Ansprache und Aktion zu Heiligabend/Christnacht - 24.12.2018


(Mit leichten Veränderungen auch für den Jahreswechsel geeignet!)

 

 

Dies ist die Ansprache zu einem besonderen Gottesdienst an Heiligabend - besonders in der Christmette. Sie wird vom Pfarrer, der Pfarrerin und drei Gemeindegliedern gehalten.

 

Erläuterung: Auf einem Tisch vor dem Altar liegt eine besondere Uhr, eine Wanduhr... (Die Uhr kann etwa vom Bastelkreis der Gemeinde angefertigt werden. Gipsformen für das Zifferblatt und Uhrwerke für die Uhr gibt es in Bastelläden und Kaufhäusern. Die Uhr wird mit 12 Beschriftungen von ihrem Mittelpunkt aus versehen - siehe Anhang. Zugrunde liegt die Geschichte: Die Weihnachtsuhr des Baltus Kern, deren Verfasser ich nicht mehr weiß. - (Die Groß-Eichener Uhr hing lange beim Bäcker des Ortes bis zur Geschäftsaufgabe und erinnerte täglich an den besonderen Gottesdienst zu Heiligabend und seine Botschaft.)

 

 

Nur zur Einstimmung:

 

Textlesung: Joh. 7, 28 - 29

 

Da rief Jesus, der im Tempel lehrte: Ihr kennt mich und wisst, woher ich bin. Aber nicht von mir selbst aus bin ich gekommen, sondern es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat, den ihr nicht kennt. Ich aber kenne ihn; denn ich bin von ihm, und er hat mich gesandt.

 

 

Ansprache:

 

1. Stimme: Ist das eins ihrer Geschenke zu Weihnachten, das sie da mitgebracht haben?

 

Pfarrer: Ja, es ist ein Weihnachtsgeschenk. Aber nicht ich habe es bekommen. Wir alle sind die Beschenkten! Und es ist ein besonderes Geschenk!

 

2. Stimme: Eine Uhr. Was ist an ihr besonderes? Zwei Zeiger. 12 Ziffern...

 

Pfarrer: Man muss genauer hinschauen.

 

3. Stimme: (nimmt die Uhr in die Hand) Es stehen Wörter darauf, von der Mitte zu jeder Ziffer, immer zwei Wörter...

 

1. Stimme: Das sind Sprüche, Ratschläge. Was steht hier bei der Eins? "Freundlich grüßen!"

 

2. Stimme: Und hier bei der Zwei: "Frieden halten!" Was bedeutet das und was heißt: "Wir sind die Beschenkten?"

 

Pfarrer: Die Uhr ist ein Weihnachtsgeschenk an diese Gemeinde, an uns alle. Und wir sind gemeint mit diesen Worten: "Freundlich grüßen", "Frieden halten"...

 

3. Stimme: Und von wem ist die Uhr? Von Ihnen?

 

Pfarrer: Ich habe Sie nur überbracht. Ich bin nur der Bote sozusagen. Man muss das tiefer sehen...

 

1. Stimme: Aber da ist doch nur eine Uhr...

 

Pfarrer: Hinter der Uhr ist die Zeit!

 

2. Stimme: Sie meinen, die Zeit ist das eigentliche Geschenk?

 

Pfarrer: Ist es nicht so? - Aber es kommt noch etwas hinzu...jetzt in der Christnacht: Die geschenkte Zeit ist auch gesegnete Zeit! Weil Gott selbst in dieser Nacht in die Welt und in diese Zeit gekommen ist!

 

3. Stimme: Als Kind in der Krippe von Bethlehem.

 

1. Stimme: Als Heiland der Menschen damals...

 

Pfarrer: Aber genauso als unser Retter und das Heil der Welt heute!

 

2. Stimme: Dann würden aber doch auf diese Uhr besser Sprüche passen wie "Jesus ist geboren" oder vielleicht "Gott liebt dich!" oder auch: "Du bist nie allein!"

 

3. Stimme: Aber das wäre doch zu lang! Da würde der Platz auf dem Zifferblatt nicht reichen.

 

Pfarrer: Das ist es nicht! Aber die Worte, die auf dieser Uhr stehen, gehen einen Schritt weiter. Dass Jesus geboren ist, wissen wir. Dass Gott uns liebt, wissen wir auch. Und auch, dass wir nie allein sind...

