erfolgte ebenfalls im Jahr 2014, um damit den eigentlichen Schwerpunkt der Arbeit im Namen zu verankern.

Zahl der Hungernden und Vertriebenen gestiegen

„In den Jahren 1980 und 1981, als ora gegründet wurde, befanden wir uns mitten im Kalten Krieg“, erinnert sich Schöngraf. „In Deutschland waren Tausende Flüchtlinge aus Vietnam angekommen, die sogenannten boat people. In Afrika tobte der Ogadenkrieg zwischen Somalia und Äthiopien, der Millionen Menschen zur Flucht zwang. Themen wie Flucht und Hunger waren allgegenwärtig. Darauf hat Heinrich Floreck damals mit der Gründung von ora reagiert. Aber wenn wir die Situation von 1981 mit Heute vergleichen, dann müssen wir leider feststellen, dass sich die Situation an vielen Orten auf der Welt seitdem nicht verbessert hat.“

Tatsächlich waren 1981 weltweit 550 Millionen Menschen unterernährt. 40 Jahre später liegt die Zahl laut UN und WHO bei rund 690 Millionen – Tendenz steigend. Seit 1981 hat sich die Zahl der Menschen auf der Flucht auf mehr als 80 Millionen erhöht und damit mehr als verdoppelt. „Wir möchten zu unserem 40. Geburtstag darauf hinweisen, dass das Problem von Arm und Reich eine Frage der Gerechtigkeit ist. Während auf der einen Seite die Hälfte der Weltbevölkerung kaum ihre Grundbedürfnisse decken kann, steigt die Zahl der Superreichen. Die Zahl der übergewichtigen Menschen ist doppelt so hoch wie die der unterernährten. Wir geben riesige Summen für Diätprogramme aus. Wenn wir solche Gelder anders einsetzen würden, wäre die Welt ein wenig gerechter und für viele Kinder in Not deutlich lebenswerter.“

 

Deshalb wünscht sich ora Kinderhilfe auch zu seinem 40. Geburtstag neue ora-Patinnen und ora-Paten. „Mindestens 40 sollten es sein“, schmunzelt Carmen Schöngraf.


Neuwieder Gemeinde bietet unterschiedliche Unterstützungsangebote

Fahrten zum Impfzentrum, Hilfe bei Terminvereinbarung und Klagemauer

Die Klagemauer: Die hier gesammelten Klagen werden in den Gottesdiensten am 5. und 19. März und 2. April vorgetragen. Foto: privat
Die Klagemauer: Die hier gesammelten Klagen werden in den Gottesdiensten am 5. und 19. März und 2. April vorgetragen. Foto: privat

(Neuwied/Niederbieber/bt/jf) – „Wir haben uns gefragt, was braucht es jetzt?“, erklärt der Neuwieder Priester Oliver Seis. Aus dieser Überlegung wurden zusammen mit Ehrenamtlichen aus der gesamten Pfarreiengemeinschaft Neuwied ganz unterschiedliche Angebote entwickelt, um den Menschen das Leben mit der Corona-Pandemie etwas zu erleichtern. Die Aktionen erstrecken sich über den Zeitraum der Fastenzeit (von 17. Februar bis 3. April); sie umfassen konkrete Hilfs- wie spirituelle AngebotEine Gruppe Ehrenamtlicher organisiert Fahrten in das gut 20 Kilometer entfernte Impfzentrum für ältere Menschen, die nicht gut zu Fuß sind oder sich kein Taxi bzw. eine Busfahrt dorthin leisten können. Die Neuwieder Stadtwerke SWN stellen dazu ein Elektroauto zur Verfügung, berichtet Dechantenkooperator Oliver Seis. „Viele melden sich nicht zur Impfung an, weil sie den Weg dorthin nicht bewerkstelligen können“, lautet sein Eindruck. Es melden sich aber auch Familienangehörige, die weit weg wohnen. Sie können beispielsweise aus beruflichen Gründen ihre Eltern nicht zum zweiten Impftermin begleiten und bitten die Mitglieder der Gemeinde um Unterstützung. Oder eine aufmerksame Nachbarin vereinbart eine Fahrt für ihren älteren Nachbarn – hier helfen Gemeindemitglieder gerne weiter. Wer Hilfe bei der Online-Registrierung für einen Impftermin benötigt, ist beim Freiwilligendienstleistenden von Heilig Kreuz an der richtigen Stelle.