 

1. Stimme: Aber, dass wir Frieden halten sollen, wissen wir doch genau so!

 

2. Stimme: Aber wer lebt wirklich danach? Es ist doch so viel Unfrieden in der Welt und auch persönlich... Ich glaube, ich verstehe, was diese Uhr will!

 

3. Stimme: So soll diese Uhr also zu jeder Stunde des Tages eine andere Botschaft ausrichten, einen Denkanstoß geben und einen zum Handeln...?

 

Pfarrer: Und an diese Nacht heute soll sie uns auch immer wieder erinnern! Ohne diese Geburt im Stall von Bethlehem könnten wir keiner ihrer Botschaften folgen! Die Geschichte dieser Nacht ist wie die Wurzel all dieser Denkanstöße, wie der Hintergrund unserer Taten, wenn wir die Worte auf dem Zifferblatt beherzigen wollen.

 

1. Stimme: Jeder gute Rat, den die Uhr gibt, hat seine Ursache also in der Weihnachtsgeschichte?

 

2. Stimme: Wir können ja einmal schauen... Um 1 Uhr heißt es: "Freundlich grüßen!"

 

Pfarrer: Das könnte uns, immer wenn unser Blick darauf fällt, in Erinnerung rufen, wie freundlich es Gott mit uns meint, wenn er selbst in diesem Kind in unsere oft so kalte und dunkle Welt hinuntersteigt!

 

3. Stimme: Weil also Gott unser Freund ist, sollen wir auch der Freund unserer Mitmenschen sein?

 

Pfarrer: Oder werden! Wir sind es oft nicht. Einmal am Tag daran erinnert werden, ist sicher hilfreich!

 

1. Stimme: Um Zwei steht da: "Frieden halten!" - Das ist manchmal wirklich gar nicht so leicht, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt...

 

Pfarrer: Gott jedenfalls gefällt es, in dieser Nacht mit uns Frieden zu machen, uns seine Hand hinzuhalten, dass wir einschlagen...

 

2. Stimme: Das hört sich ja an, als würden wir ihn bekämpfen!

 

3. Stimme: Wenn du einmal davon ausgehst, dass Gott uns gemacht hat, dass wir seine Geschöpfe sind... Was bieten wir ihm doch manchmal. Oder wie wenig fragen wir nach ihm! Wieviel Grund hätte er doch, beleidigt zu sein und in seiner Ehre gekränkt, uns zu verdammen, zu vernichten, jedenfalls unser Feind zu sein!

 

Pfarrer: Heiligabend bietet uns dieser Gott noch einmal seinen Frieden an. Er diktiert ihn nicht, wie er das ja könnte. Er kommt ganz klein und schwach, als Kind... Dass wir endlich begreifen, dass er uns nichts Böses will, dass er uns nur sehr lieb hat.

 

1. Stimme: Und gerade so sollen wir es jetzt machen: "Frieden halten!" - Ob wir das können?

 

2. Stimme: Um drei Uhr sollen wir ein "Geschenk machen!" Das fällt sicher leichter.

 

3. Stimme: Wenn wir am Vorbild Gottes in dieser Nacht maßnehmen, wird eine kleine Gabe - wie etwa ein Weihnachtsgeschenk - wohl kaum genügen. Gott gibt uns ja auch nicht nur irgendetwas - er gibt sich selbst.

 

1. Stimme: Und ganz und gar! - Aber das ist auch wirklich das schönste Geschenk, das Menschen einander bereiten können, wenn sie sich selbst schenken!

 

Pfarrer: Um vier sagt uns die Uhr "Freude teilen"! Eine Sache, die mir besonders wichtig ist. Wir können uns ja kaum noch selbst über etwas freuen. Mit anderen...das ist noch schwerer!

 

2. Stimme: Aber auch da hilft uns die Weihnachtsgeschichte: Die Hirten etwa, die Sterndeuter und die anderen armen Leute an der Krippe... Sie haben sich doch auch mit den Eltern an dem neugeborenen Kind gefreut!

 

3. Stimme: Aber noch viel mehr haben wir doch Grund, uns mit anderen zu freuen! Wir haben keine Not! Uns geht es gut. Wir wissen auch, wer dieser Jesus einmal geworden ist und was Gott für uns durch ihn getan hat... "Freude zu teilen", war für die Armen und die Hirten eher schwieriger als für uns!

 

1. Stimme: "Sorgen mittragen" wird uns um fünf Uhr aufgegeben! - Hat nicht jeder selbst Sorgen genug?

 

Pfarrer: Aber es ist schon erstaunlich: Ich kenne viele Menschen, die ihre eigenen Sorgen bewältigen, indem sie an denen anderer mitschleppen.

 

2. Stimme: Geteilte Sorgen sind halbe Sorgen...

 

Pfarrer: Eigentlich noch mehr: Die Sorgen der anderen werden kleiner und meine eigenen auch!

 

3. Stimme: Und die ganze Geschichte dieser Nacht und die Erlösung, die Gott uns schenkt, entspringt ja eigentlich den "Sorgen", die er sich um seine Menschen macht!

 

1. Stimme: Sechs Uhr - "Liebe üben!" Das klingt ja wie in einem kitschigen Roman!

 

2. Stimme: Nur dass da die Liebe selten das Leben kostet! Das aber gibt der für die Liebe hin, der in dieser Nacht anfängt!

 

Pfarrer: Das Leben müssen wir auch nicht einsetzen für die Liebe. Aber nie vergessen sollen wir, dass einer sein Leben für sie gegeben hat!

 

3. Stimme: Das könnte uns immer gegenwärtig halten, wie wertvoll sie eigentlich ist: die Liebe!

 

1. Stimme: Und wen wir kränken, wenn wir lieblos handeln oder immer nur an uns denken!

 

2. Stimme: Die siebte Stunde ruft uns zu: "Barmherzig sein!" - Mir kommen da Bilder vor die Augen! Ich sehe den Mann, der aus dem Krippenkind geworden ist, wie er sich den Kranken, den Leidenden, den Zu-kurz-Gekommenen zuwendet.

 

Pfarrer: Aber sicher nicht nur als Bilder, die unser Staunen erregen sollen! Tun wir's ihm gleich! Auch wir können heil machen, gesund und froh, wo Menschen belastet, krank oder traurig sind.

 

3. Stimme: Und das ist wohl nicht einmal weniger wunder-bar, wenn wir das fertigbringen. "Barmherzig sein", da braucht man ein Herz für andere, da muss man sich selbst vergessen können und sich anderen zuwenden...

 

1. Stimme: Wie Jesus das konnte!

 

2. Stimme: Und wie wir das jetzt auch können - durch ihn!

 

Pfarrer: "Vergebung gewähren" ist in der achten Stunde dran! Ich glaube fest, dass die Schuld, die Menschen haben und empfinden, die Ursache für viele Krankheiten des Leibes und der Seele ist.

 

3. Stimme: Auch wenn keiner darüber redet und die "Sünde" in unseren Tagen ja fast ein Fremdwort ist!?

 

1. Stimme: Nicht "auch", wohl gerade deswegen! Wo kannst du denn noch von deiner Schuld sprechen? Wie kannst du sie loswerden?

 

2. Stimme: Der sich heute in die Krippe legt, sagt uns wie: "Dir sind deine Sünden vergeben!" - "Geh hin, sündige hinfort nicht mehr!"

 

3. Stimme: Aber das können wir doch nicht nachahmen! Stellt euch nur vor, ich sage meinem Nachbarn, den etwas sehr bedrückt: "Dir sind deine Sünden vergeben!"

 

1. Stimme: Aber warum soll man immer darum herum reden? Warum sagen wir immer so schnell: "Ach, das ist doch nicht so schlimm! Das war doch nicht deine Schuld! Da kannst du doch nichts dafür!" Warum sagen wir nicht auch einmal: "Das war wirklich böse, wirklich schlecht gehandelt! Aber wenn es dir leid tut, dann vergibt dir Gott gewiss!"

 

Pfarrer: Das genau ist es wohl, was die achte Stunde meint!

 

2. Stimme: Neben der neunten heißt es: "Güte schenken". Da geht man in Gedanken ja wieder zurück in den Stall, an die Krippe von Bethlehem. Da ist Gottes Güte doch Fleisch geworden.