Ein weiterer Ansatzpunkt ist das Sammeln von Lebensmitteln, die an die Neuwieder Tafel und somit an bedürftige Einzelpersonen und Familien weitergegeben werden. Insbesondere Eier, Milchprodukte und Mehl werden momentan benötigt. Wer Nahrungsmittel spenden möchte, kann dies vom 21. Februar bis 28. März immer sonntags von 12 bis 12.30 Uhr an der Kirche Heilig Kreuz (Reckstraße 43) kontaktfrei in einem „Drive-In“-Verfahren tun.

Neben diesen konkreten Hilfsangeboten gibt es spirituelle Andockpunkte. So ist in der Pfarrkirche St. Matthias (Ecke Heddesdorfer Str./An der Matthiaskirche) ein Gedenkort eingerichtet, wo Menschen an Angehörige erinnern können, die an Corona verstorben sind. „Das Trauern und Abschiednehmen ist momentan sehr schwierig“, weiß Seis. Es gibt hohe Auflagen in Seniorenheimen, Krankenhäusern oder bei Kondolenzbesuchen und Beerdigungen. „Die gesamte Situation ist sehr belastend.“ Die Kirche in der Innenstadt kann in dieser Zeit zu einem Ort der Trauer und des Innehaltens werden.

„Viele Menschen suchen nach einem ‚Warum?‘ in Zeiten der Pandemie“, ist die Erfahrung des Kooperators. Um dieser Verzweiflung Raum zu geben, werden zwei Wochen lang in der gesamten Stadt Klagesteine in Institutionen aufgestellt; angefragt sind Geschäfte, die Caritas oder Altenheime. Interessierte können ihre Gedanken, ihre Wut, Verzweiflung und ihr Unverständnis verschriftlichen und dort hineinstecken. „Klagen vor Gott zu bringen kommt aus der jüdischen Spiritualität“, erläutert Seis. Die gesammelten Notizen werden in den Gottesdiensten in Heilig Kreuz am 5. und 19. März sowie am 2. April um jeweils 19 Uhr eingebunden.

Darüber hinaus gibt es in Niederbieber in der Pfarrkirche St. Bonifatius (Kurt-Schumacher Straße 5) einen Fürbittaltar. Dort besteht die Möglichkeit Fürbitten zu verfassen und abzulegen, die dann in den Gottesdiensten vorgetragen werden.

 

Weitere Informationen zu den unterschiedlichen Veranstaltungen und Angeboten gibt es online auf www.pfarreiengemeinschaft-neuwied.de oder bei Pfarrer Oliver Seis unter Tel.: 02631-343426. 


Gerade Menschen mit Beeinträchtigungen macht die Pandemie zu schaffen

Eine sinngebende Struktur ist wichtig

Foto: Thomas Zenner
Foto: Thomas Zenner

(Cochem-Zell/Mendig/bt) – „Hochmotiviert und gerne kommen die Beschäftigten zu uns in die Werkstätten – auch in diesen Zeiten“, berichtet Thomas Zenner, Einrichtungsleiter der Caritas Werkstätten im Kreis Cochem-Zell, die zur St. Raphael Caritas Alten- und Behindertenhilfe GmbH gehören. Denn die Arbeit in den Werkstätten schaffe für die Menschen mit Beeinträchtigung eine Struktur im Alltag, die sie sich nicht selbst geben könnten. Selbst die strikten Hygienemaßnahmen nähmen die Beschäftigten dafür in Kauf – und kämen damit erstaunlich gut zurecht, so Zenner.

Um die Menschen mit Beeinträchtigung an die Corona-Schutzmaßnahmen zu gewöhnen, haben sich die Betreuerinnen und Betreuer auch in den Wohnheimen und in den Tagesförderstätten kreative Lösungen überlegt. „Wir mussten ganz vorsichtig anfangen, die Menschen mit Beeinträchtigung an die Maßnahmen wie das Maske-Tragen heranzuführen. Gerade das Gefühl, etwas im Gesicht zu tragen, akzeptieren die meisten zunächst nicht. Deshalb war die Idee, zunächst mit leichten Schals oder Halstüchern an das Gefühl zu gewöhnen, bis wir es auf Masken ausweiten konnten“, erzählt Stephanie Pohl, Leiterin der Tagesförderstätte des Caritas Zentrums in Mendig. In den Werkstätten können die Beschäftigten den gelernten Umgang mit den Schutzmaßnahmen anwenden, was die Arbeit dort erleichtere.