 

3. Stimme: Aber Güte ist auch in unserer Zeit bitter nötig! Wie gehen wir doch manchmal mit einander um! Wir werden laut beim kleinsten Anlass...

 

1. Stimme: Wir sind gereizt und entnervt, wenn nicht alles immer ganz schnell geht. Die Fehler anderer werden angeprangert...

 

Pfarrer: ...über unsere eigenen wollen wir nichts hören. Dabei wäre Güte so geboten, wenn wir an die Güte Gottes in dieser freundlichen Nacht denken!

 

2. Stimme: Wir sind bei der zehnten Stunde: "Trost geben!" Ist das nicht doch sehr verbreitet in unserer Zeit, in unseren Dörfern, in unseren Beziehungen: das Trösten?

 

Pfarrer: Ich will nicht gering achten, wenn Menschen, denen die traurig sind, sagen: "Mein Mitgefühl! Herzliches Beileid! Aber ich glaube, Trost müsste doch noch mehr sein!

 

3. Stimme: Auch Taten. Auch echte Hilfe. All die Worte gehen einem ja leicht von den Lippen. Aber wenn es dann darauf ankommt, dass wir wirklich etwas tun... Da wird's trostlos!

 

1. Stimme: Jesus hat ja nie bloß Worte gemacht. Sein Trösten wird zu Taten!

 

2. Stimme: Wir sind fast am Ende des Zifferblatts: Elfte Stunde - "Hoffnung zeigen!"

 

3. Stimme: Ich habe einmal gelesen, dass jedes neugeborene Kind uns zeigt, dass Gott seine Hoffnung in uns noch nicht aufgegeben hat. Wieviel mehr zeigt uns das dieses Kind!

 

1. Stimme: Wie macht sich doch gerade in unseren Tagen die Resignation breit. Wie hoffnungslos sind schon die ganz jungen Leute. Wie wenig Zuversicht bringen die Erwachsenen auf, selbst die Christen!

 

2. Stimme: Dabei fängt Gott mit diesem Kind heute noch einmal ganz neu mit uns an! Und mit ihm vollendet er doch auch, was uns ewige Hoffnung gibt!

 

Pfarrer: Wenn wir das mehr in unserem Gesicht geschrieben hätten, wenn man diese Zuversicht in unseren Zügen lesen könnte - das würde strahlen. Und das würde auch andere zur Hoffnung einladen und die düsteren Gedanken vertreiben! Der Grund zur Hoffnung liegt heute in der Krippe!

 

3. Stimme: Die letzte Stunde ist erreicht: "Licht anzünden!", heißt es da.

 

1. Stimme: "Licht anzünden", hell machen, die Dunkelheit des Lebens und unserer Herzen vertreiben will diese seltsame Uhr ja wohl überhaupt!

 

2. Stimme: Und uns dazu bewegen, dass wir auch bei den Mitmenschen Lichter entzünden, wie er das zuerst für uns und bei uns getan hat.

 

Pfarrer: So kann uns diese Uhr, immer wenn wir auf ihr Zifferblatt sehen, die Heilige Nacht in die Erinnerung zurückrufen. Wir werden dann wieder wissen, dass heute einer in die Welt kam, der selbst das Licht war, ist und bleibt, solange wir über diese Erde gehen - und dann in Ewigkeit.

 

3. Stimme: Ein Geschenk an uns alle ist diese Uhr? - Wir müssten sie irgendwo aufhängen, wo unser Blick immer wieder einmal darauf fällt.

 

Pfarrer: Das wird geschehen. Lassen wir uns überraschen. - Wir wollen hier und jetzt tun, was uns die letzte Aufschrift zuruft: "Licht anzünden!" Hier in der Kirche buchstäblich. Und draußen - morgen und in der kommenden Zeit - bei denen, die im Dunkel leben.

 

(Das Licht wird von den vier SprecherInnen in die Reihen gegeben. Die Orgel intoniert: Ich steh an deiner Krippen hier... (EKG 28) und spielt dann so viele Strophen, wie nötig sind, alle Kerzen zu entzünden.)

 

 

Hier sind die 12 Texte für die Beschriftung der Uhr:

Freundlich grüßen!

Frieden halten!

Geschenk machen!

Freude teilen!

Sorgen mittragen!

Liebe üben!

Barmherzig sein!

Vergebung gewähren!

Güte schenken

Trost geben!

Hoffnung zeigen!

Licht anzünden!

 

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Autor: Pfarrer Manfred Günther; Foto: Gert Holle - 11.12.2018

     


Ansprache zur Christnacht oder zum Heiligen Abend - 24.12.2018

Foto: Gert Holle
Foto: Gert Holle

 

 

Die Ansprache kann auch von mehreren SprecherInnen vorgetragen werden!

 

(Wir lassen uns einstimmen mit Worten aus dem Evangelium des Johannes:
Textlesung: Jh. 7, 28 - 29
Da rief Jesus, der im Tempel lehrte: Ihr kennt mich und wisst, woher ich bin. Aber nicht von mir selbst aus bin ich gekommen, sondern es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat, den ihr nicht kennt. Ich aber kenne ihn; denn ich bin von ihm, und er hat mich gesandt.) *

 

 

Liebe Gemeinde!

 

Heute Abend will ich ihnen gleich drei Geschichten erzählen. Es sind allesamt Weihnachtsgeschichten, wie ich finde. Bei der ersten ist das auch ganz deutlich. Ich lese uns ein Stück aus dem Evangelium des Matthäus:
Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten. Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte.
Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten: "Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll."
Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so sagt mir's wieder, dass auch ich komme und es anbete. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war.
Als sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Und Gott befahl ihnen im Traum, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren; und sie zogen auf einem andern Weg wieder in ihr Land.

 

Worauf es mir bei dieser bekannten Geschichte besonders ankam, stand am Ende: "...und sie taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe." - Nun geht es ja in der Heiligen Nacht eigentlich um das Geschenk, das Gott der Welt und allen Menschen macht. Und das soll auch im Mittelpunkt bleiben. Andererseits ist das doch sehr schön und wichtig, dass auch die drei Weisen dem Krippenkind etwas schenken, nicht wahr? Wir finden das gewiss gut und richtig, so gut und richtig, dass uns das Schenken der drei Könige bis heute nie besonders aufgefallen ist oder uns erstaunt hätte. Schließlich glauben wir ja auch von den Hirten, die wenig zuvor an der Krippe waren, dass sie sicher ein paar Geschenke mitgebracht haben. Kleinere zwar, aber bestimmt kamen auch sie nicht mit leeren Händen. Ihnen trauen wir ein Knäuel Wolle zu, ein bisschen Käse oder Butter, vielleicht auch eine warme Decke für das Kleine. Auch die Gaben der Hirten passen so recht in unser weihnachtliches Bild, das wir uns in unserer Phantasie gemacht haben - obwohl nichts davon in der Bibel steht.
Was uns das also sagt: Es scheint uns ganz recht und angemessen, dass auch die Menschen auf Gottes Weihnachtsgeschenk antworten und das schenken, was sie ihrem Vermögen nach können. Keinem von uns käme in den Sinn, sich zu wundern, wenn ein König Gold und ein Hirte etwas Wolle an der Krippe niederlegt.
Beides ist gut und recht, eben angemessen. - Aber jetzt zu uns: Was schenken wir Gottes Kind zu Weihnachten?

 

 

Liedstrophe: EG 37, 1 Ich steh an deiner Krippen hier...

 

 

Die zweite Geschichte, die ich erzählen möchte, spielt auf einer Hochzeit. Zwei junge Leute wollen mit vielen Gästen ihr Fest feiern. Da sie arm sind, was jeder weiß, haben sie gebeten, dass jeder Gast einen Krug Wein mitbringt. Bevor die Feier nun losgeht schüttet jeder seinen Krug in das dafür vorgesehene Fass vor dem Festsaal. Doch wie groß ist das Erstaunen der Leute, als die Gastgeber dann die Gläser der Gäste füllen. Alle hatten nur Wasser in den Bechern! - Jeder hatte gedacht, sein Krug Wasser werde bei dem vielen Wein doch bestimmt nicht auffallen! Das Fest - so heißt es - fand nicht statt!
Obwohl diese Geschichte nun wirklich nicht weihnachtlich ist, haben sie doch gemerkt: Sie ist ja wie das genaue Gegenstück zur Szene an der Krippe, da die Könige und Hirten ihre Gaben darbringen. Die Weisen waren nicht verpflichtet, ja, nicht einmal aufgefordert, Geschenke zu bringen - sie tun es gern und wie selbstverständlich. Die Festgäste aber waren ausdrücklich gebeten, einen Krug Wein als Gabe mitzubringen - sie haben alle nur schales Wasser dabei. - Liebe Gemeinde, wem gleichen wir zu diesem Weihnachtsfest?