Damit die Menschen mit Beeinträchtigung weiterhin einen stabilen – wenn auch anderen – Tagesablauf haben und individuell gefördert werden können, haben die Werkstätten und Tagesförderstätten vieles angepasst, so Pohl. „Als die Bewohnerinnen und Bewohner gar nicht zur Arbeit konnten, kamen Betreuerinnen und Betreuer aus den Werkstätten und brachten die Arbeit ins Wohnheim.“ Außerdem seien die Menschen mit Beeinträchtigung individuell angeleitet und begleitet worden, um digital mit ihren Angehörigen zu sprechen. Auch viele alternative Angebote habe die Einrichtung ermöglicht, etwa die Veranstaltungsreihe „Kultur im Garten“. „Es war überwältigend, wie viele ehrenamtliche Künstler unserem Aufruf gefolgt sind“, schwärmt Pohl von der Aktion im vergangenen Jahr. „Dabei konnten die Bewohnerinnen und Bewohner von ihrem Balkon aus Clowns, Sänger, Musikvereine und vieles mehr bewundern.“

Das Wichtigste sei jedoch die sinngebende Struktur des Alltags, die je nach Fähigkeit der Menschen mit Beeinträchtigung individuell durch die Werkstätten oder Tagesförderstätten geschaffen und ermöglicht werde, erklärt Pohl. „Ohne das bricht für sie eine Welt zusammen, sie haben Angst und sind unsicher. Das kann bis zum Verlust von Halt und Orientierung oder zu depressiven Verstimmungen gehen“, sagt sie. In diesem Punkt stimmt auch Einrichtungsleiter Zenner ihr zu. „Es wäre schlimm, wenn durch die Pandemie die Aufträge für die Caritas Werkstätten weniger werden würden und es fortan an Arbeit fehlen würde.“

 

Weitere Informationen zur St. Raphael Caritas Alten- und Behindertenhilfe GmbH gibt es unter www.st-raphael-cab.de, Tel.: 02651-49680 und E-Mail: info(at)srcab.de.


Bistum Trier und Diözesan-Caritasverband bieten spannende Freiwilligendienste

Berufserfahrungen sammeln und sich sozial engagieren

Foto: bt
Foto: bt

(Trier/Koblenz/Saarbrücken/bt) – Die Schule ist geschafft und nun steht die Suche nach der passenden beruflichen Orientierung an? Wer sich gerne sozial engagieren möchte und dabei in interessanten Einsatzstellen berufspraktische Erfahrungen sammeln möchte, kann sich jetzt wieder für einen Freiwilligendienst bewerben. Die Sozialen Lerndienste im Bistum Trier bieten in Kooperation mit dem Caritasverband für die Diözese Trier auch in diesem Jahr wieder die Möglichkeit, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) zu leisten.

Die Freiwilligen arbeiten je nach Möglichkeit sechs, zwölf oder 18 Monate in sozialen Einrichtungen wie Kindertagesstätten, Jugendzentren, Einrichtungen der Behindertenhilfe oder zur Betreuung alter Menschen, Krankenhäusern, Gemeinwesen- oder Kulturprojekten und Ganztagsschulen. Der Großteil der Freiwilligen beginnt seinen Dienst im August und September, aber der Einstieg ist – je nach verfügbaren Einsatzstellen – jederzeit möglich. In den letzten Jahren haben durchschnittlich 600 junge und ältere Menschen jährlich dieses Angebot genutzt.

Etwas über sich selbst lernen, in mögliche Wunschberufe schnuppern, die Chancen auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz steigern und dabei echte Einblicke in die Arbeitswelt bekommen und sich für andere Menschen sozial engagieren: Das sind nur einige der Motivationsgründe für einen Freiwilligendienst, wie Referentin Julia Gerz von den Sozialen Lerndiensten erklärt. So kann der Freiwilligendienst beispielsweise als fachpraktischer Teil der Fachhochschulreife anerkannt werden und erhöht oftmals auch die Chancen auf Ausbildungsplätze. Die Freiwilligen erhalten ein monatliches Taschengeld sowie Fahrtkostenerstattung, die Sozialversicherungsbeiträge werden übernommen und der Kindergeldanspruch bleibt während des Dienstes bestehen. „Auch jetzt in diesen besonderen Zeiten ist der Einstieg in ein FSJ oder den BFD möglich. Dabei steht für uns die Verantwortung für die Freiwilligen selbstverständlich an oberster Stelle“, so Gerz. In den Einsatzstellen gelten die jeweiligen Corona-Schutzmaßnahmen und derzeit fänden die begleitenden Seminare der Sozialen Lerndienste als Online-Kurse statt.

 

Bewerbungen für ein FSJ oder einen BFD sollten möglichst frühzeitig erfolgen an: Soziale Lerndienste, Jesuitenstraße 13, 54290 Trier, Tel.: 0651-993796-300 oder online: www.soziale-lerndienste.de, www.facebook.com/soziale.lerndienste.