 

 

Liedstrophen: EG 37, 2+3 Da ich noch nicht geboren war...

 

 

Noch einmal: Ich glaube einfach, wir spüren alle, dass es gut ist und angemessen, unserem Gott, der uns mit dem Kind in der Krippe so reich beschenkt nun auch etwas zu bringen. Oder begreifen wir das gar nicht mehr so richtig, was das eigentlich heißt: Gott wird Mensch dir Mensch zugute..., Christ der Retter ist da! der Herr wird Knecht und der Knecht zum Herrn... Ist das vielleicht viel zu sehr die alte unverständliche Sprache des Gesangbuchs? Dann will ich's anders sagen: Dein Leben hat Sinn - seit Gott in die Welt kam. Du bist getragen und gehalten in allem, was dir geschieht. Deine Schuld ist dir vergeben. Der da in der Krippe liegt geht für dich ans Kreuz. Du bist frei, kannst neu anfangen als ein Freund, eine Freundin Gottes. Und - das Beste, finde ich - du hast Zukunft über den Tod hinaus, musst dich also nicht fürchten. Ein ewiges Leben wartet, ein Fest ohne Ende, keine Krankheit mehr, kein Leid, keine Tränen... - Und da sollten wir heute mit leeren Händen an die Krippe treten? Da sollten wir den Wein zuhause lassen und Gott nur einen Krug mit Wasser bieten?
Jetzt erzähle ich die dritte Geschichte, die handelt weder von Hirten noch von Königen noch von Hochzeitsgästen - die handelt von uns. Ja, es ist deine und meine Geschichte. Sie spielt heute Nacht (Abend), jetzt hier in der Kirche; sie entspinnt sich gerade eben, dort wo und an uns, so wie wir sind.

 

Jawohl, das leuchtet uns ein: Diesem Kind in der Krippe müssen wir auch etwas schenken. Bloß, was haben wir denn dabei? Bevor wir nun in unserem Anzug kramen und in unserer Handtasche... Angemessen soll es sein! Gott braucht ja heute kein Gold, keine Wolle und auch keinen Wein. Aber es gibt ja auch ganz andere Gaben, die haben wir hier drinnen im Herzen und die geben wir gerne her oder wir sparen sie ängstlich, mit denen wollen wir nun auch Gott eine Freude machen oder wir halten sie voller Missgunst und Geiz zurück, so dass wir uns schämen müssen. -

 

Ich glaube, wir möchten gern etwas schenken! So schreibe ich jetzt unsere Geschichte ganz langsam vor unseren Ohren auf und trage sie vor und hoffe, dass sie ehrlich ist und echt und vor allem wahrhaftig:
Ich denke mir, da tritt nun die eine unter uns an die Krippe heran und sieht, wie gut es Gott doch mit ihr meint, wie gewaltig die Liebe sein muss, die den Herrn der Welt in einem Futtertrog liegen lässt und sie ist so angerührt davon, so überwältigt, dass sie zu dem Kind spricht: Herr, ich will dir auch meine Liebe schenken. Ich will den Menschen, die du mir zu Nächsten gemacht hast, die Liebe geben, die ich dir schulde. Das soll meine Gabe an dich sein zu dieser Weihnacht.

 

Nun kommt auch ein Mann hervor aus dem Dunkel des Stalls und schaut dem Kind ins Gesicht. Er ist schon älter, das Leben hat ihn gezeichnet und seine Spuren in seinen Zügen hinterlassen. Er sagt diese Worte: Mein Herr, mein Gott, immer war ich unzufrieden mit meinem Schicksal. Immer dachte ich, anderen ginge es besser als mir, sie hätten mehr mitbekommen und du würdest sie mehr schonen und hättest sie lieber als mich. Jetzt sehe ich, dass du dir selbst auch nichts erspart hast. Ein Gott in einem Futtertrog! Ich bringe dir heute meinen Glauben, mein Vertrauen zu dir! Nimm es an. Ich will nie vergleichen, nie mehr fragen, was andere haben und wie es ihnen ergeht, ich weiß ja nicht deinen besonderen Weg mit ihnen und den eigenen Plan, den du mit ihnen hast. Wenn du mich nur in deiner Nähe bleiben lässt, an deiner Seite... Ich weiß, dann kann mir nichts geschehen, dann werde ich meine Zeit auf dieser Erde gut vollenden und habe ein Ziel. Nimm mein Vertrauen, Herr!

 

Noch ein dritter erscheint nun vor der Krippe, einer der viele Güter in dieser Welt besitzt. Hören wir, was er sagt: Herr und Gott, an deiner Krippe wird mir deutlicher als sonst, wie arm ich bin. Die Leute meinen, ich wäre reich, aber das sind doch nur die Sachen, von denen ich viel habe. Wie leer es hier drinnen ist, das weißt ja nur du. In deinem Licht fühle ich, dass ich frei werden muss von den Dingen, vom Geld und allem, was man kaufen kann. Ich möchte es dir schenken und weiß ja, du brauchst es nicht. Aber ich kenne viele, die es brauchen - manchmal sogar, um zu überleben. So nimm du heute an, was ich jenen zuwenden will und mach' mich reich dadurch, dass ich ärmer werde.

 

 

Liedstrophen: EG 37, 4+5 Ich sehe dich mit Freuden an...

 

 

Liebe Gemeinde in dieser Heiligen Nacht!
Die Geschichte geht noch weiter. So lange, bis auch der und die letzte von uns in den Glanz des Weihnachtslichts getreten sind. Einer bringt einen ehrlichen Vorsatz, der andere seinen guten Willen. Von Treue wird da gesprochen und von neuem Anfang, von Hilfe an denen, die sich selbst nicht helfen können und vom Nachbarn, dem man endlich wieder die Hand reichen wird und noch von manchen anderen Gaben, die nur jeder und jede persönlich an die Krippe bringen kann. -

 

Soweit diese dritte Geschichte. Sie ist nun nicht zu Ende, hoffentlich nicht! Sie hat gerade begonnen. Sie geht da weiter, wo sie von heute an wahr machen, was sie dem Kind in der Krippe heute gern schenken würden. Denken sie doch nur, es wäre ihr Wein nur Wasser! Wie beschämend, wie arm. Das Fest fände nicht statt! Denken sie an die Könige, die Hirten... Wie selbstverständlich packen sie aus, was sie haben, jeder das, was er vermag. Und wie beglückt, wie froh gehen sie wieder nach Hause, wie reich beschenkt! Sie sind - obgleich sie ihre Gaben zurücklassen - nicht ärmer geworden, sondern unendlich viel reicher. - So findet das Fest statt. Ich wünsche Ihnen - in diesem Sinne - einen gesegneten Heiligen Abend und frohe Weihnachten!

 

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Beim folgenden Lied EG 36 (Fröhlich soll mein Herze springen... - mindestens die Str. 1 - 6) wird eine DIN A6-Karte mit dem in der Ansprache enthaltenen Text verteilt:

 

Dein Leben hat Sinn - seit Gott in die Welt kam. Du bist getragen und gehalten in allem, was dir geschieht. Deine Schuld ist dir vergeben. Der da in der Krippe liegt geht für dich ans Kreuz. Du bist frei, kannst neu anfangen als ein Freund, eine Freundin Gottes. Und du hast Zukunft über den Tod hinaus, musst dich also nicht fürchten. Ein ewiges Leben wartet, ein Fest ohne Ende, keine Krankheit mehr, kein Leid, keine Tränen... - Und da sollten wir heute mit leeren Händen an die Krippe treten? (Vielleicht fügen wir ein Bild von einer Krippe hinzu?)

 

 

Auf der Rückseite steht oben über:

 

Das soll mein Weihnachtsgeschenk sein für den, der mich so reich beschenkt hat:

 

Darunter ist Platz, eigene "Gaben" aufzuschreiben.

 

Und so könnte die Karte aussehen:

 

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Autor: Pfarrer Manfred Günther; Foto: Gert Holle -1.11.2018